Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2707 (5.9.1926)
- Date
- 1926-09-05
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 8 Wien, Sonnlag WSUwtt MoiMttMüVd o. Tepfemvek lyBB WZ, ZIUI, Moderne Damenhille aus Pilz und Velour Detailverkauf zu Fabtiks-Engros-Preisen neueste Modelle, alle Modefarben, 6701 Hutfabrik R. Korff, Wien 11., Grosse Mohrengam 42 (Ecke Odeong.) Tel. 49*4*40 I., Parkring 12, neben Gartenbaukino 1W1111HU Symphonie- und Kammermusikabende in vöslau. Die Vöslauer Kurkapelle, die uns Mitgliedern und Solisten des Wiener Syfliphonieyrchesters besteht, haben unter Leitunu des Kapellmeisters Ludwig Werda eine Reihe künstlerisch hervorragender Konzerte gegeben. Besonderem Interesse begegneten die nm eingeführten K a m m erm us ik a be n d e, an welchen Konzertmeister I. L i t w i n, Prof. Karl Lasner. Prof. L. Birkenf e l d und A. Baller Mitwirken. Das materielle Ergebnis der Salzburger Festspiele 1VS6 entsprach nicht den Erwartungen denn es ergab sich ein Abgang von rund 14 0.0 0 0 Schillina. Eine Anzahl van Persönlichkeiten, die, wie der offizielle Bericht hervorhebt, „durchaus nicht unmittelbar an den Veranstaltungen interessiert sind," Mode und Kunstgewerbe I In ditter Rubrik «rjefteftten eitigittm* An*»{g*t IfttilitMItMtJ * Hutmob«. Eines unserer führenden HutmobeetablissementS, die bestbekannte Firma R. Korff, hat neben dem Gartenbankino (1. Bez., Parkring 12) einen HtttvsrkcmfSpavillon errichtet, in welcheui die elegante Wiener und ausländisch» Damenwelt die neuesten entzückenden Hutmodelle bewundern kann. Die Modelle repräsentieren auserlesenen Wiener schmeck Mt Pariser Schick vereint und werden aus erstklassigem Material von Spezialarbeitern hergestellt. Die Damen finden in den Ausstellungsräumen des Pavillons Meud-, Strafen und Sporthüte aus Filz und Velour, von der einfachsten bis zur feinsten Ausführung, in den modernsten Formen und Farben. Die Fabriksräume befinden sich. 2. Bez.. Große Mohrenaasse 42, Tel. 49-4-40. Trotz der außerordentlich seinen Dualität sind die Preise ungemein niedrig gehalten. Eine Pariserin, die sich hier auf der Durchreise nach Karlsbad aufyielt, beabsichtigte sich für den Kuraufenthalt einige Hüte anznichasfen. Alle Freundinnen empfahlen ihr übereinstimmend die Firma Rudolf Korff und behauptete die Dame, in Paris keine schöneren Mm delle gesehen zu haben. * Der Weg zum Erfolg wird durch gewinnendes Aeutzere geebnet. In Amerika weiß man es schon lange, daß der abgetragenste Anzug von veraltetem Schnitt elegant und schick »olkswirt. haben das Defizit gedeckt, so tag die Festsplelhausgemeinde alle! getragenste Anzug von veraltetem vwntt eieganr uno ,cym ihre Verpflichtungen erfüllen wird. „Ton Juan." „Eiitführnn-g."; a"siieht, wenn er nur gut gebügelt ist. Hinter dieses AA^wnis „Fledermaus" und „Jedermann" waren grt besucht. Ter Besuch! ols erste Firma auf dem Kontinent die allseits bestbekannte Klviderbügelanstalt Dandp, 4. Bez., Margaretenstraße 30, ge kommen. Von ersten Fachleuten geführt, übernimmt Dandy Ihre Garderobe zum Bügeln und zur chemischen Reinigung gegen ein verblüffend geringes Entgelt. Abholung und Zustellung kostenlos und prompt mittels Auto. Der ungemein starke Zuspruch hat da§ populäre Unternahmen genötigt, eine Filiale im 4, Bez., Phornsgaffe 5, zu eröffnen, und wurden gleichzeitig,, die Preise neuerlich herabgesetzt. Versuch überzeugt. — Näheres siehe Inserat! * Das gute Renommee, welches die seit 1874 bestehende Firma Anton Stephan, Wien, 2. Bez., Glockengasse 21, genießt, wird durch exakte, mit künstlerischem Geschmack hergestellte Arbeit begründet. Die Firma erzeugt moderne Firmenschilder in Glas, Holz, Blech usw. und befaßt sich auch mit moderner Lichtreklame. Bei durchaus erstklassiger Durchführung werden mäßigste Preise berechnet. Zahlreiche Anerkennungsschreiben der Zentralbibliothek, Allgemeine österreichische Baugesellschaft, Israelitische Kultusgemeinde, Froß-Büssing-Werke, Franz Korst usw. beweisen, daß die Firma ihre zahlreichen Kunden stets zur vollsten Zufriedenheit bedient hat. Auch auswärts hat die Firma Stephan einen großen Kundenkreis. * Frlzhiite — die große Mode! Anläßlich der Wiener Messe hat die seit 60 fahren bestehende, allgemein beliebte Hutfirma Karl Ceschka u. Söhne, 7. Bez., Kaiserstraße 128, ihren Kunden die allernonesten Hutinodelle für Damen und Herren vorgeführt. Die herrschenden Modefarben sind —. wie I aus Paris gemeldet wird ~~ Modebraun für Herren- und Bordeaux für Tamenhüte. Wir empfehlen unieren Lesern vor . . . ... . ,. Deckung ihres Bedarfes die Schaufenster und Lagerräume der Dr. Torres die Hilfe der russischen Justiz für die Verteidigung Firma'Karl Ceschka zu besichtigen. I-in«- Mim.-N, Dr. Toms «»Me mH W-r,n> d-s lernte?, In! . B-rlrn»-,, d«s P»dli,»ms d°> >>ch Sa« «nomratate aller übrigen Aufführungen, insbesondere der der Konzerte, ließ zu wünschen übrig. Der jüdische Schauspieler Sandor gestorben. In S i mferopol ist, wie uns berichtet wird, der vevsienfwolle jüdische Schauspieler Sandor einem Sonnenstich erlogen. Sandor, der Organisator des jüdischen Kammerche-aters in Kiew, war nach Snnsercpol gekommen, um dort das neu zu errichtende jüdische Staatstheater zu organisieren. Mitten in dieser Tätigkeit har ihn der Tod himveggerafft. Die Berliner „Tribüne" polizeilich geschlossen. Das unter Leitung des Direktors Rcbert stehende Theater „Tribüne" ist, wie aus Berlin berichtet wird, ans sicherhoits-polizeilichen Gründen geschlossen worden. Die Theater Polizei hatte bereits vor längerer Zoll Direktor Robert ausgefordert, im Interesse des Publikums und der Schauspieler sofort verschiedene bauliche Veränderungen vorpmehmen. Da ein Teil dieser Forderungen noch nicht erfüllt worden ist, ist die Veranstaltung von Vorstellungen vorläufig verboten Wochen. Die Großnichte Fran; Schuberts, Frau Marie Kclowrat, eine kranke Witwe, lebt in Not. Sie wendet sich an uns. wir mögen die Oeffentlichkeit auf ihr rrauriges Los aunnerksam machen. Man möge ihr, der Blutsverwandten des unsterblichen Wiener Tondichters, beiftehen. (Adresse: 17. Bez., Blumengasse 52.) Begrüßungsabend für Dr. Torres in Moskau. Aus M o s» kau wird uns berichtet: Ter Moskauer Nechisanwaltsrerband veranstaltete zu Ehren des in der russischen Hauptstadt weilenden Verteidigers Schwarcharths. des Pariser Recknsanwaltes T o rrtzs. omen Begrüßungsabend, der aus allen Schichten der Bevölkerung zahlreich besucht war. Ter Vorsitzende des Versandes, Dr. Tschlenow, versprach in feiner Begrüßungsansprache Pelzhaus 21. Teitler, 2 dnng von nur erstklassigen, denen er. die Hoffnuna auf den Sieg der Gerechtigkeit zum 2li's drucke brachte _ Herichtssaal. Die freie Antenne. Eine wichtige Entscheidung für Radioyörer hat der Oberste Gerichtshof gestern gefällt, indem er ausgesprochen hat, daß dem Radioabonnenten das Recht zusteht, auch gegen den Willen des Hauseigentümers eine Freiantenne anzubringen. Der Oberste Ge- \ ge ■m Bfe richtshof hat in einem diesbezüglichen Streitfall entschieden, daß Jy| ö « »s» 8» z., Lchmelzgasfe 6, durch Berwenpeinlichst genau geprüften Fellen und gewissenhafte moderne und elegante Ausfüyrung der Pelzwaren erworben. Vor kurzem sind vom Leipziger Pelzmarkt die allerneuesten Strapaz- und Luxusfelle eingetroffen und empfehlen wir jedermann, die reiche Answahl an Pe-lgmänt^ln, Jacken, Siolas usw. bei der Firma Teitler zu besichtigen, um sich von der Qualität und Konknrrenzlosigkeit der Preise zu überzeugen. gegen die Anbringung einer Frelantenne keine begründete Urlache oorliege, wenn nicht durch die Anbringung einer solchen Antenne eine Jnteressenverletzung oder Gefährdung des Hauseigentümers vorliegt. Tie Weigerung des Hauseigentümers kann nur dann als begründet anerkannt werden, wenn damit wichtige schutzbsdürftige Interessen des Hauseigentümers in Kollision geraten. Pelzwaren jeder Art Kurschnermelster Jl„ Schmelzgasse Nr. 6 Prima Ausführung Solide Preise Sohilder« and 8oiirJtt«nm*ler 6700 WIR». Xt. BBKXRJC QK.OOSBROd.aBB 81 ANTON STEPHAN Bdsta Bod f.ntji.gr. Telephon 474-55 - Otgrttn.iet 1874 Prim* «ef-'tqi zon. »o lde Preis«, tos Sefljtt Osr fltmttrtQiRtn. Im ersten Halbjahr 20 MMionrn Gchllstn-. Sicherlich nicht ohne Be-iehnng m dem Umstand, daß Bundeskanzler Dr. Ramel gestern aibends nach Gens reiste, veröffentlichte am selben Tag das Morgendlatt seiner Kyatjttonsgenossen, der Großdeutsch, eine Information über die finanzielle Lage und die Aussichten der BunLeSdahnen, anS der herporgeht, daß es mit den Bchnen nicht zum besten stcht und daß sie im ersten Halbjahr IM. mit einem ungedeckten Defizit von 26 Millionen Schilling absGießen. einer Ziffer, die den heranschlagten Wgang um volle 6 Mllionen Schilling übsvstejgt. In einer Pressekkonferenz galb gestern der heiter der finanziellen Ressorts der Vundesdahnen, Dr. Foest-Monshoff. die ziffernmäßige We deß Abganges zu. meinte aber, daß die Bundesbahnen im echen Semester immer passiv seien. Schuld sei hauptsächlich der bedeutend verringerte Pevsonenvrrkehr, das schlechte Wetter, die schlechten WirtschaftSverhältniffe und schließlich sogar die Konkurrenz der Automobile und Flugzeuge. Unrichtig sei es, von einer riesigen Verschuldung der Bundesbahnen an die Banken zu sprechen. Die Bahnen hätten wohl von den Banken einen Kredit von vktMillionen Schilling erhalten. Das fei aber lediglich ein Ultimokredit, das heißt eine finanzielle HHs über die schwerste Zeit. Dr. Fovst hat damit gewiß nicht alle Ursachen der Defizitwirtschaft der Bundesbahnen aufgezeigt. Der Hauptgrund für den Minderertrag der Bahnen ist wohl darin zu juchen, daß durch den FriehenSvertrag ursprünglich ertragreiche Hauptlinien, wie zum Beispiel die Nordbahu, zu kurzen Stockgelslsen geworden sind. Dazu kommt noch die schlechte Personalwirtschast, die aus dis Vorkriegszeit zurückgeht, als zum Beispiel deutsch' nationale Eifenibohuminifter, wie der vovstorbene Dr. Förster, aus den böhmischen und mährischen DirMonsbezirken massenhaft deutschnationale Beamte zu den beiden Wiener Direktionen brachten. Diese Beamtenhypertrophie wurde nach dem Unosturz noch ärger. Die gesamte deutschnattonale Msenbahnerirredenta aus der Tschechoslowakei und aus den an Jugoslawien abgetretenen Gebieten fand auf dem verkleinerten österreichischen Netz ihr Unterkommen. Politischen Einflüssen ist eS vor allem zuzufchreiben, daß der Achtstundentag in einer ganz unvernünftigen Auslegung auf daS gesamte Personal Anwendung fand und daß schließlich minderwertigste, aber darum teure Kohle österreichischer Gruben ans vielen Strecken verfeuert wird. Alle diese Schäden nuszumerzen, war auch der Genera^- diroktor der Bundesbahnen. Dr. Günther, dem der Ruf eines sehr energischen MannevoranSging, nicht stark genug. Und doch haben die Ausführungen des beamteten Kommentators der Bundesbchnmisere einen Fingerzeig für. den Weg der Besserung gegeben. Der Transitverkehr, den die Ausführungen Dr. Forst' sozusagen als Konjunktureinnahme in Rechnung stellen, könnte bei einer vernünftigen Tarifpolitik, welche mit der ausländischen Tvansversalkonkurrenin richtigen Wettbewerb treten kann, dem österreichischen Bahnwesen aus die Beine Holsen. Mit der Berufung aus den überall passiven Personenverkehr und aus Autor und Flugzeuge, die für die Haupteinnahmequelle der Bahnen, den Güterverkehr, nicht in Btracht kommen, geht's nicht, viellicht geht's mit kaufmännischer Einsicht, die ein sogenannter „Wirischastsrörper"- doch haben sollte. Copyr ßht 92' Dy R. Löwit Verlag, Wien—Leipzig. Iakar-daj. 7. Fonieeung. Sine jüdische Legende. Der Jüngling hätte jetzt wohl die heitersten Stunden verlebt, wenn nicht der Umstano einen Schatten auf seinen inneren Frieden geworfen hätte, daß er durchaus nicht mehr, trotz aller in Gemeinschaft seines Pflegevaters unternommenen Nachforschungen, erfahren konnte, wo seine Eltern weilten und was aus ihnen geworden war; denn sie waren schon längst von Frankfurt weggezogen und allmählich der Aufmertsamkeit ihrer Nachbarn entschwunden. * Wieder waren einige Jahre still und ruhig verflossen. An einem freundlichen Sommerabend wandelte Iakar-daj, der mittlerweile sein zwanzigstes Lebensjahr erreicht haben mochte, 'die unwiderstchliche Lust an, den Schritt hinaus in die freie Natur zu lenken. Es war ein Mberischer Abend. Die Sonne, eben im Scheiden begriffen, goß ihre letzten Strahlen verklärend auf die üppigen Saatenflächen und schwellenden Fluren; aus der Ferne tönte das leise Murmeln eines Baches, wie zu Gebet und Betrachtung mahnend, durch die friedliche Stille. Iakar-daj saß sinnend bei einem blütenreichen Busch. Dunkle Binder traten aus dem Hintergründe seiner Seele, die ersten Tage der Kindheit, sein ganzes st mannigfach bewegtes Leben schwebte an seiner Erinnerung vorüber. . Aus dieser wehmütigen Träumerei weckte ihn plötzlich das Geräusch nahender Stimmen. Es waren zwei weibliche Gestalten, die langsam näher kamen. Die eine eine rüstige Matrone und an chrer Seite dieselbe Gestalt, aber jugendlich und frisch, vom .Hauche der Anmut angeweht, liebreizend und hold. Ein nie gesinntes beseligelldes Gefühl durchzog das.Herz des Jünglings, heftiger schlugen die Pulse, sein.Haupt glühte wie berauscht von plötzlich anstürmender Freude. ES wollte aber das Fatum, daß die beiden gerade ihm gegenüber ins Gras sich lagerten. Er hatte also Gelegenheit, daschöne Mädchenantlitz näher zu beschauen. Doch so oinen wunderbar lieblichen. Eindruck dasselbe auch ans sein Gemüt machte, st kam es ihm doch nicht ganz vor, er hatte diesen engelmilden Lockenkopf schon irgendwo gesehen, freilich, von den Ideen seiner „Meforschim"'"). erfüllt, nicht beachtet. Nun konpte er sich über seine frühere Gleichgültigkeit nicht genug verwundern. Rasch und unbemerkt waren dem Jüngling, der in seinem Versteck kaum zu atmen wagte, einige selige Minuten hingeschwunden. Ein neues Leben schien in ihm aufgegangen. MittlerweTe hatte sich der Himmel mit Wölken umzogen, der leise Ost war rauschend geworden und wirbelte Blätter und Blüten vermischt mit Stau'b vor sich her. Tie Frauen hatten dies kaum wahrgenommen, als sie sich eilig auf den Heimweg begatben. Doch Iakar-daj blieb lange noch wie gebannt liegen, er starrte der lieblichen Erscheinung nach, bis sie ihm im Dunkel entschwand. Endlich begab auch er sich nach Hause, in Gedanken vertieft und schier umgewandelt. Tags darauf am frühen Morgen kam der Rabbi nach seiner Gewohnheit in die Klause Jakar-dajs, um mit ihm irgend einen neuen Abschnitt eines kabbalistischen Buches zu beginnen. Doch der Jüngling, der jetzt mehr Neigung fühlen mochte, Salomos süßes „Lied der Licder", dessen zauberische Rätselwörte schon 'längst alle seine Sinne umfangen hatten, tatsächlich zu studieren, mochte seine Unlust zu diesen trockenen Dissertationen nimmer verbergen, er wandte sich ab und begann unruhig im Zimmer auf und ab zu schreiten. Besorgt richtete der Rabbi Frage um Frage an ihn; alle wurden teils gar nicht, teils nur halb beantwortet. „Du scheinst dich nicht wchl zu fühlen, mein Sohn!" rief der Rabbi endlich in kummervollem Ton aus. „Ja, es ist so drückend heiß im Zimmer", antwortete der Jüngling, eilte ans Fenster, um es 'der frischen Morgenluft zu offnen, und lehnte sich über die Brüstung hinaus, um in vollen Zügen der gepreßten Brust Erleichterung zu verschaffen. Cr war aber kaum wenige Minuten in dieser Stellung verharrt, als er plötzlich mit allen Zeichen der größten Ueberraschung zurückfuhr. Dann schloß er mit zitternder Hand daS Fenster und ließ sogar den Vorhang herunter. Von dem Gedanken erschreckt, sich vielleicht *) Kommentatoren.4 unbekannt unwillkürlich verraten zu haben, Mckte er hinter sich; zum Glück ' hatte der Rabbi sich bereits entfernt. Cr setzte sich also schweigend ans Fenster hin, jedoch bald konnte er wieder -nicht umhin, beu Vorhang leise zu lüften und einen verstohlenen Blick nach dem gegenüberliegenden Fenster zu senden; denn dort saß die schöne Erscheinung von gestern abends. Doch wie sehr tvuchs seine Verlegenheit, als er bald bemerkte, daß auch er seinerseits, trotz des sicheren Versteck-, darip. er sich wähnte, ein Gegenstand der Aufmerksamkeit geworden war. Zurst eilte das Mädchen in reizender Verwirrung weg,, da st« sich beobachtet sah, bald jedoch kehrte sie wieder und eS erfolgte nun zwischen beiden eine seltsame Szene. « Cr ein Buch vor sich, deffen Blätter er gedankenlos nach vor- und rückwärts durchmusterte, aber mit um so größerem Bedacht allaugenhlicklich einen raschen verstohlenen Blick hinübersendend; sie wieder scheinbar mit einer Näharbeit beschäftigt, von welcher sie aber, jede Minute aufblickend, unwiMrlich dem Auge die Richtung nach dem Fenster des Jünglings gab. In den nächsten Tagen wiedecholten sich diese stummen Unterredungen beinahe stündlich, bald sMt unter den Augen teS Rabbi einerseits und der Mutter andererseits, die nichts weniger als dieses sonderbare Verhältnis ahnten und die seltsame Unruhe, in welcher sich ihre Kinder se>it einigen Tagen befanden, jedem anderen Grunde eher als dem wahren zuzufchreiben geneigt waren. Das Verständnis unter unseren Liebenden war auch bald vollkommen eingeleittzt; sie wurden es baild müde, nur durch Blicke miteinander zu konveitzsieren, und griffen zu einem bewährten Mittel — zu Briefen. Jedoch war diese Korrespondanz von einigen eigentümlichen Umsiänden begleitet — eS waren nämlich Rosen und Blumen, die zu LiebrSboten erkoren wurden. So oft beide sich unveMchtei sahen, warf bald der Jüngling, balld wieder die Jungfrau eine Rose oder a-ndere Blume in nicht sehr entfernte gegenüberstehende Fenster, auf deren Schaft und Blättern di« freundlichsten LiebeSwort« in bewundsMngswürdiger Gedrängtheit und Kürze eingegraben waren. Zuweilen gar steckte zwischen den Blättern ein kleines Zettelchen, welches dann entfaltet, mit inniger Lust gelesen und sorglich verwahrt wurde. Aoriljetzung sölgt.)