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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-22 · Heft 2721 (22.9.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2721 (22.9.1926)
Date
1926-09-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Pötcn:as mmtyl Wien -.um Abholen in det Expedition, II, Tabotstr. 1-3» oder in einefVefachleisstel!« 'Trafik' monatl. ö Schilling Strassenveikaui in Wien durch die Kolporteure der ptrma 0 o i d «ehmied, J, WoIl2eiIe 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 scttecho-Slowakeit Mott. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon. 6 Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 3s Nitchcahiaa«en tat t*reti» g •' « H « n Wiener mmi aa ar Engl a n d; Men, 4 Schilling itallem Monatl SO Lire Rumänien: Mön.170 Lei. Bui gar 1 en tMon.lOOLewi. Schweis und das adrige Ausland monatlich Fies. 5 Redaktion, Administration: Wicn,n.Tabor»tr.1 Telephone: 444W8,43*3*19 AB 6 Uhr: 21.102, 25*242 IX.. Univerattatastraase 6-8 (Druckerei ig. Steinmann) Oeaterrdchisches Postsparkassen Konto Nt 150.R9j “W Kr. 2721 V. Wien. StenM«, 22. sevlemvee 1926 8. gatirgans Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes L gekennzeichnet. Die europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Loucheur über die Weltkvise. Genf, 21. September. (Tel.-Komp.) In der heutigen Bormittagssttzung der Völkerbundsversammlung wurde der Bericht Loucheurs über die Arbeiten des vorbereitenden Komitees für die Wirtschaftskonferenz angenommen. Der Bericht schließt mit der Resolution, die feststellt, daß die allgemeine Weltlage eine internationale Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiete nötig macht und daß es infolgedessen wünschenswert ist, daß die Wirtfchaftskonferenz in möglichst kurzer Frist einberufen werde. Loucheür setzte sich bei dieser Gelegenheit nochmals nachdvückllchst für die Idee der europäischen WiLisch af t s ge m e i n s ch a f t ein; er wies darauf hin, daß sich die Wirtschaftslage seit den letzten Jahren keineswegsgebessert habe. Er glaube, daß man a« der Schwelle neuer Krisen stehe. Die U e b e r i n d u st r i a l i s i e r u n g, bei der' man die Frage der Ernährung vernachlässige, sei schon vor dem Krieg entstanden, denn man habe immer mehr vergessen, das notwendige Gleichgewicht zwischen Landwirtschaft und Industrie zu schaffen. Der Krieg habe diese Situation noch verschärft. „Aber auch seither sehe ich", fuhr Loucheur fort, „nirgends, daß man sich nach dem Kriege ernsthaft bemüht Hätte, .ein--HllfSmittel-gegen'' diese 'Situation zu finden.. Wip haben jetzt jeden Tag für eine größere Zahl von Menschen zu sorgen. Wir müssen den neuen.Grenzen Rechnung tragen und zusvhen, wie zwischen Völkern, die früher miteinander uneingeschränkt Handel trieben, immer höhere Zollschranken entstehen. Wenn wir nicht bald dazu kommen, das Problem zu lösen, so kann es unlösbar werden. Man muß die wirklichen Gefahrenquellen beseitigen, die zu Krisen führen." Den deutschen Vertretern im Völkerbund sind als Gebiete zur dauernden Berichterstattung im Böbkerbundrat alle Wirts ch a f t s f r a g e n überwiesen worden, zunächst die Berichterstattung über die Vorbereitung der Weltwirisch aftskonferenz. Die Versammlung befaßte sich dann mit den Kommissionsberichten über die Op in ms rage, über den privaten Waffenhandel (zu diesem Thema sprach auch der österreichische Delegierte Menstorff) und über die Bekämpfung des Frauen- und Kinderhand ol s. Daraufhin wurde die Vollsitzung geschlossen. In der Sitzung der zweiten Kommission (technische Organisation) wurde die Geschäftsordnung des Völkerbundes und der Bericht über die österreichische Sanierung erledigt, was zum üblichen Austausch von Höflichkeitsphrasen Anlaß gab. Rne deutsche Ausländsanleihe? Vorbesprechungen in San Sebastian. Berlin, 21. September. Die „Deutsche Zeitung" meldet auö London: Die Reise des deutschen Finanzministers Dr. Reinhold nach San Sebastian wird in der City mit lebhaftem Jntereffe verfolgt, das um so lebhafter ist, als gleichzeitig auch eine Anzahl führender amerikanisch e r u n d b r i t i s ch e r B a n q u i e r 8, unter ihnen der Mitinhaber des Bankhauses Morgan, Morrow, dorthin abgereist sind. Es heißt, daß in San Sebastian Borvefprechunzen über eine große deutsche Reichsanleihe ruf Reichsmarkbasis stattfinden. Nach Ansicht unterrichteter Citykreise dürfte Dr. Reinhold vorerst Sondierungen über die Unterbringung einer deutschen Anleihe öei den New-Dorker und Londoner Finanziers vottehmen. Nadir kommt nach wieg, Genf, 21. September. Der hier weilende F ü h r e r d e r fr»cu t f cf) e « Bauernvar tei. Slevnan Audi c w rd m 3 Okiober zur D e i l n a h m e an Ptn B e r v a n d t » n a en es patteuropäischenKongresseS nachWien o m m e n kineinhalb Millionen Flüchtlinge. Sie Natloftgklt der Mlterbuuder. Genf, 20. September. (I. T. A.) Dev Direktor des Internationalen Arbeitsamtes beim Völkerbund, Albert Thomas, gab der Presse die folgenden Aufklärungen: In Europa leben zurzeit eine und eine halbe Million armenischer und russischer.Flüchtlinge, deren Lage zu einem großen Teil eine bejammernswerte sei. Die Hauptaufgabe sei, für die Flüchtlinge dauernde Beschäftigung zu finden. Das Internationale Arbeitsamt konnte bis heute etwa 35.000 Flüchtlinge placieren, größtenteils in Frankreich, mit dessen Regierung weitere Verhandlungen wegen Unterbringung von Flüchtlingen in der Landwirtschaft Frankreichs gepflogen whrden. Andere Anstrengungen werden gemacht, um Flüchtlinge in den s ü d a m e r i k a ui scheu Ländern anzusiedeln. Es ergeben sich Schwierigkeiten daraus, daß man die russischen Flüchtlinge, die ja keineswegs bolschewikisch sind, als Bolschewiken ansioht. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich aus den Umständen des Verkehrs.und.daraus, daß viele unter den Flüchtlingen nicht mehr an ein reguläres Arbeiten gewöhnt sind. Immerhin sind die Verhandlungen so weit gediehen, daß man Ende dieses Jahres eine weitere Anzahl Flüchtlinge in Südamerika wird unterbringen können. Es sei anzunehmen, daß nach ein i g'e n Jahre n die Flüchtlingsfrage aus der Welt geschafft sein wird. Ueber die Frage der. .Flüchtlinge) wird in der fünften Kommission des Völkerbundes » d^L deutsche. Abgeordnete Breitscheid den Bericht erstatten. Aus diesen Mitteilungen erkennt man nebst der Größe des Problems auch noch das Versagen aller politischen Kunst des Völkerbundes. In sieben Jahren konnte erst für 35.000 Menschen gesorgt werden. Aber d.ie von Thomas genannte Ziffer von anderthalb Millionen bleibt sogar noch hinter der Wirklichkeit zurück. Denn sie umfaßt nicht die griechischen und die türkischen Flüchtlinge, die durch einen Friödensvertrag von ihrer Scholle gerissen worden sind. Die Zahl der Griechen ist mit zwei Millionen Köpfe angegeben Wörden. Auch die bulgarisch-mazedonischen Flüchtlinge sind nicht ntitgezählt. Die Gewissenlosigkeit der europäischen Politik, mehr noch aber ihre Unfähigkeit, irgend ein nicht für Kriegstendenzen zu sruktifizierendes Problem ernsthaft anzugehen, spricht aus den Aufklärungen des Arbeitsamtes. In den sieben Jahren sind riesenhafte Rüstungen betrieben, Panzerschiffe gebaut worden, aber für die Flüchtlinge konnte nichts unternommen werden, weil dies die Politik verhindert. Sie hat dieses physische Elend ans dem Gewissen, aber auch die moralische Depraviemng von Menschen, ’ die in ihrem Elend die Widerstandskraft verlieren und sich dem Bettel oder dem Verbrechen ergeben. Es ist sicher keine kleine Aufgabe, eine zu solchen Dimensionen gediehene Frage zu lösen. Aber würde nicht eine Intervention des Völkerbundes bei Amerika wenigstens eine Milderung des Einwanderungsvevbotes erzielen können? Ist der Völkerbund so machtlos, daß er nicht die Repatriierung der Armenier, dieser unglücklichsten Nation, erreichen könnte? Alles Gerede von dem Locarnogeist ist in die Lust gesprochen, solange - anderthalb Millionen Menschen durch die Welt wandern und jeder Polizeiwillkür, jeder, Ausräubung durch die Emigrationshhänen preisgegeben sind. . > Sic weiteren deutsch-französischen Verhandlungen. Der Beschluß des französischen Ministerrates. Paris, 21. September. In dem heute unter Borsitz des Präsidenten der Republik abgehaltenen Ministerrat erstattete Außenminister Briand Bericht über die Haltung und die Arbeiten der französischen Delegation in Genf. Die Regierung beglückwünschte ihn zu den erzielten Resultaten. Briand setzte den Ministerrat gleichfalls in Kenntnis über seine Besprechungen mit dem Reichsautzenminister Dr. S t r e s e m a n n. Die Regierung war einmütiger Ansicht über das Interesse dieser Besprechungen und die Nützlichkeit, sie fortzusetzen. In der nächsten Sitzung des Kabinetisrates soll die Prüfung der technischen Probleme vorgenommen werden, die diese Verhandlungen mit sich bringen könnten. Ein Kabinettsrat findet nächsten Donnerstag und ein neuer Ministerrat am 1. Oktober statt. Rach Schluß des Ministerrates erklärte Briand den Journalisten, er habe dem Communique nichts hinzuzufügen. Was er getan habe, habe der Regierung völlige Freiheit gelassen. Diese habe davon in der g ü n st i g st e n Weise Gebrauch gemacht. Stresemann wird Freitag berichten. Berlin» 21. September. Wie die „Vossische Zeitung" erfährt, wird Dr. Stresemann morgen von Genf abreisen und am F r e i t a g vormittags dem Reichskabinett über seine Unterhandlungen mit Briand sowie über die in Thoirh getroffenen Vereinbarungen Bericht erstatten. .. fline blutige Arbeiirlosendemonstrailou in Merlau. Die Polizei schießt. — Zwei Tote. Breslau, 21. September. Nach Schluß einer heute nachmittags im Gewerkschaftshaus abgehaltenen Versammlung von Arbeitslosen kam es zwischen den nach dem Pathaus abziehenden Versammlungsteilnehmern und /den dem Anmarsch sich ent-, gegenstellenden Schutzpolizeibeamten zu schweren blutigen Zusammenstößen. Als ein Polizeibeamter durch einen Stich verletzt, wurde,'machte die Polizei /von der Schußwaffe Gebrauch, wobei zwei Perso ne V getötet und fünf verwundet.wurden. Mehrere Personen wurden verhaftet. Zur Verhütung weiterer Unruhen wurden von.dar Polizei umfassende KjKevtzeitsmahncchmen getroffen. ISbviache Frievenrmiete als ZuftundhaUunbrzi>>»? Beim Ministeriuim für soziale Verwaltung erliegt eine Eingabe des Präsidiums der deutschösterreichischen Gewerbebünde, in welcher die eheste Einberufung der paratätischen Kommission verlangt wird, die nach dem Mietengesetz die Angemessenheit des jeweiligen Jnstandhaltungszinses zu überprüfen und seine eventuelle Erhöhung zu beschließen hat. Der Jnstanidhaltungszms beträgt gegenwärtig in Wien das 150fache der Fvi-edensmiete. Er wurde seit November 1932 generell nicht erhöht. Nach Ansicht der Gewerbegenossenschaften seien nun die Materialpreise und Arbeitslöhne seit November 1932 in einem Ausmaß gestiegen, daß eine Erhöhung des In st and h a lt ungszin s e s a n s d e n 1600 f a ch e n F r i e b enszi ns notwendig wäre. ■ - ' Die Hausbesitzer sÄbst sind, an dem Zuisamiiientmtt der erwähnten Kommission nicht interessiert und vielfach der Meinung, daß der schlechte Bauzustand der Häuser und die hohen Repavaturkosten sogar einen 4000fachen Friedenszins als berechtigt erscheinen lassen. Di« Eingabe der Gewerbebünde. . wird vom Ministerium für soziale. Verwaltung an das Bundeskanzleramt weitergeleitet werden, in dessen Kompetenz die Einberufung der erwähnten Kommission fällt. Die Einberufung selbst müßte dann durch die Wiener Landesregierung erfolge,' Reue Arbeiterentlaffmisen bei der Alpine. Aus G r a z wird benchlet: Die Werksdirektion der O e sterreich i s ch e n Alpine M o n t a u g e s e l l s ch a f t in Eisenerz hat d e n B e t r i e b itnuuteun Revierdes I n n e «berget ErzbergeS und die mit dem Erzabbau in diesem Revier verbundene Brechanlage e i n g e st e l l t. Bon den dort beschäftigt gewe enen Arbeitern wurden nun 7b a b g e b a u t und 136 m anderen Betrieben untergebracht. Dies ist bereits der zweite Arbeiterabb au, kurz nachdem sich die Alpine beider Festsetzung deS Eisenzolles verp f l l ch t e t h a t t e, k e t n e A r b e i t e r e n t l a s s u n g e n vorzunehmen. __ Lar SirriluMmatum der Lechnifche« Union. Um auch äußerlich die vollzogene Einigung mit den übrigen Bundesangestellten auf ein gemeinsames Forderungs- Programm zu dokumentieren, hat die Technische Union ihren Eintritt in den Zentralaktionsaus schuß der Bundesangestellten vollzogen. Obwohl am 27. d. daS von der Technischen Union der Regierung gestellte Ultimatum abläuft, nimmt man in. unterrichteten Kreisen die Streikdrohung der Telegraphen- und Telephonangestellten nicht allzu tragijA

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