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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-09 · Heft 2680 (9.8.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2680 (9.8.1926)
Date
1926-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IPoleiii äiänwkfl j Wien: ZamAbhottnInder | EtptdÄOfl, 1*3, i oder m einerVcrsiWeJiatefte! HVaflk) rnonatl. 5 Schilling Strassenvekauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied,! u Woileeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling ischeehO'Slowflkel: Mon. K22. Jugoslawien: i Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belg1* ^on. FrcS, 35 Nicrte«' e - n n i.. l.e) Fr«»#» r«rh(>lt*lim orgenseitmia iPron affal En g 1 a n d: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 20 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien jMon.lOOLew«. Schweiz und das übrige Anstand monatheh Fies, ö Redaktion, Administration: Wien, II. Taborair. 1 Telephone: 44*0*38,43*3*19 Ab 6 Uhr: 24-102, 25*2*82 DL, Unlversttfftsstf&sse 6*8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterrekhisches Postspai* kassen * Konto Nr. 150.69'- Nr. 2880 Wie«. Montag. 9. Aagaft 1928 8. Jahrgang Der Magdeburger Zuftizstandal. Der Drahyieher hinter den KnNffe». — Warum Schrödter sein SeMudnis zurückzog. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch elu vorangesetztes E gekennzeichnet. Mißlungener Attentat gegen Pangaior Der griechische Diktator unverletzt. — Der Täter geistesgestört. Achen, 8. August. Gestern ist in Spetsae, Ivo der Präsident der Republik, P <i n g a l o 3, zum Somnteraufenthalt weilt, einAttentat gegen ihn verübt worden, das glücklicherweise m i ß l u n g e n ist. Ein Mann, namens A ii d o n o p o ul os, versuchte den Präsidenten, als dieser gegen 2 Uhr nachmittags im Hotel Poseidoueion frühstückte, zu ermorden. Der Versuch tvurde jedoch im Augenblick, als der Attentäter den Schuß abgeben wollte, verhindert. Der Mann wurde verhaftet und gestand seine Absicht zu. Nach amtlichen Mitteilungen ist der Attentäter, der ein Traubenhändler sein soll, ein g e i st e s v c r m i r r t e s Jnd i v i d u u indas schon w i e d e r h o l t h e st r a f t wurde, darunter wegen Ermordung eines'Gendarmerieossiziers, und aus dem Gefängnis entwickln ist. Alles deutet daraus hin, daß es sich nicht um ein organisiertes A t t e n t a t, sondern um die Einze'lhandlung eines Geistesgestörten handelt. In Athen und in g a n; Griechenland, wo lebhafte Entrüstung über den Attentäter herrscht und Sympathiebczeigungen für den Präsidenten erfolgen, herrscht v o l l st ä n d i g e R u h c. Berlin, 9. August. Die „Welt am Montag" meldet aus Warschau: Nach Dlättermeldnngen aus Moskau hat M e nschinski einen Befehl zur Verhaftung Sinowjews erlassen. Eine offizielle Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor. . Me Unbems«»^ ^r MnzMchen Rational- Paris, 8. August. Das '„Journal officiel" enthält heute die Ankündigung' der Einberufung der Nationalversammlung für das Jahr 1920. Die Eröffnung der Sitzung beginnt danach am 10. d. um halb 10 Uhr, vormittags. Auf der Tagesordnung steht: Einfügung eines Artikels in die Verfass int g. Der Kampf um die Bölkerbnndratsßtze. Paris, 8. August. „Excelfior" schreibt, trotz den Bemühungen BriaNds und Ehamberlains bei Brasilien, S p a n i c tt und Polen sei zu befürchten, daß der Völkerbundrat im S e p t e tn b e r auf die gle ich e n S ch w i c r i g k e i t c n Wegen - der ständigen Ratsitze stoßen werde wie bisher. Der brasilianische Delegierte beim Völkerbund, Mello Franco, erklärte dem Berichterstatter des „Excelsior", er werde sich nur zu dem Zwecke nach Genf begeben, um seinen Kollegen Besuche äbznftatten, Brasilien werde jedoch in der Septem b e r t a g'u n g nicht o e r t r e he n sein. . Der Bürgerkrieg in Oina. London, 8. August. Das Reutersche Bureau meldet aus Kanton: Ter Generalstab der Trtlppen. von Kanton hat an die Regierung von Kanton ein Telegramm gerichtet, worin er mitteilt, daß die Truppen Wupeifus an der T s ch a n g t s e f r o n t geschlagen worden seien und daß sich der Feind in nördlicher Richtung zurückziehe. . Wie das Reutersche Bureau weiter' meldet, fand gestern!ine große D e m o n st r a tsi o n gegen hie, Wiedereröfsuuug der Pekinger Taräfko rpf erenz statt. Die Konferenz wird als Mittel betrachtet, einen K r i c g s f o n d s für die Unternehmungen Pekings, gegen die Regierung von Kanton zu schaffen. Sie Bedingongen der slowakischen Bolksvarkel. Die Slo-vaLei den Sloüvnken. Hobza mr Stelle Beuosch'. Prag, 8. August. Wie „Pravo Lidu" meldet, verlangt >ie slowakisch« Volkspartei als Gegenleistung für ihren eventuellen Eintritt iv «ne künftige. tschechoslowakische Bnrgtzrblocboegjernug, der Kurs der künftigen Regierungspolitik in der Slowakei ui«ff« sein: Die Slowakei den Slowaken! Das A ck e r b a u m i n i st e r i u m müßte einem slowakischen Bolksoarteiler übertragen' »verden; als Kandidat werde der Abg. I N r i g a vorgefchlagen werden. Das A u ß o n m i n i st e r i u m müsse Dr. venefch woggenommen . werden. Dr. Benesch dürfe unter keinen Umständen auf seinem Platze bleiben. AU Kandidat Jöi das Außenministerium wäre den Volk^nttivÄe« Hedza genehm. K. Berlin, 9. August. Der heutige „Montag-Morgen" läßt sich von seinem Sonderberichterstatter aus Magdeburg interessante Enthüllungen über die hinter den Kulissen des Magdeburger Jnslizskandals sich abspielenden Vorgänge berichten. Danach ist der Mann, der hinter denr Untersuchungsrichter Kölling steht, der Landgerichtsdirektor Hofmann, der schon im Ebert-Prozeß seine Hand im Spiele gehabt hat. Er ist ein wohlkonservierter 60jähriger Junggeselle und wird in Magdeburger Gerichtskreisen ganz allgemein der „F ü r st" genannt, nachdcnr er noch vor wenigen Jahren der „Prinz" geheißen hatte. Bis zum 1. August )var Hofmann Vorsitzender der Beschwerdekommrssion, die über die H a f t b c s ch w e r d e des Haas zu entscheiden hatte. Bis zu diesem Tage konferierte er oft und oft mit Kölling und wure bei, obschon er sich gerne der Beobachtung entzogen hätte, wiederholt gesehen. Seit 1. August ist Hofmann auf Urlaub, aber ist nicht Werg e fahren und konferiert mit Kölling noch häufiger als vorher. «Ae .,Ari"-Kvrlserenz in Berlin. K Berlin, 8. August. Im Herrenhaus begann heute die allgemeine ,^)rl"-Konserenz. Es waren 53 Delegierte ans den verschiedensten Ländern, auch aus Amerikaanwesend, ferner viele.-.Gäste, darunter Vertreter des Berliner Magistratesder zionistischen ' Vereinigung.^der,,OiidisMl Hemeinde..usw.. Den Vorsitz -führte zuerst' Herr Brom so n. Als er seine Begrüßungsrede in deutscher Sprache begann, wurde er schon nach den ersten Worten durch die'stürmischen Rufe: „Jüdisch!" unterbrechen. Es ivar eine Art Obstruktion die.cm bundistischer Delegierter ans Wilna, name.ns -Werpileskan, führte. Die Szene war eine peinliche Ueberr-schung für die Leitung des „Ort", des Verbundes, der die Stütze der Jüdischiften ist. Bramson konnte nur mit Mühe seine Rede zu Ende führen. Sodann wurde Herr Klein mann (Dresden) zum Vorsitzenden gewählt. Es folgten d(e verschiedenen Begrüßnngsankprachen, so von Dr. T r e i t e l für den Berliner Magistrat, Dr. Br od.n i k (Zentralverein der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens), Senator („Joint"), Paul Nathan, Kurt Bin mens.eld namens der zionistischen Vereinigung, Alfred Berger (Welthilfskonferenz und Poale Zion). Brodnik und Paul Nathan ' unterließen es nicht, in recht durchsichtigen Worten gegen die zionistische Anschauung zu polemisieren. Beide erklärten, daß die Fragen der russischen Juden nur in Rußland gelüst werden können, da Amerika verschlossen und Palästina zu klein sei. Ihnen antwortete Kurt B l n m e n f e l d, der Vorsitzende der zionistischen Vereinigung für Deutschland; er führte aus, daß die „Ort"-Konfcrenz nicht der Ort sei, um geographische Fragen zu behandeln. Er wandte sich sehr scharf gegen die von den Vorrednern ausgesprochenen Gedanken, deren Ausführung für das Judentum zur Lähmung in der Auswandererfrage führen müßte. Der von Herrn S i n g >a l o w s k y vorgelegte Rechenschaftsbericht teilt mit, daß die Ausgaben des „Ort" 780.000 Dollar betrugen, von denen der „Ort" selbst 420.000 Dollar aufgebracht hat. Er unterstützt gegenwärtig 13.500 jüdische Familien, die der Landwirtschaft zugeführt wurden. Da> auch die Rede Singalowskhs durch die lärmenden Zurufe ,Jüdisch!" gestört wurde, sah er sich genötigt, im Namen der Exekutive zu erklären, daß sie beschlossen habe, die Eröffnungssitzung in deutscher. Sprache durchzuführen, damit die deutschen Freunde alles verstechen könnten, n>as gesprochen wird. Professor Schneurson nach Berlin berufen. K. Berlin, 8.. August. Die medizinische Fakultät der Berliner Universität hat aus Antrag des Professors Czerny beschlossen, den jungen russisch-jüdischen Psychiater Professor Schneurson für sechs Monate als Lektor nach Berlin einzuladen. Pest in Koaftantinovel. London, 8. August. Nach einer Meldung aus Konstantinvpel sind in Stambul zwei Fälle m\ Pest festgestellt worden. Am Freitag den 6. d. wurde Schröder durch Kölling von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends einverno^unen. An diesem entscheidenden Tage weilte .Hofmann von halb 10 U h r bis 6 Uh r, mit 'Ausnahme einer kurzen Mittagspanse, n n u n t c rbrochen bei Kölling. Er wair während des Bsrhörs zugegen. Am Abend zog dann Schröder sein G e st ä n der i s zurück.. > In aller Stille ist bei der S t a a a t s a n w a l t s ch a f t Brest a n gegen Rudolf Haas die Anzeige er statt et worden, er habe im Vorjahre eine der seither stillgelcgten Zuckerfabriken der Firma in der Nähe von Breslau in Bra nd g e st e ck t um einen großen Versicherungsschwindel zu begehen. Ter Urheber dieser Anzeige soll der - ,i deutschrationale Abgeordnete von Kreuzberg, Dr. Arldt, sein, früher Direktor d e r F i r m a H a a s. Was diese Brandstiftungsanzeige anlangt, war die Fabrik nur ans ein. Viertel ihres Schätzungswertes versichert. An eine unterher-. sicherte Fabrik aber wird wohl kein Bersicherungsschwindler' Brand legen. Scheckbetrug an einer Wiener Bank. Samstag vormittags' präsentierte bei der Zentrale eines Wiener Banihauses em sehr. eleganter Mann einen Scheck aus- 52.000 tschech. Kronen, der von der Grazer Filiale dieses Instituts am 5. August an eine Bankfirma in Prag für einen Ernst Feld mann in Wien ausgestellt war. Der Sche'ch schien vollkoinmen in Ordnung.zu gehen und wurde sofort ä nstä ndsl o. s hon o r i e r t. Erst im Laufe des Vormittags kam .man darauf, daß er g e f ä l s ch t war. Die Grazer Filiale hatte ihn zwar tatsächlich an eine Prager Bankfirma aber nur ans 308 tschech. Konen und nicht auf den Namen Erbst Fe'ldmann, sondern zugunsten des Präsentanten ausgestellt. Ter Mann, der sich Ernst F e l d m a n n nannte, hatte nach den polizeilichen Erhebungen tatsächlich in der Nacht vom 5. auf den 6. August in einem Grazer Hotel logiert und bei der Grazer Bankfiliale im ganzen .zwei Schecks, einen aus 308 und einen auf 234 tschech. Kronen gekauft. Er prälsentiertc bei der Wiener Zentrale zuerst den guten Scheck, um sich als honorige Kunde einzuführen; beim nächsten Besuch gelang ihm dann der Betrug leichter. Die Erhebungen zur Ausforschung des. Fälschers sind eingeleitet. Das rasende Motorrad. Ein tödlicher Unfall. Samstag nachts ereignete sich in Hietzing ein schwerer« Motorradunsall. Der 37jährige Tapezierermeister Josef C i P e k fuhr mit seiner Beiwagenmaschine durch die Lainzerstraße stadtwärts. In seiner Begleitung befanden sich die Strickerin Josefine F ö r st e r und die Beamtin Adolfine R i e d m ü l l e r. An der' Biegung der Lainzer- und Gloriettestraße raunte das Motorrad in rase nd em Tempo gegen einen gtcßeisernen Wasserhydranten mit solcher Wucht an, daß alle drei Personen auf die Straße stürzten. Cipek erlitt einen schweren Schädelgrundbruch und ivar nach wenigen Minuten tot. Die Förster trug Wunden am Kopf, uni) eine Nervenerschütterung, die Riedmüller einen Brtlch des Jodcheines, mehrere Rißwunden, und eine Gehirnerschütterung davom Die Hietzinger Retttmgsgescllschaft brachte die beiden Fratren ins R o ch u s s p i t a l. :u , r. Bor dem Haust Klosterneuburgerstraße 44 ist gestern der 30jährige Vertreter Josef Schimmel, der auf seinem Molorrade A XX'H 383 fuhr, nti: dem 16jährigen Tischlerlchrling Karl B ö h m, der auf einem Zweirad saß, zus a m m e ng e st o ß e n. Beide fielen von «den Rädern; Böhm wurde am Halse, im'Gesicht und am Gesäß schwer, Schimmel au den Knien leicht verletzt. * Die 30jährige Schneiderin Luise Schöbinger. wurde gestern, als sie beim 2. Tor des Zentralsriedhofes die Dimmeriuger Haupdstraße übersetzen wollte, von dem Motorrad des 49jährigen Installateurs Josef Jouak, niedergestoße»; sie' wurde mehrfach verletzt. Frau Schöbinger dürfte infolae ibrer Schwerhörigkeit die Huppeusignale überhört haben. wnyaiBffl»P

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