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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-03 · Heft 2705 (3.9.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2705 (3.9.1926)
Date
1926-09-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. Wiener Morgenzettuns n. September 1928 Seile 3 Wien, Freitag Tagesbericht. Las veraaste Rationale. Nun weiß man doch, wozu und zu welchem Zwecke die i Menschen die Wissenschaft erfunden haben. Um eiitander leichter imd gefahrloser um die Ecke bringen zu können. Die Wissenschaft hat bekanntlich Unterabteilungen. Die eine will erforschen, wie der Mensch lebt, die andere, wie er sein Leben schützt, die dritte, wie er es sich angenehmer gestaltet. Es ist noch eine vierte da: wie dieses Licht am raschesten ausgeblafen werden kann, und diese vierte ich die populärste. Sie hat verschiedene Namen, identifiziert sich ccker für gewöhnlich mit dem Begriffe des Gesetzes; sie will die Reversseit« zum Avers sein. Sie stellt am schönsten den Fortschritt dar. Der Troglodyt schlug zuerst mit der Faust, dann nahm er den Stein, später machte er sich ein Beil. In der Folge ergab er sich, als di« Resultate hinter beit Erwartungen zurückblieben, der Ballistik. Er erfand sich die Schußwaffe. Wir schreiten von Erfolg zu Erfolg. Wir haben an der Kombinatton von Schwefel, Salpeter und Holzkohle zu wenig Freude und so ist die Cheinie zum Träger kühner Hoffnungen geworden. Sie hat das Gas beschert; sie stellt es aus den Stoffen dar, die uns die Erde selbst anheimgibt. Sie verflüchtigt idas Unbrauchbare und erzeugt Mittel, vor denen die Anbetung gerade noch gut genug ist als Ausdruck des Dankes. Wenn der Höhlenbewohner seinen Konkurrenten auf den Schädel drosch, daß es krachte, und der Mann trotzdem weiter lebte, dann versuchten sich beide gütlich über den Markknochen zu verständigen. Es gab kein anderes Mittel der Diskussion. Die Menschheit ist weiter gekommen. Da liegen zwei Meldungen vor, anspruchslos und sachlich, rührend in ihrer so absolut unsentimentalen Knappheit. Die eine ist aus Berlin und teilt mit, daß zwei Polizisten, die das Nationale eines Mannes feststellen wollten, von acht Personen angegriffen wurden, in der Verteidigung von: Gummiknüppel bis zur Schußwaffe vorschritten. Der Mann, dessen Nain und Art ihnen ausfällig war, starb bei dieser Gelegenheit. Diese zweite Mitteilung ist aus Manville in Amerika und bekundet einen zu rügenden Atavismus. Polizisten wollten Streikende mit Stöcken zerstreuen. Die Zerstreuung mißlang und auch Tränengase taten keine Wirkung. Sie waren wahrscheinlich vom Gastrust erzeugt. Darauf redeten die Revolver, lieber den Effekt wird direkt nichts mitgeteilt. Da Militär zu Hilfe gerufen wurde, kann man ihn nur als höchst negativ annehmen. Das ist ein wichtiger Fingerzeig für die Wissenschaft. Sic fcheint sich, öfter-als dem Gemeindewohl dienlich ist, humanen Anwandlungen hinzugeben und so kommt die heilige Ordnung, die ja schon Schiller als segensreich preist, zu kurz. Sie hat früher einmal es anders versucht, sich in ihr Recht zu setzen. Sie hat dem anderen Teil, der entweder nicht sagen tvollte, wie er heißt und ob er geboren und geimpft ist, oder der durchaus nicht hungern wollte, zugeredet oder die Feuerspritze in Tätigkeit gesetzt. Der Erfolg war der, daß der andere Teil sein Inkognito lüftete oder davonlief. Das genügt nicht. Denn es ergab sich in weiterer Folge, daß. dem Mann'mit den: Nationale nichts nachzuweisen war oder daß der andere den Schnupfen kriegte. Was beides mit dem aufgewendeten Kraftverbranch in keinem Verhältnis stand. Man muß die Leute zunt Frieden bringen, zum ewigen nämlich, und dies hat die Wissenschaft durch die letzte ihrer! Unterabteilungen zit besorgen. Das geschieht. Wo sich noch Lücken zeigen, dort muß Abhilfe geschaffen werden. Das Tränengas wird verbessert. Erstens damit es seinen Zweck erfüllt, zweitens damit die Aktionäre nicht unruhig werden. Denn das Nationale der Menschheit muß vergast werden. Irr Roman de« Fremdenlegianiirr. In einem Hotel im 10. Bezirk wurde gestern ein Mann verhaftet, der sich dort unter dem Namen Wilhelm Stutz eingemietet hatte. Er hatte Mitte des Vormonats im Schlosse Drasing in Kärnten, wo er als Feldarbeiter bedienstet war, einen Einbruchsdiebstahl verübt und Schmuckstücke und Goldmünzen in hohem Werte entwendet. Der Verhaftete, der ein romanisches Kauderwelsch spricht, ist der aus Eorsica stammende Domenieo Pinelli. Pinelli hat einen abenteuerlichen Lebenslauf. Er war zuerst Fremdenlegionär und verbrachte als solcher wegen Rebellion, Mordversuch usw. fast fünfzehn Jahre in verschiedenen französischen Gefängnissen. Im Jahre 1919 aus der Strafhaft entlassen, wandte er sich nach Italien, wo er wegen unbefugten Waffentragens und wegen verschiedener anderer Delikte von Kerker zu Kerker wanderte und schließlich ausgewiesen wurde. Er reiste nun nach Oesterreich, suchte von hier aus die Schweiz oder Deutschland zu erreichen. Als diese Versuche fehlschlugen, kehrte er nach Italien zurück und erhielt wegen verboteiter Rückkehr elf Monate Gefängnis zudiktiert. Im Februar kam er schließlich nach Oesterreich, fand in Drasing Arbeit und verübte hier den oben erwähnten Einbruchsdiebstahl. Pinelli wurde gestern dem Landesgericht eingeliefert. Um ein paar ftartoffc?. Unfall oder Totschlag? In einem Tümpel zwischen Leopoldau und Groß- Enzersdorf wurde am Mittwoch die mit Schlamni bedeckte Leiche des 66jährigen, in Floridsdorf wohnhaften Hilfsarbeiter Jakob H a i d o w a tz gefunden. Der Tote trug ani Rücken einen mit Kartoffeln gefüllten Rucksack. Bei der Besichtigung der Leiche durch den Polizeiarzt zeigte es sich, daß der Kopf an der linken Schläfe eine gräßliche Wunde und an der Stirne zwei wahrscheinlich von Schrotschüssen herrührende Einschußöffnungen aufwies. Anfänglich war man der Ansicht, daß es sich um einen Totschlag handle.. Eine genauere Untersuchung der Leiche ergab jedoch, daß der Tote das Opfer eines Unfalles zu sein scheint. Die Anrainerin Marie Zaftrasek gab an, in ihrem Kartoffelacker habe am 28. August ein Dieb gehaust, den sie auf frischer Tat ertappt habe, Sie sei ihm nachgelaufen und habe auf dem Weg einen Radfahrer und eine Frau gebeten, ihr bei der Verfolgung des Diebes behilflich zu sein. Der Mann mit den Kartoffeln sei jedoch plötzlich verschwunden. Man nimmt an, daß er beim Laufen gestürzt und in das schlammige Wasser gefallen fei, wo er den Tod gefunden haben durfte. Eine Obduktion der Leiche wird in diesem ungewöhnlichen Falle Klarheit bringen. * Der niederländische Gesandte in Wien hat gestern einen zweimonatigen Urlaub angetreten. Mährend seiner Abwesenheit leitet Legationssekretär Dr. E. E. Menten die Geschäfte der Gesandtschaft. Besuch i« Seistermnsem». In einem alten Palaste der Viktoria-Street in London, to der nächsten Nähe der Wefttninsterabtei, befindet sich eines de, interessantesten Museen der englischen Weltstadt, das allerdings nur einem kleinen Kreis von Eingeweihten bekannt und zugäng' lich ist. Das G e i st e r m u s e u m ist ein Werk des weltberühmten Schriftstellers und unermüdlichen Verkünders spiritistischer Weltanschammg, Conan Doyle. Mit großem Fleiß und nicht geringem materiellen Aufwand sind in dieser Sammlung hundert« Reliquien vereint, die die Wendepunkte in der Geschichte des Spiritismus vor die Augen der wenigen Besucher führen sollen Ein attes Gemälde, das Werk eines unbekannten Meisters, .das einen Ehrenplatz unttr den vielen Bildnissen des Museums einnimmt, veraschaulicht jene historische Seance, in deren Verlauf der moderne Spiritismus geboren wurde. Klopfgeister verkünden hier ihre Exsstenz den Schwestern F o r im Hause eines einfachen Handwerkers in Hydeville. In der Nacht des 31. März 1848 entdeckten die beiden Mädchen, die Urahnen aller modernen Medien, ihre Begabung. Das Tischrücken wurde bald große Mode und es setzte das bewußte Suchen nach einem Kontakt mit jener mysteriösen Geisterwelt ein. Me erfolgreich diefes Suchen war, beweisen nach Conan Doyles Ansicht die „waschechten" Geisterphotographien, die in großer Anzahl die Wände schmücken. Mit besonderer Rührung pflegt der Engländer den Besuchern eines dieser Lichtbilder zu zeigen. Die Photographie stellt eigentlich Conan Doyle dar. Im Hintregrund sieht man jedoch eine verschwommene Gestalt, in deren unsicheren Konturen Doyle den Geist seines Sohnes, der im Weltkrieg gefallen ist, zu erkennen glaubt. In einer Glasvitrine werden Gipsabdrücke anfbewahrt. Hände, Finger und Daumen, die sich im Laufe der Sitzungen „materialisiert" haben. Nach spiritistischer Auffassung stellen sie Geisterhände dar. Die materialisierten Gebilde sind bekanntlich nicht beständig, sondern pflegen sich nach wenigen Minuten spurlos aufzulösen. Es ist jedoch möglich, von diesen flüchtig materialisierten Gebilden Abdrücke aus Paraffin zu erhalten. Jene interessanten „ektoplasmischen" Hände, die in der Vitrine zur Schau gestellt sind, stammen aus Seancen mit dem berühmten polnischen Medium Stanislaw« Tomiska. Eine große Anzahl von allerlei Gegenständen, Münzen, Metallkugeln, seltsam verzierte Vasen erinnern an berühmte Apporterscheinungen. Im Laufe von Seancen sollen diese Gegenstände im geschlossenen Raum, in dem die Sitzung stattfand, wie von einem Geist außerhalb dieses Raumes auf mysteriöse Weise geschleudert, Plötzlich auf dem Tisch erschienen fein. Interessanter als diefes Brimborium ist die Geffterautographenfamntlung. Es gibt bekanntlich Medien, die mit Ausschaltung ihres - Oberbewußtseins, wie die Spiritisten meinen, lediglich unter dem Diktat eines Geistes, mit bewundernswerter Geschwindigkeit >chreiben können, oft. in Sprachen, deren sie gar nicht mächtig 'ind. Die Manuskripte des spiritistischen Museums kamen durch dieses automatische Schreiben zustande. Eine besondere Aufmerksamkeit verdienen die von abgeschiedenen Geistern an Conan Doyle geschriebenen Briefe. Man findet darunter Botschaften" von Byron, von Oskar Wilde und noch von vielen anderen bedeutenden Vertretern 'bet englischen Literatur. Oie WMeOMmwn LetplH ranstaliel zu Bi’i rwn two Feierliche Gottesdienste mit £hor im neurenovierten Zentral-Kino, 2. Bezirk, Taborstraße 8 a, Der bekannte vorzügliche Oberkantor A. Margulies fungiert als Vorbeter / Karten sind bei der Kassa des Zentral-Kinos, 2. Bezirk. Taborstiraße 8 a, im Warenhaus Brüder Schiffmann, 2. Bezirk, Taborstraße 48, Josef Singer, 2. Bezirk. Taborstraße 25, Bücherstube Rath, 2. Bezirk, Taborstraße 20a, und bei der Zionistischen Bezirkssektton, 2. Bezirk. Zirkusgasse 33, za haben. 3m Psychologie des Gymnasiasten. Von Sigm. Freud. Aus dem im Druck befindlichen 11. Band der „Gesammelten Schriften". (Diese Skizze erschien im Oktober 1914 in der Festschrift, die das St.'t. Erz- Herzoa-Nainer-Realgymncisium in Wien anläßlich der Vollendung des fünfzigsten Jahres feines Bestehens veröffentlichte. Der Verfasser war Schüler der genannten Anstalt gewesen.) Wir entnehmen den Aufsatz dem in Vorbereitung befindlichen „Almau ach 192 7", herausgegeben vom Internationalen psychoanalytischen Verlag, Wien. Der Vorabdruck wurde uns gestattet. Man hat ein sonderbares Gefühl, wenn man in so vorgerückten Jahren noch einmal den Auftrag' erhält, einen „deutschen Aufsatz" für das Gymnasium zu schreiben. Man gehorcht aber automatisch wie jener ausgediente Soldat, der auf das Kommando „Habt Acht!" die 'Hände an die Hosennaht anlegcn uüd seine Päckchen zu Boden fallen lassen muß. Es ist merkwürdig, wie bereitwillig man zugesagt hat, als ob sich in dem letzten Halbjahchnndert nichts Besonderes geändert hätte. Man ist doch alt geworden seither, steht knapp vor dem sechzigsten Lebensjahr, und Körpergefühl wie Spiegel zeigen unzweideutig an, wieviel man von seinem Lebenslicht bereits heruntergebrannt hat. Noch vor zehn Jahren etwa konnte man Momente haben, in denen man sich plötzlich wieder ganz jung fühlte. Wenn man, bereits graubärtig und mit allen Lasten einer bürgerlichen Existenz beladen, durch die Straßen der Heimatstadt ging, begegnete inan unversehens dem einen oder anderen wohlerhaltenen älteren Herrn, den man fast demütig begrüßte, weil man einen seiner Gymnasiallehrer in ihnt erkannt hatte. Dann aber blieb man stehen und sah ihm versonnen nach: Ist er das wirklich oder nur jemand, der ihm so täuschend ähnlich ist? Wie jugendlich sieht er doch aus und du bist selbst so alt geworden! Wie alt mag ex heute wohl sein? Ist es möglich, daß diese Männer, die uns damals die Erwachsenen repräsentierten, um so weniges älter waren als wir? Die Gegenwart war dann wie verdunkelt und die Lebensjahre von zchn bis achtzehn stiegen aus den Winkeln des Gedächtnisses empor mit ihren Ahnungen und Irrungen, ihren schmerzhaften Unbildungen und 'beseligenden Erfolgen, die ersten Einblicke in eine uniergegangene Kulturwelt, die wenigstens mir später ein unübertroffener Trost in den Kämpfen des Lebens werden sollte, die ersten Berührungen mit den Wissenschaften, unter denen man glaubte wählen zu können, welcher man seine — sicherlich unschätzbaren — Dienste weihen würde. Und ich glaubte mich zu erinnern, daß die ganze Zeit von 'der Ahnung einer Aufgabe durchzogen war, die sich zuerst nur leise andeutete, bis ich sie jn dem Maturitätsaussatz in die lauten Worte kleiden konnte, ich wollte in meinem Leben zu unserent menschlichen Wissen einen Beitrag leisten. Ich bin dann Arzt geworden, aber eigentlich doch eher Psychologe, und konnte eine neue psychologische Disziplin schaffen, die sogenannte „Psychoanalyse", welche gegenwärtig Aerzte und Forscher in nahen wie in fernen fremdsprachigen Ländern in Atem hält und zu Lob und Tadel aufregt, die des eigenen Vaterlandes natürlich am geringsten. Als Psychoanalytiker nmß ich mich mehr für affektive als für intellektuelle Vorgänge, mehr für das unbewußte als für das bewußte Seelenleben interessieren. Meine Ergriffenheit 'bei der Begegnung mit meinem früheren Gymnasialprofessor mahnt mich, ein erstes Bekenntnis abzulegen: Ich weiß nicht, lvas uns stärker in Anspruch nahni und bedeutsamer für uns wurde, die Beschäftigung mit den uns vorgetragenen Wissenschaften oder die mit den Persönlichkeiten unserer Lehrer. Jedenfalls galt den letzteren bei uns allen eine niemals aussetzende Unterströmung, und bei vielen führte der Weg zu den Wissenschaften nur über die Personen der Lehrer; nmnche blieben auf diesem Weg stecken und einigen ward er auf solche Weise — warum sollen wir es nicht eingestehen? — dauernd verlegt. Wir warben um sie oder wandten uns von ihnen ab, imaginiertcn bei ihnen Synipathien oder Antipathien, die wahrscheinlich nicht bestanden, studierten ihre Charakiere und bildeten oder verbildeten an ihnen unsere eigenen. Sie riesen unsere stärksten Auflehnungen hervor und zwangen uns zur vollständigen Untenverfung; wir spähten nach ihren kleinen Schtvächen und waren stolz auf ihre großen Vorzüge, ihr Wissen und ihre Gerechtigkeit. Im Grunde liebten wir sie sehr, wenn sie .uns irgend eine Begründung dazu gaben; ich weiß nicht, ob alle unsere Lehrer dies bemerkt halben. Aber es ist nicht zu leugnen, wir waren in einer ganz besonderen Weise gegen sie eingestellt, in einer Weise, die ihre Unbequemlichkeiten für die Betroffenen haben mochte. Wir waren von vornherein gleich geneigt zur Liebe wie zum Haß, zur Kritik wie zur Verchrung gegen sie. Die Psychoanalyse nennt eine solA Bereitschaft zu gegensätzlichem Verhalten eine ambivalente; sie ist auch nicht verlogen, die Quelle einer solchen Gefühlsambivalenz nachzuweifeu. Sie hat uns nämlich gelchrt, daß die für das spätere Verhalten des Individuums so überaus wichtigen Affekteiustellungen gegen andere Personen in ungeahnt früher Zeit fertig gemacht werden. Schon in den ersten sechs Jahren der Kindheit hat der kleiite Mensch die Art und den Affektton seiner Beziehungen zu Personen des nämlichen und des anderen Geschlechts sestgelegt, er kann sie von da an entwickeln und nach bestimmten Richtungen umwandeln, aber nicht mchr aufheben. Die Personen, an welche er sich in solcher Weise fixiert, sind seine Eltern und Geschwister. Alle Menschen, die er später kennen lernt, werden ihm zu Ersatzpersonen dieser ersten Gefühlsobjekte (etwa noch' der Pflegepersonen neben den Eltern) und ordnen sich für ihn in Reihen an, die von den „Imagines", wie wir sagen, des Vaters, der Mutter, der Geschwister uftv. ausgehen. Diese späteren Bekanntschaften haben also eine Art von Gesühlserbschaft zu übernehmen, sie stoßen auf Sympathien und Antipathien, zu deren Erwerbung sie selbst nur wenig beigetragen haben; alle spätere Freundschafts- und Lie'beswahl erfolgt auf Grund von Erinnerungsspuren, welche jene ersten Vorbilder hinterlassen haben. Von den Imagines einer gewöhnlich nicht mehr im Gedächtnis betvahrten Kindheit fft aber keine für den Jüngling und Dkann bedeutungsvoller als die seines Raters. Organische Notwendigkeit hat in dies Verhältnis eine Gefühlsambivalenz einge-. führt, als deren ergreifendsten Ausdruck wir den griechischen Mythus vom König Oedipus erfassen können. Der kleine Knabe muß seinen Rater lieben und bewundern, er scheint ihm das stärkste, gütigste und weiseste aller Geschöpfe; ist doch Gott selbst nur eine Erhöhung dieses Vaterbildes, wie es sich deni früh-

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