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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-06 · Heft 2677 (6.8.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2677 (6.8.1926)
Date
1926-08-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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* ’o. Mn» Kveitäg Wiener Moe-enzettit«- u. August IM Rr. 2677 Braut deS MSrt^rS Schroeder ergeben, daß Schroeder an Hellir^ einen Raubmord begangen hat. Aus den Aussagen der Goetze, die seit 1923 ein Verhältnis mit Schroeder unterhielt, geht weiters hervor, daß Schroeder den Tod seiner M u t t e r a u s Versehen beim Hantieren mit einem Revolver herbcigesührt hat. -er Mrder u»d seine Geliebte. Magdeburg, 5. August. Ter Angeklagte Schroeder in der Magdeburger Mordassäre -ist heute mit seiner Braut konfrontiert worden. Hiebei legte er ein vollkommenes Geständnis ab. Danach hat er H e N i ng a ls e i n e r mo r de l. Angesichts des erdrückenden Berveismatcrials, das aegerf ihn vorl-iegt, war für ihn ein weiteres Leugnen nicht möglich nnd er sagte aus, daß er H a a s niemals g e s e h e n h a b e und daß dieser als Anstifter und Mitwisser überhaupt nicht in Fragekomme. Sie amtliche Mitteilung. Berlin, 5. August. Der amtliche preußische Pressedienst teilt mit: Bor dem nach Magdeburg entsandten Berliner Kriminalbeamten Dr. Riemann und dem Kriminalkommissär Brasch Witz hat in der Nacht zum 5. August der in der Mordsache Helling verhaftete Schroeder, den der Untersuchungsrichter der Polizei zur Verfügung gestellt hatte, das Geständnis abgelegt, daß er den Buchhalter Helling aus eigenem Antrieb am 10. Juni 1925 in seiner Wohnung in Groß-Rottmersleben ermordet habe, um sich in den Besitz der von Helling mitgesührten Geldmittel zu setzen. Dieses Geständnis stimmt mit den Angaben überein, das die in Köln festgenommene G o e tz e zuvor denselben Kriminalbeamten gemacht hat. Die kriminalpolizeilichen Vernehmungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Niederschriften über das bisherige Crgebenis sind dem Untersuchungsrichter durch die Hände des Oberstaatsanwaltes in Magdeburg zugeleitet worden. Ein Hilservf der britischen Bergarbeiter. Essen, 5. August. Der britische Bergarbeiierverband hat an die internationalen Bergarbeiterorganisationen einen neuen dringenden Appell gerichtet, worin es heißt, es sei Ehrenpflicht der internationalen Arbeiterschaft, die finanzielle Aktion zugunsten der streikenden Kameraden in England wenigstens noch vier Wochen fortzusetzen, da sich in dieser Zeit voraussichtlich das Schicksal des Streiks entscheiden werde. Die polnische BerfassimgrSudmw» in Kraft ' getreten. Warschau, 5. August. Im polnischen Reichsgefttzblatt sind gestern das vom Staatspräsidenten unterschriebene und vom ganzen Kabinett gegengezeichnete Bollma ch tsgefetz und das Gesetz über die Aenderung der Verfassung, letzteres in der vom Sejm beschlossenen Fassung, erschienen. Damit ist der Konflikt zwischen Sejm und Senat zuungunsten des Senats erledigt worden. In der heutigen Senatssitzung erklärte Marschall Trompezy nski, «in eventueller Protestbeschluß des Senats sei nicht mehr aktuell. Diese Stellungnahme des Vorsitzenden wurde vom Senat bestätigt. Der Senat begnügte sich mit einer Resolution, welche die Schaffung eines Verfafsungsge ri ch tshofes fordert, der in allen Meinungsverschiedenheiten über eine Derfassungsinterpretation zu entscheiden hätte. Sodann vertagte Ich der Senat bis Mitte September. Das Ausiöndergesetz ln Pole«. L. Warschau, 5. August. In den nächsten Tagen wird die "Regierungsverordnung über die Ausländer erscheinen. Diese Verordnung steht, wie schon gemeldet, vor, daß jeder Ausländer, der nach Polen kommt, einen Paß besitzen und sich innerhalb 24 Stunden nach feiner Ankunft melden muß, doch muß dies nicht persönlich geschehen. Der Ankommende ha-t sich jedoch persönlich innerhalb acht 'Tag e n bei der Behörde erster Instanz zu melden. Eine gewisse Kategorie von Fremden kann durch eine Verfügung des Ministeriums von dieser Pflicht befreit werden und das Recht zum ft ä n d i g e n Aufenthalt in Polen erhallen. Die Verordnung gibt weiters der Behörde erster Instanz das Recht, Ausländer ausznweisen. Der Rekurs an den Moiwoden, beziehungsweise an den Minister des Innern har keine aufschiebende Wirkung. Nur bei Personen, die das Aufenthaltsrecht erhalten haben, mach die Verfügung bis zur Erledigung der zweiten Instanz ruhen. Diese Verordnung betrifft jedoch nicht das Aufenthalts re cht von Handelsagenten und Kaufleuten, da diese Frage Gegenstand der noch laufenden Verhandlungen mit Deutschland bildet und erst später durch eine Regierungsverordnung gelöst werden wird. Die Wahabtten. Jerusalem, 4. August. TUrier den Wahabiten macht sich eine stän.ttg wachsende Erregung über die von den englischen Behörden als Schutzmaßnahme gegen die Einschleppung von Rinderpest erlassenen Quarantänebestimmungen für die Einfuhr oder Durchfuhr von Rindvieh nach Paläst i n <i bemerkbar. Durch diese Bestimmungen wird dem Bich und den Pferden der Mahabiten, die wegen Wasserand Weidemangel nach Aegypten getrieben werden sollten, der Weg gesperrt, was zum Eingehen des größten Teites deS Viehbestandes führen nrüffe. Eine Abordnung von WaHaid i t e i: j ch e i k s ist heute hier eingetroffen, um die zeitweilige Aufhebung der QEaMrehestrmmuggen durMujetzen. Magdeburger Recht. Am Dienstag war an den deutschen Reichstag eine Eingabe der Magdeburger Richter abgesendet worden, die den'Schutz der Rechtspflege und die Wahrung der richterlichen Unabhängigkeit erbat. Diese hohen Güter waren in Magdeburg in Gefahr gekommen. Dort hatte nran in vollen Zügen die Freude genossen, endlich einen wirtlichen, wahrhaftigen Juden iutter Mordverdacht einsperren zu können. Aber die von Berlin aus eingestellten Recherchen trübten die Lust. Sie gingen nach einer ganz anderen Richtung und gerieten naturgemäß in Kollision mit der niagdeburgischen Findigkeit. Es drohte ein Fiasko und die Vereinigung der Richter rief die Hilfe des Reichstages und sein moralisches Gewissen an. Das war am Dienstag und an: Mittwoch brach das ganze Gebäude bereits in sich zusammen. Der Jude ist nicht der Mörder und er muß freigegeben werden. Das ist aber nicht nur für Magdeburg betrüblich, sondern für die Teile der deutschen Oeffentlichkeit, die sich auf den Scheiterhaufen schon so sehr gefreut haben. Der Jude hätte unterm Hakenkreuz verbrannt werdet: sollen. Und nun wird nichts daraus. Aber damit hat der Schmerz rroch nicht sein Ende. Der Mörder, den mm: diesmal nicht entkommen lassen kann, ist ein ganz besonderes Exemplar aus der ueudeutschen Auslese. In deren Kodex steht als erste Forderung die Pflicht der Menschheit, an diesen! Wesen zu genesen. Nun, dieser Schröder vereinigt alles in sich, was an hohem Streben in diesen Kreisen gerühmt und gepriesen tvird. Er ist aus demselben Holz wie Rothstock, Nowosad, Steingruber, um nur einige ans Oesterreich zu nennen — Burschen, die zum Mordpatriotismus erzogen werden, zur Verachtung der Gesetzlichkeit und zum Krieg. Sei es Krieg gegen einen inneren oder äußeren Feind, sei es Krieg überhaupt. Die oberste Gewalt ist das Messer oder der Revolver und der Mord ist eine gute Sache, wenn er nur irgendwie erklärt werden kann. Und welcher Mord hätte nicht irgend eine ans Moralische streifende Rechtfertigung? Dieser Schröder ist, wie alle seines Zeichens, ein Taugenichts. Er hat aber eine völkische Einstellung, verkehrt, obzwar er nie studiert hat, in einem Kreis, der die auf Deutschlands, hohen Schulen gebräuchlichen Sitten nachäfft. Der Kreis heißt Alcmia; n:an säuft dort und mimt Mannesmut, indem man sich Mensurschmisse mit den: Rasiermesser aus die glatte Wange zeichnet. Man erörtert die Not des deutschen Volkes, das vom Feindbund und von den Juden, hauptsächlich von diesen, so arg bedrängt wird. Und man kriegt eine Waffe. Und dann hat man eines Tages für sich und die Geliebte kein Geld und so setzt man das in der „Verbindung" Gelernte einfach in die Praxis um. Ein Menschenleben gilt nichts, wenn's um den eigenen Magen geht; und wenn man einmal dahin unterwiesen worden ist, daß'ein Jude vogelfrei ist, daß sein Vermögen für das Reich zu konfiszieren ist, so liegt es nahe, diese Lehre auch einmal über die jüdische Grenze auszudehnen. Schröder braucht Geld; also verlegt er sich aufs Kautionsschwindetn und eines Tages schießt er einen ins Haus gelockten armen Teufel zusammen. Von hinten natürlich. Das gehört mit in die Mordphilosophie. Bis hieher hat die Sache den sagen wir naturgemäßen Lauf vom Politischen ins Kriminelle genomnten. Nunmehr biegt sie wieder ins Politische zurück. Dieser Schröder findet in einem gesinnungsgenössischen Kriminalkommissär einen warmen Freund und Bruder. Inwieweit die beiden bewußt zusammenwirkten, um die deutsche Justiz vor der ganzen Welt bis auf die Knochen zu blamieren, wird noch aufzuklären sein. Jedenfalls war dieser Kmnmissär aufs eifrigste bestrebt, alle Spuren zu verwischen. Ts war da ein umgekehrter Sherlock Holmes an der Arbeit. Er sperrte eines Tages einen Juden ein, einen allgemein geachteten Mann, bei dem auch nicht das leiseste Motiv für die Tat zu finden war. Kronzeuge war Schröder: Es begann eine tolle Komödie, die sich bis zur Groteske entwickelte, als die Nitualmordpresse in Bewegung kam. Schröder empfing im Gefängnis einen Redakteur der Hugenberg-Presse, durch den er sich der deutschen Oeffentlichkeit als ein eifriger Leser von Kant und Plato vorstellen durfte. Schröders Sache wurde die aller echten Deutschen und so weit die deutsche Zunge klingt, sang und sagte man von dem jüdischen Mörder. Bis die Berliner Behörde eingriff und selbst die Untersuchung in die Hand nahm. Schröder fand die eindrucksvollste Formel: es steht Arier gegen Jud. Binnen weniger Stunden war die Sache anfgehelll. Wie wird nun der weitere Lauf sein? Von der Emgabe der magdeburgischen Richter haben wir schon gesprochen. Für jeden rechtsgerichteten deutschen Mann ist es heute evident, daß der Jude der Mörder ist. Und es wird nicht schwer sein, das Goethesche Hexeneinmaleins anzuwenden: Aus eins mach' zehn. Wir werden wieder hören, daß die Weisen von Zion mit ihrem Geld die Polizei bestochen haben und vielleicht wird Schröder eines trüben Tages an einem Fememord selig entschlafen sein, an einem jüdischen natürlich, von dem er bereits geschwatzt hat. Für alle Fälle aber hat man einen tiefen Etnblick in die Psyche der deutschen Baterländler tun können, denen der Judenmord das tägliche Brot ist und deren zischender Haß niemals aussetzt. Diese Magdeburger Affäre ist vielfach eine Dreyfusiade genannt worden. Das ist falsch. Denn m die Rettung der Ehre der französischen Justiz ist das ra.'zäs'sche Volk, geführt von seinen Besten, aufgestanden. In Magdeburg war es ein reiner Hufall, eine Fügung des Glückes, daß die Geliebte des Müßiggängers aufgespnrt wurde. Wenn dies nicht geschehen wäre, so hätte nichts in der Welt den Fabrikanten Haas davor schützen können, in die Liste der jüdischen Opfer der Kanaille einzugehen. Ser Hintergrund der Krimproiever. mpörung in Amerika Über Sie Aenßetüng KalininS. Por kurzem haben wir Erklärungen des Sowjetpräsidenten KalininS zur Frage der vom amerikanischen Joint finanzierten jüdischen Kolonisation in der Krim veröffentlicht. In diesen Aeutzerugen war unumwunden zugegeben worden, daß eurer der wichtigsten Beweggründe der Sowjetregierung für die Zustimmung zum jüdischen Krimprojokt, die Hoffnung auf eine wirksame Störung des PalnstinaaufbauwerkeS gewesen sei. Diese Mitteilung hat in der gesamten jüdischen Presse einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Besonders die amerikanisch-jüdische Presse ohne Unterschied ihrer Parteistellung, wirft jetzt die wichtige Frage aus, welche Konsequenzen der Joint aus dieser Enthüllung ziehen und ob sie bloß die Düpierten oderetwa die bewußten Mitschuldigen an diesem Verrat am jüdischen Volk sind. Von den verschiedenen öffentlichen Aeußernngen zur Erklärung Kalinins, sei hier diejenige des Rabbi Dr. Aba Hillel Silber, als die zutreffendste wiedergegeben. Dr. S i l v e r führte, wie uns aus Rew-Iork geschrieben wird, Pressevertretern gegenüber unter anderem aus: Die Erklärung Kalinins, die als Zurückweisung des scharfen P r o t e st e s der russischen B a n e r n gegen die Kolonisierung von Juden gedacht war, bestätigt die Befürchtungen, mit welchen zahllose Juden das Krimprojckt abgelehnt haben. Biele Tatsachen, die jetzt offiziell zugegeben wurden, waren schon bisher bekannt. So wurde auch vorausgesagt, daß die jüdische Kolonisation in der Krim unter den russischen Bauern ein '-denfeindliche Bewegung Hervorrufen werde. Das wird nun von der höchsten Amtsperson der Sowjetregierung bestätigt und dabei der mißlungene Versuch gemacht, die Bauern zu beruhigen. Niederschmetternd ist das Beruhigungsmittel, daß der den Juden zur Verfügung gestellte Boden so minder- , wertig sei, daß er für die Bauern keinen Wert habe und daß die amerikäni« schen Juden viele Millionen Dollar werden investieren müssen, bevor von einer eigentlichen Kultivierung der in Betracht kommenden Bodenflächen die Rede sein kaNn. Von besonderer, weitgehender Bedeutung ist die offizielle Bestätigung der Sowjetregierung, daß das Krimprojekt als Gegengewicht lgagen den Aufbau von Palästina and indirekt als ein politischer Schritt gegen England geschaffen wurde. Unter Hinweis darauf, daß die Jewsekzia, diesen Krimplan als ein Kampfmittel gegen den Zionismus und Palästina wünsche, sagt auch der Sowjetpräfident ausdrücklich,. „a uch d i e Sowjetregierung teilt die Ansicht, daß diese Kolonisation eine Waffe gegen den Zionismus darstelle." Dieser Punkt der Erklärung gibt dom - Moskauer Korrespondenten der „New Aork Times" recht, der bereits im Oktober vorigen Jahres seinem Matte telegraphierte: „I e d e s jüdische Kolonisation 8 p r oje kt in Rußland' wird von der Sowjetregierung guigeheißen werden, wenn schon nicht aus änderen Motiven, so sicher als Gegenakt gegen die zionisttsche Kolonisation in Palästina." Die Zionistische Organisation war schon vor langer Zeit im Besitze überzeugender Mittei lungen über die wahren Beweggrmche der russischen Förderer des Krimprojektes, enchiel-t sich jedoch -während der ganzen Zeit jeder Verwendung dieses Materials, um nicht die Reliefkanipagne zur Wiederausrichtmng gescheiterter Mischer' Existenzen in Osteuropa zu stören." Zum Schluffe spricht Dr. Silber die Erwartung ans, daß " ..... die Führer des Joint es als ihr Pflicht ansehen werden, zur Erklärung des Präsidenten der Sowjetrepublik Stellung zu nehmen, jedenfalls aber bezüglich-der cmgekündigten „Vergrößerung des Kolonisationsprogramms" die ‘ p-f licht ge mäße Vorsicht wallen zu lassen. PalSstirienfijche Nfenbahnfmgen vor dem Unterhaus. London, 3. August. (I. T. A.) lJu der heutigen Sitzung des Unterhauses stellte Mr. I. Bro ml e y, Generalsekretär des Verbandes der Lokomotivführer und Heizer, an den Kolonienminister die von uns bereits angekündigte Frage, ob ihm bekannt sei, daß die Direktion der Staatseiftnbcchn in Palästina sich weigert, den Angestellten und Arbeitern den ihnen gesetzlich gukomnrenden bezahlten Urlaub zu gewähren. Ferner fragte er, wie.hoch der Nettogewinn der PMstillaeisenbahnen feien. Unterstaatssekretär für die Kolonien Mr. Ormsby Gore erwiderte, bezüglich der Urlcmbsverweigemng werde er Informationen einholen lassen. Der Ueberschuß der S taa t s eis e »bahn betrug im Geschäftsjahre 1926-26 104,090 Pfund, das sind weniger als 5 Prozent des Kapitalsivertes der Eisenbahn. ' Die Frage eines änderen Untechausmitgliodes, ob die Palästinensischen Eisenbahnen der britischen Regier«»lg gehören, beantwortete Mr. Ormsbh Gore dahin, ddß die Eisenbahnen von der P a l äst i na r e g ie ru n g käuflich e r- L S rbe s wovtzsA ftziyl,. - i

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