Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2706 (4.9.1926)
- Date
- 1926-09-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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iSHatfC MorsenzeituW OM« ÄtridMsfflttL «it M»ttleiche auf Itm KehrWhnnsen. Meder (in Freispruch einer KindrSmörkxrin. Di« 24jährige Privatbeamtin Marie Schild hatte sich gestern vor den Geschworenen wegen des Verbrechens des Kindesmordes zu verantworten. Ihr wurde zur Last gelegt, haß sie am 38. Mai ihr Kind nach der Geburt durch Einpressen -er Finger in den Schlunid getötet habe. Nachher trug sie die Leiche zur MistablagerungsstLtte Hernals und legte sie dort nieder. Fünf Tage später wurde die Leiche von Koksstierern entdeckt. Um Kopf und Hals war ein Handtuch geschlungen. darüber ein Frauenmiedcr geschnürt und das Ganze in ein Zoitungsblatt eingeschlagen. Me Gerichtsärzte konstatierten, daß das Kind durchaus lebensfähig zur Welt gekommen sein müsse. Durch einen anonymen Brief wurde die Mutter des getöteten Kindes eruiert. Die Angeklagte war geständig und motivierte ihre Tat damit, daß sie sich außerstande gefühlt habe, auch für dieses zweite Kind zu sorgen. Me GerichtSpsycksiater bezeichneten die Schild als moralisch minderwertig und haltlos, jedoch für ihre Tat verantwortlich. Während ihres Verhörs weinte die Angeklagte heftig und sagte: „Ich war so verzweifelt, ich kann mir heute noch nicht enträtseln, wie es mir in den Sinn gekommen ist, das zu tun. Ich habe überhaupt nicht gesehen, ob es ein Bub oder ein Mädel ist." Die Geschworenen beantworteten die Hauptfrage auf das Verbrechen des Kindesmordes mit zwölf Stimmen Ja, die Z u s a tz f r a g e auf Sinnesverwirrung zur Zeit der Tat mit sechs Stimmen Ja gegen sechs Stimmen Nein und die Eventualfrage auf Uebertretung der Geburtsverheimlichung mit elf Stimmen Ja. Auf Grund dieses Verdiktes wurde die Angeklagte von dem Verbrechen des Kindesmordes freigesprochen und lediglich wegen Geburtsverheimlichung zu zwei Monaten strengen Arrestes verurteilt, die durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. Bollsvirt. Sk Kaufmimnschüst fl«en Me StttBnlwbsnfcn. Das Präsidium des.Hauptverbandes der Kaufmannschaff Hai an die Regierung sowie an zahlreiche Mitglieder des Nationalrates in ausführlichen Zuschriften gegen den Entwurf über die Eetränkeabgaben durch Länder und Gemeinden einen sehr energischen Protest erhoben. Es wird darin ausgeführt, daß das beabsichtigte Projekt sowohl finanzpolitisch als auch finanztechnisch cineit ganz unmöglichen Weg beschreite, da der für die Einhebung der Geiränkeabgaben notwendige Apparat sehr erhebliche Kosten verursachen wird. Dazu kommt, daß in dem Entwurf von einer Einheitlichkeit der Getränkesteuern nichts gesagt wird, so daß jedes Land und jede Gemeinde diese Abgabe in beliebiger Höhe wird einheben können. Die notwendige Folge wird natürlich eilt kostspieliger Ueberwachungsdienst gegen die Zufuhr von Getränken aus Ländern und Gemeinden mit niedrigerer Steuer sein, was letzten Endes auf die Errichtung von Z w i s ch e n z o l l i n i e n innerhalb des Bundesgebietes oder auf ein Wiederaufleben der alten Verzehrungssteuerl i n i c n hinausliefe. Ter .Hauptverband der Kaufmannschaft weist schließlich darauf hin, daß durch die Gesctzwerdnug der Getränkeabgaben einesteils die Belastung der Gesamtwirtschaft gesteigert und vor allem der Detailhandel sehr hart betroffen würde, wogegen sich die Kaufmannschaft auf das entschiedenste zur Mehr setzen muß. * Der sozialdemokratische Gemeinderatsk.üb hat gestern gegen die zur Koste nbedcckung für die Arbeitslosenversicherung geplanw Einführung der Landesbiersteuer in Wien Stellung genommen, weil dadurch eine große Komplikation bei der Verrechnung bei 35.000 Abgabepslichtigen entstehen würde. Ar neuen Saulose. r Für anforderungsfteie Wohnräume ist eine Freigabeerklärung durch.die Gemeinde notwendig. Viktor K. bewohnte in einem Hotel der Leopoldstadt ein Zimmer, welches ihm von der Gemeinde Wien auf Grund des Anforderungsgesetzes zugewiesen worden war. Am 7. Mai 1925 erklärte das Wohnungsamt, den Raum an die Hotelbesitzerin zurückstellen zu wollen. Im April 1926 brachte nun die Hotelbesitzevin gegen Viktor K. beim Bezirksgericht Leopoldstadt eine Klage auf Räumung ein, in der sie behauptete, das Wohnungsanforderungsgesetz sei bereits außer Kraft getreten und überdies sei die in diesem Gesetz vorgesehene vierwöchige Frist verstrichen, so daß kein Rechtsgrund für die Weiterbenützung des Hotelzimmers mehr vorhanden sei. .Das Bezirksgericht wies die Klage wegen Unzulässigkeit des Rechtsweges zurück, weil angefovderte Räume nicht schon durch den Ablauf von vier Wochen nach dem Ende der Wirksamkeit des Anfordcrungsgesetzes frei wrden, sondern erst d u r ch eine besondere Freigabeerklärung seitens der Gemeinde. Diese sei jedoch hinsichtlich des angeforderten Raumes nicht erfolgt, vielmehr sollte der angeforderte Raum erst ab 1. August 1926 freigegeben werden.' Daraus folgt, daß das Zimmer auch n a ch' A blauf des Anforderungsgesetzes als angefordert anzusehen ist. Solange aber dieser Zustand besteht, kann Nlcht auf Räumung geklagt werden. Wegen Unmöglichkeit ein Lokal zu finden, die Konzession verloren. Die ' nisderosterreichische Landesregierung hatte im -Jahre 191Y dem Gesuchsteller Wilhelm Kühtreiber die Bewilligung zur Vermittlung von Realitätenkäufen erteilt. Im Jahre 1920 wurde ihm vom magistratischen Bezirksamt für beit ersten Bezirk die Verlegung nach einem anderen Standort bewilligt, weil die in Aussicht genommenen Lokalitäten im, ersten Bezirk nicht frei waren. Trotz aller Bemühungen gelang es jedoch dem Konzessionsinhaber nicht, ein Geschäftslokal ausfindig zu machen, weshalb ihm im Jahre 1923 die Konzession wegen Nichtausübung entzogen wurde. Gegen diese Entscheidung brachte der Konzessionsinhaber den Rekurs an das Bundesministcrium für Handel und Verkehr ein, der aber abgewiesen wurde. Der V e r w a l t u ng s g e r i ch t sh o f hat die Beschwerde ebenfalls als unbegründet abgewiesen. Erregung an der Börse. Ter Prospekt der neuen Banlose erscheint am nächsten Montag und unmittelbar darauf erfolgt auch di: E nt t s- I i o n.. Sie umfaßt eberiso wie letzte 600.000 Stück, davon übernimmt ein B a n k s y n d i k a t, Wehen) aus den Großbauk e n, dem Hanse Rothschild, dem Bankhaus Sch e lh a m m e r u n d S cha tt e r a und der Dienststelle für die Staatslotierie 300.000 Stück, für die restlichen 300.000 Stück ist dem Bankensyndikat eine Option eingeräumt worden. Der Nennwert der neuen Bautose wird mit 10 Schilling bemessen, der Emissionspreis betragt 15 Schilling. Ter Spielplan ist g ü n st i g e r als der der früheren Emissionen, da der kleinste Treffer auf 17 Schilling , der höchste Treffer auf zwei Milliarden erhöht wurde. Tie Ziehungen werden am 1. Februar und 1. August statffnüeu, bei der ersten kommt der Z'Mimilliardentresser, bei der zwei.en der von eineinhalb Milliarden zur Ziehung. Ter K a n f a n d r a n g an der Börse ist ungeheuer und die Banken mußten schon lei den Voranmeldungen Kürzungen vornehmen, haben auch viele gar nicht in Vormerk nehmen können. Ties hat an der gestrigen Börse große Erregung hervcraeruscn. Tie Vertreter der Privatbankfirmen und die B a n k a g e n t e n beschuldigten die Großbanken, daß sic Lose zurückhalten, um sie später mit starkem Agio auf den Mark: zu bringen. Die Banken verwiesen dagegen darauf, daß sie zunächst die Stammkunden, die schon an den st scheren Baulosezeichnungen teilgenommen haben, befriedigen müßten. Ta die L o s r a t e n h ä n d l e r bei den Voranmeldungen jetzt sehr wenig berücksichtigt wurden, haben sie, deren Vermitt- '4. 1986 ftt §W8 lungsiätigkeit zum großen Teil der Ersetz der früheren Baulos» emissionen zu verdanken ist, beschlossen, an das BankensyndM ein Memorandum zu richten, welches gegen die Nichtberücksichti« Mg protestiert, ferner an der Nachfrage stach den neuen Losen n i ch t te i l zu ne h m e. Ser Außenhandel der Tschechoslowakei weiter MÜSgegangen. Die Entwicklung des tschechoslowakischen Außenhandels int Juli ist ungünstig geblieben. Gegen ein Aktivum von 520 Missionen Kronen im Juli des vorigen Jahres wird nur ein Aktivum von 170 Millionen Kronen ausgewiesen, weil die Ausfuhr weiter zurückging und die Einfuhr infolge echöhter Lebensmittelimporte stark gestiegen ift. Das Aktivum von Jänner bis Juli beziffert sich auf 667 Millionen gegen 1300 Millionen in der gleichen Vorjahrsperiode. Die Bilanz ist ein deutliches Spiegelbild der herrschenden Wirtschaftskrise. Die ungünstige Entwicklung ist hauptsächlich auf die geringe Beschäftigung der Textilindustrie zurückzuführen» deren Export ständig sinkt. Auch die übrigen Industrie. Mige verzeichnen rückgängige Exportziffern, lediglich der Zuckerexport ist etwas gestiegen. Interessant ist, daß die Warenausfuhr nach Ungarn trotz der Differenzierung gegen das Vorjahr mn 20 Millionen gestiegen ist. Nach Oesterreich wurden 16,6 gegen 17,2 Prozent im Vorjahre ausgeführt, aus Oesterreich 6,7 gegen 7,6 Prozent der Gesamteinfuhr importiert. _‘ eine sranMche Malanleiher „Matin" glaubt Mitteilen zu können, daß der französische Finanzminister gegenwärtig eine Anleihe von geringer Höhe plant, die durch -asTabakmvnopol garantiert werden soll. Diese Anleihe, die in den ersten Oktobertagen aufgelegt werden soll, würde für das nationale Tabakamt und für die Titzungskaffe bestimmt sein. Wie „Echo de Paris" erfährt, handelt es sich zunächst um die Ausgabe gewöhnlicher S cha tz b o n s, wie sie vor dem Kriege bestanden. Die Höchstgrenze dieser vom Schatzamt selbst vorzunohmenden Emission würde fünfMilliarden Franken betragen. Ferner sott entsprechend der dem Finanzminister vom Parlament erteilten Ermächtigung im November die Konvertierungsanleihe aufgelegt werden, die den Inhabern lang- und kurzfristiger Papieranleihen zum Zwecke einer fakultativen und freiwilligen Konvertierung angeboten werden soll. „Amerika kann wenig für ßnrova tan/ Aeutzerungen James Speyers in Berlin. James Speyer, der Senwrchef der New-Aorker Finna Speyer u. Co., des ältesten Bankhauses der Vereinigten Staaten, das zu den einflußreichsten Amerikas gehört, befindet sich zurzeit in Berlin, wo seine Schwester (die Familie stammt aus Frankfurt«. M. und dort besteht auch das Stammhaus der Firma) Frau Schwbach lebt. Speyer äußerte sich in einem Gespräch mit Vertretern der Berliner Presse unter anderem über die Frage der Streichung der amerikanischen Kriegsschulden; seinen Darlegungen ist zu entnehmen, daß die Vereinigten Staaten nicht geneigt sind, durch einen generellen Schuldenerlaß die Konsolidierung Europas zu fördern. Speyer, führte unter anderem aus: „Eigentlich müßten die europäischen Völker froh sein, daß wir gerade jetzt s o v i e I K a p i t a l ü b r i g haben. Wie hätten wir ihnen sonst seit Kriegsende die vielen Millionen Vorstrecken können, die so wesentlich zu ihrem Wiederaufbau beigetragen haben. Der Gedanke, daß die S t r e i ch u n g d e r Kriegsschulden den Frieden sichern und in größerem Maße den Copyright 1926 by R. Löwlt Verlag, Wien—Leipzig. Jakar-daj. Eine jüdische Legende. 6 Fortsetzung. Außer sich vor Freude, konnte er nicht eilig genug all seine Hausleute wecken, und nachdem er seinen Schames aufgerüttelt hatte, befahl er ihm, auf der Stelle die garG Jeschiwa zusammenzurufen. In größter Bestüiyung eilten die Bachurim herbei in Erwartung eines schweren Gerichtes, das über ihre Häupter hereinbrechen werde. Doch mit vor Freude verklärtem Antlitz trat ihnen der Lehrer entgegen: Minder, wer bat mir diese Freude bereitet?" Da trat denn einer nach dem anderen an den Tisch, um hier bald in nicht geringeres Erstaunen zu geraten als der Rabbi selbst, der nun in wahrhaft herzbewegendem Tone bat, ihm doch kein Hehl aus dem Namen des wissensreichen Schreibers jener Zeilen zu machen. Doch so gern dies auch mancher getan hätte, so große Lust auch jeder empfand, um sein eigenes .Haupt den Kranz der Gelehrsamkeit zu winden, so wagte doch keiner, sich die Autorschaft der genialen Responsa anzumaßen, so daß sich der Räbbi endlich gezwungen sah, indem er einen nach dem anderen der wackeren Bachurim zu sich in ein entlegeneres Stübchen zitierte, daselbst jeden von ihnen in ein scharfes Examen zu nehmen und endlich bei allem, was ihm teuer war, zu beschwören, ihn, den Lehrer und Freund, doch nicht der Qual einer beunruhigenden Ungewißheit Preiszijgeben. Doch alles dies und noch vieles andere führte zu keinem Ziel. Ein undurchdringliches Dunkel war über das ganze Ereignis gelagert, ein nicht zu Wender Schleier umhüllte den bescheidenen Autor und seinen Namen. Dieser seltsame Vorfall gab natürlich zu den mannigfachsten Vermumngen Anlaß. Durch lange Zeit wurde von nichts anderem gesprochen, und es gab nicht wenige, die, da keine andere Möglichkeit schien, über die Sach« ins reine zu kommen, dem Propheten Elias selbst die Urheberschaft jener Zeilen zujchrioben. in dom alten, von den Vätern übernommenen Glauben, daß diesem Gottesmanne allein die Lösung aller schwierigen talmudischen „Teikas"*) Vorbehalten sei. Jedoch der Rabbi beschloß, sich auf einfache. Weise Gewißheit zu verschaffen. Nur wenige Wochen tvaren seit jenem Sijnm verslossen, da ergriff er wieder eine Gelegenheit, seinen Bachurim nochmals drei, womöglich noch schwierigere Probleme zur Beantwortung vorzulegen. Dabei ging es nun wieder ganz nach der früheren Weise her; abermals wurde eine Bedenkfrist von acht Tagen gewährt, abermals bemühten sich die Bachurim vergebens, die Lösung zu finden, abermals sah die friedliche Stube des Rabbi am Samstag den ganzen ehrwürdigen Zirkel in größter Schweigsamkeit versammelt, und als nun die Aufforderung an alle erging, ihr „Charisuth"**) zu bewähren, da »ragte »viederum keiner vorzutreten und die Ehre der Jeschiwa zu retten. Das alles hatte der Ralbbi vorausgesehen. Aber am Abend desselben Tages, kurz bevor er sich anschickte/ zur Ruhe zu gehen, machte er sich in aller -Heimlichkeit daran, den mit einem Tuche bedeckten Tisch seiner Studierstube mit allerlei zerbrechlichem Gelschirr zu belegen. Die List gelang vollkommen. Kaum »var der Rabbi in leisen Schlummer gesunken, als ihn plötzlich ein furchtbares Gelklirr von seinem Lager auffcheuchte. Rasch erhob er sich, enttzündete mit zitternden Händen das Licht, doch war kein lchendes Wesen im Zimmer zu sehen. Da begann denn der Rabbi, wahrhaft ängstlich geworden, jeden Winkel seiner Stube zu durchforschen, und siehe da — in der dunkelsten, abgelegensten Ecke fand er auch wirklich bald eine kleine zusammengekauerte Gestalt, die, am Boden hockend und das Antlitz an die Wand gedrückt, Anstrengungen machte, unbemerkt zu bleiben. Er faßte sie an und zog sie mit sanfter Gewalt in die Mitte der Stu'be. Gin voller Lichtstrahl fiel auf das Antlitz des nächtlichen Schleichers und der Rabbi prallte in sprachlosem Erstaunen einige Schritte zurück; denn es war kein anderer als das „Bachurlein", der *) Unentschiedene Thesen. ♦*) Scharfsinn. arme, verachtete Jakar-daj, der schon im nächsten Augenblick tveinend zu den Füßen seines Pflegevaters lag. „Gott meiner Väter!" rief dieser endlich, nachdem er seine Sprache wieder erlangt hatte. „Du, mein Jakar-daj? Wahrlich, schon längst ahnte mir Aehnliches. Schon längst »var mir dein rätselhaftes Treiben ein Gegenstand des Nachdenkens geworden und ich konnte nicht klug aus deinem Tun werden. Doch wie sollte ich so eüvas nur vermuten?" Er erhob bei diesen Worten den weinenden Jüngling vom Boden und drückte ihn mit inniger Rührung an seine Brust. Und nun ging's an ein Fragen und Forschen, daß Jakardaj endlich nicht anders der liebevollen Zudringlichkeit sich entziehen konnte, als indem er die umfassende Erzählung aller Begebenheiten seines vielbewegten Lebens vor dem staunenden Pflegevater enthüllte. Dieser wollte nun durchaus nichts anderes tun, als schon am nächsten Tage seiner ganzen Jeschiwa den edlen Jüngling als den überaus scharfsinnigen Schreiber jener rätselhaften Zeilen, dann, aber auch als Rosch-Jeschiwa*) vorzustellen. Doch mit aufgehbbenen Armen flehte dieser, ihn doch nicht wiederum dem unerträglichen Neide und allen Quälereien der Mißgunst preiszugeben, vielmehr ihm noch ferner den stillen Frieden der Ruf- und Ruhmlosigkeit zu gönnen, so daß der Rabbi endlich mit schwerem Herzen sich entschloß, ein unverbrüchliches Stillschweigen über den ganzen nächtlichen Vorfall und alle ihm mitgeteilten Ereigniffe so lange zu bewahren, als dies Jakar-daj für notwendig finden würde. So hatten sich also die Verhältnisse des Jünglings plötzlich geändert. Zwar fuhr er fort, äußerlich durch sein Betragen noch ferner seine ganze Umgebung über sich zu täuschen, aber dafür erfreute er sich jetzt der unbegrenztesten Achtung und Teilnahme feines edlen Pflegevaters, der nun nie und nimmer aushören konnte, jene Stund« zu preisen, in der ihm das Schicksal einen so wissensreichen, noch mehr aber edlen und bescheidenen Ben- Thora**) zugeDhrt hatte. (Fortsetzung folgt.) *) Haupt des Kollegs. **) Jünger der Lehre.