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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-18 · Heft 2689 (18.8.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2689 (18.8.1926)
Date
1926-08-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2689 Wien, Mittwoch ©ttttttet Morgenzettimg 18. August 1926 Seit« 8 Wien, 18. August. * Doß Wett«. Die seit ku«M dauernden HoGommertat,^ wurden auch gestern kamn unitevvrychen. In den Wendstunden brachte die Gewitterneigung leichte örtliche Niederschläge. Nachts war es wieder heiter. Die Voraussage kündigt vorläufig keme Aenderung des herrschenden Wettercharakters an. * Alfred Fisch! gestorben. In Echützendors in Mähren ist der ehemalrge deutsch-mährische Landtagsabgeordnete unv Pr" sident der mährischen Mnseumgesellschast Dr. Alfred Fischl im 73. Lebensjahre gestorben. Dr. Fischl, der einem Mischen HauS in JM^bumlau entstammte, war einer der Führer der deutschliberalen Assimilation. * TodeSstnrz vom Hängegerlist. Montag vorMtaas ist bei RenoviernngSarlbeiten an dem Hause 9. Bez., Währingerstraße 93, der Mährige Maurer Anton Sokowic, Favoriten wohnhaft, vom^Bangerüst abgostürzt. Er sauste vier Stock tief auf die Straße und blieb mit zertrümmertem Schädelidache tot liegen. * Der wunderbare Sturz eines Kindes, Die Postunter- PeamtenSgattin Tromba, Grnngasse 11, war gestern mittags mit ihrem sechsjährigen Söhnchen Leopold bei der Stadtbahn- Haltestelle Kettendrückengasse vorbeigekominen. Das Kind drängte zu dem Geländer, von dem aus man die darunter liegende Station mit den beiden Perrons sehen kann. Plötzlich hatte jedoch der Kleine das Geländer erklettert, verlor das Gleichgewicht und stürzte vor den Augen der zu Tode erschrockenen Mutter und Passanten zunächst a:rf das Dach des Perrons, von diesem auf das Waggondach eines eben in der Richtung Meidling einsahrenden Stadtbahnzuges und stürzte weiter auf den Perron, wo der Knabe jedoch im Sturze von einem eben aussteigenden Fahrgast, der das stürzende Kind im letzten Moment entdeckt hatte, aufgefangen wurde. Der Kleine kam mit geringfügigen Hantaibschurfungen davon. Es ist als ein wahres Wunder zu bezeichnen, daß das Kind nicht in den Starkstromkreis der Fahrtleitung geraten ist, was wohl den Tod des Kleineii zur Folge gehabt hatte. Die Rettuugsgesellschaft übergab das Kind der überglücklichen Mutter. * Tödlicher Unfall beim Turnen. Der 21jährige Auszugs- Wärter Johann Parnik, Dietrichgasse 67, turnte am Sonntag vormittags im Turnsaal des Avbeiterturnvereins, Boerhavegasse 16. Beim Stabspringen hat er sich den einen Meter langeil Stab bis 3 Zentimeter in den After gestoßen. Kameraden brachten rhn rn das Rudalfsspital, wo er seineu Verletzungen erlogen ist. * Der entlockte Schmuck. Wie seinerzeit berichtet, wurden am 16. Juni d. I. das 39jährige Kindevfränlein Jda Li es er auS New-Aovk und ihr Vetter, der 43jährige Damenschneider Samson Schwarz, unter dem Verdacht verhaftet, daß sie am 1. April 1922 einen kostbaren Brillantanhänger im Werte von 30.000 Mark, den der Kaufmann Max Winkhyu in Haagen am Neuen Markt am 24. Juni 1921 verloren hat, in betrügerischer Weise als ihr Eigentum reklamiert halben. Die Stöfcr leugnete. Nunmehr traf aus New-Aork die Meldung ein, daß der Anhänger in einem der Arier gehörigen Safe gefunden, beschlagnahmt nnb dem rechtmäßigen Eigentümer zurückgestellt würbe. * Die Mitropa. Mit beim 16. Juli d. I. sinb die bisher von der deutschen Reichsbahn betriebenen Schlafwagen von der Mitropa übernommen worden. Die Mitropa betreibt nunmehr den gesamten Schlafwagennnb SpelisüwagenbieM im Innern des Reiches. Die Schlafwagen der Mitropa vermitteln ferner den Verkehr zwischen Holland (mit direktem Anschluß von und nach England), Skandinavien, der Schweiz und Deutschland sowie zwischen Wien und diesen Ländern. In Wien befindet sich, für Oesterreich eine Direktion, ferner im Gebäude des österreichischen BerkehrSbureaus ein Reiseburmu der Mitropa, woselbst zu den Schlafwagenplätzen auch die dazugehörigen Eisenibcchnfahrkarten ausgegüben werden.. Fernsprecher 7500, Klappe 63. Drahtadresse „Mitropa Wien". . * Flugmeeting in PYstian. Am letzten Sonntag fand in Bad PYstian vor mehr als 6000 Zuschauern ein Fmgmeeting statt, an welchem insgesamt 16 Apparate, darunter einer mit Maschinengewehren, teilnahmen. „ . * Fünfzehnte österreichische Klassenlotterie. Bei der gestrigen Ziehung oe§ ersten Tages der dritten blasse gewannen: 60 0,)0 S. das Los Nr. 94.483; 5000 S. die Lose Nr. 46.028 und 89 H10: 9000 S. die Lose Nr. 30.669. 44.839. 53.4-g. 98.262; 1000 S. die Lose Nr. 36.969. 48.665, 60.292. 74.084, 76 816. Außerdem wurden 1488 Gewinne zwischen 600 S. und 138 S. 'ausgelost. Gottesdienst. Der Vorstand der Wiener israelttischLn Kul- ' tuSgemeinde oeiauftnliet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage >m Großen V7u s i k v e r v i n S s a a l, 1 JBe* Dumbagasse 3, So V h l.e n s a a l, 3, Bez., Statt* Hoffe 18, und imHotel Continental, 2. Bez.. Daborstraße 4. Gottesdienste. Jene Parteien, welche auf die im Vorjahre benützten Sitzplätze reflektieren, tonnen die neuen Karten gegenVorweisung der vorjährigen an der K a r t e n k a s s e der i s r a e l i t i- { -Kultus gemeinde. 1. Bez.. Settenstettengasse 4. 1. Stock, in der Zeit vom 33 bis 31. d. wahrend der AmtSstunde» von 0 bis 1 Uhr vormittags beheben. DvrallgemeinoBvrk a u f beginnt am l. September dieses Jahres. Im Bethaus des Allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstitutes in Wien. 3. Bez., Juchgasse 28. wird werden ^eU 0eiertagen, wie alljährlich, der Gottesdienst abgehalten BernünsUger AmerUanirmur. Tlniertka, das Land der MbMeiuien Möglichkeiten, hat in den letzren wahren, nameijtlich im Warenhaushetrtch, eine ganze Reihe van llmiatzsteigemngeil zu verzeichnen, die für europäische Begriffe <l>.'rade;n mstcißbar lind. Einzelne, erst vor wenigen Jahren entli.anöeui Warenhäuser. Mvanuen einen enormen KnMnstöck und erzdcleil einen vielen Milliarden Dollar betraMdan Jahvesumsatz. Dieser ungeheure Erfolg wurde durch Amvendltng folgender prort'lcher Geschäftsprlnzipiön erreicht. Die Leiter dieser Warrnjäus« — durchans ilenzeillich orientierte, großzügige Busineßmännar vevstandöit es vor asteni, die denkbar billUten Einkaufscntellitzn auMspurvu. Sie kansten denn EMrger in großen Mengen ausichließlich gangbare, erprobe verläßliche Oualitätsjvyren, tMllierten bei CinschräMng der Regien auf das Minimalste mit einen: sehr geringen Nutzen, und waren so in der Lage, wirklich besonders billig m verkaufen und die gesamte Konkurrenz zu schlagen. Das yovMich geschulte Berkäuferversonal hak strenge Mistmg, denk PeAckuu nicht etwa alte Ladenhüter mchuschMtzeu, sondern nur erstklassige und Hy den vorgesehenen Zweck geeignete Artikel zu mwsehten und im übrigen die Wahl denk Gegchmack und Wunsch des Käufers zu überlassen. Der Erfolg bewies, wie richtig so hie Psychologie def Käufers c:naenhätzl wurde. Die mit den; praktischen unv billigen Ernmus zufriedenen Kunden kanten imuwr wieder, empfahlen das Geichaft ihren Freunden, und die Reklanie von Mund zu Mund bewirkte ein riesenhaftes Anwachsen des Kundenkreise». Diese vermusttige Verknufsiechuic, bei tvelcher Kaufmann und Kvn'umeitt gleicheviveise auf ihre Rellnrung kommen, wich in Wien vom populären Leopoldstädter Warenhaus der Brüder Schiffin a n n, 3 Bezirk, Taborstraße 48. geübt and hat sich auch hier;!ön;.'iuv bewährt. Die dauernde Zufriedenheit der zahlreichen Kunden beivirk'. eine immerwährende Sveiigerung des Umsatzes, welcher immer mied er neue Preisredaktionen ermöglicht. Jlieinandevgremit von Ursache und Wirkung ist es. das das glänzende Rerwmmee des Warcichanies Prüder Schiffinann immer von neuem bestätigt und britviih;! Ni iNIIINlüöiüt llMIMlMIIi ZWMWZMM WMliMMZMZM WHIMMIMMW ns der jüdischen Welt UMMZUMM Kommt der Numerur klausus vor de« Völkerbund? Uttgarp sucht einen Komplicen. Die Herbstsession des Völkerbundes rückt immer näher heran und die Schuldenden sowohl wie die Schuldigen fühlen sich bereits recht unbchaglich. Zu deu Schuldigen, die dem Völkerbund eine Verantwortung und den Nachweis der Einlösung einer im Frühjahr in aller Form gemachten Zusage schuldig sind, gehört vor allem Ungarn. Wir haben wiederholt darüber berichtet, daß der Vertreter Ungarns in der Märztagung des Völkerbundes den Auftrag erhielt, bis zur Herbstsitzung über die Beseitigung des Numerus-clausus-Gesetzes dem Völkerbund Bericht zu erstatten. Man weiß auch aus den jüngsten Berichten, daß die englisch-jüdische Board of Deputies, die durch ihre Sektion für Auswärtige Angelegenheiten die Beschwerde gegen das „ungesetzliche Gesetz" beim Völkerbund erhoben chatte, bereits Schritte unternonlmen hat, damit Ungarn im September in Genf wegen Wortbrnchs zur Verantwortung gezogen werde. Aber erst vor ganz kurzer Zeit hat Kultusminister Graf Kuno Klebelsberg einer jüdischen Deputation gegenüber mit empörendem Zynismus erklärt, daß die Regierung gar nicht daran denke, eine Aenderung vorzunehmen, da die von der Regierung hiefür festgesetzte Voraussetzung, der soziale und wirtschaftliche Ausgleich zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung noch nicht erfüllt sei. Nebenbei leugnete Klebelsberg, in Genf überhaupt irgendeine positive Zusage gemacht zu haben und er fühle sich in dieser Beziehung dem Völkerbund gegenüber vollkommen sicher. Ganz im Gegensatz zu dieser Sicherheit steht die geradezu sensationelle Warschauer Meldung Budapester Blätter, daß der Sektionschef des ungarischen Auswärtigen Amtes, Julius M o l d o v a n y i, der zwecks handelspolitischer Verhandlungen nach Warschau entsandt wurde, mit der polnischen Regierung auch über den N^nerus clausus Rücksprache gepflogen und für die Haltung der beiden Staaten anläßlich der kommenden Völkerbundtagung ein bestimmtes Uebereinkommen vorgeschlagen habe. Yb es Moldovanhi gelungen ist, em solches Uebereinkommen mit >der Warschauer Regierung zu erzielen, wird nicht berichtet, aber der Jdeengang, der die ungarische Regierung zu diesen Verhandlungen geführt hat, liegt klar zutage. In der Warschauer Tagung .der Interparlamentarischen Union im Herbst vorigem Jahres und mehr noch in der diesjährigen Frühjahrsseffion des Völkerbundes stand Ungarn mit seinem Schandgesetz ganz isoliert da. Nun sucht Horthy-Ungarn einen Komplicen. Es will nicht mehr allein der Stigmatisierte sein. Schon in Warschau und in Genf haben die ungarischen Delegierten hinter den Kulissen mit dem Argument operiert, daß auch in anderen Ländern, so in erster Reihe in Polen, der Numerus clausus der Tat praktiziert werde, ohne durch ein Gesetz gedeckt zu sein. Ungarn versucht jetzt an Polen eine förmliche Erpressung, indem es droht, in Gens mrs Grund autheutiischerDaten >den Nachweis zu erbringen, daß Polen den ungesetzlichen Numerils olausus gegen Juden übe, ohne vom Völkerbund hiefür zur Verantwortung gezogen zu werden, während Ungarn, das unschuldige Lämmchen, auf dem Boden des Gesetzes steht und eine Gesetzesänderung schließlich eine innere Angelegenheit jedes Staates sei. Es ist kaum anzunehmen, daß die gegenwärtige polnische Regierung sich dazu hergeb'en würde, Ungarn in Genf die Mauer zu machen. Gerade das Kabinett Bartel ist bemüht, sich den Ruf einer versöhnlich und ausgleichend wirkenden Regierung zu erlangen und zu erhalten. Ihr Prestige würde schweren Schaden erleiden, wenn sie in Genf Ungarn Hilfe leisten würde. Ne Anzahl der Juden ln Palästina. K. Jerusalem, 17. August. Nach den offiziellen Angaben der Regierung ist dia jüdische BevöUerung Palästinas vom Jänner 1921 bis Juni 1926 um 56.000 Seelen, und zwar von 91.000 auf 147,000 gestiegen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung des Landes ist in dieser Zeit von 11 auf 17°/» angewachsey. Allein im Jahre 1925 sind 34.000 Juden tzingetvandert. „Pogromldeolosen." Daß es solche gibt, wissen wir schon seit langenl, wenn es auch die Pogromhelden llich ihre Anführer imnzer zn leugnen versuchten, daß es sich ihnelt bei ihren Mord- und Noubzügen nicht um nationale Moral, sondern pur et simple urn Mord und Plünderung handelt. Obgleich wir ja bas seit Jahrzehnten und Jahrhunderten genau wissen und jedes Platt zlnserer Geschichte uns die traurige Erkenntnis ins Gedächtnis hämmert, klammern ■ wir uns doch an jede Aenßerung aus dem Lager unserer Feinde, die den Pogrom verwirft und zugibt, daß die Pogromobjekte, die Inden, doch bessere Menschen sind als die Pogromsubjekte. Den Anlaß' zu dieser neuerlichen Feststellung altbekannter Tatsachen bietet uns ein Schreiben, das das Präsidium des „Zemgor" dieser Tage an den Großrabbiner von Jugoslawien gerichtet hat. „Zemgor" nennt sich die große Bereinigung der russischen Emigranten, die ans ehemaligen russischen Staatsbeamten und Offizieren besteht und ihren Hauptsttz in der Tschechoslowakei hat. Es ist also eine Bereinigung jener Offiziere unb Tschinowniks, unter deren Schutz, oft auch aus deren Anzettelung die blutigen Judenpogrome im Zarenreich veranstaltet wurden. Dieser' „Zemgor" nun, dev alljährlich seinen Tätigkeitsbericht veröffentlicht, sandte seinen Jahresbericht über die Bereinstätigkeit im Jahre 1985 auch an den Großrabbinor von Jugoslawien, Dr. I. Alkalay, und legte dem Bericht das folgende Begleitschreiben bei- Herrn Dr. I. Alkalay, Chiefrabbi, Belgrad. Wir beehren uns, Ihnen, als Führer der jüdischen. Nation in: Königreiche der Serben, Kroaten und Slowenen, 'den „Bericht über die Arbeit des Vorstandes des ,Zemgor" str das Jahr 1926" zu übersenden. Zugleich bitten wir Sie, hiemit den Ausdruck unserer wärmsten Dankbarkeit entgegenzunehmen für die unschätzbaren Dienste, die uns jüdische Aerzte erwiesen haben. Un:so wertvoller sind diese Dienste, weil ja die genannten Herren Aerzte in ihrer Arbeit sich ausschließlich von humanitären Prinzipien leiten ließen, aus nationale und religiöse Unterschiede keine Rücksicht nehmend, obgleich einige von den Russe n, wenn sie auch die Wohltat der Herren Aerzte benützt haben, die Last der Verantwortung für „jüdische Pogrome" in Rußland auf sich tragen, wen sie bte Ideologen dieser Pogrome sind. In Ihrer Person begrüßen wir das edle und weise Vorgehen Ihrer Volksgenossen.? Genehmigen Sie den Ausdruck unserer vorzüglzchen Hochachtimg Der Vorsitzende: Der Sekretär: Todor Maksim, m. p. Maksim Ogapo, m. P. Mische Farmcrarbelt. Aus New-York wird uns geischrielben: Der Staatssekretär des Staates New-Jersey waMe sich an den Direktor der jüdischen Agrikulturgefellschaft mit dem Ersuchen, an der vom Staat in Angriff genommenen Aktion zur Organisierung der Farmer in Naw-Jersey fiilhrend teilltzunelhmen. Das Ersuchen erfolgte unter Berllfung auf die großen Erfolge und die nuvstergültige Organiisation der jüdischen Farmer und ihrer Wirtschaften. Der letzte Jahresbericht der jüdischen AgrikniltUrgesellschaft kann aus die erfreuliche Tatsache hiuweiisen, daß die jüdischen Farmer im letzten Jahre mchr Saatgut angelbaut, haben als vocher. Ebenso wichtig ist auch die Feststellung, daß di« jüdischen Lanwvirte nicht nur die Produkte der Farm, sondern auch die Absatzgebiete für alle ihre Erzeugnisse zu schässtm vevstanlden. Die amerikanischen Ukrainer and die Petlsura- Frage. Wie uns aus New-Nork geschrieben wird, hat die Tat Schivarzbarths auch unter den Ukrainern in Amerika einen Widerhall gefunden. ED muß aber sestgestellt werden, daß die Ukrainer in Amerika ke ineswes ein einheitliches Ganzes bilden, sondern gespalten sind. Ein Teil kam aus Rußland, ein anderer ans dem österreichischen Galizien, ein dritter aus Kongreßpolen. Es gibt hauptsächlich zwei Strömungen unter ihnen: eine chauvinistisch-nationalistische und eine linksgerichtete Arbeitergruppe. Die Nationalisten, die sogenannte ukrainische Nationalvereinigung mit ihrem Organ „Swoboda" schöpfen ihre Jnformafionen aus den chauvinistischen Quellen Galiziens und bemühen sich Tag für Tag, die Tat Schwarzbarths für a n t i s e m i i i s ch e H e tz z w e ck e auszunützen. Anders die ukrainischen Arbeiter, die in Amerika viel zahlreicher sind als die Nationalisten. Ihr Organ „Ukrainski Gradlnyj Wistnrk", das in New-Jork erscheint (wogegen die nationalistisch: ,-Swoboda" in George City bei New-Jork herausgegeben wird), besitzt einen viel größeren Einfluß als «das der Vereinigung. Dieses ukrainische Arbeiterorgan nun hat gleich nach Bekanntwerden der Ermordung Petljuras in zwei ausführlichen Aussätzen erklärt, tzaß der Verlust für das ukrainische Volk keineswegs so groß sei, denn Petljura war schon seit langem politisch kaltgestellt. Es sei eine natürliche Sache gewesen, daß ein Jude Petljura erschossen habe. Dieses Blatt bringt täglich Aufsätze in der Petljura-Frage, die aber nicht antisemitisch sind und keine verleumderische Hetze -arsiellen. Da die Juden überdies in Amerika ein viel stärkeres Element bilden als die Ukrainer, wird das Treiben der ukrainischen Nationalisten bedeutungslos bleiben und zu keinerlei Konflikten Zwischen den beiden Völkern Anlaß geben. Der Rabbi von Dwinsk gestorben. Wie ans Riga gemeldet wird, ist dort im Hotel „Metropol" der berühntto Rabbi ans Dwinsk, Maiher Shmeta K a tz - K a g a n, ein bedeutender Kenner des Talnzud, gestorben. Gustav Schwabe-Barlewins 79. Geburtstag. Ans Berlin wird uns berichtet: Der älteste Nationaljude in Deutschland, Gustav Schwabe in Varel, feierte am 13. d, seinen siebzigsten Geburtstag. Schwabe gehört zn den Zionisten der Zeit vor Herzl und spielte damals eine bedeutende Rolle in der noch jungen von den meisten Inden in Deutschland als Utopie verspotteten Bewegung, An der Schaffung der Kolonialbank nnd der finanziellen Instrumente des Zionismus hatte Schwabe bedeutenden Anteil. Aus Anlaß seines siebzigsten Geburtstages gingen Herrn Schwabe, besonders von der älteren zionistischen Generation, die mit dem Jubilar an den ersten Aufbauarbeiten der Organisation tätig war, zahlreiche Begrüßungen zu. Die Popularisierung eines jüdischen Musikers. Mitglieder von fünfzig mnsikalischen und kulturellen Organisationen versanunelten sich im Pennsylvania-Saal in Now-Uork zwecks Popularisierung der Werke des jüdischen Komponisten Matthias B e n s m a n n. * Ostseebad Zinnowitz — ein neues Borkum. D>r. Frosch teilt in der „Welt am Montag" mit, daß sich das Qstseebad Zinnowitz eine Hymne geschaffen hat, die gchruckt auf Postkarten verbreitet wich und also lau>tet: „ Und wer sich naht vom Stamm Manasse, — Ist nicht begehrt, — Dem so,'s vevwchrt. — Wir dn'lden deine fremde Rasse, — Fern bleibt der Jtz —, Bon Zinnowitz!" — Daß die Hl-anne sozusagen offiziell ist, wich durch den Prospekt der Badvverwaltung wahrscheinlich gewacht. In ihn» heißt es allsdvücklich: „Um peinliche Zjvischenfälle zu vermeiden . . . muß erwähnt iverden, daß von jcher PsstrebiMMN unter den unseren schönen Badeort immer wicher aussuchenden Gästen bestehen, das Bad von semitischen Kurgästen srri-uWten." » «—■miwit-.

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