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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-16 · Heft 2716 (16.9.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2716 (16.9.1926)
Date
1926-09-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Skr. 3716 Men, Donnerstag Wiener MorHmz-ttiMH 16. September 1936 Leite 7 Kursbesiernng der lateinischen Devise». Die internationalen Devisenmärkte Stalen fast sämtlich einen Rückgang des RevortiatzeS für die Devise Mailand. Die Lira, französischer und belgischer Franken verzeichneten KurSbefserungen. die am stärksten bei der italienischen Valuta zutage traten. Mailand schloß in Zürich 18.67'/, gegen 18. BO am Dienstag. Parts 14.78*/,, Belgien 14.17'/,. Auch der Leu erhöhte sich, er schloß in Zürich 3.61'/,. Bemerkenswert war die Steigerung der Devise Athen von 6.W auf 6.12'/* Parität Zürich. Belgrad war mit 9.14'/, leicht befestigt. Bei rückgängigem DollarkurS (517.12) wich der Schilling von 73.08'/, auf 78. Verschiebung der Ausgleichstagsatznna beim Ersten Wiener Konsumverein. In der letzten Sitzurm der Gläubigervertreter des Ersten Wiener Konsumvereines erklärten die Delegierten des Berbandes der Sparer und Kleinrentner Oesterreichs, der die Mehrheit ^der Gläubiger vertritt, dah dieser Verband niemals einem Ausgleichsverfahren zu st im men werde, für das nicht eine absolut verläßliche Bürgschaft geboten wird. Wenn dieser Forderung nickt entsprochen werde, dann habe es auch keinen Zweck, eine Ausgleichsguote anzubieten. Der Verband der Sparer und Kleinrentner ist überhaupt der Ansicht, daß ohne Hilfe von außen und ohne einer gründlichen Aenderung in der Verwaltung der Erste Wiener Konsumverern nicht einmal die bisher angebotene Ausgleichsauote von 50 Prozent seinen Gläubigern wird ausbezahlen können. Es wird daher notwendig sein, ebenso wie seinerzeit bei der zusammengebrochenen Depositenbank, auch für den Ersten Wiener Konsumverein ein eigenes Gesetz zu schaffen. Die Gläubiger des Ersten Wiener Konsumvereines werden darauf bestehen, daß die A u sgleichstagsatzung verschoben wirb, welchem Verlangen auch entsprochen werden dürfte. Die französische Amortisterungskasfe. Der Vevtvaltungsrat der AmovtisierungSkasse hielt, wie aus Parts gemeldet wird, seine erste Sitzung ab. Der Präsident, Senator Leibrun, führte unter anderem aus: Die Kasse wird über eine jährliche feste Einnahme von 5 Milliarden Franken verfügen. 2,5 Milliarden würden durch das Tabak Monopol und 2,6 Milliarden durch die Erbichasts- und Besitzänderungssteuer geliefert. Es sei aber möglich, daß die Amortisierung weitaus rascher fortschreiten werde, wen geplant sei, den Inhabern von Verteidigungsscheinen nach Möglichkeit nach und nach Obligationen auf das Tabakmonopol auszuhändigen. Außerdem werde die Kasse aber indirekt auch an die Amortisierung der langfristigen und ewigen Schuld Herangehen, indem nämlich bestimmt sei, daß die Erbschafts- und Besitzänderungssteuer mit langfristigen Renten bezahlt werden dürfen. Was das Tabakmonopol anlangt, so sei vorgesehen, die ausländische Einfuhr nach und nach zu reduzieren und den T a b a kanbau nicht nur in Frankreich, sondern vor allem in den Kolonien zu fördern. Abmchme der englischen Ausfuhr. Aus London wird berichtet: Die ernste. Wirkung des KohlenkonMtes auf den eNMchen Handel zeigt sich in ben Augusttagen des Handelsamtes. Die Abnahme der Exporte und die Vermehrung der .Einfuhr dauern an. Die Augustausfuhr betrug 49,786.744, das ist. um 11,261.285 weniger im Vergleich zum August 1925 und 7,477.002 unter der Juliziffer. Noch bezeichnender ist die Tatsache, daß die Ausfuhr für die mit August endenden acht Monate eine Verminderung von über 73 Millionen Pfund zeigt. In diesem Zeitraum ist der Wert der Kohlenausfuhr um die Hälfte gesunken und der B a u mwollhandeil in Lcmcashire ist noch härter getroffen. Der Kohlenkonflikt bei den jugoslawischen Staatsbahnen beigelegt. Wie berichtet, hat die jugoslawische Regierung sämtliche Kohlenlieferungen der privaten Kohlenbergbauunternehmungen des Landes gelöst, worauf die Trifailer Kohlenwerke den Betrieb »instellten. Nunmehr wurde, wie uns aus Agram berichtet wird, nach langwierigen Verhandlungen eine Einigung erzielt. Die Bergwevksunternchmungen setzen die Kohlenpreise für die Lieferungen an die Staatsbahnen um 15 Prozent herab, dafür soll ihnen auch die Lieferung jener 80 Waggons Kohle täglich übertragen werden, die der jugoslawische Staat jetzt von Ungarn auf Rechnung der Reparationen erhält. Diese Reparationslieferungen hören bekanntlich am 1. Oktober auf. Die Trifailer Kohlenwerke haben ihren Betrieb wieder ausgenommen. Ein staatliches Filmmonopol in Rumänien. Die rumänische Regierung hat beschlossen, noch in diesem Jahre die Durchführung der Filmmonopolisierung bei ausschlaggebender Beteiligung der Regierung in Angriff zu nehmen. Zu diesem Zwecke wird eine Aktiengesellschaft unter st a a t l i ck e r Beteiligung errichtet werden, die einerseits die Filmproduktion und den Vertrieb zum Gegenstand hat, zum anderen aber einen maßgebenden Einfluß ihrerseits auf die Lizenzhandhabung der Filmeinfuhr ausüben kann. Die Regierung hat die weitestgehende Unterstützung bei der Einfuhr der notwendigen Rohstoffe, der steuerlichen Erleichterung usw. zugesagt. RegierungSkommlssäre für MinoriMsittmternehmungeti ln Rumänien? Aus Bukarest wird telegraphiert: „Dimineata" teilt mit, die Regierung habe den General Muika zum Regierungskommiss 9r der chemischen Fabrik Phönix in Szatmarnemeti und den Ingenieur Heinrich C o a n d a zum Regiermigskommissär der Nagyßebener Allgemeinen Sparkasse ernannt. Damit führt die rumänische Regierung ihre schon seit langem geäußerte Absicht durch, "zur Kontrolle der Minoritätenunternehm ungen Regiernngskommissäre mit unbeschränktem Wirkungskreis zu ernennen. Budapest« Getreideterminmarkt. Auf feste Berichte von den amerikanischen Börsen trat auf dem Budapester Getreidetermininarkt eine Befestigung der Kurse ein. Oktoberweizen 3660, Pro Mai 3960, Oktoberroggen 2680, pro März 2820. Börse für landwirtschaftliche Produkte. Die festeren Berichte aus Amerika gestalteten die Stimmung freundlicher. Das Angebot in Weizen und Roggen war sehr unzulänglich und bei Abschlüssen mußten die geforderten höheren Preise bewilligt werden. Ungarischer Roggen, der in fast alle Kontinentländer geht, erzielte höchste Preise. Auch inländischer Weizen ist fester. Bei Gerste tonnten auch für Primaware höhere Forderungen nicht durchdringen. Hafer liegt flau, ungarischer, wertet 20 bis 20,60 Schilling ab Grenze, serbischer ist billiger, doch wird er auch bei günstiger Qualität abgelehnt. Für prompte Mehle bestand leichte Besserung. Brotmehl ist gesucht und für Roggenmehl « besteht trotz gestiegener Preise bessere Nachfrage. Es notierten: Wei-eu: Inländischer neu 37.25 bis 38.2b. Ungarischer Theiß neu 79/80 Kilogramm 42.— bis 43.—-. Ungarische 78/79 Kilogramm neu 89.60 bis 4050 Jugoslawischer 76 Kilogramm neu 87,BO bis 88.—, Jugoslawischer 77/78 Kilogramm 88.— bis 38 60 Roggen: Inländischer Marchfelder 26.75 bis 27.— Pester Boden 27.75 bis 29—. Gerft er Brauware inl. beu Prima b!S Ausstich 84.— bis 38.—, böhmische mährische — niS—MatS: Jugoslawischer 24.B0 btS 25.60. Einquaritin 82.— bis 83.—. Hakerr Inländischer 23.75 bis 24.60, ReiS: Italienischer 78.— bis 83.—, Burma 67.— bis 69.—. Mah lprodukte: Grieß inländischer 79.— bis 80.—, Weizenmehl 0 inländisches 73.— bis 75.— Kochmehl 2 inländisches 66.— btS $8.— Brotmeh! inländisches, 47.- bis 49.—. Wiener Holzbörse« Mit Rücksicht aus die gebesserte Marktlage im Ausland war die Stimmung bei flauem Verkehr optimistischer, doch kam eS nicht zu Abschlüssen. Das Ausgebot ist nicht mehr so drängend. Angeboten waren 50 Millimeter Lärchenvfosten, von 18 Zent meter aufwärts, 4 btS 6 Meter lang, zu 95 S., Weißbuche, 80 bis 100 Millimeter, einen Meter lang, zu 150 S., Ahorn. 30 b 8 100 Millimeter, von 13 Zentimeter aufwärts, zu 125 S. und weiche trockene Scheiter mit 10°/, Prügel zu 420 S. Es notierten r ^Nadelholz -Rundholz: Schleifholz, Fichte, 29 S.. Grubenholz, 10 bis 20 Zentimeter, 32 S. 6) N adelholz-Schutttmatertalr Fichte und Tanner Gerüstpfosten. 50 Millimeter, von 16 Zentimeter aufwärts, 65 S., Kistenware, 19 Millimeter. 8 bis 17 Zentimeter, 8 bis 6 Meter 59 S., Kistenware, 20 Millimeter, 10 bis 17 Zentimeter, 3 bis 6 Meter 57 S. Ausländische Börsen. Berlin. Gelsenkirchener, Phönix und Rheinische Braunkohlen setzten etwas höher ein. Es entwickelte sich hauptsächlich ein liltimogeschäft, obwohl amtlich noch der Medio notiert wurde. Elektrizätswerte waren abgeschwächt. Die Kursschwankungen bewegten sich in mäßigen Grenzen, da die Börse genug innere tü'ide-'stä'r-L^sähigkeit zeigte. Bon ausländischen Renten wurden österreichische Eisenbahnprioritäten und rumänische Anleihen höher bezahlt. Tägliches Geld war zu 4 bis 5,76 und Monatsgeld zu 6,75 bis 7 Prozent leicht erhältlich. — Prag. Die Börse erösfnete mit teilweise gebesserten Kursen. Später trat eine Abschwächung bei sehr ruhigem Geschäfte ein. Arbitragepapiere notierten durchwegs niedriger. Der Markt der Maschinenfabriken blieb vernachlässigt. Heimische Banken waren ohne Veränderungen, Wiener behauptet. In der Kulisse erhielt sich die schwache Haltung bis zum Schlüsse. Die Schlußtendenz war uneinheitlich. Anlagewerte konnten sich in der Mehrzahl bessern, Exoten und Devisen waren meist behauptet. — Bndape st. Die Börse verkehrte in lustloser Haltung. Die Eröffnungskurse stellten sich zwar höher als der gestrige Schluß, mußten sich aber im Verlaufe auf ungünstige Wiener Marktberichte Einbußen gefallen lassen. Erst kurz vor Schluß nahm die Spekulation wieder Deckungen vor, so daß sich das Kursniveau wieder heben und die meisten Papiere mit Besserungen den Verkehr verlassen konntet:. Der Schluß war wieder ruhig gehalten. Wiener BSkse. Geschäftslos. — Schwach. — Der Sturz ft« Btkititttt Maschine» fabriksartken. Die gestrige Börse erhielt das Gepräge durch das Kur» debakel der Aktien der Brunner Maschinenfabriks-A.-G., über di bereits seit einigen Tagen die wildesten Gerüchte umlaufen. Di seit einiger Zeit im Gange befindliche Sanierung der Gesell schaft, die man für möglich hielt, wenn eine Zusammenlegung de Aktien 2:1 vor sich ginge, scheint sehr schwierig zu sein. Die Ez pertise ergab, daß die Aktienznsammenlegttng m Verhältnis 4: erfolgen müste, wenn es überhaupt möglich sei, das Unternehme: zu retten. Um Weiterungen im Börsenhandel mit den Aktien de Brünner Maschinenfabrik zu vermeiden, hat, wie wir bereit gestern berichten konnten, die Prager Börse den Handel mi Brünner Mafchinenfabriksaktien in der Kulisse verboten Infolgedessen versuchten Präget Interessenten, Brünner Ma schinensabriksaktien auf dem Wiener Platze abzusetzen, was gleiö bei Börsenbeginn einen Kurssturz dieses Papieres von 190.00« auf 158.000 hervorrief. In der Folge wich der Kurs der Brünne bis auf 145.000, konnte sich dann durch leichte Arbitrageuni Deckungskäufe ans Prag etwas erholen. Das Papier schloß zun tiefsten Tageskurs bei einem Kursverlust von 37.900 Kronen. In Zusammenhang mit diesem Kursdebakel toat der gesamte Mark gestern ungttmtig beeinflußt, insbesondere . ermäßigten sich auc! die anderen Montanwerte. Nur Alpine konnten 2600 Krone: durch Prager und Berliner Käufe gewinnen. Im Verlaufe de« Börsentages trat bei geringem Geschäft eine gleichmäßige Ab schwächuna fast aller Kulissen- und Schrankenwerte auf. Di< Börse schloß in matter Stimmung. Nur Renten konnten geger Börsenschluß ein wenig anziehen, Notierungen t m S t e l l a g e.v e r k e h r. EZ notierten per Ultimo «September: Oesterreichische Kredit 24.00k bis 30.000 K., Staatsbahn 50.000 bis 60.000 K., Alpine 60.000 btt 70.000 K., Rima 92.000 bis 40.000 K.. Salgo 60.000 bis 70.000 K Per Ultimo Oktober: Oesterreichische Kredit 34.000 bis 42 000 Kronen. Staatsbahn 75.000 bis 95.000 K., Alpine 75.000 Btl 95.000 K., Rima 48.000 bis 60.000 K., Salgo 85.000 bi» 105.000 St Exoteur Mraznica 25.000 bis 26.000 K., Universale Bar 12.000 bis 13.750 K. Quoten: Franz-Iosefs-Bahn-Schuld 24.500 K., Nord« westbahn - Schuld 6900 K.. 1887.Nordbahn- Prioritäten 21.000 K, Franz-Josefs - Baku--Prioritäten 35.500 K., Oesterreichische - Lokalbahn-Prioritäten 22000 K.. Nordwestbahtt-Prioritäten A 29.000 K 1885-Nordwestbahn-Prioritäten 11.000 K. die SeDifenlurfe. Zürich, 16 September. cDeviseuttmv von 12 Uhr.) Paris 14.78% (14.70;, uoiioon 25.11'/, (25.12), Neiv-Uort 517.12 (517.50), Brüssel 14.17'/, (14.15), Mailand 18.67»/, (18.50), Madrid 79.12»/, (79.20), Holland 207.40 (207.55), Vertu, 123.15 (128.22'/,), Wien 78.- (73.03»/*), Stockholm 138.33'/. (198.40), Oslo 113.95 (—.—), Kopenhagen 137.97 (137.40), Sofia 8.74 (3.75), Prag 15.32'/, (15.33), Warschau (-.-). Budapest 0.007260 (0.007260). Belgrad 9.14'/, (9.14V«), Bukarest 2.61'/« (2.60), Buenos Aires 209.50 (209.75). Budapest, 15. September. (Devisenkurse —. Eigenbericht.) Amsterdam 28580. Belgrad 1260.—, Berlin 16981. Bukarest 856.—, Brüssel 1995, Kopenhagen 18940, London 346200, Mailand 2545. New-York 71310. Paris 2016. Prag 2111.£0, Sofia 516.—, Stockholm 18070, Warschau 7900, Wien 10066, Zürick 13.789. Praa, 16. September. (Devisenkurse.) Berlin 803.76 s803.75), Zürich 653.— (653.-). London 163.75 (163.75). New-York 33.70 (83.70), Paris 86.05 <95.6750), Belgrad 59.62 (59.62), Budapest 4.69075 (4.691 l Bukarest 16.925 (15.9251 Wien 476.05 dis 479.05 (476.05), für 100 Schilling, Warschau,?73.60 (374.-), Jugoslawische 59.35 (59.95-, Ungarische 4.0825 (4X850). Polnische 374 50 (375.-), Oesterreichische gestempelte Krpnö M.- (474.12. Belgrad, 15. September. (Devisenkurse.) London 274.65, Paris 161.—. New-Dork 56.46, Genf 1098.50, Mailand 205.—, Prag 167.65, Berlin 1847.-, Wien 796.— Bukarest , Sofia —, Budapest 0.794. Brüssel —, Amsterdam — Warschau —. Warschau» 15. September. (Devisen.) Belgien 24.74 bis 24.98, Berlin bis —.—, Holland 360.85 bis 36265, London 43.88 bis 48.90, Rew-Aork 898.— bis 902.— Paris 36.84 vis 25.96. Schweiz 178.96 bis ■ 174.84, Budapest —.— bis —Prag 26.66 bis 26.78, Wien —.— bis —filr 100 Schilling, Italien 32.52 bis 32.63 Stockholm —bis ^owft’verFag^Wien- Leipzig Fortsetzung Zakardaj. Mm Mische Legende. In weniger als einer halben Stunde trat, von dem Höfling geführt,' ein Mann ein, der gleich mit seinem Erscheinen alle Herzen für sich gewann. Mit sichtlichem Vergnügen ruhte das Auge des Fürsten auf dem bescheidenen Gelehrten, der nach der zeremoniellen Begrüßung gesenkten Hauptes vor ihm stand. „Tretet näher, gelehrter Mann!" — ließ jener endlich mit wohlwollender Freundlichkeit sich vernehmen. — „Der Ruf Eurer Gelehrsamkeit ist bis zu meinen Ohren gedrungen; ich habe gehört, wie vielen Elenden Ihr schon Beistand geleistet habt. Würdet Ihr Euch wohl getrauen, meinem armen Sohne zu helfen, an dem schon so viele vergeblich ihre Kunst versucht haben?" „Bei Gott ist die Hilfe" — erwiderte der Arzt — „vielleicht hat er mich dazu ausersehen, das Werkzeug seiner Gnade zu werden/ Nach dieser kurzen Unterredung schritt man ins Krankenzimmer. Hier lag - der Prinz in todesähnlichem Schlummer, die Wangen tief eingefallen, die Augen weit in ihre Höhlen zurückgedrängt. Kaum daß noch der leise Hauch eines Atemzuges durch den halb geöffneten Mund hinwehte. Alle blieben betroffen am Eingänge des Gemaches stehen. Der Arzt betrachtete die Züge des Kranken mit großer Aufmerksamkeit, dann trat er näher, und nachdem er den Körper des Prinzen sorgfältig' betastet hatte, begann ein heiteres Lächeln seinen Mund zu umspielen. Dann griff Satiscarus in ein mitgebrachtes Kästchen und träufelte den Inhalt einer kleinen Phiole auf die Lippen des Kranken. Sogleich ging mit ihm eine merkliche Veränderung vor. Die Atemzüge wurden ebenso rasch und heftig, als sie früher leise gewesen, und Unruhe bemächtigte sich aller Glieder. Der Fürst, bet diesem Anblicke so wie die ganze Begleitung von Schauer durchrieselt, da es ihnen allen eine Totenerweckung dänchte« konnte nicht umhin, mit hebender .Stimme zu fragen: „Um Gott! wie wird das werden?" „Beruhigen Sie sich, Fürst!" — erwiderte leise der Arzt. — „Noch glimmt der Lebensfunke, ich bin zeitig genug gekommen, dem Fortschritt des Nebels vorzubengen. Mit Gottes Hilfe hoffe ich ihn zu retten!" Der Fürst gab sogleich Befehl, dem Arzte in allen Anordnungen unbedingt zu willfahren und hilfreiche Hand zu leisten. Und als der Gelehrte durch einen Wink zu verstehen gegeben hatte, daß der Kranke der Ruhe bedürfe, entfernte er sich alsbald mit seinem Gefolge. Bon Tag zu Tag besserte sich nun der Zustand des Kranken unter der geschickten Behandlung des Arztes, frisches Leben begann die Adern zu durchkreisen, die Kraft der Jugend kehrte in die Glieder zurück. Noch waren keine drei Wochen vergangen, als der Vater schon die Freude genoß, sein Kind gesund und lebensmutig zu sehen. Nun herrschte wieder Jubel in der weiten Residenz. Nebst dem glücklich geretteten Prinzen aber bildete niemand jtztzt mehr den Gegenstand aller Gespräche als der treffliche Arzt Satiscarus, den keiner genug preisen und erheben konnte. Der bescheidene Mann aber hatte sich gleich nach vollbrachter Tat wieder in seinen dunklen Aufenthalt zurückgezogen, bis er eines Tages mit außerordentlichen! Glanze abgeholt wurde, um vor den Fürsten geführt zu werden. Der ganze Hof war versammelt, als der Arzt eintraf; hinter dem Fürsten stand in blühender Gesundheit Prinz Johann. Sogleich eilten Vater und Sohn auf ihn zu, um durch Umarmungen seine Verbeugung zu hindern. „Edler Mann" — sagte der Fürst, nachdem er in einen! längeren Gespräche Gelegenheit gehabt hatte, den außerordentlichen, in allen Zweigen des menschlichen Wissens tief bewanderten Geist des Mannes kennen zu lernen — „teuerster >Netter ureines einzigen Kindes, wie kann ich e8 Euch würdig lohnen, daß Ihr mir mein Lebensglück erhalten habt? Bei Gott schwöre ich, es'soll mir nichts zu viel sein, was immer Ihr auch fordern möget, wenn es nur in den Grenzen meiner Macht liegt." Mit Spannung harrten alle der Antwort des Arztes. Doch dieser war in Nachstnnen versunken und ließ auf die Erwiderung warten. Endlich sprach «r mit bebender Stimme: „Nicht Schätze sind es, Herr, und nicht Reichtümer, die einen Reiz auf.mich üben. Aber eine Wunde möchte ich heilen, eine schmerzende, klaffende Wunde, an der mein Herz mit verblutet. Und da können nur Euer Durchlaucht der Arzt sein. O, daß Sie ebenso den Willen dazu hätten als die Macht! Herr, jenes schreckliche Edikt, durch welches Euer Durchlaucht tausende Ihrer Untertanen ins Elend hinausstoßen, das zerschmetternd auf unschuldige Söhne des ältesten und ehrwürdigsten Volkes fällt, es hat auch meinem Herzen einen tödlichen Streich versetzt. Was können Euer Durchlaucht mir noch bieten, da meiner Seele aller Friede, da mir sogar die Heimat genommen worden, da ich meine armen Brüder in die Verbannung getrieben sehe? Ja, auch mein Los ist unter das jener Elenden gefallen, auch mein Fuß muß flüchtig wegeiten von diesem Boden; denn auch ich bin ein Jude!" In unendlichem Erstaunen trat der Fürst bei diesen Worten zurück. Größte Ueberraschung malte sich auf den Gesichtern aller Anwesenden und Stille trat ein, bis der Arzt mit erhobener Stimme fortfuhr: „(Sin Jude bin ich und stolz daraus, jenem unglückseligen Volte anzugehören, das seit Jahrtausenden flüchtig von Land zu Land eilt, um die Ruhe zu erjagen, die vor ihm flieht. Ein Jude, der die Schmach seines Volkes doppelt fühlt, da sie unverdient ist, der weiß, welcher hohe Beruf seinem Volke geworden ist, für welche Treue, Ausdauer und. opsermutige Anhänglichkeit eS schon so lange duldet und blutet. — Ein Sohn, Durchlaucht, war es, der Sie in solchen Jammer versetzt hat, und Er, der. Gütige, der Herr des Weltalls sollte gleichgültig das Leid tausender feiner Geschöpfe anschen? Gortsetzmg folM. verursachen hLufig furchtbare Schmerzen. Dar vlelmillione>'?e.ch Dewährie Kuktrol-HUHneraugen-Pflaster befreit Sie davon Or :■« PackiliN kostet nur 8 1.25. 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