Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2720 (21.9.1926)
- Date
- 1926-09-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Men. Dienstag Wiener Morgenzettung 21. September 1926 Nr. 2726 » Falsch« ZehnarofchenstÜcke. Auch das gibt es bereits. Gestern wurde in einem Wiener Kaffeehaus ein Zehngroschen,tuckfestqestellt, das als Falsifikat erkannt wurde. Es ist leichter und rm Farbenton matter als die echten Stücke, Schrift und Kopf sind derber. Ob sich die Fälschung auszahlt? * Das Telephon in den Sprechstellen und Kaffeehausern. Herr L. W. schreibt uns: Es ist bereits das zweite Mal, daß ich mich beim Telephonieren infiziert habe, und zwar das erste Mal in einer öffentlichen Fernsprechstelle, das zweite Mal m einem Kaffeehaus. Im Zeitalter der Hygiene wäre es doch wünschenswert, daß Besitzer öffentlicher Fernsprecher gezwungen wurden, -um Schuhe'des Telephonierenden etwas zu tun, wie dies rn anderen Großstädten der Fall ist. In Wien hatte man seinerzeit Schutzpapiere vorgesehen, nur war nie eines da, entweder me Gaste nahmen es'mit. oder es wurde nicht erneuert. In ermgen Kaffeehäusern bereits empfunden haben. * Die größte Sensation der Herbstsaison ist die Eröffnungswoche des Modenpalais K r n p n i k, welche anläßlich des erfolgten Erweiterungsbaues der Vevkaufslokalitäten heute um 11 Uhr vormittags ihren Anfang nimmt. Ohne Kosten zu scheuen und mit Hilfe' bedeutender Künstler ist Wien um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden. Verkaufsräume wurden geschaffen, die den gesteigerten Anforderungen vollständig entsprechen. In aller Rübe und Bequemlichkeit können Sie jetzt prüfen und die geeignete Wahl treffen. Wir laden Sie ein, uns zu besuchen. Sensation wird auf Sensation folgen. * Der Tod iu den Bergen. Aus Linz wird gemeldet: Auf einer Partie von der Hochtornordwand stürzte Josef Trautend o r f e r aus Linz, ein geübter Hochtourist, ab. Er war sofort tot. * Ein verschwundener Chauffeur. Der 30jährige Friedrich T t a f f a ist seit Sonntag vormittags mit dem ihm anvertrauten Autotaxi 217 340 verschwunden. Ter Wagen ist ein fast neuer, offener viersitziger Turiner F i a t w a g e n im Werte von 10.000 Schilling, er ist schwarz lackiert. * Der Mord am Rolletpatz. Ans Innsbruck wird berichtet: Wie die hiesigen Blätter melden, ist die Ermordung des Motorradfahrers Herbert Fränkl, eines Bankbeamten aus München, am Rolletpaß aufgeklärt. Die unter dem Verdachte der Täterschaft verhafteten Personen, und zwar der 19jährige Cäsare Bo so und der 23jährige Georg Longo, haben gestanden, daß sie einen R a u b m o.r d aevlant hatten und, gedeckt durch ein Gebüsch, den vorbeifahrenden Motoradfahrer durch einen Schuß töteten. * Selbstmordversuch der Witwe nach dem Minister Dr. Getzmann. Gestern in den Abendstunden hat die Witüve nach dem Minister für öffentliche Arbeiten Dr. Albert Geß mann, die 49jährige Johanna Gcßmann geborene Hruby, in ihrem Wohnhause, 7. Bez., Lerchenfelderstraße 31, einen Selbstmordversuch verübt und wurde lebensgefährlich verletzt rn die zweite Unfallstation überführt. Frau Geßmann, die Stiefmutter des Vorsitzenden und Direktionsrates der österreichischen Landwirtestelle, Albert Geßmann, war aus einem Fenster der Wohnung in die Tiefe gestürzt. Sie blieb mit Brüchen des Schädelgrundes und anderen schweren Verletzungen bewußtlos liegen. Frau Geßmann hat, nach Aussage ihrer Schwester, die Tat in einem Anfall von Geistesstörung begangen. E Palästmaweine. Die Alte-Läwen-Apotheke, Wien, 8. Bez., Josesttödie>> °crß> teilt uns nur. daß ne über viel'acben Wunsch nun auch Paläftinoweme führt, welche unier breiig ritueller Au'sickt einer ve anmen rabbini chen Autori ät gefüllt werden. Bühne und Kunst. „Ae Durchgängerin." AkadeMietheater. Soll ich berichten, wie Ludwig Fulda in diesem neuen Lustspiel eine Berliner Range (mit goldenem Herren) die Spießer ulken, die böse Stiefmutter durchschauen, die Pensionsinhaberin entlarven, mit einem gleich liebenswerten Tunichtgut nach Amerika (in Ehren!) durchgehen, als Dollarkönigin zurückkehren, die Verwandten Kopfstchen und sie an dem Vater, der sie enterbte, an der Stiefmutter, die sie verjagte, herrliche Großmut üben läßt? Es ist eine dolle Sache. Der Leser kriegte ja doch keine Ahnung.von den Irrungen und Wirrungen, welche Jlsebill, das jüngste Kind der Fuldaschen Muse, anrichtet, von diesem gar bunten, gar anmutigen, gar kecken Spiel, das, teils von den „Fliegenden", toiils von Ludwig Tlhoma inspiriert, über die Bretter wirbelt und zum Schreien ist. Gehen wir vasch zur Darstellung über. Alma Sei d l er, das große, parodistische Talent, macht zu dem Fuldaschen Wrldfang mit Händen und Blicken verruchte Randbemerkungen, Tiny Senders spielt eine vertrocknete Lehrerin an Fulda vorüber hin zu Wedekind, Ferdinand Mu, sis Harry ist ein angenehmer Taugenichts, das neue Fräulein Hanni Hoeßrich debütiert als Komikerin, die tatsächlich crufs Zwerchfell wirkt, und alle anderen, vom Spielleiter Hans B r a h m befeuert, halten die drei Akte bewundernswert durch. Aber Herr Direktor Herterich, ist es wirklich Ihre Aufgabe, den Aburteilern des Burgtheaters die Stange zu halten? O. A Russisch-deutsche» GrolesNheater. Gastspiel im Modernen Theater. Einige gute Einfälle, angenehme Stimmbegabungen und Geschmack in Farbenkompositionen schaffen noch lange keine Kleinkunstbühne mit literarischem Niveau. Hiezu gehört vor allem viel mehr Geist (sowohl in der Conference als in der Durchführung der einzelnen Bilder) und ein größerer Reichtum an künstlerischen Persönlichkeiten. Das muß, um vor Verwechslungen („Mauer Vogel" und ähnliches) gefeit zu sein, entschieden festgestellt werden. Dagegen reicht es für ein unterhaltendes Durchschnittskabarett. Allerdings könnte man von einem modernen Kabarett verlangen, daß . . . usw., wo kämen wir aber da hin?! Schauspieler müssen leben. Neben den weniger originellen als lustigen Regieeinfällen in den Bildern: „Russische Jahrmarktsbude" und „Gnomen", erhebt nur noch die Parodie „Unser Gesangverein" auf künstlerische Wertung Anspruch. In diesem Bild gab es so etwas wie komische Begabungen, parodistische Gestaltungskraft und —einen Dirigenten, der eigentlich der Conferencier der ganzen Vorstellung hätte werden sollen. Herr Lukaschewitfch eignet sich znm Publikum faszinierer in ungezwungener Rede entschieden besser als die sonst anmutige Anna Morosowa. Sie hat nicht das Zeug, alte Witze so zu erzählen, daß das Publikum hingerissen mitlacht. Komisches Temperament scheint Herr K o n t s ch a k und tänzerisches Fräulein A r is s o n zu besitzen. l. th. An« den Matern. Burgtbeater. Mittwoch, %S Uhr abends, .Der ewigeJüngltng". Akavemtetbeater. Mittwoch, V»8 Uhr abends. .Mädel von heute*. Opern tb ea tf t Mittwoch. 7*8 Uhr abends, .Der Maskenball" mit den Damen Nemeth. OlSiewska, Geibart und den Herren Viccwer. Schiover. Madtn, Ettl, Wolken, Arnold, Muzzarelli. Musikalische Leitung Herr Alwin Deutiches VolkSthear-er. SamStaa Grffairf- Mrung der dreiakt'gen Komödie »Die Schule der Kokotten' mit Frau K o n st a n t i n iu der Hauptrolle. Kamm erspiele. Heute lebte» Ga^ spiel de« Pariser Tbeaters „L’Ate Her". Ab Mittwoch »Das Sprungbett der L i e b e" mtt Josef Jarno. Theater in der Joiefsiadt. Dienstag und Mittwoch »Fannys erstes Stück". Donnerstag »Der Igel". Luftivieltheater. Mittwoch den 32. d. wird das Luftiviel „Somteiie ©itietl* gegeben. In der Titelrolle tritt Hanst I « r n o vom Mit, chner Volkstheater znm ersten Male vor das Weiter Publikum. Ein Amphitheater am Karmel. In Haifa wird ein Amphitheater mit 2600 Sitzplätzen gebaut. Es wird sich beim Arbeiterheim am Karmel erheben. Das Arbeitsdepartement der zionistischen Palästinaexekutive hat für diesen Zweck ein Darlehen von 1100 Pfund bewilligt. _ SJerefne, Bortriige «nt Setfammltragtn. Versa mmlungderZioni sten-Revtsionist e n. Heute findet im Verbandsheim 1. Bez., Schottenring 13 kCat'6 Müller) ein Vortrag des Dr. Otto Hahn über das Thema »W i r u n d d i e A r a b e r" statt Beginn 7,9 Uhr. Gäste willkommen. — Der Beth waad l'iwrim eröffnet eine Auskunftsstelle für den Hebrätschunterricht zwecks Vermittlüng geeigneter Lehrkräfte an die Jniereffenten. Schriitltche Anfragen an Beth waad l'iwrim, 9. Lez., Türkenstraße 9. * JtoMojjt’Ofltrttttm für heute. Dienstag den 21. September. 11 Uhr: Vormittagsmusi! (nach Ansage) — 16 Id U r r Rachmiktagskonrert. Mitlorrkeno: Stöbert* iängerin Ro'a Roten. Reinhardt r Frauenaugen, Walzer. Mendels- >odn r Heimkehr aus der Fremde, Ouvertüre. Meyer-Hellmund: Wonoeglück. Ä. Wurmb! Ali-Wren. L>ed. Mozart r Eine kleine Nachtmusik Ziehrer: ä) Polka marur; d) Blumenpolka; e) Loslassen! Bordiert: Achtung, New- Aork I Potpourri. Morena: Der einiame Walzer. Kollo: Liebst du mich? Tanzl-ed. — 18.30 Uhrr Der Laubfall. Dr. Ludwig Kaell. - 1910 Uhrr Deutsch für Deutsche. I. Die deutsche Rechtschreibung. Prof. Dr. E.' Wießner. — 20 ob Uhr. Von deut'cher Landsknechte Fahrt und Leid. Gesprochen von Hans Marr. Mitwirkend: Opernsänger Rudolf Bandler. — 21.20 Uhr: Heiterer Wiener Vortragsabend. Volkswirt. Sie Liquidation der Sefterreichifchen Kaufmännischen Bank. Der Verband der Sparer und Kleinrentner Oesterreichs teilt mit: Die Beendigung der Liquidation der zusmmnengebrochenen Banken ist mit besonderen Schwierigkeiten verbunden, weil infolge der Wirtschaftskrise die Debitoren schwer einbringlich sind. Dazu kommt noch, daß in der letzten Zeit, speziell bei der Oefterreichischen Kaufmännischen Bank, eine außen st ehende Gruppe die Schuldner veranlaßt e, die Zahlungen einzust eilen, Einlagebücher von in Not geratenen kleinen Gläubigern um einen Pappenstiel zu erwerben, um dann die ganze Quote mit ihrer Schuld zu kompensieren. Trotzdem nun das Gläubigerkomitee bereits 20 Milliarden Kronen an die Gläubiger (an nicht bevorrechtete ungefähr 8 Milliarden Kronen) bezahlt hat, sind noch ungefähr 4 Milliarden Kronen erforderlich, um die letzten zwei Raten (10 Prozent) zu bezahlen. Es sind noch Außenstände im Betrage von ungefähr 15 Milliarden Kronen vorhanden, von denen noch ein größerer Teil zwar einbringlich ist, jchoch nicht flüssig gemacht werden kann. Inzwischen aber macht der Leitungsapparat einen Leerlauf mit, der die spärlichen Eingänge fast zur Gänze verschlingt. Der Verband der Sparer, und Kleinrentner hat nun, um die Verpulverung der Eingänge zu ' verhindern, seine Vertreter im Gläubigerkomitee angewiesen, dafür zu sorgen, daß spätestens bis Ende dieses Jahres die Liquidation der Bank beendet werden soll. Das Gläubigerkomitee hat zu diesem Zwecke beschlossen, die Schuwner der Bank anzuweisen, ihre Zählungen direkt an die Gläubiger bis zur Höhe der jedem zukommenden Quote zu leisten. Schon im Laufe der nächsten Woche, werden 2 Milliarden Kronen der besten Debitoren an die Gläubiger verteilt werden. Diese beschleunigte Liquidation war schon vor sechs Monaten beschlossen worden. Sie konnte jedoch nicht durchgeführt werden, weil in der Zwischenzeit ein Konkursantrag gegen die Oesterreichische Kaufmännische Bank eingebracht wurde, der nunmehr rechtskräftig ab gewiesen wurde. Beobfichttgte Aufwertung tum glotyguthabm in Polen. Wie uns aus Warschau von sonst gut informierter Seite gemeldet wird, soll die polnische Regierung beabsichtigen, sämtliche aus -der Zeit vor dem Zusammenbruch des Zloty im Sommer 1926 stammenden Priva tguth aben, wie Hypothekenschulden, nicht bezahlte oder nicht fällig gewordene Wechsel, offene Handelsrechnungen und dergleichen aus dem Dekretwege nach der Goldparität aufzuwerten. Das beabsichtigte Dekret, soll jedoch den Gerichten fnistellen, dem Schuldner je nach den Verhältnissen einen zu verzinsenden Zahlungsaufschub bis zu einem Jahr zu gewähren. Verband der Zionisten*Revisionisten Heule Dienstag den 21. Sep'ember, 7,9 Uhr abends, ftn Ver* . bandsheim, Care Müller, I. Schottenring 13. VORTRAQ über das Thema „Wir und die Araber“ (Paläailnenaiache Eindrücke) Referent: Dr. Otto Hahn Anschliessend Diskussion Um pünktliches Erscheinen wird gebeten Sie agrarischen Beziehungen zwischen Polen und ' Lesterreich. Aeußerungen -es polnischen Ackerbauministers Dr. Alexander Raezynski. Wie schon berichtet, ist vor einigen Tagen der polnische Ackerbauminister Dr. Alexander Raezynski in Wien oingetrofsen, um hier den vorjährigen Warschauer Besuch des seinerzeitigen Ministers B u ch i n g e r zu erwidern. Der Minister, der gestern nachmittags wieder nach Polen abgerest ist, besuchte die landwirtschaftlichen Ausstellungen in Tulln und in Leoben und trat auch mit der österreichischen Regierung in einen Gedankenaustausch bezüglich der Fragen feines Ressorts, so besonders des Getreideexports und der Veterinärmaßnahmen. Gestern mittags fand in der polnischen Gesandtschaft ein Empfang der Pressevertreter statt. Der Minister, der sehr gut deutsch spricht, erläuterte in einer längeren Aussprache den Zweck seines Wiener Aufenthaltes und kam im Zusammenhang damit auch auf die Angelegercheiten der polnischen Landwirtschaft zu sprechen, die, wie er ausführte, das von dem Bundespräsidenten Harnisch in seinem Buch „Die Landflucht" aufgestellte Programm der HarmonisierungzwischenKonsu mente nu n d Produzentenpolitik sich als Richtschnur genommen hat. Die österreichische Landwirtschaft, die die Kriegsschäden durch ihre gute genossenschaftliche Organisation überwunden hat, bietet auch der Polnischen Agrarreform ein gutes Beispiel. Bei der Durchführung dieser Bodenaufteilung ist es notwendig, einen Chock zu verhindern, damit nicht die Gesamtproduktion des Landes darunter mehr als notwendig leide. Dazu ist eine Intensivierung der alten und der bereits neu entstandenen Betriebe notwendig. Der Großgrundbesitz, der über das Ausmaß seiner Opfer im unsicheren ist, hält mit dem Kapital zurück und das gleiche tut der Kleinbesitz, der noch nicht weiß, was er zubekommt. Dadurch entsteht ein wirtschaftliches Vakuum, dessen Einschränkung ein wesentliches Problem der Tätigkeit des Ackerbauressorts darstellt. Da nun die österreichische Landwirtschaft vornehmlich Bauernwirtschaft ist und seit dem Kriege so große Fortschritte in der Intensivierung gemacht hat, ist der Kontakt mit ihr für den polnischen Minister besonders wertvoll. Die polnische Landwirtschaft — führte der Minister weiter aus — ist durch den Krieg weit unter den Nullpunkt des Wirtschaftsthermometers gedrückt worden. Sie hat jetzt erst wieder den Nullpunkt erreicht und funktioniert eben. Aber sie hat bezüglich ihrer Vieh- und Pferdezucht noch sehr viel zu arbeiten und kämpft mit den S ch w i e r i g k e i t e n d e r V a l u 1 a f r a g e. Die Krisis wurde mit Hilfe der Handelsbilanz überwunden, die alber von der agrarischen Produktion abhängig ist, die ja 60 Prozent des Exportes stellt. Polen will nun mit der österreichischen Landwirtschaft in direkte Beziehungen treten und da ist es notwendig, gewisse Mißverständniste zu beseitigen, die sich immer wieder zeigen, und auf die der Minister auch bei seinen Besuchen in Tulln und Leoben gestoßen ist. So wird vorgehalten, daß Polen schlechte Ware liefert. Dem ist entgegenzuhalten, daß Polen solide G etreidexportfirmen besitzt, namentlich in den westlichen Gebieten. Die Wiener Importeure wenden sich mit Vorliebe an kleinere Firmen, die vielleicht etwas billiger sind, sich aber nicht immer an die kaufmännischen Vertragsgewohnheiten halten und gegen Treue und Glauben verstoßen. Dafür kann die polnische Landwirtschaft nichts. - Das zweite Mißverständnis betrifft die rigorose Handhalbung der Veterinärvorschriften. Gerade durch diese strenge Behandlung wollte die Regierung ihren Willen zeigen, den höchstkultivierten Staaten gleichzukommen. „Wir wollen exportieren, aber nicht auf Kosten unseres Ansehens in der Welt. Ich bin deshalb entschlossen, di« Vorschriften nicht abguändern und weiter rigoros zu handhaben." Schließlich wird der Vorwurf erhoben, daß Polen unvermutet Getreideausfuhrzölle erläßt. Seitdem die jetzige Regierung besteht, ist ein Fall dieser Art noch .nicht vorgekommen. Unsere Ernte ist ziemlich befriedigend und wir haben keine Absicht, für absehbare Zeit Getreideausfuhrzölle einzuführen. Wir sind allerdings kein so großes Ausfuhrland wie Kanada und die Vereinigten Staaten und wir müssen zuerst für unsere heimischen Konsumenten sorgen. Wir werden, die Landwirtschaft fördern, die uns zu einer aktiven Handelsbilanz verhilft, aber nicht zu Lasten der Konsumenten uud nicht auf Kosten unserer Preispolitik.- Die Preisrelationen wollen wir intakt erhalten, um die innere Kaufkraft desZloty zu schützen. Die österreichische Industrie sucht neue Absatzmöglichkeiten und wir wollen ihr entgegenkommen. Die Interessen Oesterreichs, dessen Landwirtschaft zur Selbstgenügsamkeit strebt, und Polens, das eine schwache Industrie hat, laufen so ziemlich parallel. Aber diese Fragen können nicht einzeln für sich gelöst werden, sondern nur in einem Vertragswerk, in einer Novellierung des Handelsvertrages. Wenn e8 mir — schloß der Minister seine Ausführungen — gelungen ist, eine gewisse Annäherung zu bewirken, so werde ich mich glücklich schätzen, diese Pionierarbeit geleistet zu haben. Lira und Franken w»Wer rückgängig. Die Abwärtsbewegung der lateinischen Devisen setzte sich auch bei Wochenbeginn aus den internationalen Märkten fort. Die Lira ging in Zürich vom Samstagkurs 18,82'/« auf 18.737» 'zurück. Nicht geringe Ernbußen erlitten der französische urtd belgische Franken, von denen der elftere in Zürich 14,40, der andere 13,977» schloß. Spanien ist mit einem Züricher Schlußkurs von 78,65 ebenfalls rüclgüngig. Der Leu, aus den Märkten mancherlei Schwankungen unterworfen, schloß in