Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2712 (11.9.1926)
- Date
- 1926-09-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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j Polen risdt<myl Wie» ^uittABftöltiUfidil Hxpeditlon, »„Taboratf. 1*3* oder in einer Verschlelsitelle (Trafik) monatl. b Schilling Strassenverkaui in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, Wollzelle 11 Mit Postversand (ür Wien und Oesterreich monatlich ö Schilling 1 schecho-Slowakel: Mon. K22. Jugoslawien; Mon. Din. 60. Polen:Mon. 6Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, B el gl en: Mon. Frcs. 35 Wiener orgenseilung iPrWUgflfl England: Mon. 4 Schilling. Italien: MonitU « Ute. Rn minien: Mon. 170 Lei. Bulgarien »Mon.lÖOLevn. Schwele und das, übrige Ausland monatlich Fies. 5 Redaktion, Administration: Wien,II.Taborstr.l Telephone: 44^048,434*19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-242 DL, UnivCrsiUtsstrasse 64 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreiehisches Postspar. kasden-Korrtü Nr. 180.60*!Rt. 2712 Wien, Samstag, 11. Sevttmver 1926 8. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes K gekennzeichnet. Wieder ein Putschversuch in Griechenland. Plaftiras gegen Kondylrs. — Der Putsch unterdrückt. London, 10. September. Die ungünstige Lage des hellenischen Halbinselstaates, der nach einem verlorenen Krieg mit einer schier unlösbaren F l ü ch t l i n g s f r a g e belastet ist, öffnet den politischen Machenschaften von ehrgeizigen Militaristen und Abenteurern Tür und Tor. Die Militärdiktatur des Generals Pangalos wurde erst vor einigen Tagen durch eine ihrem Grunde wesensverwandte, nur. mit einem parlamentarischen Aushängeschild, versehene Militäroligarchie gestürzt und schon ist wieder der Versuch. gemacht worden, einen anderen OffiziersKüngel in den Sattel der politischen Macht zu heben. General P,last iras,.im wesentlichen in den politischen Methoden mit Kondylis,'dem gegenwärtigen griechischen Ministerpräsidenten, übereinstimmend und nur durch eine mehr r o y a l i st i s ch e Färbung nüanciert, hat mit..der repnbllkänischen Garde einen . M a r sch v o m Piräus nach Athen versucht. Angeblich sollen auch k o m m unistische Elemente bei diesem Putschversuch mitgetan haben. Es kam zu Straßen kämpfen in Athen, bei denen es nach den niedrigsten Angaben 40 Tote und etwa 100 Verwundete gab. Wie das Rcutevsche Bureau aus Athen meldet, ist die Ordnung wieder hergestellt. ' General Kondylis hat den Befehl gegeben, die r e p ublikan i sch e Garde aufzulosen. Sie weigerte sich und wurde'durch die dein Kondylis. ergebenen Truppen zur UebechMe -gezwungen: Sä herrscht jetzt offtzrell Ruhe in Griechenland Vis zum nächsten Versuch: irgend eines machtgierigen Söldnerführers, das Unglück der Nation für seine Zwecke auszunütz"" - ' Ausnahmezustand und Kanonen. Athen, 10. September./ Die,Madt ist heute wieder ruhig. Die Regierung hat den Aus n a h m e z u st a n d proklamiert. Patrouillen durchziehen die Straßen, an besonders belebten Punkten sind Geschütze und Maschineng.e wehr e aufgefahren. Präsident. K o-n d u r i o t i s, der sich auf der Insel Hydra anfhwlt, ist,heute nach Ath e n zurück-gekehrt. . . . Frankreich spart am richtige« Platz. Paris, 10. September. (Tel.-Konip.) DerMinisterrat hat sich heute weher m«t den E r i v a r u n g s nra.ß n a b nt eu 'be- IcHäftigt. Es wurde unter anderem beschlossen, in der A r m e e. bedeutende E r s p a r u n g e n vorzunehmen. Die Zahl der O'f f i (le r c soll um 3 7 0 0 v e r m i n d er t'iverdech wodurch deren Gei' ä m t z a h l a u f 2 8.0 0 0 gegenüber 85.000! im Ialire 1914 f ä l l t. Ferner soll die EinstelIungszeit s ü r d i e N e k r u t e u auf das 21.; Jahr verschoben werdni, wodurch sich schon für das Jahr 1927 eine Herab- > e tz'u itf) der Arm e c.ft arte ergeben wird. Bei der Kavallerie sollen 7000 Pferde w e n i g e r gehalten werden Sväter sollen weitere 10.000 Pferde aus dem Dienst genommen werden. Der R e m o n t e n d i e n st w i r d v o l i st L'n d i g ii fgelioben. 1V5 Kasernen werden außer B e t r t c b gesetzt, sviiier soll diese Zahl 850 betragen. Ser Streik km polnischen Kohlenrevier vermieden. Einigung auf erhöhten Lohntarif. Berlin, 10. September. Wie der „Vorwärts" aus W a r s ch a u meldet, haben sich die Arbeiter und Unternehmer des ostoberschlefischen Bergbaues auf eine Erhöhung der Löhne um' acht Prozent geeinigt. Die Lohnerhöhung' für' das' Hüttenwesen soll in Üen nächsten Tagen geregelt werden. Lar Schirdsgerichtrabkommep mischen Jugoslawien und Lesterreich. Genf, 10. September. Bundeskanzler Dr. R a m e k hat in den letzte» Tagen mit dem Präsiden en der PölleMuisveynnmMmg,- Tr. R i n e \ c, die schon in Belgrad , geführten Schiedsg e r i ch t s v e, h an d ln n g e.n wie hera n f g en o mw c n uns zu einem ko g e d c i hl ich e n Abfchn 1 tt geführt) daß vermutlich morgen die - P a r a v h t e r u n g d e S Bertragsjnstrument e ß, durch - die Reiben Reg^erungSchssss in Genf wird stattfinden können. Dr. R a m e k bleibt deshalb inÄenf. Er wird auch mit einer Reibe anderer Staatsmänner Besprechungen führen. Deutschland kommt und Spanien geht. Die offizielle Mitteilung vom Austritt Spaniens aus dem Völkerbund. — die feierliche Ausnahme Leulschlandr. — Briandgegen den kriegerischen Rationalismus. Madrid, 10. September. (Havas.) Die spanische Regierung hat dem Sekretariat des Völkerbundes offiziell milgeteilt, daß es sich aus dem Völkerbund z u r ü ck z i e h e. Spanien zieht sich vom Völkerbund zurück, weil ihm .der beanspruchte ständige Notsitz nicht, eingeräumt wurde. Die offizielle Mitteilung Spaniens an den Völkerbund war bereits seit einigen Tagen fällig, erfolgte jedoch erst jetzt, gerade nach vollzogener Aufnahme Deutschlands. Die Mitteilung der spanischen Regierung macht die in den letzten Tagen äufgetauchten Hoffnungen, daß Spanien nur zeitweilig dem Völkerbünde fernbleiben und nach erfolgter Wahl für einen nichtständigen Ratsitz wit dem Recht der Wivderwählbarkeit sich wieder an den Verhandlungen des Völkerbundes beteiligen wird, zunichtle. - 7 Die veutschen Lelegietten ln per Völkerbund- Versammlung. Genf, 10. September. Der Zudrang zu der Versammlung des Völkerbundes, in der sich der feierliche Einzug der deutschen Delegation vollzog, war ein ganz außerordentlich großer. Die Sitzung wurde Punkt halb 12 Uhr vom Präsidenten Dr. Nin ctc eröffnen der Hein Präsidenten der Nando.tKp.M»nqSkonmlifliöiL^MaSp<n^ : erteilte.. Dieser machte die Mtteilung>'daß' die^ Dokumente, der. deutschen Delegation geprüft wurden und daß festgestellt worden sei, daß die deutsche Delegation genügend bevollmächtigt sei. Hierauf ersuchte Präsident Nincic die Mitglieder der deutschen Delegation, ihre Plätze im Saale.einzunehmen. Nach einer kurzen. Panse erschienen.unter allgemeiner Spannung Außenminister Dr. Stresemann, Staatssekretär v. Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gauß im Saale. Minutenlanger Beifall begleitete den Einzug der deutschen Delegierten. Die Begrüßungsworte des/ Präsidenten Nincic riefen ebenfalls starken Beifall.hervor. Unter stürmischem Beifall betrat Dr. Stresemann , die Tribüne und hielt in deutscher Sprache seine Rede, in der er den Dank Deutschlands an die. Versammlung und die schweizerische Eidgenossenschaft ausdrückte. Stresemann verwies auf die Schwierigkeiten, die vor dem-Eintritte Deutschlands zu überwinden waren und begrüßte die Aera d er Z u s a m menarb e i t, die durch das heutige Ereignis eingeleitet worden sei. Die Aufgabe des Völkerbundes sei es heute, - - .. das ungeschriebene Gesetz des traditionellen Austausches der geistigen und materiellen Güter zwischen den Erd- . teilen wieder herzustellen. Für die . großen moralischen Menschheitsfragen besteht die innere Verpflichtung friedlichen Zusammenwirkens. Die von Deutschland abgeschlossenen Schiedsverträge und der Pakt von Locarno sind der Beweis der Gesinnung Deutschlands. Die wichtigsten Aufgaben sind weiters das Bestreben, nach einer internationalen Rechtsordnun g und die A b rü.st it n g, zu der Deutschland mit seiner vollen Abrüstung, den Beginn gemacht hat. Gegenseitiges Vertrauen wird eine größere politische Schöpferkraft besitzen, als alle anderen- Methoden. Es widerstrebt dem Völkerbrrndgedarsten, die im. Bunde mitarbeitenden Nationen in solche zu brennen, mjt denen Sympathie .oder Antipathie die einzelnen Mitarbeitenden verbinden. Denlschländ wünscht mit allen Nationen, die im Bunde oher im Rate vertreten sind, änf der. Grundlage gegenseitigen Vertrauens zusammenzuarbeiten.!' Stresemann sprach dann die Hbsfnung aus, daß die Mitarbeit Spaniens dem Bunde erhalten bleiben möge. Nur in. einer Gemeinschaft, die alle Staaten ohne Unterschied, in dosier. Gleichberechtigung umspannt, können Hilss-, bereitschcift und Gerechtigkeit'Pie Mähren Leitsterne des Menschenschicksals wtzrd.en. Große.r B^isM mii^Mflch' Stresemann zum erstell 'Mal als er von der. Notweudigkeit sprach,. die wirtschaftlichen Schranken zwischen den Völkern zn überwinpen. Der Beifall wiederholte sich dann oft und ipm'de am Ende der Rede zu einem stürmischen Applaus,, in den sich ebenfalls wieder die Tribünen einmischte, ohne daß der Präsident auch nur mit einem Worte den Beifall rügte.. Der von der deutschen Delegation mitgebrachte Dolmetsch Dr. Schmidt übersetzte die Rede Stresemanns ins Französische. Nach der französischen Uebersetzung folgte stürmischer Beifall, zu dem die französischen Delegierten das Zeichen gaben und an dem sich, dann Saal und Tribünen gleichmäßig beteiligten. Nachdem die englische Uebersetzung der Rede Stresemanns vorgenommen worden war, begrüßte Briand in einer Rede die deutschen Delegierten. Er leitete seine Rede mit Komplimenten für Stresemann ein und sagtie: Nach den vernommenen Worten Stresemanns seien - die besten und schönsten Hoffnungen erlaubt. Stürmischen Beifall fanden die Worte Briands, als er mit erhobener Hand ausrief: „Es geht nun zu Ende zwischen Deutschland und Frankreich mit den blutigen Zusammentreffen. Ohne Kanonen und ohne Maschinengewehrs stellen sich Frankreich und Deutschland vor. das Schiedsgericht, um das miteinander auszutragen, was sie bisher nicht austragen konnten." Mit lauter Stimme rief Briand aus: „Ich schwöre Ihnen, daß Sie in mir einen loyalen Mitarbeiter finden werden. Der europäische Geist wird aus dem Reformationssaale emporsteigen, wenn sich alle, wie Stresemann bemühen, alle Ereignisse im srieplicheu Geists .aüfzufassenaststatt.-sich von.. ’ nationalen Erregungen zum. Kampfe gegeneinander verleiten zu lassen." Ungeheurer Beifall unterbrach die Rede Briands und . deren Uebersetzung ins Englische. . i - Der kanadische Delegierte brachte hierauf drei H o ch ruf e a-u f B r i a n d aus. Der Antrag C h a m b.e rl a i n s, die beiden Reden Stresemanns und.Priands zur Erinnerung an die historische Aussprache zwischen. Deutschland und Frankreich im vollen Wortlaut im „Jpürnal officiel" des Völkerbundes zu veröffentlichen, fand, einstimmig e Annahme. Nach diesem denkwürdigen Ausgang , wurde die. Sitzung auf Nachmittag vertagt'. - . Zwischen der Vor- und Nachmittagssitzung., fand, ein vom internationalen I o u r n a l i st e n v e r b,'a n d veranstaltetes' Früh stück.statt, an dem. Dr. Stresematut, alle Mitglieder des Völkerbundrates, der Präsident der Völkerbündversammlung Dr. Nincic, der Generalsekretär des Völkerbundes Drummond und' der Direktor des Internationalen Arbeitsanttes Albert T y o m a.s, . zahlreiche Völkcrbunddelegierte und etwa 200 Journalisten teilnahmen. Für den Völkerbundrät sprach Dr: Ben e sch, dann hielt der deutsche Außenminister S t r e s e m a n n eine Rede, nach deren Beendigung er Briand zutrank. Es gab dazu stürmische Ovationen. " In der Nachmittagssitzung der Völkerbundversammlung ergriff als erster. Mdner , ' der österreichische Bundeskanzler Dr. Ramel das Wort. Er hielt seine Rede in deutscher Sprache. Zunächst wies er aus die Bedeutung des finanziellen.'Wiederausbauwerkes des Völkerbundes in Oesterreich hiü, für das Oesterreich dem Völkerbünde ganz'besonders verpfttchtet und verbunden bleibe.' Sodann begrüßte der Känzler den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund mit 'wärmen Morten und wies daraus hin, daß dadurch der Bölkerbuüd Bedeutend gestärkt wurde: „Universell ist der Völkerbund. auch noch zur Stunde nicht. Wenn aber auch heute noch'der östliche und westliche Flügel unseres Bundes u nvoll en de t sind, der Mitteltrakt. steht.; ' ■. Gewaltige geistige und materielle Kräfte wachsen dem Völkerbünde durch Dentschlauds Eintritt zu." Die Red; Dr. Rameks, der sämtliche Delegierte beiwohnten, wurde beifällig aufgenomnien. Sodann würde die.Aussprache iiher den Ratsbericht fortgesetzt. Der Termin der nächsten Vollsitznng steht noch nicht fest. Gin Attentatsplan getzen Mottad. ' Genf, 10. September. (Schweizerische Depeschenagentur.) Die Sicherheitspolizei hat heute vormittags «inen gewissen Leopold Grünb«rg> der auch vpn der Bormundschaftsbehörde gesucht, wird, verhaftet. Cr soll gegen Bundesrat Motta und den Advokaten Theodor Ändert Drohungen ausgestotzen und erklart haben, daß er die Ermordung WorowSkis