Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2722 (23.9.1926)
- Date
- 1926-09-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Vene v Wien, Donnerstag Wiener Mtorgenreituntz 23. September 1tt2ü Mi. 2722 Hechaluz, österreichischer Landesverband. Sottntag den 26. d., diuiktlich um 11 hin mnmitiaftS nmdit i'i « ii b c n B v «int n (Retv-'^ork) in den O l b m p i a f ä I c it. 1. Bez.. :Kothqafic, üb er das Tb. um „W eine 6indr ü ek e in P a l ü » i n n » n b R n ß I n ii d". Abendkurse am hebräischen Pädagoizinm. Auch beuer werden a:n hebrünchcit '-inicmfUHiuui, 1. ^vtM.unic 4, u e u c u ■ n e für b e b r ü i s cl> e S p r u cii e u n d v i l e r a l u r nie '.’mfäitcier und vsortacfdiri11enc eröffnet. Tie .'luve sieben unter Gemutet des Hen» Tr. B t r n b a u ni. Aniiield'wakn. mich der Teilnebiiier des vergantienen SchuljabreS. sind ztt rieiilen cm das Sekretariat des bebrä'ichen Pädagogiums, 1. Bez.. Drablgasse 4. 'l!i ii udli die A n m t i b uit fl nt bortielbft jeden Dienstag und Donner s- 1 a g vormtttag?. _ Gerichtssaal. Wer ist für einen Eisenbahn unsav hnstWchtig? Wenn eine ungarische Staatsbahn über österreichischen Boden führt. Die Wiener Postbeaintensgattin Elise Dicker saß am 6 Jänner 1924 im letzten 'Waggon eines Personcnzuges, der vor der Station '.'Parka Kophaza ans offener Strecke hielt. 'Ans der eingeleisigen Strecke fuhr ein anderer Zug ans diesen Zug ans, liu'bei mehrere Waggons zertrümmert wurden. Frau Ticker erlitt eine Quetschung des Schädels und auch sonst schwere 'Verletzungen. Sie war vier Monate vollkommen arbeitsunfähig. Es wurde nun durch Tr. Atari C r tt ft c i n auf Zahlimg von 15.020 S. und überdies auf eine monatliche Rente von 120 S. geklagt, wobei erklärt wurde, daß der Zusammenstoß durch Qrgane der Qesterreichifchen Bundesbahnen auf der Strecke Raab—Qedcnbttrg—Ebeitfurth verursacht wurde. Diese Q rgane waren betrunken und verabsäuntten in diesem Anstande, den anfgehaltenen Zug zu blockieren. Der schuldtragende Beamte Frau; Pflanzet ist auch wegen Vergehens gegen die körperliche Sicherheit bedingt zu 18 Stunden Arrest verurteilt worden. In der ersten Verhandlung vor dem Wiener Handelsgericht wendete die Finanzprokuratur ein, es fehle die passive Klagelegitimation, denn die Bahn sei nicht Eigentum der österreichischen Bundesbahnverwaltung, sondern gehöre der Sopron- Körzeer Vizinalbahngesellschaft. Er machte die Mitteilung, daß auf einem in Qeslerreich gelegenen Teile der Bahn ungarisches E i g e n t n in s r e ch t herrsche. 'Rur der Stations- und Bahnhoferhaliungsdieust werde von den Qesterreickischen Bundesbahnen verrichtet, der Zugsförderungsdienst jedoch auf Rechnung der Qesterreichiscken Bundesbahnen von der Raab-Qedcnburg- Ebenfurther Eifenbahngesellschaft. Daraus gehe hervor, daß die Qesterreichischen Bnudesbahneu auf der fraglichen Strecke nicht Betriebsnnternehmer sind. Das Gericht wendete sich an das Handelsministerium und die Antwort ergab eine noch groteskere Situation. Es heißt nämlich darin, die Unfallsstelle ist im Betriebe der königlich ungarischen S i a a t s b a h n e n gelegen. Der Zusammenstoß sei ein Ereignis im Bereiche des Zugsförderungsdiensres und betreffe daher nicht die Qesterreichischen Bundesbahnen. Tatsächlich bat das Handelsgericht die j Klage der Frau Dicker kostenpflichtig a b g e tv i e s e n und cs ereignete sich also der Fall, daß ein österreichischer Staatsbürger, der auf österreichischem Boden auf einer Balm schwere Verletzungen erlitt, den österreichischen Bnndessclicitz nicht haftbar machen kann. Aus Grund der eingebrachten Berufung verhandelte gestern das Qberlandesgericht über die Angelegenheit. Das Qberlandesgericht hat der Berufung Folge gegeben, das Urteil des Handelsgerichtes aufgehoben und die Streitsache zur neuerlichen Verhandlung an das genannte Gericht zurückgewiesen. Das Berufungsgericht hat sich zwar der Auffassung des Erstgerichtes hinsichtlich des Mangels der passiven Klagelegitimation angeschlossen. Da sich jedoch die Klägerin in der Klage in eventu auch auf den a l l g e in e i n e n S ch a d e n s g r u n d s a tz des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches berufen hatte und in dieser Richtung seitens des Erstgerichtes keinerlei Feststellungen vorgenommen wurden, mußte die Streitsache zur Ergänzung und neuerlichen Beschlußfassung in der angegebenen Richtung an das Handelsgericht zuriickverwiesen werden. gölte auf SchniNmaterial. Im H.mptausschuß des Rationalraies machte gestern der, clirislitckisoziale Abgeordnete B u ch i n g e r Stiutmung uir die Eilt ' ü h r u n g v o u ö I l e n auf S ,1,.! i 11 m a t e r i a i, die er mit den Schwierigleilen der Sügeindustrie iitso'.ge Einfuhr von Schnitt material aus dem Ausland begründete. Die Regierung will sieb die Sache noch überlegen und noch alle Interessenten airhören. Qb es überhaupt zur Einführung des Zolles auf Schnittholz lontmen ivitv, ist noch sehr fraglich. Der Hanpransschuß hätte zruar die Aiöglichkeit. der Regierung die Ermächtigung für die Festsetzung solcher Einfuhrzölle zu geben, doch iag gestern nicht einmal noch der Entwurf der bezüglichen Verordnung vor. Rach einer ztveüen Version beifinde sich bereits eine Regierungsvorlage in Ausarbeitung, die einen m ä ß igcn Zoll auf Schttittmaterial vorschlägt. Polnischer Wirtschastsbrles. Günstige Nachrichten vom Lodzer Baumwollmarkt und von der oberschlcsischen Eisenindustrie. — Gencralvcrsmnmlung des Verbandes der IndnstrievereinMngen in Lemberg. - Weitere Steigerung des Rohölpreises. — Effektenbörse. (Von unserem Warschauer .Korrespondenten., W a x | ch a tt, 19. September. Vont Lov; Lr B a n m w o i l m a r k l kommen sehr .günstige Rachrichten. Alle größeren Fabriken arbeiten sehr intensiv in zwei bis drei Schichten. Entsprechend der Zusage der Regierung erhielt die Lodzer Industrie in letzter Zeit einen genügenden .Kohietttrans Port, so daß die Produktion nach dieser Richtung hin für die nächste Zeit nicht gefährdet ist. Die heurige Herbst- und Wintersaison versprich: sich sehr gut und nur, dank der erhöhten Nachfrage, macht sich am Lodzer Poduktionsmarkt Mangel an Rohmaterial bemerkbar. Die Geschäststransaktionen werden meist bar getätigt, beziehungsweise bei 60- bis 70pro;entiger Bardeckung mit zweimonatlichem Kredit. Di: Manufakturhändler kaufen jetzt nur langsam ein. denn sie fürchten weder eine Preissteigerung noch eine Knrscrhöhnng des Dollar. Der Preis der Banmwollerzeugnisse ist unverändert geblieben. Ans Qoerschtesien wird eine bedeutende Besserung der E i s e n i n d n st r i e gemeldet. Reben bedeutenden inländischen Bestellungen, gab es in der letzten Zeit auch große Bestellnngett ans dem Ausland. Unter anderem erhielt zum Beispiel die Fabrik „Ferrum" eine Bestellung auf über 2000 Tonnen Röhren ckns Kalifornien, eine andere Eisen nilte wird Schienen nach Japan liefern und schließlich wurden auch Geschähe mit Südamerika und dem fernen Cr.eut abgeschlossen. Die ober-schlesische Eisenindustrie bemüh: sich jetzt in erster Linie tun den lettläudöchen Absatzmarkt, der bisher von Belgien und Deutschland veriorgt wurde. Da Lettland monatlich füns- bis sechstausend Tonnen Elsen entführt, würde die Gewinnung dieser neuen Erportmögltchkeii einen bebentenden Gewinn für die Eisenindustrie in Oberschlesien darstellen. Am 11. d. fand in der Lemberaer Handeiskantmer die Ge neralver'amm'.nng des Verbandes der industrielle Vereinigung von West- und Südpolen statt. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, eine Steuerreform in einem für das Produklionskapita! günstigen Sinne dnrchzuführen, die soziale Gesetzgebung nach italienischem Muster auszugestalten und eine rechtlich gesicherte Zusammenarbeit der Industrie und der Regierung zu gewährleisten. In der Rc'olutiou wird schließlich bemerkt, daß ohne diese unentbehrlichen Reformen, die Bemühnngen des Verbandes der Industrievereimgungen zur Ermäßigung der Produktionskosten erfolglos bleiben müssen. Der Preis des Rohöls steigt immer wrt. In kleinen Geschäfrsrransaktloncn werden für einen Waggon 205 bis 206 Dollar bezahlt. Größere Geschäftsabschlüsse werden mit 210 Dollar getätigt. Die Tendenz spricht fite weitere Preiserhöhungen. Auch der Gasolinpreis ist höher geworden. Für 100 Kubikmeter Absorptions gasolin wurde in Boryslaw iofo Waggon ohne Steuern 7 bis 7,4< Dollar gezahlt. Am Effel.eumarkt gab es keine einheitliche Tendenz und cvj;.mt Wochenende, als die 'Nachricht von dem Eintritt Polens in bei Bölkevbundrat km», stiegen die Kurse der Papiere. Sehr belieb ivaren die Aktien Fairorzuo, in denen größere Trausaktionen ab geschiosse» wurden. Die Kurse der Aktie» habe» keine besondere, Aenderungen erfahren, nur von den Prozentpapiere» hat die fünf Prozent ige Kouverswüsanlellie acht Prozent von ihrem Kurs ein gebüßt. Auch der Kurs der anderen Prozentpapiere ist ein toeni, gestcirkett. Ler Franken fällt wieder. Ans den intenvationaien Devisenmärkten ist wieder eine an. sehnliche 'Verstauung der Frankeitdevisen zu konstatieren, die vorirohmiich damit begründet wird, daß die Poincareschcn iMnßnalpnei zur fittanziellen Stabilisiernttg bislher kein recht durchgreifendes Ergebnis hatten. Die 'rauzösische Regierung fichrt die Abwärtsbewegung des Franken auf spekulative Manöver an der Pariser Börs, zurück und hat gegen eine Anzahl von Personen, die ihrer Meiuntte nach daran beteiligt seien, ein gerichtliches Berfalhven cingolcit'ct Fn Paris stieg das Pfund bis 177,5 und der französische FranRr wies in Zürich einen Rückgang auf 11,22125 (gegen 11,13 am DiettSt.ijV) ans. Roch stärker sattk der belgische Franken, dessen Zürichet Schlnßknrs 13,15 (gegen 13,75 aut Vortage) verblieb. Das Pfunt erhöhte sich in Brüssel bis 186. Die Lira war gut behauptet, Devise 'Mai and notierte gegen Loitdoit 132,50 bis 133; der Liraschluß' ktirs in Zürich war mit 18,925 ebenfalls höher. Madrid lag gestern etwas fester und schloß in Zürich 78,75 (gegen 78,45 am Dienstag). Der Leu ist anhaltend fest, der Züricher Lchlnßkurs betrug 2,83. Bei nnverä'.'.ocrtcm Tollarknrs (517,50) ging der Schilling in Zürich bei einem Schlnßknrs von 72,95 etwas zurück. Insolvenzen. Ter Konkurs wurde eröffnet über Paulo L e r ch - K a I a b i s. elekiotechnischeü Unternebmcn, Äieü, rl. Bez., Sch oßhoferstraße 4; über Joel Heisch D r u f 8 Kaufmann, Wien, 2. Be^.. Ennsgasse 17; über Emil H i r ' ch b e r g e r, Kaufmann, Wien 5. Be;,, Rainergasse 37; über Gustav Locker. Kaufmann. W ett. 2 Be;.. Qbere Tonaustraße 43. — TaS Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Franz Müller (in Firma .gommaiidllgeselllchan 'Ulüller & Comv, Wien, 20. Bez.. Pavven« teimstraße 43): t-ber Rucolt G r ü n w a l d, Handelsfirma, Wien, 9. Bez.. Kolingasse 4; über Emil M etzl, Herren'chneiver, Wien, 1. Bez. Sckiotienr'ng 24. Internationale Tagung der Besitzer veichsdeutscher Grund, stücke in Wien. Am 2. utid 3. Qktober findet in Wien im Industrieverein, 3. Bez., Schwarzenbergplatz 4, ein Kongreß sätntlicher initno ausländischer Besitzer reichsdeutscher Grnttdstücke statt, )em Verbände Hollattds. Schwedens, der Schweiz, Ungarns, Griechenlands, Polens, Deutschlands nsw. bereits ihre Teilnahme zugesagt hüben. Die Tagung will die in- und anslättdischen Behörden aufmerksam machett, daß die deutsche Rechtssprechuug bei Anfechtung von Kaufverträgen das Internationale Privatrecht verletzt und dem auf recht« mäßige Weise cvlvorbenen Besitz enteignet, ferner beabsichtigt si/ aber auch den Zweck, die internationa en Verbände zu einem gemtinfamen Vorgehen und zu gemeinsanrem Kampfe gegen diese nn. rechtmäßige Enteignung zusammenzuschließen. Auskünfte erteilt der österreichische Schntzverbarrb der Besitzer reichsdeutscher Grundstücke, Wien, 2. Bez., Kleine Sperlgasse 1. Tel. 44-0-29. Eine deutsch-englische Industriellenkonferenz. Dem Londoner „Star" zufolge haben die dieser Tage in London geführten Verhandlungen zwischen 'Vertretern des britischen Indnstriellenverbandes und des Vereins der deutschen Industriellen zu dem Ergebnis geführt, /daß im Monat Oktober eine Konferenz der britischen tut) der deutschen Industriellen in London zusammentreten wird. Terminhandel an der Prager Börse. Die Prager Börsenkammer hat beschlossen, an der Effektenbörse den Terminhani)el etnznführcn. Gründung einer ausländischen Petroleumrafsinerie bei Belgrad. Aus Belgrad wird uns grschrtebeat Gerüchtweise verlautet, daß die R o h a l - D u t ch - S h c l! g r tt p p ,e bei BAgrav eine große. Petrolenmras-inerie errichten will, weil die neuen jugoslawischen Zölle die Einfuhr erschweren. Günstige jugoslawische Handelsbilanz. Die jugoslawische Handelsbilanz des ersten Halbjahres 1926 schloß überraschend günstig mit einem Ausfuhrüberschuß von t68 M i l I i o n e n Das Rätsel. <5in Märchen aus den Memoiren der Glücket Von Hameln. 1 Zonictzung Aus dem Jüdischen übersetzt von Dr. Leo Goldhammer. Und der arme Mantt ging zunt Schisssherrn und bat, inan möge ihn tmd seine Kinder uttentgeltlich ausF Schiff nehmen, da er so arm sei, daß er nicht einmal einen Bissen Brot kaufen könne. Und er erzählte dem Schiffer, wie es ihm bisher ergangen. Und der Schiffer erbarmte sich seiner, nahm ihn und seine zwei Kinder aufs Schiff und gab ihnen Essen und Trinken, soviel sie wollten. Als sie mitten auf dem Meere waren, ließ Gott einen starken Sturmwind wehen; der zertrümmerte das Schiff und alle ertnanken bis auf den Gelehrten, seine zwei Kinder und den Schiffer, der sie gespeist. Diese waren nicht ertrunken, da jeder ein Brett ergriffen hatte, an dem er sich festhielt. Das Meer warf sie ans Land, jeden an ein anderes. Ter Gelehrte wurde in eine große Wildnis verschlagen, wo Wilde hausten. Die Tochter des Königs der Wilden erblickte ihn, denn sie weidete die Schafe und Rinder in der Wüstenei. Sie war ganz nackt, mit Haaren bewachsen, mit Feigenblättern umgürtet, rtm ihre Scham zu verdecken. Sie ging zu ihm, empfing ihn liebreich und bat ihn, sie zum Weibe zu nehmen. Aus Furcht kam auch er mit Liebe entgegnen und gab ihr zu verstehen, daß er sie zum Weibe nehmen wolle. Als ihn einige Wilde im Gespräch mit dem Weibe erblickten, begannen sie zu pfeifen. Da sprangen die Alten und Jungen aus den Löchern, wo sie Wohnungen hatten, hervor und liefen auf ihn zu, um ihn zu töten und sein Blut zu trinken und sein Fleisch zu fressen. Der König mar auch dabei. Der Gelehrte erschrak so sehr, daß fast kein vtem in ihm blieb. Die Königstochter sah es und sagte ihm, rr solle nichts fürchten. Sic ging ztnn König, ihrem Vater, »nd bat ihn gar sehr, daß er den Fremden am Leben lasse und ihn ihr zum Acanne gebe. Ter König willfahrte seiner Tochter und ließ ihn am Leben; der Gelehrte ntnßte sich in der Nacht neben sie legen und ward so ihr Mann und sie sein Weib. Gar oft dachte er aber an sein schönes frommes Weib, das ihm entrissen ward. Doch daran war nichts zu ändern und er ertrug alles mit Geduld; denn er hoffte heimlich im Innern seines Herzens, daß ihm Gott doch noch zu seinem frommen Weibe und zu seinen Kindern verhelfen werde. Nach Jahresfrist gebar die Königstochter ihrem Manne ein Knäblein, ein wildes. Er hütete Tag für Tag das Vieh in der Wildnis, und so waren bereits zwei Jahre verstrichen. Er mußte mit den Wilden das Fleisch von Menschen und Tieren essen und wohnte in den Höhlen des Gebirges mit seinem Weibe. Er selbst sah schon einem Wilden ähnlich. Einst stand der arnte Mann in der Wüste auf einem Hügel, nicht weit vont Meere, nnb dachte über sein Unglück nach, wie er sein frommes Weib und seine Kinder verloren und — was ihn am schwersten traf — daß er nun schon zwei Jahre zwischen unverständigen Wilden leben mußte. Er sagte sich: „Wenn sic meiner müde geworden, werden sic mich ja doch einmal fressen. Dann werde ich nicht einmal neben anderen Fronnnen meines Bolkcs bestattet werden, wie es einem frommen Juden geziemt. Ich habe doch keinen anderert Ausweg, als mich ins Meer zu stürzen, lvo auch meine zwei Kinder ertranken — er wußte nicht, daß aitch sie das Meer ausgespien —, so kann ich wenigstens zu ihnen kommen und mich im Jenseits mit ihnen freuen." So beschloß er bemt, sein Leben zu beenden, bereitete sich auf den Tod vor und bekannte seine Sünden vor Gott in heißen, bitteren Tränen. Als er sein Bekemttnis beendet hatte, lief er zum Meer hin, um sich zu ertränken. Da ließ sich eine Stimme vernehmen, die ihn beim Namen rief und ihm sagte: „Warum verzweifelst du, Mensch, und willst deine Seele verderben'? Geh' auf den Hügel zurück, wo du früher gewesen, grabe nach und du lvirst einen Kasten voll Gold und Edelsteinen finden. Mit dem Kasten geh' an den Strand und warte. Bald werden Menschen auf einem Schiff kommen und dich mit deinem Kasten auf ihr Schiff nehmen. Nicht lange wird es dauern und du wirst ein König werden. Dann ist das Ende deiner Leiden gekommen unb die Freude beginnt." Als der Gelehrte dies gehört, ging er zum Hügel zurück und fing zu graben an, wie ihm die Stimme befohlen. Er fand auch wirklich den Kasten mit Gold und Edelsteinen und er schleppte ihn bis ans Ufer des Meeres. Bald sah er ein Schiff und er schrie mit lauter Stimme, sie mögen anlcgen und ihn aufnehmen, denn er wäre auch ein Mensch wie sie. Als die Leute hörten, daß er wie andere Menschen spreche, fuhren sie ans Ufer heran und fragten ihn, wer er sei unb was ihn hieher gebracht. Er erzählte ihnetr, wie es ihm bisher erging. Sic nahmen ihn und seinen Kasten attfs Schiff. Als er schon auf dem Schiffe war, da eilte sein wildes Weib mit dem wilden Kinde herbei, die sein Schreien vernommen hatte, und bat ihn, er möge sie auch mitnehmen. Er aber spottete ihrer und sprach: „Wozu brauche ich wilde Tiere? Ich habe ein besseres Weib als du es bist." Als die wilde Königstochter dies hörte, ergrimmte sie, nahm das .Knäblein bei den Füßen, zerriß es, warf ihm einen Teil auf das Schiff, den anderen verzehrte sie und lief zornentbrannt davon. Auf einer Insel des Meeres stiegen sie ans Land. Der Gelehrte öffnete den Kasten — drin waren Gold und Edelsteine, wie sie in keinem Äönigsschatz zu finden sind — und zahlte mit Freuden dem Schiffer seinen Lohn. Dann ließ er sich den Kasten in seine Herberge tragen. In der Nacht dachte er: „Wenn ich die Insel vom König kaufen könnte, so würde ich ein Schloß und eine Stadt allhier bauen; ich brauchte dann nicht zu fürchten, daß mir jemand mein Geld stehlen könnte." Fortsetzung folgt.)