Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2690 (19.8.1926)
- Date
- 1926-08-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 Men, Donnerstag Wiener MorgenzettuNl, 19. August 1926 ' Nr. 2M Dvoraks „RüfaNa" zum ersten Mal in Wien. Die Burggartcnbühne-Sommeroper bringt Samstag nnd Sonntag Anton Dvoraks Märchenoper „R n s a l k a" in deutscher Sprache in Wien zum ersten Male zur Anfführnng. Verhandlungen mit Richard Strauß. Wie das „Vrager Tagblatt" meldet, verhandelt der Generaldirektor der Bnndestheater Schneider h a y u mit Richard Stranß wegen eines Dirigentengastspieles m der Oper. Wenn sich das Projekt zerschlägt, will Richard Strans; überhaupt h-'ner Wö'.r umgehen nnd in Italien überwintern. Ein Institut für Theatergeschichte an der Universität München. An der Münchener Universität ist mit Semesterschluß ein Institut für Tl-eatergeschichte geschaffen worden, während an den Universitäten Berlin' und Köln Institute für Theaterwissenschaften bereits bestehen. Das Münchener Theatermuseum hat die Räume und die Unterrichtsmittel dem Institut zur Verfügung gestellt. Gerichtssaal. Sechs Prozent Wasserzusatz in der Milch straffrei. D'.e tz,omischt!warcuhändlerin F. Sch. hatte sich zu verantworten, weil bei ihr ein Marktkommissär gewässerte Milch fest-gestellt hatte. Der Analysenbefund der staatlichen Untersuchungsanstalt für Lebensmittel ergab einen W a s s e r g e h a l t in der Höhe von 6 Prozent. Landesgerichtsrat Dr.' 5k o h l beschäftigte sich noch vor Eingang in die Verhandlung mit der Frage, ob ein Zusatz von 0 Prozent Wasser überhaupt verfolgt werden könne und wies daraus hin, daß V e r n r t e i l u n g e n wegen eines Wasserzusatzes in dieser Höhe bisher nicht crflojjen seien, beziehungsweise daß derartige Urteile durch sie Berrtfungsinftanz regelmäßig zugunsten der Verurteilten aufgehoben wurden. Mit den den Mlchverschlerßern zur Verfügung stehenden primitiven Apparaten lasse sich ein derart geringer Wasserzuisatz eben nicht feststellen. Die Angeklagte berief sich daraus, sie beziehe die Milch aus der Spcisinger Molkerei, die erst im Frühjahr dieses Jahres einen . großen Prozeß wegen MilchMichungen beim Landesgerichte hatte. Sie behauptete, oft bis zu 10 Prozent Wasser in der Milch gefunden zu haben und habe regelmäßig, aber erfolglos bei dem Lieferanten Beschwerde geführt. „Es wäre schon wirklich höchste Zeit," meinte die Angeklagte, ,,wenn man nicht immer nur uns kleine Geschäftsleute vor Gericht zitierte und unsere Existenz gefährdete. Man soll sich doch endlich einmal an die Molkereien halten, die uns belrefern." Der Richter fand auch den Tatbestand der Fahrlässigkeit nicht gegeben und sprach die Angeklagte frei. Künstlerengagement von Tag zu Tag. Ter Schauspieler und. Regisseur A. 5k. war vor einger Zeit für die F r e i l u f ta r e n a d'es Theaternnternehmers Emil Frey engagiert, war jedoch nach kurzer Zeit ohne Kündigung entlassen" worden, da die Freiluftarena infolgesdcs anhaltendeil Rcgenwetters nicht prosperiert hatte. K., der seiner Angabe nach von Frey vertraglich bis znm 15. September fix engagiert worden war, klagte den Theaterunternehmer beim Gcwerbegericht auf Bezahlung der bis znm 15. September als der vertraglichen Kündigungsfrist fälligen Gage. In der Berhandlnng vor denk Gewerbesenat wendete der Vertreter des beklagten Theaterunternehnrers ein, daß sein Klient als Eigentümer einer Freilnfrarena den Kläger niemals bis znm 15. September oder überhaupt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern nur von einem Tag auf den anderen ohne Kündigungsfrist anfgenomnien habe. Ein derartiger Vorgang fei bei den Freilustbühnen Usus, da sonst, der Theaterunternehmer bei Regenwetter das volle Risiko tragen würde. Nach Durchführung eines umfangreichen BewKsverfahrens lvies das Gewerbegericht die Klage des Schauspielers kostenpflichtig ab. In der Begründung des Urteils wurde im wesentlichen ausaeführt: Bei den Freilnftbühnen ist es selbstverständlich, daß der Theaterunternehmer die Schauspieler nicht ans eine bestimmte Zeit, sondern nrcr von Tag zu Tag, eventuell von Woche zu Woche ausnimmt. Es könne dem Theaterunternehmer nicht zugemutet werden, an Regentagen, an welchen ja nicht auf der Freiluftbi'chne gespielt wird, den Schauspielern das Gehalt, ausznzahlen. Es ist auch, heißt es in den Gründer des Urteils weiter, bekannt, daß der an der Freiluftbühne engagierte Schauspieler diese Bühne ohne weiteres verläßt, falls er irgendwo ein fixes Engagement findet. »olkswirt. Ae Bank Polski wer die Wirtschaftslage Polens. (Bon unserem Korrespondenten.) , Warschau, 15. August. Die polnisch-deutschen, HandelsvertragsverhaMungen wurden vom 12. d. auf den 28. September vertagt. Bisher wurden die Fragen der Rechte physischer und juristischer Personen auf dem Territorium beider Länder besprochen. Die beiderseitigen Standpunkte wurden genau Präzisiert, was zur Ausgleichung der noch bestehenden Difserenzell führen wird. Die Bilanz der Bank ' Polski vom 10. d. zeigt eine lveitere Besserung der finanziellen Situation der Bank. Es muß bemerkt werden, daß die Bank den Rest ihrer Auslandsschuld, die sie bei der Federal Reservebank ausgenommen hat, schon beglichen hat. Der Valutenvorrat erhöhte sich um 3,964.000 Zloty, so daß die Deckung jetzt 37,87 Prozent beträgt. Tie Stabilisierung des Zloty nimmt immer mehr realere Formell an, so daß man jetzt schon von einer vollständigen Konsolidierung am Balutenmarkt sprechen kann. Eine bedeutende Rolle im Stabilisierungsprozeß bildet die Rückkehr des Vertrauens zunr Zloty sowohl im Ausland als auch im Inland. Die gefährliche Flucht vor dem Zloty hat aufgehört. Der Dollar erfuhr in der letzten Woche eine kleine Kursverringerung und näherte sich der amtlichen Notierung. Günstig für die Regulierung der Valutakurse wird auf die Aufhebung des Verbotes des freien Tevisenhandels einwirken. In der letzten Woche wurden an der Warschauer Börse 1,230.000 Dollar umgcsetzt und den größten Teil' dieser Summe hat die Bank Polski abgegeben. . Nach der Handelsbilanz für den Monat Juli betrug die Ausfuhr 221 Millionen Zloty und die Einfuhr 120 Millionen Zloty, tvas einen Ueberschuß der Aussu.^ von 101 Millionen Zloty ergibt, den größten feit dem Dezember. Die Regierung macht die größten Anstrengungen, um Reformen auf wirtschaftlichem Gebiete einzuführen. So sollen in den nächsten Tagen ans Grund des am 4. d. veröffentlichten Vollmachtsgesctzes folgende Verordnungen publiziert werden: Die Verordnung über -einen. Rechtsrat, die inzwischen vom Generalrat der Bank beschlossene Statutenänderung der Bank Polski, die Gründung einer Dollarbank^ wobei besonders betont werden muß, daß zum Beispiel der Handelscxport ganz ausschließlich durch diese neue Bank finanziert nerdcn wird, und da in erster Linie ausländische Firmen die Abrehmer polnischen HHes sind, wird diese Bank 'eine besondere Bedeutung in den Handelsbeziehungen Pneus mit tcm Ausland laben. Ferner wird ein einheitliches Gesetz der A k t i e ng e s e l l sch a f t e n vorbereitet, die Verantwortlichkeit der Privatpersonen, die Staatskredite und Garantien benützen, geregelt werden. Ter Gctreideexport soll unterstützt werden, auch die Bautätigkeit, für die 120 Millionen Zloty bestimmt wurderc. Ferner soll ein Plan zur Konvertierung der bisher' noch nicht realisierten A n l e i h c n ausgearbeitet tverdcn, die Staatsanleihen cmsgewertet und die Produktionskosten. möglichst vermindert werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn die Negierung weiter energisch ihr System einer wirtschaftlichen Reformgesetzgebung ausbilden wird, sich die wirtschaftliche Situation Polens in kurzer Zeit bedeutend bessern wird. Bemerkenswert ist, daß die jetzige Aktion der Regierung den umgekehrten Weg des früheren Ministers Grabski eingeschlagen hat. Statt die Wirtschaft zum Zwecke der Besserung -des Zloty zu drosseln, wird die Stabilisierung des Zloty .Hand in 'Hand mit der Reformarbeit auf wirtschaftlichem Gebiete fortgeführt. Die polnische .Handelsbilanz weist für den Monat Juli, ein Aktivnm von 101,309.000 Zloty auf. An der E f f e 1 t e n b ö r s e war die Tendenz für Bankwerte fest. Es notierten 5prozentige KonversionSanleihe, die besonders fest lagen, 43.—, 43.75, 43.50; Bank Polski 82.25, 81.—, 81.25; Handelsbank 3.—, 3.50; Warschauer Zucker 2.55, 2.61; Kohle 61.—, 60.50, 62.—; Nobel 2.70, 2.75: Qstrowice 6.05, 5.90, 6.96. Eine rumänische Handelsdelegation in Warschau. Warschau, 17. August. Seit einigen Tagen weilt hiev eine rumänische Delegation, bestehend aus dem Abgeordneten G. Djenat und Ing. Ehr. Glietsu, ferner einem Delegierten der rumänischen Landwirtschaftsministeviums, Delegierten der beßarabiischen Landwirte und Kausleure und der Kischinewer Handelskammer, um mit der polnischen Regierung Bevhandlungen wegen der Erniedrigung des polnischen Zollsatzes für Weintrauben zu pflegen. Der Zoll beträgt letzt, 1.50 Zloty für ein Kilogramm; ferner werden sich die rumänischen Weinhändler bcnrühen, die hohen Gewinne der verschiedenen Vermittler auszuschalten, um die Preise dc^ rumänischen Weines in Polen niedriger zu gestalten. Das polnische Staatsbudget im Gleichgewicht. Erklärungen des Handelsministers Klarner. Warschau, 17. August. In einem öffentlichen Vortrag in der Krakauer Handelskammer stellte Finanzminister Klarner fest, das Staatsbudget habe das vollständ i g Gleichgewicht erreicht. Die Aktivität der Handelsbilanz sei die beste Bürgschaft des wirtschaftlichen Gleichgewichtes. Die Devisen- und Goldreserven der Bank von Polen hätten sich seit dom Apr:l verdoppelt und nehmen 'beständig zu. Im laufenden Jahre sei es gelungen, das Defizit der Gobarnngsperiode 1924 und 1925 fast gänzlich zu decken. Die Regierung werde ihre Aufmerksamkeit' insbesondere auf die Entwicklung des Landes und die Kaufkraft der Bäuery richtem Die Regierung nehme eine Herabsetzung öer Steuern in Aussicht. Die dadurch enl- 'stchende Lücke werde durch die Einkünfte aus den Staatsmonopolen ausgefüllt werden. Am 1. April 1927 werde das Alkoholmonopol im ganzen Lank de eingeführt werden. Aus dem Gebiete der I n v e st i t r o n e n oerde sich die erste Sorge der Negierung auf Neubauten in den Städten, den Bau neuer Eisenbahnnetze und Straßen sowie auf die technische Erleichterung des Zuganges zum Meere richten. Behufs kräftiger Zusammenarbeit der Regierung mit den wirtschaftlichen Kreisen werde der Minister die Schaffung von gleichartigon Handelskammern in ganz Polen ansireben. Gegen die Finanzkontrolle. Der offiziöse „Newh Kurjer Polski" sowie eine Reih^ anderer Organe, die als der Regierung nahestehend gelten, veröffentilichen eine Serie von Artikeln, in denen in nachdrücklicher Weise erklärt wivd, Polen werde , niemals e i n w <i l l i >g e n, sich an den Völkerbund zu wenden, um (2 Fortsetzung ) Von Israel Zangwill. (Autorisierte U e b e r s e tz u n g.) Nun dürft Ihr gewärtig sein, Kaminskis rotes Haar wiederzusshen, wenn er nicht wieder von Libau das Schiff nimmt und bei der zweiten Landung die Wahrheit sagt. Als ich ihn verließ, heulte er und erklärte, er würde sich eher selbst umbringen, als seinen Freunden zu Hause wieder gegenübertreten und nicht gut genug sein für Amerika. Er verstand nicht, daß Kontraktarbeiter nicht eingelassen werden. Protektion nennen sie das hier. Ich danke Gott, daß mein Vater — sein Andenken sei gesegnet! — mich lehrte, daß die Wahrheit das Gesetz meines Mundes sei, wie geschrieben steht. Erfüllt hat sich das Wort des Talmud (Traktat Sabbat) am Landungssteg: „Falschheit kann nicht bestehen, aber Wahrheit bleibt ewig." Mit Gottes Hilfe werde ich mein * ganzes Leben nunmehr hier verbringen, denn es ist ein Land, das von Milch und Honig überströmt. Ich habe vor allem vergessen, mein Täubchen, Dir zu sagen, daß die Reise hart und bitter war wie die ägyptische Knechtschaft, nicht wegen des Ozeans, über den ich so leicht gereist bin, wie unsere Ahnen über das Rote Meer, aber wegen der .Härte unserer Aufseher, welche unsere Klagen nicht beachteten, daß die Mahlzeiten nicht koscher waren, wie es der Agent versprochen hatte. So waren die Butter- und Fleischteller gemischt! Ich und manche andere Reisegenossen mit mir lebten nur von trockenem Brot, da wir nicht immer heißes Wasser bekommen konnten, um uns Tee aufzugießen. Wenn meine Beile herüberkommt über den Ozean — Gott sende sie bald —, muß sie sich gepökeltes Fleisch und sonstige Nahrungsmittel mitnehmen." Anfangs hoffte Srul mutig, daß das Fleisch bald wird eingesalzen werden können, sogar, daß Mirjam beinahe dabei war, es zu tun. Die ungencein langsamen Anfänge seines Gewinnes als Hausierer entmutigten ihn durchaus nicht. „Amerika ist ein großes Land!" schrieb er auf einem mit Sternen und Streifen &ebrucften Papier, mit einem Adler auf dem Kuvert. „.Keine besonderen Gebühren für die Inden, das freie Recht, zu gehen und zu reisen,, wohin man' will, die Schulen allen Kindern offenstehend, keine Pässe und keinerlei Papiere bei jedem Schritt und vor allem keine Aushebung zum .Militär. Kein Wunder, daß das Voll es als Gottes Land bezeichnet. Wahrlich, cs ist, wie geschrieben steht, das Himmelstor. Und wenn Beile fomntt, wird es .zum Himmel werden." Briefe, wie dieser, erweiterten die kleine Hütte in Polen zu einem amerikanischen Raunt, erleuchteten sie, wie wenn sie niit blauer Farbe frisch gestrichen worden tväre. Trotz der furchtbaren Quälereien der Woche fanden die Sabbate und Feiertage den Haushalt der vier Frauen freudig genug. Der Trauhimmel von Srul und Beile war ein Leuchtturm.für alle vier, welcher das Leben lebenswert nnichte, weil sie ihn: sich entgegenrangen. Aber es dauerte sehr lange, bis sie an eine Wiedervereinigung denken konnten; beinahe drei Jahre vergingen, bevor Srul seine Augen auf einen Laden zu richten wagen durfte. Ter erbliche Weber geschäftlicher Kombinationen lvar langsam aus dem Logikweber und dem Tuchweber entstanden, aber zuletzt hatte er sich selbst wiedcrgeftmden. „Wenn ich nur fünfhundert Dollar znsammenbringen könnte!" schrieb er an Mirjam. „Tenn das ist alles, was ich für einen Geschäftsladen nächst Broadway, gerade am Fuße der Stiege zur Hochbahn, zu zahlen hätte. Welcher Jammer, daß ich nur vierhundertfünsunddreißig Dollar beisammen habe! Vorräte und guten Willen und nur fünfhundert Dollar Kassa! Tie anderen fünfhundert könnten mit fünf Prozent stehen bleiben. Wenn ich einmal im Laden bin, könnte ich nach und nach einige der oberen Räunie erlangen (es ist schon jetzt ein kleines Schreibzimmer dabei, in dem ich schlafen tverde) und dann, sobald ich den regelmäßigen Gewinst gemacht haben werde, könnte ich Beilen und der Mutter ihr Ueberfahrtsgeld senden und mein Weib könnte hinter dem Ladentisch die Herrin sein." Um den rosigen Tag zu beschleunigen, sendete Mirjain fünfunddreißig Rubel, und bald hatte Srul den Laden in Besitz genommen und eine Photographie desselben kam herüber, um die müden Augen seiner Lieben zu erfreuen und die der Nachbarn zu erweitern. Die Photographie Sruls, die achtzehn Monate vorher gekommen war, war niG so sehr znm Herum» ^igen geeignet, nachdenr seine Kappe und sein Kaftan durch ein Iacket und einen Zhlinderhnt ersetzt worden waren, so daß er ohne die Schlchenlocke^ die noch zu jcfjejt ivaren, wirklich wie ein Geschäftsinhaber aussah. Als Erwiderung hatte Srul ein Bild der vier erhalten — aus Ersparnisrücksichten hatten sie sich zusammen ausnehmen -lassen —, Mirjam ihren Arm um Beiles Leib geschlungen -und Zirele auf dem Schoße der Mutter. Aber ein langer, ermüdender Kampf stand noch der'treuen Ladenherrin bevor, und zwei Jahre, mit ihrem Wandel von Glück und Pech, von vorteilhaften Geschäften und bösen Schulden, schlichen dahin, ehe der traumhafte Trauhimmel (der den Ozean zu überspannen schien) auf amerikanischenr Boden festzustehen schien. Das dritte Jahr war noch nicht halb vorüber, als Srul das Geld für Beiles Ueberfahrt tatsächlich sendete, gleichzeitig damit eine „Taille" aus seinem Lager für Beile. Aber Beile war zu schüchtern, um allein, ohne Sruls Mutter, sich einznschlffen, und deren Reisegeld konnte Srul nicht aus seinen! 5Iapital bestreiten. Mirjam erbot sich, es vorzuschießen, aber Beile wies dies heftig zurück, denn eine neue Hoffnung war in ihrer Brust entstanden. Warum sollte sie für alle Zeiten von ihrer Familie getrennt werden? Nachdem ihre Hochzeit fünfeinhalb Jahre lang verschoben wurde, konnten einige Monate niehr oder weniger nichts mehr ausmachen. Mirjams Ersparnisse mögen fiir Mirjams und Zireles Ueberfahrt und als ihre Stütze in der Neuen Welt dienen. „Es regnet auch in Amerika nnd auch dort gibt es Schirmgeschäfte", sagte sie. „Du wirst dort doppelt so viel verdienen. Blick auf Sr-ull" Aber eine neue Befürchtung belästigte Beiles schmerzerfülltes Herz, doch wagte sie nicht, mit Mirjam davon zu sprechen. Mirjams Angen wurden immer schlechter. Die Temperatur in ihrem Geschäft schädigte sie forttvährend nnd dann las sie auch so viel schlecht gedruckte jüdische Bücher und Zeitungen beim Scheine einer Talgkerze. Was geschieht, -wenu sie erblindet? Mährend sie, Beile, mit Sml glücklich wird, darf doch Mirjam nicht mit Zirele verhungern. Nein, sie müssen alle zusammenbleiben — und sie klammerte sich unter Tränen an ihre Schwester. Für Mirjam war die Aussicht, Zeuge zu sein vom Glück ihrer Schwester, so verführerisch, daß sie die Aussicht, in New- Aork Arbeit zu finden, erwog. Ihre Ersparnisse konnten nicht lange reichen und es wäre schrecklich, wenn sie Srul um Hilfe angehen mußte, einen Mann mit Weib und — so Gott will mit .Kindern und die Mutter nicht zu vergessen. Nein, sie dürfte Zireles Brot nicht aufs Spiel setzen. Mrtfetzung folgt.^