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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-06 · Heft 2708 (6.9.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2708 (6.9.1926)
Date
1926-09-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2706_Dm, Mgflchß.__ Rdsteriöser Leichsniund am sta-le«. -erg. Telhstmord o-er Verbrechen? Gestern fanden zwei Ausflügler, ein Wehrmann üntz ein Privatbevmler, auf dem Wege vom Kahlenbergerdorf gegen das Gasthaus ,WebeHütte" in einer mit Schutt gefüllten Mulde, die «durch Gebüsch vom Weg getrennt war, eine männliche Leich e. Ter Tote lag auf dem Rücken, etzva zwei Schritte von ihm entfernt fand sich ein Tasche nmeffe r mit Stahlfchale, dessen einzige lange Klinge aufgckklappt und blutig svar. In der Nähe des Messers lag der H u t des Toten mit dev Firmennmrke „Johann Sivoboda, «Lchwadorf". Rechts von der Leiche waren ein haar Streichhölzer verstreut, daneben lgg eine geöffnete GtpeichhMchachtel und eine r o n e n - Z e i t u n g" vom Freitag, linlks eine „Kronen-Zeitung" vom Samstag. Die beiden Spaziergänger erstatteten 'sofort die Anzeige, und die Mordkommission, welche sich an die Tatstelle begab, stellte eine eingchensde Untersuchung an. Der Tote Max mit einem karierten Rock und gestreifter Baunüvollhosc be>kleidet, hatte fast neue Hosenträger gnd Schuhe mit Gummiabsätzen. In den Taschen fand sich mit Ausnahme eines .ungemerkten Taschentuches und eines kleinen Stechers, der vermutlich als Kofftrischstissel gedient hat, gar nichts vor, wederGetdnoch ANswe i spap ier e. Der Fundort ist vom Gasthaus „Weber- Hütte nur 60 Schritte entfernt. Nach Aussage des Amtsarztes ist der Tod frühestens itt den ersten Na ch m i t tags stu nde n des Samstag eingetreten. Der Leichnam wies an der linken Bruststite sechs Messerstiche auf, von denen zwei, deren Munden bis an den Rücken reichen, absolut tödlich sind. Vollkommene Klarheit därüber, ob man es mit einem Verbrechen (f ü r das die leeren Taschen, gegen das das aus dem Tatorte gefundene Messer zu sprechen scheinen) oder ein Selbstmord KU tun hat, jwird erst die Obduktion erbringen, die über die Richtung der Stichführung Aufschlüsse geben kann. Eine A bgö n g i g k e.i t s a nK e i g e, die auf -ey Toten passen würde, G bisher nicht zur Kenntnis dev Polizei gelangt. Eine Kindesleiche gefunden. Freitag nachmittags fanden Passanten in den Parkanlagen gegenüber «dom Steinhoff eine in ein Linnen gewickelte Leiche eines neugeborenen Knaben. Die Nachforschungen nach seiner HeMnft «haben bisher kein Ergebnis gezeitigt. Zwecks Feststellung der Todesursache wurde dse Leiche zur Obduktion in das gerichtli ch-medisin ische Institut überstellt. Streifungen in der Umgebung der Parkanlage sind e rgehn i slos verrufen, Revolverkanivf mit Einbrechern. Aufregende Szenen in Margareten. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag suchten Kasseneinibrecher die Räume der Nondorfer mechanischen Weberei M. Neumann jun. , Baumwoll- und Leinenwarenfabrikation, 5. Bez., Siebenbrunnengasse 37, heim und erbrachen eine eiserne Kasse. Der Einbruch war schon geglückt und die Täter flüchteten mit Hilfe eines Strickes aus dem Fenster des ersten Stockes aus die Straße. Als sie am Stricke baumelten, kam der in der Landgutgasse wohnhafte Anton S. vorbei und sah die Szene. Ahnungslos kamen die Einbrecher auf die Straße; allein Herr S. ging ihnen heiknlich nach und als sie in die Nähe «des Wachzimmers Spengergasse kamen, eilte Herr S. hinein und machte von seiner Wahrnehmung Mitteilung. Indessen waren aber die Täter weitergegangen, als sie plötzlich die sie verfolgende Wachmannschaft hinter sich hörten. Im Nu liefen sie auseinander und einer von ihnen eilte in das Haus Vogelsangasse' 34, wo er sich im Keller verbarg. Der Rahonsinspektor eilte mit vorgchaltenem Revoler in den Keller und forderte den Einbrecher ans, herauszukommen. Statt jeder Antwort gab der Strolch einen Schuß ab. Die Kugel drang dem Inspektor in den rechten Oberschenkel und blieb darin stecken. Der Beamte brach zusammen und die Gelegenheit benützte der Einbrecher, um weiter zu flüchten. Crwurde aber von den andern Wachebeamten . verfolgt. Als er trotz Aufforderung nicht stehen blieb, gab die Wache gegen ihn Schüsse ab. Eine Kugel drang ihm in Pen rechten Oberarm, so daß der Mann picht weiter konnte und f? stgenomme n wurde. Der qngeschossene Einbrecher ist der 29jährige Hslfsr arbeiter Ferdinand Hu n g e r. Noch igz Laufe der Morgenstunden wurde eine AM Verdächtiger angehaftkn., Fm Keller des Hanfes fand man einen Teil d e r B e u t e. Aus der erbrochenen Kasse hatten hie Täter eine ziemlich umfangreiche eiserne Kassette mitgenommen, die sie aber noch nicht geöffnet 'hatten. Sie blieb im Koller zurück. Ihr Inhalt waren 748 S. Auch Stücke von Textilien hatten die Täter tnitMchftppsi Pes Hungep fand man die Pistole, dft in sechs Läufen schlivf geladen war, ferner 'Einbruchswerkzeuge, wie ein Verlängevungsrohr,. einen Bohrer usw. dp Mk W der Ambe. Zu den mancherlei abwechMWreichen Dingen, Re Mp Ulf der Boniwachterrasse eines Parilstr Cafes schon 'kann, gehört es »MevdjM grch, haß ein Herr wit entblößtem Oberkörper sich aus ein mit Mg?lg gkspiKes Brett saMt Wt. Hutnadeln, hie offenbar heute nur noch für disftu, Zloeü verwendet werden, sich durch die Wacken stößt, daß ihre Spitze wie ein Fühlhorn Wer den Lippen hängt, nach Wunsch blutet oder nicht, allenfalls zur Er, götzung einer ansehnlichen und überaus geschätzten Wentel auch für ein paar Minuten parWevgchsnd stiv'bt, worauf der Tode sich' munter erhobt und mit einen! Teller eürzu«kass'veren heginnt. Die große Mode der Fakire ist von den Indienkassen- und kastenkunhigerr Jntpreisar-ißs über die großen WODMn und Barjews nun W tzn.den PllVifpp Boxorte ugchWNgm hat sich der Glraße he-mächtigt. UllewiW nicht, ohne hier heftigen MdeOM W Wey.. Kchst tztWM bei stWrionÄkchssiep . Mener Morgenzeitung__ 9ct öftmMW Sionistentag. Ple Tagesordnung. ' Die -ttchr witq-ttllt. Wird hß, ß st -? r e i ch t f ch e Z t Sk n l st e n t a g in dir Zeit vsch 80. O k t o ß s r bi» 1. N o v e m b e r stattfinhßn, Dq» Htynistiichr Z-nheskomitee gibt dse Tagerat d fl u n g tost folgt bekannt r 1. Tn g» , Samstag den 80. Okt-Her, 8 Uhr abends. I. Eröffnung. 3 Wähl de» Präsidiums und des Bureaus sowie der Permattenzkommiffson. 8. Referat über die allgemeine Lage des Zionismus. 2. Tag. Sanytag den 31. Oktober 9 Uhr vormittags. 4 Bericht über die Tätigkeit des Zionistischen LandeSkomIteeS. 6. Entwicklung des Arbeitsprogramms des Keren Hakeffod. 6. Entwicklung beS AxbeitSprogrammS des Keren Kajemeth. 7. Bericht über die Tätigkeit beS Paläftinaawtes. 8. Bericht der ErsparuflgSkommission. 9. Referat über die Stellung zu den jüdischen und nichtjüdischen Parteien Oesterreichs. 10. G e n e r a l d e b a t t e. Sonntag den 31. Oktober, 3 Uhr nachmittags. II, Refßrat über Kultur und Erziehung. l 8, Restrat über PMtlnafrqgen. 13. Referat über Organisatlons- und Propaganbaftagen, Sonntag den 31. Oktober, 8 Uhr abends. 14. Debatte 3. Tgst. Montag den 1. November, 9 Uhr vormittags. lf>. Fortsetzung und Schluß der Debatte, 16. Neuwahlen. Der Ort der Tagung und hie Namen der Restrenten werden noch bekanntgegeben werden, Der endgültig letzte Termin zurAbführung der Partei st euer und derMitgliederltsten sowie zur Einsendung der Tätigkeitsberichte der einzelnen Be zirkssektionen, Sonderverbände und Orlsgruppen ist dev 3 0. S e pt e m b e r. Spätere Einzahlungen oder Einsendungen können von der Wahlkommission nicht mehr berücksichtigt werd?n Am 10. O k t o b e r 1926 findet Pie Ltz a h l d e r D e letz i e r t e n statt. Das Wahlregulativ wird den einzelnen Bezirkssektioneu. Sonderverbänden und Ortsgruppen rechtzeitig zugehen, l.nj, sanftmütigen Besuchern, gereizten Kleinlbüvgern, die . ihr Aperitif ohne sadistische Erregungen zu sich zu nehmen wünschen. Als kürzlich im Arbeitervorort Welleville ein Fakir sich gerade aui das Matkadam gelegt und sich in einen mehr von den Managern als von den Aerzten anerkanuten katalytischen Zustand versetzt hatte, erhob sich ein entrüsteter Gast und rief die Hilfe der Polizei gegen den zudringlichen Fakir an.. Die Schutzleute hatten sofort auch ihre Zauberformel bereit, die sich als wirksamer erwies als jene des Fakirs, sie lautete: Circulez! Der Fakirismus an sich ist durch kein sranzösrsches Gesetz verboten, jedoch er darf nicht in eine Bevkehrsstörung ausarten und muß daher im Umhergchen betrieben werden. Aber die meisten seiner Kunststücke lassen sich damit eiben nicht vereinigen, doch aus dHe verzweiselie Erklärung des armen Fcsöirs Hatte der grausame Polizeikommissär nur ein gelassenes Achselzucken zur Antwort; der Beamte erhält ja sein freilich spärliches Gchalt, ohne seinen Ms willkürlich zu regulieren. Jener Dialog im Polizeiikammissariat von Belleville mag an den historischen erinnern, wo ein schlecht bezahlter Angestellter verzweifelt Talletzrand uw eilte Aufbesserung exsuchte und zur Begründung in den Ruf ausbrach: „Schließ? lich muß ich doch leben!" Tallehrand aber mit der Ruhe des Geborge neu und daher mühelos Witzigen erwiderte: „Ich sehe die RoWeMstkeit nicht Zn." Mit dem besten Willen von der Welt kqnn der Mir hoch nicht in llmhergchen Starvkramps Hatzen, vorübergehend stevtzen über sich auf sein Nägelbrett schnallen, and auch der Effekt dex in die Backen getriebenen Hutflgtzkln würde vermindert, wenn der Mann, der diese sonst so N»UÜtz gewordene«; Gegenstände au sich befestigt, dazu immerfort aus und ab pendelt. Natürlich ist die Entscheidung des aittifakiristischen Kommissälß nur eilt Varwand, denn die Pariser Straßen sind erfüllt vgn Menschen, hie von einer imprpvisionierte,! Kanzel aus Kpqvattßn, Klebemittel, Rasierutessev, Socken und die verschiedenartig-- stsfl-Gegenstände anpreisen; auch Bpxer und Straßensänger fehlen Nicht. Nur die Fakire sind verbannt; Tahra Betz hatte z>-.^ viel Erfolg, jetzt ist der Markt übersättigt. Und so wird dev verscheuchte Fcckir wohl halt! hem Ragelhrett entsagen und zu den gefchri losßren pikanten Ansichtskarten aber vielleicht sogar zu ganz unfchnl'digen Hsiellträgern greift!!, um für sein wtkgykisches „ensin,' ll saut vitzpe H eine bßfritztzjgendsrß Antwort zu finden, als Tasteyr ra ch gab, Zusammenstoß zweier Ptraßenhahnzsige. Gamsta« MttW siche ein durch die Pilgramgasir gegen Mariahilf fahren der Straßenbahnzug der Linie Ist an den gweitet! Beiwagen eine; W. GchänbrnnmOpaße überanevenden Stratzßnhähnzuges der Lisile 63 juft% Bevsagens der Prems? an. ' Pnrch den Anprall Wnchen sämtliche Fenster des Betwagens Uttd die Fetsiftträhnteu an der Seite des Zuisammenstoßes eingedrückt und die SMtzwWd GiwagenZ des Zuges der Linie 13 eiWchrückt. Mkt erlitten Je PrMtveMiensaaitin Marte Kübnesi ein? Nechenßpschütt'ernwq ustd die PnWespensionWnsäatNn Anna Stonitsch einen NeMMockr der WagEm des, MM der Mk 19. Ipfti Dmk, MvdH an der rechten Hand lötchr verletzt. Die Erhebungen sich eiMleiter. s Der Aufzug als Menschenfalle. Der Anfzugwärter des MUg. DtWn ItU und ersten Stock stehen, sg daß der Manfl ggfangen war, Dre Feuerwehr ^4 ansrückßtt, um ihn zu'tzgfkgien. Gr war unverletzt ge- 6. Zepiember 1926 DMJD . ■' > -—..1.11*1.. ■ ■ ■■..x: U'^WH nm an Hs? Protokolle der Welsen von Man. Proftssor Mflnttr übe, m PlMfatfWtM. In einer Reihe von Publirationew tzWe einem Puch hat sich Benjamin Segel mit vm 8 biwrtn ver „Protokolle «der Misen vvn 1 und pieses Pamphlet als ein von dem Rüsfetz begangenes Plagrat nachMMfl. Ilt M graphie reprcvnsierte Herr SeM auch des Folyschen „Diaiogue", aus mm von dem a> wWVlr Mpchn .Mn. Kieler Prosestor Fechmand Tonn res schveM Herrn Segel zu diesem Plagiatthema: . . Früher schon war mir das TiteMatt bekannt vorgs- «kommen, ich verweilte aber nicht dabei. Jetzt halbe «ich entdeckt, daß ich das Buch besitze und auch vor vierzig Jahren teistveise gelesen habe. Das Exeniplar hatte ich in London gekauft, es ist ein hübsche! Ex-libris darin mi«t dem Namen W a l te r Graham. Cs ist dik erste Ausgabe von 1664. Das Titewlatt ist das gleiche, nur daß dir Worte Nouv. Edt. fehlen und statt „che; tous les libaires" sicht! Jmpvinrerie de A. Mertens et Fils. Die Vorrede sAvertissement) ist unterschrieben: Geneve, «le 16. Oktober 1804. Der Beweis, daß der Russe plagiier 1 hat, ist ohne Zweifel gelungen, ich vermute aber, daß der Fälscher noch eine andere, und Mar ausgesprochen a n t isemiltisch e und a wtimau rer isch c Quelle gehabt hat, die vielleicht ans derselben Zeit stammt und etwa ebenso vergessen ist, wie dieses Brüsseler Büchlein. Ter Fälscher hat weiter nichts getan, als daß er die beiden Paiuphlete roh verbunden hat. Es ist die Leistung eines li terari«schö n D iebe s. Daß dfes plumpe Machwerk so viel von sich reden mach?u 5:f+ jvÜMMlfi,-»!. ntni* STUrrJtttirn iw» .ai'ifti/io« StalitlirnttttUNt. die Bet Weltkrieg im Gefolge gehabt hat. Für Dmtschland möchte ich insbesondere dem Unvstande hie «Schwld gebet«, dast es unter uns wimmelt von ehemaligen Ossizikwi', die gleich ihrem Helden Ludendorfs das Bewußtsein haben, daß sie mit ihren gefallenen Kameraden viel geleistet hatten: sie sind mii gutem Grunde dastuf stolz, es fehlt ihnen aber meistens gänzlich an Verständnis für die Zusammenhänge des politischen Lebens, sie satten daher leicht auf schlechte und törichte Pücher herein, die etwas scheinbar begründen, was ihrem Vorurteil entgegenkommt. Es fehlt dllrchaus an hinläNKichem Bekanntgewordensein in der großen Met'ge derer, hie durch solchen Schwindel betört wecheit. Mit «der Llnregung eines Kollektbpprotestes Wpllte ich nichts weiter sagen, ass daß olle Freunde der.Wahcheit «iu dringendes Interesse daran haben, eine so widerwärtige u,nd freche «Sptzkulatio fl' apf die Kummhesi und sinwiss?nheU in Kreisen, die sich für hochgebildet halten, so sehr als nwglich allgemein bekanut werdet! zu lassen. Der Kampf gegen Unwahchsit und Unwahchastigkeit will und soll rücksichtslos geführt werden. W i e n, 6. September. * Das-Wiener Kaffeehaus von heute. Die gemütliche Wie-> ner Kasfeehauskultnr ist dem Ansturm der Zeit schpn lärtgst er-, legen. Aeußerlzch. sind zwar die meistert Cafes bis auf dse RenMerung unverändert geblieben, ihr innerer Sinn und Geist hat sich aber gewandelt. Es ist sicherlich nicht immer das Beste und Schönste aus langstündigem Spintisieren bei Mpska tNtd Zigarette oder aus eiirtörrigem Kasseehausklatsch hervorgegangeu, der Reiz der haliböffonsilchen Heiuilichkeit der/vor unseren Augen vergehenden Wiener Kaffeehauskultar konnte aber doch nicht geleugnet werdert. Halböffentliche Heimlichkeit: denn die Stim'nung eines Wiener Cafes als Typus war immer anders als die eines in Berlin oder anderswo; in einem Wiener Cafe saß man wie;u Hause bei halb geässueter Tüxe; vom vis-a-vis wurde diskret hineinkokett.iert. Langsam beginnt mcm aber auch in Wien daß Cafe als Marktplatz, als Tanzdiele oder als Augenblick^erholnng zu betpachjen. Die langjährige legitime Ehe des Wi"tleps wU seinen Stammcafes! hat sich mählich anfgesöst, gnd an Stelle Hel liebevollen Gattintraten verschiedertartigo Hetäfon: die . plumpe Geschäftsmaklerin (dqs Börsen- und Handelsease), die lävtnende Tanzfrenndin (das Konzerstase und die Tanzbär) und dft eiletttz?. Augenblicksdame (das Expresso). Alt die Stelle Pon Wien trete«!. Berlin und Paris. Ob die neue Mischung angenehmer, schöner pnd srnchtbringen^er fein wird, muß die Zeit lehren. Trauern um Unwiederbringliches ist eine peinliche Sache. Das interessanteste neue Gewächs in der Wiener KaffeehauSindustrie st tlnzwsifel^ Haft das Espresso. Es sind dies echte Guckkästen der Großstadt. Jrt ihnen fließt alles: dqs Publikum, der Weilt Utl1> der Mokka. Branchenmäßig ist das. Expresso ein Mittelding zwischen Wein- Halle, Restaurant und Cafe. Der Name kommt von einer modernen Kaffeemaschine, die Sandwichs stammen fluS dm itasietstich? amerikanischen Par und die Wesne pan überallher. Der Kcstfes ist hier immer vorzüglich, weil er frisch gemacht, und hie Gesellschaft glänzend, weil abwechselnd. Wenn du dich für eine Stnnde Ptm Felsen iw bewegten Meere ntachett willst «ltzd so lange in einem Etipressa sitzen bleibst, kannst «dn tzaltz den besthezahllksten Tenor der nflhegelegenen Oper und die kleinste OPereltencharistin (wicht gerade immer «baisantmen) und dantt einen müden Buchhalter, nachdenklichen Philosophieprofessvr, ansgedörrten Eintänzer oder ' selbstherrlichen Fnßballheras als. Geftllschaft Men. Me prsammen oder einzeln, ,Je nachdem es gerade der Grpßstadt paßte, sie ' in dem engett Raum zusammenzupferchen. Sie kommen her,- obwohl es hier enger als im Kaffeehaus ist, weil hier neutralere Gftmmnng herrscht und man zr; gar nichts verpflichtet ist. Wgn darf sehr rasch effen, we.il man silt. Man ist nicht iM htteraftn-, Börsen-, Naphtha-. Palen-, Textil? oder.. AMmküfseebaus, sondern einfach im uichßnannten EMessy, Me herrlich, pgn Zeit h» Zeit her Marke, der genauen Bezeichnung öav zu sein! Fast auf der Htraße zu sitzen untz doch vor Reg^tt und allsu neugierigen Blicktztt geschützt ztt sein. Weniger M Gemüt, mchr für die Nerven und den Intellekt. Prickelnd und anregend, Weniger Wien, mehr Verkehr. Wer. lyird siegen? Ger Mensv oder das Expresso? ' Entweder berlinerisch oder gemMich , , . virllßicht das Mittelding wiederum spezchsch witzneHb MdeN. siths * Meder rin «dB Neubaues, NW eine Senkung der all..,... mit Einsturz und die Feuerwchr mußte m dt« Gefahr tu bannen, Wndament mittags mm

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