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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-01 · Heft 2703 (1.9.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2703 (1.9.1926)
Date
1926-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Men, Mttwoch «ytcnct wiorRena/tnnwR 1. SeMOer 1AS6 Nr. SAN Eia jüdisches Opernssudio kn Kowno.?lus Kowno tvhft unS geschrieben: Durch Sie Jiiiüative des Herrn Seid mann wurde als Abteilung der „jüdischen Bildnnqsgesellschaft" ein Opernstudio geschaffen, das schon in diesen Tagen reine Arbeit ausnechmen wird. Dieses Sttww hat sich zur Aufgabe gestellt, die indische Mffik zu fördern, neue mustzka'ische Kräfte aus',udiIden und die Gründung einer jüdischen Oper vorzubrreiten. V.I K.4 Neuiahrsgratulaftionen in der „Wiener Morgenzeltting“ Gerichtssaal. Sk Arbeitslosenuntekftühung mutz auch bei «ich« versöulicher Anmeldung aurberahU werden. Der Verwaltungsgerichtshof unter Vorsitz des Senats- Präsidenten Dr. Locker hat eine überaus wichtige Entscheidung in einer Streitfrage gefällt, in der es sich um die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung handelt, wenn der Anspruch nicht persönlich geltend gemacht worden ist. Dem Verwaltungsgerichtshof lag eine Beschwerde des von Dr. Wolf Bergwerk vertretenen Zeno T e w e l e s gegen die Entscheidung der industriellen Bezirkskommission vor. Die Kommission hatte den Anspruch des Teweles auf die Arbeitslosenunterstützung .mit der Begründung abgewiesen, daß er den gesetzlich erforderlichen Arbeitsnachweis für 14V Tage in Oesterreich, die während der letzten 24 Monate belegt werden müssen, nicht erbracht habe. Teweles hat nämlich mit einer schriftlichen Eingabe, die beim Arbeitslosenamt in Wien am 22. Jänner eingelangt ist, die Unterstützung begehrt. Er wurde vorgeladen, füllte am 17. Februar 1926 den Anmeldebogen aus, der die Angaben über seine letzte Arbeit enthielt. Es war daraus zu ersehen, daß er vom 3. Mai 1921 bis zum 30. Juli 1924 in Arbeit stand. Die Bezirkskommission wollte die Anmeldung erst vom 17. Februar an gelten lassen, während Teweles die Anerkennung des Datums vom 22. Jänner begehrte. Der Verwaltungsgerichtshof hatte sich die Frage vorzulegen, ob eine schriftliche -Anmeldung der Bestimmung des Gesetzes genügt oder ob nur eine persönliche Anmeldung anerkannt werden könne. Im Gesetz heißt es „melden".. Der Berwaltungsgerichtshos ist der Auffassung, daß nach dem allgemeinen Sprachgebrauch melden sowohl eine persönliche und mündliche wie, auch eine schriftliche Meldung verstanden werden kann. Wohl habe Teweles seinen Anspruch am 22. Jänner angemeldet und erst am 17. Februar mit Beweisen belegt, doch könne er darum seines Anspruches nicht verlustig gehen. Es konnte somit das Ansuchen des Teweles nicht wegen des Mangels einer zwanzigwöchigen Arbeit in den letzten 24 Monaten abgewiesen werden. Der Nachweis dieser Arbeit ist, wenn der 22. Jänner als Anmeldungstermin anerkannt wird, als rechtzeitig erbracht anzusehen. Vereinbarungen eines höheren als gesetzlichen Zinses sind ungültig.. Der in Mailand wohnende Italiener Lazaros S. hatte in der Inflationszeit in Wien ein Haus erworben. Als durch den Konkurs einer Mieterin größere Geschäftsräume frei wurden, versuchte er einen valorrsierten Zins für die Räume aus folgende Art zu erzielen: Er vermieste die freigewordenen Geschäftsräume an eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, vereinbarte den gesetzlichen Zins, schloß aber gleichzeitig einen dreijährigen Mietvertrag, demzrtfolge für die Einräumung dieses Vertrages ein Betrag von 5000 Schilling jährlich, zahlbar in enffprechen- -den Teilen zu ' jedem Zinstermin, festgesetzt wurde. Der Vertrag enthielt auch die sonderbare, seine -Absicht deutlich betonende Bestimmung, daß im Falle, als der gesetzliche Zins in Zukunft den Betrag von 5000 Schilling jährlich Ersteigen sollte, sich der vereinbarte Betrag automatisch derart zu erhöhen habe, daß 2000 Schilling über den gesetzlichen Zins ju zahlen sein würden. Als die zwette Halbjahrsrate fällig wurde, zahlte der Mieter jedoch an Stelle der 2500 Schilling nur den gesetzlichen Zins, worauf Lazaros S. auf die Differenz in der Hohe von 217-5 Schilling klagte. Das Bezirksgericht aber wies die Klage ohne Durchführung von Beweisen ab, da die Vereinbarung dem Mietengesetz widerspreche. Mit der gleichen Begründung wies auch das Landesgericht in Zivilrechtssachen als Berufungsgericht die Berufung ab. Nun hat auch der Oberste Gerichtshof, das Klagebegehren abgewiesen, weil jede Vereinbarung, die eine Ueberschreitung des gesetzlichen Zinses beinhaltet, ohne Rücksicht aus die Dauer des Mietvertrages, ungültig ist. Gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden, Gästen, Kunden in det der „Wiener Morgenzeitung“ vom 9. September 1926 Sie sparen Geld. Zeit u. Mühe! Die Neujahrsgratulationen der „Wiener Morgenzeitung" haben sich seit Jahren beim jüdischen Publikum bestens eingelührt. Um die große Fülle der einlaufenden Gratulationen unterbringen und gilnstißst placieren zu können, empHchit es sich, den anlieger den Bestellschein sofori auszuschn ei d cn und umgehend an die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" cinztiscnden. Der Preis fUr das Einheitsinserat (20 mm) betragt« Schilling 7.— FUr das Ausland: entsprechender Gegenwert in der Landeswährung. Muster J. M. Frost und Frau 2. Bezirk, Große Mohrengasse Nr. 47 gratulieren allen Verwandten, Freunden und Bekannten zum Neuen Jahre! " - -=--!s;-= Hier ausschneiden! srs7-sn=,m!7ir—; Bestellschein Art die Verwaltung der „ Wiener Morgenzeitung“ Wien, 2. Bezirk, Taborstraße 1—3 Ich bestelle für die Rosch-Haschanah-Nummer der .Wiener Morgenzeitung" .Neujahrsgratulation(en) zum Preise von und sende den Betrag gleichzeitig mit diesem Bestellschein ein. Text (deutlich ausfüllen):' Name .. Adresse ., den. 1926 Volkswirt. Polnischer Wlrtlchaslrbries. Optimistische A«chemi ^zen des .Handelsministers KwiattowSki. — Der polnisch« Naphchnexport. — Preiserhöhung des Rohöls. — Eine TextivvAremAsstellung in Warschau. — -Hausse an der Effektenbörse. Von unserem Warschauer Korrespondenten.) Warschau, 29. August. .Handelsminister Kwiatkowski erteilte anläßlich der überaus günstigen polnischen -Handelsbilanz für den Monat Juli Vertretern der Presse ein Interview, worin er sich sehr optimistisch über die Zukunst der Wirtschaft Polens ausspach. Nach Ansicht des Ministers nähert sich Polen mit schnellen Schritten der Zell, in der,die Wirtschaftskrise übcrstanden sein wird. Zahlreiche Erscheinungen, wie die Steigerung des Export s, seren ein Bc»vets, daß die Besserung der polnischen Wirtschastslage nicht nur vorübergehend ist, sondern einen dauernden Charakter trage. 'Auch jetzt sei die allgemeine wirtschaftliche Lage günstig und die Besserung erfolge von Monat zu Monat. Augenblicklich sei die Sparsamkeit infolge der guten Konjunktur ''besonders groß. Allein der J>ili hat ans dem Exportüberschuß e l f M i l l i o n e n Dollar ergeben und der Export von Lebensmitteln erbrachte int vergangener« Monat sechs Millionen Dollar. Wie immer in der Erntezeit, seien weniger Eier und Fleisch ansgeführt -worden, dafür aber mehr Zucker und Getreide; Holz und Holzerzengnisse wurden für insgesamt vier Millionen Dollar exportiert, das sind um 800.000 Dollar mehr als im Juni. A m größten mar d i e Ausfuhr von Kohle und Naphthap rodu kteu scwchl dem Werte als auch der Menge nach. An diese» Waren wurde insgesamt für zirka acht Millionen Dollar ausgesührt, wobei der Wert der ausgesührtcn Kohle sich im Vergleich mii dem Juni verdoppelt hat. Naphrhaprodukte sind im Werte von mehr als einer Million ausgesührt worden. Bedeutend war auch der Export von Manufakturwaren, nämlich für zirka 1,3 Millionen Dollar, und von Metallwaren für annähernd zwei Millionen Dollar. Schließlich betonte der Handclsminister, daß mit der Revalorisation der K a m P f g e g e n die Preiserhöhung die wichtigste Aufgabe der Zeit sei. Die Gesamtmenge öcr polnischen Naphthaproduktc, die jm ersten Halbjahr 1926 nach dem. Ausland ausgeführt wurde, belief sich auf insgesamt 213.765 Tonnen, was im Vergleich mit der vorjährigen Ausfuhr, die in demselben Zeitraum 170.963 Tonnen erreichte, eine Steigerung um 42.781 Tonnen oder 4000 Zehntonnenwaggons bedeutet. Die größte Steigerung hat der Export von Gasöl (72.699 Tonnen gegenüber 41.949 Tonnen im ersten Halbjahr 1925), Naphtha (50.279 Tonnen gegenüber 30.766 Tonnen) und Paraphin (15.081 Tonnen gegenüber 10.570 Tonnen) erfahren. Die Richtung des Exports hat in der Berichtszeit eine radikale Aenderungerfahren. An erster Stelle, stand der Export ü b e r D a n z i g, über das 50 Prozent der gesamten Ausfuhr polnischer Naphthaprodukte gingen. Das Borhslawer Rohöl hat eine Preiserhöhung erfahren. Jm Detailhandel kostet ein Waggon IW Dollar. Jm allgemeinen ist die Kaufbewegung schwach. Man erwartet eine Preiserhöhung des Rohöls angesichts der, beginnenden Saison bis über 190 Dollar. Die Bruttobewegung war schr chwach. Anfangs September wird in Warschau eine Textilwarenausstellung eröffnet werden. Es werden ausschließlich inländische Erzeugnisse zur Ausstellung gelangen, wobei die Ausstellung alle Zweige der Textilindustrie umfassen wird, um zu zeigen, auf welch hoher Stuft die polnische Textilindustrie steht. Die Effektenbörft stand diese Woche förmlich im Zeichen einer Hausse und erinnerte an die Inflationszeiten, da die Aktien von Tag zu Tag teurer wurden. An der Börse wurden viele Teilnehnrer bemerkt, die man schon lange hier nicht gesehen hatte. Copyright >926 by R. Löwit Verlag, Wien—Leipzig. Jakar-daj ♦ (Sitte jüdische Legende. 3. Fortsetzung. Das Soldatenspiel nahm nun seinen Anfang. Nahe an der Wiese, wo das improvisierte Feldlager sich befand, wälzte der tiefe Strom seine Wellen durch die Gegend. Eine selisige Erhöhung an seinen« Uftr wurde bald von dem General der kleinen Kriegertruppe ausersehen, eine Festung vorzustellen. Die Schar teilte sich also. Die eine Halste, unter ihr Jakar-daj, sollte von der Spitze des Felsens aus den Platz verteidigen, der andere Teil aber, die Angreifer dorstellend, die Anhöhe im Sturm zu erklimmen suchen. Die Sache schien allgemeinen Beifall zn finden. Ein hitziger Kampf entspann sich. Während es aber am heftigsten und erbittertsten zuging, fühlte sich Jakar-daj plötzlich am Arme erfaßt, ein Schrei des Entsetzens entrang sich seinem Munde, da er bald alle Gesichter seiner Kameraden in zorniger Verzerrung sah. Jm nächsten Augenblick schon war der unglückliche, noch nicht zehn Jahve alte Knabe, von der ruchlosen Hand seiner Spielgenossen vom Felsen geschleudert, in der Tiefe versun-ken. Noch ein matter Schrei aus der angstgeengten Kchle des Kindes, ein Anfbrauftn der empörten Wellen und still war es rings umher. Die Genossen des schaurigen Mordes aber flohen, von plötzlicher Angst erfaßt, in rasender Eil« von dannen. So sollte also nach dem bösen Vorhaben seiner Spielgenossen Jakar-daj sein frühes Grab finden; doch anders stand es im Buche des Schicksals. Schon war die Lebensflamme des Knaben dem Erlöschen nahe, schon fühlte er alle seine Kraft hinschwinden und in Haupt und Her; die Vernichtung entziehen — da war es ihm plötzlich, als ob ein himmlischer Schein vor ihm wfytybi* ein ehrwürdiges, in sanfter Milde verklärtes Antlitz 'chm Trost zulächle und als streckte eine mächtige Hand sich aus, ihn aus den brausenden Wellen zu ziehen. Der Knabe fühlte sich erhoben, sanft zu neuem Leben gerüttelt und mit einer Wonne, die sein ganzes Sein durchdrang, auf weiches, grünes Rasenbett niedergelegt. „Fliehe, Knabe!" schien eine feierliche Stimme ihm zuzuvufen, dann aber erlosch sein Beiwußksem und er versank in tiefe Dhnmacht. Mittlerweile hatte sich die Mitternacht auf die Gegend gelagcrr. Unheimlich rauschte der Strom in seinem Bette, ein schauriger Wind durchfuhr die Büsche und Bäume und bewegte die üppigen Saaten der Felder. Jakar-daj wanderie in die Ferne. Wie seinen eigenen Schatten sah man bald den Knaben verlassen und einsam auf den Straßen dahin schleichen, nur schwere, bange Tränen verrieten die Qual ferner Seele und das verstörte, eingefallene Antlitz den nagenden Hunger. So war er bald ein SPielball aller widrigen Zufälle und Stürme der Wanderschaft; sie durch ein flehendes, demütigendes Wort'sich zu erleichtern, hatte er nicht den Mu:. Doch „Not bricht Eisen". Der Kleine wurde auch endlich dazu gebracht, an der traurigen Quelle menschlichen Erbarmens Linderung zu suchen. So kam Jakar-daj endlich nach monatelanger trauriger Irrfahrt und nachdem er oft gemrg den vergeblichen Versuch gemacht hatte, an einem Orte dauernd zu verweilen, in eine ansehnliche Stadt, wo er bald in Erfahrung brachte, daß sich daselbst «ine bedeutende jüdische Gemeinde befinde, in deren Mitte als Lehrer und allgemein geschätzter väterlicher Freund ein Rabbi von ebenso gepriesener Gelehrsamkeit als Herzensgüte seinen Sitz habe, eine tveil und breit gekannte Jeschiwa von scharfsinnigen Bachurim um sich versammelt halte nnd, noch mehr durch seinen menschenfreundlichen Sinn als durch seine große Frömmigkeit ausgezeichnet, die Jugend jedes Standes an sich.zu ziehen wisse. Nichts konnte dem Knaben willkommener fein als biesje Nachricht. Sein nimmer schlummernder Drang nach Wissen regte sich von neuem gewaltig in ihm, da er die Gelegenheit, ihn zu befriedigen, Plötzlich so nahe sah. Er beschloß also, um jeden Preis sich Zutritt zum .Hause und Hörsaal des Rabbi zu verschaffen, doch eingedenk des erst kürglich über ihn als Folge seiner hervorragenden Begabung ergangenen Gerichtes, nahm er sich fest vor, standhaft all fein Wissen zu verleugnen, sich so dumm und einfältig als möglich zu stellen und so »»beneidet und ungchaßt den seelenerquickmden Tram dex GÄehvsamkeit zu schlürfen. .^Jns einer dunklen, abgelegenen Ecke der Jüdenstadt stand das .Haus des Rabbi, von außen verfallen und unansehnlich, doch um so wohnlicher im Innern. In großer Auftegung machte sich der Knabe auf den Weg dahin. Zitternd trat er in das Zimmer des Rabbi. Dieser, eine ehrwürdige Gestatt im schönsten Mannesalter, saß eben an einem mit riesigen Folianten bedeckten Tische im eifrigsten Studium. Beim Eintritt des Knaben erhob er sich und freundlich näher winkend fragte er nach seinem Begehr. Weinend ivarf sich ihm Jakar-daj z» Füßen, umfaßte ihn mit beiden Armen und flehte mit aller Macht rührender Unschuld um Schlitz und Mif- -nahme in seinem Hause. , „Wer bist du, mein Sohn?" fragte der Rabbi, verwundert über das seltsame Benehmen. Ter Knabe raffte all seine Kraft zusammen; um eine Lüge zu sagen. Für ein elternloses Kind gab er sich aus. das nie seine Erzeuger gekannt und einsam und verlassen bis auf diesen Tag herumgeiört sei, nun aber, vom Wissensdrang getrieben, nichts sehnlicher wünsche, als hier Ruhe »zu finden und in der Nähe eines räkerlichen Lehrers das Gotteswort und die himmlische Thora kennen zu lernen. .Hast du denn noch nichts gelernt?" fragte der Rabbi. Purpurröte überflog das Anllitz des Knaben und ein kaum hörbares „Nein" entschlüpfte lftinem Münde.

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