Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2737 (9.10.1926)
- Date
- 1926-10-09
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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dP Mrfrfffri 'HOOG ». ÜUnSwP? JSBsb M. Jttf»lve«zen. Das AusgleichSverfahre« tErde «öffnet Mer Dr. MerlackLCo., Wien, 1. B^., Mfabettzstratze 18, Roda Remes, Wäscheerzeugung, Wien, 2. Dez., Holbandstratze 8, Sigmund Siebenschein, Kaufmann, Wien, 17. Bez., Neutvaldeggevstratze 24, Jakob Molnar, Kaufmann, Wien, 16. Bez., Neulerchenfel-erstratze 69. Das PostsparHaffenmnt im September. Der Stand der Spareinlagen beim Poistsparkassenamt hat sich im Monat September laut amtlichem Bericht um rund 997.000 Schilling vermindert und betrug am Ultimo September 30.06 Mil- Rouen Schilling. Starke Steigerung der Stoß. JttterVmrtionMufe der italienischen Regierung sowie die jüngsten Deflationsmatzuahmen in Italien bewirkten eine starke Steigerung des Lirakurses; das Pfund ging auf den italienischen Plätzen um 4 bis \yt Lire bis 182 zurück; in Zürich schloß Devise Viailand L0.15, wodurch der von der italienischen Regierung angeblich beabsichtigte Stabilisierungskurz von 20.— bereits überschritten wäre; im Wiener privaten Usancenhandel stieg die Lira sogar aus 20.65 bis 20.66 Parität Zürich. Der französische Franc war «wohl in Zürich gestern etwas rückgängig (14.86% gegen 14.03% am Donnerstag), in Paris senkte sich jedoch das Pfund ein wenig von 169 aus 168-6. Brussel lag bei einem Züricher Schlußkurs von 14.36 ausgesprochen fest. Ebenso der Leu, der 2.76 Parität Zürich schloß. Bei unverändertem Dollarkurs (617.76) war der Schilling mit 73.01-6 (gegen 76.02-6 am Vortag) etwas schwächer. Der Kohlenexport auder Tfchecho-Slowakei betrug im Monat August 568.789 Tonnen, davon 367.166 Tonnen Steinkohle (gegen 143.873 im Juli) und 221.574 Tonnen B ra u n'koh l e (gegen 181.887 im Juli). Die Kohlenausfuhr war demnach im August 2-6 mal größer als im Juli. Von der exportierten Steinkohle gingen 101.830 Tonnen (gegen 3000 im Juli) nach England, 189.464 Tonnen (gegen 17.064 im Juli) nach Deutschland. Beide Steigerungen stehen mit dem eng-lischen Kohlenavbeiterstreik in 'Zusammenhang; diese England-KonMÄur in Kohle, welche die bereits gänzlich abgeschviebenen Halden in den' Kohlenrevieren vollständig geräumt hat, wird auch nach Beendigung des englischen Streiks noch längere Zeit andauern; wie die „Prager Presse" berichtet, ist es einer Reihe von tschechoslowakischen Kohlenbetrieben gelungen, größere Lieferungs- Verträge nach England abguschltehen, die teilweise bis ins Frühjahr 1928 laufen. . Budapesttzr Getroidetermlnmarkt. Der Dudapester Verkehr eröffnete in etwas freundlicherer Haltung. Weizen, per Oktober 3880 bis 3690, per Mai 3990; Roggen, per Oktober 2650 bis 3660, per März 3960. Immer mehr Insolvenzen in Ungarn. Die soeben erschienene ungarische Jnsolbeng-Statistik der ersten neun Monate des Jahres 1826 ergibt 660 Konkurse und 1593 Zwangsausgleiche» somit 2143 Jnsolbenzfälle gegenüber 1626 in -der gleichen Zeit des Vorjahres. Die staatliche Industrie der Sowjetunion hat, wie die amtliche Moskauer Statistik angibt, im verflossenen Wirtschaftsjahr einen Gewinn in der Hohe von 460 Millionen Rubel ergeben. Der Bmttowert der gesamten Industrie ist um 43 Prozent gestiegen und hat die Summe von 6760 Muli onen Rubel gegen 4050 Millionen im Jahre 1924/26 erreicht. Der Ertrag 'der Produktion nähert sich in sämtlichen Industriezweigen den ,Ziffern der Vorkriegszeit. Die Gesamtzahl der in der staatlichen Industrie beschäftigten Arbeiter ist von 1,566.601 zum letzten September 1925 aus 1,961.487 zum letzten September 1926 gestiegen. Der Gesamtwert der Industriewaren, die 4986/26 hevgestellt worden sind, beträgt etwa 7107 Millionen Rubel. Die Ernenerung des polnischen Petroleumkartells. Am Ä. Oktober beginnen in Warschau die Verhandlungen über die 'Erneuerung des Petroleumkartells. Die bisherige KartellverSinibarung läuft am 30. November d. I. ab, und es wird nun ein neuer Vertrag angöstrebt, der auf breiterer Grundlage als bisher aufgebaut sein soll. Beabsichtigt ist die Gründung eines Zentralverkaufsbureaus für das Inland und den Export «nb tarn will auch das Rohöl erfaßen. Der neue KartMvvvtvag M «ne Dauer von füwf Fahren achalt«r. j&tv wWWfwUjj WC P» iWfNW^Wii» «WS *t$Ov* Handlungen über die Mlösung des zweiten Teiles der Privatbahnen m Rumänien werden fortgesetzt. Die Eigentümer verlangen 36 Prozent des Aktienkapitals der Gesellschaften. Rumänien hat den ersten Teil mit 15 Prozent erworben. Nun haben sich die Eigentümer, da sie mit dem rumänischen Staate rein Uebereinkommen treffen konnten, an den Völkervend gewendet. Neue Warenbörsen in Rumänien. Aus Bukarest wird berichtet: Die Verordnung über die Neuregelung des rumänischen Börsenhandels ist bereits fertrggestellt und wird in den nächsten Tagen mittels königlichen Dekrets in Kraft gesetzt. Außer in Bukarest werden Warenbörsen nach westeuropäischem Muster in T e m e s v a r, B r a i l a, Galatz, Constanza, Craiowa, Jassy, Czernowitz, Großward ein und Kisch ine w errichtet. Me«er ftötfe. Lustlos. — Ungleichmäßig. Das Geschäft aus dem Aktienmärkte war gestern noch stiller als Donnerstag und wurde nur vorübergehend durch die Meldungen über die Festigkeit des Prager Platzes und der übrigen Auslandsmärkte belebst speziell in Montanwerten, die von den günstigen Prager Meldungen gewannen. Dagegen waren Poldi, Trifailer, Julisüd, Lombarden schwächer. Die Kursvesserungen waren allerdings in den führenden Papieren nicht allzu groß. Einige Bankenwerte, wie Kredit und Anglo, lagen fester. Im Schranken gingen einige Zucker-, Brau- und Petroleumwerto höher. Der Rentenmarkt war bei geringen Umsätzen gestern etwas fester. Goldrente gewann 4750, Februarrente 4000 Kronen. Notierungen im Stellagenverkehr: Es notierten per Ultimo Oktober: Österreichische Kredit 22.000 bis 28.000, Staatsbahn 60.000 bis 70.000, Alpine 70.000 bis 85.000, Salgo 80.000 bis 95.000; ferner Oesterreichische Kredit 34.000 bis 42.000, Staatsbahn 72.000 bis 62.000, Alpine 95.000 bis 110.000, Salgo 100.000 bis 120.000. Exoten: Univ. Bau 11.700 bis 12.250. Quoten: Franz-Josefsbahn-Schuld. 35.000, Nordwestbahn-Schuld. 5800, 1888 Nordbahn-Prior 5800, 1904 Nordbahn- Prior. 10.250, Franz-JosefSbahn-Prior. 36.500, Oesterr. Lokalbahn-Prior. 22.000, 3,5proz. Nordwestbahn-Prior. 12.250, 4proz. Nordwestbahn-Prior. 30.750. s . Wiener Börse für landwirtschaftliche Produkte. Infolge der festen amerikanischen und Budapester Berichte war die Stimmung in Weizen etwas freundlicher, zumal da das Ausland, insbesondere Deutschland,. Interesse bekundet. In den Preisen ist noch keine Auswirkung erfolgt, weil die Käufer vorläufig erhöhte Preise nicht bewilligen wollen. Roggen ist unverändert. Mais in neuer Ware gut behauptet. 'Altinais um einen halben Schilling im Preis erhöht. Hafer liegt in Inlandsware etwas freundlicher. Es notierten IM Kilogramm in Schilling: Weizen 38.40, Roggen 28, Mais 26.60, Hafer 24. Wiener Warenbörse. An der gestrigen Warenbörse sprach sich die Tendenz in Bleiprodukten auf rückgängige Bleipreise schwächer aus; so notieren Bleiglätte 147 Schilling (— ß Schilling), Minium 160 Schilling (— 3), Ble-iweiß ist um 2 Schilling höher und notiert 160 Schilling. Naphthalin notiert 58 Schilling (— 4), Schellack 675 Schilling (— 26). — Oele und Fette unverändert. — Kolonialw aren: Bon Kaffee wurden exekutiv verkauft: 16 Ballen Kaffee „Capitania" mit 82 engl. Schilling cif Triest. Zucker blieb behauptet, nur Würfel ab Lager Wien ermäßigte den Preisstand um 1 Schilling auf 93.60 Schilling. — Zum öffentlichen Verkauf gelangen am 11. d. M. um 11 Uhr: 360 Stück bessarabische Lammfelle (Vadium 500 Schilling); am 12.d.M. um 18 Uhr^ efet Personenwagen „SadÄac" ß&tbtem 1009 SchMngH. Wieaor Pferdemarkt. .Auftrieb: Geibrauchspfevde 1$3, Schlächterpferde 166, aus dem Schlachthaus 16 und aus der Kontumazabteilung 158. — Kutschpferde 600 bis 1200, leichte Zugpferde 400 bis 1200, schwere Zugpferde 600 bis 1400 per Stück, Schlächterpferde, Prima 0.80 bis 0,96, Sekunda 9:66 bis 0.76, Wurstvieh 0.35 bis 0.56, Schlächteresel —.— per Kilogramm Lebendgewicht. Verkehr sehr lebhaft. AnEndifche Börsen. Prag. An der gestrigen Börse herrschte feste Stimmung vor, die namentlich von Zuckeraktien ihren Ausgang nahm. Im Verlaufe wurden auch - andere Marktgebiete günstig beeinflußt und Steigerungen traten auch hier zutage. Vereinzelte mäßige Rückgänge blieben auf die freundliche Stimmung ohne Rückwiäung. Bankaktien waren meist behauptet. Exoten waren meist unverändert. Der Schluß blieb fest. — Budapest. Die Börse setzte bei ruhigem Verkehr in reservierter Haltung ein, wozu ungünstige ausländische Marktberichte in erster Linie den Anlaß gaben. Im weiteren Verlaufe schritt die Spekulation zu Meinungskäufen und einige favorisierte Papiere konnten leichte Besserungen erzielen. Der Schluß blieb weiter ruhig. — Berlin. Trotz der am Geldmarkt sich vollziehenden langsamen Entspannung (Tagesgeld 6-§ bis 7 Prozent) war die Börse durchwegs schwach veranlagt. Jnsolge umfangreicher Realisationen und EntlastungsveMufe traten erhebliche Rückgänge ein, erhöht durch ziemlich umfangreiche Blanko« abgaben, die mit später widerlegten Gerüchten von Reportgeldeinschränkung begründet wurden. Die Einbußen gingen anfangs bis zu 2, später frei den führenden Papieren bis zu 6 Prozent. Am R-entenmaM bewirkte Realisationsneigung leichte Abbröckelungen bei VorkriegsaMihen und Pfandbriefen, teilweise auch bei Sachwertcvnleihen. Won ausländischen Anleihen lagen Dürlken überwiegend etwas schwächer. Die anderen Werte waren nur geringfügig verändert. Als im Verlaufe die Genehmigung des Abschiedsgesuches von Seeckt durch den Reichspräsidenten bekannt wurde, erfolgten leichte Kurserhöhungen. Die Devisenkurse. Zürich, 8. Oktober. (Devisen-Schlußkurse.) Paris 14.86-4 (14.93%), London 25.121/g (25.11%), Neuyork 517.75 (517.75), Belgien 14.35 (14.20), Italien 20.15 (19.85), Spanien 77:60 (77.85), Holland 207.12 % (207.08%), Berlin 123.50 (123.30), Wien 73.01% (73.02%), Stockholm 138.32% (138.32%), Oslo 113.38% (113.37%), Kopenhagen 137.47% (137.40), Sofia 3.74 (3.75), Prag 15.32 (15.32%), 'Warschau —(—.—), Budapest 0.007250 (0.007245), Belgrad 9.14% (9.14%), Athen 6.20 (6.20), Konstantinopel 2.67% (2.65), Bukarest 2.76 (2.71), Finnland 13.04 (13.04), Argentinien 211.50 (211.50). Prag, 8. Oktober. (Devisenkurse.) Amsterdam 1658.— (1358.—), Berlin 808— (808.—), Brüssel 94.5750 (94.45), Zürich 655.15 (655.25), Kopenhagen 900.50 (900.37), London 164.9016 (164.8750), Madrid 507.— (510.—), Mailand 133.70 (130.70) , Neuyork Kübel 34.— (34.—), Paris 98.46 (98.70), Stockholm 906.50 (906.62), Belgrad 60.09 (60.10), Budapest 4.7920 (4.7910), Bukarest 1820 (18.1750), Konstantmopei 17.70 (17.70) , Sofia 24.65 (24.70), Warschau 378.— (375.—), Wien 479.35 (479.25), Budapest, 8. Oktober. (Devisenkurse.) Amsterdam 28526/ 28625, Belgrad 1258.—/1264.—, Berlin 16980/17030, Bukarest. 371.—/3S1.—, Brüssel 1950.—/2010, Kopenhagen 18930/18990, Oslo 15615/15665, London 346000/347000, Mailand 2790/ 2850, Neuyork 71310/71610, Paris 2030/2090, Prag.2111.50/ 2118.50, Sofia 515.—/Ö21.—, Stockholm 19055/19115, Warschau 7870/8000, Wien 10057/10087, Zürich 13776/13816.—. Belgrad, 8. Oktober '1926. (Devisenkurse.) Paris 16125 bis 163.—, Lonoon 274.70—274.75, Neuyork 56.50 Geld, Mailand 218.50—219.76, Prag 167.70—167.75, Wien 795—796, Budapest 795 Ware, Berlin 1350—1351, Schweiz 1093%—1094%, Brüssei 159 Ware, Bukarest 30 Ware, Amsterdam —.—. Warschau, 8. Oktober 1926. (Devisenkurses Belgien 25.04— 25.16, Holland —.—, London 43.66—43.88, Neuyork 898—902, Paris 25.94—26.06, Schweiz 173.81—174.69, Prag 26.66— 26.78, Wien 126.94—127.58, Italien' 34.72—3428, Stockholm Caprygtih 1926 by R. Löwifc Verlag, Wien, I. Zajin Kiddusch. Eine Erzählung aus dem alten Prag. Ueiberall m «der Guideniheit ist es Brauch, an.den Festen -ben- Segensspruch über den Wein zu machen. Niur in der Alltschuil' zu Prag gehört der Segmswein, Jajim Kiddusch, nicht zum Ritual. Wann «und warum dort der allerorts -geübte Brauch abgeschafft wurde, darüber gibt 'die Prager Sagenchconik folgende Kunde: Zur Zeit, da Johann von Quxemburg, der Gatte «der letzten Pvz>e>nMKlidi'N Elisabeth, König von Böhmen war, «bestand die JuidenslHast Prags aus zwei Gemeinden; die größere, auch „alte Gemeinde" genannt, welche die eigentliche Jndenstadt «beiwohnte, untfaßte die bereits seit Jahrhunderten in 'Prag ansässigen Juden. In den religiösen Bräuchen folgten sie dem aschkenastschen Ritus. Außerhalb der Judenftaidt aber, in der Gegend der heutigen Geist- und KrvuKgasse, wohnten damals die aus Spanien und Portugal emgewandevten Juden, welche die „neue Gemeinde" bildeten. Sie wurden wogen 'ihrer Herkunft und «des spaniottschen Idioms, das sie danmls noch nicht aufgegebon 'hatten, ,Franken" oder „Povtugiiesen" genannt. Schon in Sprache und Sitte unterschieden sie sich -stark von den in Prag einheimischen Juden; aber auch ihre synagogalen Bräuche und Gebete waren vielfach anders als die der Afchkenasim. Die „neue Gemeinde", die erheblich kleiner an Zahl war als die alte und auch später ganz in ihr aufging, hatte damals ihre eigene Synagoge in Prag, die Wtfchul'. Eines der angeisehensten Mitglieder der Prager Fraukeugemeinde, der reiche Gdelsteinhändler Galom, g-ing an einem trüben Dezembortage von der Kleinstadt seiner Wohnung im sogenannten „Schulhof" zu. Er hatte eine arme Solidatenwitwe, Ludmilla Rogan, die mit vier Kmdern unweit der SHlotzkirche in einem. HolMuschon wohnte, aufgesucht. Saloms Vater -war von denr Oheim »der Frau, einem Söldnevobersten, gerettet worden, als ihn ein Pobslhaufe in die Flammen seines brennenden Hauses werfen loollte. Wus Dankbarkeit nahm er sich der Angchärigeri des Obsrisitzen ay, M Gr gerieten, und 'übertrug diese Sorge noch auf seinem Sterbebette feinem Sohne Salom. Dieser hatte eben der Fmu, deren jüngster Knabe erkrankt war, Wein und stärkende Speisen nekbist einer Summe Geldes zurückgelassen und strebte nun eilig seiner Wohnung zu — denn der Abend nahte, der es z>u jener' Zeit, da es in Prag sehr unruhig zugiNlg, fiir keinen Juden, rätlich erscheinen ließ, sich allein auf der Sttahe zu zei-gen. Schnell passierte Salom $2 Kirche zu St. Veit und bo>g, um den Weg albzukürz-en, in ein Seitengäßchon ein, das -geradenwegs auf den Marktplatz führte. Da erinnerte er sich, daß er noch nicht das Minchagebet verrichtet hatte. Er hatte noch einen weiten Weg dis zu seiner Wohnung und zog es daher vor, an Ort und Stelle das sogenannte „kurze Gebet" zu sprechen. Er wusch also seine Hände mit Schnee, stellte sich, das Gesicht nach Osten gewandt, an einen abseitigen Mauevwinkel und betete leise. Plötzlich rief.es: „Haben wir dich, Halunke?!" Und Salom wurde, ehe er sich? versah, von kräftigen Fünften gepackt und zu Boden geworfen. Zwei bewaffnete Scharwächter hatten ihn ergriffen Uud machten sich daran, ihn zu bindern „Was wollt ihr von nur?" — stammelte Salony, nachdem er sich von senwm Schreck über den unvermuteten Uebersall einigermaßen gesammelt hätte. „Wollt ihr Geld? Ihr sollt es haben; läßt mich Mr leben!" ,/Hmrd! Wir brMchen dein Geld nicht. Du mußt auf den Scheiterhaufen!" — antwortete einer der Söldner mit roher Stimme. „Weshalb? Was habe ich verbrochen?" —- 'fragte Salom ängstlich. „Du fragst noch, verfluchter Jude? Me Kirche hast du beraubt!" — versetzte der zweite Wächter — „Das kostet dich das Leben!" -Als Salom dies hörte, geriet er in Todesangst. Denn feit einiger Zeit hatten die ^Juden Prags unter der Anschuldigung des Kirchenvaubes furchtbare Leiden Ml erdulde. Unruhe Und Unsicherheit herrschte damals im Lande Böhmen. König Johann verbrachte feine Zeit mit Gelagen in seinem Stammlande Luxemburg und überließ die Regierung seines Königreiches seinen Statthaltern, die das Land furchtbar aussaugten. Einer vvn ihnen, Heinrich von im Lipa, aus ältestem böhmischen Adel, hatte das Volk mit Steuern Und Abgaben so bedrückt, daß heller Auftuhr abzusetzen und an seiner Stelle den Erzbischof Peter von Mainz zum Landesverweser von Böhmen zu ernennen. Darob nun entstand, von Lipa geschürt und geführt, Gäruug im böhmischen Adel, der einen StEhalter aus seiner Mitte verlangte. Die Bürger nahmen für den ErMschjof Partei, der ein mildes Regiment fiihrte, und so gab .es, sonderlich in Prag, stets Zwist und Streit, der oft in'Meuterei, Mord Raub ausartete. Danmls wimmelte es in Prag von Abenteurern, Gaunern und Mordbrennern^ die, bald von der einen, bald von "der anderen Partei unterstützt und für ihre politischen Zwecke verwendet, Greuel und Verbrechen aller Art verübten. Seit einiger Zeit nun kam in Prag und seiner Umgebung Kirchenraub fast alltäglich vor urrd trotz eifriger Bemühungen konnte man der Tater nicht habhaft Werdern Das Volk, dessen-Unruhe die täglichen Kirchenschändungen noch. vermehrten, beschuldigte allgemein die Juden dieses Verbrechens; dies machten sich bald die Obrigkeiten, bald Banditen, die die Gottgefälligkeit in den Dienst ihres schändlichen Handwerks-.stellten, zwrutze, vm von den Juden unter der Beschuldigung des Kirchenrmlbes Geld zu erpressen oder sie durch Denunziationen dem Gefängnis und der Folter Ml überliefern. Hunderte von -Juden wurden damals unschuldig des Kirchen-, raubes angeklagt, gefoltert und oft um Hab und Gut ge-- bracht. Jede neue Kirchenschändung setzte dalM die schaft Prags in neuen Schrecken. ' : > Was Wunder, daß Salom, aks er hörte, wesfvn man ihn beschuldigte, von Schrecken und VerMveiflung erfaßt! wurde! ,Habt Erbarmen!" — -rief er — ,/Jhr irret euch; ich bin ein ehrlicher Mann. Laßt mich los! Verlanget was! ihr wollt; ich gebe es euch!" Me Männer lachten über die! ängstlichen Bitten des Juden, hoben ihn mit rohem Griff vorn Boden auf und versuchten ihn mitz-rrschleppen. Salowl leistete verzweifelt Widerstand. ,^Jch gehe keinen Schritt lvetter!"- — schrie er und warf sich auf den Boden nie-, der, „Pack' den Hund bei den Füßen, Prokop," — sagte dev eine Scharwächter — „wir wollen schm, ob er nrit-- kmmnt!" In diesem Skugenblick trat ein reich geklecheüw Ädann von vornehmer Haltung ans dem erzbischöflichen Palast/ vor dem die Sze^ sich aüspiM, und schritt auf die Gmchpö zu. Mttsttzrmg fo*8fc>)