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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-17 · Heft 2688 (17.8.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2688 (17.8.1926)
Date
1926-08-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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©fette* MEstenzelkimg 17. AiWst IM Bsn Wilderern erschlagen. bin Drama Aus W i e n e r - N c n st a d t wird uns telegraphiert'. Sonntag nachts hat sich im Schneeherggebiet ein furchtbares Drama abgespielt, dem zwei Menschenleben zum Opfer gefallen finb. Mchrere Touristen, welche von der Sparbachevhütte in das Weichtal gingen, bemerkten plötzlich auf dem Wege Mutspuren, welche in der Richtung gegen das Klosterwappen führten. Die gingen den Mutspuren nach und fanden im Unterholz versteckt die Leiche eines Mannes aus, welchem die Schädeldecke zertrümmert tvar. Fünfzig Schritte davon entfernt, lag die Leiche eines zweiten Mannes, der durch Schüsse getötet worden war. Beide trugen Jagerkleider. Ten Touristen war es sofort klar, daß es sich hier nur um einen Mord handeln könne und sie verständigten die Gendarmerie, welche sofort die Erhebungen an dem Tatort oinleitete. - Zunächst wurde konstatiert, daß zwei Jäger des Gutes des Prinzen H o y o s seit Sonntag nicht nach Hause zurückim Schnee. gekehrt sind. Sonntag nachmittag wurden fte noch bei bei Fischerhütte gesehen. Sie stiegen gegen Abend gege« den Knbschneeberg ab Und seither fehlte von ihnen jede Spm. Nun wurden in den beiden Leichen die vermißten Jäger agnosziert. Es sind dies der 30jährige, verheiratete Jäger Peter Berger und der 26jährige ledige Forstadjunkk Spannring. Allem Anschein nach dürsten sie in der Dämmerung nf Wilderer gestoßen sein. Zwischen ihnen und den Jägern nmß es zu emem furchtbaren Kampf gekommen sein, dem schließlich die beiden letzteren zum Opfer fielen. Berger wurde von den unbekannten Mördern erschlagen und dürfte den etwa fünfzig Schritte entfernten Spannrirrg vor seinem Tode um Hilfe gerufen haben. Ms sich Spannring aus die Rufe näherte, wurde er erschossen. lieber den genauen .Hergang der Tat und über die Mörder fehlt bisher jede verläßliche Angabe. Die Behörden arbeiten eifrig an der Aufklärung des Falles. SM 2 Wien, DienM bine mit Auf sttgoslawischein Territorium ist vor kurzem ein internationaler Studenteukongreß abgehalten worden, aus dem auch die jüdische Studentenschaft vertreten toar. Sie brachte selbstverständlich auch ihre Forderungen vor und verwies mit berechtigten! Stolz aus die im vorigen Frühjahr erfolgte Gründung der hebräischen Universität in Jerusalem. Die jüdiscl)en Studenten mußten mit viel Erstaunen wahrnehmen, daß ihr Auditorium ihnen mit angespanntester Aufmerksamkeit lauschte und sie erfuhren später, daß kein Teilnehmer der Versammlung über die zionistische Arbeit und über die zionistischen Bestrebungen etwas nmßte. Der Vertreter des Völkerbnndbureaus für Hochschulfragcn, ein Mann von universellen! Wissen, der in. einem Äuheud Sprachen an den Debatten teilnahm, sprach unverhohlen seine Verwunderung darüber aus, daß ihm die zionistische Ausführung des Begriffes vom Werkstudenten unbekannt sei und daß er den llebergang des Intellektuellen zur landwirffchaftlichen Arbeit, so wie er in Palästina vollzogen wurde, für eine der bemerkenswerten Erscheinungen der Zeit ansehe. Er führte gewissermaßen Beschwerde"darüber, daß über diese Wandlung dem Völkerbundbureau keine Materialien vorlicgen. Noch tiefer war der Eindruck der zionistischen Darlegungen bei den Delegierten aus Japan, Indien und Korea, also aus dem südlichen und östlichen Asien. Ihnen war der Zionismus fremd und ihre Svrecher, durchaus modernst erzogene junge Leute, die aus allen Wissensgebieten Bescheid wußten, beteuerten, sie hätten von der epochalen Gründung in Jerusalem nichts gewußt, begrüßten aber in ihr nnt Freuden den ersten glücklichen Versuch, die Brücke vom Westen nach dem Osten zu schlagen. Dieser Vorfall ist nicht so bedeutungslos. Wenn so viele junge Leute, an deren Ernst nicht zu zweifeln ist, über die jüdischen Lebensfragen nicht informiert sind, wenn der Leiter eines der wichtigsten Hilfsorgane des Völkerbundes iiber den gleichen Mangel Beschwerde führt, so ist in unserer Aufklärungsarbeit eine breit klaffende Lücke vorhanden. Die großen Widerstände, auf die der Zionismus und die Entwicklung der jüdischen Renaissance stoßen, sind sicherlich §u einem großen Teil auf den bösen Willen unserer Gegner zurückzuführen, denen die jüdische Aktivität ein Dorn im Auge ist. Aber zum restlichen Teile trugen wir selbst die Schuld, indem wir nicht selbst dafür sorgen, daß die Völker, unter denen wir leben und mit denen wir leben wollen, unsere Ziele, die Anlage unserer Arbeit und den kulturfördernden Inhalt unferes Strebens nicht kennen. Das ist ein Fehler, aus den wir immer und iiumer wieder stoßen, der uns aber politisch immer wieder zurückwirft und nicht zuletzt den beklagenswerten Zustand der Schwäche erzeugt hat, der sich vom Zionismus auf die gesamte jüdische Position überträgt. Es hat sich auch in den Verhandlungen der Körperschaften, mit denen der Zionismus Fühlung zu unterhalten bat, gezeigt, daß fie die große Bedeutung der jüdischen Idee für den Weltfrieden kaum ahnen und daß ihnen in ihrer überwiegenden Mehrheit das Verständnis dafür abgeht, daß es sich im Zionismus um ein Toilproblem ans dem großen Menschheitskampf um Freiheit und Recht handelt. Es ist gewiß bedauerlich und zeugt von einem sehr wenig entwickelten Gerechtigkeitssinn, daß unsere direkteste Umgebung sich über unsere Fragen nicht orientiert. Diesem Mangel aber müssen wir abhelfen, denn die Mißverständnisse, die sich daraus ergeben, reflektieren auf unser Verhältnis zu den Völkern und den Staaten und es darf uns mcht gleichgültig bleiben, inwieweit unsere Beziehungen zu den Massen unklar sind und inwieweit der Fortschritt unserer Bewegung dadurch gehemmt wird. . Zweifellos liegen hier schwere Versäumnisse dvn unserer Seite vor. Die Aufklärungsarbeit, die der politische Zionismus zu erfüllen hat, bildet eine der wesentlichsten Voraussetzungen für sein Gedeihen. Er sieht sich oft, nicht zuletzt an der so wichtigen Stelle der Mandatskommission, .Hemmungen gegenüber, die nur aus schlechten Informationen erklärt, also beseitigt werden können. Aber selbst auch innerhalb des Judentums trifft man oft fehlerhafte Vorstellungen über Art, Wesen und Ziel des Zionismus. Va ^unsere Organisation Gefahr läuft, ihren Anspruch auf die Führerschaft in der jüdischen Welt zu verlieren, ist mcyt zuletzt die Folge davon, daß wir die reine Politische T ropagandaarbeit vernachlässigen und uns damit zufriedenst ellen lassen, wenn irgend jemand für den Palästinazweck etwas spendet. Niemals wäre es möglich und denkbar gewesen, daß an irgend einer Stelle im Judentum der Paläftinagedanke mit einem Projekt a la Krim in Konkurrenz gezogen worden wäre, wenn nicht die zionistische Information auf Unrechte Wege äbgeirrt wäre und Palästina als ein Ziffernproblem Eingestellt hätte. Dieser Seite unserer Aufgabe niuß die Organisation und ihre Leitung die stärkste Aufmerksamkeit zuwenden, in Europa und in 2ftien und in allen Ländern, wo Juden leben und für die Erlösungsidee reif gemacht werden sollen. Mchamki im Zanziger Mtuntfe? L- Marschau, 16. August. Nach einer Meldung aus Danzig soll sich im dortigen Gefängnis Theophil Olschanski befinden, der, wie noch erinnerlich, während des Steiger-Prozesses mit seinem Geständnis, bnä Attentat ans den tzolnstchen Ttaatspräfidrnten Woicziechowsti verübt zu haben, hervorgetreten ist. Vor einiger Zeit war ein unbekannter Mann.Wege,! eines Diebstahles verhaftet worden, der über seine Personalien keine Mitteilung machen wollte. Die Danziger Polizei hat, wie es heißt, die Identität dieses Mmmis mit Theophil Olschanski festgestellt. Er verweigert weiter jede Wsknnjt Mer seine Perso». Ser englische Bergarbelterftrelk. London, 16. August. (Reuter.) Die Konferenz der D elegierten der Bergarbeiter hat sich nach Besprechung der Ergebnisse der Befragung in den Minengebieten bezüglich der Vorschläge der Bischöfe für die Regelung des Konflikts bis morgen vertagt. Die Konferenz ist zu keiner Entscheidung bezüglich der Wiederaufnahme formeller Verhandlungen gelangt. Die Zahl der Bergarbeiter, die zur Arbeit zurückkchren, wächst täglich. Nach den letzten Nachrichten arbeiten in Lancashire 5683, in Warwickshire 5880, in Cannock 5191 und im Becken des Zentrums 3500 Arbeiter. Sämtliche Arbeiter dreier Kohlengruben in Shropshire, 1680 an der Zahl, haben heute die Arbeit wieder ausgenommen. Sie Granate im Sarg. Kitchenex als Filmreklame. London, 16. August. In dem Sarg, der von dem Joürnalisten Frank Power aus Norwegen nach London gebracht tvorden ist und angeblich dieLeiche Kitcheners enthalten sollte, tvnrde bei der heute mittags erfolgten Oeffnung lediglich eine Granate mit Kupse r ma n tel, aber kein nam gefunden. - Power hatte den Sarg in einem norwegischen Fischerdorf, in welchem der Untergang des Kitchenerschen Schiffes gefilmt wurde, gefunden. Es handelt sich bei der ganzen. Sache mn eine R-eklamevevanstaltung für den Film. Seatschland «ad der Mlkerbmrd. Berlin, 16. August. Die deutsche Regierung hak bisher noch keine Mitteilung über ein erneulies Zusammentreten 'der Genfer Studienkommission für die Reorganisation des Rates erhallen. Da als Termin für diesen Zusammentritt seineHeit der 2 4. August genannt wurde, müßten die Einladungen bis spätestens Mitte dieser Woche erfolgen. Die deutsche Regierung würde einer Auffovdenmg, sich an den Beratungen der Studtenkommiffion zu beteiligen. Folge Listen und voraussichtlich wieder den Pariser Botschafter v. Hoefch und Ministerialdirektor ' Dr. Gauß mit ihrer Vertretung beaustragek. Jer FrankensSlscherprozeß. Budapest, 16. August. Vor der königlichen Tafel hat heute vormittags die Bemfungsverhandlung im Frankenf a l s ch e r p r o z e ß begonnen. Die 24 Angeklagten sind bis auf den Prinzen Windisch^rätz erschienen. Zwei von ihnen, nämlich der Vizepräsident des nationalen Spitzenverbandes Josef Szörtsey und der Generaldirektor der Postsparkasse Gabriel Baroß wurden bei der ersten Verhandlung freigesprochen. Die Berufung hat der Staatsanwalt angemeldet. Unter den Zuhörern befindet sich der Inspektor Collard von der Bank von Frankreich. Die Untersuchung in Csepel. Budapest, 16. August.' Wie die Blätter melden, wurden die drei Arbeiter, die unter dem Verdacht, die Explosion in Csepel hervorgerufen zu haben, in Gewahrsam genommen worden waren, nachdem sie ein vollständiges Alibi Nachweisen 'konnten, -wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie „A Reggel" meldet, haben die Erhebungen Daten gezeitigt, die a u f F a h rlässigkeit Hinweisen. Die Explosion sei auf die Verletzung des Rauchverbotes seitens der Arbeiter Zurückzufi'lhren. Heute vormittags -werden ans dem Schauplatz der Katastrophe E x p e r -i m e n t i e r s P r e n g « n g e n angestellt werden, um die Explosion zu rekonstruieren. Gleichzeitig wird auch das zuerst explodierte Munitionslager neuerlich untersucht werden, um neue Angaben zutage zu fördern. Wie ,/hetsös Naplo" meldet, hätten die Wachposten in Csepel vor einigen Tagen in der Nacht Schüsse auf zwei Männer abgegeben, die sich kriechend dem Pulverlager nähern wollten. Die Untersuchung soll auch nach dieser Richtung ausgedehnt werden. Der Tod im Bergwerk. ,3*00, 16. August, Die „Prager Abendzeitung" meldet ms Schemuitz: In der hiesigen Goldgrube stürzte infolge Eindringens von Wafler eine Grubenwand plötzlich in der Preite von dreißig Meter ein, wobei fünf Arbeiter gelötet Wrden Der polnische Export. L. Warschau, 16. August. Nach Berechnungen des osftziellen statistischen Amtes hat der Wert des polnischen Exports im Monat Juli die Ziffer von 221,552.000 Zloty überschritten. Ties bedeutet im Vergleich mit dem Monat Juni ein« lOProzentige Steigerung. Der Kohlenexport im Juli betrug 62 Millionen Zloty. Neubesetzung der polnischen Fimmzressort». L. Warschau, 16. August. Wie Ihr Korrespondent erfahr!, steht die Reise des Ministerpräsidenten Prof. Bartel nach Gdingen in einem gewissen Zusammenhang mit der Stellung des Finanzministers K l a r n e r. Wie verlautet, soll Pros. Bartel in Gdingen mit dem Abg. Prof. Dr. Michalsk i,!dem gewesenen Fina-nMinister, konferieren, der als Nachfolger 'Marners in Aussicht genommen ist. Der KalastrOhenfomum. Wolkorrbvüche Mt Todesopfern in Barcelona. Aus Barcelona wird berichtet: Infolge heftiger Wolkenbrüche, die von Gewitterstürmen begleitet tvaren, sind ein großer Teil der Stadt und mehrere Vororte unter Wasser gesetzt worden. Zahlreiche Menschen sind urus Leben gekommen. Mehrere Leichen sind bereits ge'bo-rgen worden. Erdbeben tn EnAlnnid. . London, 16. August. In vielen Teilen Englands-wurden Sonntag morgens horchte Erdstöße verspürt. In einer Reihe von Städten, so in Worcester, Bristol, Glastonbury und Readiua, wurden die schlafenden Einwohner durch das Geräusch der sich bewegenden Bilder und der schwankenden Möbel geweckt. Ar, vielen Stellen waren die Erderschütterungen von unterirdischeur Donner begleitet. Schaden ist durch das Erdbeben nicht an. gerichtet -worden. Mne Hitzewelle rn Migaen. Budapest, 16. August. Seit gestern -streicht über Budapest and Ungarn eine förmliche Hitzewelle hinweg, die au die heißesten Tage der wärmsten Jahre erinnert, In Budapest stieg das Thermometer bis 3 6 Grad. Es gab bereits mehr.-r" Unfälle durch H i tz s ch l ä g e. Me Wette rSor«mAsa>ge lautet: Keine wesentliche Aeuderung des herrschen» den heiteren, warmen, ruhigen Wetters. NsenbahnunWe in Paris. Mehrere Tote. Paris, 16. August. Sonnntag, bürg vor Mitternacht, ist ein Vovstadtzug im Orleans bahn Hof m Paris mit einem Güterzug z uls a mme ng e,st o ß en. Zwei Perisonen wurden g c- «t öitel, sieben schwer und 29 leicht verletzt. In der Nähe von Paris ereignete sich ein zweiter Eisenbahmmfall. Jnr Bahnhof Vierzon entgleisten zwei Waggon^ des Expreßtzlvgos Nantes—Lyon. Eine Frau wurde ge-töte zwei Reisende wurden schwer, mehrere leicht verletzt. Eisenbahn und Motorrad. Gestern nachmittags überfuhr bei N e i ch o n b a ch in Oberschlesien ein Personenzug an einer Straßenkrearzung ein Motorrad. Der Lenker des Motorrades und seine Begleit e -r i n kamen ums Leben. Bom Tanz tu den Tod. Berlin, 16. Anglist. He-u-te nachts waren nach eiltet Med tnmg aus Leipzig zwei junge Leute ans Riesa, Wie von einem Tanzvergnügen in Döbeln kamen, während der Fahrt im Eisenbahnzng ans das Dach eines Waggons gestiegen. Als der Zug eine St-wßenÄlbevfühvung paffierte, schlugen sie mit voller Wucht gegen das ZNanerwevk der Brücke. Beide waren sofort tot Kn Mrtprer der Forschung. Lands«, 16. August. In der vergangenen Nacht starb hier Dr. Hall Eduards, der ans dem Gebiete der Forschung der ^-Strahlen bahnbrechend tätig -war und in Ausübuug seiner wissenschaftlichen Wirksamkeit den linLe» Aryl und später ««ch tz ier $ bea rechte« MKW Latte.

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