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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-14 · Heft 2714 (14.9.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2714 (14.9.1926)
Date
1926-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Lienstag. 14, Septemver 1926 8. gahrgang Im redaktionelle» Tel! enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Tapeten Wallis Wien,Wippllngerstrasse 15 / Tel. 67307, 69292 Die Montagsnummer der „Wiener Morgenzeitung" mutzte infolge eines technischen Gehrechens in der Druckerei, , das am Morgen eintrat und nicht mehr rechtzeitig behoben werden konnte, entfallen. Die wichtigsten Nachrichten, die in dieser Nummer Platz gefunden hätten, sind in unserem heutigen Blatt nachgetragen. Für den unverschuldeten Ausfall der Montagnummer bitten wir unsere Leser um Entschuldigung. Frankreich gegen Gfo Protest der französischen Regierung. — Briand wird in Senf protestiere». Ser Völkerbund. Wer erhält die nichtständigen Ratsitze? Genf, 13. September. Die nächste Sitzung der Völkerbundversammlung findet morgen Dienstag nachmittags statt. Heute tagen die Kommissionen. Die B u d g e t k o m m i s s i o n hat die Beratungen über das Budget des Völkerbundes für das Jahr 1927 ausgenommen. Das Budget beläuft sich aus 2 4,6 6 0.0 9 7 Franken, das ist um 1,700.000 Franken mehr als im Jahre 1926. Der Unterausschuß der juristischen Kommission hat das Wahlreglement für die nichtständigen Mitglieder des VölkerÜundrates heute nachmittags zu Ende beraten. Es wird morgen in seiner revidierten Fassung der Vollkommission und Mittwoch dem Plenum vorgelegt werden. In dM Wahlreglement sind bereits alle wesentlichen Punkte deK Reformplanes der Atudienkomrnission nach dem Entwurf Cecil-Fromageot enthalten. Die bevorstehende ' Wahl in den Völkerbundrat bildet den Hauptgesprächsstoff in den Wandelgängen der Bölikerbundversammlung. Besonders eifrig verhandelten die' lateinamerikanischen Delegierten untereinander über die Verteilung der drei ihnen grundsätzlich zugebilligten Sitze, von denen je einer in die Kategorie für ein, zwei und drei Jahve zu wählenden Ratsmitglieder fallen soll. Man nimmt bisher allgemein an, daß B e l g i e n, S ch w e d e u und U r uguay auf ein Jahr wiedergewählt werden dürften, falls Schweden diese Wahl anzunehmen bereit ist, was bisher noch nicht feststeht. Für zwei Jahre sollen gewählt werden Rumänien, Holland und ein lateinamerikanischer Staat, nämlich Kolumbien, Kuba oder San Salvador. Auf drei Jahre sollen gewählt werden Polen, Chile und China oder Persien. Man spricht auch viel von der Möglichkeit der Wahl Argentiniens an Stelle eines der genannten lateinamerikanischen Staaten, doch ist man sich über die.Frage der Wählbarkeit Argentiniens noch nicht klar, da die argentinische Regierung zwar in letzter Zeit in verschiedenen Kommissionen des Völkerbundes vertreten ist, aber zu der Versammlung des Völkerbundes immer noch keine Delegation geschickt hat. Jbanez gegen Spaniens Austritt. Genf, 13. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der bekannte spanische Politiker und Schriftsteller Masco J b an e z, der als Flüchtlingin Paris lobt, hat dem Präsidenten . der Bölkerbundvevsammlung folgendes Telegramm gesandt: . „Als ein Vertreter der spanischen öffentlichen Meinung habe ich in dem Augenblick, wo diese durch die Zensur in Fesseln gehalten wird und ihre Sympathie für den Völkerbund nicht offen bekennen kann, die Ehre, vor den Vertretern der in Genf vereinigten Nationen der ganzen Welt zu erklären, daß, sobald die Diktatur durch eine Anstrengung des spanischen Volkes g e st ü rz t sein wird, die erste Sorge des neuen Spanien sein wird, seinen Platz in Genf wieder einzunehmen, um zu dem Friedenswerk des Völkerbundes das Seinige beizutragen." Paris, 13. September. In hiesigen politischen Kreisen herrscht wegen der Haltung der italienischen Presse anläßlich des Attentats auf Mussolini große Erregung. Der französische Geschäftsträger in Rom hat im Auftrag det französischen Regie.rung bei Mussolini offiziell wegen des Artikels im „Giornale d'Jtalia" protestiert und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die italienische Regierung Maßnahmen ergreifen werde, um eine Irreführung der öffentlichen Meinung in Italien zu verhindern. Der Hinweis Mussolinis auf Frankreich in seiner Ansprache vom Balkon des Palazzo Chigi, in welcher er erklärte, daß mit einer gewissen Duldsamkeit jenseits der Grenzen Schluß gemacht werden müsse, hat geradezu Entrüstung erregt; „Jntransingeant" meldet aus Genf, daß im Verlause der Völkerhundtagung eine Erklärung Briands über die antifranzösische Polemik der faszistischen Presse im Zusammenhang mit dem Attentat gegen Mussolini zu erwarten sei. Es wird weiter verhaftet. Rom, 13. September. Der Mann, der den Anschlag auf Mussolini ausführte, heißt in Wirklichkeit Gino Lucetti. Er ist seit dem 2. Februar in Rom. Die Polizei nimmt an, daß er das Werkzeug einer weitverzweigten Verschwörung ist und hat zahlreiche Verhaft u u g e n vorgenommen. Faszistische Morde in New-York. New-Aork, 13. September. Auf zwei an Lisas z ist is che Italiener, die in einem Auto in einer Straße des Jtalienerviertels fuhren, ist heute von Faszisten eine Bombe geworfen worden. Durch die Explosion sind die beiden Insassen getötet worden. RabikalisierungderBundesangestelltrn Bundeskanzler Dr. R a m e k ist gestern vormittags von Gens nach Wien abgereist. Er wird bei seinem Eintreffen die innere politische Lage so verworren wie zur Zeit seines Fahrtantrittes nach Genf vorfinden. In der Angelegenheit der Refundierung der vom Bund für die Zentralbank deutscher Sparkassen verausgabten 70 Millionen Schilling ist keinerleiFortfchritt während der Abwesenheit des Kanzlers erzielt worden.^ Auch die Bedeckung für die im Juli beschlossene N e u reg el üng d er.. A rb e i t s losenunterstützung durch die Getränkesteuererhöhung stößt noch immer auf den Widerstand der Sozialdemokraten. Genau genommen, scheint die krisenhafte Situation sogar verschärft. Bor der Abreise des Kanzlers nach Genf schien es, als ob sich die Beamten mit dem zugesagten Minimalgehalt von 150 Schilling monatlich zufrieden geben werden. Nunmehr hat die im sozialdemokratischen Fahrwasser segelnde Technische Union mit der S t r e i k d r o h u n g neuerlich die Bundesangestellten radikalisiert. Der Führer der Technischen Union, der sozialdemokratische Abgeordnete Zelenka, erschien gestern vormittags im Bundeskanzleramt und bemerkte dort, daß er mit dem Chef der Regierung dringend zu sprechen habe. Man möge den Bundeskanzler nach seiner Ankunft von diesem Wunsch sofort verständigen. Die Technische Union tut im übrigen sehr radikal und läßt verlauten, daß sie für ein Mindesteinkommen von 170 Schilling monatlich für alle öffentlichen Angestellten, für eine gleichmäßige Gehaltserhöhung all er und für einen Mindest bezug der Pensionisten kämpfen werde. Sollte es zum Streik kommen, so würden zuerst die Ministerien und die übrigen Aemter .vom Telephonverkehr ausgeschaltet werden. Der Fünfundzwanziger-Ausschuß, in welchem die sogenannten Hoheitsbeamten ihre Vertretung erblicken, scheint sich von der Technischen Union mitreißen zu lassen. Er hielt gestern eine Beratung über die in den bevorstehenden Verhandlungen mit der Regierung zu erhebenden Forderungen ab. Wie verlautet, bewegen sich die Auffassungen der Beamtenvertreter des Fünfundzwanzkger-Ausschusses im allgemeinen auf dem Boden der Forderungen, welche die Technische Union aufgestellt hat. In Regierungskreisen herrscht die Anschauung vor, daß der Vorstoß der Technischen Union auf Machenschaften der Sozialdemokraten zurückzuführen sei, die der Negierung ständig neue Schwierigkeiten bereiten wollen. Stenemhöhnng in Polen. U. Warschau, 13. September. Wie Ihr Korrespondent erfährt, plant die Regierung in der nächsten Zeit eine Erhöhung der direkten Steuern um 1p Prozent. Aus dieser Steuererhöhung soll das Erfordernis für die erhöhten Beamtengehalte gedeckt werden. Zer englische Grubenstreik. Die Bergwerksbesitzer lehnen eine Kollektivvereinbarung ab. London, 13. September. (Reuter.) Nach der Versammlung der Grubenbesitzer am Nachmittag wurde offiziell angezeigt, daß, ausgenommen die Organisation von Warwickshire, die Organisationen aller Distrikte entschieden haben, nationale Verhandlungen mit den Grubenarbeitern nicht anz u n e h m e n, Ein Brief in diesem Sinne ist Churchill übersendet worden. Morgen wird das Kohlenkonntee zusammentreten, um über die durch diesen Beschluß der Grubenbesitzer-geschaffene Lage ui beraten. Die Möchte in China. Die Kanonen am Iangtseflutz. Washington, 13. September. (Reuter.) Das Mavineministe« rium hat ein Telegramm vom 10. d. erhalten, wonach die amerikanischen Kriegsschiffe, nachdem sie von unbekannten Streitkräften in Hanyang ergebnislos stark beschossen worden wären, das Feuer erwiderten. Ein Telegramm aus Han kau besagt, daß das Feuer gegen die ausländischen Schiffe auf dem Nangtsefluß andauere. Das Bombardement der Stadt Wansien durch die Engländer habe den Chinesen riesige Verluste (angeblich 2000 Toto und 93 er wundete) gebracht; Antisemitische Wahlniederlage in Rnmöniea. Bukarest, 13. September. Bei den Ergänzungswahlen zum Parlament ist der berüchtigte Antisemit Dr. Lasoneu gegen den Dichter Mihai Sadoveanu unterlegen. Sadoveanu ist vor kurzem in einem Interview für die Erfüllung der gerechten Forderungen der rumänischen Juden eingetreten. _ Ae jüdischen Rechte in den ofteuropäischen Staate«. Beratungen jüdischer Parlamentarier über die Einberufung einer gesamtjüdischen Konferenz. New-Iork, 13. September. Stephen W i s e ist in New- ^ork eingetrosfen und hat mitgeteilt, daß Präsident Werzmann anfangs Oktober in Amerika eintresfen wird. Weiters erklärte er, daß in London Beratungen jüdischer Parlamentarier stattgefunden haben, die zu dem Beschluß führten, eine g e s a m t j ü d i s ch e Konferenz über die Fragen der jüdischen Rechte in den O st ländern einzuberufen. Die Konferenz, die auch von den jüdischen Organisationen A m c x y' kas beschickt sein wird, soll im August 1927 tagen. Ar private Iollarlarr in Palen. L. Warschau, 13. September. Der Dollar notierte heute im privaten Verkehr inWarichau 8.99, in Krakau 9.—% m in Preis, Qualität und Auswahl! 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