Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2722 (23.9.1926)
- Date
- 1926-09-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wen /-um Aoholen m dei Expedition, 11., Taborsti. 1-3, oder In einer Verschleisstelle Trr.Hk monsti. o Schilling Strnssenverkaui In Wien durch die Kolporteure der Firma G o l d s c h m i e d, I., Wollzeile 11 1 Mit Postversand llir Wien und Oesterreich monatlich o Schilling i sc li ec ho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 Nachzahlungen bei frei»- e o n n worb**hallen Wiener ommzeilung England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 20 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarlen:Mon,100Lewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. ä Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38.43-3-19 Ab 6 Uhr; 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterrelchisches Postspai* kassen - Konto Nt 150.R9 Nr. 2722 Wien, sonnerrtag. 23. vevlemver 1926 8. Jahrgang Personalunion Mischen Nationalbank und . , , , ,, ch Präsident Reisch mit der Leitung der Postsparkasse betraut. — Pensionierung der Gouverneurs Schuster-Bonnot. In: redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind dnrch ein vorangesetztes e geke»mzeichnet.! Neu eingerichtet! Werke bester Autoren zu S. 1.20, 1.50, 1.80, 2.40 IBücherschlvemme! Bücherstube M. Rath Wien, II., Taborstraße 20 A Deutschlands Lukunstsvlane. Strefemann berichtigt eine Rede. Genf, 22. September. Aus einem Bierabend der deutschen itüluuic hielt gestern Minister Dr. S t r e s c in n n it eilte Rede, die in den Bölkerbundkreisen großes Anfsehen hervorries. Ter Minister sagte unter anderem, das; Dentscht a n d die Unterscheidung in Völker, die K o I o n i e n zu besitzen berechtigt sind, und in andere, die dieses Recht nicht haben, für sich itid)t ancdenneit könne. Für Deutschland handle es sich weiter darum, die deutsche Souveränität auf deutschem Boden wieder herzttstellen und darüber hinaus dnrch kluge Politik den Weg zu finden, um in: Zusammengehen mit anderen Nationen im Herze n Europas das Selbstbestimmungsrecht wieder hevzustellen. Dieser letzte Passus, der allgemein auf den Anschluß Oesterreichs bezogen wurde, fand im Völkerbund lebhafteste Aufmerksamkeit. Ans diese Diskussion ist es wohl znrückznsühreu. daß Minister Stresemann heute mittags die Pressevertreter empfing und ihnen erklärte, daß seine Ansprache e n tstellt worden sei. Wie die Fisichtlingofrage behandelt wird. Das internationale Arbeitsamt wird das Arbeitslosenproblem studieren. Wcitf, 22. September. Bei der Diskussion des Berichtes über die Ausiedlung der arbeitslosen r u nt ä n i s ch e n u n d a r itt e it i s ch eit F l ü ch t I i n g e, bereit Zahl bekanntlich anderthalb Millionen Menschen beträgt, setzte sich der öfter reichische Delegierte d i P auti sehr warm für jcncit Teil des Berichtes des deutschen Delegierten Dr. B r e i t s ch e i d eilt, der sich für die praktische Lösung des Arbeitslosenproblems ditrch eitt z e it t r a l e s F nformati o n sb u r e a n aitsspriä)t. Angesichts der starken Opposition, den dieser Teil des Berichtes seitens verschiedener Delegierter finden dürfte, schlug der österreichische Delegierte eine Resolution vor, durch die die Angelegenheit der Arbeitslosenfrage der i n t e r it a t i o it a I e it W i r t s ch a s t s k o n f e r e n z überwiesen werden soll. Ter Direktor des internationalen Arbeitsamtes, Albert T h o m a s, brachte seinerzeit einen ähnlichen Vorschlag ein, demzufolge das internationale Arbeitsamt mit dem Studium und der Durchführung der Fürsorge für die Arbeitslosen zunächst beauftragt werden soll. Der österreichische Delegierte stimmte darauf im Einvernehmett mit dem deutschen Delegierten dem Vorschlag Thomas' zu. Die Böikerbnndligen in Salzbnrg. Die diesjährige Generalratstagnng der Union der Völkerbiuldligen findet in Salzbnrg statt. An ihr werden sich ungefähr 120 bis 160 Delegierte ans aller Welt beteiligen. Die Mitglieder des Kongresses treffen am 27. d. in Salzburg ein. Zitm Kongreßhaus ist das Mozart h a n s bestimmt worden. Am 28., 29. und 30. d. werden Koinmissionssitzitngen über die M i n o r i t ä t e n f r a g e, am 1. Oktober die feierliche Eröffnungssitzung stattfinden. Amtlich wird verlautbart: Die Regierung hat gestern über Beschluß des Ministerratcs den Präsidenten der Nationalbank, Dr. Reisch, mit der Leitung d e s P o st s P a r k a s s e n a m t e s b e t r a u t. Es ist beabsichtigt, daß der Präsident der Nationalbank diese Funktion solange innehabe, bis die U e b e r l e i t u n g in das neue Institut der Republik Oesterreich durchgeführt sein wird. Präsident Dr. Reisch wird die Aufgabe haben, bei den einschlägigen Gesetzesvorlagen mitzuwirkcn, das Institut zu reorganisieren und sein Zusammenwirken mit der Oesterreichischen Nationalbank sicherzustellen. Die Bundesregierung hat dem wiederholten Pensionsansnchen des Gouverneurs der Postsparkasse, Dr. Rudolf Schuster-Bonnot, Folge gegeben und ihm bei diesem Anlaß den Dank und die A n e rk e n n u n g für seine vieljährige hervorragende Dienstleistung ausgesprochen. Dr. Reisch äußerte sich in der Politischen Korrespondenz über seine Betrautmg unter anderem: „Ich habe mich natürlich nur sehr schwer entschlossen, d e m $ ä n g a occ Regie r u n g wegen zeitweiser Uebernahrne der Leitung des Postsparkassenamtes Folge zu leisten, weil mir hiedurch eine überaus große Arbeitslast itnd Verantwortung erwächst. Wenn ich schließlich meine Zitstinnnnng gegeben habe, so waren hicfür hauptsächlich drei Erwägungen entscheidend. Der Lösung der P e r s o n e n f r a g e stellten sich diesmal unter Berücksichtigung aller Umstände ungewöhttliche Schwierigkeiten entgegen, die ich im Interesse der Sache nicht weiterhin vergrößern wollte. Ferner scheint mir die Durchführuna der Neuorganisation des Postsparkassentnstituts, die seit dem Zerfall der Monarchie und der dadurch gebotenen AilSeiitandersetzitng mit den SnkzessionSstaaten ausständig ist, eine dringliche Angelegenheit zu sein, die endlich zunt Abschltrs; gebracht werden ntuß, wobei den: Institut die entsprechellde Stellung innerhalb unserer gesamten kreditpolitischen Organisationen zu sichern ist. Endlich aber ist es ctijc seit Fahren von vielen Seiten betonte Notwendigkeit, daß zivischen der Postsparkasse und der Notenbank ein engere s Z u s a m m c n a r b e i t c it Platz greife, worauf bei der bevorstehenden Nettorganisation nach Möglichkeit hiuzuwirken sein ivird. Es ist gelviß e i n A tt s it a h in s f a l l, daß der Präsident der Notenbank gleichzeitig anch zum Leiter eines staatlichen Kreditinstituts bestellt wird, und dieser Ansnaymsfall kann keinesfalls als dauernd angesehen Iverden. Eine sachliche Jnteressenkollision zwischen den beiden Instituten scheint mir nicht denkbar, da ja beide in erster Linie den Rücksichten des Kreditverkehrs zu dienen bestimmt sind und diesen Rücksichten durch eine innige Kooperation jedenfalls leichter entsprochen werden fattn als dnrch eilt unorganisches Nebeneinanderarbeiten, wie dies bisher der Fall war." Dr. Reisch erklärt ferner, er habe keinen Einblick in die in letzter Zeit zum Gegenstand öffentlicher Erörterttng gemachten Transaktione n. „Ich folgte", schließt Dr. Reis ch, „dem Rufe der Regierung, wie etwa ein Konsiliarius, ohne den Fall vorher zu kennen, dem Rtlfe der Familie folgt, in welcher der bisherige ärztliche Ratgeber in Wegfall gekommen ist. Ich mnß den Fall zunächst gründlich zu untersuchen, das eilte oder andere kleinere Tute Nebel zu beheben und sodann jene Behandlung in Vorschlag zu bringen trachten, welche für die Zukunft wieder eine völlig ungestörte und gedeihliche Betätigung der Postsparkasse verspricht. Sobald dieses Stadium erreicht ist, werde ich mich zurückziehen und mich wieder ausschließlich den Agenden der Nationalbank widmen können." * Die von amtlicher Stelle ausgegebene Erläuterung zu dieser erstaunlichen Vetranung geht unter anderem davoit aus, daß Dr. Reis ch die Aufgabe zufallen werde, die Postsparkasse zu einem rein österreichischen Institut umzugestalten. Tatsächlich sind mit den Nachfolgestaaten über die Loslösung der österreichischen Postsparkasse aus dem Zusamntenhang mit den nationalstaatlichen Instituten noch Verhandlungen zu führelt. Auch die Reorganisierung der Anstalt auf Grund des P o st s p a r k a s s e n g e s e tz e s, dessen parlamentarische Erledigung immer und immer wieder verschoben wird, wird über kurz oder lang vorgenommen werden müssen, liegen doch noch Vereinbarungen aus der Zeit der Amtswirksamkeit des Völkerbundkommissärs Dr. Zimmerman vor, welche darauf abzielten, die Postsparkasse der Jngerenz der jeweiligen österreichischen Regierung zu entrücken und zu verhindern, daß sich der Staat neben demNoteninstitut eine Art Staatsbank halte, denn auch eine Postsparkasse könnte, wenn auch nicht gerade in der Form wie die ungarische, die in der Zeit Bela Kuns staatliches Geld emittierte, zur Jnslationsquelle werden. Andererseits bedingen auch die für die Zeit nach dem Aufhören der Funktion des Völkerbundsekretariats in Wien vereinbarten Kontrollmaßnahmen, daß die Kassengebarung des Bundes und aller seiner Aemter, Unternehmungen und Anstalten an einer der Einflußnahine der Regierttng entzogeneit Stelle leicht übersehen werden können. Darum sollte nach dent Ent- Ivurf des gewesenen Finattzministers Dr. A h r e r auch die Postsparkasse nur mehr als D u r ch l a u f st e l l e für die Eingänge und Auszahlungen staatlicher Gelder dienen, während die Nationalbank selbst als Staatshauptkassier fungieren soll. Würde dies schon die Berufung des Nationalbankpräsidcnten zur Leitung der Postsparkasse ausreichend rechtfertigen, so haben die Erfahrungen der letzten Zeit gelehrt, das; es eine uubcbtngtc Notwendigkeit ist, d i e P o st s p a rk a s s e der B e e i n f l u s s n n g durch R e g i e r u n g sst e l l e n zu entziehen. Aus den Protokollen des Zentralbankuittersuchungsansschusses hat man ja zur Genüge erfahren können, daß die Postsparkasse allen möglichen verkrachten Banken beispringeil mußte, weil diverse Politiker und Regierungsleute bei ihr intervenierten. So hatte die Steirerbank ein Loch, unterdeckte und dubiose Konti der Verwaltungsräte, und da wurden ihr durch eine Hilfsaktion des Vizegouverneurs K l i nt e s ch der Postsparkasse einfach zehn Milliarden geschenkt. Auch bei der Kommerz- und D i s k o n t o b a n k hat die Postsparkasse ganz merkwürdig funktioniert. Dreizehn Milliarden wurden der Steirerbank von der Postsparkasse nach einer einmaligen Vorsprache des Dr. R i n t e l e n geliehen. Eine Reorganisation der Postsparkasse ist also sehr am Platze. Allerdings könnte die Frage aufgeworfen werden, ob gerade Dr. Reisch der richtige Mann hiezu ist, ob er nämlich die Nackensteife besitzt, um von diesem Institut in Hinkunft die politischen Beeinflussungen fernzuhalten. Einige Zweifel an dieser seiner Eigenschaft sind wohl berechtigt, wenn man sich daran erinnert, daß die Nationalbank der Zentralbank deutscher Sparkassen und ihren Konzernunternehmungen sehr bedeutende Beträge vorgeschossen, an allen versteckten Subventionierungen der Zentralbank mitgewirkt hat und daß schließlich die für den Staat sehr verlustbringende Hilfsaktion für die Zentralbank aus Betreiben desselben Dr. Reis ch und in der sehr anfechtbaren Form geschehen ist. in Preis, Qualität und Auswahl! M- und Leimen Herbst-Me, Wäsche, Strick- und l zu staunend hilliuen Preisen im Warenhaus II.. MllM 48 Telephon 47-1-79, 43-408 En ps En detail