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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-31 · Heft 2702 (31.8.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2702 (31.8.1926)
Date
1926-08-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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mmmmm SekSe 4 Men. Dienstag Mener Movftengerhmg 1. August im Nr. 2702 Tapeten W Wien, 1., Wipplingerstrasse 15 / Tel. 67307, 69292 Bühne traft Knn »Figuranten". Deutsches Bolkötheatcr. Andre Bicabean, der Autor dieses Lustspiels, meint lKe Ztaristen des Lebens, wie sie die Hauptdarsteller bestimmter Berufe für ihren Erfolg nicht entbehren können. Der Chef eines neueröffneten Nobelhotets benötigt cnn Firnißtag und daun noch eine hübsche Zeit lang vornehm anssehende Trockenbcwohner zum Vortäuschen eines Massenbesuches. Die Kokotte, welche nach zahlungsfähigen Kunden äugelt, muh über einen Fianranten verfügen, der einen reprässntableu Freund abgibt, ferner über eine Dame, die sich als „Mutterl" vorführcn lagt. Und nach der traurigen Maxime, daß oft selbst Figurant wirb, wer Figuranten engagiert, benützt schließlich ein dicker, unappetitlicher Schieber jene Kokotte als Figurantin. Nur skrupelloser. Während sie ordnungsmäßig ibren Freund und ihr Mutterl honorierte, knöpft ihr der Lastergreis das sauer erworbene Vermögen ab, ersetzt ihren in vielen Nächten erworbenen echten Schmuck durch falsche Perlen, verduftet und läßt sie arm wie eine Kirchenmaus zurück. Mer der Dichter nimm: sich -hrer an. Längst hat sie sich in jenett, den sie seinerzeit als „Freund''' in den Dienst stellte, sterblich verliebt und z- Md Gegenliebe. Er hat Inzwischen einen bürgerlichen Denis ergriffen (:K Kellner geworden) und Manon folgt ihm glücklich iu die Matt'nrde. Dieses Stück ist eine Mischung von sprühendem Witz und öder Se'.ltimcntalität, von ...ichtgeschürztem Humor und mühsam gekitteter „Handlung".'Der Titelheld äußen unglaublich viel moralische Kraft Bei der hübschen, feschen „Freundin", von der er sich bezahlen läßt, wohut er monar-'lang ohne sie trotz temperamentvollst geäußerter Avaueeu auch nur zu berühren. Ein Platoniker, dieser Zrchälker. Herr Sima, der hochbegabte Naturbursche, taugt für die Endstation, nämlich den Kellner, am besten. Im Hotel als eleganter Kundenlecker, bei der Kokotte als Kavalier, der sich's leisten kann, taugt er weniger. FA. Wessely, seine Partnerin, hat diesmal ihre sympathische, urwüchsige Frische hinter den Kulissen gelassen und mit einer Konstantin-Jmiration ai.fgewartet. Sie lasse ab davon und bleibe sie selbst. Die Damen Förster, Lvov- .jky und insbesondere Markus (die sich als hervorragende Komikerin entpuppt), erfreuten durch kräftige Episoden, und der asthmatische Schieber des Herrn L a ck n e r ist eine Eharakterstndie. Herr Forest, der Spielleiter, hat gelegentlich „lokalisiert", was rsahrungsgemäß Komödien Pariser Provenienz nicht dienlich ist. O. A. Aus den Theatern. Burgtb eater. Morgen. llaS lltir abend« Eröffnungsvorstellung m>t ,D e r T r a u m ein Leben" von Grillv a r z e r (Abonnement V. Gruppe'. A k a d e m t e t ö c ä t e t Morgen '^8 Nbr abends, alterst e Vorstellunq in dieser Saison: t n M äoel v o n h e u t e" von Gustav D a o i 8 Deutsches Bolkstbeater. Morgen eröffnet Leo- Voldine Konstantin ihre vtestäynge Tätiakeit in F o d o r s Lust'viel „D r. I u c i S? a ß o“. Sonntag findet als erste Nact'Mittagevorffellung eine Aufführung >wu Han« Müller? „Veronika" mit Leopoldtne Konstantin statt. Das Lust ivtel „Das U n e r r e i ch b a r e". von M a u g h a n wird mit Leovoldine Konstantin und Anton E d t h o f e r als Nächste Novität m Szene geben. Volksooer. Heute 7 Uhr abends. ..D i e Fledermaus" mit Hans M o i e r als Fro ch In der Konzrtemlaae wirken mit: Karl H e l l g r e n von de, Sta-neover m Swckbolm sowie die Herren Adolf Körner und Franz Pfaudler vom Kabarett Hölle. Dirigent: Walter H a h n. B Ü r g e r t h e a t e r. Av 1. September beginne» Mit Rücksicht ans die Wiener Messe die Vorftellunaen der Ooerette .Das Landder Liebe von Edmund © n S l e t tun 8 tthr abends. Modernes T v e a l t r Heute 25 Auffülmmg des Lust'v!el>chlagerS .D t e A r t.. s i ch h i n z n g e b e n" von Felix G a n d e r a. 'deutsch von Robert B l n m L »l st t p t e t t v e a r e r Morgen^ Erstauff'übrung der Komödie ,E v a Bo n h e u r" von Hermann H e y e t m a n s. beut ch von El e O t t e n. Ein Damentheater in New-Iork. Im Herbst beginnt in N e w -?) o r f seine Tätigkeit eilt nett gegründetes Dame nth eater. Die ökon0n>ische und künstlerische Leitung und die Finanzierung des Theaters halben Frauen inne. Auch die Schanspielergemciitfchaft soll zttni größten Teil aus Frauen bestehen Und bei der Wahl der Stücke sollen iu erster Linie Wetzte von Frauen berücksichtigt werden. Die uuternehmmtgslustigen Dameil beabsichtigen schon irn nächsten Jahr ein eigenes Theatergelbäi.he zu bauen. Kleine KiMstuachrkchtcn. In dein Dörfchen Vanelnsc bei Avignon iu der Provence, das Pettzarea in seinen Sonetten verewigt hat. Witz) ein Petrarca-Museum errichtet. Dieses I Petrarea Haus wird anläßlich der <>06. Wiederkehr d-es Tages, an dem Petrarca zum ersten Male die unsterbliche Laura de Neves evbiickte, am 0. April 1027 eröffnet werden. — Zwei b i s h'e r il n b e k a n n t e Erzählnngeii Anton Tschechows wurden in Zarsroje Selo bei Leningrad iu einer Privütsammlung a u f g e f u n d e n und von der' Leningrad er öffentlichen Bibliotheik erworben. — In den Bereinigten Staaten hat sich eine Akademie zur Erforschung des e it opä 1 s ch e n Mittelalters in literarischer, kiinstlerischer. philosophischer mrd historischer Hinsicht gebildet. Gerichtssaal. „Dieser Mann ist sofort zu verhaften." Ans eine originelle Idee kam der Kaufmann Oskar G., um sich seinen Verpflichtungen ans einem gänzlich verkrachten „Bösen Bnbenball" zu entziehen, der am 31. Dezember 1928 hätte stattfinden sollen, zu dem aber nur 70 Karten verkauft wurden. Er ordnete einfach seine Verhaftung an. Dies kam so: G. befand sich vorn 2. bis 15. Dezember wegen Verbrechens der Mitschuld an einer Abtreibung der Leibesfrucht in laudesgerichtlicher Untersuchungshaft. Ms er wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, ging er unter die Ballarrangeure. Seine Pläne schlugen - fehl und so kam er auf die Idee, sich ein bißchen einsperren zu lassen, um seinen Gläubigern zu entgehen und, da er doch unschuldig war, vom Staat eine Entschädigungssumme heranszubekommcn. Den Kapellmeister Metiska, dem er 165 Schilling schuldete, suchte er zu überredeu, ihm den Vertrag zurückzugeben und denselben auf 100 Schilling abzuändern, welcher Betrag dann gegen den Bnndesschatz geltend gemacht werden sollte, weil G. durch die Verhaftung irn Arrangement des Balles behindert wurde und so zu Schaden kam. Wie wird Man aber rasch verhaftet, wenn man nichts angcstellt hat und auch nichts anstellen will? Sehr einfach, dachte 'sich Herr G„ ging znm Telephon und rief das Polizeikornmissariat Wieden auf. Dem Polizeikommissär Doktor Gregor erklärte er: „Hier Landcsgericht Wien 1, Staatsanwalt Dr. T il p p y. Der Kaufmann Oskar G„ welcher wegen Verbrechens der Mitschuld am 8 144 in Nntersnchnngshast war und gegen Gelöbnis ans freien Fuß gesetzt wurde, ist wegen Brrich dieses Gelöbnisses sofort in seiner Wohnung zu verhaften. Der schriftliche Haftanftrag folgt nach. Sic verstehen? Oskar G.. Schleifmühlgasse..." Daraufhin ging G. in seine Wohnung, richtete sich ein Lebensmittelpaket und einen größeren Zigarrenvorrat zurecht und wartete.frohgemut auf leine Verhaftung, die auch Pünktlich erfolgte. Bei seiner Einlieferung in das Laudesgericht stellte sich durch die Efnvernahme des Staatsanwaltes Dr. Tuppy jedoch der wahre Sachverhalt heraus und gegen G. wurde das Verfahren wegen Betruges eingeleitet. Außerdem hatte er sich noch wegen des Verbrechens der versuchten Verleitung zu einem Betrüge, begangen an dem Kapellmeister Metiska, zu verantworten und wurde, obzwar er bestritt, die telephonische Mystifikation begangen zu haben, zn zehn M o n a t e n schweren Kerkers verurteilt. G. brachte gegen d-eies Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde ein, wurde aber damit abgewicsen. Man soll eben , nicht den Teufel an die Wand malen. Bottswirt. Dir Handel in SchMngaltkrn. Gestern wurden an der Wiener Effektenbörse znm ersten Male die ans Schilling nmgestellten Aktien der Felten u. Guilleaume und der Hauser u. Sobotka A.-G. gehandelt. Die Schlnßeinheit für Felten und Guilleaume-Aktien wurde mit 50 Stück zu je S.' 30.—, für Hauser n. Sobotka mit 100 Stück zu je S. 10— festgesetzt, doch sind auch die Kronenakticn bis auf weiteres gleichmäßig lieferbar. Der Handel mit den Felten Schillingaktien war insofcrne bedeutsam, als es sich dabei itm ein Knlissepapier handelte. Die Feststellung des ersten Kurses verzögerte sich, da der Kulissier erklärt hatte, daß er, um Verstöße zn vermeiden, nur schriftliche Aufträge entgegennehmen köffne. Die Erhöhung der Schlußeinheit Nach der Umstellung der Aktien ans Schilling ist an sich wohl unvermeidlich. Trotzdem ist es sehr bedauerlich, daß für die Uebergangszett keine Bestimmungen darüber getroffen wurden, wie sich der Verkehr mit einer Zahl von Aktien gestatten soll, die geringer ist als Sie neue Schlußeinheit. Felten u. Guilleaume-Aktien sind bekanntlich gar nicht zusammengelegt worden; auf Grund" der Goldbilanz wurde für die auf400.sk. lautende alte Felten-Aktie ein Nominale von 30 S. festgesetzt. Der Besitzer von 26 Stück alter Felten n. Guilleaume-Aktien konnte seinen Schluß ohne weiteres bvrsenmäßig verkaufen, er hatte daher Anspruch auf die Abrechnung gemäß dem amtlichen Kurse. Seit gestern bedeutet sein früherer Schluß von 25 Stück nur einen ,,Rest". Er ist daher bei der Abrechnung von dem Gutdünken der Bank abhängig. Tatsächlich zeigte es sich an der gestrigen Börse, daß in der Felten-Kulisse volle Schlüsse zu 100 Stück um 8000 K. pro Stück bewertet wurden, mit anderen Worten, daß nicht vollständige Schlüsse mir zu einem um 8000 K. niedrigeren Preis angebracht werden konnten. Es haben sich infolgedessen gestern an der Börse Konsortien gebildet, die Ihre unvollständigen alten Schlußeinheiten vereinigten, um die neue Schlnßelnheit von 100 Stück herausznbringen und sich auf diese Weise vor Schaden zu bewahren. Der Börsenbesncher konnte sich immerhin noch helfen, dem anßerbörslichen Publikum ist das natürlich kaum möglich, und so stellte es sich wieder einmal heraus, daß dem kleinen Manne stets nur die Nolle des Opfers beschicken ist. Diesmal ist er das Opfer, des plötzlichen Ueberganges zur neuen Schlußeinheit Noch kein AeLerbUÜ über den Statur der zentraldank. Der /uf Grund des Zentrakbankgesetzes eingesetzte Paria» wntaris J: Unt er'suchungsa usfchuß lsielt gestern nachmittags eine Sitzung ab, zu' deren Beginn einstimmig sestgestellt Mtr-de, daß des Vorgehen des Obmannes des Ausschusses, Präsidenten E l d e r s ch, in bezug ans die Einberufung einer Sitzung vollkommen den -e i n st i m m i g -gefaßten Beschlüssen des Ausschusses entsprochen habe. Hierauf erstatteten d'e Kuratoren einen Bericht über ihre bisherige Tätigkeit und legten im Zuge dieses Berichtes ein Verzeichnis der bisher gemachten Ansza-hlungen vor, das in den nächsten Tagen vom Ausschuß einer näheren Prüfung unterzogen werden w'Ud. Ferner beantworteten sie Fragen, die bezüglich der Auszahlungen >nnd der Geschäftsführung gestellt wurden. Tie Kuratoren erklärten, über den Gesamtstatus der Zentralbank deutscher Sparkassen derzeit n 0 ch k e i n -e n Bericht erstatten zu können, behiölten sich aber vor, vor Abschluß der Arbeiten über den Gesamt st a t u s über Einz-elsr.äaen Sowd erbe richte zu erstatten. Anhaltende Schwäche der Ara. Die Lira 'bröckelte auch gestern auif -dett internationalen Plätzen ab. Die Devise Mailand wurde zeitweise bis 16.70 gegen Zürich umgesetzt, konnte sich jedoch sstät'er etwas er- Copyright >926 by 7. Löwit Verlag, Wien—Leipzig. 2. FoUsetzung Line jüdische Legende Ter gelehrte Präzeptor hatte nämlich als Chef nud Selbst fytr fat seiner Schule unter anderen lobenswerten Eiurichmngen auch jene getroffen, daß er regeluiäßig jeden Freitag eine! Prüfung mii den hofsnungsvollen Eleven vornahm, wobei eL nach! frommer Vä:ersnte etwa felgendermaßen herging: ein Kind nach dem andern mußte mit seinem Buche an eine Art Erhöhung j treten und den eben erlernten Abschnitt der Thora oder des Tal-! mud, wiederholen. Je nachdem es nun entsprochen oder nicht j eütsprochen hatte, wurde das Kind bald mH einem gnädigen Kniff oder mit einem derben Klaps in den Nück-en entlassen. Jedoch zuweilen geschah es, daß der Magister in besonders guter Laune däs Amt <er rächenden Nemesis einem Untergebenen übertrug, weil er entweder sdlbst beschäftigt war oder den Kleinen auch einmal einen Spaß und eine Freude machen wollte. Und immer wurde jenem Schüler, der eben an: besten „gekonnt" hatte, der Auftrag zuteil, seinen weniger begabten oder fleißigen Mitschüler mit einem derben Puff zu koUdemnieren. Es äßt sich nun leicht denken, daß keiner öfter mit diesem Ehrenamt betraut wurde, als inm kleiner Jakar-daj, da er in der Tat in jeder Hinsicht der Beste lm Eheder war und sich bald so hoch in der Gunst des Instruktors aukgeschwungen hatte, daß dieser nächst seinem Rohre niemandem mehr gewogen zu sein behauptete als eben lhni. Um also dem Knaben seiner'eits auch wieder ein Vergnügen zu machen, glaubte er nichts Besseres tun;n können, Ms wenn er Jakar-daj röcht oft zu einer Art Scharfrichter über seine Kollegen setzte. Doch weit entfernt, sich darüber zu fteuen, war der Knabe vielmehr innig betrübt, sobald ihm ein solcher Auftrag zuteil wurde, und es geschah nicht selten, daß er laut weinend den Lehrer bat, ilm mit ble^m bäß'ichen Amte zu verschonen. Doch dieser bestand dann nur uni so fester darauf, daß der Knabe i recht derb und aus aller Letbeskraft losschlägen sollte. Was war nun zu tun? Gehör'am durfte nicht verweigert werden. Die Folgen lieben natürlich nicht aus. Jakar-daj, der durch sein täglich sich mehrendes Wissen sich längst schon den Neid' seiner Kollegen zugozogen hatte, steigerte ihn durch diese schmähliche Funktion zum höchsten Grade des Hasses, so daß sie, je sanfter und milder er gegen sic wurde und je weniger er durch jene ja Me Exelntio/i zu verletzen strebte, nur desto mehr gegen ihn ergrin'.mten, besonders wenn er in wahrer Lammeseinfalt und Unschuld oft genüg, sobald es nur entging uni> der Lehrer ihnen gerade den Nucken zukehrte, sich selbst statt d-m Geprüiften den Schlag versetzte. Dies kränkte so sehr das Selbstgefühl! seiner Mitlchnler, brachte sie so sehr gegen ihll auf, daß sie keine Gelegenheit vornbergehen ließen, den Knaben zu quälen und zu m!ßhando'n und ihm snrck) jede Art von Peil? seine Güte und Liebe zn vergelten. Zu größeren'. Unglück noch würde der treffliche Magister bald dieses Verhältnis, die seindselige Behandlung seines Lieblings, gctvahr, und um ihn zu rachen und ihm, wie er sagte, Genugtuung zu gönnen, beatmte er ihn jetzt nur um so öfter mit seinem eigenen Göttervorrccht. ja er vertraute seinen schwachen Händen sogar feinen Stock an mit dem Befehl, nur recht wacker und derb damit auf seine Kollegen loszuschlageu, unbekümmert um das Weinen und Flehm des Knaben, das er für falsche Scham Und Empfindlichkeit hielt. Mas Wunder, daß bei so gearteten Umständen der arme Knabe bald alle -Heiterkeit verlor und er, der durch sein liebliches Aeußere früher jederniann ergötzte, nun täglich mehr abmägerte und blässer »vurde. Es sollte aber noch schstmmer kommen. An einem Samstag vormittags, da der Gvttesdienst eben zu Ende war und die Leute sich nach und nach ans der Synagoge entfernten, sammelten sich, wie dies schon bei den Vätern Sitte gewesen, einzelne Menschenhäuflein in der Mitte der Gasse, die lachend und scherzend über alle Vorfälle der Woche diskutiterten. Wie immer ioi> man den kleinert Jakar-daj auch heute an der Seite seines Vaters. Ta nahten sich ihm plötzlich zwei seiner Mitschüler, die schlechtesten im ChMr und, wie er wußte, seine erbittertsten Feinde, un» mit verstellter Freundlichkeit sprach der eine von ihnen: „Ich weiß nicht, warum du dich von uns so zurückziehst und unsere Gesellschaft meidest'. Haben wir dir etwas zuleide getan? Meinst du, weil wir manchmal Spaß mit dir treiben und dich necken, daß wir dir deswegen feind sind? Im Gegenteil, wir haben dich ganz gern, weil du ein gar gescheiter Junge bist. Sieh' nur, wir haben uns jetzt ein Svldatenspiel eingerichtet, bei dein es gar lustig und munter hergeht. Willst du auch mitspielen? Dann komm' atu Nachmittag mit uns hinaus auf die Wiese an: Flusse." „Recht gern", antwortete Jakar-daj in kindlicher Einfalt. Von Fvenide erfüllt, kehrte er zum Mahle heim, das er aber kaum herunterbringen konnte vor innerer freudiger Aufregung; denn nun hatte er doch Aussicht, in Frieden und Ruhe mit seinen Mitschülern zn leben und ihnen aüf jede Art zu beweisen, wie gut er es mit ihnen mehle. Der Nachmittag kam, eine schwüle Hitze herrschte draußen. Jakar-daj verfchlte nicht, sich bei seinen Kameraden eiNznstellen. Diese, in tückischem Zischeln begriffen, harrten schon seiner, aber bei seinem Anblick suhretl sie sogleich auseinander und gingen ihnl freundlich entgegen. Jakar-idaj fühle fein Herz plötzlich sehr beklonimen, da. er nur den kleinsten Teil feiner Mtschüler, und zwar gerade die schlimntsten und vertvorfensten von allen, vor sich sah. Ihm ahnte nichts Gutes; dennoch nahte er sich ihnen mit freundlichem Gruße und alle begaben sich auf die entfernte Wiese. Sie tvaren noch nicht laltge da, als schon der älteste von ihnen wieder in Herkömmlicher Weise mit seintzn Neckereien gegen Jakar-daj begann. Da aber dieser wie gewöhrüich seinen Worten nur ein Lächeln der EinM und Unschuld entgegensetzte, so schwieg er endlich auch, enktvafsnet Von der geduldigen Sanftmut des Knaben. Ersetzung folgt.)

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