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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-06 · Heft 2734 (6.10.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2734 (6.10.1926)
Date
1926-10-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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[ Polen t «5 grosly^ Wien: Zorn Abholen in dev Expedition, 11., Taborstr 1-8 oder in oinerV er schleiß stelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkanf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1., Wollreile li Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich B Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din. 60 Polen: Mo«. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Prcq. 85 ttaobt ablaimen bei Preiserhöhungen tetbehelten Lngla nd:Mon.4Sehilling. Italien: Monat!. SO Lite. ftumSnien: Mon. 170Lei Balg»? i en:MomiOOLew&, S c hw e i * und d«s Übrige Ausland monatlich Fres. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43*8-19 Ab 6 Ühr: Tel 31-209 Vl|„ Lerchen fe! deratraße 1 (Druckerei ,Inta") Öestorreichisches Postspar* kasBönkonto Nr. 150 693 Rr. 2734 K. Sftsber 1-28. 8. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangtsetzteS K gekennzeichnet. Kunichak hetzt. Die Wahrheit über den Zeniralbankfkandal. Unter; dem Titel „Die.Wahrheit über denZentralbankfkand al" versendet hie vom Bankenverband subventionierte christlichsoziale Parteikorrespondenz ein? Versammlungsrede des Abgeordneten Kuuschak, in ivelche'r « die von den Sozialdemokraten in. die ZenLralbanksache hineingetragene a n t i j ü dis ch e N o teaufgr e i ft. K n n s ch a k, ein ■ getreues Grammophon seiner Uuftragge ber, spinnt deu Pogromgedanken weiter, den wir in einigen sast KeichlautendenArlikeln der Prövinzpresse gefunden haben, die ihre Weisheiten vom'Jndustriehause am Sch^arzenbergplatz beziehen. Es ist nicht notwendig, .die Rede wiederzugeben. Es genügt, ihren Schluß an^usühren, der da lautet: „Schausn wir uns die Ankläger in der Zentralbankaffäre selbst an. Es ist so bezeichnend. Wenn man zum Ausgangspunkt der Rationalbankasfäre zurückgeht, stoßt .man auf .die Iuden .Breituer, Broczyner und All ina.. Im. Parlament findet man dann als Ankläger den Juden Dann e bergihm. assistierte. der > Jude Austerlitz, dann kam der Jude Eisler:, ich -.lireiß nicht, ob es Absicht oder Zusgll ist, während die ganze Kampagne am 'Heftigsten, läuftist Herr Austerkitz in Urlaub und man'hat sich an seine Stelle den Jiben Doktor Schacher! aus Graz herbeigeholt." Das Ablenkungsmanöver "Kün'schaks ist zu durch' sichtig. Schauen wir uns lieber die Liste der an den Bankzusammenbrüchen Mitschuldigen an! Da ist der Landeshauptmann Dechant Prisching mit seinem-Spekulation^^ konto, von dem ihm inehr als^ 600 Millionen ^äbgeschrisbai werden mußtenda sind diest e i r i s ch e N LTu-., d e SLe-a m.t e n, - die'- ^um'Schaden des',. Landes?. spekuMMstda jiitb die' ‘2^ e t, S t ö.chl e r und Konjort^u,'der Lastdtagsvrüsrdent Dchre'kk e.st t h a b,' der' RassenM-tisemrt. W u t t e. usw.' in schier endloser Reihe. Wo Knnschak hinaus , will, ist klar; 'deshalb sei. ihm. gesagt: die Katzbalgerei,- die da zwischen Christlich' sozialen .und Sozialdemokraten', bei der es sich doch im wesentlichen um die. Ergattern-: g neuer Mandate, bezw. die Verteidigung des chriftlichsozialen Mqndätsbesitzes bei den kommenden Wahleil handelt, ist keiny jüdische Angelegen heit. . ' .'; ' Aber eine eminent jüdische Angelegenheit ist es, daß das aus ° den V Ö l k e r'b ü nd k r e^ i t.e n 'stammele Geld — jvir. verraten hier kein Geheiinnis, wenn chir sagen, es war viel jüdisches Geld darunter — filp hie verkrachten Speknlationsbanken der Parteigenossen des Herrn K u ns cha k' hingegeben wurde. So hat der Völkerbund. die .Sanierung nicht vevstand,en und so darf auch nicht mit S t e u e r ge l d e r n ststvirtschaftet werden, von denest wieder ein sehr 'erheblicher Teil aus jüdischer.' Arbeit stammt. - ' Geheimnisse der „Sieweag^vKurstreiherei. Gestern na^mittags vecsstmme te s.chldec vom steirischen Landtag. eingesetzte Untersuchungsausschuß in Angelegenheit des Ankaufes von S t e w e a g - A k t i e n zu seiner Konstituierung. Nach längeren Verhandlungen über die Art der Veröffentlichung der gefürten Protokolle wurde die Sitzung vertagt, weil zwischen den Parteien hierüber keine- Einigung erzielt werden konnte. Salzburger An leihe«. Im Zusammenhang mit beit Ang st, stn auf den Abgeordneten Dr. Eisler behauptet die „Salzburger Wacht", Bundeskanzler Dr. Ramel habe bei der- Aufnahme eines gemeinsaincn Darlehens der Stadt und . des Lmrdes Salzburg im B trage von.15 Millionen .Schweizer Franken, anläßlich des Abschlusses des vom'-3.1. .Oktober 1925 datierten Vertrages, die Schweizer Firma C. I., Brupbacher öc Co. in Zürich vertreten, also die Interessen ausländischer Kapitaüsteil gegenüber Bundesländern und österreichischen Städten ivahrgenommen. Demgegenüber läßt Dr. Ramek durch die Nachrichtenagentur seiner Partei erklären, daß er seit seiner im November 1924 erfolgten Wahl zum Bundeskanzler keine advokatorischen Geschäfte ausgeübt habe; für die laufenden Angelegenheiten seiner Kanzlei habe er den Salzburger Rechtsanwalt Dr. Robert Hub e r zum.Substituten bestellt. Neue Nechtsangelegenhekten seien nicht dazugekommen. Tie genannte SWeizer. Firma hqve: yun Tr. Huber persönlich als selbständi g er Advokat, in seinem eigenen Wirkungskreise und nW als Substitut Tr. Ramels vettreten, der von der . ganzen Sqche nicht einmal Kenntnis halte. Eeveriug — amtsmüde. Las AÜStriitssesach wird deale überreicht. Berlin, ,5.. Oktober. Der preußische Minister des Innern, Herr Severing, wird morgen sein Rücktritts ge such überreichen. Die End schoidung darüber dürfte schon morgen fallen, dq morgen der Ländtag Zusammentritt. Aus der UMgsbüng des' Ministers wird erklärt, daß sein Gesun-dhelLszustanL. der sich schon feit langem oerschlechtert hat, dringend ebne E r h-o.-l u n g nötig mache. Sevsring wolle für ein Jahr aussetzen, um dqnn wieder in das politische Leben zurückzukehreni Es ist aber auch die Version nicht' abzulehnen, daß 'der Rücktritt mit den Verhandlungen über eine. allem auch -nicht eine Sitzung mitgmnacht habe, in der über eine Emnovdung Stresemanns, Severin g ß u n d E b e r t s beraten worden sei. Ueber eine UmbWdung der Organisation der Schwarzen RerchAwehr habe ex erst aus den Zeitungen erfahren. Der Zeuge Wurst'er verweigert auf eine Mnfrage betreffend den W o r t l a u t des Eides b e i d e r Schwarzen Reichswehr die Aussage. Dies verbiete ihm sein Eid und es.würde ihn zam Verräter machen, Er bestätigt auf Befragen des Abgeordneten Obuch (iKomnruntst), daß bei ihm, als ex verhaftet wurde, Planzeichnungen des Ministeriums des Innern Erweitenrng der Regierungskoalition in Verbindung stehe. Minister Severing ist einer der rn e i st g e h a ß t e n "-Führer"!der Linken. Er ist wieder, holt der' Ntzchtsreaktron und ihrenr Putschumtrieben in' der schärfsten Weise entgsgengetreten und die Geheimverbände haben seine Energie-sehr oft zu verspüren gehabt. Dabei hat sich «severing auch als ein ansgez?ichnet>er Verwctltuugsorgauisator erwiesen, wenngleich er' in vielen Fällen vor den junkerlichen Landräben zurüchveichen' Mußte. -st -- '! ''V*’ ist wahMiemilich,. ..^ daß sein. - E-cktri.tt aufgefunden wurden. Darüber, welchen Wustrag er hatte, und ob er g e g e n d i e. P e r s o n des M i n.«vst e r s-S e v e r i n g . etwas-unterncchmen sollte, will der Zeuge, nicht äüssageN. Münster gibt weiter an, daß 'or Leiter der Zweigstelle der Firma Ö r i o n in Berlin seit 19Y3 sei. Gleichzeitig ha-be"er bei der Schwa z e n R e i ch s w erh r: Dienste-getan. Er sÄ bestimmt ge^ wesenzu-m' Führer.eines Z. B. B.^Kömmaüdos (,^ur be- - sonderen Verwendung"), dc -für' dey'.IMeMW -besstDMHläjgrvL' für feine hvsondeven Zwecke zur VersÄigung stehM : ,soÜhe^- Ob ^solche KbNrmM^K ÄH-W S<kÄiüvrchkabmsÜ' -- 'M'.. VestÄndsn^ haben, habe, er «W '^Kämpfen'imWäriahtt-KlMMMmz -'erWrtts.vt; Es würdenz.schon heute abends im Landtag' Gerüchte verbreitet, haßbü große Koalition bereits Msta-ÄegekomMn -sei und daß - - ' die neue Rssgierünl;, gewußt. Der ReühZtttgsaNssch-uß in München. — . Unser Polizeischutz. Die falschen Pstsse für die Ge- -v. ,. heimverbändc an deren. Spitze Braun als Ministerpräsident verbleibt, drei Sozialdemokraten, zwei. Zentrumsleute, zwei Volksparteiler und einen Demokraten umfassen Iwrde. Diese Gerüchte eilen züvar den Tatsachen voraus, können aber schon morgen wahr werden-. . Als Nachfolger- Sevsrings als Ministe'r des Innern Worden neben dem Regieru.irgspräsidenten von Lüneburg, Krüger auch noch der' Oberpräsideyi von Hannover Noske und der Berliner Polizeipräsident G r z e z i n s k i genannt. Me Ernenmlug Dostes wäre ein Sieg der Rechten, di« .'den lvssieger - ide^ '^Spartakisten Ie'vabesuverehrt, ob» züvar er. Sozialdemokrat ist. »z«r besondere« Verwendung^. Das Mordkommändo,der Schwarzen Reichswehr. Berlin, 5. Oktober. Im Femeausfchüß des preußischen Landtages wurde heute das Protokoll über die Aussage des Zeugen Jahn k e verlesen, die dieser am 17. September d. . I. in nicht o f f e n t l i ch e r Sitzung gemacht hatte. Der Zeuge verbleibt darnach bei seiner früheren Aussage, daß er mit einer Femeorganisation nicht in Verbindung gestanden sei, vor Berlin,V 5. Oktober. Der Femeausschuß des RsW»- tages, Her zu den - Berhandlungsn-übsr Me M ünchen-hr E i n-ch.o h n e r w e h r für einige Zeit nach MünchenübersieMt . ist, trat heute nachmiMg im früheren Bayrischen Vövkeh'rsministervmn zusammen. Uußch>- ordentlich zahlreich ist die Presse vWpeten. Der Pör». sitze'nhe, Abgeordneter Schetter (Zentrum) teilte mit, daß nunmehr der Bericht des Abgeordneten Dr. Leb t ' gedruckt vovliege und nicht weniger als ' 150 Drucks e i t e n umfasse. Abgeordneter M i n z e n» borg (Kommunist) beschwert sich darüber, daß in den Parterxeräumon des Vevhandlungsgebäudes bayr i s ch e L a.n d e s-.p o l i z e i in überaus großer Zyhl unter-gehracht. sei. Vorsitzender Dr. Schetter: Im Einvernehmenmit der hiesigen Politzeidirektion. ist -dafür gesorgt worden, -daß auch der persönliche Schlitz der Mtglioder des Ans- .' . schuffes hinreichend verbürgt sei. Hierauf evstattst Abgeordneter Är. Scheffer (deutschnatlonal) einen Bericht Er «Märt' den. Sachverhalt. In den Fällen S a n d m e i r (das verschleppte Dlenstmädchsn), Dobner Gareis (dor ermordete sosiakdsmokratische Abgeordnete) und H^a r t u n g habe Abgeordneter Dr. Levi ihn ganz Kiüreffenid behandelt, er sei aber zu vieben Fehlschlüssen gekommen. ' Die Legallfierung de» polukschen Mal-llmfturres. Das Kabinett Pilsudski vollständig. Warschau, 6. Oktober.^ Nun^istdie neue Regierung unter-der Führung'WiMÄpschalls P ils ud-s ki -bereits vollständig, da der WMdM der Republik gestern auch das Ernennungsdekretdes - Ministers für Aeußores Z a l e s ki, der dieses-Ressort auch im. Kabinett Bartel geleitet hat, unterschrieben hat, Aoußerlich hat nun zwar dar Sejm einen Sieg.errungen, da es ihm gelungen ist, di« mißliebigen, Mnhstzer. ünjd tzen Mindsterpräsidenten, öer sich mit ihnen fHarM .MMe, .zum'- Rücktritt zu zwingen. Es war aber, für die oppositionellen Rechtsparteien doch nur ein - Pyrrhussieg, denn durch die'Ueber. nähme der Minlisterprästden-tschqst durch Marschall PU-, sudski ist die Mairevolution nunmehr vollständig legalisiert worden. Pilsudski, der sich, persönlich gegen die Auflösung des Sejm ausgesprochen hat, will den letzten Versuch unternahmen, mrt de m Sej.m z u regieren und zwar nur nach den Grundsätzen, die zu den Mavereignissen geführt - haben. Es liegt jetzt an dem Sejm, seine Reife zu beweisen,'denn es besteht gar kein Zweifisl, daß Ws-ndSki seinen moralischen und wirtschastlichen Sanierungsplan nicht.Wird gefährden lassen. In der jüdischen Presse wird insbesondere die Uobevtmgung des Unt-erri.chtsressorts cm den früheren Mnisterpräsidenten B a r t e l begrüßt, denn Bartel' war es, -W den frühoyen Untervichtsmimstsc Suj.kyw Ski zur.'Zurückziehung des Numerus elausus-Erlasses veranlaßt hat. Im Sejm wird täglich die Vertag ung sverordnun.g des Präsidenten der Republik evwartot, doch wird 'der Sejm nach den Bestimmungen der Verfassung in d er le tzt e n Oktob«r» Woche zwecks Erledigung des Budgets wieder emberufen werden müssen.

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