Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2709 (7.9.1926)
- Date
- 1926-09-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Me«. Dienstag Wiener Morsenzeitnns 7. September 1926 Rr. 2760 Wien, 7. September. * AndEernbes SchSnwetter. Die Serie der Hvchsommertage hat a»kch gestern angehalten. Die Voraussage meldet: Trockenes, warmes Wetter andauernd. * Geschastsjubiliium. Ans Anlaß der vor zchn Fahren erfolgten Gründimg der Firma Herbst und Gaon fand gestern vormittags in den Geschäftsräumen am Morzinplatz eine intime Feier statt, wobei zu Ehren des Gründers Isidor Herbst eine von seiner Schwester, Frau Dr. Felrz, gewidmete, vom Bildhauer Jaray enkvorftne Gedenktafel enthüllt wurde. * Aerztliche Rachricht. Frau Dr. Anna Sucher ist von ihrem Urlaub wieder zurückgerehrt mvd ordiniert wieder von 2 bis 4 Uhr nachmittags, 6. Bez., Mariahilferstraße 113, Tel.-Nr. 56-43. September-Büchsenleerung des Keren Kajemeth. Die nächste Büchsenleerung findet in der Zeit vom 12. bis 26. September statt. Das Leerungsmaterial ist herte und morgen im Bureau abzuholen. * Lehreraufnahmen an Wiener Bundesmittelschulen. Für das Schuljahr 1926/27 werden an den Wiener Bundesmittelschulen Lehrkräfte für verschiedene Gegenstände benötigt. In Bettacht kommen in erster Linie Lehrpersonen, die bereits in Bundesdienst stehen und auf ihren bisherigen Dienstposten ganz oder teilweise entbehrlich sind. Nur insoweit der Bedarf durch solche Kräfte nicht gedeckt werden sollte, werden neue Lehrkräfte ausgenommen. Die Gesuche sind mit Benützung eines beim österreichischen Bundesverlag erhältlichen Formulars direkt bei den einzelnen Bundesmittelschulen einzureichen. Sie müssen mit den entsiprechenden Belegen versehen, bis längstens 17. September der Anstaltsdirektion übermittelt werden. * Opfer der Badezeit. Sonntag nachmittags badete der 25jährige Wehrmann Hugo Kudla, 16. Bezirk, Johann-Nepomuk- Berger-Platz 7, wohnhaft, in der Alten Donau. Plötzlich sank der Soldat, der des Schwimmens nicht kundig war, unter und ertrank. Dis Leiche wurde geborgen. — Gleichfalls am Sonntag badete der 17jährige Goldarbeiter Alfred Brückl, 9. Bezirk, Wahringerstraße 162, im Donanstrom bei der Loball. Plötzlich sank er unter. Die Leiche wurde fortgeschwemmt. 4 Die Leiche vom Kahlenberg agnosziert. Wie bevichiet, wurde auf denk Woge vom Kahlenbergerdorf gegen das Gasthaus „Weiberhütte" in einer mit Schutt gefüllten Milde , am Sonntag eine männliche Leiche gefunden. Der Mann wurde gestern nn gerichtlichmedizinischen Institut von seiner Schwägerin als der 43jährige Hilfsarbeiter Johann Rotier aus ' Sch w a d o r s erkannt. Er war seit Freitag aus Schwadorf vermißt. Es dürfte Selbstmord und kein Verbrechen vorliegen. Rotier hat fünf Fahre inrussischer Kriegsgefangenschaft verbracht und war seit seiner Rückkehr sehr nervös' und aufbrausend. Er dürfte die Tat nach Alkoholgenuß verübt haben. 4 Durch einen vom Dache herabfallenden Hammer verlöt. Der 45jährige Schuhmachermeister Hermann Stern, 14. Bezirk. Ullmannstraße 43, wohnhaft, ging gestern beim Hause Judeiigasse 4 vorbei, als vom Dache ein Hammer herabfwl,^ der der Hand eines dort arbeitenden Handwerkers entglitten war. Stern wurde am Kopfe getroffen und erlitt eine erhebliche Wunde am Scheitel, so daß er ins Spital der Barncherzigen Brüder gebracht werden nmßte. * Nach elf Wochen in den Bergen tot aufgefunden. Seinerzeit wurde berichtet, daß der Leiter der Bogenex Filiale der Innsbrucker Baumaterialienfirma Bollandt und Erben der 31jjahrige Dr. Oskar Leitkep. der in Wen. 6. Bez., Nelikengasse 8, gewohnt hat, seit dem 26. Juni d. I. spurlos verschwunden war. Er hatte einen Ausflug ans den Salt e n, einen ungefährlichen Berg bei Bozen, unternommen, von dem er nicht mehr zurückgekehrt ist. Gestern ist eine Mitteilung aus Bozen hier emge» troffen, wonach die Leiche Dr. Leitkeps aufgefnnden worden rst. . * Meder ein Bauunglück in Budapest. Fm Zentrum von Budapest ereignete sich gestern wieder ein schweres Bauunglück, oem neuerlich ein Menschenleben zum Opfer siel. Fn dem Hause Rakoczy-Straße Nr. 70 werden seit einigen Tagen Reparaturen vorgenommen. Auf dem Dache arbeitete der Bauarbeiter Josef Karasz, der die morschen Balken des' Dachbodens auswechselte. Als er einen verfaulten Balken entfernte, stürzte der ganze Dachboden ein und Karasz wr rde mit in die Diese gerissen. Er konnte nur noch als Leiche aus den Schuttmassen geborgen werden. * Großer Juwelendiebstahl. Aus Baden-Baden wird berichtet: Am 4. d. wurde hier ein goldener Halsschmuck mit Brillanten und Rauten von zusammen 19 Karat, bestehend aus etwa. 215 bis 220 Steinen im Werte von 15.000 Reichsmark, gestohlen. Als Täter werden ein Mann, der sich Franz Weber aus Wien, und ein Mann, der sich Heinz M.ülker ans Hamburg genannt hat, verfolgt. 4 Die kosmischen Strahlen. In Usbekistan wurden im Gebirge Kara-Kaschik, 14.300 Fuß über dem Meeresspiegel, zum ersten Male in der Sowjeiumvn die vom amerikanischen Gelehrten Melrkan entdeckten kosmischen Strahlei mittels Selens beobachtet. Es wurde eine starke Reaktion an Selen wahrgenommen, die auch dann fortdauerte, als das Selen mit einem recht dicken Bleifilter bedeckt wurde. In i«n. nächsten Tagen werden neue Beobachtungen auf dem - Matschingipfel bei Samarkand, etwa 20.000 Fuß über dem Meeresspiegel, vorgenommen tverden. * Fünfzig Jahre Anilinfarbenindustrie. Dieser Tage war es fünfzig Jahre her, daß der englische Chemiker Perkin ein Patent auf den von ihm entdeckten Anilinfarbstoff Mauvein erwarb, den er dann fabrikmäßig herstellte, womit er Begründer der Favbstoffgroßindustrie wurde. Es war damals eine Zeit, wo -ie organische Chemie gang im Zeichen der großen deutschen Chemiker, wie L r eb i g, Wähler um» anderer stand,, und die,, auswärtigen Universitäten legten Wert darauf, Schüler dieser Männer als Dozenten zu haben. So berief auch das College of Chemistry an der Londoner Universität den Liebig-Schüler A. W. v. Hofmann, der sich hier hauptsächlich mit den aus . Teer zrgewinnenden Stoffen, insbesondere den Benzolderivaten, beschäftigte. Auf seine Anregung beschäftigte sich sein Schüler Perkin mit der Oxydation von toluidinyälttgem Anilin, wobei er dann den Farbstoff Mauvein herstellte, den ersten technisch, verwertbaren, künstlichen, organischen Farbstoff. Bald folgten dann die Entdeckungen neuer Farbstoffe, die heute in derartiger Anzahl hevgesiellt werden können, daß ein Chemiker nicht einmal die Chemie aller Farbstoffe beherrschen kann und die früher gebräuchlichen natürlichen organischen Farbstoffe wie Indigo gänzlich vom Markte verdrängt wurden. * Das israelitische Taubstummeninftttut soll auf neuer Grundlage erstehen. Dieses alte Kulturgut der Wiener Juden darf nicht untergehen. Darum möge der einzelne und die Körperschaften. insbosonders die Tempelvereine, des Instituts an den hohen Feiertagen durch Spenden vor der Thora gedenken. * An den hohen Feiertagen veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgememde im Olympiasaal, 1. Bez.. Rotgasse 5. einen Festgottesdienst für Jugendliche beiderlei Geichlechhes. Der Gottesdienst wird nach dem Borbilde urw im Umfang der Gemeindsgottesdienste abgchalten. Beginn um viertel 7 Uhr abends und um 8 Uhr morgens. Zutritt auf Grund unentgeltlich a r s g e g e b « n e r K a r t e n. die im Bureau des Jugendreferates, 1. Bez., Seitenstettengasse 4. echältlich sind. * Jüdischer Schulverein, 2. Bez., Zirkusgasse 33. Heute um 6 Uhr abends im Saale des jüdischen Realgymnasiums. 2. Be>z., Castellezgasse 35, außerordentliche Generalversammlung. Tages- »»MIM! UBÄ.NS tei NM«. I Mne und Kunst. > Lar amerikanische Aeater alr soziale krscheinaag 7tHEI tag« nagt dla (Bon unserem New-Aorker Korrespondenten.) Die größte Entwicklung hat in Amerika das Vaudeville-Theater genommen. Der fast unbeschränkte Herrscher dieser Theater ist Keith, ein Milliardär, der fast in jeder Stadt Amerikas ein Theater besitzt.- Seine- Gesellschaft hat vor kurzem die Feier kt Gründung des tausendsten Theaters begangen. Einige der Theater Kelchs kosten einige Millionen Dollar und sind märchenhaft ausgestattet. Jedes Theater hat eigene Aerzte, einige Pflegerinnen und eine Apotheke. Die größeren Theater besitzen sowohl zahlenmäßig als auch qualitativ sehr bedeutende Symphonieorchester. Das Programm besteht meist aus sechs bis acht Nummern. Es kommt meist ein komischer Dialog von einem trockenen amerikanischen Humor und reich an Wortspielen, die nur scharfdenkende Menschen verstehen können, vor; dann gibt es zwe! Nummern Gesang, ei» Ballett, eine Orcheslernummer und ein Lustspiel. Dieses Programm gibt aber keine Anschauung von der Schönheit dieser Vaudeville- Nummern, deren Ausstattung zumeist 10.000 bis 20.000 Dollar kostet. Das alles ist nur darum möglich, weil Keith Hunderte von Theatern besitzt und jede Nummer durch alle SMte Amerikas wandert. Das Programm wird zweimal wöchentlich abgeändert. Es genügt, wenn man bemerkt, daß die größten Virtuosen (darunter Cheifetz, Kreisler u. v. a., die einen Jahresvertrag mit den Theatern Keiths besitzen) in. solchen Vaudevilles auftteten. Hier kann man die berühmtesten Sänger und Sängerinnen hören. Gleich nachher treten Mi Boxer oder Trapezkünstler auf. Hier ist auch der verstorbene Siegmund Breitbart aufgetreten. Vor kurzem hat man in einem der New-Aorker Theater eine Nummer gezeigt unter dem Titel: Franz Liszt oder Irving Berlin? Beethoven oder Jazz? Auf einer großen Szene waren zwei große Orchester aufgestellt: ein symphonisches und eine Jazzband. Das Jazzbandorchester saß im Dunkeln, während das Symphonieorchester vollendet eine Lrszt-Rhapsodie zur Ausführung brachte. Tann spielt, das .Jazzorchester. Eine wilde, schöne Umarbeitung der Ouvertüre Tschaikowskys ,/Tas Jahr 1812". Das Publikum fällt sein Urteil, welche Musik gesiegt hat: die klassische oder das Jazz. Es ist klar, daß das Publikum sich für den ausgezeichneten Jazzinterpreten Vinzenz Lopes entscheidet ... Tatsächlich dirigieren Paul Withman oder Lopes ihr Jazzorchester vollkommen. Dieses Beispiel möge auch veranschaulichen, welche Kosten für solche Veranstaltungen anfgewendet werden. Den größten Erfolg haben witzige Lu st sp iele, deren Inhalt sehr verschiedenartig ist. In dieser Beziehung unterscheidet sich das amerikanische Theater kaum vom englischen oder französischen. Das Wichtigste an diesen Komödien ist, -aß sie dem Geschmack und den unbewußten-Wünschen und Gedanken des Publikums entgegenkommen. Nicht umsonst ist Freud in Amerika so populär. Nackte Frauen, Ideen der Toleranz und Menschlichkeit und sentimentale Tragödie entsprechen am ehesten dem heutigen Amerikaner. Gleichzeitig spielt man bei ausverkausten Häusern ,Hedda Gäbler", ,Mova",,Mildente". Reinhardts „Mirakel" war über- Mt. Für die englischen Vorstellungen des ,L)ybuk" kann man nur sehr schwer Karten bekommen. Die Stücke OMeills, pathetisch und hochtragisch, erregen die amerikanischen Gemüter. Darin ist kein Gegensatz zu erblicken, denn auch in England hat man gleichzeitig mit Shakespeare die Stücke Marlows aufgeführt. Allerdings dient der eine Teil dieses Bühnenbetriebes sozusagen einer Freudschen Massent'herapie, während 'der andere ein Ausdruck trauernder geistiger Sehnsucht ist. Ans den Theatern. Burgtheater. Morgen, %8 Uhr abends, „Der Kaufmann von Venedig". Akademtetheater. Morgen, l/,8 Uhr abends. „Die Lokalbahn". Overnthearer. Morgen, Vs8 Uhr abends, „D i e Boheme". Deutsches Volkstheater. Morgen und Donnerstag .Heuchle r", Freitag Erstaufführung von „F a u st" (erster und zweiter Teil). « Renaissaneebühne. „Das Grabmal deS unbekannten Soldaten" wird nur mehr an drei Abenden en suite, gegeben. Das Stück bleibt aber weiter aus dem Spielplan. Freitag .Das Sprungbett der Liebe". Kammerspiet e. Die Eröffnung unter der Direktion Franz Wenzlers findet gegen Ende dieses Monats mit der Uraufführung von Lenaus „F a u st" statt. .D e r I g e l" (mit Hans Moser in der Titelrolle) gelangt nur mehr heute und morgen zur Aufführung. Theater in derJolefstadt. Roma Bahn und Maria B a r d können infolge ihrer Berliner Verpflichtungen nur mehr morgen in dem Lustspiel „Gefallene Engel" auftreten. Mo derneS Theater. Morgen Erstaufführung der Tragikomödie.Die ewig lächelnde Frau" von DenyS A m i e I und Andrs O b e y, deutsch von Otto Eisen sch i tz Vorher geht der Einakter .Die D a m e a m F e n st e r", Lustspiel nach einer Novelle Guy de Maupassants von Otto Eisens ch'i tz, in Szene. Abonnement und Theatergemeinde der Bundestheater. Wie die Generaldirektion mitterlt, können Anmeldungen für das Ubmnmm im Burgtheater oder in der Oper nur mehr bis Mittwoch entgegengenommen werden. Die Mitglieder der Theatergxnreinde werden aufmerksam gemacht, daß die Mitgliedsbeittäge für Oktober in der Zeit von 5. bis 15. September rn der Generaldirektion zu erlegen sind. Die Oberammeraaner Pafiionsseftspiele ln den Kammerspielen. Die PassionsfMpiele, die nriprünglich in der Bol-ksoper stattfinden sollten, werben nunmehr vom 9. bis 13. b-, halb 8 Uhr abends, in den Wiener Kammerspielen zur Aufführung gelangen. Theaterkrawalt in Mailand. Wie „Popolo die Roma meidet, sollt; in Mailand in dom neurestaurjertert Edentheater ein? französische Gesellschaft zum echen Male auftreten. Das Publikum wwersehte sich zedoch der Allsiührung mit Johlen, und Schreien, so daß schließlich llach dem Bortrag mchrerer patriotischer Musikstücke dar Theater durch die Polizei geräumt Weich« M»ße, in bedeutend verstärktem Umfange und in erhöhter Auf* läge anlässlich des jüdischen Neujahrsfestes am Donnerstag den S. September IdSd erscheinende FESI-AUSGABE der «'Wlaitar MorgeitselHing*' auf. Ausserordentlich günstige Reklame« gelegenheitt Versäumen Sie nicht die Insertion in dieser Nummer! iiiiiimiiiiuiiiiuiniiiiiiiiHiiiiiiiHnininiimiu Gerichtssaal. Ser elegante Mann mit dem weißen Vollbart. Der in Ungarn gebürtige 53jährige Ernst Fischer, ein eleganter, hochgowachsenex Mann mit weißem Vollbart, hat ein bewegtes Vorleben hinter sich. In der Anklageschrift, die chm DÄb- 'stahl, Bettug, Verleumdung und Erpressung zur Last legt, wird er als Schlossergchilfe ^bezeichnet, ^während er selbst sich als „Journalist" ausgibt. Während der Rätereigientng in Ungarn spielte er eine größere Rolle und nlußte nach dem Sturz Bela Kn ns. flüchten. Seine AusliefeMng wurde auch mehrmals von den Wiener Gerichten gefordert, doch nicht bewilligt. Fischer ist wogen Diebstahls schon mchrfach, zuletzt mit sechs Jahren Kerkers vorbestraft. Nach seiner Entlassung ans der Untersuchungshaft, die er wegen des ungarischen Auslieferungsbegehrens auAztrstchen hatte, wurde ihm von dem Ing. Mbert M. unentgeltlich Uinterstand gewährt. Fischer vollffchrtr während dieser Zeit Kaffechausdiebstähle in Linz und Wien. Eines Tags lernte er den Kaufmann Laszlo Brehm aus Budapest kennen. Fischer machte sich erbötig, das möblierte Zimmer, im Falle Brehm abreife, zu übernehmen. Brchm war einverstanden. Fischer führte darauf folgenden Gaunerstreich aus: Mit einer gefälschten Ausweiskavte legitimierte er sich' der Wohnungsgelberin des Brchm als Polizeibeamter und vertrante der Frau an, Brehm sei in die große ungarische Frankenfälscheraffäre als eine BorttMonsperson des Windffchgrätz verwickelt. Fischer solle seine ^Verhaftung unanffWig bewirken. Am nächsten Morgen Patrouillierte der falsche Polizoibeamte schon um 7 Uhr früh vor dem Wohnhaus des Brchm in Margareten auf und ab. Ms der ahMngslose Brchm gegon 9 Uhr das Haus verließ, gab die Wohnungsgeborin dem auf der Straße lauernden Fischer das vereinbarte Zeichen und Fischer verfolgte scheinbar den Brchm, bis er der Frau außer Sicht war. Eine halbe Stunde später evschien Fischer in der Wohnung und sagte der Frau, Brchm sei bereits hinter Schloß und Riegel. Er müsse nun zum Zwecke einer genauen Durchsuchung die Effekten Brchms mttnchmen. Franziska B. wurde so in gutem Glauben zum Zeugen des Einlbruchsdiebstahles, den Fischer nunmchr ausführte, indem er Koffer und Kasten auffprengte, die Sachen Brchms herausnahm und die Wchnung verließ. Während einer Effenbahnsahrt im Schnellzug Paris—Wien lernte Fischer die Private Margarete Toth und den Kaufmann Vinzenz Pawlrk kennen. Er empfahl ihnen ein Hotel in Wien und begleitete sie zur Wechselstube, nahm 1000 Franken, um sie einzulösen, an sich und verschwand i!n einem Durchhaus. An seinem Quartiergeber Ing. M. verübte er Erpressungen, indeur er ihm mit grundlosen Anzeigen drohte und schließlich während der Untersuchungshaft gegen ihn und seine Frau die Beschuldigung aussprach, daß die Eheleute. ihn vergiften wollten. Frau M. habe ihnk statt des Morphiums, das sie stets für ihn ernzuikaufen pflegte, Sttichnin unterschoben. Nach der Einspritzung halbe er arge Ueblichkeiten verspürt. Die Gerichtspsychiater kamen zu dem Ergebnis, daß der übermäßige MorPhiumimHbrMch bei dem Beschuldigten keine seelischen Störungen, wohl aber eine Verschlechterung des Charakters hervorgevusen habe. Ein, Schöffensenat verurteilte gestern Fischer zu zweieinhalb Jahren schweren, durch Fasten verschärften Kerkers sowie zur Landesverweisung nach verbüßter Strafe. Ist der „Radiomann" eine Amtsperson? Die Briefträger, die allmonatlich die Gebühren für das Radioabonnement einkaffieren, führen im Volrsmund den Namen „Nadiomänner". Das Gericht hatte sich nun mit der Frage zu beschäftigen, ob ein ‘ "cher Raviomann als Amtsperson erhöhten Ehrenschutz genieße. Am 10. April erschien der Postunterbeamte Josef H. in der Wohnung der Privaten Jofefine R., um die Monatsgebühr von 2 S. und die Anerkennungsgebühr von 1,6 S. einznkassieren^ Frau R. weigerte sich, die Anerkennungsgebühr zu bezahlen, weshalb es zwischen ihr und dem Briefträger zu emem Wortwechsel kam, rn den sich der in der Wohnung anwesende Vormund der Kinder der Frau R., der Redakteur Frankl, einmengte. Herr Frankl erklärte im Laufe des Streites: „Das ist wieder so eine Schlamperei von der Post." Als der Briefträger die Legitimation des Herrn verlangte, rief dieser ihm zu: schweigen Sie oder ich werfe Sie hinaus!" Frau R. soll zu dem Radiomann gesagt haben: „Sie sind ein Schlieferl, wie ich schon manchen hmausgeworfen habe." Gegen die beiden genannten Personen wurde die Anzeige wegen Amtsehrenbelleidiguna erstattet. Bor Gericht erklärten sie, sich nicht, bewußt gewesen zu sein, daß H. in feirzer Eigenschaft als Radiokaffier eine Amtsperson sei. Der Richter beschloß eine Anfrage an die Post- und Telegraphendirvktion über das Bechältnis der Ravag zur Post und über die Stellung des Radiokaffiers äls Amtsperson zu richten. Die Antwort lautete dahin, daß der Briefträger auch in seiner Funktion als Radiokassier als Amtsperson zu betrachten sei. Dennoch sprach der Ssichter beide ÄWeklagte frei und führte in der Begründung aus, daß die Be^ schuldigten mit Recht annchmen konnten, der Radiokassier sei keine Amtsperson, zumal das Gericht selbst in dieser Frage erst die Auskunft der kompetenten Bchörde encholen mußte. Der staatsanwaltschaftliche Funktionär meldete gegen den Freispruch. m äs«