Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2685 (14.8.1926)
- Date
- 1926-08-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Polen; 23 aioszv | Wien: Zum Abholen in der Expedition, lLTaborstr. 1-3, oder in einerverschlefsstelle fTraflk) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmied, i.. Wollreile 11 t , Mit Poslversand für Wien i und Oesterreich monatlich 5 Schilling ■ i s c h e c h o - S1 o w a k e i: ,'Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen:Mon, 6Zloty. Deutschland: i Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 ' N achtahltmgett bei I* r e I •» rMhuciMi TAfbchatieii Wiener omcmcitutm uaamiori England: Mon, 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lite: Rtiminien: Mon, 170Lei. Bul garten jMorUOOLewr. Schweiz tmd das übrige Ausland monatlich Frcs. ä Redaktion, Administration: Wien, 11. Tabor.tr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3*19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 Dt, Uttirersitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterrelchi8ches Postspaikassen Konto Nr. 150.69 Nr. 2685 Me». Samstag. 14. August 1926 8. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entseltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Explodierte Elrastlgranaten. — Sie Pulvermagazine unter Waffer gesetzt. — Sie interalliierte Militärlommission. » Nicht.. .fonöent Spitzer & Markus Borenstein & Markus ist jetzt der Firmenwortlaut der bestrenommierten WerkstStte für fe'nste Herren- und Damen* garderoben 2. Bezirk, Holland atro ße 1 (Telephon 46-7-67) // 609 Reiche Auswahl in vrima englischen Stoffen der neuesten Herbstniode! ✓ Tadeilö^e Paßform! / Modernste AnSfühiung! ✓ Konkurrenzlose Preise! ✓ Eigene Werkstätten tut Hause! sG!" Auf Wunsch ZahlungSerleichternng ohne Preisaufsä lag V Ae Kavernen von ksepel. Ein neuer bulgarisch-lusöslalvifcher Konflikt. Be l g r a d, 13. August. Wie spät abends aus S k o p l j . gemeldet wird, überschritt gestern nachmittags eine bulgarisch Bande unter Führung des Wo iw öden Peter As ko, von Bulgarien kommend, die jugoslawische Grenze. Im dichten Nebel verlor die Bande die Richtung und stieß bei Bobropolje aus die jugoslawische Grenzwache. Zwischen dieser und der Bande entünckelte sich ein heftiges Feuergefecht, das die ganz Nacht und den heutigen Tagan d a u o r t e. Abends zogen sich die Bulgaren nach Verlust von zwei Toten zurück wobei sic ihre Berwun beten tnitmahmen. Auf jugoflawi scher Seite wurde ein Grenzsoldat verletzt. Die Grenzwache versucht augenblicklich, der Bande den Rückzug abzuschneiden. In Belgrad herrscht wegen dieses neuen bulgarischen Banden einfalls große Aufregung. Eine SensationsaffSre in Warschau. . Der ungarische Gesandtschaftssekretär Platth erschießt seine Geliebte und sich. L. Warschau, .13. August. Der gewesene Sekretär der ungari scheu Gesandtschaft in Warschau, ein gewisser Tibor Platth der seinerzeit nach Defraudierung eines größeren. Geld betrages durchgegangen ist, erschien heute bei seiner Geliebten, dem Fräulein I e z b i e k a, einer Beamtin des Verfassungs gerichtshofes. Nach kurzem Wortwechsel schoß er sie nieder und richtete hierauf die Waffe gegen sich selbst. Er wurde tot aufgefunden. , Der Irak will in den Mlkerbnnd. London, 13. August. Die englische Regierung hat ihren setzten Jahresbericht an den Völkerbundrat über die Ver.wal tung des Irak fertiggestellt. Wie hier verlautet, soll der Bericht die Lage des Irak gegen Ende 1925 als überaus be friedigend bezeichnen. Ter Bericht weist zunächst darauf hin, daß im Laufe des letzten Jahres alle Befürchtungen in «bezug auf die zukünftige Entwicklung und die Einheit «des Staates zerstreut worden seien. Es wird angedeutet, daß demnächst mit einem Au fua hmsgesu ch des Irak in den Völker b u n d zu rechnen wäre. Die Verfassung und das erste Parlament des Irak hätten sich als durchaus den Bedürfnissen entsprechend erwiesen. Der Irak werde daher in jeder Beziehung allen Anforderungen des Völkerbundes in kurzer Zeit genügen können. Mexiko nationalisiert die Bergwerksinduftrie. Mexiko, 13. August. (Reuter.) Die Regierung hat eine Verordnung erlassen, wodurch die neuen Bergwerksgesetze in Kraft gesetzt werden, die die Regierung ermächtigen, die Bergwerksindllstrie, iit welcher Hunderte von Millionen Dollar investiert sind, in zahlreichen Einzelheiten zu kontrollieren. Nach der Verordnung sind alle Miner a l i e n, die Handelswert besitzen, sowie die E d e I st e i n e Eigentum der Nation. Das Bergwerksgesetz gibt ausgedehnie Vollmachten, nach welchen die Regierung Bergwerkskonzessionen erteilen und ein staatliches Jnspektions- und Ueberwachungssystem einführen kann. Die Konzessionen können enteignet werden., falls nicht bereits ausgedehnte Arbeiten bewerkstelligt worden find._ Der private Dosiartaro 1« Polen. L Warschau» 18. August. Der Dollar notiette heute 1m vridaten Verkehr tu W a r s ch a u 9.06, tnKrara » S.OöbtS 8.06. Budapest, 13. August Die Untersuchungskommiffion, die zur Aufklärung der Ursache der Explosionskatastrophe von Csepel eingesetzt wurde, hat ihre Tätigkeit heute vormittags ausgenommen. Es wurde festgestellt, daß das Unglück infolge des Zusammenwirkens mehrerer unglücklicher Umstände keinen so großen Schaden an Menschenleben und Sachgütern angerichtet hat, wie im ersten Augenblick der allgemeinen Panik angenommen wurde. Die R 8 umnngsarbeiten auf der Explosionsstätte sind in vollem Gange, und man hofft, schon Anfangs nächster Woche den Betrieb in den Manfred Weitzschen Fabriken aufnehmen zu können. Bis abends wurden in den Trümmern der zerstörten Gebäude keine Leichen gefunden. Die Zahl der Schwerverletzten betragt bloß zwei, die Zahl der Leichtverletzten über hundert. Die militärischen Sprengstoffsachverständigen sind der Ansicht, daß Selbstentzündung von Schießpulver und kein v e r b r e ch e r i s ch e r An schlag vorliege. ... Minister Baß über He Katastrophe. Der stellvertretende Ministerpräsident, Volkswohl fahrtsminister Josef Baß empfing heute nachmittag nach einem Rundgang mit der Untersuchungskommisson die Ver treter der Presse. Der Minister sagte: „Der erste Eindruck der Unglücksstatte ist niederschmetternd. Besonders schrecklich sieht es an den Stellen ans, wo Ekra sit in die Luft geflogen ist und meterweite Trichter in die Erde gerissen hat. DieErdeistübe'rallmitGranatsPlittern, Eisen- und Holzteilen und Mauerwerk ' bedeckt. Ein Pulvermagazin wurde vollständig mit Erde zugeschüttet, o daß man es wahrscheinlich künstlich zur Explosion iringen wird, um ein weiteres Unglück zu verhüten. Alle übrigen Pulvermagazine sind unter Wasser gesetzt. Besonders stark hergenommen wurde die Manfred Weißsche S t o f f a b r i k und das Direktionsgebäude der Mu nitionsfabrik, in dem kein Fenster und kein Türpfosten heil blieb. Die Arbeiter hatten zum Glück um 6 Uhr abends die Fabrik verlassen, so daß sich im kritischen Moment nur vereinzelte Arbeiter in den Gebäuden befanden: Bei den Pulver Magazinen fand gerade die Wachablösung statt, so daß nur drei Soldaten einen Nervenchoü erlitten und bisher nicht verhört werden konnten." Minister Baß betonte nachdrücklich, daß es keine To wsopfer und nur zwei Schwerverletzte gibt. (Die Pressever treter durften die Explosionsstätte, di-, vom Militär abgesperrt ist, nicht betreten.) Die explodierte Purvecmeuge, erzählte Minister Baß weiter, wird auf 3 0,0 0 0 K i l o g \ A m m geschätzt. Bolkswohlfahrlsminister Baß erklärt, daß b e s o nere Maßnahmen nicht nötig seien. Die Stoffabrik werde, schon in zehn Tagen ihren Betrieb wieder anfnehmen, (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Ser Schauplatz der Katastrophe. Den Schauplatz der Explosion bildeten die etwa eincffr Kilometer von der Fabriksanlage der Manfred Weißschen Werke befindlichen Schießpulverlager der Kriegsmaterialfäbrik. Dort befinden sich vier zur Aufnahme von Schießpulver bestimmte Kavernen. Jede ist 80 Schritt lang und 50 Schritt breit und 5 bis 6 Meter tief in die Erde eingegraven. Diese Gruben sind an ihrer Basis und an den beiden Seiten mit Beton ausgebaut. Jede dieser Kavernen ist durch eine dicke B e t o n w a n d in zwei Teile geteilt, besteht also aus zwei Kammern. Die Kammern, in denen das Schießpulver untergebracht ist, werden mit Balken und anderen Holzmaterial kuppelartig bedeckt. Rings um die Kavernen werden schräge Cdschanzen aufgeworfen, die bezwecken, daß im Falle einer Explosion die Wirkung nicht nach rechts und links, sondern nach aufwärts zur Geltung kommt. Zwei solcher Kavernen sind gestern abends in die Luft geflogen. o daß die tausend Arbeiter, d e im Augenblick arbeitslos sind, »ald wieder eine Beschäftigung finden werden. Die heutigen Abendblätter ttberschreiben ihre Berichte über die Explosionskatastrophe demonstrativ mit dem Titel: „K e i n e T o t e — z w e i S ch w e r verletz te", nach der amtlichen Darstellung. Die Berichterstatter der Blätter halten jedoch ihre Meldungen, wonach gestern abends in der Station Woroksar mit dem ersten Militärzug v i e r z e h n T o t e eingeliefert worden feien, aufrecht. Die Explosion ließ ihre Wirkung hauptsächlich in den benachbarten Dörfern S o r o k s a r und D u n a h a r a s z t i verspüren. In Soroksar gibt es kein einziges Haus, in dem die Fenster unversehrt geblieben wären. In Csepel find vor allem die Tuchfabrik und die B e a m t e n k o l o n i e arg beschädigt worden. ... ja- Die Gemeinde Csepel bot heute ein Bild gewaltiger Zerstörung. Abgetragene Dächer, durcheinarwer geschleuderte Holzbalken und Milliarden von Glassplittern bedecken die ganzen Anlagen der Weißschen Fabrik. Die Bewohner von Csepel haben aus Angst vor weiteren Explosionen trotz des strömenden Regens die Nacht im Freien verbracht. Der Chefarzt der Budapester freiwilligen Rettungsgesellschaft erklärt, daß sich unter den Verletzten auch mehrere befinden, die an den Augen durch G l a s s P l i t t e r verwundet worden waren. Diese Bedauernswerten dürften aller Wahrscheinlichkeit nach das Augenlicht verlieren. Insgesamt dürften höchstens 200 Personen Verletzungen erlitten haben, die ärztliche Hilfe ansprachen. Viele dieser Personen wurden von hysterischen Krämpfen befallen, beziehungsweise ganz leicht verletzt. Diplomatische Weiterungen? In der Hauptstadt waren heute Gerüchte verbreitet, daß die Explosionskatastrophe von Csepel zu d i p l o m a t i s ch e u eiterungen. führen werde, da, dem Vernehmen nach, in den. explodierten Pulvermagazinen Kriegsmaterial verborgen gewesen sein soll, von dessen Existenz die Budapester interalliierte Militärkontrollkommission keine Kenntnis hatte. Mn vielsagender Dementi. An maßgebender Stelle wird gegenüber den Meldungen, daß in der Csepeler Anlage Kriegsmaterial verborgen gewesell sei und eine diplomatische Intervention bevorstehe, erkNrt, daß Ungarn die Bestimmungen des Trianoner Friedensverträges in jeder Beziehung erfüllt habe. In Csepel uvoo nur so viel Munition nnd anderes Kriegsmaterial erzeugt, als der Friedensvertrag von Trianon gestattet. Verbotene Vorräte gab es weder in Csepel noch anderswo. Die Csepeler Anlage liegt auf offenem Gebiet, ist jedermann zugänglich (?) und die interalliierte Mrlitärkommiffion ist über die Fabrikation in der Csepeler Anlage genau informiert. Mn Erdbeben vor der Explosion? „Pesti Kurier" zufolge wurden gestem abends unmittelbar vor der Explosion in Csepel und später in B uda fok, Rakos-Ke resztur und Pilis Crdstöße «rMrt.