Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2707 (5.9.1926)
- Date
- 1926-09-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Me», Sonntag Wiener Morftenzettima 8. September 1986 Nr. S707 Ae Mischen Minderheiten aus dem Senfer Kongreß. SespM mtt wo MotzNa. BizepkWenten de« MnorUillenIimgnff«. Nach der Beendigung de- Kongrskses der nationalen Minderheiten in Genf gab Herr Leo Motzkin, Präsident des Zionfftffchen Aktion-» komitees und des Pariser Komitees der jüdischen Delegationen, der als Vertreter der jüdischen Mmderhttten dem Präsidium des Minoritätenkongresses angchörte und der von diesem Kongreß be Mossenen Exekutive der nationaler Minderheiten angchören wird, den Vertretern der Presse Aufklärungen über die Bedeutung der Tagung für die jüdischen Minderheiten. Motzkin führte unter anderem aus: Ls unterliegt keinem Zweifel, daß der zweite Kongreß ':r nationalen Minderheiten durch den Inhalt, den Ernst und die Form einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat Wenn solche Tagungen sich wiederholen, so wird sich eine mächtige interterritoriale B a s i S, wenn auch nur in Form einer Welttribüne, für solche Bestrebungen ausbil den. Es hat sich dabei auch diesmal herausgestellt, daß das Schicksal der Juden als Minderhen, mit dem Schicksale der anderen Minderheiten aufs e n g st e verbunden ist. Das haben die Jtlden schon während der Friedenskonferenz vorausge sehen, als sie im Jahre 1919 das historisch gewordene M emo-randum überreichten, das einzige allgemeine Memorandum über Minderheitsforderungen: Die darin ausgestellten Forderungen betrafen bekanntlich nicht die Juden allein, sondern der Form » SIE wollen Ihre Wäsche sauber haben sollen Ihre Wäsche schonen müssen daher waschen lassen bei der FEINWASCHANSTALT B LAN CA XIII., LINZERSTRASSB 299 TELEPHON 81-3-21 holen und stellen jedes Quantum Wüsche kostenlos zu waschen Ihie Wüsche ganz separat, schonend und blütanwejß halten Ihre Wäsche gegen jedes Risiko vollverslehert 156 und bcni Wesen nach alle Minderheiten; mit Bezug aus die kubische Sonderstellung wurden nur ein paar spezielle Forderungen zum Ausdruck gebracht. An der diesjährigen Beratung in Genf haben sich die Juden in stärkerem Maße als au der vorjährigen Konferenz beteiligt. Rein äußerlich genommen, sind ihnen drei Referate. em Sitz im Präsidium des Kongresses und das Präsidium der Kulturkommission zugefallen. Die jüdischen Repräsentanten (sieben vollberechtigte) haben sich an sämtlichen Kommissionen in eisriger und einflußreicher Weise beteiligt. Ganze Teile der Resolutionen tragen offenkundig den Steins pel der jüdischen Mtarbeit. In den Resolutionen der Kö'W Mission,, die sich auf die Regelung van Konslik t e n beziehen, -Haben schwierige Momente des Minderheiten-, kampfes,. darunter noch schwierigere der jüdischen Minderheiten ein Echo gefunden. Drei Formeln, seien hervorgehoben:- 1. die Forderung, daß Konflikte zwischen den Minderheiten und der Regierung des Mehrheitsvoltes in den Ländern selbst durch gemischte paritätische Kommissionen geregelt werden; 2. das Recht einer Minderheit auf direktes Gehör im Falle eines Appells an den Völkerbund; 3. die Ablehnung der Legalität eines Verzichtes einer Minderheit auf ihre Minderheitenrechte. Mr sind außerordentlich daran interessiert, daß Appelle von Minderheiten an den Völkerbund nicht als illoyale.-Handlungen von unseren Gegnern gestempelt würden, da dann der internationale Schutz zu einer Gefahr würde. Wenn die bisherige Gepflogenheit im Völkerbund, Beschwerden der Minderheiten, ohne Anhörung der sich beschwerenden Partei zu erledigen, bestehen bleibt, so wird auf die Dauer das Appellrecht der Minderheiten illusorisch. Der gegenwärtige Zustand berührt in einschneidender Weise jüdische Interessen, um so mehr, da die Juden im Völkerbund nicht vertreten und durch diese Tatsache in ihrem Einfluß auf eNr Minimum beschränkt sind. Geradezu aktuell ist für uns die feierliche Erklärung des Kongresses, die in der Forderung gipfelt, daß jeder Verzicht einer Minderheit auf -ihre Minderheitsrechte äks null und nichtig angesehen werden fall. Dies ist besonders wichtig, da gerade jetzt die Inden in der Türkei nach einen: langen uqd harten Widerstand durch die türkische Regierung gezwungen wurden, auf die ihnen durch die Verträge gewährten Minderheitsrechte formell zu verzichten. Nicht weniger wichtig für uns Inden sind zahlreiche Stellen in den Resolutionen der Kommission gegen Entrechtung im Wirtschaftsleben. Es ist klar, daß diese Resolutionen eine Kombination der verschiedensten schweren Erlebnisse der einzelnen Minderheiten darstellen, deren Vertreter eine lange Liste von konkreten Klagen hatten, darunter zahlreiche schwere Klagen, die das harte Leben der Juden betreffen. Allein alle diese Forderungen, so die auf Gleichberechtigung bei neuen wirtschaftlichen Maßnahmen, bei Konzessionen usw. sind allgemeiner Natur, selbst die Forderung, daß jode Boykottpropaganda gegenüber einer Minderheit verboten sein soll, geht nicht nur die jüdische, sondern auch andere Minderheiten an. E i n Passus ist jedoch eine reine Kolksequenz des wirtschaftlichen Kampfes der Mischen Minderheit und ist dem Einfluß des jüdischen Vertreters in dieser Kommission zu verdanken, nämlich der Passus hinsichtlich der Rücksichtnahme auf die speziellen Feiertage der Minderheiten. Die Mitarbeit der Inden auf dem Minoritätskongreß geschah unter einem großen Gesichtspunkt, den hervorzuheben ich für wichtig halte. Wenn wir Juden jede gewaltsame oder künstliche Verschmelzung der Arten, der Nationen, der Rassen, die mit ihren Nuancen und Feinheiten die Welt bereichern, entschieden ablehnen, so schwebt uns doch eine sozusagen gegenseitige, geistige Verschmelzung der Völker für eine gemeinsame Ideenwelt unter strikter Au frech-terHaltung und weiterer Entfaltung der eigenen Art der Nationen vor. Daraus ergeben sich klar die Schlüsse, welche aus der Teilnahme der Juden an den eben geschlossenen Minoritäten-, kongreß resultieren: 1. Das jüdische Volkstum hat im Interesse seines Organismus das größte Interesse daran, daß solche Kongresse der gegenseitigen Aufklärung und der Durcharbeitung der Minoritätenmaterie sich wiederholen und daß hiefür geeignete Organisationen sich anschlietzen. •* 2. Es muß selbstverständlich das Bestreben für die Zukunft sein, unter möglichster Schonung der Empfindungen aller Minderheiten, die konkreten Minderheitssragen noch präziser zum Ausdruck zu bringen, was sicherlich möglich ist, sobald die gegenseitigen Beziehungen der Minderheitsvertretungen zueinander sich noch mehr konsolidiert haben. 3. Die Juden müssen sich darüber klar sein, haß sie auf diesem internattönalen Boden die absolute Möglichkeit gesunden haben, ohne irgendwelche. Verdeckung ihres Wesens, und in voller Ebenbürtigkeit ihre Re chtssor der urigen gemeinsam mit schon jetzt anderthalb Dutzend anderer Rationen zu vertreten. Diese Ebenbürtigkeit des jüdischen Polkstums kam besonders schön in dem Schlußwort des Vovsitzenden zum Ausdruck, als er die Renaissance unserer Nation aus seinen eigenen Triestiner Erlebnissen in dem Prozeß der WandernE.,des „ältesten Volkes" nach der alten Heimat darstellte. Sie Schulpolitik In Polen. ' L. Warschau, 4- September. Gestern -sprach, wie -die jüdischen Blätter berichten, beim neuen Vize,minister für Unterricht, G a i c z a k, eine Delegation des jüdischen Elternkomitees ans W avsch a u vor, um gegen die a s s r m -i l atorische Politik der Schulen Klage zu führen. Der Führer der Delegation, Herr Rosenstein, erklärte, daß er per polnischen Sprüche nicht mächtig sei und bat den Büzeminister, seine Ausführungen in jiddischer Sprache machen zu dürfen. Minister Gai cza k gestattete ihn: dies bereitwilligst, weil er, wie er sagte, sehr gut jiddisch versiehe. Herr Rosenstsin «forderte in einer längeren Rede, daß die jüdischen Kinder, die gegenwärtig in gemischte n Schu le n nn hergebracht sich, zur Gänze auf jüdische Schulen aufget-silt rverden. Vizeminister Gaiczak erwiderte, daß dies eine Politische Frage sei, die zu lösen nicht in seine Kompetenz falle. Bor der Demission des Unterrichtsmsniftersd L. Warschau, 4. September. Wie verlautet, wird in> der allernächsten Zeit der Unterrichts minister Güstows? i seine Dem-isst on gdben. neue Autos I Steffi ausgestellt tn Kärptnerrlnf 7 1 StaUftfc*. ausgestellt!., KKmtftemug 13 1 ffttl, au ' “ “ ausgestellt I., Burgring 1 mit SetMlling-Losen der sind iu semrlneee Invallden-Lotterl« Weiter: 3 kg Feingold, I Ehrbar-Flügel etc. Oesamttrefferwert & 30.000 Lose in allen Trafiken, Wechselstuben *te. Lotteriebureau: VII., Lerchenfeldersir. 1. Tel. 38.5-30 ZIEHUNG 30. SEPTEMBER 193« Zur Krimsrase. Ein bemerkenswerter Gegensatz Mischen der Zionistischen Organisation der Vereinigten Staaten und ihrem Vizepräsidenten lweuben Brainin. In unserer Nummer vom 29. August haben wir zu den sonderbaren Berichten, w Herr Reuben Brainin dem New-Aorker „Tog" über seine Eindrücke von der KrimkolonisaUon sandte, Stellung genommen. Diese unsere Stellung vermochte auch das einige Tage später von uns veröffentlichte Interview, das Herr Brainin unserem Berliner .f. K-* Berichterstatter gewährte, zu unserem Bedauern nicht jtit ändern. Jriztvischen hat Herr Brainin bei dem Berliner Presseempfang des Joint, in welchen: über die Krimkolonisation ein „Bulletin" ausgegeben wurde/zusammen mit den Join-tvertretern Bilikow und Rosen, in seinem Lobeshymnus auf das Krimwerk seine Moskauer Reden womöglich noch übertroffen. Wir bringen nun heute die folgende Aenßerung des New-Aorker Blattes „Dos Aiddishe Folk", des offiziellen Organs der Zionistischen Organisation Amerikas, weiche deutlich darlegen, wie die Einstellung Braimns zur Krim-kolonisation in der amerikanischen Zianistenorganisatioii, deren Vizepräsident er ist, beurteilt wird. „Herr Reuben Brainin, der sich jetzt in Rußland befindet (die Notiz erschien am 20. August 1926, da Brainin Rußland noch nicht verlassen hatte. — Die Red. der „Wiener Morgenzeitung".) kabelt energisch dem „Tog". Er hat mehrere Monate in Palästina geweilt und man war neugierig, zu erfahren, welchen Eindruck die im Aufbatt begriffene jüdische Heimstätte auf ihn'gemacht hat; doch aus Palästina hat Brainin nicht nur nicht gekabelt, sondern er hat seine Palästinareise fast zur Gänze verschwiegen. In Moskau ist offenbar ein neuer Geist über ihn gekommen. Er kabelt. Und das einzige, was er aus Moskau zu kabeln hat, ist —. die Begeisterung für die Krimkolonisation. Sogar die offiziellen Ziffern erzählen nur von hnapp §000. jüdischen Familien, die „kolonisiert" wurden (inzwischen haben sich die offiziellen Ziffern bereits, wie aus den „amtlichen" Darlegungen an die Berliner Presse hervorg-eht, um die Hälfte, auf 2600 Familien vermindert. — Die Red. der „Wiener Morgenzeitung".), verdienen denn die übrigen Juden Rußlands, deren Zahl immerhin einige Millionen erreicht, schon gar kein Interesse mehr? Ist Herr Brainin ganz frei nach Rußland geisahren, um die Lage des russischen Judentums kennen zu lernen, oder als spezieller Besucher der Krimkolonisation? Seine Kabeltelegramme lassen zumindest diese Frage berechtigt erscheinen." „Doch seine Kvimbegeisterung könnten wir ihm verzeihen. Schließlich und endlich ist Herr Brainin kein großer Fachmann in Kolonisationspvoblemen und großartige Neuigkeiten erzählt er auch nicht — also wird er wohl keine gewaltigen Umwälzungen hervavvuifen. Mag also Herr Brainin ruhig seine Meinung haben. Wenn er aber als Ankläger und als Beschuldiger auftritt — dann können wir schon nicht mchr gleichgültig bleiben. „Diejenigen, welche gegen die russische JudenkojonffaAon kämpfen, begehen ein Verbvschen gegen das ganze jüdische Volk", proklamiert Herr Brainin in seiner letzten Kabeldepesche. Worin das Verbrechen besteht, sagt er nicht, er erwartet offenbar, daß man ihm aufs Wort glauben wird, Wir wollen unseren Lesern nicht verhehlen, daß wir dem „KabeWenst" aus Moskau sehr skeptisch Menüberstchen. Wir können uns nicht vorstellsn, daß Herr Brainin ft unverantwortlich, 'ft leichtsinnig und lächerlich handeln sollte. Hat aber Herr Brainin eine solche Erklärung abgegeben, dann hat er das größte Verbrechen begangen, ein Verbrechen gegen seinen eigenen guten Namen, gegen die hohe Reputation, die er als hebräischer, geistiger Führer und Schriftsteller erwovben hat. Dev berühmte hebräische Schriftsteller Salman Epstein, der die ganze Zeit von den Revolutiortsjahren bis in die letzten Monate hinein in Rußland verbracht hat, ist gewiß keine geringere Autorität in Sachen der russischen Kolonisation als Herr Brainin. Und tn ftiner jüngst veröffentlichten Broschüre „Meschek" verdammt er dir russische Kolonisation als eine Verführung, Äs einen Schwindel der Jewsekzia und als ein Unglück für die geistigen und materiellen Interessen des russischen Judentums." „Brainin versichert, es gebe keine Spur von Konflikten und von Konkurrenz zwischen der russischen Kolonisation und der in Erez Israel. Offenbar hat Herr Brainin, da er bereits ein Jahr ans Reisen ist, jeden Kontakt mit den Ereignissen des jüdischen Lebens verloren. Cr weiß anscheinend nicht, daß lepIMI Mi zu i?83 on rown »tn Feierliche Gottesdienste mit Chpr im neurenoylerten Zqntral-Klno, 2. Bezirk, Taborstraße 8a. per bekannte vorzügliche Oberkantor A, Margulles fungiert als Vorbeter / Karten sind bei der Kassa des Zentral-Klnos, 2. Bezirk, Tsdokitlsütz 89. Im Warenhaus Brüder SchilkmslM. 2. Bezirk,?sdy» straße 4S, Josef Singer. % Bqaltk, Taboritrafie SS. Bücherstube Rath, 2, Bezirk. Taborstraße 2Qa, und bet der Zionistischen fleztrkssektion, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33, zu haben.