Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2698 (27.8.1926)
- Date
- 1926-08-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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kö^jofcijri Engta nd: Mon. 4 Schilling. Italien* Monatl. 20 Ute: Rumättteü: Mo«. 170 Lei. Bulgarien: Mon.IOOLewr« Schweiz und das übrige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX, Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichlsches Postspai* kassen - Konto Nr. 150.69 Wien, attitag, 27. Ausuftiürv^ «. SofttflftttB~~ Die englischen Bergarbeiter geben nach. tzinigungsverhandlungen auf Grund der Borschläge Balvwln«. — Wettere Arbeitsaufnahmen. Wiener orgenzeilung mm Wien: Zum Abholen In der Expedition, ll^Taborstt. 1*3, oder in einer Verschleiäitetie/ Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkäüf in Wien durch die Kolporteure der Firma Q o I d ach mied, in Wollaeile 11 Mit Postversand lüt Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 sch echo-Slowaket: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6Zloty, Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, B ei gf en: Mon. Frcs. 35 tciu«nttH»seft bet N «i »* e - h«hnn 'i*i' worbeheUe» litt. 2898 Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorarigefeptes E gekermzeichrieL Kulturelle Autonomie der nationalen Minderheiten. Die Resolutionen des Genfer. Minoritätenkongresses über die kulturelle Entlvicklungsfreiheit. I<. Genf, 26. August. Der Kongreß der nationalen Minderheiten hat seine meritorischen Arbeiten in vollem Umfange ausgenommen. Zunächst wurden die Probleme der kulturellen Entwicklungsfreiheit behandelt, für die der Kongreß, wie berichtet, «ne Kulturkommission gebildet hat. Das Referat hielt Abgeordneter Dr. Robinson, (Mitglied des jü d i sch e u Klubs im litauischen Sejm); er erklärte, daß mau gegen die Bestrebungen zur Entnationalisierung der Minderheiten Garant i e n schaffen, daß man sich dabei aber auf das praktisch Erreichbare beschränken müsse. Bolle Gleichberechtigung de r M i n de rh e i t e n i n k u l t u r e l le r B e z i e h u n g sei das äußerste, das man verlangen könne. Dr. H a s s e l b l a,t t, Abgeordneter im estländischen Parlamente, referierte über die in Estland eingeführte kulturelle Selbstverwaltung der. deutschen Minderheit, die auf dem Gesetz vom Februar 1925 beruht. Er stellte die Lösung, die in seinem Heimatlande gefunden wurde, als äußerst befriedigend und nachahmenswert dar. In Estland besteht für die deutsche Minderheit ein 41gliedriger, .freigewählter K u l t u.r r a t, her folgende fünfgliedrige. Ausschüsse bildet: einen allgemeinemKulturausschüß, einen Wul-^ Finanr-, Kataster- und Rechtsausfchuß. .Der Krstturausschuß hat die Befugnis, w e r'bi n d l i ch e Verordnungen zu erlassen. In die Wählerlisten.sind 9 7.Prozent der deutschen Bevölkerung ausgenommen. Unterstützt wurde die Entwicklung dieser Einrichtung durch die völlige Trennung von Politik und Kultur. Die wichtigste Maßnahme des Kulturrates ,ist eine S t e u e r v e r o r d n u n g, die das kulturelle Eigenleben der Minderheiten ai#f eine normale Basis bringen soll. Im übrigen ist der Kulturrat lediglich Aufsichtsinstanz. Das Korreferat hielt der. Vertreter der polnischen Gruppen in Deutschland, Kaczmarek; er erklärte, die Minderheiten müßten alles tun, um den Verdacht zu entkräften, daß ihnen das Staatsgefühl abgehe. Das Programm der Minderheiten dürfe niemals die Souveränität des Staates antasten. Andererseits muffe der Staat ein friedliches 9! eben einanderleben der einzelnen Nationen ermöglichen. Redner schloß mit. dem Hinweis darauf, daß die polnische Gruppe die Mitbestimmung und Mitverwa4 tung als Weg.zur Sicherung der kulturellen Interessen betrachte. 'Der Vertreter der deutschen Gruppe in Rumänien, B r a n d s ch, betonte die Bedeutung der Sprache als Element der kulturellen Autonomie. Hieraufteilte der Vorsitzende Leo Motzki n, der Vertreter der indischen . Minderheiten,-mit,-daß sich die Kommission auf folgende Resolutionen geeinigt..habe: . . 1. Die Durchführung der n a t i o n a l e n kulturellen Selbstver w a l t u n g soll nur von dem Willen der Minderheit selbst abhangen. 2. Das B e k e n n t n i S des einzelnen zu einer N at i o n a l i t ä t oder seine Eintragung in ein nationales Register soll völlig frei und gegen alle Anfechtungen strafrechtlicher Natur geschützt sei« Md darf zu keinerlei . Nachteilen führen. 3. Soweit der Staat aus allgemeinen Finanzmitteln kulturelle Aufgaben besorgt, sollen diese M i ttet im gleichen Verhältnis auch dem kulturellen Leben der nationalen Minderheiten ungute kommen. Diese Resolutionen wurden vom. Plenum des Kongresses,'nachdem der polnische Minderheitsvertreter Kaczm a r e k auch dort seine in der Kommission dargelegten Bor- VM*«> vorgebracht halte, einstint m t.-g : a n g e n o m m e n. Der private Dollarkurr in Pole«. b. Warschau, 26. Auguit. Der Dollar notierte heute im vri» Paten Verkehr Warschau 8.99, in K r a k a v 9.— bis 9.01. London, 26. August. (Tel.-Komp.) Auf Intervention des Bergarbeitersekretärs Cook empfing heute nachmittags der Arbeitsminister die hervorragendsten Mitglieder des Bollzugsauschuffes der Grubenarbeirer. Die Vorschläge, die die Arbeiter-elegierten dem Minister machten, sind offiziell noch nicht bekanntgegeben, doch nimmt man allgemein an, daß sich die Arbeiterdelegierten zur Wiederaufnahme der Verhandlungen auf der Grundlage der von B a l d w t n nach Beilegung des Generalstreiks gemachten und damals von den Arbeiterdelegterten abgelehnten Bedingungen bereit erklärten. Diese Bedingungen sehen vor: 1. Regelung aller Lohn- und Arbeitsdifferenzen durch ein Schiedsgericht unter einem unparteiischen Vorsitzenden. 2. Zeitweilige Herabsetzung derMindestlöhne. 3. Gewährung einer neuen Regierungsunter st ü tz u n g v o n 3 Milli o n e n P f u n d. Gegen pW Wehrpflicht. Ein internationales Manifest für die moratische Abrüstung. Berlin, 26. August. (Tel.Komp.) Die „Bossische Zeitung" veröffentlicht ein vom deutschen Friedenskartell ediertes i nt er sta t io n a l e s M an ife st geg e n di e W e hr- P flicht, das: von zahlrxjchenfÜMstben Persöttlichkeiten Frankreichs, Englands, Mutschländs, .. Skandinaviens, der Schweiz, der Tschechoslowiikei, Holland und Oesterreichs, und zwar nicht nur von Pröstffören, Schriftstellern und Parlamentarien, sondern auch von h o h? n M i l i t ä r s unterzeichnet ist. Zu den Unterzeichnern des Aufrufes gehören Profeflor Albert Einstein, Reichstagspräsident Loebe, Dr. Sei p e l, Rabindranath T a g o r e und C h a n d h i. In dem Manifest wird gesagt, die wirksamste Maßnahme zur vollständigen Entwaffnung, vor allem aber zur moralischen A b r ü st u n g, sei die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht, weshalb die Unterzeichner des Manifests den Völkerbund auffordern, die Abschaffung per Heeresdienstpflicht als ersten Schritt an einer wirklichen allgemeinen Abrüstung vorzuschlagen. Kemal Paschas Justiz. Wieder vier Todesurteile. Angora, 26. August. Im zweiten Prozeß wegen de§ BerschwörungzurErmordungKemal Paschas hat das UnabhängkgleitSgericht vo» Angora heute das Urteil gefällt. Der frühere Finanzminister Dschawid Be i.' der frühere Unterrichtsminister N a s i m Pascha, der Deputierte H t l m i B e i und der/Sekretär der Partei für Einheit und Fortschritt N a t l Bei wurden zum Tode durch den Strang o e r u r t e i l t. Ihre Hinrichtung wird in einer Woche stattfinden. _ Ein griechische» Wahlkabinett. Wahlen am 24. Dezember. Athen, 26 August. (Wolff.) Den Parteiführern ist es n i ch t g e l un gen, eine .V e r st ä n d i g u n g über die B i ld u n g e t n e s.K o a l itton 8 hab ine tt S z u erzielen. General K o n d y l t 8 hat ein v o r l a n f t g e 8 Kabinett gebildet. Die Wählen werden am 3 4. D e z e m b e r stattfinden. General K o n d y l t 8 hat das Kabinett bereit 8 g e b i l d e t. Kondylts selbst übernimmt das Portefeuille des Krieges und der Mari n e. Minister des Aenßern ist A rgyrop.ulo.8.. Mit Ausnahme von Kondylts sind sämtliche Minister Z i v i l i st e n. Pangerlos W\vb in Kreta interniert. Athen, 26. August. (Tel.-Komp.) General P a u g a l o s wird, um jeden Finchiverinch unmöglich zu mache», von Aegina n a ch K r e t a g e b r a ch t und in der F e st u n g I z z e d i a i n t er« iert weroen. Diese Maßnahme ist darauf zurüchzusühren. daß eine Verschwörung von Parteigängern des gestürzten Diktators aufgedeckt wurde, die unter der Leitung des Admirals K o Haler i s und des G e n e r a. l s V i d a l t s stand. P a n g n l o 8 sollte auf einem Flugzeug die F l u ch t n a ch I t a l i e n ermöglicht weide» 4. Den zeitweiligen V e r z i ch t der Grubenbesitzer auf ihre Gewinne. Die Konferenz, an der auch Staatssekretär Churchill teilnahm, dauerte eineinhalb Stunden. Ein Bericht darüber wurde noch nicht veröffentlicht. Die Zahl der Bergleute, die die Arbeit wieder aufnehmen, hat heute wieder eine Erhöhung erfahren. zusammknschlntz der Sechen in Wales. Eine Aktion Sir Alfred Monds. London, 26. August. Wie „Daily News" meldet, beschäftigt sich Sir Alfred Mond mit einem Z u s a m m^e ns ch l u ß der Zechen in den Anthrazitkohlengebieten von W e st'w ale s, der ein Kapital von vier Millionen Pfund Sterling umfaßt. Auch ein Zusammenschluß der Zechen von 2) ö r ks-h i r e mit einem Kapital von 3,2 5 M r l l i o n e n Pfund Sterling ist geplant. Rach dem griechischen — der spanische Motor. Offiziere verlangen die Abfetznng Peinro de Rivevas. ''' London, 26. August. Nach einer Information aus französtscher Quelleist ' i n S p a wie n eine s ehr e r n -sie Lage entstanden insolge 'der' Forderung von Artillerieoff\- ziere n, daß der König den Premierminister' General P r i m o de Rivera entlassen soll. Als Antwort darauf unterbreitete Primo de Riverä dem König ein Dekret, wodurch das A r bi l l e r i e k o r p s a u fg e l ö st und die Wassenfabriken. in T.o l e dp.und Dr ui i a der militärischen Kontrolle entzogen' und unter Zivi l'kon tr'o l'le gestellt^^wertzen. Weiter wird mitgeteilt, der Kön ig habe sich ge we igert, das Dekret zm un te rz e i chn e n, und sei sofort nach der Kabinettssitzung nach San t a n d e r abgcreist, ohne Primo de Rivera zu empfangen. Der Konflikt deigelest? Madrid, 26. August. (Tel.-Komp.) Ein von der Regierung veröffentlichtes Commonique teilt mit, daß' der Konflikt zwischen dem General Primo de Rivera und den Art i lle r ie off izieren, die seine Entlassung forderten, dank dem auf beidc.n Seiten bewiesenen gmen Willen b e i g e l e g t [et. Kein Rücktritt des polnischen Minißervröstdenten. Mn oMzielles Dementi. D. Warschau, 26. August. Die Gerüchte über eine bovorstehende Demission des Minijtevpräffdenten Bartel werden heute offiziell dementiert. Bemerkenswert ist, daß das Organ des Marschalls P i lsnds ki, „GIbs prawdy", heute, abermals die PolM des Finanzministers Klarner scharf a ngreift. Pilsudski — GeneretlarmeeinsPekLor. Der heute zusammengetretene Ministerral Hai die Ernennung des Kricgsministers Marschall P i l s u d ö k i zum Generalarmeeinspektor bestätigt. Das neue Gewerbegesetz. Der Handelsmiwister wird Samstag den Jn:ereffen!en der Gaverbetreibenden bett E n k io u r f d e 8 ne u r lt Gew e r b cg e setze s übermitteln. D>e Vertreter der Gewerbetreibenden werden am 29. September in einer Kouferen; >„, vanoelsntinifterillm ihr Gutachten über das Gesetz abgebeu. Es soll bal') darauf nach Bestätigung durch den MiiMerrai als Dekret verlautbar: werden. Ter Entwurf des neuen Gewerbegesetzes. bilde! bereits seit eimgen Jahren den Gegeirstand der lebhaften Diskilssion zwischen den jüdischen und polnischen Verbänden der G e w e r b e r reiben d e n, und zwar handelt es sich vornehmlich um die Frage des G e w e r b e s ch e i n e s, dessen Erteilung von der Kernnstls der polnischen Sprache in Wort und Schrift abhängig gemacht werden soll. Dies würde Violen jüdischen Gen'erbetreibenden die Erlangung eines Gewerbescheines unmWich wachen.