Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2674 (3.8.1926)
- Date
- 1926-08-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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OM 4 Dien, Dienstag Sie Welttonserenz ves Misrachi in Antwerpen. Ueber 100 Delegierte bisher angemeldet. Vom 10. bis 15. d. wird, wie bereits angekündigt, in A n 1werpen die Weltkonferenz des Misrachi tagen. Entsprechend den schon vorliegenden Anmeldungen der Delegierten wird dieser Kongreß eine noch weitaus stärkere Beteiligung auftveisen als fcr&ft die letzten Tagungen von Berlin und Amsterdam. Das Präsidium der Antwerpener Ortsgruppe des Misrachi ist deshalb bemüht, diesem Ereignis auch ^ie entsprechende äußere Folie zu verleihen. Verschiedene Komitees sind an der Arbeit, um einen würdigen Ernpfang der ausländischen Vertreter sowie deren Bequartierung vorzubcreiten. Einer der schönsten Säle Antwerpens, das Cercle artiftigue, wurde für die Dauer der Konferenz gemietet. Bei der belgischen Regierung wurden ivegen der Einreiseermüglichung der Teilnehmer die nötigen Schritte unternommen und sie hat diesbezüglich großes Entgegenkommen bewiesen. Bisher sind beim Kongreßsekretariat die Anmeldungen von über hundert Delegierten eingelausen. Uckber -den Verlaus der Konferenz werden wir berichten. Dle paKftiaenfische Elfenbahnergewerlschaft. Zu der von uns in der gestrigen Mittagsausgabe gemelöewn Aktion der Labour Party für die Rechte der palästinensischen Eisenbahner finden wir im Jerusalemer „Dawar" vie folgende Beinerkung: Die Verfügung der Eisenbahnverwaltung betrifft den Wegfall >des jährlichen Urlaubs und die Streichung der Feiertagsgebühren. „Gleichzeitig mit der Nachricht über den Ueberschuß von mehr als einer Million englischen Pfund in der Jahresbilanz der Palästinaadministration kommt die erwähnte Verfügung der Eisenbahnbehörde heraus. Was hat die palästinensische Regierung zu dieser Verfügung veranlaß:. Muß man wirklich au den Pfennigen der schlecht genug gestellten Arbeiter sparen, während die überaus hohen Gehälter de: Beamten, die von draußen kommen, nicht berührt werden, während der Rechnungsabschluß der Eisenbahnen dieses Jahr mehr als 100.000 Pfund Ueberschuß aufweist? Man könnte denken, daß eine staatliche Wirtschaft, die Gewinne abwirft, vor allem chre Verpflichtungen ihren Arbeitern gegenüber erfüllt, chre Lebensbedingungen verbeffe::. Bei uns scheint mau umgskehrr zu denken und einen staatlichen Wirtschaftskörper nur als Instrument zur Ausbeutung des Landes pr betrachten. Ueberdics werden in dem Dekret sämtliche Arbeiter, die Tagelohn beziehen — und das sind 75 Prozent aller Arbeiter — als „Gelege nheitsarbei 1 er" mi: allen Nachteilen erklärt." Die ewigen AromftSrnngen. Eine halbe Stunde lang kein Stratzenbahnverkehr. Gestern nach 6 Uhr abends setzte plötzlich in einem großen Teil des Wiener Straßenbahnnetzes der Strom aus. Die Wagen standen still. Auch die Stadtbahn wurde von der Störung betroffen. Die an das Ney geschlossene Lichtleitung versagte gleichfalls teilweise. Wie mitgeteilt wird, ist die Störung, die über eine halbe Stunde dauerte, angeblich auf einen Blitzschlag im Parten st einer Kraftwerk zurückzusührcn. W i e n, 3. August. * Das Wetter. Auch gestern ist in der Wetterlage keine Besserung eingetreten. Regenschauer wechselten mil Sonnenschein, wie im April. Die Voraussage lautet: Nordalpen, vielleicht leichte Besserung und geringe Temperatnrzunahmc, Fortdauer des veränderlichen und kühlen Wetters. Südalpen: Wechselnd wolkig, ohne wesentliche Niederschläge, etwas wärnler. * Todesstrafe für Betrug. Ter Bermaltungsgerichtshof hat einen sehr merkwürdigen Senatsbeschluß des Wiener Magistrates, also einer angeblich sehr sozialen Behörde, bestätigt. Einem Schuhmacher wurde die Lizenz für im in er entzogen, weil er einmal wegen Betruges verurteilt wurde. Es sei zu befürchten, daß der Mann in seinem Gewerbe, das auch eine kommerzielle Seite hat, Mißbrauch treiben könnte. Wundervolle Begründung! Besonders vom Standpunkt der sozialen Besserungsmoral, des menschenfreundlichen Verständnisses für „gescheiterte Existenzen"! . . . Wie kann man dann von Privaten Unternehmern verlangen, daß sie entlassene Sträflinge anstellen, wenn eine Behörde ausdrücklich erklärt, daß ein begangenes Verbrechen mit apodiktischer Sicherheit weitere nach sich ziehen muß?! Also, schön brav, nach dem frommen Leitsatz vom „Fluch der bösen Tat, die nur Böses gebären kann". Eine nette Gesellschaftsordnung wird da amtlich vorbereitet, eine Ordnung, in der für jedes Vergehen gleich Hungers — das heißt Todesstrafe gesetzt ist. Denn was anderes bleibt denn jetzt dem armen Schuhmacher, dem eine Verwaltungsbehörde fürs ganze Leben eine Straffolge auserlegt hat, die ihm jeder Vevdienstmöglichkeit beraubt? Nicht nur das Schustergewerbe, jedes Gewerbe ist jetzt dem amtlich Gezeichneten versperrt! Aber auch das grausamste Racheprinzip ist hier stark übertrieben worden. Dem armeil Mann wurde nicht einmal ein Weg zur Besserung und zur Bewährung offen gelassen. Die Herren erkannten gleich: Für immer. Nie darfst du mehr Schuhmacher werden, auch ivenn du ehrlich geworden bist. Nein, nicht das ist der Weg, Verbrechen zu verhindern. * Todesopfer des Automobils. Geste'n nachmittags wollte die achtjährige Bolksichulerin Ludmilla Bakes, Meldemannstraße wohnhaft, drn Hochstädlplatz übersetzen, wurde aber von einem Lohnauro, das der Chauffeur Franz Kresse lenkte, erfaßt und zu Boden geschleudert. Das Kind blieb auf der Stelle tot. Die Leiche wird gerichtlich geöffnet. * Tödliche Unfälle. Der 45jährige Hilfsarbeiter Johann Schnabel wuvde in seiner Wohnung in einer Blutlache liegend tot aufgejnnden. Wie erhoben wurde, ist er beim Heben einer Kassette gestürzt und aus Flaschen gefallen, die auf dem Boden standen. Er zog sich durch die Scherben eine schwere Schnittwunde zu, die die Schlagader öffnete. — Der 52jährige Eishärwler Frau; K l u s o n stürzte kürzlich bei Einlagerung emes Eisblockes in einem Gasthause von einer eineinhalb M-rer hohen Leiter. Er erlitt eine Erschütterung des Kreuzbeines und starb Sonnrag an den Folget, der Verletzung. * Mäßige Abnahme der Zahl der Arbeitslosen. Der Stand der Arbeitslosen in Wien ist Ende Juli um 511 auf einen Stand von 76.089 gesunken, wobei die Zahl der im Bezüge der außerordentlichen Beihilfe stehenden Alrbeitslosen, -je um 96 aus 7107 Wiener Moesenzetlun" sank, nicht eingerechnet ijt. Gegenüber dem Vorjahre ist die Zahl der die Arbeitslosenunterstützung Bezieisind"« um. 10.800 gestiegen. Die Zahl der Beihilfeempfänger ist um 3956 höher als im Vorjahre. * Statte Zunahme von Verletzungen durch Hundebisse. Die Verletzungen durch Hundebisse nehmen in der letzten Zeit in erschreckender Weise zu. Im Jänner dieses Jahres wurden 105, im Februar 110 und tm März 125 Verletzungen durch Hundebisse polizciärztlich begutachtet. Die Höchstzahl ledoch erreichte der Juni, ttt denk die erschreckend hohe Zahl von 287 Verletzungen dirrch Hundebisse verzeichnet werden muß. * Ban eines Elektrizitätswerkes in Mattersburg und Stadterhebungsfeier. Aus Mattersburg (Bürge,zland) wird uns gemeldet: Der Gcmemdera: der zur Stabt erhobenen Marktgemeinöe 'Mattersburg hak beschlossen, ein Esikirizitätsrverk mit einem Kostenaufwande von zweieinhalb Milliarden Kronen zu errichten. Dasselbe wird am 27. November d. I. eröffnet werden und am gleichen Tage wird die Stadterhebungsseier stattsinden. * Der ,Kompaß" in Ungarn verboten. Aus Budapest wird gemeldet: Der Nntersuchungsrich:er des Budapester Gerichtshofes hat die Konfiskation des in Wien erscheinenden „Kompaß, finanzielles Jahrbuch 1926" in ganz Ungarn angeordnet. * Herausforderungskampf Nimzowitsch—Capablanca.^ Wie uns aus Kopenhagen berichtet wird, hat her dort lebende Schachmeister Nimzowitsch den Weltmeister Capabla nca zu einem Tournier um die Weltmeisterschaft herausgefordert. Capablanca bat die Herausforderung bereits angenommen, wobei folgende Bedingungen festgelegt wurden: N i m z o w i t s ch deponiert 10.000 Dollar, wovon Capablanca sofort 20 Prozent erhält. Vom Rest erhält der Sieger 60 Prozent und der Besiegte 40 Prozent. Nimzowitsch ist Jude und stamnrt aus Riga. * Die Arbeit des Keren Kajemeth in der Schweiz. Dem uns vorliegenden Rechnungsberichte 1925-26 des Hauptbureaus des Keren Kajemeth für b'e Schweiz entnehmen wir folgende, recht interessante Einzelheiten: Das Hauptbureau, das seil dem Jahre 1921 unter der Leitung des Herrn S. L e w i n (St. Gallen) steht, hat in den letzten Jahren außerordentliche Fortschritte zu verzeichnen. Die Jahreseinnahmen, die nach Uebernahme des Bureaus nach St. Gallen 17.000 Franken betrugen, erreichten Pro 30. Juni 1926 den ansehnlichen Betrag von über 70.000 Franken. Besonders günstio wurde die Tätigkeit im abgelaufenen Geschäftsjahre durch den Besuch des Direktors des Keren Kajemeth, Herrn M. M. U s s i s ch k i n, sowie durch d:e Mitarbeit des Delegierten des Hauptbureaus. Herrn Fritz U l l m a n n. beeinfluß'. Beachtenswert ist auch der durchschnittliche Prozentsatz der Beitragsleistungder einzelnen jüdischen Familien der sich auf 17,50 Franken beläuft. Da die Schweiz insgesamt nur 20.000 jüdische Seelen zcchlt, so beträgt die Kopfquote 3/50 Franken. _ Mische Welt. Der blinde Wische Dollslieddichter. Vor einigen Tagen starb eine der originellsten Figuren des vorkriegszeitlichcn Budapest, der unter dem Nameit „S a s Naci" bekannte ungarische Couplet- und Volksliederdichter, der bis zum Zusammenbruch der „ungekrönte Liederkönig Ungarns" war. Alle die Zigennerwei-sen, die als magyarische Volkslieder durch die Welt gefiedelt werden, sind Schöpfungen dieses blinden jüdischen Poeten Das Naci, der eigentlich Nikolaus Adler hieß und ursprünglich Rabbiner werden wollte. Der vor einigen Jahren verstorbene „größte ungarische Dichter" der Juden, Josef Kris, bewog den poetisch veranlagten jungen Adler, sich der Msisik unb der Pflege des ungarischen Volksliedes zu widmen. Im Krieg war er Husarenwachtmeister, verlor sein Augenlicht und fristete dann als blinder „Zigeuner und Poet" ein kümmerliches-Leben. Die Horthy-Magyaren.besoffen sich bei seinen Liedern, die mit dem antisemitischen „Erger- Berger" abwechselten: Einmal konnte er auch am eigenen Leibe deit Dank christlichnationaler Rassenschühler spüren. Es war zur Zeit der Hochflut des Weißen Terrors und der Judenpogrome. Ein alter Freund nahm ihn zu einer späten Nachtstunde in ein Ofener Gasthaus mit. Im ersten Gastzimmer schrie, lärmte, sang eine feuchtfröhliche Gentrygesellschaft. Als sie des Blinden ansichtig wurdet:, gröhlten die Rassenmagyaren unisono: „Marsch hinaus, Jude! Hier hast du nichts, zu suchen!"; ' Der Begleiter überschrie die Besoffenen: „Meine Herren! Wissen Sie, wer dieser unglückliche Blinde ist, den sie soeben beschimpften? Das ist doch der Sas Naci, bei dessen Siebent Sie sich jetzt unterhalten. Gerade spielt der Zigeuner sein Lied: „Wenn einst auf meinem Grab' die Rose erblüht" ... Plötzlich verstummte die betrunkene Gesellschaft. Nur der Zigeuner schritt auf den blinden Musiker zu, umarmte ihn, küßte ihn und bat ihn, zu bleiben ... 54 Jahre war Sas Naci alt, als er, verlassen uub elend, Hungers starb. Der Vizepräsident der jüdischen Gemeinde in Rom gestorben. In Rom verstarb der Vizeprästderrt der Mdischeii Gemeinde, Ing. Angelo Tagliacozzo. Die römischen Zeitungen widmen dem Verstorbenen sehr warme Nachrufe, in welchen seine großen Verdienste für das Vaterland und stine staunenswerten bautechnischen Arbeiten hervorgehoben werden. Die bekannten Gebäude des Finanzntinistcriums und des geologischen Musennis in Rom sind sein Werk. Angelo Tagliacozzo war der Begründer des jüdischen Krankenhauses uud des Altersheims „Mojschaw Skejninl" zu Rom. Öffentliche Belobung eines jüdischen Lebensretters. Das Reaierungsomtsblatt von Köln aut Rhein veröffentlicht eine „öffentliche Belobung" für ben in Köln wohnhaften 15jährigen Max We i ß, der vor einiger Zeit die fünfjährige Aenni Ko.ppes vor schwerem Erstickungstod gerettet hatte, da keiner von den Hunderten von gaffenden Leuten,. die dem Todeskampf des Kindes zusahen, dort Mut anfbrachte, der Ertrinkenden zu Hilfe zu eilen. Der jugendliche Lebensretter ist sv ein „politischer Jude", der im Kölner Proletarierviertel als Kind armer Eltern bereits schwere Arbeit leisten muh, unt sich fortbingen zu können. Die Eltern des Weiß sind vor ttlcht langer Zeit aus Polen eingewandert. Allgemeine Konferenz des Ort. Ant 8. d. beginnt in Berlin die dritte allgemeitte Konferenz des Verbandes der Gesellschaft zur Förderung von Ackerbau und Handwerk unter den Juden, Ort. Delegierte aus Amerika, Rußland, Polen, England und Deutschland sind für die Konferenz angemeldc 3. August 1986 Nr. Bühne und Kunst. Aus den Aeateru. Theater an der Wien. Herr Vtltor Flentming tritt allabendlich in der Rolle des Mister X in der Kalmanschen Operette .Die Z t r k u s p r t n z e s f i n* auf. Theater tn derJoiefstadt. Heute findet die letzte Aufführung des Schwankes „Der Igel" statt, da Hans M über zu ven Salzburger Festivielen verpflichtet ist. Morgen, V»8 Uhr, gelangt das Lustspiel „Monsieur H e l ö n e" von Siegfried Geyer und Paul F r a n k zur ersten Aufführung. Apollotheater. Es gehört viel Courage dazu, in der Zeit der allgemeinen Theaterpleite, eine neue Bartetebühne zu eröffnen. Direktor Eckhardt hat sie aufgebracht und ist Samstag mit einem reichassortierten Lager erstklassiger Varietenummern in den neu adaptierten Räumen des Llpollotheaters vor das Wiener Publikum getreten. Am Eröffnungstage konnte der Firmeninhaber das schon seit langem beim Ramsch liegende Täfelchen „Ausverkauft" wieder hervorholen. Das Wetter hat dent neuen Herrn bei seinem ersten Volltreffer die beste Schützenhilfe geleistet. Aus detn fernen Anslande wurde eine seltsame Exote bezogen. Die kaukasische Tänzerin Lia N i a k o. Ihr schlanker, rassiger Körper ist auf das minutiöseste durchtrainiert; ein eiserner Wille beherrscht auch beit kleinsten Muskel. Silvester K r e m a gebietet über zwei Prachtmädels, deren Körper lediglich aus Gummi elastieum zu. bestehen scheinen. Waghalsig uttb atembeklemmend sind die Produktionen der amerikanische« Trantpolinakrobaten Flying B a u v a r d s. Lee L o m a, welche die höchste Stimnte der Welt ihr eigen nennt, singt vom kleinen G bis zum viergestrichenen.C und nimmt die höchsten Klippen init minutenlangen Koloraturen und Trillern. Baptista Schreiber bietet als werße Reiterin auf ihrem tanzenden Schimmel einen geradezu majestätischen Anblick. Biel Heiterkeit erregte eine eheliche Hundeszene, ausgeführt von den Wunderhunden Raffayettos. Die Drahtseilkünstler Myares Bros, die Neifenrollrr Bransons, der lustige Musikant Ernest Schar ff und die komische Pantotmme ,D> runter und Drüber" vervollständigen das durchaus gelungene Programm. R. S.. Eröffnung des Reichenauer Theater- und Konzerthauses. Aus Reichenau wird uns gemeldet: In feierlicher Weise wurde heute das von der hiesigen Gemeinde mit einem Kostenaufwande von zirka zwei Milliarden Kronen neu erbaute Theaterttnd Konzerthaus eröffnet. Zur Eröffnungsfeier hatten sich zahlreiche Ehrengäste eingefunden. Mit dem Einzugsmarsch aus „Tannhäuser" wurde oie Feier einge-leitet. Nach der Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Hans Haid folgten stimmungsvolle Chöre sowie ein Prolog. Hierauf wurde die Fledermaus" mit einem von Direktor Hans S t i l p geleiteten Wiener Ensemble vortrefflich aufgeführt. Das Reichenauer Konzerthaus repräsentiert sich als schmucker, einstöckiger Bau. Das Haus faßt 430 Personen, hat Parkett, Logen und Galerie und eme modernst eingerichtete Bühne.- Außerdem ist noch ein kleiner Dortragssaal vorhanden. Kasprowicz gestorben. Aus Warschau wird genreldet: Der berühmteste zeitgenössische polnische Dichter Kasprowicz ist gestern in Zakopane gestorben. Kaprovicz schrieb sehr viel Gedichte, die sich zumeist mit oem Leid der Bauern befassen, weiters viele Dramen, Hymnen, Erzählungen und Balladen. Außerdem betätigte er sich sehr erfolgreich als Uebersetzer an der englischen, französischen, itlienischen und deutschen Lrteratur. Heine-Denkmäler in Deutschland. Das Heine-Denkmal int Hamburger Stadtpark, das von Professor Hugo Lederer geschaffen. wurde, wird voraussichtlich noch im September durch einen besonders feierlichen Mt der Oeffentlichkeit ubergeben werden. Die Uebergabe wird durch den Hamburger ersten Bürgermeister, Dr. P e t e r s e n, erfolgen. Auch das zweite jetzt im Besitz der Stadt Altona befindliche Denkmal soll am Elbeufer eine öffentliche Stätte erhalten. Der 9. Ab in Tel-Awiw. Am 9. Ab fand in Tel-Awiw eine künstlerische. Trauerfeier statt. Unter anderem lasen die begabten jungen hebräischen Schriftsteller A. Feuerstein, Uri Zwi G r ü tt b c r g uttb Jakob Horowitz aus ihren neuesten Schriften, die das palästinensische Loben schildern. 1 Die hebräische Theatergruppe Chel in Tel-Awiw bereitet für die nächste Zeit das Drama des polnischen Dichters Znlawskis „Das Ende des Messias" ttwb Heiermanns „Hoffnung" vor. _ Gerichtssaal. Halenkreuzlervrozesse in Berlin. Wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik stand am Freitag der Kaufmann Willy Günther vor dem Schöffengericht Beriin-Miite. Als die Kameradschaft Friedrichsyain vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold von einer Kundgebung zurückkehrte, begrüßte der 66jährige Kaufmann Willy Günther einige seiner Bekannten vom Reichsbanner mit den Worten: „Di es er Jugeudrepab-l .k renn: Ihr noch immer tt a ch." Als er auf das Ungehörige seiner Bemerkung aufmerksant gemacht wurde, erging sich Günther in den gemeinsten Ausdrückett. Der Antrag des Staatsanwalts lautete auf drei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf einen Monat Gefängnis. Er begründete das Urteil dantit, daß die Beschimpfungen gegetl die Republik sich derarhäufen, vaß man einmal fest zugreifen müßte. Bor demselben Schöffengericht hatten sich «de: Llfährige Attgehörige Atrgostellte Wunderlich und der 19jährige, Klempner Löwe wegen Beschimpfung der Republik gu verantworten. Die Angeklagten hatten an einer Versammlung der Nationalsozialisten wilgenommen, siä) dann einem Zuge augeschloffen und ein Lied mitgesungen, das mit dem Schlußreim schloß: ,Mir pfeife n a u f d i e I u d e n r e p u b l i k." Nachher saugen sie ein attderes Hitlerlied mit, das mit dem Neftain schloß: ,Dlut, Blut muß fließen i n der I tt d e n r e p u b l i k." Wuttderlich erklärte vor Gericht: „Ich bin mir keiner Sünde bewußt; der einzige Fchler war, daß wir nicht wie die anderen ausgerückt sind. Das Wort „Judenrepublik" ist noch nichts Strafbares. Wir hatten kurz vorher in einer Zeitung gelesen, daß das Reichsgericht ntehrere Male f r e i g e s p r o ch e n hatte, weil der Ausdruck ,^sudettrepublik" nicht unberechtigt sei. Der Vorsitzende machte den Angeklagten darauf aufmerksam, daß das Reichsgericht eine derartige Entscherdung nicht getroffen hätte. Angekil.: „Wir lebet« doch in einer Republik, in der jeder seine Meinung frei uttb offen äußern kann." — Vors.: „Mit dem Totschläger?" —