Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2721 (22.9.1926)
- Date
- 1926-09-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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» Meli. M-ttivoH Meffer Mmr-Mzett««- 22. September 1926 Nr. 2721 Kerichtssaal. -m vergesse«« Lealueohr in der Sveraiio«s> n»««»e. Die Schadenerfatzkkage gegen Professor Finsterer. Beim Zivillaiwesgericht war durch iiimietc Zeit ein Lchabenerfahpro-eß anhängig, welchen die Private Jda sch. durch Dr. Friedrich Weißenstein gegen den Chirurgen Professor Hans Finsterer und das Kaiser-Franz-Josess-Ambulatorium arrs Zahlung von 16^41 Schilling 90 Groschen angestrengt hatte. Frau Sch. hatte sich am 1. Juli 1983 im Fran-z-Josofs-Ambula-' torium einer Bauchdeckenoperation unterzogen, welche Professor Finsterer durchgeführt hatte und nach deren norrnalen Verlauf die Klägerin in häusliche Pfege entlassen worden war. Nach Verlauf von einem Jahre traten neuerliche schnreychaste Entzündungen auf und am 24. Februar 1925 entfernte ein Arzt, an den Frau Sch. sich gewendet hat, ein gläsernes Drainrohr ans der Wunde, welches offenbar noch von der Operation Lm Leide der PatieMin zurückgclblieben war. Der Vertreter des Fvanz- Josef-Ambulatoriums bestritt, daß die Anstalt aus dem Grunde haftpflichtig gewacht werden könnte, weil in ihrem Raume die Operation vorgenommen wurde und vin Arzt des Ambulatoriums die Nachbehandlung geführt hcvtte. In der letzten Verhandlung hatte Hofrat R u b r y 1 i u s ein Gutachten dahin abgegeben, daß es nicht ausgeschlossen sei, daß das Drainrohr später bei den Eiterungen eingelegt wurde und beim Auflegen eines Sandsäckchens hinemgeschlupst sei und dann übersehen wurde. Der Sachverständige erklärte, daß der ganze Zwischenfall die Gesundheit der Patientin nicht gefähvdot hatte. In der gestern stattgehabten Verhandlung zog der Klagevevtreter die Klage gegen das Franz-Josefs-Ämbulatorium mit Verzicht auf den Anspruch zurück. Bezüglich des Beklagten" Prof. Finsterer gaib der Klag-overtreter die Erklärung ab, daß aus dem Beweisverscchren er und ferne Klientin die - Ueberzeugung gewonnen haben, daß Prof. Finsterer an dem zur Klage führenden Vorfall kein wie immer geartetes Verschulden treffe, daß das Drainrvhr nicht während der Operation eingelegt worden sei, sondern offenbar im Laufe der Nachbehandlung, welche Prof. Finsterer nicht persönlich geführt hat. Es wurde daher auch die Klage gegen Prof. Finsterer, welcher seinerseits sich bereit erklärt hat, der Klägerin als Ersatz 2500 Schilling zu geben, z urückgegogen. * Der zugewiesene Untermieter ist nunmehr Hauptmieter. Der Zivilrichter des Bezirksgerichtes Landstraße, Dr. S o klitfch, hat in einem Kündigungsprozeß in dem Urteil ausgefprqchen, daß auch Untermieter, die zur Zeit, als das Anforderungsgesetz noch in Geltung war, im Wege der Anforderung auch nur einen Raum einer Wohnung zugswieien erhalten haben, nunmehr als Haupt Mieter anguschen seien und daß die vermietende .Partei deshalb zur Kündigung überhaupt nicht legitimiert sei. In den Gründen des Urteils wurde unter Hinweis auf die seinerzeit erfolgte Zuweisung des näheren ausg-sführt: Der Beklagte war während des Bestandes des Wohnungsanfordernngsgesetzes zweifellos Äls Hauptmrieter zu betrachten. Nach dem Erlöschen dieses Gesetzes und nach der mit Kundmachung dSs Bürgermeisters der Stadt Wien vom 23. Jänner 1926 erfolgten Freigabe der angefovderten Wohnräume wurde der zugewieseue Mieter den Bestimmungen des Mietengesetzes unterworfen. Der § 39 des -Wohnungsanforderungsgesetzes spricht nur von Mietern und macht keinen Unteriichield zwischen Mietern, beziehungsweise Untermietern. Der Beklagte bleibt sohin auch weiterhin Hauptmieter des Hausherrn. Wenn eingewendet wurde, daß die Klägerin Inhaberin einer einheitlichen Wohnung ist, so mußte dem gegenüber gehalten werden, daß der Hauseigentümer unter Umständen das Zerstückeln einer solchen einheitlichen Wohnung, hevvorger-ufen durch eine Anforderung, dulden muß. Ae rumänische Petrolenmvrodnwo». Man schreibt uns au? Bukarest: Die Statistik über di: Rohölprvduktion in Rumänien gibt für die ersten sieben Monate des lausenden Jahres eine Zister von 1,806.102 Tonnen gegenüber 1,258.520 im Vorjahre während derselben Periode. Die Export preise für P.'troleuinprodnkte weisen eine sinkende Tendenz aus, was in Petroleum,kreisen, besonders be'i kleineren Untcrnehmu-ngeft, die nnr über geringe Reserven von Betriebskapital Verfügen, ernste Besorgnisse hervorruft. Die Preise hoben gegenwärtig das tiefste Niveau seit 12 Monaten erreicht. Das Sinken der Preise wird zum großen Teil auf die großen Vorräte an Rasfinerieprodukten zurückgeführt, die sich infolge der fortivährenö steigenden Rohölproduktion sowie der gäixzlich nnzniänglichen Lransportmöglichkeitcn im Lande äugesammelt haben und die FassungAapazität der vorhandenen Reservoire fast vollkommen beanspruchen. Sle Spkrltusinvuftrie in Jugoslawien. Für die Spirituserzeugung. bestanden bis vor kurzem in Jugoslawien, abgesehen vom Konzessionszwang, keinerlei Beschränkungen. Die ungünstigen Erfahrungen, die man jedoch mit dieser Art der Bewirtschaftung gemacht hat, insbesondere die ungeregelte Produktion, die zu Ueberprodirktion, Preisunterbietungen, Anhäufung von Lagerbeständen und sinkenden Preisen geführt hat, gab Veranlassrmg, mit diesem System zu brechen und, ähnlich wie in anderen Staaten, zur K o n t r n g e n t i e r u n g der S-pirituserzeugung überzugehen. Es wurde ein alle Spiritusfabrrkanten und den größten Teil der landwirtschaftlichen Brennereien umfassendes Syndikat geschaffen, das eine Kontirigentiernng der Erzeugung vornahm und eine gemeinsame Verkaufsstelle schuf. Die Spiritusindnstrie stellt eine der wichtigsten jugoslawischen Industrien dar. Es gehören ihr acht indnstrielle und 4 2 landwirtschaftliche S P i r i t u s u n t e rnehmnngen an, deren Gesamtkapazität jährlich gegen 500.000 Hektoliter beträgt, während die gegewvärtig erzeugte Jahresmenge zirka 70.000 bis 80.000 Hektoliter umfaßt. Welche Bedeutung der jugoslawischen Spiritusindnstrie im Nahmen der Staatsfinanzen zukommt, geht daraus hervor, daß der Staat aus der Spiritnse'rgeugung zirka 200 Millionen Dinar an Konsumsteuern einhebt, wozu noch bemerkt werden muß, daß auch die^Gemeinden besondere Zuschläge zur Spiritussteuer einheben. Hnndelrnachkichlen aus PMsiins. Weizenernte. — Tranbenexport. — Das Han-elszeiktrum in Jerusalem. Die Weizenernte in Palästina hat, wie „Palestine et Near East Economic Magazine" berichtet, nur in wenigen Distrikten die Hoffnungen der palästinensischen Landwirte erfüllt; in vielen Orten dagegen hat der, Weizen durch Insekten wie auch durch die heißen Winde (Hamsin) der letzten Wochen ziemlichen Schaden genommen. Bei der Abschätzung der Ernte für die Steuerabgabe wurden diese beiden Faktoren nicht berücksichtigt, sodaß nunmehr die Landwirte doppelten Verlust haben: Den geringeren Ernteertrag und die unangemessen hohe Steuer. Dagegen läßt sich der Stand der Tranbenpflanznngen befriedigend an. Es wird jetzt auch dem Tranbenexport nach Europa mehr Aufmerksamkeit zugewendet. Bor einiger Zeit hat die Firma M a t u m a in Tel-Awiw den Export von Trauben nach Dent-schland unternommen, und ztvar in 500-Gramm-Kistchen, um als gewöhnliche Pakete in acht Tagen in frischem Zustand an den , Bestimmungsort zn gelangen. Es wird beabsichtigt, mit ausländischen Importeuren in Verhandlungen zu treten, um für das kommeitöc Jahr eine rasche Bersandmöglichkeit nach Triest zu finden. Falls es möglich ist, daß die Ware in 10 bis 12 Tagen in Berlin eintreffen kann, wird der Paketpost- und wahrscheinlich auch der Güterwagenexport besonderes Interesse und Bedeutung erlangen. Derzeit dauert ein Versand von Trauben nach Deutschland sechs b^s sieben Wochen, was viel zn lange für diese zarte Frucht ist. Die vorläufig durch die Central Town Planning Commis' sion approbierten Entwürfe und Pläne für den A u s b a it eines H and e l s z e n t r n m s i n I e r u s a l e m sind nimmehr, wie „Commercial Bulletin" berichtet, durch den Oberkommissär Lord Plnmer b e st ä t i g t worden. Die Pläne wurden im Bureau der Town Planning Commission in Jerusalem deponiert und Neg«, dort zur Einsicht auf. Die Bautätigkeit im Lande ist gegenwärtig nicht sehr lebhaft; immerhin wird versucht, die Arbeitslosigkeit dnrch Banavbcit einigermaßen zn lindern. So soll in K f a r Jecheskel, wie „Haarez" berichtet, noch vor der Regenzeit mit dem Ban von 6 0 Häusern begonnen werden; für diesen Zweck wurde ein Betrag von 10.000 Pfund ausgeworfeu. Irr Tel- Awiw Wurde ein neues großes Hotel, „Palatin", eröffnet. Pächter ist Herr B a r s k y. Der Mediöausweis der Oesterreichischen Rationalbank zeigt eiire Verminderung des Barfchatzcs um 7,0 Millionen Schilling sowie eine Verringerung des Wechselvortefenittes um 14,75 Millionen Schilling. Der Battknotentliillauf hat sich um 28,8 Millionen Schilling vermindert, die Verbindlichkeiten aus dein Giroverkehr und anderen sofort fälligen Verpflichtungen sind um 1,08 Millionen Schilling gestiegen. Die Kaufmannschaft gegen die Erhöhung der Post-, Telephon- und Telegraphengebiihrcn. Freitag den 21. d., 0 Uhr abends, findet eine Plenarsitzung des, Gre m ialra tes und s ä m t l i ch e r Delegierte n sowie der Obmänner der einzelnen Fachvereinigungen der Kaufmannschaft zur Stellungnahme gegen die Erhöhung der Post-, Telephon- und Telegraphengebnhren cm großen Sitzungssaale des Hauses der Kaufmannschaft statt. Spiritusgesetz 1926. Im Finanzaltsschuß des Nationalvatcs wurde gestern der Gesetzetttwurf über die Regelung der Erzeugung von Spiritus sowie über die Abänderung der Branntweinsteuer mit zahlreichen Acnderungen angeil o m nt c it. Danach wird unter anderem die in einer jährlichen Betriebsperiode epzengke Gesarirtalkohollnenge für Einzelbrennereiell, die ltach dem 31. Jänner d. I. in Botricib konnnelt, mit 2 Hektoliter Alkohol pro Hektar anrcchetrbarer Grundstücks, jedoch mit. keinesfalls mehr als 600 Hektoliter festgesetzt. Die SpirituAomnussion besteht aus 36 Mitgliedern. Ihr werden ailch Vertreter der Arbeitnehmer und der Konslrmcntenorganisationen angohören. — Weiters wurde ein Antrag auf Gewährung eines D a r l e h eit s an die - BundesforstverwÄtnng behufs Ermöglichung von Notstandsarbeiten in Verhandlung gezogen. Insolvenzen. Der Konkurs wurde eröffnet über die Firma D P r n t e r Wien, 15. Bez. Felberstraße . 0. Das A u sgleichs.verfahren tvmde eröffnet über Oskar Weiser. Gastwirt. Wien, 2. Bez., Prater 18 und dessen Gattm Amalta. Die Lira hat sich gestern auf den internationalen Märkten etwas gehoben. Das Pfund notierte in Mailand 133, in Zürich chloß die-nalleni'che Deoiie 18 99 'gegen 1»,.3^ ani ^.orm.ie-. Die Tendenz des französischen Franken war etw -s gebessert der Frankenkurs bat sich n cht we eütltch geänoen; der Franke» schloß >n Zürich 14.41 (gegen 14 40 am Montag). Belgien und Madrid sino rückgängig: der belg sche Franken notierte 13,9aö/s» die spani'che Devt>e 76.45 Par'tät Zürich. - Ter Len steigt bei anhaltendem Interesse weiter (Ziilicher Schlußkurse 2,80). Dollar nnd Schilling unveiändert. ' - Die ungarischen. Banken haben kaum ein Zehntel ihres Vorkriegsvermögens konserviert. Aus Budapest wird uns geschrieben: Jetzt, nach VeröffeMichtlng der ans Pengö lautenden ausgewerteten Bilanzen, werden Statistiken über die Kapitalskraft der uWarischen Kreditorganisationen znsamtnengestellt. Bisher konnten folgende interessanten Daten ermittelt werden: Auf dem Gebiete des heutigen Ungarns wirkteil im Jahre 1913 820 Geldinstitllte, im Jahre 1924 belief sich ihre Zahl bloß aus 680 und es wurden im Jahre 1926 bloß von 600 Geldinstituten ' ras »Ml. Mn Märchon aus den Memoiren der Glnckel von Hameln. Aus dem Jüdischen übersetzt von Dr. Leo Goldhammer. Es war einmal ein frommer Mann, der hatte ein frommes Weib und zwei Söhne. Er hatte auch etwas Geld, davon lebte er, aber ein Geschäft konnte er nicht betreiben, denn er war nur des Lernens kundig. Doch wollte er um alles in der Welt Weib und Kind selbst ernähren und sein Gut mehren, um nicht dereinst von den Gaben fremder Leute leben zu müssen. Aber das Glück wollte ihm nicht wohl und er geriet in Schulden, und da er keinen hatte, der für ihn bürgte, so verklagten ihn die Leute, denen er schuldig war. Der Richter ließ ihn deshalb in den Schuldturm werfen. Sein Weib weinte bittere Tränen und wußte nicht, auf welche Art sie ihre Kinder ernähren solle, da doch ihr Mann irn Gefängnis war, der für sie alle hätte sorgen sollen. Als sie nun so jammerte und weinte, kam zu ihr ein alter Mann und fragte sie, warum sie weine. Sie sah, daß es ein ehrwürdiger alter Mann war, und so erzählte sie ihm all ihre Not. Da sagte der alte Mann: „Hör' auf zu weinen, Gott wird euch wieder helfen. Weil dein Mann die Lehre geachtet hat, wird der Herr seiner nicht vergessen. Denn Gott läßt keinen Gelehrten untergehen. Hilft er ihm nicht in der Jugend, so hilft er ihm im Alter. Ich weiß es, du wirst in noch größere Not geraten, und dein Mann und deine Kinder werden noch viele Tränen weinen. Aber alles wird euch Gott entgelten, wenn ihr in Geduld euer Schicksal ertragen werdet." So tröstete sie der Alte und gab ihr den Rat, sie möge Wäscherin werden und den Leuten um Lohn die Wäsche wuschen. „So wirst du dich und deinen Mann und deine Kinder ernähren können, wenn du dich nur nicht schämst, die Lente aufzusuchen und sie um ihre Wäsche zum Waschen zu bitten." Die Frau ward durch die Trostworte des Alten etwas mutvoller, dankte ihrn freundlich und versprach, seinem Rate zu folgen. Der Alte ging wieder seines Weges und sie ging in ihr Haus und bereitete ein Nachtmahl für ihren Mann vor; dann ging sie ins Gefängnis zu ihrem Manne und tröstete ihn, er möge nur Geduld haben und beim Lernen des Gotteswortes ausharren. „Ich will Tag und Nacht arbeiten, damit ich dich und die Kinder ernähre." Da Hub der Chassid bitterlich zu weinen an und sein frommes Weib weinte mit ihm und beide jammerten, daß sich Gott erbarme. Aber die kluge, fromme Frau ermannte sich zuerst und sprach: „Das Schreien und Weinen wird uns und unseren Kindern llicht helfen und kein Brot bringen. Ich will gehen und nachsehen, was für eine Arbeit mir Gott bescheren wird, damit ich etwas für uns alle verdiene." Da sprach der Chassid: „So geh' denn , mit Gott, mein liebes Weib." Sie ging zu ihrerc Kindern nach Hause, um sich schlafen zu legen. Frühmorgens, als ihre Kinder noch schliefen, stand sie auf und ging in die Häuser und bat, man möge ihr zum Waschen geben. Und die Stadtleute erbarmten sich ihrer und gaben ihr die Wäsche; so ward die arme Frau eine Wäscherin. Die Stadt, in der sie wohnte,' lag am Strande des Meeres, und alle Tage ging die Frau mit ihren zwei Kindern zum Meere hinaus und wusch dort die Wäsche und breitete sie dann zum Trocknen auf den Sand. . Einst geschah es, daß ein Schiff vorbeifuhr; der Schiffsherr steuerte nahe dem Ufer. Er bemerkte sie und sah, daß sie sehr schön sei, und er wunderte sich ob ihrer Schönheit. Und die Frau sagte: ,,Mein Herr, warum seid ihr so verwundert?" Da antwortete der Schiffer: „Meine liebe Frau, ihr dauert mich; was zahlt man euch für ein Hemd, wenn ihr es. wascht?" Darauf die Frau: „Zwei Groschen für ein Männerhemd, denn ich muß es sauber waschen." Da sprach der Schiffer: „Ich ivill eirch vier Groschen zahlen, wenn ihr mir mein Hemd sauber waschen wollt." Da sprach sie: „Gar gerne will ich es waschen." Und sie nahm das Hemd, wusch es und trocknete es auf dem Sande und der Schiffer wartete auf sein Hemd. Er sah ihr zu, wie sie es wusch, trocknete und sauber zusammenfaltete. Da der Schiffer mit seinem Schiffe nicht ganz ans Ufer fahren konnte, ankerte er sein Schiff einige Ellen vom Ufer entfernt. Er . warf ihr darum die vier Groschen in Papier eingewickelt zu und sie fing sie auf. Dann sprach er: „Langet mir mein Hemd hinüber!" Die Frau watete in das seichte Wasser und brachte ihm das Hemd zum Schiff. Ta ergriff er ihre Hand und zog sie ins Schiff und fuhr eilig fort und sie schrie furchtbar im Schiff und die Kinder am Ufer. Es half aber nichts Das Schiff fuhr schnell' und gar bald hörte sie nicht einmal das Schreien der Kinder. Als die zwei Kinder nichts mehr von der Mutter hörten und sahen, liefen sie zu ihrem Vater ins Gefängnis und erzählten ihrn weinend und. klagend den ganzen Vorfall. Als dies der Vater hörte, da weinte er und schrie und rief: „Gott, mein Gott, warum verlassest du mich in einem solchen Elend? Ich habe ja niemand mehr, der mich im Gefängnis ernähren könnte." Ueber seinem Jammer und Wehklagen schlief er ein. Da träumte ihm von einer großen Wüste, die war voll von wichen Tieren; die standen über ihm und wollten ihn fressen. Und er begann vor Furcht und Angst zu zittern. Angstvoll blickte er um sich; da sah er eine Herde von Schafen und Rinderst, und als die tvildeu Tiere diese sahen, da ließen sie von ihm ab und liefen dem Vieh nach. Indes entfloh er und kam zu einem Schlosse, das bei einem Wasser lag, und auf dem Wasser segelten Schiffe. Er kam ins Schloß und man setzte ihn auf einen Königsthron und er freute sich mit den Schiffsleuten gar sehr. Als er vom Schlafe erwachte, dachte er über seinen Traum nach und sagte zu sich selber: „Der Traum deutet darauf^ daß nun mein Elend zu Ende ist, und daß mir Gott wieder helfen und durch Schiffer Glück bringen wird, so lvie ich durch Schiffer unglücklich geworderc bin." Zur selben Zeit war der König der Stadt gestorben und das Volk wählte den Sohn zum König an des Vaters Stelle. Der neue König befreite die Stadt vorn Tribut für drei Jahre und gab Befehl, alle, die im Gefängnis saßen, in Freiheit zu setzen, damit er sich einen guten Namen beim Volke erwerbe. So tvurde auch der Gelehrte befreit und er ging zu seinen Kindern. Doch hatte er nun keinen Pfennig, für die Kinder Brot zu kaufen und es gab nichts zu verdienen. Denn jedweden Gewerbes war er unkundig. Da erblickte er ein Schiff, das nach Ostindien fahren wollte; er erinnerte sich des Traumes und sprach zu seinen Kindern: „Kommt! Eure Mrstter wurde von Schiffsleuten hinweggeführt, wir wollen auch in ein Schiff gehen, vielleicht treffen wir cim Mutter und Gott führt uns wieder zueinander." Gortsetzung folgte i