Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2682 (11.8.1926)
- Date
- 1926-08-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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MTB Merk, MMvcG Memr MEArnzrMW fl. Nng«ff 1926 Rr. 2682 Ms M das voll, worum drängt alles in das Hans Atzz.. PvWÄkmgafse öS? Die langersehnten Urlaubstage, die Badmett find «Lonnnen atnd die Leute suchen daS beftrenommierie Spepachmrs für Wirkwaren ,^um Lölvetck' auf. um dort ihren Bedarf in Dadckostümen, Schwimmhosen, Sweaters. Westes Badchauben und allerlei Wink-- und WoMvaren zu decken. Da man beim „Löwen" mir erstklassige Qualitätswaren zu ßckelhaft billigen Preßen erhält, bleibt jeder, der dort einmal kauft, stand kg Knrwe. BeremsmitgUeder erhalten Sonderrabatt. Beraüaftlger Nmettkanirmus. AmeMt, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, hat ln den letzten Jahren, namentlich im Warenhausbetrieb, eine ganze Reihe von Umsatzsteigerungen zu verzeichnen, die für europäische Begriffe geradezu unfaßbar sind. Einzelne, erst vor wenigen Jahren entstandene Warenhäuser, gewannen einen enormen Kundenstock und erzielen einen vielen Milliarden Dollar betragenden Jahresumsatz. Dieser ungeheure Erfolg wurde dirrch Anwendung folgender praktischer Gefchäftsprinzipien erreicht. Die Leiter dieser Warenhäuser — durchaus neuzeitlich orientierte, großzügige Busineßmänner — verstanden es vor allem, die denkbar billigsten Einkaufsquellen aufzuspüren. Sic kauften beim Erzeuger in großen Mengen ausschließlich gangbare, erprobt verläßliche Qualitätswaren, kalkulierten bei Einschränkung der Regien auf das Minimalste, mit einem sehr geringen Nutzen und waren so in der Lage, wirklich besonders billig zn verkaufen und die gesamte Konkurrenz zu schlagen. Das vorzüglich geschulte Verkäuferpersonal hat strenge Weisung, dem Publikum nicht etwa alte Ladenhüter auszuschwatzctl, sondern nur erstklassige und für den vorgesehenen Zweck geeignete Artikel zu empfehlen und int übrigen die Wahl dem Geschmack und Wunsch des Käufers zu überlassen. Der Erfolg bewies, wie richtig so die Psychologie des Käufers eingeschätzt wurde. Die mit dem praktischen und billigen Einkauf zufriedenen Kundert kamen immer wieder, empfahlen das Geschäft ihren.Freuiiden, und die Reklame von Mund zu Mund bewirkte ein riesenhaftes Anwachsen des Kundenkreises. Diese vernünftige Berkaufstechnik, bei welcher Kaufmann und Kosiiment gleicherweise auf ihre Rechniing kommen, wird in Wien vom populären Leopoldstädter Warenhaus der Brüder Schiffmann, 2. Bezirk, Taborstraße 48, geübt und hat sich auch hier glänzend bewährt. Die dauernde Zufriedenheit der zahlreichen Kunden bewirkt eine immerwährende Steigerung des Umsatzes, welcher immer wieder neue Preisrcduktionen ermöglicht. Die erhöhte Leistungsfähigkeit zieht neue Kunden an und -dieses. Jneinandergreisen von Ursache ltnd Wirkung ist es, das das glänzende Renommee des Warenhauses Brüder Schiffmann immer vöft neuem bestätigt und befestigt. Bühne und Kunst. 8in neues jüdisches Konstthraler in Rew-Vsek. Wie uns aus Ncw-Aork geschrieben wird, ist dort vor kurzem ein neues jüdisches Kunsttheater vom bekannten Thcaterdirektor Max Wilfner gegründet worden. Die künstlerische Leitung des Theaters hat Ben Ami inne. Der amerikanische Schauspieler Leon 2 n i e g o w hat vor kurzem Europa bereist, um berühmte jüdische Schauspieler nach Amerika zu verpflichten. Unter anderen hat Sniegow die Schauspielerin Lydia P o t o c k a und die russisch-jüdische Soubrette Helene Zel.inskaja nach Amerika engagiert. Pressevertretern gegenüber äußerten sich Lydia P o t o c k a und ihr Gatte, der Schauspieler Z o l o t a r e f f, über den Zweck ihrer amerikanischen Reise. Tie jüdischen Künstler, sagte Potocka, sind auf verschiedenen fremden Bühnen verstreut, während das jüdische Theater eine schwere Krise dnrchmachen muß. Insbesondere gibt es in Deutschland und in Rußland viele jüdische Schauspieler, die gerne in jüdischen Theatern spielen würden und deren Auftreten in jüdischer Sprache einen großen Gewinn für das Niveau der jüdischen Kunst bedeuten würde. Lydia Potocka hofft in Amerika dieselben großen Erfolge zu erreichen, .die.sie unter Max Reinhardts Regie, sehr oft auch zusammen mit Alexander M o i s s i errungen hat. Das jüdische Kunsttheater in New-Dork bereitet einige Aufführungen von bedeutenden europäischen Dramatikern, so unter, anderem „Jaakobs Traum" von Richard B e e r - H o f m a n n, „Die Jagd Gottes" von Emil B e r n h a r d und „Kolportage" von Georg Kaiser vor. . _ Sar bewegliche Bild. Sine Erfindnnng des Malers Archipenkc Hildebrand G n r l i t t berichtet im „Cicerone" Wer eine aufsehenerregende Erfindung des Malers Archipenko, der sich seit zwei Jahren in Amerika aushält. Die neuerfundene Maschine ermöglicht es, daß die auf Leinwand gemalten Bilderst ch bewegen können, ohne die kleinste Nuance von Farbe und Form zu verlieren. Nur die Form ist wie bei der Weberei an bestimmte Gesetze gebunden, dagegen können die Farben frei gewählt werden. Archipenko will jetzt die Maschine zu wirtschaftlichen Zwecken ausnützen und hat zu Rcklamezwecken ein Bild gemalt, das zuerst eine abstrakte Form darstellt, die sich langsam in eine Dame im Abendmantel verwandelt. Man sieht die Dame zunächst im Profil, dann aber geruht sie, dem Zuschauer auch ihr Antlitz zu zeigen. Die Dame schlägt nun den Mantel auf, legt ihn ab und erscheint int Abendkleid. Für den nettgierigen Zuschauer sind aber noch weitere Sensationen vorbereitet. Auch das Abendkleid tut die Dame ab und zeigt zuerst farbige Dessous, um dann ganz als Akt zu erscheinen. In umgekehrter Reihenfolge läuft dann das Bild zur ursprünglichen Form zurück. Gurlitt bemerkt, daß cs schon in diesem Bild Archipenko gelungen ist, durch den Ablauf dcr Bewegungen und den Wechsel der Farben bedeutende künstlerische Wirkungen zu erzielen,, unter anderem den Eindruck des Gemäldes als Ganzes ttttb nicht die Erinnerung an die einzelnen Teile beim Beschauer hervorznrnfen. Ein Denkmal für Walt Whitman. Walt W h i t m a n mußte sterben, damit Amerika ihn als seinen größten Dichter erkennt. Zn seinen Lebzeiten haben die Amerikaner von ihrem das Leben besingenden Lyriker kaum Notiz genommen. Jetzt nach seinem Tode wird ihni iit Manhatta n, wie er New - Aork in der Sprache des Indianers zu nennen pflegte, ein Denkmal errichtet. Jo Davidsohn, ein New-Dorker Bildhauer hat den Entwurf zu diesem Denkmal geschaffen, das Whitman sozusagen als „Tranrp", als einen Wanderer auf der freien Straße, darstettt. Die Kammerspieke werden eröffnet werden. Im Bureau - des dentschösterreichischen Bühnenvereins fand eine Konferenz der Vertreter des Bühnenverems mit Herrn Franz W e n z l e r, Direktor der Kammerspiele, statt. Direktor Wenzler gab unter Vorlage der zahlreichen bereits abgeschlossenen Engagemeiktsverträge beruhigende Erklärungen ab und erlegte auch die seinerzeit zwischen ihm und dem Bühncnverein vereinbarte Kaution. Die Mitteilungen über angebliche Schwierigkeiten bei der Eröffnung der Kammerspiele sind demnach dahin richtigznstelscn, daß mit der Eröffnung dieses Theaters am 1. September zuversichtlich zu re ch neu i st. Zwei neue Schauspiele von Maurice Nostand. Von Maurice R o st a n d gelangen in der nächsten Spielzeit in Pa r i s die Schauspiele „Le Trouble" und „La Ligne de coeur" zur Aufführung. Ein nachahmenswertes Beispiel. Der italienische Autorcnverband Hot beschlossen, zwecks Förderung der jungen Dramatiker von den Theaterdirektoren für die Anfführnng älterer Werke höhere Tantiemen zn fordern als für Stücke zeitgenössischer Dramatiker. Uraufführung eines Hamsun-Stückes in Heidelberg. Im Nahmen der Heidelberger Festspiele wird Knut Hamsuns „Munken Vendt" unter Leitung von Gustav Hartung zur Uraufführung gelangen. Die Hauptrolle wird Heinrich George spielen. Es wirken ferner Albert S t e i n r ü ck nno Gerda M ü Iler mit. Karlheinz Martin als Shakespeare-Bearbeiter. Die S n l t e n b n r g - B ü h n e n. bereiten trn Berliner.Lessing- Theater Shakespeares „Heinrich, der Vierte" vor. Es werden beide Teile in der Bearbeitung von Karlhein- M a rt i n an einem Abend zur Ausführung gelangen . Ans den Theater». 'V c it a i f i a tt c c b ii b it e. Freitag den 18. b beginnt die reue Spiel e>t. Zur Erstaufführung gelangt das fiai'Mctte Schaulpiel »Das G r a b m a t des unbekannten S o Id a t e n" om Paul R e y it a 1 mit Joses.J am j in der Haupttolle. Serichtssaal. Sas Soldbtlanzrngeletz vor de« Berwaltunss« gerichtshofe. Anläßlich einer Stenerbeschwerde kam kürzlich der Verlvaltnngsgerichtshof znnt erstenmal ln die Lage, über eine Frage des Goldbilanzengesctzes zn entfcheidett. Die Datnpfziegelci Schneller it. Christ, Ges. m. b. H. in Liquidation, itt Andritz bei Grog, beschwerte sich beint Berwaltnngsgerichtshos gegen die Besteuerung des Liquibationsgetvinnes, weil mit Rücksicht auf die Entwertung der Krone beim Berkattf der gesellschaftlichen Gebäude ltnd Grundstücke sich nicht nur kein Geivinn, sondern im Gegenteile ein Verlust von 7000 Schilling ergaben habe. Nun liegt dem Goldbilanzengefetze die Anschauung zugrunde, daß die infolge der Entwertung der Krone entstandenen Werterhöhnngen keinen Anlaß zur Befteuerung bilden dürfen. Im vorliegenden Falle handle es sich tatsächlich um einen S ch e i ng e w i n n. Nach den Bestimmungen ■ der Paragraph«: 33 und 34 des Goldbilanzengesetzes habe die Gesellschaft Anspruch ans Neu Veranlagung (rückrechnende Goldveranlagung), weshM die Bitte gestellt wird, die angefochtene Bemessung außer Kraft zu setzen und eine neue Veranlagung nach dem GoMilanzengesetze votHunehmen. Der Berwaltungsgeirchtshof erkannte auf Abweisung der Beschwerde und hob in der Begründung hervor, daß nicht jede Differenz, die sich im Beranlagtmgsvevfahren zwischen der Steuerbehörde und dem Stenerpflichtigen ergibt, zn dem Verlangen berechtigt, daß eine Nenveranlagnng unter entsprechender Anwendung der Bestimmung des GoMilanzengefetzes dnrchgeführt werde. Dieses unter A n >s ch I n ß einer G o l d e r ö f f n u n g s b i l a n z zu stellende Begehren habe vielmehr zu Voraussetzung, daß die Bemessungsgrundlag« hinsichtlich der Bewertung abweichend von dem Bekenntnisse oder von den im Zuge de.s Verfahrens gemachten Angaben angenommen wurde, was hier nicht der Fall war. Der Anlaß der Anfstellmtg einer Eröffnungsbilanz bestehe nur bei Fortdauer der Gesellschaft, nicht aber bei der; Liquidierung. Die beschwerdeführende Gesellschaft sei daher nicht ■ berechtiat, die rückrechnende Goldvevanlaaung zu verlangen. Liebe geht durch die Stiefelsohlen. Ein höherer, in der Gesellschaft von Belgrad sehr bekannter M i n i ste r i a lb e a m t e r wollte kürzlich einett Ball besuchen und schaffte sich zu diesem Zivecke ein Paar neue Lackschuhe au. Als er die Schuhe anziehen wollte, bemerkte er, daß der rechte Schuh! fehlte. Seine Wirtin, eine hübsche junge Witwe, konnte ihm über die Verbleib des Schuhes keine Auskunft gelben und so blieb dent tanzlustigen Ministerialbcamtcn nichts anderes übrig, als ein Paar alte Lackschuhe zum Schuster zu tragen, mm sie >cmffrischeu zu lassen. Zu feinem größten Erstaunen fand er aber in dem Laden des Schusters seinen in Verlust geratenen Lackschuh, - jedoch int äußerst desolaten Zustande. Der Schuster erzählte ihm nämlich, daß er auf Geheiß einer Frau, deren Name mit dem * der Wirtin des Ministerialbeamten identisch war, die Sohle vott | dem neuen Lackschuh habe abtrennen müsset!. Wutschnaubend eilte mm der Untermieter nach Hause und stellte seine Wirtin, zur Rede. Sie wollte jedoch mit der Sache nichts zu tun gehabte haben-und so entschloß sich der Erzürnte zur Anzeige. Vor Ge-; richt gestand die Wirtin jedoch, daß sie ihre» Mieter seit langem i ans tiefster Seele liebe, ohne Gegenliebe gefunden zu haben.i Eine Zigeunerin halbe ihr geraten: „Nimm den rechtete Schuh j dessen, den du liebst, reiße die Sohle davott ab und gilb jebett ' Morgen etwas von der Sohle in beit Kaffee des Angebeteten.; Er wird dann ■ dein Zukünftiger werden." Die liebende Witwe l wollte jedoch nicht, daß ihr Idol eine alte Stiefelsohle essen! solle Und so habe sie die Gelegenheit benützt, ihm schmackhaftere,! nämlich uitgetragene Stiefelsohleu, vorzusctzen. Der unerreichbare Mann verzieh der unglücklich Liebenden — seinen Zweck hat aber > das Wundermittel-nicht erfüllt. 3n der Pariser „großen öder". Paris, anfangs August. Es ist gar nicht so leicht, in den Tagen der Inflation Eintritt in die „Nationalakademie für Musik und Tanz" — dies der offizielle Titel der Oper — zu erlangen. Der Direktor der Oper erzählt mir, daß sie täglich ausverkauft ist und erklärt es für atlsgeschlossen, mir für eine Aida-Vorstellung am gleichen Abend Karten zu verschaffen. Von dem Besuch einer Wagner-Aufführung — am nächsten Abend spielt man „Tannhäuser" — rät er selbst mir ab und empfiehlt mir den Besuch der Oper „S a m s o tt it tt <b Dalila" von Saint-Saens, für welche er mir in liebenswürdigster Werse Billette zur Verfügung stellt. Die Oper behandelt bekanntlich den biblischen Stoff von Simson, dem strahlenden Helden, der von Dalila, der üppigett Philister-Schönen uingarnt wird. Sie heuchelt Liebe, entlockt ihm das Geheimnis seiner Kraft und schneidet ihm seine Locken ab. Daraufhin stürzen sich die Philister auf den geschwächten Riesen, blenden ihn und verhöhnen ihn bei einer Siegesfeier. Doch er betet noch einmal inbrünstig zu Gott, und preßt sodann die Hauptsäulen des Tempels mit solcher Gewalt an sich, daß der Bau znsammenbricht ttnd Simson, die buhlerische Dalila und die feindlichen Philister unter sich begräbt. Saint-Saens war nicht der erste, welcher den Simsonstoff dramatisch gestaltete. Schon im Jahre 1677 gab es in Bologna eine Simson-Oper, im Jahre 1709 brachte Christoph Graupner, ein berühmter Zeitgenosse Bachs, in Hamburg seine Simfon-Oper zur Erstaufführung, der Simson von G. F. Haendel ist bis heute jung geblieben, und der Franzose Rarneau bemächtigte sich gleichfalls dieses Stoffes. Die Simson-Oper von Saint-Saens, dent übrigens die Gesamtausgabe der Werke.Rameaus zn danken ist, erlebte ihre Erstaufführung nicht in Frankreich, sondern durch Franz Liszt in Weimar im Jahre 1877. Im deutschen Spielplane vermag sie sich auf die Dauer nicht zu halten, da sie trotz mancher dramatischer Einfälle — so die sinnlich schwüle, in allen Konzerlsälen gesungene Dalila-Arie — int Grunde oratorienhaft ist. Das al-ttestamentarische Milieu ist in den Tätrzen uttd in dett Chören unter Zuhilfenahme des gregorianischen Chorals mitunter glücklich nachentpfttttdett, wie sich ja Saint-Saens überhaupt — auch in seinen Chorwerken „Die Sintflut" und „Das gelobte Land" — durch orientalische Stoffe angezogen fühlte, doch der züttdende drantatische Funke fehlt auf der Szette wie in der Mttfik, welche das tragische Geschick des Helden oratorienhaft in Rezitativetl und in der Chorlyrik erzählt und keinerlei weder trtotivische noch auch sinnlich-fühlbare engere Bande zwischen Samson uttd Dalila zu schlingen vermag. Auch..die Aufführung der Pariser großen Oper trägt tticht daztt bei, das dramatische Fetter zu schürett. Man hört ein voll und ttamentlich in dett Bläsern weich klingendes Orchester, und vernimmt schöne, weiche unpersönliche Stimmen — sehr gut Herr P e r r e t als Sintsotl, tadellos elegant Herr Grovlez als „Chef d'orchestre" — man sieht schöne Frauett, eine schöne Szene, doch man verntißt jede schärfere Charakteristik. Alles itt allem eine lauwarme Temperatur, keine dramatische Siedehitze! Die Ballerinnen trippeln zierlich herum und wenn der Palast zusammenstürzt, legen sie sich gleichnmtig itt ntalerischen Gruppen nieder. Es ist eben alles auf die äußere Elegattz des Pariser Salons angelegt, auf der Bühne wie int überfüllten Zuschauerranm, in welchem trotz Sommerszeit die Damen über dem Abendkleid das Pelzcape, die Herren vielfach Frack und Zylinder tragen. So verlangt es die Generationen zuvückreichende Tradition der ttach den Plänen von Garnier erbauten Oper, welche mit ihrett 2158 Plätzen und ihren fünf Rättgen, rot verkleideter, vergoldeter Logen, an Fass-ungsraum eines der größten, an Umfang das allergrößte, an Prunkentfaltnng das reichste Theater der Welt ist. Ueber eine zehn Meter breite Haupttreppe, bereit Stttfen ans iveißem Marmor und deren Gelände ans algerischem Onyx sind, gelangt tttmt in das berühmte Foyer mit venetianischen - Mosaiken, riesigen Wandspiegeln, kostbaren Kanritten und ■ die Musik und die Mttsen Vevsinnbildlichetrden Gemälden. Von hier führt eine Verbindnngstüre in das abends geöffnete . Opevnmuiseunt, in welchem allerlei Erinnerungen an j französische Opern-komponisten, ferner Thcatevkostüme und - interessante Bühnenmodelle ausgestellt sind. Ueberall die Betonung des Eleganten, des Dekorativen, i des Mondänen der Weltstadt, doch die vornehme Abgetönt-1 heit des Wiener Operntheaters und die andächtige Stille > des Wiener Stammpublikums sucht man hier vergebens., Der Pariser will nicht nur hören und sehen, sondern auch i gehört und gesehen werden, er kommt spät ins Theater. ■ unterhält sich dort itt seiner Loge ziemlich ungeniert spart seine Ausnterksamkclt für die „grande szene" und für die Darbietungen des Balletts auf, welche heute für den j Qpern-Hwbitue noch genau so unentbehrlich sind wie zu der! Zeit, da Wagner feinen „TannHäuser" für Paris neu: bearbeiten mußte. „Tannhäuser", ja die ganze Wagnevsche Qpevnwelt,, gewinnt übrigens immer mehr in Paris an Boden. Auch! Reprisen anderer deutscher Opern sind siir die nächste Saison : in Aussicht genommen, so vom „Freischütz" anläßlich der > Weber-Jahrhundertseier, ferner von „Armida" von Gluck,; der in Paris als Halbfranzose gilt, gleichwie Meyevb«?er als; Franzose oder Ha endet als Engländer. Neben Noprisen von - Weber und Glttck, von Massenet (Ariane), Lalo, Chabvier und anderen Franzosen sind . tticht weniger als tt e u n Novitäten — was sagt daztt die Leitung der Wiener Staatsoper! — für die nächste Spielzeit angssetzt. Darmtter Richard Strauß' „Rosenkavalier", französische Opern von Raoül Brussel, M. Cantelaube, Maurice Emmanuel,! Philippe Ganbevt, M. Lazzari und Andre Messager, ferner ein Ballet von Paul Ladmirault und schließlich die alte russische Oper „Der goldene Hahn" von Rimsky-Korsakow,! welche wir der Direktion des Wiener Operntheaters angelegentlich empfehlen, Erwin Felder.