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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-17 · Heft 2717 (17.9.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2717 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Geile 6 Wien, Freitag Volkswirt. »ns emovSische Sllenfatkll. Belgien tritt bei. Die belgischen Industriellen haben sich mit Ausnahme eines r-nzigen Industriellen, dessen Widerstand a>s kein HindernngS' grund für die Zustimmung Belgiens znm Eisenpakt betrachtet wird, über die Frage des E i s e n k a r t e l! s geeinigt. Die Berhandlungen beginnen am 17. d. in Pari s Polen» aktive -andelrbilanz. Kemmerer über die Sanierung. Aus Warschau wird uns berichtet: Für die polnischen Wirtschaftsverhältnisse sindie Aendernngen in den Ziffern der Handelsbilanz charakteristisch. Es ist der polnischen Regierung durch eine starke Drosselung der Einfuhr gelungen, die Bilanz im ersten Halbjahr 1926 mit einem Exportüberschuß von 222 Millionen Zloty stark aktiv zu gestalten, freilich nicht ohne zugleich auch die Exporto herabzusetzen. Auffallend ist bei der Außenlmndelsbilanz der Rückgang der Kohlenexporte von 4,7 Millionen Tonnen int Jahre 1925 auf 3,9 Millionen int Jahre 1920, wo doch in die Monate der Statistik der englische Kohlenarbeiterstreik fällt. Vielleicht hängt dieser Exportrückgang mit der Zunahme des Petrolenmverbrauches zusammen, der von 47 auf 00 Millionen Tonnen gestiegen ist. Was den Stand der polnischen Industrien anlangt, so befindet sich die dortige Z uck eri nd ust ri e, wie die der meisten umliegenden Länder, wegen des billigen Zuckerpreises in einer schwierigen Situation und hat in letzter Zeit von englischen Banken größere Kredite (600.000 Pfund) in Anspruch genommen. Die Harriman - Gruppe, die bekanntlich vor kurzem die schlesischen Z i n k ö f e n erworben hat, zeigt großes Interesse für andere Branchen der Metallindustrie. Ein italienisches Syndikat interessiert sich in der Petroleunrindustrie, deren Erzeugung es gerne nach Jtaliert ableiten würde. Der Leiter der amerikanischen Finanzmission in Polen, Kemmerer, der morgen nach Beendigung seiner Tätigkeit Polen verläßt, wies in einer auf seinem Abschiedsbankett gehaltenen Rede auch auf die aktive Handelsbilanz hin und erklärte weiter, daß Budget Polens sei ins Gleichgewicht gebracht. Der Wechselkurs sei seit zwei Monaten stabilisiert. Die Bank von Polen habe ihre zehn Millionen Dollar betragende Schuld an die Bundesreservebank in New-Aork abgezahlt, während gleichzeitig die Banknotendeck ung durch Erhöhung der Reserven eine Steigerung von 34 auf 39 Prozent erfahren habe. Die Zahl der Arbeitslosen sei von 359.000 im Jänner auf 245.000 im August gesunken. Ueberall seien Symptome der kommerziellen Wiederaufrichtung sowie der Wiederherstellung des Vertrauens festzustellen. Der letzte Ausweis der Bank Polski. Der Ausweis der Bank Polski für die erste Dekade des Septembers weist eine Vermehrung des Barschatzes irm 6,3 Millionen Zloty auf 113,9 Millionen Zloty auf. Der Notenumlauf in Polen hat sich in der gleichen Periode um 17,25 Millionen Zloty auf 94,29 Mllionen Zloty vermindert. Tie Metalldeckung beträgt nunmehr 4 3 Prozent.. Re Dividende der AngloPalefttne kompany. Aus London berichtet I. T. A.: In der am 7. d. stattgefundenen Generalversammlung der Aktionäre der Anglo-Palestine Company wurde der Beschluß gefaßt, auch im zweiten Halb- R°l!öwHh Vertagten- Leipz:g Fortsetzung Zakar-daj. Eine jüdische Legende. Bedenken Sie, daß Sie verantwortlich sind für Ihr Tun, verantwortlich jenem Vater, dessen Kinder Sie so schwer zu kränken im Begriffe sind!" Der Fürst versank in Schweigen. Unter den Hofleuten aber war allenthalben Bewegung und Aufregung. Dann folgte peinvolle Stille und alles blickte gespannt auf den Fürsten, dessen ernstes Antlitz sich allmählich erhellte. Er näherte sich mit wenigen Schritten dem Arzte und streckte ihnt feierlich die Hand entgegen. „Nehmt meine Hand als Zeichen meines unveränderten Wohlwollens!" — sprach er darauf in mildem Tone — „Wahrlich, Eure männliche Offenheit verdient nicht weniger Beifall als Eure übrigen großen Tugenden. Ihr habt recht, ich war schwach, ich habe nicht gut gehandelt und nicht nach den Grundsätzen der Liebe! Doch dank dem freundlichen Geschick, das .Über mir waltet, noch ist es nicht zu spät. Edler Mann" — fuhr er fort — „seht, ich ernenne Euch hiemit zu meinem Leibarzt, der schönste meiner Paläste in der Stadt ist Euch geschenkt und meine Freundschaft! Für Euer Volk aber, Eure hart gequälten Brüder, werde ich Sorge tragen!" Zwei Stunden nach dieser so folgenreichen Unterredung herrschte in der Stadt außerordentliche Aufregung. Fürstliche Herolde zogen von einem Teil in den andern und verkündeten dem scharenweise herbeiströmenden, staunenden Volke, daß der Herrscher das Verbannungsedikt aufgehoben und angeordnet habe, die Juden ferner in ihren alten Wohnsitzen und Rechten friedlich zu belassen. — Eben war die ganze Gemeinde in der Synagoge versammelt; aus der Erde sitzend, das Antlitz von Tränen überströmt, ließ jeglicher der Armen inbrünstige Gebete zu Gott erschallen, nachdem bereits der ehrwürdige Rabbi mit ergreifender Andacht ein Haskaras neschamos*) gehalten hatte; da stürzte plötzlich atemlos ein Mann in das Gotteshaus mit dem Jubelrufe: *) Erinnerungsandacht für Verstorbene. 17. September 1926 Nr. 2717 _Mener Moeftenzertung jahr eine Dividende von 2,5 Prozent den Aktionären zu geben, so daß die Dividende in diesem Jahre 5 Prozent beträgt. Oesterreichische Nattonalbank. Mit Rücksicht auf das Entfallen der-Börsenversammlung von inorgen unterbleibt an diesem Tage auch die Abhaltung des Devisenclearings. Keine Dividende bringt für das Geschäftsjahr 1925 die Wut. Szalav u. Sohn, Eisen.qroßhau-limgs-A -G, Wie,:, zur Verkeilung. Coupons. Coupon Nr. 14 pro 1925 der A.-G. der Piiteuer Papierfabrik wird mit 60.000 Kronen eiiigelösk, Zahlstelle: Kasse der Gesellschaft. Tie Sackbänder in den städtischen Lagerhäusern. Von den städtischen Lagerhäusern wird, selbst wenn die Beistellung der Sackbänder von den Parteien angeboten wird, diese zurückgewiesen ilnd es wird die Verwendung der dort ausgegebenen Sackbänder von den Parteien erzwungen, denen mehr als das Doppelte des Wertes dafür gerechnet wird. Daher haben die Fonragehändler beschlossen, die Ware in der Regel von den Importeuren nur inklnsive Sackbänder zu fanfeit und die Abwehr der übermäßigen Forderungen der städtischen Lagerhäuser für die Sackbänder den Futterimporteuren zu überlasseit. So ist bald die Entscheidttng der Frage zu erwarten, ob die städtischen Lagerhäuser berechtigt sind, die Parteien zum Kaufe von Sackbändern zu zwingen,' fiir die mehr als das Doppelte des Wertes' berechnet wird. Die Devisenmärkte zeigten gestern Nachfrage nach Lira und kranwti'chem Fr n,en Die Lira konnie eine ieci)t a» e nndje KurSbessertttkg erste eit, sie schloß in Zürich 18 90 '«egen 18.67'/, am Mittwoch). In Mailand siel caS englische Pkund auf 162 Parts vrofit'erte von der Nachfrage nach Frawennoten nt.1t. Das englische Pkund notierte in Par>S nur 170, der FrankenkutS wies in Z ü r i ch emen leichte,' Rückgang (von 14.7*3/< ans 14.76Vt) auf. Brüssel leicht befefttqt mit 14.20 Parität Zürich. Trotz ziemlich regem Interesse für den Leu schloß Bukarest tu Zürich 2.60 (gegen 2.61»/. am Boria et. Trotz anstetgeudem Dollarknrs (517.50) «chloß der Schilling in Zürich bei 72.95 unter dem Mttt woch'chlußkurS Verminderter Banknotenumlauf in Frankreich. Der Wochenausweis der Bank von Frankreich weist diesmal eitlen Rückgang der Vorschüsse um 150 Millionen und einen Rückgang des B a n k n o t e n n m l a n f e s um 645 Millionen auf. Die französische Handelsbilanz. Der Ueberschuß der französischen Ausfuhr über die Einfuhr im Monat August beträgt 308 Millionen Franken. Das Defizit der Ausfuhr in den ersten acht Monaten des Geschäftsjahres 1926 betrug demgegenüber noch 2150 Millionen Franken. Die Zollaufteilung zwischen Polen und Danzig. Ein Telegramm der Danziger Delegation in Genf meldet, daß ein Abkommen mit Polen über den vorläufigen Z o l l v e rteilungsschlüssel zustandegekommen sei, das in Genf unterzeichnet werden soll, sobald die polnische Delegation die telegraphisch in Warschau beantragte Zustimmung ihrer Regierung erhalten hat. Die Verschuldung Polens an das Ausland. Die Staatsschulden Polens betrugen am 30. Juni 1926 insgesamt, in Zloty umgerechnet, ungefähr 3369 Millionen Zloty. Die Gesamtscknld bei den einzelnen Gläubigerstaaten stellt sich wie folgt dar: Amerika 233 Mill. Dollar, England 4,9 Mill. Pfund Sterling, Frankreich 1011 Mill. franz. Franken, Holland 8,6 Mill. holl. Gulden, Italien 465 Mill. Lire, Norwegen 20 Mill. norw. Kronen, Schweden 6,2 Mill. schwed. Kronen, 180 Millionen alte österreichische und ungarische Gulden, österr. Kronen. Somit entfallen auf die Vereinigten Staaten 67 Prozent, auf England 7 Prozent, Frankreich 8 Prozent, auf Italien 5 Prozent und ans die restlichen Gläubiger 13 Prozent der Schulden Polens. Zementpreisermaßigüng in Polen. Die Vereinigten Zementfabriken Polens haben den Zementpreis für die der Zementeinkausskommission angeschlossenen Verwaltungen ans 4, bezlv. 3.60 Zloty pro 100-Kilögramm-Faß, bezlv. Sack, Ware loko Bahnstation herabgesetzt. Bisher stellten sich die Preise ans 4.78, bczw. 4.28 Zloty. Die jüdischen Genosienschastskassen in Bessarabien. Am 17. d. sind 26 Jahre seit der Begründung der ersten jüdischen Genossenschaftsbank in Bessarabien vergangen. Gegenwärtig bestehen in Bessarabien 4 0 r ü d i s ch e Sparn n d D a r k e h e n ska ssen, die mehr als 26.000 Mitglieder zählen. Sie sind alle in eitler Kovperativgenossenfchaft vereinigt, deren Jahresumsatz 186 Millionen Lei beträgt. Antzerkiirsschnng der italienischen Fünsundzwanziglirenoten. Aus Rom wird telegraphiert: Das Finanzministerium teilt mit, daß die Fünfnndzwanzigltrebanlnoten mit dem 31. Dezember 1926 außer Kurs gesetzt nnd am 30. Juni 1927 keine Geltung mehr haben werden. Budapester Getreldetermiftmarkt. Auf dem Budapests Ternünmarkte haben sich die Kurse befestigt. Oktoberweizen 3570, Maiweizen 3980. Stärkere 'Steigerungen verzeichnete Roggen, der für Oktober 2570 ititb für März 2840 notiert. SOienev ivtehmäriite. I u n a v t e h m a r kt Aufgetrieben wnivenr 1168 lebenoe Kälber, 1075 Weidener Kälber, 778 Weldener Sctmeine und «58 Weidener Schale ES notierten: Lebende Kälber 1.50 bis 2 80 S.. Writener Kälber 1.90 b«S 2 80 S. Fletschichweine 2.40 bis 8.— 0, Fettfchtveine 2.10 bis 2.15 S., Schafe i«t Fell 0.90 bis 180 S., ohne Fell 1.20 b s 2.10 S. Der ehr lebhaft. Kälber und Fleilchkchwe ne teurer. Wiener Produktenbörse. Inländischer Weizen lvurde um — .25 S. teurer, ungarischer, nach dem die Nachfrage >ucht besonders lebhaft war, blieb im Preise nnverälldert. Auch der Roggenpreis erhöhte sich durchwegs um —.25 S. Mais blieb im Preis'unverändert,-für spätere Termine war er eher matter; Hafer war vernachlässigt. In Gerste gab es lebhaften Umsatz; ungarische wurde in großen Quantitäten um 33.— bis 34.— S. ex Schlepp Wien aus dem Markte genommen. Ee nvt'erten W m re n Fuläiidilchei neu 67.50 vir 38.50. ilnaarischer Tbeii neu79M Kilogramm 42 — b'S 44.— Ungarische' 78/79 Kilogramm neu 89 50 bis 40 50 Jugoslawischer 76 Kilogramm neu 37 50 bis 38 — .'-ugoilawilcher 77/78 Kilogramm 38 — bis 38 50 R o a g e n Inländischer Marchkelder 27.— bis 27.25. Bester Bode» 28.— bis 28 25. Gerste: Brauivare ml. neu Prima b>S Ausstich 34.— bis 38.— böhmische mährische — bis . Mars Jngo'lawifcher 24.50 bis 2560 Ein» a li a tt t i ii 32.— bis 33.— jp o f 11; Inländischer 23 75 hi6 24.50 ReiS Italienischer 78.— bis 83.—, Burma 67.— bis 69.—. Madlvrodukte: Grien inländikchei 79.— bis fcO.—, Weizenmehl 0 inländisches 78.— bis 7b.—. Kochmehl 2 inländisches 66.— bis 68— Brormebl mländiiches. 47.— bis 50 — Ausländische Börsen. Berlin. Die Insolvenz eines Spekulationsmaklers und die allgemeine Zurückhaltung im Hinblick auf den bevorstehenden Quartalswechsel bewirkten Rückgänge auf fast allen Jndustrieaktienmärkteu. Gut gehalten war 8er Markt der ausländischen Renten. Deutsche Fonds neigten bei geringsten Umsätzen zur Abschwächnng. Wertbeständige Anleihen waren wenig verändert. Vorkriegspfandbriefe begehrt. Geld war flüssig und notierte: Dagcsgeld 3,75 bis 6,50 Prozent und Monatsgeld 5,50 bis 7 Prozent. — Prag. Die vorwiegend flaue Tendenz war auf den Rückgang der Brünner Maschinen zurückzuführen, die, wie verlautet, im Verhältnis von 5:1 zusammengelegt werden sollen. Gegen Schluß konnten sich diese Papiere infolge von Stückeinangel etwas befestigen, doch schlossen sie immer noch mit einem bedeutenden Rückgang. Auch die Preissenkung in Skoda-Aktien und die stauen Wiener Tendengberichte wirkten ans die Gesamtlage des Marktes ungünstig ein. In Zuckeraktien herrschte freundliche Stimmung. Auch Eisenwerte erfreuten sich einer besseren Haltung auf dse Mitteilungen, daß die tschechischen Eisenindustrien.; sich dem internationalen Kartell anschließen werden. Ansonsten bewegte sich das Geschäft in ruhigen Bahnen. SchrankenüONDBHnmmnmBnBBP Jevisenunv Daluteukurse vom 1k. September 182k. Devisen Amster asm . . . . Oein . S. 283.75 War* 284 76 äoüa. Oe» S. 6.12 War* 5 18 französische Noten . . Oe» S. 2 ->.27 w ar- 20.43 Belgrad ...... 12.6450 Stockholm ....... 189.30 189.90 Holländische Noten . . Berlin . 189.03 Warschau .. . 78.10 78 8' Italienische Noten . . . 25.74 26 97 Brüste! ...... 19 82 Zürich.. 188.75 1.37.25 Jugoslawische Noten . . 12.47 12.53 Budapest ..... Bukarest. London ...... 99.46 3.86 3 ».47 Valuten Amerikanische Noten . 704.76 708.76 Polnisch; Noten .... Rumänische Noten . . . Russische Noten (Roman.) 78 — 79.— Mailand ..... 26.98 Belgische Noten Schweizer. Noten . . . New-York. .... . i . 707.86 710.35 Bulgar. Not. ..••*• Deutsche Noten .... Tscliecho-slow. Noten . 23.9276 21.0475 Paris . ..... 20.32 188.20 188.80 Türkische Pfund-Noten . Prag ..... 21 0476 Bnt-lische Noten . . 34 30 34 48 Ungarische Noten 99.06 99.46 „Wir sind gerettet, Brüder!" Mehr bedurfte es nicht, um die ganze Versammlung in freudevolle Erregung zu versetzen. Sogleich wurden Leute ausgeschickt, um Gewißheit über die Sache zu verschaffen; und als sie die Nachricht nicht nur bestätigten, sondern alle Einzelheiten des Vorganges erzählten, da tönten bald Jubelrufe aus einer Ecke des Ghetto in die andere. Von Kehila zu Kehila eilte mit beflügelter Schnelligkeit die freudige Nachricht und überall wurde Trauer und Jammer in Jubel verwandelt. Als der erste Freudentaumel vorüber war, ließen es sich die Juden der Stadt zu allererst angelegen sein, nach ihrem Retter zu forschen. Zwar hatte, trotz des Bestrebens des bescheidenen Arztes in der Dunkelheit zu bleiben, die Nachricht jenes merkwürdigeit Auftrittes durch die anwesenden Hofleute sich mit Blitzesschnelle in der Stadt verbreitet. Mit gerechter Bewunderung hatte Jude wie Christ vernommen, daß der, besonders in den niederen Kreisen des Volkes allgemein gekannte und geliebte Arzt Satiscarus nicht nur der Netter des Prinzen, sondern auch Jude sei; dennoch blieb seinen armen Brüdern bei der Sache so viel zu zweifeln und zu fragen, daß sie erst nach längerer Zeit sich von der vollen Wahrheit überzeugen nnd dann zu einem Entschlüsse über die Art, wie sie ihm ihre Erkenntlichkeit bezeigen wollten, kommen konnten. Sie fühlten wohl, daß kein irdisches Gut groß genug sei, um damit ihre Dankesschuld abtragen zu können, und nachdem mehrere Beratungen stattgefunden hatten, erhielt endlich folgendes ihre allgemeine beifällige Zustimmung: Der ehrwürdige Rabbi der Gemeinde richtete eine Art Zirkular an alle Gemeinden des Landes, darin mit ergreifenden Worten an die Pflicht der Erkenntlichkeit gentahnt und geboten wurde, schleunigst die Vornehmsten in Israel sich in der Residenz versammeln zu lassen, um gemeinschaftlich dem Retter einen schwachen Dankestribut zu zollen. Mit Begeisterung wurde diesem Wunsche entsprochen. Acht Tage später fanden sich die angesehenstert Inden des Landes in der Hauptstadt ein. Unter ihnen befand sich auch Nathan und der Rabbi seiner Genreinde. Mit welchen Gefühlen nun die guten Leute im Vorzimmer des Anblickes ihres Erretters aus so langer Not harrten, läßt sich denken. Da öffnet sich die Tür und ein liebgewinnendes Lächeln auf dem schönen Antlitz, tritt der Arzt ein, um die Abgeordneten freundlich willkommen zu heißen. Doch plötzlich bleibt er stehen, die Hände in außerordentlicher Belvegung zusammenschlagend. Noch hatten die Männer nicht Zeit gehabt, sich über dieses Benehmen zu verwundern, als schon ein lauter Ruf der Freude und Ueberraschung durch das Zimmer tönte und int nächsten Augenblick zwei Personen anr Halse des Arztes hingen. Es waren Nathan und der Rabbi. Nachdem der erste Freudenrausch vorüber war, lautete die erste Frage Jakar-dajs nach seiner Braut. Nathan geriet in Verwirrung. „Um Gottes willen!" rief der Arzt, „Ihr habt sie doch nicht etwa zu einer anderen Heirat genötigt?" „Nein, Gott und ihrer standhaften, treuen Liebe sei es gedankt, daß ich mit meinem bösen Vorhaben bei ihr nicht durchgedrungen bin!" erwiderte Nathan. Erleichtert atmete Jakar-daj auf, nachdem ihm Nathan alles berichtet hatte, was in seinem Hause geschehen war; dann erzählte er, von seinem Pflegevater und, von Nathan mit Fragen bestürmt, wie ihn das Schicksal bis an diese Stelle geführt hatte. „Meine Geschichte ist in wenigen Worten erzählt. Nach jenem Vorfall zu Nürnberg machte ich mich auf den Weg nach dieser Stadt. Mit Elend und Not in immerwährendem Kampfe, gelangte ich hieher, wo ich meinen Durst nach Wissen zu stillen gedachte. Daß ich nicht selten den härtesten Entbehrungen mich unterziehen mußte, läßt sich denken, und wirklich gab es auch durch diese ganze lange Zeit von fünf Jahren keinen Freund, der treuer bei mir ausgehalten hätte als der Mangel. Aber ein Freund blieb er doch immer; denn auch er spornte mich an, meine Kräfte daran zu wenden, einst ein der Menschheit nützliches Mitglied zu werden. Daß mir dieses mit Gottes Hilfe zum Teil gelungen ist, habt ihr eben aus eurer Rettung, die das Werk einer himmlischen Fügung ist, erkannt. Und es bleibt mir nur noch übrig, Gptl für seilte Gnade zu danken, daß er mich dazu auserkoren hat. das Werkzeug seines Erbarmens zu werden." (Fortsetzung folgt.)

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