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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-12 · Heft 2740 (12.10.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2740 (12.10.1926)
Date
1926-10-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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«ette « Wien, Dienstag WiettSk MorgSnzeitttttg 12. Oktober 1926 Nr. 2749 Sereine. BortrSge und Versammlungen. Wiener Bet-Hamidrasch, 2. Bez., Tempelgasse 8. 6 Uhr Lektor Dr. S. Gelbhaus: „Historische Psalmen". — Leopolostädter Bollsheim, 2. Bez., Zivkusqasse 48. Heute beginnen: 7 Uhr: Vorschule der Mathematik, Ginheitskurzschrift für Vorgeschrittene, Radiotechnik, Erste Hilfe und Krankenpflege. 8 Uhr: Gesundheitslehre. — Brigittenaner Bolksheim, 20. Bez., Stromstraße 78. Heute beginnen: 7 Uhr: Univ.-Prof. Dr. Schiff: Soziale Berveaung und Sozialpolitik. Mit Hebungen. Dr. Weisz: Allgemeine Geologie, Gisela Harditzky: Deutsch für Nichtdeutsche. — Verein Tikwath Iehuda, 8. Bez., Bennoplatz 1: Heute, präzise halb 9 Uhr abends: Vortrag Ooerbaurat Ing. Robert Stricker: Antwort an Prof. Dr. Franz Oppenheimer. — Verein der Freunde der „Wiener Morgenzeitung". Heute, halb 9 Uhr abends, findet int Klublokale des Cafe Atlashof, 1. Bez., Aspernplatz 1, eine Vollversammlung der Mitglieder des Vereines statt. Um Pünktliches Erscheinen wird dringend ersucht. — Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt. Der große Lesesaal und das Büfett in unserem Heime wurde wieder eröffnet. Die hebräische Schule eröffnet demnächst Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene gegen einen Beitrag von 2.50 Schilling monatlich. Einschreibungen täglich mit Ausnahme von Freitagen von 6 Uhr ab. — Jüdischer Jugendbund Brith Hazofim, 2. Bez^ Rembrandtstraße 18. Heute abends um 8 Uhr Bortrag des Dr. Otto Hah n. Kurs über Gesundheitslehre und Hygiene. Herichtssaal. „Wohltäter". Der 30jährige Kaufmann Hugo Feith trat im Jahre 1923 an die Leopoldstädter Ortsgruppe des Landesverbandes der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen heran und schlug dem Ausschuß vor, für die Invaliden eine Esfektenlotteriezu veranstalten. Die Durchführung der Jnvalidenlotterie wurde ihm übertragen, der Reingewinn sollte der Ortsgruppe zufallen und Feith nur den üblichen Lohn für die Durchführung der Aktion erhalten. Das Finanzministerium bewilligte die Lotterie mit 300.000 Losen (zum Preise von 40 Groschen) und mit 2000 Treffern im Werte von 24.000 Schilling. Nun begann, wie die Anklage, die dem Feith Betrug vorwirft, sagt, ein wohldurchdachtes Spiel des Feith, alle Vorteile dieser Wohltätigkeitslotterie nicht den Invaliden, sondern sich und seinen Helfern zuzuwenden. Fast eine Milliarde Kronen ergab der Losverkauf. Davon flössen 226 Millionen in dieTaschen Feiths. Er hat der Ortsgruppe noch einen weiteren Betrag von 16.000 Schilling heraüsaelockt unter der Vorspiegelung, er wolle fiir die Invaliden Gefrornesapparate anschaffen. In der gestrigen Verhandlung verantwortete sich Feith dahin, daß er nur das sich behielt, was ihm im Vertrag zugesichert wurde. Er habe sich für die Behebung einer so beträchtlichen Entlohnung wie die Summe von 226 Millionen für berechtigt erachtet, weil er in demsÄben Vertrag die Verpflichtung übernahm, das eventuelle Defizit aus eigenem zu decken. Nach längerer Verhandlung verbündete der Vorsitzende, Hofrat Dr. Billek, den Freispruch Feitys und seiner Mitangeklagten. In der Begründung wurde ansgeführt, daß Feith wohl darauf bedacht war' möglichst große Gewinne in die eigene Tasche fließen zu lassen und Latz die gar^e Sache a n r ü ch i g sei, jedoch eine Grundlage für den Nachweis einer Schädigurrgsabsicht fehle. Ein Betrug sei strsstechtllch nicht nachweisbar. Die Geschädigten wurden «rf den Zibilrechtsweg verwiesen. Die Gelivtte des Mörders von der Tabakregie. Dem Bezirksgericht Margareten wurde gestern aus der landesgerichtlichen Untersuchungshaft die Hausbesorgerin Leopoldine Weiß vorgeführt. Sie ist die Geliebte des Ferdinand Hunger, der, wie berichtet, als einer der beiden MörderdesNachtwächters Ludwig der Tabakregie erkannt wurde. Den Gegenstand der Verhandlung bildete eine Klage des Besitzers des Hauses Voglsanggasse 34, wo sie Weiß Hausbesorgerin war, auf sofortige Lösung des Dienstverhältnisses und Räumung der Hausbesorgerwohnung. Sie hat am 6. v. M. zwei Kassen?inbrecher, die bei ihrer Tätigkeit überrascht wurden und sich in Vas Haus flüchteten, verborgen gehalten. Beim Eintritt der Wachorgane flüchteten die Einbrecher in die Waschküche, von wo sich ein regelrechtes Feuergefecht zwischen ihnen und den Wachleuten entwickelte. Einer von ihnen, nämlich Hunger, wurde überwältigt, der zweite entkam. Mit Hunger wurde auch die Weiß dem Landesgericht eingeliefert. Nach längeren Verhandlungen verpflichtet sich die Weiß, die Wohnung binnen vierzehn Tagen zu räumen. Sie wurde dann wieder in das Landesgericht zurückgefiihrt. Mfsjoitl Kouftltulttmrg Des Sollbeirater. Heute fand im Gebäude der Wiener Handelskammer die Konstituierung des Zollbeirates statt. Ter Bundesminister für Finanzen entwickelte in einer längeren Ansprache den Werdegang und die Aufgabe des Zollbeirates, der als Fachbeirat berufen ist, dasBundesministerium für Finanzen bei der Entscheidung von'Zollstreitfällen und bei der Erteilung von rechtsverbindlichen Zolltarifauskünften durch die Abgabe von Gutachten über die zolltarifarische Behandlung der Waren zu unterstützen und auch berechtigt ist, Anträge in Angelegenheiten derZolltarifiernng zu stellen. Sodann gab der Finanzminister bekannt, daß zum Borsitzenden des Zollberrates Sektionschef Tr. Leopold Io, as, zu dessen Stellvertretern die Ministerialräte Dr. Eduard Canisius und. Dr. Friedrich Distler und zum Schriftführer der Rechnungsdirektor Felix Reichelt bestellt wurden. Anschließend hieran fand die erste Vollversammlung des Zollbeirates statt, in welcher die erschienenen Mitglieder mrd Ersatzmänner die Angelobung leisteten und die Geschäftsordnung genehmigt wurde. Sodann schritt der Zollbeirat an die in der Geschäftsordnung vorgesehene Bildung der fünf Fachabteilungen, welche folgende Warengruppen umfassen: 1. Nahrungs- und Genußmittel, 2. Trogen, Erdöl, Chemikalien, Abfälle^ 3. Baumwolle, Leinen, Jute, Wolle, Seide, Konfektion, Wachstuch mtb Kürschnerwaren, 4. Bürstenbinder- und Flechtwaren, Papier, literarische und Kunstgegenstande, Kautschuk, Leder, Holz- und Schnittstoffe, Glas, Steine, Ton, Spielwaren, 5. Metalle, Maschinen, Fahrzeuge, Instrumente. Alt'Kronen-klearing rfchechollowaler-Sefterreich. Aus Prag wird berichtet: Die tschecho-slowakische Regierung .hat nunmehr die .erste Durchführungsverordnung des Clearings in a l t e n K r o n e n f o r d e r u n g e it zwischen der Tschecho-Slowakei und O oft e r r e i ch erlassen. Die Verordnung bestimmt vor allent, daß von den Saldi ein Prozent für Verwaltungsauslagen abgezogen wird. Ferner ist ein „Reservefonds für unbekannte Gläubiger" und ein „außerordentlicher Hilfsfonds" im Höchstbetrage von fünf Millionen tschecho-slowaki sch er Kronen zu errichten. Hypothekargläubiger werden bevorzugt, und zwar erhalten solche tschecho-slowakische Gläubiger, deren Hypotheken auf tschecho-slowakische Immobilien sichergestellt sind, von vornherein bei Teilschnldverschreibuttgen 9 0 Prozent, bei sotlstigen Hypothekarforderimgen volle 100 Prozent ihrer Hypothekarforderung in tschecho-slowakischeu Kronen. Jene tschecho-flowakischeit Hypothekarglättbiger, deren Forderungen auf ö st e r r e i ch i s ch e Immobilien sichergestellt sind, erhalten vorläufig 10 P r o z e n t ihrer Forderungen in tschechoslowakischen Krotten. Der Rest der Clearingmasse wird zwischen den Hypothekargläubigern auf österreichische Immobilien und allen übrigen Gläubigern gleichmäßig anfgeteilt. Die tschecho-flowakischen Hypothekargläubiger, deren Forderungeit auf österreichische Immobilien sichergestellt sind, erhalten demttach vorlättfig ttur so viel, wie ihr österreichischer Schuldner in das Clearing einzahlt, unter Umständen, wenn die Zahlung der Zinsen mittlerweile in tschecho-flowakischen Kronen erfolgt ist, sogar nur ein Drittel des Betrages, den der österreichische Schuldner bezahlen muß. Der außerordetttliche Hilfsfonds soll solche Gläubiger uttterstützett, deren österreichische Schuldner ttt'cht bezahlen. Durch die Verfügungen der tschecho-flowakischen Regierung ist nunmehr die Durchführung des Clearings nähergerückt, für den die Anmeldungen vor inehr als vier Jahren erfolgten. Es ist zu erwarten, daß in Bälde Zahlungsaufträge herausgegeben werden, auf deren Grundlage dann die eitdgültige Erledigung erfolgen kann. Ae deutsch-englische Fnduftriellenkousereuz. London, 11. Oktober. Das Wolsfsche Bureau meldet aus Broadlands: Hier fanden Ende der Woche zwanglose Unterhandlungen zwischen deutschen und englischen Industriellen statt, die bezweckten, festzustellen, in welchem Umfange es möglich sei, die Interessen der beiden Lcürder auf eilte gemeinsame Formel zu bringen. Die Teilnehmer handelten hiebei in privater Eigenschaft. Die Verhandlungen waren von dem aufrichtigen Streben gegenseitigen Verstehens und von dem Wunsche getragen,, die Schwierigkeiten zu beseitigen und eine Atmosphäre des Vertrauens ftu schaffen. Es kann gesagt werden, daß diese Besprechungen in der Tat eine ausgezeichnete Grundlage für künftige Abmachungen zwischen den beiden Ländern bilden würden. Darüber hinaus bedeutet nach dem Gefühl aller Beteiligten die Konferenz einen entschiedenen. Beitrag für eine wirtschaftliche Verständigung in Europa. Die Konferenz beschloß, einen Ausschuß zu bilden, dessen Aufgabe es sein soll, die aufgeworfenen Fragen weiterhiir zu behandeln. Weitere Zusammenkünfte der Konferenzteilnehmer sind bereits in Aussicht genommen. Zu diesem Kommunique wird noch privat gemeldet, daß das erwähnte deutsch-englische Komitee paritätisch zusammengesetzt ist. Präsident der englischen Delegation des Komitees ist der frühere Schatzkanzler Sir Robert Horne, Präsident der deutschen Delegation Dr. Dulsberg. In der Besprechung vom Sonntag wurde ein Referat über die Zusammenarbeit der deutschen und der englischen Industriellen für die Eröffnung des russischen Absatzmarktes angehört. Sir Robert Horne gab hierauf eine Erklärung ab, worin er sich über die Möglichkeit eines Handels mit Rußland sehr skeptisch äußerte. Copyright 1926 by R. Löwit Verlag, Wien. Jajin Kiddusch. Eine Erzählung aus dem alten Prag. (3. Fortsetzung.) In diesem Augenblicke klirrte in den vorderen Ziim mern eine zu Boden geworfene Schale und ein vielstimmiges „Masel-tow" erschallte. Tina erblaßte, entzog dem Arzte ihre Hand und flüsterte unter Tränen: „Die Schale ist gebrochen; mein Los ist entschieden." Der Rabbi trat ein und ließ die Braut, „Maseltottf1 wünschend, den Zipfel seines Mantels fassen; chm folgte der Bräutigam und überreichte seiner Verlobten ein Kästchen mit Goldmünzen als Brautgeschenk; dann kamen Pater imb Mutter Klebler mit reichen Geschenken und küßten die künftige Schwiegertochter; nach ihnen stürmten die übrigen Gäste herein, jeder mit einer Gabe und Glückwünschen. Saloms Tochter war betäubt. Sie hörte weder den Gesang des Chasan, noch die witzigen «Äegreifreime des Bübchen. Ihr Auge haftete bald auf dem Bräutigam, bald auf Leon. In den vorderen Zimmern wurde es immer lebhafter. Tic Tische Mucken gedeckt, das Hausgesinde eilte dienstbeflissen hin und her; der eigens bestellte „Server" (Tafeldecker) ordnete die Tafel und die Gäste nähmen ihrem Rang nach Platz, nachdem jeder bei der sprudelnden Gießkanne die Hände gewaschen hcllte. Leon wollte nicht länger bleiben. Auf seinem sonst so freundlichen Antlitz lag Mißmut und Verdruß. Er nahm vom Hausherrn kurzen Abschied und entfernte sich schnell. Es war nahe an Mitternacht, als Leon in seine Wohnung kam. Vergebens suchte er den Schlaf; unablässig verfolgte ihn das Bild Tinas, der Verlobten eines andern! Erft gegen Morgen beruhigte der Schlaf den Sturm seiner Seele. Als Leon erwachte, sah die Sonne durch die Fensterscheiben. Hastig kleidete er sich an, um den Morgenbesuch bei seinem Herrn, dem Erzbischof zu machen. Da trat sein Diener ein und überreichte ihm ein Kästchen aus feinppliertem Ebenholz: „Ein Mann hat dies am frühen MDkgen gebracht, mit der Botschaft, es Euch beim Erwachen sogleich einzuhändigen." Tor Doktor erbrach das Kächsten. M war mit Goldstücken angefüllt; in der Mitte lag ein kostbarer Tiamantring um ein zusammengerolltes Papier. Leon entfaltete neugierig das Blatt und las: „Nehmt dieses kleine Geschenk als geringen Beweis unserer Erkenntlichkeit. Solltet Ihr irgendeines Dienstes bedürfen, so findet Ihr mich stets bereit." Leon zweifelte nicht, daß Salom der Geber sei; er nahm sich vor, dem Juden die Goldstücke zurückzustellen, denn er wollte sich nicht mit Gold bezahlen lassen. Mit diesem Vorsatz eilte er zum Erzbischof. * Der Erzbischof von Mainz war nicht so heiter und freundlich wie sonst; eine finstere Wolke lag auf der Stirn des Prälaten. Besorgt erkundigte sich der Leibarzt nach dem Gesundheitszustände seines Herrn. „Der Körper, lieber Freund, ist wohl gesund; aber die Sorgen drücken meinen Geist nieder," erwiderte der greise Äatthatter. „Es ist nicht leicht, dieses Land zu verwälten, dessen Volk stolz und halsstarrig ist, der König aber sich um des Landes Wohl wenig kümmert. Da soll nun ich aller Mann das Regiment führen. Alles ginge noch, wenn wir nur Geld hätten. Der König verlangt schon wieder Gold für seine Luxemburger, die SoLaten, die Beamten wollen ihren Sold und unsere Kassen sind leer. Ta muß die Gärung im Lande bqld ausbrechen." Der Erzbischof schwieg und betrachtete aufmerksam seinen Leibarzt, der nachdenklich vor ihm stand: „Euer Geist scheint mit anderen Dingen beschäftigt als mit unseren Staatsangelegenheiten; und doch rechne ich gerade in dieser Sache auf Euch!" — „Gnädiger Herr, verzeiht die Ungebühr; ich dachte darüber nach, wie dem Uebel abzuhelfen wäre. Nun Ihr auf mich rechnet, so bin ich gerne berell, alles zu tun, was Ihr wünschet. Ich habe einen kleinen Sparpfennig..." — „Den behallet ruhig, Doktor. Aber höret an, wozu ich Euerer Dienste bedarf. Das meiste Bargeld befindet sich in den Händen unserer Inden. Die Staatspolllik, wie sie im Frankmlande oft geübt wurde, die Juden, nachdem sie im Lande Schätze gesammett, gewaltsam zu plündern, hatte ich nicht nur für unmenschlich, sondern auch für schädlich. Wenn aber ein oder.mehrere Juden sich fänden, die dem Staate gegqn Hchuldschchn und billigen ZW. ein paar tausend Mark Silbers vovftreckten, so wäre dem Uebel abgeholfen. Zu diesem Geschäft nun bedarf ich Euer, Doktor. Ihr seid mit diesem Volke bekannt, Eure Beredsamkeit und einnehmende Art wird sie zugänglich machen." Leon hörte aufmerksam zu, und als der Statthaller geendigt hatte, erwiderte er: „Gnädiger Herr, da kann geholfen werden! Wieviel benötigt Ihr?" — „Zweitausend Mark wären genug," war die Antwort. — „Gui, ich kenne einen reichen, redlichen Juden, an den will ich mich wenden" Gleich nachdem die Audienz zu Ende war, eilte der Arzt in die Altstadt zu Salom, der ihn freudig empfing. Nach einigen gleichgülligen Gesprächen begann der Arzt: „Lieber Salom, als Ihr mir gestern Eure Dienste anbotet, hätte ich nicht gedacht, daß ich so bald Eure Güte in Anspruch nehmen würde. Aber heute schon bin ich gekommen, Euch an Euer gestriges Wort zu erinnern." — „Herr, was Salom versprochen hat, das hätt er auch." — „Turan zweifle ich nicht! Ihr habt Eure Erkenntlichkeit reichlich bewiesen, indem Ihr mir heute früh ein so wertvolles Geschenk sarrdtet. Es ist zu viel für einen kleinen Dienst, der Menschenpflicht war. Ich nehme den Ring zum Andenken, doch die Goldstücke bringe ich Euch zurück," sagte Leon, indem er den Beutel auf den Tisch legte. „Tut mir das nicht an, Herr!" bat Salom. „Nehmet, was ich leicht ent-' behren kann!" — „Aber laßt mich doch ausreden!" fiel der Doktor ein. „Ich gebe Euch Euer Geld zurück, um well mehr zu verlangen." Darauf machte er Salom mit dem Verlangen des Statthalters bekannt und erklärte ihm den Zustand des Landes. „Zweitausend Mark? Viel, sehr viel für mich allein!" sagte Salom und setzte kopfschüttelnd hinzu: „Gegen Schuldschein! Der Schuldschein eines Staates ist nur ein schwaches Papier in der Hand , eines Juden. Bei wem soll ich mein Recht suchen, wenn per Schuldner selbst der Richter ist? Doch Euch zuliebe will ich auf den Vorschlag des Statthalters eingehen, wenn ich noch einige andere dazu bereden kann. Für mich allein ist die Sußnne zu groß. Wartet hier, Herr, ich bringe Euch bald Antwort" Salomnahm Bar°ll und Stock und ging. (Hoptsetzung folgt.)

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