Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2715 (15.9.1926)
- Date
- 1926-09-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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fSHtftte fflltftfttftftftiiiit* 15. September IM Nr. S71k Weite 5 -Men. Mittwoch Borgemerkten di« endgültige Aufnahme;n ermöglichen. Schon in den nächsten Tagen werden sämtlich« vorgemerkten Parteien — sowohl jene, die ausgenommen werden konnten, als auch jene, die bedauerlicherweise nicht mehr berücksichtigt werden konnte» -- schriftlich benachrichtigt werden. Für die l. Kategorie (IN Schilling für monatlich eine Opern- und zwei Burgtheatera»sfiihrungen) konnte noch eine Reihe von Plätze» zur Verfügung gestellt werden, so daß für diese Kategorie bis längstens 2t',. d. noch eine beschränkte Anzahl von Nenanmeldungen in der Generaldirektiou der Bundescheater entgegengenommen' wird, schließlich wurde — beginnend mit der für November bestimmten Oktobereinzahlung — der Preis der Kategorie 3, der im Verhältnis zu den neuen Zitzpreisen zu hoch gewesen wäre, auf 12 Schilling ermäßigt. Neue Opernwerke. Eine nicht geringe Zahl von Uranftührunaen steht auf retaSdeut chen Büonrn bevor. Ernst st t e n e i tu gleich mit zwei Opern be'etligt: ,O r v h e u S u n d E u r y, d i k tm (Buch von Kokoschka) und ,J o h n n y spielt a u f" snach eigenem Text). D«e Urauffühnrngen finden in Kassel, be« -iehnngSwetse Leipzig, statt. Goethe- .C l a v i g o" hat Max E t t t n g e t vertont. Da« Werk geht in Lelp-iq noch tm Monat O'tober in S ene. Tie Berl ner Staatsoper hat sich die Urauftühtun« von Kurt W e t l l S neuer Over .Roval Palace" cesichert. de» Komponisten der in Dresden erfolgreich aukoeführten Over .D e r P r o t a g o n i S." Euaen d'A l b e r t kommt am LvernhauS -u Frankfurt mit ke'nem neuen Werke ,D e k G o l e m";u Wort. Der Autor des Balletts ,KleinJdas Blumen" Paul o. K l e n a u oat eine Oper „Die L a st e r » ch u l e" vollendet, die in Frankfurt herausgebrackt wird. Köln bringt das Werk de» jungen Nufsen Alexander T f ch e r e v n t n, die Over »O l - O l". Text von Leonid Andrejew. Leo I a n a c e k S,D t Zache Makrovolus" (nach dem Drama von Capek) wird an den Bühnen in Prag und Brünn zur ersten Aufführung ge langen. — ES ist peinlich, in der Musiksiadt Wien von so zahl 'e'chen neuen Schöpfungen der Tonkunst zu erfahren, die — anderwä t« in Szene geben. Franz Moor in Oxfordhose. Was Shakespeare widerfuhr könnt« Schiller nicht erspart bleiben. Anläßlich der jüngsten Aufführung seiner „R ä u b e r" im Berliner Staatstheater sah man Franz Moor in einer tadellosen Oxfordhose seine Intrigen spinnen, spiegelberg wählte für diesen Abend zum defekten Cutaway einen braunen Steifhut und Amalie erschien im Abendkostüm mit Pusfärmeln der NeunzigeHahre. Nicht mit Unrecht fragt ein Berliner Kritiker: „Braucht ein wahrer Revolutionär dre Hosenbeine von 1926, wenn er den Geist von 1926 beschwören will?" Di« Zahl der Theater in Europa. Eine französische Kunst Zeitschrift hat die Zahl der Theater in den europäischen Ländern gezahlt. An der Spitze sieht Frankreich mit 544 Tbea'ern. Dann folgen England mit 372 und Deutschland mit 364 Tbeatern. dann Spanien, da» 288 Theater aufweist, ibm folgt Österreich mit 75 Tbeatern. Dann kommen Rußland mit 62. Belgien mit 94. Holland mit 56. Schweiz mit 43. Schweden mit 37. Norwegen mit 28, Serbien mit 18 Theatern uiw. Bei dieser Statistik find Wandertheater. Tbeatertuwven. die in den Sälen spielen uiw. nicht eingerechnet. auch die Kino» nicht. Die Zahlen stellen den Bestand des vorigen Jahres dar. Rußland hatte vor dem Kriege 150 Jhearer. vereine. BortrSge und Versammlungen. H i t u S d u t h. 2. Bez., Glockenaasse 30. Heute. '/,8 Uhr abend», Plenarversammlung Wegen der Wichtigkeit der TageSord nung werden die Mitglieder ersucht, unbedingt zu erscheinen. — Hebräischer Kindergarten, 20. Bez., Otbmargasse 46. Soal I, ist «öffnet. Einschreibungen täglich (außer Samstag und Feiertage) non 3 bis 7 Uvr abends. — Hebräische Schule der Histadrutb Hanaschim. Der Unterricht (unter Leitung Frau Esther Schwarz) hat bereitbegonnen und wird 20. Bez., Othmargasse 46, im Saal ll, abgehalten. Talmud-Thora und hebräische Sprachschule für den 4. und 5. Bezirk. Die Einschreibungen in obige Schule (Siebenbrunnengafse 1 a) finden Sonntag den 19. d. von 9 b>8 12 Uhr vorm'ttags im Temvelgebäude. 1. Stock, statt. Schulbeginn Sonntag den 3. Oktober. 9 Uhr vormittags. Der Unterricht ist v o 11 f o ftt m e ti kostenlos. Die jüdischen Eltern des 4. und 5. Bezirkes werden hiemit aufgefordert, ihre Kinder in diese vorzüglich geleitete Schule recht zahlreich zu schicken. Hebräische Schule der Sektion Prater. Einschreibungen in d'e umer vävagoaiicher Leitung von Me.er C h a r t i n e r neugegründete dretklassige hebräische Schule, mit täglich zweistündigem Unterricht, mit Ausnahme SamStaq, von 5 bis 9 Uhr abenvS im >m Sektionsheime, 2. Bez.. Jungstraße 8. Beginn des Unterrichtes deute den 15. d. Gerichtssaal. ArbeitilosennateMhung ist kein dinfommttt. Ein interessanter ANmentationsprozeß vor dem Obersten Gerichtshof. Die Comptoiristin Margarete K l i u g c r klagte ihren Barer auf Zahlung von Alimenten, da sie postenlos sei und von der Arbeitslosenunterstützung nicht leben könne. Während das Bezirksgericht sich der Anschauung der Klägerin anschloß und dem Klagebegehren Folge gab, wies das Zivillandesgericht das Klagebegehreir ab, weil durch die Arbeitslosenunterstützung der notwendige Unterhalt der Klägerin gesichert sei. Gegerr diese Entscheidung brachte die Klägerin die Revision an den Obersterr Gerichtshof ein, der der Revision Folge gab und das bezirksgerichtliche Urteil wieder hergestellt. In der Begründung wird hervorgehoben, es sei klar, daß die Arbeitslosenunterstützung eben nur eine Unterstützung ist. Die Art ihrer Bemessung zeige deutlich, daß sie nur den notwendigsten Unterhalt sicherstellen will und dies nur auf beschränkte Dauer. Ein Erpressungsversuch an Basel. Vor dem St. Pöltuer Schöffengericht hatte sich der 19jähriae Gerbergehilfe Franz Z e y m a wegen Ervressungsversuches, begangen arr dem Bankier Siegmund B o s e l, zu verantworten. Zeyma schrieb an Siegmund Basel anonyme Briefe, in denen er ihn aufforderte', 100.000 S. zu zahlen, widrigenfalls er ermordet tvürde. Zeyma wurde zu sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt. Wieder eine Kindesmörderin vor Gericht. Gestern hatten sich die Geschworenen abermals mit einem Fall von Kindesmord zu beschäftigen, der an Grairsamkeit wohl seinesgleichen suchen muß. Die 27jährige Hausgehilfin Julie Burianek, die bei der Kaufmannsaattm Frida Ullmann bedienstet war, hat am 28. April ihrem neugeborenen Mädchen im Klosett mit einer Schere de n Kopf vom Rumpfe getrennt, obwohl ihre Dienstgeberin ihr vor der Niederkunft wiederholt Hilfe angeboten und die Schwangere zärtlich betreut hat. Zu ihrer Verantwortung gab die Angeklagte an, daß sie sich zur der Tat, die sie in einem Zustand der Sinnesverwirrung begangen haben will, nur aus Furcht vor Entlassung habe hinreißen lassen. Während der Verhandlung bekam die Burianek förmliche Tobsuchtsanfälle und geriet, als ihr der Vorsitzende das Mordwerkzeug zeigte, in derartige Erregung, daß sie aus dem Saale geführt werden mußte. Die Geschworenen beantworteten die Hauptfrage auf Kindesmord mit 11 Stimmen ja und die Zusatzfrage auf Sinnesverwirrung zur Zeit der Tat mit 8 Stimnten nein. Sie baten unr äußerste Milde, weil die Angeklagte für ein uneheliches Kind zu sorge» hat. Der Gerichtshof verurteilte die Burianek zu 15 Monaten schweren Kerkers. Auch das Urteil konnte der Angeklagten nicht verkündet werden, da sie einen Tobsuchtsanfall erlitt und aus dem Saale entfernt werden mußte. Der Dozent als Dollarfalscher. Aus Lemberg wird gemeldet: Wie seinerzeit berichtet, wurde im Oktober vorigen Jahres auf der Lemberger „schwarzen Börse" von einem elegant gekleideten Herrn eine Hunderidollarnote verkauft, die der Käufer bald nachher als Falsifikat erkannte. Als kurze Zeit hierauf dieser Herr abermals auf der „schwarzen Börse" eine Hundertdollarnote zum Verkauf anbot, wurde er vom Kärrfer des ersten Falsifikates erkannt und der Polizei übergeben. Der Verhaftete legitimierte sich als Ingenieur BoleÄaus Paykart. Diefer Vorfall erregte damals besonderes Aufsehen, da der Verhaftete als eine bekannte Persönlichkeit der Lemberger Jndustriekreise sowie als ehemaliger polnischer Major und Dozent der Technischen Hochschule hohes Ansehen genoß. Die sofort eingcleitete Untersuchung ergab, daß Ingenieur Paykart in seiner in der Umgebung von Lemberg gelegenen luxuriösen Villa ein mit den neuesten photographischen unelektrochemischen Behelfen eingerichtetes Laboratorium besaß. Man fand dort 29 fertige Falsifikate von Hundertdollarnoten sowie verschiedene Klischees und Farben, ebenso das hierzu verwendete Papier und alle Vorrichtungen zur Erzeugung von Dollarscheinen. Vor dem Untersuchungsrichter gab Paykart an, daß er die bei ihm Vorgefundenen Einrichtungs- Gegenstände nur für wissenschaftliche Experimentierzwecke, ohne irgend welche betrügerische Absicht, verwendet hätte. Bei der vor dem Lemberger Geschwornengerichte jetzt stattgefundenen Verhandlung blieb der Angeklagte bei dieser Verteidigung. Die Geschwornen verneinten mit elf Stimmen die Schuldfrage, weshalb der Angeklagte von Schuld und Strafe freigesprochen wurde. Der Staatsanwalt hat die Nichtigkeitsbeschwerde erhoben. Bottswirt. knMches Kapital in Palöfttrm. Die Entwicklung von Haifa. - Ein Salztrocknungsnnternehmen. (Von unserem palästinensischen Berichterstatter.) Für die Zu>kunst der Industrie Palästinas scheint Haifa, dessen Hafen von England favorisiert wird, die größte Bedeutung annehmen zn wollen. Die dort angelegte Mühle des Baron Rothschild, deren Kapital 100.000 Pfund beträgt, die jetzt — ebenfalls von Rothschild — in der südlich von .Haifa gelegenen Kolonie Benjamin« in Betrieb gesetzte Fabrik ätherischer O e I e, das mit einer Leistungsfähigkeit von 60.000 Tonnen jährlich begründete Unternehmen der Nescher-Zementgesells ch a f t in Haifa, die über ein Kapital von 300.000 Pfund verfügt, beweisen am deutlichsten die Konzentration der Industrie in der Gegend von Haifa. Mit ihrem traditionellen Geschäftsblick haben nun die Engländer erkannt, daß dieses neue Industriezentrum eine gute und rentable, Entwicklungsgrundlage davstellt, und so scheint jetzt der Augenblick gekommen zu sein, wo das rein geschäftlich arbeitende englische Kapital in Palästina mit dem dort bisher ausschließlich dominierenden jüdischen Kapital in Wettbewerb tritt. Wie Ihr Korrespondent erfährt, ist vor kurzem ein Teil der Aktien der jüdischen Zement fabrik Ne sch er in englischen Besitz übergegangen. Ueberdies hat, wie verlautet, die englische Gesellschaft Jackson, welche erst vor kurzem die neue große Wasserleitung für Jerusalem fertiggestellt hat, einen Teil der Aktien der Haifa-Bai-Gesellschaft erworben, die den Landstrich zwischen Haifa und Acco kolonisieren will. Diesen Vorgängen ist erhöhte Aufmerksamkeit beizumessen. Die Aufhebung des alten türkischen Salzmonopols in Palästina gibt die Möglichkeit der Schaffung einer Salzindustrie. Bon dieser Möglichkeit hat jüdisches Kapital bereits Gebrauch gemacht. Eine jüdische Gesellschaft hat bei Athlith südlich von Haifa mit einem Kapital von 40.000 ägyptischen Pfund Salztrockenanlagen auf einem Terrain von 600.000 Quadratmeter begründet; diese Anlagen sind ähnlich denen der Egyptian Salt Company in Port-Said. Auch dieser Industriezweig verspricht eine günstige Entwicklung Tschechoslowakischer Handel mit Rußland. Aus Prag wird uns geschrieben: Dem Geschäft mit Nutzlano wird in der Tschechoslowakei zunehmendes Interesse entgegengebracht. So wird im Zentralverband der tschechoslowakischen Industriellen gegenwärtig eingehende die Frage der Rußlandk r e d i t e unter Zugrundelegung der diesbezüglich im Ausland getroffenen Maßnahmen erörtert. Parallel damit laufen Verhandlungen zwischen der Böhmischen Eskomptebank, der Böhmischen Unionbank und dem Bankhaus Petschek über die Gründung einer Gesellschaft zur Förderung des Rußlandg e s ch ä f t e s, die sich zunächst wenigstens nicht mit der Finanzierung oder Garantierung/ sondern nur mit der Vermittlung, beziehungsweise Anbahnung solcher Geschäfte befassen soll. Zweifellos haben die verschiedenen Bestrebungen nach Förderung des Rußlandgeschäftes auch schon zu beträchtlichen Erfolgen geführt. So hat eben erst wieder eine tschechoslowakische Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen einen Auftrag zur Lieferung von Pflügen im Werte von zirka einerMillionDollar erhalten. Allerdings sind diese Erfolge nur im schwersten Kampfe mit der deutschen Konkurrenz zu erzielen, die in den meisten für die Tschechoslowakei in Betracht'kommenden Exportartikeln Rußland ungewöhnlich günstige Bedingungen zu stelle-' in der Lage ist. kM'v-Nr^l-a- Leipzig 13- Fortsetzung Iakardaj. Eine jüdische Legende. Sie kam endlich, die freundliche Röte im Osten, aber ,u erneutem Leid. Wieder versammelte man sich in der Synagoge, Klagen und Seufzertönten aus allen Ecken und Enden. Und als gar erst der Rabbi an die heilige Lade hintrat und mit mächtiger und in das Innerste des Herzens dringender Stimme über das hereinbrechende Unheil zu sprechen begann, zur Buße und Rückkehr zu Gott mahnend, da war kein Maß dem Wehgeschrei; in Verzweiflung schlug man sich an die Brust und lautes Weinen uud Stöhnen erschütterte die Luft. Doch der Herr schien sein Auge von ihnen abgewendet zu haben. Vergebens boten die Angesehensten im Volke ihre ganze Kraft auf, jenen Befehl rückgängig zu machen; ja, einige der Aufopferndsten und Kühnsten drangen sogar bis zum Fürsten selbst vor, um ihn durch ihr Flehen zur Gnade zu bewegen. Doch obwohl er sein Herz bewegt fühlte von so großem, unverschuldetem Unglück, konnte er doch den Worten seiner Räte nicht widerstehen, die ihn bei dem Wohle seiner christlichen Untertanen beschworen, sich doch von den Bitten jener Feinde seines Glaubens nicht beirren zu lassen. » Der Karneval durchrauschte inzwischen die Residenz, groß und klein stürzte sich in den Strudel der Vergnügungen. Besonders am Hofe waren die Festlichke'.'ten.diesmal sehr glänzend. Eine lustige Feier folgte der anderen, deren jede an geschmack- und phanlcsievoller Anordnung immer die vochergehrpden zu überbieten strebte, und wenn man des Morgens -ermüdet auf weichem Diwan sich hinstreckte, so geschah es sicherlich nur, um neue Kräfte für den Abend zu sammlen. Aber die Sonne, von der all dieser Glanz auSstrahlte, war Prinz Johann, der junge Thronerbe. In der Blüte sich entfaltender Männlichkeit, strotzend von Kraft und Le'bensfülle, war er nicht imstande, dos soeben erst aufslrckernde Feuer mutvoller Jugend zu zügeln, in Wildem Drange trieb es ihn aus einem Jubelraüsche in den andern, aus einem Abenteuer in das andere. Es war an einem solchen festlichen Abend. Aus den entferntesten Teilen der St.dt erdröhnten die ihellen Stimmen -der Trompeten, die dumpfen Töne der Trommeln .und Pauken, die Straßen waren erfüllt von einer bunten Mmge, die in prächtigen Gmändern in die festlich geschmückten Säle strömte, um hier in toller Selbstivergessenhit sich der lockenden Lust in die Arme zu werfen. Mer hörte bei solchem Jubel die dumpfen Seufzer, die im entlegensten Winkel der Stadt so vielen angstgequälten Herzen sich entrangen? Prinz Johann selbst, der .Held des Tages, hatte sich 'bereits müde getanzt, i>u einem entserntern Gemache süß er, von lustigen Gesellen umringt, jubelnd und jauchzend beim Weingelage. Wieder einmal hob er jetzt den gefüllten Pokal, uni einen luftigen Toast auf ein schönes Kind auszubringen. Tie Genossen, die schon ein übermütiges Lachen vorbereitet hatten, erstarrten plötzlich; denn der Becher war der Hand des Prinzen entsunken, sein Inhalt übevströmte den Tisch. Auf dem schönen Antlitz des Prinzen lag Totenblässe. Und ehe sich noch eine helfende Hand hätte dar'dieten können, siel der Prinz zu Boden. Da wurde plötzlich Mes rege, aus allen Sälen und Geniächern stürzte man hevbri, lauter Jammer erfüllte bald alle-Räume; denn der Prinz schien tot. Zwar gelang es der angestrengten Bemühung -er .schnell herbeigeholten Aerzte, ihn doch endlich Wieder zum Leben zurückzuruseu, aber zu welchem Leben? Bon sieberischer Glut erfüllt, schien er dem Wiahnfinn preisgegeben. Tie Nachricht vom Unfall des fürstlichen Jünglings verbreitete sich wie ein Lauff.uer, oller Jubel in der Residenz verstummte und Trauer trat an die Stelle der Freude. Vpn allen Seiten wurden iie geschicktesten Aerzie herbeigeholt, zu helfen.und zu rjaten. Aber wie große Belohnung auch der Baker dem bot, der das Leben seines Sohnes rvtten werde, wie sehr auch alles.angewendet wurde, das junge hoffnungsvolle Leben zu erhalten, wie'viele auch den Versuch wagten, durch außerordentliche Mittel das Außerordentlichste zu erreichen, es blieb doch alles vergeblich; unwiderruflich schien des Schicksals herber Spruch, daß der Jüngling einem frühzeitigen Tode zum Opfer fallen solle. Da trat eines Tages in allgemeiner Versammlung ein Höfling vor und redete den Monarchen mit folgenden Worten an: „Möge Eure Durchlaucht.noch nicht ganz der Verzweiflung sich hingeben. Noch ist Hoffnung vorhanden. Es lebt in dieser Stadt in dunkler Zurückgezogenheit ein Mann, zwar noch jung, aber an Wissen und Kenntnis weit unsere ältesten Gelehrten überragend. StM und selbstgenüglich der Wissenschaft seine Tage weihend, wirkt er auch nur im Stillen in den niedersten Kreisen des Volkes, dessen Orakel er bereits geworden ist, durch seine ans Wunderbare grenzenden glücklichen Kuren; das Zutrauen zu ihnl ist denn auch außerordentlich, man ist fest überzeugt: wo Rettung möglich ist, dort hilft er. Erst vor einigen Tagen hat mir einer meiner Leute von den wunderbaren Kuren des Arztes Satiscarus erzählt, und kaum hatte ich die Kunde vernommen, als ich auch schon nach ihm sandte, um ihn Euer Durchlaucht vorzustellen, wogegen er, ebenso bescheiden als gelehrt, manche Einwendungen erhob. Ich erkenne es aber als Pflicht gegen Euer Durchlaucht, ihr diesen Arzt dringend zu empfehlen und inständigst zu bitten, keine Zeit zu versäumen!" Der Fürst war über diese Worte außerordentlich erfreut. „Sogleich Hose man den Arzt Satiscarus in meiner Staatskarosse herbei!" -7 lautete sein Befehl (Fortsetzung folgt.