Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2701 (30.8.1926)
- Date
- 1926-08-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Holenr aiitioMyl Wi en: ZtunAbholeti in dar Expedition, Tabötttr. 1 -3,! oder in einerVersdilelsstelle I ftrafik) monstl. ö Schilling : Straaaenverkattf in Wien durch die Kolporteure der; Firma Q o 1 d schm ied, l„ Wolteeiie 11; Mit Postversand für Wien i und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 schecho-Slowakeh Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 16Zloty. Deutschland:; Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Fies, 35 NaeUsahltniScn bei Prel» erhihnnofn rorbeheltee Wiener imain England: Mon. 4 Schilling it allen': Monntl. 20 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien sMon.1001.ew*. Schweis und das übrige Ausland monatlich Frcs.? Redaktion, Administration: Wien, H. Taborair. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX* Untversitatsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmanm OeaterrdChisches Postspatkassen - Konto Nr. 150.R9'-, 91t. 2701 Wie«. üHontog, 30. August 1026 8. Jahrgang Bar dem Rücktritt der Sfterrelchischen Regierung Demiffian Ramels nach der Rückkehr aus Senf. I« redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Verbesserung der valästinenfischen Staatsdörgerschaftsgesetzes. Eine Reihe von Forderungen der Juden erfüllt. K. London, 29. August. „Jewksh Times" melden aus Jerusalem: Die Palästinaregierung hat endlich den seit langem erhobenen Forderungen der Juden Palästinas in der Frage der Naturalisation Rechnung getragen und eine Reihe von erschwerenden Be^immun g c n aufgehoben, die bisher den jüdischen Bewohnern Palästinas die Erlangung der palästinensischen Bürgerschaft fast unmöglich machten. Die Inden Palästtnas werden jetzt nach Beseitigung de r Schwierigkeiten auf kurzem Wege und l e i cht das p a l 8 st i n e n s i s ch e B ü leger recht erlangen können. Dies hat unter der gesamten jüdischen Bevölkerung Palästinas lebhafte Genugtimng "tervorgerufen. NulSenbrrg errichtet neue MeklrizitAskirrke. Di« Verwendung der Baronschen 100.000 Pfund. K. London, 29. August. Wie „Jewish.Times" aus Jerusalem erfahren, wird Ingenieur Ruthenberg das.Kapital von 100.000 Pfu n d Ster-l'.ing/'das seiner Elektrizitätsgesellschaft durch die jüngst erfolgte Uebernahme von 'Aktien in diesem Betrage von seiten des bekannten Industriellen und Philanthropen Baron zugeflossen ist, für die Errichtung einer Reihe von neuen E l e k t r i z i t ä>t s u n.t c r it e h m u n g e n in Pa lä st i n a verwenden. Die Arbeiten werden i n allern a ch st e^r Z ei t .beginnen., und esstchstd dat'urch inöglich sein,' die A r be i t s'l ö s i g k'e'i t und'. WrtWstsktise'"kvefe'ntlich^ ein- ^udämmen. i i Amzchen in'0|onfett! , London, 30. August. Wie aus Gibraltar gemeldet wird, gehen dort Gerüchte von neuen Unruhen .in Spanien um. Die telephonischen und'telegraphischen Verbindungen zwischen. Gibraltar und Spanien sind ünterb, r o ch c n. Die Unruhen sollen . infolge der Spannung zwischen den Artillerieoffizieren und der Negierung entstanden sei».. Karachan aus Mna aurgewiefen. London, 29. August. (Wolff.) Tex „Observer" .meldet aus P e k i n g, die chinesische Regierung habe gestern 'der russischen Regierung mitgeteilt,, daß die Pässe für den Botschafter Karachan bereitgestellt worden seien. Brei „Shrlstliche Sitten" Itt Rumiinieu. Bukarest, 28. August. (I. T. A.) Die von. Cn>;a begründete Christliche Liga ist in'drei Teile zerfallen. Der eine Teil wird von Cnza selbst geführt und umfaßt die alle antisemitische Garde, der Kveite setzt sich aus den radikalen Stndemen zusammen, an deren Spitze der Mörder. Z ei c a Cod. r e a n u steht, der dritte Teil nennt sich Liga der gemäßigten Studenten und wird von Tudore Popescu geführt. Als Folge der crnzistischcn Agitation hänfen sich di« Fälle, wo D o r fd a n e r n . Juden, mb , denen sie in Geschäftsverbindung stehen, ermorden, ttm sich ihren geschäftlichen Verpflichtungen zn entziehen. In dem Torf T i n e s ch 1 i in der Nähr, des Städtchens Ly ive in Bessarabien wurden der Mjährigr jüdische Pächter Rubin Prokupe.z und seine Iran von Torfinsassen in bestialischer Weis« ermordet. Die 17jqhrige Tochter des Ehepaares erhielt mehrere M e j s e r st > ch e und blieb als tot liegen. Sie .wurde ins Leben zmücherufen. Jetzt lieg: sie in Fieberphantasien, ruft die Mörder bei ihren Rainen und fleht um Schonung. Auf Grund dieser Namensnennungen wurden ein gewisser Sania Qpenky und noch §vei Bauern ermittelt. Es stellte sich heraus, daß die Ermittelten dent ermordeten Proknpe, Geld s'ch u ldig waren. Nach dem Morde raubten sie die Wohnung ans und zerrissen die Schnldwech'el in kleine Stücke. Trotz untrüglicher SchuMeweise sind die Mörder n o ch a u f f r e i e m F n ß. Der Proporz 1« Griechenland. Athen, 30. August. Die Regierung hat beschlossen, das B> erHältniswahlverfahrcn bei den nächsten Kammerwahlen anzuwenden. Die monarchistischen Parteien drohen mit der Stimmenenlhältung. Rwn versichert.: daß Beniselos seine ^Kandidatur aufstellen ivcrde. ' . In den politischen Kreisen Oesterreichs sieht man den morgigen Sitzungstag des Nationalrates als einen kritischenTag ersterOrdnungan. Es ist kaum mehr anzunehmen, daß der sozialdemokratische Antrag ans Erhebung der Anklage gleich in dieser Sitzung erledigt wird. Jede weitere Stunde aber vergrößert die Gefahr für die Regierung. Auch wenn der sozialdemokratische Antrag ab gelehnt wird, woran nicht zu zweifeln ist, kann sich das Kabinett in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung n i ch t mehr halten. Es wird zwar getrachtet werden, den Ausbruch der Regierungskrise bis nach der Rückkehr des Bundeskanzlers Dr. Ramek aus Genf zu verschieben, da man doch auf. keinen Fall vor dem Völkerbund durch einen demissionierten Minister vertreten sein will. Aber. inan verhehlt sich nicht, daß die Stellung Rameks Unterfdjleffe bei der deulschen MchZ- Whr. ■. 33c kli tt, 29. August. Die „Welt am Mon tag" meldet: Gestern ist dem Reichspräsidenten, den Reichs- und preußischen StaatSminiftern, den Mitgliedern des Reichstages und einer Reihe von Staatsanwaltschaften eine Denkschrift zugegangen, für deren Inhalt die Schriftsteller Lehmann- RutzbncIdt und Karl Mertens verantwortlich zeichnen und die auf-; Grund von^DokntneNten ^den Nachweis' führen wollen,. daß Inhaber von hohen Dienststellen der Reichswehr die ihnen übertragenen Vollmachten in eigenem Interesse mißbraucht und Heeresgnthaben im Betrage von vielen Millionen Mark verschleudert, zum Teil sogar ins Ausland verschoben, und daß auf „Zivildienstvertrag" angestellte Beamte der Wehrmacht sich persönlich bereichert hätten. Ter Schauplatz der in der Denkschrift behandelten Vorgänge soll Ostpreußen sein. Die Vorgänge selbst sollen bereits zum großen Teil um einige Jahre zurückliegen. Sollte der Inhalt der Denkschrift sich als zutreffend erweisen, was eine Untersuchung leicht feststellen wird, so ist eine Affäre von schwerwiegender Bedeutung unvermeidlich. Deutschlands Eintritt ln den Wikerbund. Berlin, 29. August. (Wolff.) Der diplomatische Berichterstatter des „Observer" schreibt zur spanischen Tange rforderuug, die Locarnomächte, die verpflichtet seien, dahin zu wirken, daß Deutschland jetzt endlich seinen Sitz im Völkerbund erhalte, seien entschlossen, sich keiner Erpressung zu .unterwerfen. Glücklicherweise sei die Lage jetzt durch eine Darlegung der italienischen Regierung gestärkt worden, wonach Italien der Ratssitze- und der Tangerfrage als v o l l k o in m e ir getrennte Fragen betrachte und die Aufwerfung der letzteren in Genf als unsachgemäß ansehe.. Dies sei auch der Satndpunkt, den Großbritannien und Frankreich einnehmen. „Sundah Times" zufolge verlautet, daß die britische Regierung in ihrer Antwort auf das spanische Tangermemorandum, das wahrscheinlich innerhalb zweier Tage abgesendet werden wird, zum Ausdruck -bringen werde, daß die Abhaltung einer so kurz vor der Tagung des Völkerbundes anberaumten Konferenz keinen nützlichen Zweck haben werde. Nach britischer Ansicht könne eine Erörterung der Tangcrfrage e r st n a ch der T a g u n g d--'s Völkerbundes stat.tfnden, deren Hauptzweck die Ansnayme Deutschlands sc' , Die amerikanische klnwanderungrguole soll verminvert werden. ll. New-Aork, 29. August. Wie „Tog" erfährt, wird bei der Beratung des neuen Q Notengesetzes,, die 'der Kongreß im Herbst durchfuhren will,'vom Vertreter des Staates Pennsylivania beantragt tverden,. hie bisherige jährliche Ein wa n dc ruit gsq u o t e in die Bereinigten Staaten von 164.667 auf 15 0.000 P e r s ön e n zu permin-ern. Der Antrag hat, wie „Tog" wissen will, Aussicht ans Annahme durch den Kongreß.. mch itt Genf eine sehr schwere sein wird und daß dort über die 62,5 Millionen Schilling für die Zentralbank eine sehr genaue Verrechnung gefordert werden wird. In den Völkerbundkreisen ist man über diese Affäre sehr ungehalten und es wird sogar mit starker Betonung hervorgehoben, daß dieses Gefälligkeitsstückchen an die Hakenkreuzbank unmittelbar nach der Abreise Dr. Z i m m e rmans erfolgt ist. Es ist möglich, daß aus demonstrativen Gründen in Genf der Antrag auf Wiederaufnahme der Kontrolle gestellt werden wird. Für alle Fälle rechnet man mit dem Rücktritt der Regierung unmittelbar nach Genf, lieber die Nachfolger wird viel gestritten und kombiniert. Am meisten 'werden natürlich wie immer Seipel, und Rintelen genannt. Äemruceau über selueu Brief. üaris, 29.-August. (Habas.) Cl e m e n eeau erklärte in einem deni Verircler der „Avenir" gewährten Jnierview,. er habe , beschlossen, an den Präsidenten Coolidge. den offenen Brief zu schicken, als er in der Ruhe seiner Einsamkeit einen r ü h r e n d e n a n o n y m e n B r i e f erhalten habe, worin man ihn fragte, ob er ins Grab st eigen wolle, ohne ein-; u g r eise n. Clemencean zeigte sich über seine Intervention befriedigt. Er sei der Ansicht, daß er zu rechter Zeit gehandelt: habe. Er habe aus allen Ländern weitere'Briefe er- Müenx insbesondere 'von / Mitgliedern der amerikanischen Legion, die unter den sranzösischen ^Fahnen gekämpft habe. Nur ein einziger Amerikaner Hube ihm den 3Zevgleich des deutsch-amerikanischen Friedensvertrages mit dem Frieden von B r e'st-L i tow s k vorgewovsen. Er habe aber diesen Vergleich absichtlich gebraucht ' und glaube, daß vielleicht dies die Amerikaner noch immer gerührt habe. Er glaube nicht, d aß n n n nie h r ei ne Rat ifikatüon . des französisch-amerikanischen Sch.n lde nab ko nt me ns möglich f.ti. Er; schließe die Möglichkeit e i n e s. z w e i i e n Schreiben s nicht aus, denn er habe, noch einiges zu sagen und m a n m ü s se i m m e r e i n o K u ge l be r e it habe n. 81u Berteldlgu«ss!omltee für Schwarzbarth in Moskau. Moskau, 27. August. <I. T. A.) In Moskau hat sich ein Komitee zur Unterstützung der Verteidigung von Schal om S ch.w a r zlh a r t h gebildet, an dessen ^Spitze der bekannte Verteidiger in politischen Prozessen,. S ok ol o w, sticht und dem prominente Rechtsanwälte wie Urisou und Ts ch len off sowte die Publizisten Bragin und Jaschnnsky angchörm. Das Komitee verfügt iiber eine Menge gravierenden Materials über die P o g r o m e i n der Ukraine und die Schuld Petljuras mW seiner Atamane. Dieses Material wurde dem Verteidiger Schwarzbarths, Tor res, zur Verfügung gestellt. Hebraisten und glddlschlften. ll. Kowno, 29. August. Bei der Eröffnung des litauischen Knlmrkongresses, die in Abwesenheit von ei»va 300 Delegierten, darunter auch Vertretern einer Reihe von j ü d i s ch - kulturellen Organisationen, vom Nnterrichtsminister vorgenommen wurde, ereignete sich ein bedauerlicher Zwischensall. Nachdem ein Vertreter der hebräischen Lehrerschaft in seiner Begrüßungsansprache an den Kongreß ans die Bedeutung des -Hebräischen hingewiesen und unter anderem gesagt Chatte, die Kultur des jüdischen Volkes liege in der hebräischen Sprache, erging sich der ' folgende jiddischistische Redner in heftigen Angriffen gegen das Hebräische, das er als ein Instrument der jüdischen Reaktion bezeichnete. Diese unwürdige Zänkerei bei eineinernsten Kongreß hat den schlechtesten Eindruck gemacht. Sie Brlldrr Heinrich und garaue» Brauner zur Bezahlung von 410.000 Schilling verurteilt. Das Wiener Oberlandesgericht ^hat am Samstag die Brüder Heinrich und Jacques Bronner in deni von der Firma Fröhlich u. Co. angestrengten Prozeß verurteilt, 451.770 Schilling aus dem Kaufe von 100.000 Stück Lombardbank- Aktien zu /bezahlen. Ferner wurdet: beide Brüder mit den Kosten rvrs Verfahrens m der Höhe von 21.000 Schilling belastet jfe.