Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2724 (25.9.1926)
- Date
- 1926-09-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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tom 6 'Bteftfc Möegemetturrs Nr. S7S4 Wien, aNstüA Hessen Lafführuny er Mitwirken sollte, teilgenommen hatte. Ter Verblichene zahlte seit 2V Jahren zu den führenden Repräsentanten ver holländischen Schairsprelrunst. Lobo, der bloß ein Alter von 16 Zehren erreichte, feierte nach Beendigung der Shanspieleraka demie an der Staatsschowburg in Amsterdam Triumphe uns galt auch als einer der besten Kenner der holländischen mvd der WÄttiteratur, ans welchem Gebiete er auch pnblizijtisch erfolgreich tätig.var. Sine internationale Buchknnstausstellung in Leipzig. Für den Sommer 1927 wird in Leipzig eine B u ch k u n st a u 8 st e I* tung im größten Maßstab und unter Heranziehung des Auslandes vorberertet. Die moderne deutsch«' Buchkunst wird durch Kollektivausstellungen der Altmeister der Buchgraphik Slevogt und Liebermann vertreten sein, ferner werden Sonderköllektionen von C o r i n t h, B e h m e r, Renner, Koch, Steiner (Prag) und andere zu sehen sein. Die Ausstellung wird auch einen Ueberblick über das buchkünstlerische Schaffen von Walter Tremann und E. R. Weiß geben (beide stiem im Jahre der Bollrwirt. Än—skis „DOuk" in Jugoslawien. Wie uns unser Berichterstatter mitteilt, bereitet das Nationaltheater in Zagreb für die lausende Spielzeit die Aufführung von An—ikis „Dybrck" vor. Der neue Direktor dieser Nationalbühne, Ivo R a i c, hat der Wiener „Dybuk"-Ausführung des hebräischen Theaters Habima beigewohnt und die ichon früher bestandene Idee einer Aufführung dieser jüdischen dramatischen Legende int Zagrebs Nalionaltheäter wieder aufgegriffen. Auch rn Osijek besteht die Absicht, de« „Dybuk" herauszubringen, eine für die Osijeker Bühne vielleicht zu schwere Aufgabe. Au« der Äieurr Biiksekamm-r. Die gestern unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Stern und in Anwesenheit des Börsekommissärs Ministerialrates , Dr. Reiße nberger abgehaltene Plenarsitzung der Wiener Dörsekammer beschäftigte sich in eingehender Weise mit den Vorarbeiten zur Neugestaltung d e s E f f e k t c n k u r s b l a t t e s, welches im Zusammenhänge mit der Umstellung der Aktien aus Grund des Goldbilanzgesetzes beabsichtigt ist. Jnsbesonders wird auch der in Aussicht genommene erweiterte Kassahandel gewisse Aenderungen im Kursblatte mit sich bringen. Die Beratungen über diese Fragen werden schon in nächster Zeit zu Ende geführt. Es wurde ferner beschlossen, zur Erleichterung des Arbitrageverkehres die Schlußhöhe für die türkischen Obligationen (Zolltüvken, Bagdadbahn) ab 30. September 1926 entffrrechend den Berliner Usancen von 20 auf 25 zu erhöhen. Den Anträgen der Hutter & Schrantz A.-G., sowie der Portland Zement- Fabriks-A,-G. auf Durchführung der Umstellung im Kursblatte wurde stattgegeben. Aon der polnischen Petraleuminduftrie. Gerichtssaal. BergnSguugsfahrten der Gattin als Scheidungsgrund wegen boshaften Berlaffeus. Die Privatarrgestelltensgattin Amalie Sch. brachte gegen ihren Gatten Anton eine Ehescheidungsklage wegen gefährlicher Bedrohung ein. Ihr Mann fec wiederholt mit einem Meüer aus sie losgegangen und habe ihr mit dem Umbringen gedroht. Es sei ihr daher nichts anderes übrig geblieben, als aus dem Hanse zu flüchten. Der Geklagte bestritt die behaupteten Bedrohungen und erklärte, die Frau sehr mehr als einmal „aus dem Hanse geflüchtet", aber nur deshalb, weil es ihr in dem kleinen Orte, wo sie damals wohnten, zwei Stunden von Wien, zu langweilig gewesen sei. Sie sei daher trotz seines Protestes wiederholt nach Wren gefahren, um ihr Vergnügungsbodürfnis zu befriedigen, wobei sie es auch mit der ehelichen Treue nrcht genau genommen habe. Er habe ihr zwar diese Fehltritte verziehen, nicht aber ihre wiederholten Reisen nach Wien, die sie tagelang von Hauswirtschaft fernhielten. Zuletzt habe sie die Tochter mitgenommen und sei bis zur Einbringung ihrer Klage überhaupt nicht zurückgekommen. Er beantrage daher die Scheidung der Ehe aus dem alleinigen Verschulden der Gattin. Der Gerichtshof sprach die Scheidung der Ehe aus dem alleinigen Verschulden der Klägerin aus. Gegen dieses Urteil brachte die Klägerin die Berufung an das Qberlandesgericht ein, in welcher geltend gemacht wurde, der Umstand, daß die lebensgefährlichen Bedrohungen nicht den Gesprächsstoff in dem Orte bildeten, beweise noch nicht, daß sie nicht stattgefunoen haben, sie habe sich dieselben doch nicht erfunden. Boshaftes Verlassen liege nicht vor, weil sie jedesmal wieder zurückgekehrt sei. Der Berufungssenat (Vorsitzender Hofrat Doktor Krassel) bestätigte das evstrichterliche Urteil. Meyer aus Charlottenburg. Aus Berlin wird uns geschrieben: Der Stadtobersekretär von Charlottenburg, Meyer, ist einer jener Meyer, dre schon vor dem Kriege den billigsten Stoff für &£ Witzblätter boten, sofern sie aber die preußische Bureaukratre bevölkerten, Deutschland in den Krieg trieben und sich jetzt für den von ihnen verschuldeten Zusammenbruch an den Juden rächen möchten. Dieser Meyer -ist nun der Stadrobersekvetär von Charlottenburg und hatte kürzlich vor dem dortigen Amtsgericht in einer Aümentatronsfache ein Mündel zu vertreten. Als der Richter dem Beklagten, einem Juden, den Eid auferlegte, verflieg sich der besagte Meyer zu der frechen Bemerkung, oas Gericht möge vorerst berücksichtigen, daß der Beklagte der jüdischen Religion angchöre und diese Religion den Meineid gestatte. Zum Glück war der Richter nicht einer von jenen Meyers, die täglich den.Amtsmeineid begehen. Er wies die Frechheit des Stadtobersekretärs zurück und nahm die Beeidigung des jüdischen Beklagten vor. Aus Warschau wird uns geschrieben: Bis zum Ausbruch des deutsch-polnischen Zollkrieges war das Hauptabsatzgebiet polnischer Naphthaprodukte Deutschland. Der Zollkrieg hat im Anfang sehr schwere Folgen für die polnische Petroleumindustrie gezeitigt. Gegenwärtig scheint die schwere Krise, die die polnische Naphthaindustrie infolge des Zollkrieges erlebt hatte, einigermaßen überwunden zu sein, da es ihr gelungen ist, neue Absatzgebiete zu finden. Während im Jahre 1924, also vor dem Ausbruch des Zollkrieges, über Danzig ungefähr 49.73V Tonnen und im Jahre 1925 63.111 Tonnen Naphthaprodukte gingen, betrug der Naphthaexport im ersten Viertel 1926 32.256 Tonnen und erhöhte sich im zweiten Viertel sogar auf 61.0 0 0 Tonnen. Der deutsche Markt absorbierte früher mehr als ein Drittel der polnischen Naphthaproduktion. Um diesen Ausfall wettzmachen, macht die polnische Petroleumindustrie, alle Anstrengungen, um neue Absatzmärkte zu gewinnen. Polnische Naphtha geht gegenwärtig hauptsächlich nach Finnland, in die baltischen Staaten, nach Skandinavien, nach E n g l a n d, F r a n k r e i ch, Belgien und nach Holland. Insbesondere Paraffin erfreut sich reger Nachfrage und konkurriert erfolgreich mit amerikanischen Produkten. ' Die Rohnaphthaproduktion im Boryslawer Gebiet betrug für den Monat A u g st st 4504,52 Zisternen, wovon auf das Boryslawer Revier 1747,20, auf Tustanowice 1381,76 und auf Mraznica 1297,01 Zisternen entfallen. Im Vergleich mit Juli ist die Produktion um 163,56 Zisternen geringer. Die Paraffinproduzenten forderten 3475,31 Zisternen Rohnaphtha, der Rest entfällt auf die sogenannten reinen Produzenten. Aar Wirtschaftsleben ln der Türkei. Das Monopolwefen. Staatsmonopole und Staatssozialismus sind heute die Hauptmerkmale der Volkswirtschaft in der Türkei. Fast alle großen Unternehmungen, die in den letzten Jahren gegründet wurden, sind mit Staatshilfe errichtet worden — gleichviel, ob es sich um .Banken, Fabriken, Schiffe oder andere Unternehmungen handelt. Es gibt derzeit in der Türkei ein Tabak-, ein Zündholz-, ein 28. September 1988 Q e l-, ein P e t r o l e n m- und ein A l k o h o l m o n o p o l. Für (lucker nutz Oel bestehen bloß Einfuhrmonopole, doch erstreckt sich das Znckermonopol auch ans Znckerwaren, wie Schokolade, Sirup nsw. Man deilkt übrigens an die Errichtung weiterer Monopole, und zwar ans MasserleitungsHähne und Zigarren. Der Handel im Hafen von Konstantinopel ist nationalisiert. Trotz des Ueberflusses an Banken soll eine Bank errichtet werden, von deren Kapital der S t a a t e i n Drittel übernehmen wird; die türkische Regierung gräbt auch nach Eisen und Kohle, kilrz, sie ist bemüht, durch weitgehende Bevormrlndnng der Wirtschaft das Land von der finanziellen Abhängigkeit vom Auslände zu befreien. Ans Grund des Friedensvertrages von Lausanne wird die Schiffahrt ln sämtlichen türkischen Gewässern ausschließlich durch türkische Schiffe ausgeführt, ein Umstand, der jedoch keinesfalls eine vorteilhafte Wirkung auf die türkische Volkswirtschaft auSübt, zumal die türkischen Schiffe alt und daher wenig leistungsfähig sind. Von großer Wichtigkeit für die weitere Entwicklung der türkischen Volkswirtschaft wird die Frage sein, in welcher Weise das im Herbst in Paris zusammentretende Komitee die BorkriegSschulden regeln wird. Oesterreichische Nationalbank. In der heute unter dem Vorsitze des Präsidenten Dundesminvster a. D. Dr. Richard Reisch abgchaltenen Sitzung des Generalrates wurde beschlossen, die 6prozentigen lOjährigen Schuldverschreibungen der Republik Oesterreich (öftm. Abrechnungsobliaationen, 2. Ausgabe) Kat. F, Emission 4 vis 6, lautend auf Schilling, die bprozentcgen 25jährcgen Schuldverschreibungen der Republik Oesterreich, Kat. E, Emission 11 bis 13, lautend auf engl. Pfunde, die öprozentigen 26jähr. Schuldverschreibungen der Republik Oesterreich, Kat. I, Emission 2 in ägypt. Pfunden, die Sprozentigen 25jährigen Schuldverschreibungen der Republik Oesterreich, Kat. G, Emission 5 und 6, lautend auf Live, weiters die vom Bundes-Wohn- und Siedlungsfonds in Wien emittierten Baulose Emission 1866, schließlich die bprozentigen 44jährigen Goldpfandbriefe in Schilling und die 7prozent,gen 40jähr:gen Gold-Kommunal-Obligationen in Schilling der Landes-Hypothskenanstalt für Nieder- Österreich sowie die 6prozentigen 42emhaMjährigen Goldpsandbrrese der Kärntnerischen Landrs-Hypothekenanstmt in Schilling zur Belehnung bei der Oesterreichischen Nationalbank zuzulassen. Die österreichisch-tschechoslowakischen Handelsvertragsverhandlungen vertagt. Dre Verhandlungen über die Revision des tschechoslowakisch-österreichischen Handelsvertrages, die um den 20. d. in Prag hätten beginnen sollen, sind auf unbestimmte Zeit vertagt worden, da die tschechoslowakische Regierung mit Rücksicht darauf, daß ihre Unterhändler gegenwärtig mit den Vertrags- Verhandlungen mit Ungarn und Deutschland beschäftigt sind, den Beginn der Besprechungen über die Revision des tjchechoslowakischösterreichischen Vertrages bis zur Beendigung der Beratungen mit Ungarn hinauszuschieben wünscht. Jnsolöenzen. Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über dre Schokoladeuna Zuckerwareneizeuguna H a m» b u r g e r L C o m p., 14 Bez. Diesenoachgaffe 3. Ak iven 16.818 Schilling, Pa ftoett 34.232 S Anbot 35 % in zetm Monatsraten. Ueber die vrororollierre Firma Michael Guttmann. Wien. 1. Bez.. Graben 29»; üner Gustav W e t ß e n st e i n. Wi'kwarenerzeuger W en, 3 Bez., Untere Weißgärberltraße' 50; über Friedrich Köderte, Delikatessenhandlung. Wien. 2. Bez.. Heinestraße 38. Der Konkurs wurde eröffnet über die protokollierte Firma Arnold Keuler. Wien 1 Bez. L'chtensteg 2.-, Slavenska banka, Agram. Die Zentral-Europäische Länderbank, Paris, hatte,'wie die Wiener Niederlassung mitjeut, vor mehreren Jahren an der Slavenska banka rn Agram Interesse genommen und besitzt 12,5 Prozent von deren derzeitigem Aktienkapital von 60 Millionen Dinare. Die im Verein mit anderen Interessenten unternommenen Bemühungen, die Slavenska banka zur Entwicklung zu. bringen^ sowie die Bestrebungen, eine Konsolidierung der Verhältnisse bei der genannten Bank herbeizuführen, blieben erfolglos. Gleichwohl haben noch Verhandlungen zum Zwecke der Fusionierung . der Slavenska banka mit einer anderen Bank stattgefunden und die Länderbank selbst war bereit, an dieser Reorganisation mitzuwirken. Nachdem die Länderban! zur Erkenntnis gelangt war, daß diese.Verhandlungen zu keinem Ergebnis führen, wurden die dem Verbände der Länderbank angeyörigen Verwaltungsräte der Slavenska banka veranlaßt, ihre Demission bei derselben ras MW. Ein Märchen aus den Memoiren der Glücket von Hameln. llus deni Jüdischen übersetzt von Dr. Leo Goldhammer. (Schluß.) Da fragte der Gelehrte: „Wenn aber einer doch die Lösung trifft, wollt Ihr dann die Wahrheit bekennen?" Sie antwortete ihm: „Mein lieber Herr, es ist keiner auf der Welt, der dieses Rätsel lösen kann, es sei denn mein Mann." Und der Gelehrte sprach: „Nun, ich kann euch das Rätsel lösen. Der Vogel, der vom Himmel auf die Erde fliegt, ist die Seele des Menschen, und sie setzt sich auf ein Bäumlein, das ist auf den Leib des Menschen. Dieser gleicht einem Baume, der grün und verzweigt aufwachst, das ist die Jugend, die einem hübschen Lustgarten gleicht. Und der Vogel kehrt und wendet den Baum, das heißt — die Seele, die ganz unsichtbar ist wie der Vogel, regiert den Menschen. Und daß der Baum alle Kräfte an sich zieht und danach verdorrt, heißt, daß der Mensch alles, das Rechte und Unrechte, an sich reißt und die Seele vernachlässigt. Nun klagt die Seele den Leib an, daß bei ihrem Leben dem Leib nicht genug war, bis sie ihm Reichtum verschafft, nun sei er aber vertrocknet. Hätte er mit dem Reichtum Wohltaten erwiesen, so wäre beiden wohl, jetzt hilft beiden nicht das Klagen. Das ist die Lösung. Willst du es gestehen, so will ich dich wieder nehmen Sie hob die Augen, sah den Gelehrten besser an und erkannte ihn. Sie sprang auf und fiel ihm um den Hals und weinte gar sehr. Sie freuten sich und bereiteten ein großes Festmahl. Der Schiffer aber fiel in die Knie und bat um sein Leben. Und der Gelehrte sprach: „Weil du mein Weib nicht berührt hast, so schenke ich dir dein Leben, aber da du dir das anyeeignet hast, was nicht dir gehört, so nehme ich dir dein eigen." Er nahm ihm seinen Reichtum und ließ ihn laufen. Und sie verblieben in großer Frömmigkeit mit großem Reichtum. Sie erzählten einander ihre Erlebnisie. Als nun der Mann erzählte, daß die Kinder im Meere ertranken, da weinten beide vor Gram und Schmerz. Denn sie wußten nicht, daß sich die Kinder gerettet hatten. In einer heißen Sommernacht gingen alle Schisser, die mit ihren Schiffen vor der Insel vor Anker lagen, da sie nicht schlafen konnten, ans Land und erzählten einander ihre Abenteuer, um sich die Zeit zu vertreiben. Die zwei Söhne waren auch unter ihnen. Sie wußten nicht, daß ihr Vater und ihre Mutter so nahe waren. Da sagten die zwei Knaben: „Wir wollen einander Rätsel aufgeben, wer die Lösung trifft, bekommt zehn Gulden, wer sie verfehlt, zahlt den Aufgebern zehn Gulden." Die Schiffer waren einverstanden und sie sagten: „Da die zwei Knaben verständiger sind als wir, so mögen sie beginnen." Da fingen die Knaben an und sagten: Wir haben eine köstlich schöne Jungfrau gesehen und sie sicht nicht mit ihren Augen. Sie hat einen schönen Leib, aber sie ist nicht vorhanden. Sie steht jeden Frühmorgen auf und zeigt sich nicht den ganzen Tag. In der Nacht kommt sie wieder, in einem Schmuck, der nicht einmal noch erschaffen wurde und auch nicht besteht. Mit geschlossenen Augen sieht man sie, bei gegeöffneten verschwindet sie. — Das ist das Rätel, löset es!" Alle wunderten sich'über das Rätel und sagten, es wäre so schwer, daß man es nicht lösen könne. Unter ihnen war auch ein alter Kaufmann, der es mit aller Gewalt lösen wollte und auch eine Lösung sagte. Die Knaben ließen seine Lösung nicht gelten, und man stritt darüber, bis eS Tag wurde. Da sprach ein Schiffer: „Höret mich an! Gehet aufs Schloß und der Fürst wird entscheiden, wer im Rechte ist." Die Streitenden waren damit zufrieden und begaben sich zum Fürsten. Der Fürst fragte: „Was wollt ihr so früh?" Sie erzählten den ganzen Vorgang. Als der Fürst das Rätsel hörte, erschrak er gar sehr. Er sah die Knaben an und er» kannte sie. Sie waren nicht sehr groß gewachsen. Er sagte zu ihnen: „Woher wisset ihr, daß die Lösung des Kaufmannes nicht die richtige ist?" Sie antworteten: „Lieber Herr, unser Vater war ein gelehrter Mann und der hat das Rätsel erdacht und seine Lösung gestellt. Also kann eS keiner lösen als wir oder unser Vater." Da sprach der Fürst: „Wenn ich es treffe, so bin ich euer Vater." M Sic sagten: „Wenn es einer «rsft, so muß es unser Vater sein, denn er hat das Rätsel keinem auvertraut, nur uns Knaben, und wir haben es keinen: verraten." Da sprach der Fürst: „So hört meine Lösung. Vielleicht treffe ich es. Nach meiner Meinung ist die Jungfrau die Jugend. Diese denkt den ganzen Tag nur an die schönen Jungfrauen. Bei Nacht sieht sie dieselben im Traum. Sie sieht sie nicht, da sie bloß ein Traumbild sind. Oeffnet man die Augen, so sieht man sie nicht. Morgens gehen sie weg, da der Mensch aufwacht, des Abends kehren sie wieder im Traum und geschmückt mit einem Schmuck, der nicht geschaffen und vorhanden ist, weil er ebenfalls nur ein Traumbild ist. Wenn ihr nun die Richtigkeit dieser Lösung zugebt, so seid ihr meine Kinder." Und die Knaben wunderten sich über die Lösung, sahen den Fürsten näher an und erkannten in ihm den Vater. Sie umarmten einander und weinten Freudentränen. Die Mutter hatte während des Gespräches die Stimme ihrer Kinder erkannt und eilte herbei und alle weinten vor Freude. Sie erzählten einander ihre Erlebnisse. Der Fürst sagte seinen Kindern, sie mögen fromm sein und Gott dienen, so werde der Herr ihnen allzeit helfen: Und wenn Gott einem UebleS tun will, So werden seine Freund' alle schweigen still, Sie werden ihm nicht helfen, noch raten, Sie werden von ihm weichen und werden sagen: „Er ist übel beraten." So bleibt derselbe Mensch allein, Unter tausend sagt keiner: „Du bist mein." So aber Gott dem Menschen wohl will, So werden seine Feinde schweigen still; Und wenn der Feinde wären noch so viel. Die Schiffer sähen und hörten dieses. Und viele von ihnen nahmen das Judentum an und auf der Insel entstand schöne Gemeinde.