Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2695 (24.8.1926)
- Date
- 1926-08-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981782--27396-3015327- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wien. Dienstag Mene- Mo-aenzeri««s 04. August 1926 flt. us der jüdischen Welt Sie Haibars. Gin jüdischer Beduinenstamm. Mssim Lager, der Sekretär -er wahabinschen Gesandtschaft in Syrien und Sohn des OderraVbiners Lager von Damasder jetzt in Jerusalem zu Besuch weilt, berichtete, wie I. T. A. Mitleilt, im Verlaufe eines in Jerusalem gehaltenen Vor- ' träges vom Bestehen eines jüdischen kriegerischen B edu i nenst a m m e s in Zentralarabien. Er erzählt, daß der Stamm als der Haibar stamm bekannt sei, und daß er chn erst kürzlich in seiner Heimat in Zentralarabien besucht habe. Der Äamm habe 60.000 Stammesangehörige, von denen 30.000 Waffen tragen. Sie leben von Viehzucht und Raub. Sitz sind mit den W aha bis zu gegenseitiger Hilfe im Kriegeverbunden. Diele der Stammesangehörigen haben sich im Kriege mit den Haschamiten auf der Seite der Wahabis ausgezeichnet und eimge von den Adjutanten des Sultans Jbn Sansind Haibars. H«r Lager Erzählte weiter, daß auch der Schatzmeister Jbu Sauds M Jude namens Mordechei Joffe ist. Die Haibars .halten Sabbat und Jom Kippur und den Brauch der Beschneidung. Der Stamm besitzt eine alte Dhorarolle. Die Angehörigen des 'Stammes schnen sich danach, nach Palästina zu kommen .drücken den Wunsch aus, dort in einer jüdischen Armee zu dienen. „Sttr ol« chrlftlicher Aame. Die in Paris erscheinende ,Aevue des Etndes JniveS" widmete dem 70. Geburtstag des Grandrabbiners von Frankreich, Israel Levy, eine reichhaltige Festnummer. In einer „Glanes Onomatologigues" betitelten Studie befaßt sich der Baseler Gelehrte Dr. Achill« Nordmann mit dem Ursprung jüdischer und nichdjüdischer Familiennamen. Interessant sind seine Ausführungen über „Jud" als Familiennamen. Dr. Nordmann weist nach, daß „Jud" als christlicher Familiennam? schon im 13. Jahrhundert in Basel, um 1600 in Schwyz, im 16. Jahrhundert in St. Gallen, seiner in Graubünden vorkommt. Besonders findet er sich auch -im Norden von Luzern bei Sursee und im benachbarten aargauischen Freiamt. In neueren Zeiten findet er sich namentlich im Kanton St. Gallen und sonst in der Ostschweiz. Paolma Schiff gestorben. In Mailand verstarb Frau Professor PaoUna Schiff, die seit 36 Jahren diut'ch: Literatur an der Universität zu Pavia gelehri hat. Frau Prof. Dr. Schiff, eine Jüdin, war der erste weibliche Professor in Italien. Sie war eine der Gründerinnen des iraffeni-ichen Landesverbandes der Jmernmional-n Frauenliga und stand i.n Brrdergrunde der Kämpfe -ur die Emanzipation der Frau. Sie hat sich auch ais Romanschr.füw.'.ll.'in henwr- Wandei < t getan und ihr Roman „Der raturwerke in Italien. mderer" ist eines der geleftnsten Lite- Die „HkaS". Aus New-Aork wird uns geschrieben: Dre vor kurzem angekündigte Kampagne drr „Hias" zugunsten der Emigranten aus Polen nach Palästina hat in New-Aork begonnen. Die Zionisten unterstützten diese Aktion. Der erste jüdische Professor _ in Argentinien. Aus ministeiums, wonach Dr. Alerander I a b o t i n s k i zum Titular- Lizentiat der althebrüischen Literatur. An der Straßburger Universität wird vom kommenden Studienjahr angefangen eine Prüfungskommission für die Er- — . --- . . , .. _ , m *•*“<> b.f jät M.bMch.«^r .!»,**,, Me SÄ berechtigt yt, den die Prüfung bc>tehenden Kandidaten das „Eerti-^ - ---- -.- -»- ««.^ - - - - ficcrt de lrcence" auszufolgen. Die schriftliche Prüfung besteht aus der Bearbeitung einer Stelle aus der althebräischen Literatur mit grammatikalischem Kommentar und einem Aufsatz über ein Thema -zur Geschichte der althebräischen Literatur. Die mündliche Prüfung sicht den Nachweis der Kenntnis der wissenschaftlichen Grammatik der hebräischen und einer anderen älteren semitischen, zum Beispiel der aramäischen Sprache vor/ habe ihn jedoch gekratzt und gebissen und um Hilfe gerufen. Des halb sei er in matzloje Wut geraten und habe blindlings aus st« losgestochen. Erst bis sie sagte: Johann, was m ach st?", sei er zur Besinnung gekommen, doch war es schon zu Mt. Bors.: Der Matula sagt, daß Sie hinter einem Weichselstrauch Ms der Lauer gelegen sind. — Angokl.: Das ist nicht wakhr. Das Urteil: Die Verhandlung wurde nach Einvernahme mehrerer Zen» gen erst spät abends zu Ende geführt. Die Geschwornen Verne i n t c it ein st i mmig die Hauptfrage auf das Verbrechen des Mordes, bejahten dagegen mit derselben Stimmenanzähl die Eventualfrage auf Totschlag. Die Zusatzfrage aus Sinnes Verwirrung zur Zeit der Tat wurde mit zehn Stimmen Nein und zwei Stimmen Ja beantwortet. In einem besonderem Zusatze baten die Geschwornen um Anwendung der äußersten Milde. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu vier Jahren schweren Kerkers, verschärft durch einen Fasttag vierteljährig. Hofer erklärte in strammer Haltung, die Straft sofort antreten zu wollen. Seine Frau, die von ihm rührenden Abschied nahm, verfiel, als er angeführt wurde, in einen Weinkrampf. Fannys Sündenregister. Die Köchin Fanny 'hat fl&w gewesene Herrin Melanie beim Gewerbegerichte am Loynruastande in der Höhe von 100 Schilling geklagt. Di- Verhandlung ge-? staltete sich äußerst humoristisch. Die beklagte Hausfrau zog em langes Sündenregister der Fanny, sein säuberlich ausgezeichnet, aus ihrer Tasche und begann daraus vorzutrageu. Punkt 1: Fanny hat eine ganze Tasse voll Geschirr fallen -gelassen und zerschagen, weil sie sich in nicht ganz nüchternem Zustande -befand. Famrh -(deren gerötete Nase immerhin etwas verdächtkg aussieht): Die Katzen haben das Geschirr hinuntergeworsen. wir haben em havbes strafe habe ich zahlen müssen, weil die Fanny die Hunde ohne Mau-bkorb äußerln geführt hat. Die Fanny: Wir haben drei Hunde ahabt und nur einen Maulkorb. Wie hält' ich da redem ore -Schnauze zubinden sollen. Bors.: Ihr Beweis. Frau Klägerin? Frau Melanie: Alle, die meine Hunde fentten und ge,chen haben. Bors.: Ich kann doch unmöglich den halben Bezirk vorladen. Frau Melanie- Dann genügt, Angela, meine Tochter. (In der Ansähluna der Delikte fortfährend.) Fanny hat eine Telephonschnnr - •" ----»«*4 daran angehalten hat. Drei cht bezahlt. Fanny: Am Glattste verschüttet. Frau Melanie: ausgetrnnken. Die trinkt überhaupt beginnt. Bühne und Kunst. B ü r g e r t b e a l e r Heute letzte Ausführung von .Radiomädel*. Morgen un^ übermorgen b e-bt das Tn ater wegen Bo - berelluna zu oer F r e i t a g stat^filirenkeii V i e nt t 6 t e bet Eyster tchen Ooerette ..D a 8 L a >-^d d e r L e b e ge ch offen. d o i i o t ti e a i e i. Die erfte Rachmi'tä evorbelluna bei kle'nen Preisen mit dem voll ständigen E ö f f i> u n g 8programm findei Sonn ag den 29. d. um 3 Ul» nn-bm twg fln-t „Rusaika" auf der Burogatten-BWrie „Rusalka", neben Smetanas „Verkaufter Braut" die populärste tschechische Oper, eignet sich so recht für eine Freiluftaufführung. Mildes Mondlicht strahlt sie aus, Hörnerschlag und Harfenklang erschallt rigen Tondichter Anton auch der Gönnevscha-ft Brahms erfreute, gerne Wagners Spuren S ieb e n s ch lä f e / (sieben Jungfrauen) in einer Felshohle dar. ^2 cdim.u Uz«*« c*n/)n fPnfiflAititt.rtAM Handtücher, ein ^Kochbuch und ein Silberlöffel. Beweis: Angela, meine Tochter. Ter Vorsitzende vertagt schließlich die Verhandlung zur Ladung der Generalzeugin Angela. Balkswtrt. Gemäldediebstahl im Weimarer Goethe.Mrrsenm. Nach folgt: Seine Rusalka badet sich in den Wellen des „RheingoldsS" u-nd träumi ihren kurzen Sommernachtstraum, der auch Mendelssohns gedenkt, am Eingangstor znm Venusberg. In ihrem romantischen Wanderdrang, der die Nixe zu den Menschen treibt, und, .nachdem sie dort Schiffbruch gelitßm, in ihr feuchtes Reich heimkehren läßt, ist sie eine Base Hans Herlings und zugleich die jüngere, als Slawin melancholischere Schwester der Loroingschen Wafferjungfrau „Undine". Diese Oper war in Wien einst durchgefallen und „Pfui über die Stadt, wo ein Mozart, Beethoven, Haydn, Gluck geleibt und gewirkt, die so gesunken ist!" hatte der sonst gutmütige Vortzing damals gvchettert. Der „Rusalka" ist das Schicksal in Wien freundlicher, man verzeiht ihr den kargen dramatischen Gehalt, freut sich ihrer reichen Lyrik/ihrer zarten Farben, ihrer nationalen Polkarhythmen. Sie ist echter Niederschlag tschechischen Volkstums und ein tvertvolles Vermächtnis Dboraks, von dem Janaeek gelegentlich sagte: „Er' dachte nur in Tönen und kümmerte sich um nichts anderes." Dieses naive Volkstum, welches gelegentlich eines Olmützer Gastspieles in Wien so stark gewirkt hatte, geht freilich in der deutschen, überdies mangelhaften Uebersetzung einigermaßen verloren. Die Wiener Sänger — die Damen Bednarik und Szterenyi und die Herren Degner und Fuhrmann — taten gleichwohl ihr Möglichstes zu einem lebhaften Erfolg -er Ausführung, welche Kapellmeister Friedrich Gr über mit dürftigen szenischen Behelfen und um so mähr Liebe vorbereitet .hatte. , fit. Salzbu'aer Fesisp'ele 1926. Die Radioübertragmrgen. Im Verlaufe der heurigen Festspiele sind bis jetzt die Oper „Die Enftührung aus dem Serail" und das R^se-Quar:ett über die Die P ^everüing der KBß^ckMp. Eine Aktion der Börsenkammer. In der gestern unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Julft..s Stern und in Anwesenheit des Börsenkommissürs Ministerialrates Dr. Karl Reißenberger abgchaltenen Vollsitzung Das Bild hat einen Wert von 8000 Reichsmark. Die Erhebungen wurde berichtet, daß das Präsidium eine Eingabe an das Bundesjirtb im Zuge. Valentina gestorben. Der berühn'te ameri^an/'-sch,: Filmschauspieler Rudolf V a l e w 11 u o ist gestern in Nerv Hork gestorben. „Der Lügner und die Nonne" heißt das nene SN'ick von Kurt G ö tz. dessen Ura'ufsührung auf .den R e r.rh a rd t- Bühnen noch in: Lause des Winters stallf'indeu wl.-d. Dfe männliche Hanorrrlie in dieser Komödie wird Ku'" G ö tz, die weiblich- Hauptrolle Valcve v Martens spielen.' Ein nener Palästinaroman. In I e r n s a l e m ist ein vierbändiaer Rom-an des Kritikers nnd Novellisten -N. B l r i c k i nntev dem Titel „Tage nnd Nächte" . eririvuou. Der Roman sch'loerr Las Leben d?s ac.rer-wä''igcn Palösilua. Deresne. $o träne . F v uen.ru » v e fc e r s i o n i ft > w e n Be > r l e k t fto n De? J. teüii te« .ti cot ci i > di e sf u x - c für Aillängel und Fo tae'-'r ilen»ftr nb in d E-ivallsene weiden eiösfnet Im ')ln ä oennrs ivi'v £ o r ch e. Bive > und Grammat'k «men chtei ud >m Km -üi E r w o ch > e n e, d-e tchon iortaefdjTiiten iwb wird i b l: ,H > o b", neue Lite' a t u r ..A ch a d H a a m". Alle^eit-o nmi der Grammatik und K o n v e r ' a t ' n nor.-eoim e llbmuien täglich v u b"? i ilbi abends'(§t>"-'--log um u> >nSmnn o bie 12 Uh, jDiuiiitnfl&l im Sc tivn i k.u, 9. Bez Lt-chttlin 11 nsttage 11/1 @*u Mü?d e ner ©, löflrafc von L fiNnq. Ministerium für Finanzeu betre-fsend die Herabsetzung der Lf-sektenumsatzsteu>-r für Ko ft g e-sch ä f t e gerichtet hat. Der Vorschlag der Börsewkammer geht dahin, für alle durch das Arran-gemenlbureau abge-wickelten Kostgeschäfft den bereits jetzt für Geschäfte in SReutcn bestehenden Satz von 0,1 Promille einzusühren. Das Gesuch der Stadtgemeinde Baden um Notierung hrer Notierung ihrer.neuen Stadtanleihe wurde befürwortet und dem Buudesminister für Finanzen vorgelegt. Schließlich wurden die Anträge -der Hauser u. S o b o t >k a A.-G. und der Felten u. G u i l e a u m e A -G. wegen Dt.rchsührung der Umstellung ihres A-ktienkaPi'Äs erledigt. Die Ueber sie mp elun-g dieser Aliiert dürste am 30. Arrgust 1926 -beginnen. Haifdelsmin ster Perou-ka Wer vie Handel ver^rogsverhandlungen mit llngam. Preßburg. ^3. August. Heute vorntitla-gs nahm Hande-lsministe-r Tr. P e r o u t k a an der -ersten Jahresgenevalversamm-- lung und Manifestationösitzung der tscl-ech:\lowakiisch^-ungarischen Hai-delekommer m Preß bürg teil. Bei dieser Gelegenh-eit Wwlrte der Min'stcr Journalisten ein Interview, worin^ er eine Darlegung üb-er den derzeitigen Stand der tschechoslciwakisch-- ungarischen Handelssolitischen Verhandlungen gab und unter anderem erklärte, daß von beiden Seiten der Abschluß eines gewissen Provisoriums als opporiun angeschen wird, wobei sie einander gl ei chwer lige Vorteile auf Basis der Meistbegürst'.gung zübilligerr. Mas jedoch den definitiven Vertrag Der 30jährige landwirtschaftliche Arbeiter und Kutscher ^trifft, so lasst es der jetzige Zustand der itngarischen Tarife Johann Ho j e r hatte sich gestern vor den Geschwornerl wegen Ver-! zu, daß die Tschechbslc>wafti sich nur mit den Meistbrechens des Mordes zu verantworten Die Staatsanwaltschaft begünsticungen begnüge, er -erfordere Nachlässe in vielen Tarif- "Zr “w“ r‘“‘‘ . u"“w’ ui* fecm .,ur am 25. Mai mittags auf der Straße rickrtiaen Benrteiluna der aeaebenen Situation muß 'si“1 *a?totlB.wL'täib.n, taj tri« )>»<« ä- .«es»»«*« t,ch°ch°- eg smit gemeinsamen die min- Regine Sokal echob gegen Hofer di« Gbrenbeleidigungsklage und bestens mit den Koeffizienten 11 bis 15.'bei den speziellen Waren am 25. Mai wurde Hofer beim Bezirksgericht Ha in bürg zu ^it mchr als 20, bei Leder und Glas über 20, bei Flaschen fünfzehn Schilling Geldstrafe verurteilt. Nachher gingen die beiden' mit13 und bei Porzellan mit 12 eingesetzt sind. Daraus ergibt Streitteile auf verschiedenen Wegen heim. Am Heimweg überfiel sich die Noürendigkeit, bei diesen Bechandl-ungen über einen Hofer das Paar. Matula taumelte, zu Boden. Regine Sokal definitiven Vertrag die Reduktion der ungarischen Tarife bei flüchtete, Hofer holte sie aber ein und erstach die Frau. einer ganzen Reihe von Posten zu fordern, da der bisherige Ver- Der Angeklagte, ein großer, starker Mann, bekennt sich trag diese Zölle noch nicht berührte. Die Verhandlungen sind schuldig, jedoch nur des Totschlages. Er habe geglaubt, daß tatftchlich vom Geiste der gegenftitigen Bereit'willigkelt durch- Matula ihn angreifen wolle und sei ihm deshalb mit zwei Faustdrungen und man könne hoffen, daß sie sicher zu einer Vertragsschlägen' zrivorgekommen. Nun sei er auf die Frau losgegangen, mäßigen Regelung der Handelsbezichungerr beider Staaten -wollte sie jedoch nur mit der Hand auf das Gesäß schlagen. Sie sichren werden. Glanzleistung der Ravag gewesen. Ans den Theatern. Deutsches Botkstbearer Heute moraen und DormerStaa Shaws Komödie „Heuchle r". Frenag z u r E v> i n n er« n g an GoetdesGeburtstag «Iphigenie auf Tauris". Die Er st auti Übrung des bretaktiaen Lust'pieleS „Figurantenvon Andr^ B i r a h e a u. desieu Regie Karl Forest inne bat. ist für Samstag angeletzt. Sämtliche Aufiüvrungen b'ginnen um 8 Uhr. Tbearer inberZoiei stabt. Donnerstag aelavM das Lustv'el „Mo n i t eur H e I fc n tu von Siegirteb Geyer iwrb Baut Traut mr 2L Aukküoruna.