Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2684 (13.8.1926)
- Date
- 1926-08-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r I Polen: aSanmy I I Wl en: ZumAbhOten in der Expedition, ILTaborstr. 1-3, I oder M einer VerschJefsstelle j»'Trafik) monatl. 5 Schilling j Strassenverkauf in Wien! durch die Kolporteure der i Firma Qol dachmied, I., Woiireiie 11 Mit Postversand für Wien I und Oesterreich monatlich : 5 Schilling | 1 schecho-Slowakek; Mon. K 22. Jugoslawien:! Mon.vin.60. Polen: Mon.! 6Zloty, veutschland:! Mon. Qm. 4, Frankreich,! B ei gi en: Mon. Frcs. 35 1 NichMhloiigcti b«l Frei*« MrbthaliM Wiener IPr.l. M ii") England: Mon.4SchUlk.. Italien: Monatl. 20 U-r: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien »Motl.lOO Lew«. Schwele und das übrige Ausland monatlich Frcs. i Redaktion, Administration: Wien, II. Taborsh*. 1 Telephone: 44-0-38.43-3-1« Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann i Oesterreichtsches Postspa,- kassen-Konto Nf. 150.60 Nr. 2884 Wie». Freitag. 18» August 1928 8. gahrgang Kxplofionstatastrophen. Drei furchtbare Krplostonen in der ungarischen Muuitionsfabrit Manfred Weiß. -Budapest, 12. August. In der Munitionsfabrik Manfr^> Weiß auf der Csepel-Jnsel erfolgte heute abends, 7 Uhr, eine mächtige Explosion, die einen großen Teil der Gebäude in Brand steckte und zum Teil zertrümmerte. Die Flammen sind in einem Umkreis von 60 Kilometer sichtbar. Die staatliche Radiostation wurde leicht beschädigt. * Die Munitionsfabrik in Lsepel ist die einzige, die im Sinne des Friedensvertrages von Trianon in Ungarn in Tätigkeit sein darf. Sie steht unter der Kontrolle der militärischen Ententekommission. Die Detonation der Explosion war so stark, daß sie in allen Teilen Budapests, von der die Insel Csepel ungefähr 20 Kilometer entfernt liegt, gehört wurde. * Spät nachts wird uns noch gemeldet: Ueber die Explosion in Csepel ist es schwer, Einzelheiten zu erfahren, da sämtliche noch funktionierenden Telephonlinien von der Feuerwehr und der Rettungsgesellschast in Anspruch genommen sind. Soweit bisher bekannt ist, ereigneten sich um 7 Uhr 5 Minuten drei aufeinanderfolgende Explosionen. Dem Vernehmen nach sollen drei Pulvermagazine explodiert sein. In einem weitem Umkreis der-Pulverfabrik sind viele Häuser und Gebäude stark beschädigt worden. Das Polizeigebäude aus der Insel droht einzu-- stürzen. Auch -das Spital perWenLeirrde Ist in MiMhenschM gezogen worden und wird evakuiert. Da noch weitere Explosionsgefahr besteht, wurde ' die Insel müitärisch abgelspevrt. Der Brand ist im Zunehmen begriffen. Bei der Explosion sind mehrere Straßen gänzlich zerstört worden. Mit Rücksicht auf die - . große Zahl der Toten und Verletzten wurde die Budapester Rettungsgesellschaft ersucht, mit vollem Apparat nach der Unglücksstelle zu kommen. Ueber den Ausgangspunkt der Explosion ließ sich bisher nur feststellen, daß in einer Patronenwerkstätte die erste Explosion erfolgt ist. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten ereignete sich die erste Explosion um 7 Uhr im Artilleriemagazin der Pulverfabrik. Binnen wenigen Sekunden kam die zweite Explosion, welcher in wenigen Minuten zwei weitere Explosionen folgten. Was auf der Insel Csepel geschehen ist, ist vorläufig unbekannt, doch steht es fest, daß in den umliegenden Ortschaften in einem Umkreis von 20 Kilometer sämtliche Fensterscheiben eingedrückt worden sind. In Pest-Erzsebet und Kispest wurden im Augenblick der. Explosron einige Passanten auf offener Straße vom Luftdruck zu Boden geworfen. In Soroksar 'wurden mehrere Hausdächer vom Luftdruck abgetragen und aus '50 bis 100 Meter Entfernung fortgeweht. Besonders schwer heimgesucht wurde auch die Ortschaft Budafok, am rechten Donauufer, gegenüber der Munitionsfabrik. Hier sind zahlreiche Häuser eingestürzt. Aus den Trümmern wurden 2 2 S chw e r v e tH etzte und viele Leichtverletzte geborgen. Die Explosionskatastwphe auf der Csepel-Jnsel scheint einen ungeheuren Umfang anzunehmen. Die Hauptstadt befindet sich in größter Erregung. Um Mitternacht 'st in der Station Soroksar der erste Transportzug mit Toten und Verletzten eingetroffen. Die Zahl der Toten bis jetzt beträgt 14, btt Zahl der Verletzten 29. Diese Ziffern dürften sich jepoch auf mehrere hundert erhöhen. Ueber die genaue Zahl der Toten bei der Explosionskatastrophe auf der Csepel-Jnsel können nicht einmal schätzungsweise Angaben gemacht werden, da es nicht bekannt ist, wie viele Arbeiter zurzeit der Explosion in der Fabrik waren. Jedenfalls müssen alle Arbeiter, die sich im Augenblick der Explosion in der c > Fabrik befanden, den Tod gefunden haben. In Csepel sind alle Häuser eingestürzt. Jeder Verkehr in der Ortschaft ist unmöglich. Dep Himmel über der Insel Csepel ist tief dunkelrot gefärbt. Mächtige Flammengarben schlagen aus den brennenden Objekten der Weißschen Munitionsfabrik empor. Der Brand dauert um Mitternacht mit unverminderter Heftigkeit an. Mehrere schwedische Pulvermagazine in die Lust geflogen. 1 Enormer Sachschaden. Kopenhagen, 12. August. . In der nordschwedischen Stadt Kiruna sind heute mehrere Pulvermagazine in die Luft geflogen. Die Gewalt der Explosion war so stark, daß. fünf Gebäude im Umkreis des Magazins, davon zwei große Bank- und Warenhäuser dem Erdboden völlig gleichgernacht -wurden. Bei den Löscharbeiten, bt-e ungeheuer schwierig waren, wurde ein Feuerwehrmann getötet und mehrere schwer verletzt. Der Sachschade ist enorm. Ueber die Gründe, die zur Explosion führten, ist bis jetzt nichts bekannt. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Allenbh nach Plumer? X. London, 12. August. Die „Zeit" meldet aus Jerusalem: Lord Plumer. ist nach England avgereist. Er wird auf seinen Posten nicht mehr zurückkehren. Es verlautet, daß Lord Allenbh zum Oberkommissär von.Palästina und Oberbefehlshaber der militärischen Kräfte in Palästina und Transjordanien ernannt werden soll. Nach einer Meldung der I. T. A. begibt sich Lord Plumer zunächst nach Italien. Etonr nach Mer» verfehl. K. 23 c tl ttt, 12; August. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus London: An Stelle des zurücktretenden Gouverneurs der Insel Cypern, Sir Maleom Stevenson, wurde Sir Ronald Storrs, bisher Distriktskommissär von Jerusalem und Südpalästina zum Gouverneur und Oberbefehlshaber von Cypern ernannt. , .. * ■ . Ronald Storrs hat in ferner Amtsführung als Gouverneur von Jerusalem wiederholt Anlaß zu Beschwerden der jüdischeil Bevölkerunng gegeben. Er hat aus seiner Abneigung gegen das Mandat und seinen Sinn nie ein Hehl gemocht und sich in seinem Wirkungskreis der Errichtung eines jüdischen Nationalheinres widersetzt. Insbesondere kraß trat dies, gelegentlich der araibischen Ausschreitungen des Jahres'1921 zu tage, als Storrs die jüdische Selbstschutzorganisation verhinderte. In der letzten Zeit hat er, wie von uns ausführlich berichtet, eine.; Deputation der jüdischen Bevölkerung' von Jerusalem brüskiert. Storrs ist ein katholischer Schotte und es hat auch seinerzeit viel Mwgernis in England erregt, als er auf der Dienstreise zu einer Bölkerbnndtagnng in Rom Station machte und beim Papst in Audienz erschien. - ein Attentat ans den MinifterprSfidenle« des Frak. London, 12. August. Auf den Ministerpräsidenten o e 8 I r a k, Sir Abdul M u f i n, wurde am Dienstag, wie Reuter aus Bagdad meldet, ein Attentat verübt. Ein Zollbeamter namens H i l m i, der sich aus irgend welchen Gründen zurückgesetzt fühlte, st ü r z t e auf den Mtnist e r z u. der auf dem Wege zu seinem Dtenstgebäude war, und verletzte ihm nt t t einem Rasiermesser Schnitte in die Backen, die Stirn und den rechten Arm. Sir Abdul Musin mußte sich in ein Krankenhaus begeben; sein Zustand soll befriedigend sein.' Der Angreiser wurde verhaftet. Kämpfe unter de» Stufen. Paris, 12. August, Nach einer Meldung aus B e i r u t kam .es in der Gegend von Mokran zu einem schweren Kamps zwischen fra nz osenfre un dli ch>e n Drusen und den Anhängern des Sultans Atrasch. Letztere sollen hundert Tote und zahlreiches Pferde- und Waffenmaterial aus dem Kampfplatz gelassen -haben. Sparmaßnahmen in Aegypten. Kairo, 12.' März. (Reuter.) Die Parlamentsk o m m i s s i o n schlägt im Einvernehmen mit dem Ministerium des Aeüßern die Aufhebung der ägyptischen Gesandtschaften und Konsulate in Brasilien, Schiveden, der Schweiz, Belgien, Spanien. der Tschechoslowakei, -Holland und Rumänien vor. Die Gesandtschaft in Paris wird die ägyptischen Interessen in Spanien und Belgien, jene in Berlin in Holland nnd der Tschechoslowakei nnd die Gesandtschaft in der Türkei in Rumänien wahruehmen. In jenen Städten, wo bereits Gesandtschaften beistehen, wurden die Konsulate abgefchasft. Die dadurch ' erzielte Gesamtersparnis wird aus 150.000 ägyptische Pfund geschätzt. _ Polen und Danzig. ll. Warschau, 12. August. Heulte mittags fand beim Staatspräsidenten M o s e i e t i -eine Konferenz statt, welche.sich mit dem Verhältnis zu Danzig beschäftigte. An-der Konferenz, nahmen der Regierungschef Bartel und der Chef des Generalstabes, General P i sko r, teil. ■ Der private Lollarkur« in Polen. U. Warschau, IS. August. Der Dollar notkur heute im vri- »aten Verkehr in W a r s ch a u 9.08, in K r a k a u 9.0b btS 9.06. Sie englische Kohleittrise. > London, 12. August. Premierminister Baldwin -ist heute nach London zurückgekehrt, um mit der Kohlenkommission Beratungen zu pflegen. Man hoff:, daß nach der am Montag stattfindenden .Delegiertenkonferenz das Exekutivkomitee der B e r g a r b e i t e r die E r m ä ch t i g u n g erhalten wird, mit der R e et i e v u n g z n v e r h a n d e l n, nnd daß die Kohlenkrise früher als man erwartet beende: sejn Wird. Sie ..Morning Post" gefährdet? London, 12. März. In gut informierten Presse-kreison wird die Lage der „Morning Post" als sehr ernst hingestellt, es sei keine Rede davon, daß sie neue Gebäude kaufen könne, nachdem sie ihre bisherigen verkauft habe. Man befürchtet, daß die „Morning Post" ans finanziellen Gründen ihr Erscheinen werde einstellen müssen. Der letzte Schritt, den Verkaufspreis des Blattes .auf ein Penny herabzusetzen, sei ein letzter verzweifelter Versuch gewesen, das Blatt über Wasser zu halten. (Die „Morning Post" ist.' das 'Organ, der. englischen Kriegspartei. — Red.) Abfall von Hitler. München, 12. August. (Wolfs.) Wie die „Münchner Neue,''en Nachrichten" melden, hat der bisherige Propagandachef Hitlers, Otto At a y. seinen A n s t *•; 11 gi,s der nationalsozialistischen Partei erklärt. zadraverr ist beleidigt. Budapest, 12. August. Bischof Za drave ez, der bekanntlich im Frankenfälscherprozeß f r e i g esp ro ch e n wurde, hat gegen nicht weniger als 64 Zeitungen, beziehungsweise Journalisten, P r e ßu n d E h r e n b e l e i d i g u n g s p r o z e s s -e angestrengt, die durch Artikel über die Rolle des Bischofs bei -der Fälschnngsaffare seine. Ehre verletzt haben. Unter den Beschuldigten befindet sich auch der Ehrenpräsident der Journalistenvereine Engen v. Ra kos i. Ter Riesen Prozeß dürfte eine Neuan-flage des Frankenfälscherprozesses bedeuten. Mndischgrlltz wird zur Bernfnngrverhandkung etfdieinen. Budapest, 12. August. Der Verteidiger des. Prinzen Ludwig W i ri d 11 ch g r ä v. Abg. Dr. Franz U l a t tt, erhalte Heine vor Presseveltretem. daß der Prinz trotz seines schlechten te c unb* beitSzuftandeS zur Berufnngsverhandlung vor der Königlichen Tafel erscheinen nnd wichtige Enthüllungen namentlich in berug aus die Rolle U8 verstorbenen Photochemikeis Artur Schulze bei den Frankenfälschungen, machen wird. Die Verhandlung wird am 16. d. beginnen. Die Bank Polsli. L. Warschau, 12. August. Gerüchtweise verlautet, daß das G rü n d u ng ska p i ta l der Bank Polski um 5 0 Prozent erhöht werden soll. Weiters soll eine Herabsetzung des Prozentsatzes für die offenen Rechnungen für E^povtzwecke von 12 aus 11 Puyewt bevorstche«.