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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-12 · Heft 2740 (12.10.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2740 (12.10.1926)
Date
1926-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wien: Zum Abholen in der Expedition, 11., Taboratr. 143 oder in ßinerVerschleißstölle (Trafik) monatl. 5 Schilling Straßeaverkauf in Wien durch dis Kolportetrr© der Firma Go 1 dacüntisd, 1.. Wollaeihrjl Mit Postversand W Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho - Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. d.Frankreioh, Belgien: Mon. Frcs.35 Nachishlttngon bei Ptel«- erhöbnnffen Vorbehalten Wiener Preis WO g| Engla« d:Mon.4Schilling. Ll-alism: Müfiatl. 20 Lite Bamnänien: Mon. 170Lei tkelga-ri o-ttiMcn.lOO Lewa, Schwei« ttnd das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Hedak&en, AskäittistratjoB: Wien, BL, Taborgtr. 1 Telephon : #L0-38, 43*6*10 Ab 6 Ote:”"ieL 31-209 M., Lerchmrfelderstraße 1 (Druckerei „hwa*) Oestersei chie cbes Postsparkassenkonto Nr. 150.693 2740 Wie«. Dienstag. 12. Lttsber 1028. 0. Achtgang Generalangriff der Spposttion. Slumszenen im ftelrische« LaMag. — Rach Rintele« Bmesch. — Bar Rennnchle»? Die Taktil der Sozialdemokraten scheint darauf Hinauszulaufen, di« innerpolitsche Lage von der Steiermark aus aufzurollen. Sie Haben dort gestern nüt det. angekündiglen Obstruktion gegen die Wahl des' Unterrichtsministers Dr. R i n t e l e n zum Landeshauptmann eingesetzt. Ihr Vorgehen hat offensichtlich den Zweck, einen Keil zwischen die Parteien zu treiben, die in Wien die Regierungsmehrheit bilden. Käme die Wahl Dr. Rknbelens nicht zustande, und müßten Neuwahlen in den steirischen Landtag vorgenommen werden, so müßten sich die G r o ßdeutschen und L a n d b ü n d l e r aus eigenem Parieiinteresse gegen die Christlich sozialen wenden, wobei ihum natürlich das aus dem Zentralbank-Untersuchungsausschuß bekannt gewordene AMagemalerial den besten Agitatipnsstoff liefern würde. Ein solcher Wahlkampf konnte nun nicht ohne Rückwirkung auf die Pehrheitsbildung im Wiener Zentralst arla7ment sein. Daher zielt die Taktik der Christlichsozialen und jenes Teiles der Großd'eutschen, der von Neuwahlen nichts zu erhoffen hat, darauf ab, die Landtags- Wahlen zu verhindern. So hat sich z. P. die oberösterreichi?. sjhe/Handesparteileitung der Gryßöeutschen für die?Herstellung der n äti anck.len E i n h e it s fr onihei.den^ Narionalratslvahlen und für den .. Ei n t r i t t d e r. Groß'd ent scheu i N d a s na ch dtze r Dem iss i pn Hr. Pameks steuznbildend??Kahimett sprachen?^ ,??^ . Noch sind'die Sozialdemokraten des angestrMen ,Er-. folges, in Steiermark picht sicher,,aber scho'n setzen sie WM' Ängrifs gegen einen zweiten Landtag, dm von Niederösterr'eich, öin'. ' ' '? v ' Die sozlaldenwkvatische LanLesparteiventteiung unL>^ der . Klub der sozialdemokratischen Abgeordneten zum niedorösterreichlslhen Landtaghaben Montag, unter Deilnahm'e --- der in Niederösterreich gewählten. Nationalräte und Bun-des- - rate und un>ter Anwesenheit der Vertreter -des P-artewor- , standes eine Konferenz abgchalten . und einen Be- , schl u ß gefaßt, der'behauptet, daß der Zusammenbruch dbr nieoerösterveichischen Bauernbank durch die fühven- ' den Mitglieder der christlichsozialen «'Partei-.. des Landes' ' ^v'e r sch u l be i wunde. Durch die Perhandlungen ' im Centralbankuntersuchungsausschuß .sei dies - einwandfrei sestge- - stellt worden. Die Konferenz ermächtigte schließlich die- ' niederöster- ' reichliche La-ndesparteibertrettmlg; im Embern-öhm-en mit dem 'Klub'der fozialdemolkvütischen Landtagsakbgeordneten, die zweckdienlichen Mittel anzuwenden, die im Inte. r-. ' esse der Reinigung desof.fentlichen Lebens ' .geboten -sind.,. '' ' -- •' - . . ' ’ So ähnlich haben auch die steirischen . Sozialdemokraten ihre Obstruktionstaktik begründet, mit der' sie die L a nd tagsauflösung und N e uw a h l e n -rKvin-. gen wollen. Der oben erwähnte Beschluß läßt ein gleiches Vorgehen der niederösterroichischen Sozialdemokraten erwarten. Bei den Sozialdemokraten Mag ferner die lbeberlogung den Ausschlag geben, daß Mißerfolge der Ghriftlichsozialen bei: Landtagswahlen in. Steiermark zurd Niederösherreich, auch die Leitung der -chriMchsozialen Nationalratssraktion zu einem Front we ch s e l ^veranlassenkönnte. - . . Die aus G r a z-vorliegenden Meldungen über den von. den Sozialdemokraten aufgeführten O b st r u k t i onss p e k t a k o l lassen den »Schluß zu, daß Dr. Rinteleus Wahl zum Landeshauptmann mehr als fraglich geworden ist/ konnte zwar, nachdem ihn die SozialdemokvatöN)' zuerst n i e d e r g e f ch r i e n hatten, seine Bertetdigungsrode halten, die.Wahl selbst konnte über.nicht vorgenommen werden, und es blieb nichts anderes übrig, als für Mittwoch eine neue Land.ta gssitzun g auszuschreiben. Nachstehend der Bericht aus G r a z: Graz, 11. Oktober. Unter großem Andrang von Galeriebesuchern trat heute nachmittags der Lmidtag zur. N e u lu ahl desLand eshauptmann es zusammen. Die Abgeordneten waren vollzählig^ anweseich, die Galerie,: überfüllt. In dem reservierten Raum Maren fast alle steirischen National- und Bundesräte, darunter Mi- - nister a. D. Dr. G ü r t l e r, anwesend. Landesrat Z e n z schlug .im- Ncynen der chrMichsozialen Partei die Wahl des Ministers Dr. R int eleu zum Landeshauptmann Var. ' Dieser Wahlvorschlag wurde von den Chriftlichsozialen mit großem Beifall, bei dm Sozialdemokvatm -mit l e i? den s ch aftlichen Protest rufen ausgenommen. Auch die Galerie.mengte sich in die Zustimmungs- und Mißfallscklßerungen ein. I« der Begründung des Wcchlvorschlages erinnerte Landesrat Zenz an die Jahre der großen Rot, in denen wir empfindlichen Mangel cm Kohle und Lebensmitteln gehabt haben. Um hier Wandel zu schaffen, sagte Redner, Ivaren die Kräfte der Wirtschaftler damals zu schwach; es mußten politffche Pevsönlichkeiten etngreifen. (Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten.) Auch die sozialdemokrntrs chen Politiker haben sich bemüßigt gesehen, mit wirtschaftlichen Fragen sich mehr als früher, zu beschäftigen. In der Zeit der Not mußten sich die Politiker mit der Versorgung der Bevölkerung mit den wichtigsten BedarfSarttkeln befassen. Die sozialdemokratische Partei .hat ihre Konsumvereine ausgebaut, um ihre Parteiangehörigen zu versorgen. Aüch die sozialdemokratische Partei hat ihre Banken gegründ et und geglaubt, daß sie. mit dm dauMK geschaffenen gemein wirtschaftlichen llnternehmungen und den sozialisierten Betrieben,. ein. starkes Stück d«r. Selbstversorgung für ihre Parteimrgehörigen errrsicht^ hat. AM' die? indiaser. Zeit gsgründete Unternehmsvngehi haben züm. geringsten Teil Bestand gehabt. Auch l W:fwz/ialisieirt en B e.t:üreb.e:sind zu grumde- \ gHDWug en und. yabm. v i^,e?Ow f er an. S te u e-.r-, l Npdwtzn-. "öMeit -heW;HM8MMUW^MMKArLifen? Die gegm ''Dr. Rintelen -durchgeführte pemlichLÄUersuchung hat die Tatsache ergeben, daß 'er persönlich i n k e r n e r"W eise für sich ix ge nd t in en Bo r t e i l erlang t oder g es ü ch t hat. - (Stürmischer: ' archaltender Beifall bei den Christlichsozialen.— Gegenrufe bei den Sozialdemokraten.) Die christlichsoziale Partei hat keinen Anlaß, dem Minister Dr. Rmtelen das Vertrauen zu entgiehen und tritt geschlossen für — ' - •" . die Wiederwahl Dr. Rnrtekcns zmn Lmrdoshauptmamr ein. (Stürmische^.anhaltender Beifall'Lei den Ghriftlichsozialen. — Heftige Gegenruf ebei de n S. o z i a l d e m o k r a t.'e n.), Ländesrät M.a/chwld (Sozialdemokrat) bezeichnet Dr. R i n t e le n. als' den Hauptschuldigen an allere aufgedeckten' Mßständen, weshaW die Frage' seiner Wahl zum Landeshauptmann nicht mehr so ruhig wie bisher hingenommen werden könne. Der Redner kam auf die S t e- . w e a g - A n k ä u f e des Landes und die Demission das Landeshauptmarmes P r i s ch i n g - zu stwrchetl, - verwies auf Sturmtataftropheu an der deutschen Küste. Schwerer Schaden in Hamburg. Berlin, 11. Oktober. Die schweren Stur mk a t«ast r o p h e u, die an der O ftn n b Nordsee seit gestern wüten, havm besonders in H a m bürg schweren Schaden kMgerichtet. Zahlreiche, nach Uebcrsoe äuSlaufonde Dampfer mrtßten in beit Hafen zurückkehrem Der englische Dampfer „A t h e n a s" sendet ^iil f e r n f e auS. Ein dentfchvr Segler ist mrtvrgegangm, die Schiffsmamrschast konnte jedoch gerettet werden. An deyr ^neuert Bahndamm nach der' ’ Insel S h l t wurde eine Strecke von 500 Meter z e r st ö r t. Im Hafen von Stettin utö Swinemünde wurden mehrere Schiffe von ihrer Berankernng losgerrssen und stark beschädigt. In der Nähe von Stepenih wurde eine Windmühle weggerissen und die Nrsthlenfliigel in solch rasende Bewegung versetzt, d»ß sie vollkommen in Flammen anfgingen. , „ 1 Bei Cmxhaven hat die ^ckirmflrtt^ein« größere Anzahl von Schiffm in schlvere Seenot gebrächt. Ein D a nz i.s'er Dampfer verlor daS Sterwr und treibt hilßefnchend umher. Ern deutscher und, ein hollin«discher Dreinrafischoner sind schon gestvändot. - Die Sütrmfchäden ans der Insel Helgoland find besonders schwer. Der ganze Strand umrde furchtbar verwüstet. Neber hundert Badekavinen wurde«! loSgeriffen und fortgespült. Dte Hmuttwr-Fifchev haberr ihren ganzen Bestand wn Körben, zirka 8000 Skiick, verloren. Gewaltige Wassermassen überfluten sie Strasse. Der grosso Hapag- Danrpfer ,,W ü r t t e m b e r g", der in der Elbemttnduug vor Anker gegaugrn war, wurde l o s g e r i f s o n und verlor beide Anker Im redaktionellen Deil enthaltene entgettttche BütNiMmge« sind . durch ei» vorangesetztes E gelermgeichnet._ ogxxxxxx^oooooooty^^jooocxxsocKyioooooooo KLUB RADIKALER ZIONISTE!! Morgen Wöttwooh, don t3. Oktober, 8 Ufer abends, findet Im Oats Artlasbof, I. Aapemptatz (KLublokal) I - KUIVTEKSAnilLlim Tigcsord »g« 600 £in Jtwa£e9MxmM&* die JKoloni- S4MÜam ii. Wivtacfkaft in (lolditina. Fruiu AUffpradW. Referent Br. AM L§wy. QOOOOOOOOOOOOOOOOjgDOOOOOOOOOOOOOOOOOOO die Mcmdcrtsniederlegung des Ministers a. D. Dr. Ahvew mrd/eMärte, daß das bisherige ResuLat der Untersuchung der ZentrakbcNckaffäre die Wiederwahl Dr. Kintelens zu.m -Landeshauptmann unmLglich mache. .Redner befaßte sich sodann mit der Steirevbcmk, die gegen das jüdische Fütanzkapital gegründet wordm sei, sich aber.L-an» mit Jude-rt'banken assoziiert habe. Casti^lioni sei an der S t e r r e r b an k finanziell beteiligt gewesen. (Dr. Rinte le n: Das ist uMvahr! Machold: Der Vertreter Castigkioms hat in der Stete '"fcmsE ... Dr. R i nte le n: Wer war das? Nennen Sie den Namen! Stürmische Protestrufe bei den ChrrsMchsozürken und Gegenrüfe bei den Sozialdemokraten..) Die von Dr. Rintelen gegründete Steirerban! K em. Urquell der B erbin?^ -.d un g zwis ch en .Polsttik und G e sch ä st geworden und 'damit hat die politische Korruption im Lande ihren Anfang genommen. Redner bespricht daun , die Zentralbankan-gelegenheit und erklärt zum Schlüsse, daß Dr..Nmtelen er» Shst«n verckürpere, das ungesund fei und b eseitigt werden müsse, weshalb die Partei des Redners die Wahl Dr. Rintelens zum Landeshauptmann mit a l l e n Mittelnv erhind ern werde. Die SoziakdomokvaHm lassen Riutelen nicht sprechen. Vorsitzender Kölbl erteilt nunmehr dem Minister Dr. Riutelen das Wort. Die Sozialdemokraten erhoben einen/ungeheuren Lärm und eÄlärten, oatz sie den Minister nicht sprechen lassen. Die ChrisKichsozialen protestierten in Mötzter Erregung dagegen und riefen den Sosialde«akraton zu,' daß sie vor der Rede Dr. M n t eleus Amg-ft hätten und daß es und emokratifch sei, jemanden äuhuAagen und ihm dann die Möglichkeit der Berteidiguay zu «rehmen. Die acht Mitglieder des Landbundes,' die sich bisher in dem Streit zwischen den Christlichsozialon und - den Sozialdemokraten neutral verhaften hatten, mischten sich nun in die Auseinarcheusetzung ein' und protestiertenebeusialls heftig dageger«, datz . die- Redefreih'eit in derarttger Weife bsschräntt werde. Diesen Standpmckt nahmen auch die Grotzdeutschen ein. Da es dem Vovsitzende» nicht gelang, die Ruhe herzusteAen, um^t rrb-rach er um 6 Uhr 5 Minuten die Sitzung. Im' Hofedes Landhaus e^s hatten sich zahlreiche'Personen eingefunden, an die der sogialdemokratische Parteisekretär - S t a n e k eine kürze Absprache richtete. Wahrend der Unterbrechung der Sitzung hielten die sozialdemokratischen Landtägsabgeordneten eine längere Pa r«t oi b e fp r e ch u n g ab. Die im Hole des Landhauses angesammelten Personen Verliesen über Auf--- forderung der Polizei den Platz. RfeitslettS Berieidiguttk' Um hakh 7 Uhr abends wurde die Sitzung wieder cmlgenommen. Der Vorsitzende erterkte dem Abgeordneten MÜOer 'Dr. Riutelen das Wort, der sich hinsichtlich der Beschuldigungen fr dt Wetz»tsdorfer A nge^-.genh eit auf den Spruch des Untersuchungsausschusses des Landtages beoief, daß gegen ihn nicht der geringKe Bvriourf §u erheben sei. Von Zwischenrufen der So^aKwmokmt^n fortwähreud' unterbroa)rn, brachte Dr. Riutelen ffum Beweise seiner Unschuld bi? altbekannten Arguumfte vor: die Zentralbank sei ein recht gutes Untermchmen gewesen, das sicher nicht zusammengebrochen wäre, hätte nmn nicht Lämr geschlagen: NnttvnalbankpjräsNent Reisch habe die BeMfen an die Zentralbank und die Steirerbauk geWügt. Damr schoß Rinleien auf die Sozialdemvkrchm zurück, b«>Gs die „Göc", die Konsumvereine, das Urseual, vevschßedene GeschiiftspolititerpraMen aus der rot«l Region der Steiermark w dgl. vor, was die Unruhe der Gegner noch fteigevte. Unter großm« Lärm wurde nach der Ne-.'-e NstttelcuS die Sitzung geschkosten Und die Mahl des Lsudcshalkptmannes auf Mittwoch vertagt.

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