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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-19 · Heft 2718 (19.9.1926) · p. Seite 15

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2718 (19.9.1926)
Date
1926-09-19
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 2718 Men, Sonntag Wiener Morsenzettims 19. September 1926 Sette 18 Sensationen auf der Hohen Warte. 3 Uhr 40 Minuten: Gart Sturmis. 4 Uhr: FMaNlampf Lesterreich gegen Ungarn. 2 Uhr: StiederWerreich gegen Ledenbnrg. MTMMMMMMrWWMmNlI ■BW II mmm wien.»i. rusten- Wi Ai LATL / Schacher allbe iae Linien H, H2, L, 4 — (Nächst der Rotundenbrücke) Heute. Sonntag, den 1». September 10 Uhk vormittags Hakoah-Slovan MWWWlMWWWWWMM>W0AMBSW>B>WWWWMNMMlBWW>WWWW>UWW>MW>>W» Der Kartenverkanf filr das Länderspiel Oesterreich—Ungarn findet heute vormittags nur im Hotel Union, 9. Bcz., Rüßdorf?'''. straße 23, statt. ^ie Hohe Warte hat heute vielleicht ihren größten L ag. Äußer dem klassischen Länderkampf Oesterreich gegen 11 n g a r n, das ein interessantes Auswahlmatch zwischen N i e d e rösterreich und Oe den bürg einleitet, startet das „finnische Wunder" Paavo N n r m i. Ter Allgenicine Ocstcrrcichische Fnßballverband vor allem hat sich um das Ziistandekommen des Wiener Debüts des vielfachen Weltmeisters die größten Verdienste erworben. Kann man dem großen Finnen auch keine Rivalen wie Tr. Peltzer, Wide, Ritola oder Katz entgegenstellen, so wird "Nurmi im B o r g a b e l a n s e n gegen ei ne v st c rr e i ch i s ch e Mannschaft und im Kampfe gegen seine Stoppuhr zweifellos auch der vegetierenden österreichischen Leichtathletik mächtige Impulse geben. Ter schöne Anblick der nnsverlanften Hohen'Warte dürfte heute den imposanten Nahmen des großen Sporttages abgübcn. Gestern um 1. Uhr 10 Min. ijt 91 ut in i mit seinem Begleiter, dem Berliner Sportsmann Krupsky, hier. angclangt. Auf dem Perron des Franz-Josefs-Bahnhofes herrschte reges Leben. Einige hundert junge Leute hatten sich zum Empfang des Finnen einaefunden. Als der Zug langsam in die Halle einfnhr, wurde das sympathische Gesicht Nurmis am Fenster des Schlafwagens sogleich erkannt. Im Regenmantel, mit Sportkappe entsteigt der Weltrekordmann dem Zug und ist bald umringt. Herr W r a s ch t i l vom Leichtathletikverband hielt eine kurze Ansprache, Krupsky verdolmetschte, der blonde Weltrekordmann zieht die Kappe und dankt, verlegen lächelnd. Seine stahlharten Augen und der asketische Zug lassen Energie und Selbstzucht erkennen. Ein dreifaches Hipp-Hlpp-Hurra dröhnt durch den Nanm und Nurmi wird zum Auto gedrängt, das ihn zur finnischen Gesandtschaft führt. Gegen N n r m i durfte eine Mannschaft antreten, in der B r n h n e n, T n s ch e k, K a n b e r und H a i d e g g e r Mitwirken werden. Nurmis Start am Dienstag wird möglicherweise im Nahinen des Freundschaftsspieles Hakoah^Amatenre erfolgen. Der schnellste Läufer der Welt. Im Jahre 1897 wurde Paavo N n r m i im kleinen finpnsigen Knstenstädtchen Abo geboren. Der Vater war Kunsttischler. 'Er wurde von Jugend an abgehärtet, streng spartanisch erzogen. Im Kreise seiner Schulkameraden war er bald der allen Gleichaltcrigen überlegene Läufer, und er quälte die offiziellen Zeitnehmer immer wieder vergeblich, doch einmal seine Laufzeit zu nechinen. Schließlich gab man aber dem ewigen Drängen des kleinen, dünnbeinigen, 'unscheinbaren, flachshaarigen Kerlchen nach und siehe da, der zehnjährige, der Jüngste der Sprachschule,?ef 1500 Meter in 5 Minuten 2 Sekunden. Mit Alltagskleidern, ein Paar genagelten Schuhen, mit etwas gelockertem Rvckgürtel tvnrde diese Wuuderleistung von ihm erzielt und zum Tagesgespräch in Abo. Der Vater hatte nie Sport getrieben, im Gegenteil, er kränkelte immer. Vielfach schrieb man die Gewandtheit Paavos seiner vegetarischen Lebensweise zn, zum 18. Geburtstag aß er den ersten Fisch. Täglich lief er über Feld und Hügel und die Fahrstraße entlang mit einer kleinen Stoppuhr in der Hand. Ein Jahr vor Eintritt in die Hochschule errang Paavo seine erste Meisterschaft, die für Junioren über 3000 Meter in Helsingfors 1914. Er hatte als ältester Sohn nach dem plötzlichen Tode des Vaters 1910 bald zum Unterhalt der Familie beizutragen, der Ernst des Lebens ging an ihm so schon in seinen jungen Jahren nicht spurlos vorüber. Aber bei dieser ernsten Lebensschnle blieb er seinem Vorhaben schon als Zwölfjähriger, „einst Rekorde zn lausen", treu. Kaffee, Tee, Tabaks Fleisch versagte er sich und legte ans regelmäßiges frühes Schlafengehen besonderen Wert., Das finnische Dampfbad (die Sauna) tvnrde ihm zur Gewohnheit. Er bediente sich beim Training regelmäßig der Stoppuhr, um sein Tempo genau kontrollieren zn können. Der „Zeitsinn" Nurmis ist ein großer Vorteil für ihn, er erkennt bald nach der benötigten Zeit für eine kurze Strecke seine Verfassung und kann danach gleich die für ihn erreichbaren Zeiten der weiteren Strecken berechnen. Kürzlich in Berlin bei Erzielung des Weltrekordes hatte er seinem Gastgeber Krupsky eine Zeittabelle gegeben, wie er jode Runde im Stadion lausen wollte, und fast genan wie angegeben lief er Runde für Rnnoe. 1915 hatte man Nurmi im ersten internationalen Treffen gesehen, er wurde nur Fünfter, alle überragte damals Steenros. 1919 begann der A n f st i e g N n r m i s, als er znm Militär kani. Er kannte nur den einen Gegner an: die Uhr. 1920 erreichte es Nurmi, bei den olympischen Spielen in Antwerpen durch seinen Sieg »über 10.000. Meter, daß nach feinem Triumph in diesem Rennen für ihn die Nationalflagge seines Landes als erste aufgezogen wurde. 1922 wurde Nurmi englischer Meister über vier Meilen. Von einem neuen Mann hörte man viel, dem Schweden W i d e, und am 28. August 1923 gab es das erste sensationelle Zusammentreffen dieser beiden in Stockholm. Nurnn siegte über die englische Meile (1609 Meter) in 4:10,4 und verbesserte den 41 Jahre b e st a n d e n e n Weltrekord 4:12. Noch besser war bald Nurmis Leistimg über 1500 Meter mit 3:52,0. Der größte Könner der Pariser Olympischen Spiele war zweifellos Paavo Nurmi, und sein Name wurde nun verbunden mit dem Prädikat: . „Der schnellste Läufer der Welt von 1500 bis 10.000 Meter." Er brachte das unglaublich Scheinende fertig, innerhalb einer Stunde zwei Weltmeisterschaften über 1500 und 6000 Meter zn gewinnen. Die 1600 Meter sahen -ihn mit der olympischen Rekordzeit von 3 Min. 53,6 Sek. vor.Schürer (Schweiz) und Ltallard (England) mit 10 Meter Vorsprung siegreich, für die 5 Kilom-eter gleichfalls mit Rekordzeit benötigt^ er *14 Min. 81,2 Sek., und er endete 1 Meter vor seinem berühmten Landsmann Ritola, dem 10-Kilonnüer-Weltmeister, und dem Schlveden Wide als Dritten.. Durch Siege im 10.000-Meter-Geländelaufen (wieder vor Ritola) und im 3000-Meter-Mannschaftslaufen schmückte er sich inst vierfachem Olympialorbeer und verhalf seinem kleinen Lande, das 17 Siege errang, zum zweiten Platz unter den Nationen. Die Amerikaner ivollten dieses L a u f w u n d e r auch scheu, und auch im Wunderlande des Sportes eilte er von Sieg zu Sieg, alle Rekorde mußten daran glauben. Nur einmal mußteer in einem Nennen, das Ritola gewann, wegen Magenkrämpfen ausgebcn, und später 1926 sollte er nur einmal eine Niederlage im 1000-Meter-Laufeu von seinem Landsinann Lielvendahl einstecken. Der unvergeßliche Ziveikampf 1912 in Stockholm H a u n e s Kohle m a i u t n—K ouin (Frankreich) über 5 Kilometer Brüst an Brust, fand öfters schon eine Wicderholnng in dem Match Nnrmi—Wide, das kürzlich zweimal in der Heimat der Beiden stattfand und, wenn auch teilweise nach heißem Kampfe, Nurmi als Sieger sah. Jüngst in Berlin wurde das „finnische Wunder" von Dr. Peltzer über 1500 Meter in Weltrekordzelt geschlagen und von Wide :n diesem Rennen sowie am nächsten Tag über zlvei englische Meilen überholt. Nurmi war nicht gang disponiert, er. hat sich aber seitdem in Düsseldorf und Dresden rehabilitiert. Wenn ai»ch heute dem Finnen keine ernste Konkurrenz entgegengestellt werden kann, so lvird er doch trachten, alles aus sich herauszuholen. Treibt ihn doch zu Höchstleistungen '''Mer sein ständiger Gegner, die Stoppuhr. Oesterreich gegen Ungarn zum 38. Male. Er ist noch immer der Hanptkampf der'Saison. Bei Oesterreich gegen Ungarn schwingt nicht nur traditionelle Rivalität mit, sondern' eine Art nationaler Ehrgeiz, wie er bei Begegnungen gegen andere Länder nicht in gleichem Maße vorhanden ist. Außerdem gilt Ungarn noch immer mit Recht als Hochburg des europäischen Fnß'balles: 21mal hat Oesterreich gesiegt. 24mal konnte Ungarn erfolgreich bleiben, 13 Kämpfe endeten unentschieden. Nach einer längeren Siegcsseric der Ungarn in den Kriegsjahreiy hat Oestereich nun schon geraume Zeit die Oberhand in den Lanoerkänipfen. Die Ungarn brennen nach einem Sieg. Ob er ihnen heute beschicden sein lvird? Beide Teanis weifen neue Männer ans. Ungarns stark vorstürmende Provinz ist gleich durch vier Spieler vertreten und Hugo M e i s l hat den in Schwung befindlichen neuen Wiener Favörits Rechnung getragen. Der Ausgang ist nngowiß und wird sich nach hartem Kampfe ergeben. Schiedsrichter ist Herr S t e p a n o v s k y ans Prag. Die Mannschaften treten folgendermaßen an: Ungarn: Weinhardt (Sabaria, Steinamcmger); Vogl 2 (Ujpest), Vogl 3 (Ujpest): Borsany (Ujpest), Weber (Bastya, Szegedin), Rebro'(Hnngaria); Braun (Hnngaria), Meszaros (Sabaria), Holczbauer (Sabaria), Tritz (Hilngaria), Kohut (F. T. C.). Oesterreich: Cart (Simmering); Musil (Simmering), Tandler (Amateure); Dnmser (Simmering), Kurz (Simmering), Schneider (Amateure); Wesely (Rapid), Höß (Sportklub), Gschweiol (Vienna), Uridil (Rapid), Hierländer (Amateure). Das Vorspiel zwischen Oedenburg und Niederösterreich leitet R e t s ch u r y. Drei w e i t e r e A u sw ah l spiele hat Wiens Fußballsport heute noch zn bestreiten, und zwar: Gegen Budapest (Professionalteam in der ungarischen Hauptstadt). Außerdem spielt ein Team in Wels gegen Linz und eines in Gra z. , Das Wiener Amateurteam wurde gestern von dem spiel» starken Budapester Amatenrteam 2:4 ( 0:2) geschlagen. Vorher schlug ein zlveites Budapester AmatcnrtealN eine Auswahlmannschaft der dortigen zweiten Liga 2:1 (1:1). Die gestrigen Freundschaftsspiele brachten folgende Ergebnisse: Wacker—Sportklub 4:1 (2:1), Rapid—Hertha 4:4 (1:3). Slavia schlug gestern den italienischen Meister Juventus vor 14.000 Zilschanern 6:1 (4:0). Die heutigen Freundschaftsspiele. Hakoah—Slovan (10 Uhr, W. A. C.-Platz), Vienna komb.—Gersthof (10 Uhr, Lehrerplatz). Das Hockehmeisterschaftsspiel Hakoah—Allround findet heute um viertel 11 Uhr ans dem Hakoahplatz statt. Eine neue Kanaldurchquernng. Der Engländer D e r o h a m hat den Kanal durchschwommen. Er benötigte fast 14 Stunden und blieb hinter den Zeiten Michels und B i e r k ö t t e r s weit zurück. Handballspiele. Die Hasmoneadamen spielten ihr erstes Meisterschaftsspiel gegen Finanzlandesdivektion. Hasmonea konnte, obwohl sie nur mit neiln Damen spielte, die schwachen Gegnerinnen 0:0 besiegen. Gute Leistung von Grünwald und Grete Bratmann, die übrigen kamen fastnicht ins Gefecht. Die I.» A. C.-Damen mußten gegen Hertha auf sehr große Tore spielen. Die Torhüterin des I. A. 4. erlitt bei dem ersten Goal einer schwere Prellung des Ellbogens und stand drei in kurzem Zeitraum geschossenen Bällen machtlos gegenüber. Nach der Panse mutzte daun die Stürmerin Trost 2 im Tore ssrielen. Sie bot dort eine gute Leistung. Das Endresultat von 6:1 für Hertha entspricht nicht dem Kräfteverhältnis, da die zweite Halbzeit den I. A. C.- Damen gehörte. Sie waren aber nicht imstande, der ausgezeichneten Torhüterin der Hertha beiznkommen. Tor für I. A. C. Ettinger. (Freundschaftsspiel.) — Die I. A. C.-Herren absolvierten ihr erstes Meisterschaftsspiel dieser Saison gegen den besten Verein ihrer Gruppe, den W. A. T. Der I. A. C., der auf seinen glänzenden Tormann Gollerstepper verzichten mutzte, spielte in der ersten Hälfte (1:1) das beste Spiel seit seinem Bestand. Es wurde uneigennützig gefpielt, jeder Ball sofort abgegeben, schön geschossen, leider nur etwas zu viel gesprochen. Nach der Pause machten sich starke Ermüdungserscheinungen geltend und, als noch drei Leute ausgeschlossen wurden, war der ZnsammeM'iich nicht aufznhalten. Das Endresultat 7:1 für W. A. F. Tor für für I. A.*C. Tibor. Sollte es dem I. A. C. gelingen, straffe Disziplin in die Mannschaft zu bringen, so sind von ihm gute Resultate zu erwarten. H. V. Allff emeiw i» a* g» m * e» w i» o 1. «s B» t m eJh ow Heute Sonntag den 19. September / Sportplatz Hohe Warte 4 Uhr: 3-40 Uhr: Start NURMIS 2 Uhr: Niederösterreich—Ödenburg Vorverkauf bei den Üblichen Stellen ■BMI———HllmilJMIUIllli SÄvKW- Leipzig (16. F°rI,-b„W n. Schluß.) Zakar-daj. t&iwc jüdische Legende Auf seine Einladung mußten die Abgeordneten längere Zeit in der Residenz verbleiben. Ein Fest folgte mm dem anderen, und die angesehensten und berühmtesten Männer der Stadt verschmähten es nicht zu erscheinen. Als einst bei einem solchen Festmahle ein Freund unseres Jakar-daj, ein menschenfreundlicher Arzt, spät erschien, unterlief? es Jakar-daj nicht, in seiner gewohnten, freundlichen Weise nach der Ursache der Verspätung zu forschen: „Mein Beruf", erwiderte jener, „hat mich zurückgehalten. Ich habe bei einem kranken Greise geweilt, den sicherlich nur Kummer und Not auf das Krankenlager geworfen haben, auf welchem übrigens die Hartherzigkeit des Hausherrn ihn und seine alte Frau kamn noch duldet." Kaum hatte J'akar-daj dies vernommen, als er einem seiner Leute den Auftrag gab, die beiden Alten in seinen Palast zu schaffen. Pünktlich und schnell wurde der Befehl befolgt. * Nach Beendigung des Gastmahls eilte Jakar-daj nach Hause. Sein erstes ivar, das Greisenpaar, das mittlerweile in einem seiner besten Zimmer mit allem Notwendigen versehen worden war, zn besuchen. Er trat ein. Hier lag ein Greis, das bleiche Antlitz einer alten Frau zugekehrt, die sich «och immer von ihrem Staunen über die plötzliche Veränderung nicht erholt hatte. Der Arzt fühlte sich seltsam bewegt. „Edler Mann!" rief die Frau ihnr zn, „sagt, wo wir sind und wer uns hieher gebracht hat!" „Seid außer Sorge, liebe Frau!" erwiderte Jakar-daj, „Ihr seid bei Freunden, die es mit euch gut meinen. Wer lind woher seid Ihr? Erzählet mit euer Mißgeschich!" „Ach, mein Herr, da ist viel Trauriges zu erzählen", erwiderte die Frau und barg ihr Antlitz in ihrem Gewände. „Harte Schläge des Schicksals haben uns getroffen, mich und diesen armen Mann, der hier kaum mehr atmend vor euch liegt. Einst waren wir reich, sehr reich, aber Gott nahm uns den Reichtum und gab uns ein Kind dafür, wie er noch keines je gegeben. Doch auch dieses Kindes, der einzigen Freude unseres Lebens, wurden wir auf unerklärliche Weise beraubt. Und die Hand des Herrn lag schwer auf uns. Wir sanken irnmer tiefer ins Elend, bis wir an den Bettelstab kamen. Vom Elend gedrängt, mußten wir wegziehen aus der Heimat, aus Frankfurt weg, hinaus ins Elend." „Aus Frankfurt!" rief Jakar-daj erschüttert, indem Plötzlich eine dunkle Ahnung ihm klar wurde und er die Züge der Greise erkannte. „Ach, mein Vater!" fuhr er fort, indem er zu den Füßen des Kranken niederstürzte. Das Mütterchen war mit einem Freudenruf aufgesprungen, auch der Greis hatte sich in seinem Bette aufgerichtet und mit strahlendem Antlitz betrachtete er seinen Sohn, der nun seine Mntter umarmte. Diese konnte sich lange von der auf den Freudenschreck gefolgten Betäubung nicht erholen und zum Bewußtsein ihres unendlichen Glückes gelangen. Endlich, als ihr die Sache klar wurde, da sie ihi/ verlorenes, totgeglaubtes Kind an ihrem Halse weinend fand, da fühlte sie längst geflohene Freuden in ihr Herz wieder einziehen und entschwundene Tage des Glückes sich erneuen. In Begleitung aller seiner Freunde machte sich Jakardaj bald auf, seine geliebte Esther nach so langer Trennung wieder zu umarmen. Sein Weg glich einem Triumphzuge, von allen Seiten eilten seine dankbaren Glaubensgenossen herbei, ihn zu sehen und ihm ihre Ehrfurcht^ zu bezeigen. So treu aber, wie er sie verlassen, fand er die liebliche Jungfrau wieder. Wenige Tage später wurde die Hochzeit gefeiert. Eben wollte der Rabbi die Zeremonien beginnen, als Plötzlich eine seltsame Bewegung unter der anwesenden Menge entstand. Von ehrfurchtsvollen Schauern durchrieselt, trat alles scheu zurück; denn eine ungewöhnlich große, von einem langen Talar umhüllte Gestalt mit erhabenem Antlitz und schneeweißem Barte trat majestätisch in den Kreis und stellte sich hinter den Rücken des Paares. Und als der Rabbi mit bebender Stimme seine' heilige Verrichtung beendigt hatte, da sah man die Erscheinung langsam und feierlich die Hände ausbreiten und die Lippen regen, wie zu leise vor sich hingeflüsterten Worten, die endlich, bevor die Gestalt wieder verschwand, in einem deutlich gehörten „Gott segne dich!" verhallt (Schluß.)

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