Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2682 (11.8.1926)
- Date
- 1926-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Polen: aS ttroig» l ' vV cn: ZnmAbhölen in dir ■ i.xpcditlon, IL Taborstf. 1-3, ode« in einet Verschleisstelle ' Trafik) monatl. 6 Schilling Straasenverkaui In Wien - durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, Wollrelle 11 . Mit Poslversand für Wien : und Oesterreich monatlich 5 Schilling . i s cn e ch o-Slowakel: Mot). K 22. Jugoslawien: Mon. Din, 60. Polen:Mon. 6 Zloty. Deutschland: Mott. Öm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 N.eiKahltitiaeii bet Freia« c - " 6 k »>», t « vttfhehaltee Rr. 2682 Wiener orgenxettimg fffirl'li.m a"'l England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 20 Lite: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien sMon.IOOLewta Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43*3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25*2*82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) wmnm irreal ~mr iUäm ■*»**^» nimr - im rr r*“ir^“ Wien. Mittwoch, 11. August 1926 Öesterrelchisches Postspai* kassett- Konto Nr 150.R0*- 8. Jahrgang Der Versailler Kongretz. Ser Regieningsenilvurs mit 671 gegen 144 Stimmen angenommen Lürmszenen der Kommunisten und Sozialisten. — Große Mehrheiten für Poineare. X. Paris, 10. August. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesehtes e gekennzeichnet. Set englische Bergarbeiterstreik geht Wetter. Die VermUtlimgsvorschläge der anglikanischen Bischöfe abgelehnt. London, 10. August. Der Vollzugsausschuß des Bergarbeiterverbandes trat heute unter Vorsitz Herbert Smiths zusammen, um von dem Ergebnis der Abstimmung in den Bergbaubezirken über die Vorschläge der anglikanischen Bischöfe zur Beilegung des ° Grubenkonfliktes Kenntnis zu nehmen. In einem nach der Sitzung veröffentlichten Communique wird mitgeteilt, daß die Bergarbeiter die Barsch läge der Bischöfe abgelehnt haben und daß naher für nächsten Montag eine neue Delegierten-!.o u f e x e tt 5 nach London e irr berufen werde. Ein Attenlat aus dem Premierminister des Fral. ' Bagdad, 10. August. Der Premierminister des Irak ist ans dem Wog zum Amt von einem Angestellten der Zollverwaltung überfallen worden, der ihm mit einem R a s i e r m e sser verschiedene S ch n 111 w u nd e n an der Wange, der Stirn und am Arm beibrachte. Der Täter wurde verhaftet. Der Premierminister, der ins K r an k e n h a u s überführt wurde, befindet sich auf dem Wogender Besserung. Die Tat ist anscheinend ein persönlicher Racheakt des Angestellten. Dr. Weizmann und die amerikanischen Zionisten. New-Zork; 9. August. (I. T. Ä:) Der . Leiter ides Palästi n ad r ive s in Amerika, Mr.Lmarurel N ewman, äußerte sich..cher ' Jüdischen Telegraphenagentur "gegenüber die Resultate der'Lolkdon-ex^Attionskotni-tpetagung und begrüßte'lebhaft, daß auch'in die zionistische Bewegung der Geist von Locarno eingezogen ist. Er trat mit aller Entschiedenheit den Gerüchten über eine Spannung.zwischen Dr. Weizmann und den Führern der anteMnischen Zionisten entgegen und 'betonte, daß diese Beziehungen herzlicher sei e n d c n n j e. Die Z e ntrunlsgruppe ist entschlossen, die Exekutive energisch zu stützen. Tie besten Aussichten bestehen für die Göldaktion >im kommenden Jahre. Rahum Sokolow bei Lord Plumer. Jerusalem, 9..August. (I. T. A.) Der Prälsildent ^der Zionlitischen Welt exekutive, N a h u m S o k o l o w, wurde bald nach seinem Eintressen in Palästina vom Oberkonmrissär Feldmarschäll Lord Plumer in Audienz empfangen. Svkölow verbleibt einige Wochen in Palästina. Die Kämpfe in Syrien. London, 10. . August. Nach einem Telegramm aus Jerusalem haben die Führer derHlufftändischen in Syrien erklärt, daß sie den Kampf so lange * fortsetzen werden, bis sie ihre Freiheit und U n a b h ä n g i g f e i t erilangt hätten. Zur Alinahmc von v e r st ä n d i g e n B e d i n g u n g e n seien sie jederzeit bereit, sie verlangen jedoch die sofortige Einstellung der Fliigzcngangriffe auf ihre Dörfer. Die Djebeildrusen allein hätten durch Lnftbcmben 500 Frauen und Kinder verloren. Der bekannte Dr. C h a b b a n da r befindet sich bei den Aufständischen. Auf seinen. Kops sind 5000 Pfund gesetzt. Ein Ma)ln,. der vom' fränMschen G e h «i m d i e n st den Auftrag erhallen hatte, ihn zu efeitigen, wurde von Aufständischen gefangen g e n v M m en u n d ge töte t. Perfisch-ruffische Annäherung. London^ 10. August. Die „Times" berichteil aus Teheran, öle Wirkung der militärischen Revolte in As er b e i-d'scha n und Khera sa n werde jetzt deutlich. Ter Schah werde anscheinend gezwungen,.mit der S ow j e t r eg i eru ng zu einer Reg e l u n g z-u kommen. Er werde den Hofminister Mirza Khan T-iinnriasch in Sonderüiisfion nach Moskau entsenden, 'wo er in Anwesenheit des Sowjechokschafters und des Botschafters der Türkei in Persien über die! Regelung der ausstehenden Fragen verhandeln werde. Mirza Khan Timnriasch beabsichtige, von Moskau nach Angora zu gehen. Es sei nicht unmöglich, daß ein Vertrag mit der Sow j e t r eg lern n g auf derselben Grundlage wie der p e r s i s ch-t ü r 1 ische Vertrag unterzeichnet werde. Der privake Dollarkurs in Polen. tt. Warschau, 10. August. Der Dollar notierte heute tm prioaien Berkehr in W a r s ch a u uud Krakau 9 (K Poineare ist seiner Mehrheit sicher. Das zeigen die wiederholten Abstimmungen auf dem Kongreß, die immer eine sehr starke Majorität für die Negierung ergaben. Trotzdem aber wird der Sieg nicht leicht sein, da die aus den Sozialisten bestehende Opposition sowohl gegen den Antrag der Regierung als auch gegen die Institution des Kongresses erbittert ankämpft. Da die entscheidenden Beschlüsse erst Samstag nachts gefaßt wurden, standen für die Borbereitungsarbeiten nur zwei Tage zur Verfügung. Es mutzten die Bureaus, Buffets, Postämter und Empfangsräume für den großen Tag hergerichtet werden. Aus der umfangreichen Anlage dieser Installationen erkennt man, daß die Regierung selbst sich auf mindestens zwei Tage des Kampfes gefaßt macht. Biele Hunderte von Automobilen fuhren heute früh nach Versailles. Das Publikum zog schon seit 7 Uhr zu dem historischen Schlosse, dessen Umgebung durch starke Aufgebote der republikanischen Garde in Paradeuniform besetzt war. Mit großem Beifall begrüßte die wartende Menge ihre Lieblinge. Diesmal zählte auch Poineare zu ihnen und er wurde mit lauten Ovationen empfangen. In den Galerien des in Rot, 'Gelb und Gold gehaltenen Prachtraumes drängt sich alles, was Name« und Rang hat; für die G 8 st e aus den Valutaländern war ein Heer von Agioteuren in Bewegung gewesen. Das diplomatische Korps war vollzählig zur Stelle. Der Verhandluygssaal wimmelte b o n M e ttf% e tt. E 900 Mitglieder. v-^. Pünktlich um halb 10 Uhr erscheint der Senaispräsident Marquis de S a l v e s, der nach dem Herkommen den. Kongreß leitet. Die Eröffnungsformalitäten werden kaum gehört, die Opposition setzt sofort mit tobendem Lärm ein, als der Präsident ihre Anträge zur Geschäftsordnung überhört und das offizielle Reglement für angenommen erklärt. Dieses Reglement stammt aus der Nationalversammlung vom Jahre 1848. Es gibt gleich zu Beginn eine Abstimmung, die bereits die Gruppierung der beiden Häuser erkennen läßt. Ein kommunistischer belangloser Antrag wird mit 691 gegen 175 Stimmen abgelehnt und sodann ein Antrag auf Beschränkung der Rednerzahl und Redezeit nach kurzem Für und Wider mit 515 gegen 347 Stimmen angenommen. Großer Lärm und Pultdeckelkonzert bei den Kommunisten, heftiger Applaus bei den Regierungsparteien. Dann tritt einigermaßen Ruhe ein. Poineare hat das Wort. Er ist in feierlichem Schwarz und wahrt gegenüber den Zurufen der Kommunisten kühle Haltung. Er spricht nur wenige Worte, verliest seinen Antrag und fordert für ihn die Dringlichkeit. Der Antrag läutet: „Das Verfassungsgesetz vom 25. Februar 1875 wird wie folgt ergänzt: Die Autonomie der Kasse zur Verwaltung der Bons der nationalen Verteidigung und zur Amortisierung der öffentlichen Schuld trägt verfassungsmäßigen Charakter. Ihr werden bis zur vollständigen Amortisierung der Bons der nationalen Verteidigung und der durch die Kasse verwalteten Wertpapiere zugewiesen: " 1. Die Einnahmen ausdem Tabakverkauf. 2. Der Ertrag der einmaligen Steuer beim Eigentumswechsel, der Ortschaftsstyner und dev freiwilligen Abgaben.; 3. Im Falle, daß die aufgezählien Mittel nicht für die Verwaltung der der Kasse überwiesenen Fonds genügen sollten soll eine entsprechende Annuität in das B u d g e t ausgenommen werden." Die Dringlichkeit wird durch einfaches Händeaufheben beschlossen. Der Antrag geht an den Ausschuß. Nun soll d e r Ausschuß gewählt werden. Die Gemüter erhitzen sich, die Debatte wird schärfer. Schließlich — gegen Mittag — einigt man sich. Aus den Finanzausschüssen des Senates und der Kammer, die zusammen 77 Mitglieder zählen, sollen von diesen Ausschüssen selbst 30 Mitglieder ausgewählt werden. Der Antrag wird mit einer gewissen Befriedigung angenommen. Ist doch der Kampf damit in. die Couloirs verlegt. Die äußerste Linke manifestiert Aufregung, aber nur wenige Minuten, nur um sich selbst zu genügen. Die Reihen lichten sich, die Türen sind in unaufhörlicher Bewegung. Der Präsident schließt die Sitzung. Fortsetzung nachmittaaS- Um 3 Uhr trat der Kongreß wieder zusammen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärte Präsident de Selbes, daß die inzwischen aus 20 Abgeordneten und 10 Senatoren gebildete Kommission in einer Stunde ihre Berichte vorlegen könne. Er schlage daher vor, die Sitzung bis 4 Uhr 15 Min. auszusetzen, ein Vorschlag, der auf der Linken, vor allem bei den Kommunisten größtenLärmundheftigsten Widerspruch auslöste, der aber schließlich in sich selbst zusammenbrach, als der Präsident seinen Platz verließ. In der Sitzung des Ausschusses der Nationalversammlung, zu dev Poineare erschienen war und die bis 6 Uhr abends dauerte, wurde der Entwurf mit leichten redaktionellen Aender ungen, die besonders den Paragraphen über die Ueberweisung von bud- 'getären Einnahmen an die Tilgungskasse betreffen, angenommen. Um 6 Uhr erschien Poineare wieder im Kongreß-Sitzungssaal und um 6 Uhr 15 Mn. auch Präsident de Selbes, der die Sichung eröffnete und dem Berichterstatter des Ausschusses Senator C h e r o n das Wort erteilte. Cheron gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß das Votum der Kommission eine Bertrauenskundgebungdes Parlaments und des Landes zur Sanierung der Finanzen bedeute. Die Nationalversammlung habe die Absicht, ihre unwandelbare Achtung vor den Verbindlichkeiten des Staates in feierlicher Weise auszudrücken, L - P ö i n e a r HMte dar, daß nur der Regierungsentwurf mit verfassungsmäßiger Garantie der Situation entspreche und imstande sei, das Vertrauen wjeder herzustellen und schloß mit den Worten: Die ausländischen Gläubiger, die Zeugen dessen sind, wie wir eifrig über dem Heil des Franken wachen, werden darin einen Beweis dafür finden, daß wir ihnen gegenüber im vollen Maße unserer Möglichkeiten unseren Verpflichtungen Nachkommen wollen. Die Kommunisten riefen einen Tumult hervor, worauf ihr Führer D o r i o t von der Sitzung ausgeschlossen wurde. Nach Dotierung der einzelnen Paragraphen erfolgte die Abstimmung über den Gesa m t e n t w u r f, der mit 6 71 gegen 144 Stimmen angenommen wurde. Der Hafenbau in Jaffa. F. Jerusalem, 10. August. Die Regierung hat zum Ausbau des Hafens von Jaffa 115.000 Pfund bewilligt. Die Arbeiten werden sofort beginnen. Sie Absetzung Kamenews. X. Berlin, 10-. August. Wie in russischen Kreisen verlautet, ist der Handelskommissär Kamenew bereits seines Postens enthoben worden. M n k o j a n, ein Freund Stalins ist zu seinem Nachfolger bestimmt worden. Mukojan' wurde erst kürzlich zum Kandidaten für den Posten eines Mitgliedes des Polilbureaus ernannt. Die Nachricht bedarf aber noch der Bestätigung. Ruhe in Rußland. Warschau, 9. August. Der hiesige Vertreter der Towjttregieruttg, -W ojko w, erklärte in einer Pressekonferenz, in Rußland gebe es k e i n e M i il i t ärrevolten; die hierüber verbreiteten Nachvichten seien in allen Stücken erfunden. Dze risch i n sky sei eines natürlichen Todes gestorben. Schließlich sagte WoMv, Tschit scher in werde sich demnächst - ans Gesundheitsrücksichten nach einem w e ste u r o p ä i s ch e n Badeort begeben. . - BorlSufig lein Rücktritt PNsudrNs. L. Warschau, 10. August. Marschall Pilsndski wird ivorläufig von der Führung des Kri-egsministeriums nicht zurück; treten, weil noch verschiedene politische Fragen zu klären sind. Erst wenn dieser Grund weggefallen ist, wird er sich ganz der 'Reorgarusation der Armee widmen. In diesem Falle würde General Rydz Smigly seine Nachfolgerschaft übernehmen. knde des Lodzer Streiks. L. Warschau, 10. August. Gestern wurde der ^Streik der städtischen Angestellten in Lodz liquidiert. Ein Ausschuß wird Lch mU ihp.u Forderungen bLlckäitiaen.