Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2723 (24.9.1926)
- Date
- 1926-09-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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W en * UM Aonoien m div EjpetJition, 11., Tftbotstt. 1-3, odet in einer verschleissteile Trafik monati. -> Schilling Strassenverkani in Wien durch die Kölpörteure dir Firma 0 oj d schm ted, ' l„ Wollzeile li Mit Posiversand hu Wien und Oesterreich monatlich ) Sciiilflng 1 schecho-Slowakel: Mon. K 22, Jugoslawien: Mon. Din.60. Polen:Mon. 6Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 lener n>y«i¥ äa'gi England: Mon. 4 Schilling. Italien: Mortätl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei BulgariensMort.IÖOLew«. Schwei2 und das übrige Ausland monatlich Frcs. Redaktion, Administration; Wien, 11. Tabor str* 1 Telephone: 44-038,43-3-ly Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann < Oesterreichisches Postspa,. NdChtahiuticeft kasseri - Konto 150.19 bei r toi •nrHfl'aliUi!»r. 272,1 säten, Freitag, 24. eeotemoet 1926 8. zastrgan, Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangeschtes e gikennzeichneL KAUFEN SIE _ NUR m,t der marke KRAKAUER «« U. POLNISCHE I „ROTER STERN“ Ae sabotierte Abrüftungslonferenz. Gin trauriges Kapitel Völkerbundgeschichte. Genf, 23. September. Die VölkerbundversammlNng beschäftigte sich heute mit dem A b r ü st u n g s p r o b l c m. Nachdem Lord Robert Ce eil auf die Notwendigkeit der Ratifizierung der in Genf beschlossenen Abkommen hinge- Wiesen hatte, Verlas Paul-Boncour den Kontmissions- WW, der zum Schluß kommt, daß möglichst noch vor der achten Vollversammlung des Völkerbundes, also vor September 1927, die erste Konferenz für die Herabsetzung und Einschränkung der Rüstungen einberufen werden soll. Der rumänische Delegierte ComneNcwarnte davor, ein bestimmtes Datum für den Zusammentritt -der Abrüstungskonferenz festzusetzen. Die Debatte, über diesen Gegenstand wurde hierauf abgebrochen und die Versammlung nahm eine 'ihr vorgelegte Resolution an, in der die Regierungen eingeladen werden, ienen , .. . Vötterbundjournalisten, Oie Mtglieder der internativnolen Vereinigung sind, bei der Ausstellung von Pässen und:der.'Gewährung von Bisa sowie beim Ueberschreiten der Grenzen.alle Erleichterungen zu gewähren. Hierauf vertagte sich die.Versammlung auf morgen nachmittags. . > Es besteht die Absicht, die Tagung der Völkerbundver-. sammlnirg Samstag zu schließen; doch ist es fraglich,' ob dies möglich sein wird, da der morgige Tag ganz mit der heute abgebrochenen Abrüstungsdebatte ausgefüllt sein dürfte und außerdem noch einige andere Kommissionsberichte unerledigt sind. . . •, . ■ * Mandats- oder Set Konflikt im politischen Ueber die Verhandlungen der politischen Kommission des Völkerbundes geht der I. T. A. aus Genf ein Bericht zu, der von der gestern durch Wolfs verösfeMichten Darstellung in einem wichtigen Punkte bezüglich der Haltung Englands abweicht und einige nicht unwesentliche Ergänzungen gibt. Die vom 21. d. datierte Meldung der I. T. A. besagt: Die sechste Kommission des Völkerbundes zog die Frage der K o n t r v l l e über die M ä n d a t s l ä n d e r in Behandlung. Prof. Frithjof N a n s e n erstattete Bericht -über die Tätigkeit der Mandatskommission-und trat dafür ein, daß die Kommission alle ihr über die Lage in den einzelnen Mandatsgebieten z u g e h e n d e n Berichte und Beschwerden p r ü f e n m ü s s e. Lord Robert C e c i l unterstützte Nansens Anträge. Der stellvertretende Vorsitzende der Mandatskommission, der Holländer van Rees, erklärte, die Kommission habe keinesfalls die Absicht gehabt, dent Prestige der Mandatsmächte zu schaden oder ihnen Schwierigkeiten zu bereiten. Nunmehr erhob sich der Vertreter Frankreichs, der frühere syrische Oberkommissär de Jouvenel, und sprach mit aufsehenerregender Schärfe gegen die Anträge Nansens und Cecils. Diese Auffassung der Kompetenzen der Mandatskommission, sagte de Jouvenel, könne schwere- Folgen haben und Verwirrung in die Beratungen der Mandatskommission und sogar in der Völkerbundversammlung stiften. . •'. , ..^ . - ' schloß de Jouvenel mit erhobener' Stimme, sei infolge der Verhandlungen der Mandatskommis sion nur verlänger t worden. Der stellvertretende Vorsitzende der Mandatskommission, van Rees, erwiderte ebenfalls, scharf und verwahrte sich dagegen, daß man der Mandatskommission Verlängerung von Konflikten vorwerfe. Die Mandatskommission habe nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, zu kritisieren, und sie müsse auch Petitionen prüfen,-selbst wenn sie Kolonialiiinder? Ausschuß des Völkerbundes. von anderer Seite als votr Einwohnern der Mandatsgebiete stammten, sonst wäre der ganze Sinn ihrer Arbeiten ins Gegenteil verkehrt. De Jouvenel erwiderte mit einigen versöhnlichen. Worten. Daraufhin wurde ein Redaktionskomitee beauftragt, den Text der Resolutiort nach einheitlichem Gesichtspunkt zu fassen. * ' Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Kommissionen können durch eine neuredigierte Resolution nur verkleistert, aber nicht beseitigt werden. Die Mandatskommission steht offenkundig auf dem Standpunkt, daß die Kontrolle der Mandatsführung Sache der Gesamtheit des Völkerbundes ist, während die Mandatare nur als seine Treuhänder aufzufassen wären. Dagegen betrachtett die Mandatsregierungen die ihnen-überantworteten Länder ausschließlich als Kolonialgebiete und wollen sich höchstens ein platonisches Ueberprüfungsrecht der Mandatskornmission gefallen lassen. Es mag sein, daß in der Mandatskommission nicht ausschließlich die Rechtserwägungen entscheidend sind, daß vielmehr die in dieser Kommission sitzenden mandatslosen Regierungen ihr Wort sager^ wollen, daß also auch machtpolitische Gesichtspunkte eine Rolle spielen. Sicher ist aber, daß die' Mandatsländer bisher nur als Objekte behandelt wurden, was im Widerspruch zu dem Prinzip der Mandatsgesetzgebüng steht. Jedenfalls ist die Debatte irn der politischen Kommission ein bedeutsames Präjudiz. Es bringt den Geist des Mandates wieder in Erinnerung, und es/erweitert auch die Päsis der bisher' Mühten- 'SrMMAiaHine^-Indem auck) Petitionen, die von anderer S,eite als von Einwohnern der Mandatsgebiete stammen, in den Kreis der Kontrolle gerückt werden. ' . Gin nationalistischer Araber zum Regierungsbeamten ernannt. , Jerusalem, 21. September. (I. T. A.) Der frühere Sekretär der palästinensisch-arabischen Exekutive, S a k akini, wurde zum Referenten beim Erziehungsdepartement der Regierung ernannt. DieMbrüstungskonferenz, die der Völkerbund schon seit Jahren einberufen soll und über deren Termin er sich, nie einigen kann, bildet ein trauriges Kapitel in der Geschichte des Völkerbundes. Es ist in sieben Jahren nicht einmal gelungen, die Quertreibereien der abrüstungsfeindlichen Staaten gegen die Abhaltung einer solchen — in ihrer Wirkung angesichts der heute herrschenden Stimmung sicher höchst platonischen —' Konferenz zu besiegen. Auch jetzt werden wieder Einwände, erhoben, zw denen wie gewöhnlich die Militnrgroßmächte ihre Vasallenstaaten ins Treffen führen. Es haben sich schon bet Beginn der Besprechung die Schwierigkeiten ergeben, die . man braucht, um auch diesmal diese Frage ungelöst zu lassen. Wie wenig ernst es den Mächten mit^dcr Behandlung des Abrüstungsproblems im Völkerbund ist, das beweist der Umstand, daß die Behandlung dieses Gegenstandes von . der sogetzannten letzten Garnitur der Völkerbnttddelegationen geführt wird. . Konferenz der Außenminister der kleinen tzittente Prag, 23. September. Die Außenminister der kleinen Entente traten in Genf Montag und Mittwoch zw Beratungen zusammen, in denen sie die mit der Tätigkeit des Völkerbundes und des Bölkerbundrates zusammenhängenden Fragen erörterten. Die Minister der kleinen Entente besprachen weiter die Probleme der international e n L ag e, und zwar sowohl im allgenkeinen als auch in Verbindung mit den besonderen Interessen der Staaten der 'seinen Entente. Die nächste Zusammenkunft findet im 'uni 1927 in der Tschechoslowakei statt. önver Pa'cha noch am Leben t Berlin, 23. September. Die „Berliner Börftuzeitung" schreibt: In den letzten Tagen ist in Damaskus neuerdings'.die Nachricht anfgetaucht, daß Enver Pascha noch am Leben sei. Führende arabische Persönlichkeiten, die über gute Beziehungen nach Persien verfügen, glauben nicht nur, diese Nach. richi bestätigen zu können, sondern wollen weiter wissen, daß Enver Pascha wieder energische Versuche macht, in die aktive P o l i't i k emzngreifen. Acht Milliarden Mark für Rhein- und Saarland. Stresemanns Anbot an Brmrrd. Paris, 23. September. Der Berliner Korrespondent des „Jntransigeant" glaubt zu wissen, daß Stresemann Briand acht Milliarden Goldmark angeboten habe, und zwar in vier Jahreszahlungen von je zwei Milliarden Goldmark auf Grund der Verwertung der Eisenbahnobligationen. Es handle sich nn wohlüberlegte und offizielle Vorschläge. > Falls auf -dieser Grundlage ein Abkommen über die Räumung des Rheinlandes und des Saargebietes zustande komme, könne eine dollständige Aenderung der französischen Beziehungen zu Deutschland erwartet werden. Bedingung sei, daß Deutschland seine (Sntfoaff0 nung endgültigmächä Briand habe in der Unterredung mit Stresemann erklärt, es sei notwendig, datzdieillegasenBerbände verschwinden. Stresemann habe dies zugesagt. Die Frage sei, ob Stresemann die Macht habe, sein Versprechen zu halten; es sei jedoch anznnehmen, daß nach einem scharfen inneren Kämpf Dr. Stresemann Sieger bleiben und sein versprechen werde einlösen können.' Lesterreich bekommt endlich die bursenlstndischen Srnndbstcher. Dem „Pester Lloyd" wird' aus Oedenburg berichtet: In der Frage der burgenlciichischen Grundbücher werden im Sinne eines vom Justizministertum an den hiesigen Gerichtshof gerichteten Reskripts., die Grundbücher des Burgenlandes ansgefolgt. Im Laufe dieser Woche beginnt der Transport der Grundbücher in Anwesenheit österreichischer und ungarischer Delegierter. Er dürfte innerhalb zweier Wochen durchgeführt sein. Hlavarek L Abeles Die Provisionsfirma des Faszisten und Jndenhetzers Hlavaeek. Aus Brünn wird berichtet: „Lidove Noviny" geben einen Bericht des Wochenblattes der nationalen Arbeiterpartei über Provisionsgeschäfte wieder, dieder Generalsekretär der nationaldemokratischen Partei und Oberfaszist Hlavacek im Jahre 1920 gemeinsam mit einem gewissen A b e l e s gemacht hat. Danach hat Hlavacek zusammen mit Abeles für recht fragwürdige Vermittlungen zweier Zuckerexportgeschäfte an eine französische Firma gegen den Einspruch des damaligen Handelsminisiers N ov a k aus staatlichen Geldern Provisionen von der Zuckerkommission erhalten. Der Anteil des Hlavacek habe 915.000 Kronen betragen, der des Abeles fast eine Million. ' Das Blatt fügt dieser Mittellung folgende Bemerkung hinzu: „Wir veröffentlichen vorläufig diese eine Probe aus den vielen Geschäften der Firma Hlavacek. Ein Mann, der sich derart auf Kosten des Staates bereichert hat, bringt heute den traurigen Mut auf, gegen Masaryk und Bene sch zu hetzen, ein Mann, der mit einem Abeles ein Abkommen zi^r Ausbeutung des Staates abgeschlossen hat, stellt heute den Antrag, alleJudenhinäuszu jagen und ihr Eigentum z u beschlagnahmen. Ein Mann, der derartige Geschäfte macht, sollte tschechslowakischer Gesandter werden!" Antisemitismus und Gewuttmethoden. Prag,. 23. September. (I. T. A.) Der nationaldemokratische Führer und Präsident des Senats der Tschechoslowakei, Dr. Brabec, äußerte sich in einem Gespräch mit Pressevertretern über die Haltung seiner Partei gegenüber dem Faszismus und sagte unter anderem: „Der vom Fnszismus verkündete nationale Gedanke ist uns sympathisch, ebenso die Reinigung im öffentlichen Leben. Wir wollen aber weder' den grundsätzlichen Antisemitismus, noch das Prinzip gewaltsamer Methoden gut. fiai&Att 44