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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-31 · Heft 2671 (31.7.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2671 (31.7.1926)
Date
1926-07-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I | Folcmis^yl Wien /'.«m Abhöfen in oer Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle rTtaiilo monatl. 6 Schilling Stra83enverUaur In Wien durch die Kolporteure der Finna ü o I d s C h m i e d. Wollzeile 11 Mii Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 schech o-Slowakel. Mon.K22. Jugoslawien Mon. Din. 60. Polen:Mon. 6 Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mo«. Frcs. 35 N cmeah'tinge« bei t* rel »* f Min 1 M* *nrli*h»llM -ir. 2671 Wiener Wie». Samstag. 31. guli 1628 rTrali äflal England: Mon.4 Schilling. Italien: Monatl. 20 Lire: Rtimflnl en: Mon. 170 Lei. BuigarlensMon.lOOLew* Schweiz und das fibfigo Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration; Wten, 11. Taboritr. 1 Telephone: 44-0*38,43-3-19 Ab 6 Uhr; 21-102, 25-2-82 IX., Universltltsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann i Oesterreichisches Postspa Ua««e.n - Konto Nr 150.6°' 8. Safiruanq Im redaktiouellan Teil enthaltene entgeltliche Milteilunge« find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Weizmann über die Lage des Aonismiir. Veiise Rode in der politischen Debatte des Zionistischen Aktionskomitees. T. L o n d o it, 30. Juli. Am Schluß der politischen Debatte des Zionistischen Aktt.niskomttees ergriff der Präsident Weizmann das Wort, um auf die vorgebrachte Kritik zu antworte». Er führte aus: „Es ist mir der Borwurf gemacht worden, daß ich eine Politik der Sensationen verfolge. Ich habr im Gegenteil immer darwach gestrebt, die Fragen am bescheidensten darzustellen. Bei der Kundgebung in Paris hatte I o u v e n e l spontan den Wunsch geäußert, hinzukommeii. Jouvenel hat sehr vorsichtig gesprochen und deshalb war zu Befürchtungen kein Anlaß. Ich gebe zu, daß man die Empfindlichkeiten der Araber schonen mutz, und ich war immev für eine Kooperation mit den Arabern. Es ist ein Fehler, unsere Arbeit als Kleinarbeit zu bezeichnen, wie dies ein Mitglied des AktionskornilsA getan hat. Jede Arbeit ist an und für: sich kleine aber die Gesamtheit der Leistung ist vonbedeutender Wichtigkeit. l Wir brauchen die öffentliche Meinung und sie muß organisiert werden, um für uns wirksam zu werden. .Präsident Weizma»N beschäftigt, sich sodann mit den vom Abgl G i n n bäum erhobenen Gorwürfen bezüglich 'dsi I e w ish A g e ne y unh erklärt: „Man muß sagen, daß man Herzls Namen mißbraucht: : Man interprel:t e r t i h n falsch. Biele Zionisten und auch Nichtzionisten finden es angezeigt, Herzl und Nordau aus den Gräbern zu beschwören und ihre Namen zwecks einer Attacke auf die Exekutive zu exploitieren. Bezüglich der Jewish Agency stehe ich auf demselben Standpunkt, wie vor zwei Jahren. Wir müssen darnach streben, n e ne Kr äste für die Palast i n a a r b e i t z u gewi n n e n. Unsere Föderationen haben im letzten Jahre viel geleistet. Amerika hat um über Ltl Prozent mehr als im Vorjahr aufgebracht. Aber das ist nicht genug. Was wir in Amerika gewonnen haben, baden wir in Deutschland und Polen verloren. Es ist schwer zu beweisen, aber ich habe das Empfinden., daß unsere Lage heute viel besser wäre/ wenn wir die Jewish Agency schon im letzten Jahre erweitert hätten. Heute ist es schwerer, als vor zwei Jahren. Ich gebe mich keinen Illusionen hin. aber ich bin entschlossen, alle Versuche zu unternehmen. Natürlich: Wenn die andere Seite Konzessionen fordert, die den Beschlüssen des Kongresseswidersprechen, daun werde ich nichts unternehmen, ohne den Kongreß oderdas Aktiv ns komiteezubefragen. I ch x e i se voll S o r g e n nach A m e r i k a, aber ich ho.se. nicht in meiner Arbeit gehemmt zu werden. Man hat versucht, zwischen mir und den amerikanischen Zionisten eine Kluft zu schassen, aber diese Versuche mußten scheitern. 9er Rotzustand in ßtiflinnö. Um einen Monat verlängert. London, 30. Juli. Innenminister Jvyson Ficks brachte im Uiiteihmls einen Antrag ein, .wonach.der Nolzhsta n,d, der bei Ausbruch des tzlcneralstreiks verkündet worden ist, um e' n e n Monat v e r.l ä,n g e r t .werden soll. Ramsäy Mac Donald erklärte, die, Verlängerung, deS Nol;».standes sei eine Beleidigung für das ganze Land.'Schließlich ,runde die tsiesolntion mit 250 gegen 84 Stimmen a n g e n o m m e u. ' Sam Südchina in bolfchewiMchen Sünden. London, 30. Juli. Nach einer Meldung aus Schanghai bar die Canto nA r m e e den Ort D ch.a u a S h o ti, in oer Provinz Kman, 640 Kilometer nördlich von Canton, eingeuemmen. Damit ist ganz Südchina von den Bolschew i k e n b e se tz t. __ 9er utibale Dollarkurs in Palen. l, Warschau, 30 Juli. Der Dollar noveue teuie im pri« .Men Verlebt in 29 a r 1 ch a u 9.09, in '$ x a t a u 9.08 Der Batikan gegen Ungarn. Ein sensationeller Hirtenbiies. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) - 82- Budapest, 30. Juli. Der vor einigen Wochen bereits ausgebrochene Konflikt zwischen der römischen Kurie und der ungarischen Regierung ist in ein neues Stadium eingetreten, das sogar I die Umrisse eines Kulturkampfes , zeigt. Der Vatikan hatte im „Osservatore Romano" auf das schärfste dagegen Stellung genommen, daß die katholischen Priester sich an Festlichkeiten beteiligen, bei denen „heidnische Zeremonien" vorgenommen werden. Dies richtete sich vor allem gegen die von Horthy eingeführten Heldenkapiteln, bei denen der R e i ch s v e r w e s e r mit dem Degen unter Anrufung eines altungarischen Gottes die ihm vorgestellten „Helden" zu Rittern schlägt. Die Helden sind selbstverständlich erprobte Kämpfer für die Idee des christlichnationalen Rassenschutzes und es war pikant, daß sie bis vor kurzer Zeit, bis zum Auftanchen der Frankenfälschungen, sich auch noch des besonderen Segens des Bischof sZadraweez und seines Freundes, des Paters Bonis, erfreuen konnten. Bei dem Widerstand des Vatikan spielte auch der Umstand eine sehr große Rolle, daß Horthy protestantisch ist und daß die höhere katholische Geistlichkeit, die ' durchaus k a r l i st t s ch eingestellt ist, ihm sciyen Verrat an dem Exkaiser üicht verziehen hat. Dies .hat,sich.-.WD.H^er inneren Politik mit solcher Schärst aUHgLdrückt.'Mß zum Beispiel der protestantische Bischof von Debreezin, Baltasar, wiederholt öffentlich gegen die Unterdrückung d e s K a l v i n e r t um s Klage geführt hat. Dem Artikel im „Osservatore Romano" folgt nun heute ein H i r t e n b r i e s des Bischofs von Steinamanger, des Grafen Johann M i k e s ch, jenes Kirchenfürsten, bei dem der Exkönig auf seiner ersten Heimfahrt Aufnahme gesucht und gefunden hat. Graf M ik e s ch ist ein eminenter Vertrauensmann der L e g i timist e n. Deshalb erregt sein Sendschreiben-, das am Sonntag in allen Kirchen seines Sprengels verlesen werden wird, die größte Sensation und gilt als Auftakt für neue innere Kämpfe. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist wahrscheinlich kein bloßer Zufall. Die Regierung bereitet eben jetzt die Wiedererrichtung des Magnatenhauses vor und die Legitimisten fürchten wohl nicht mit Unrecht, daß bei dieser Reform ihre früher beherrschende Position endgültig aufgehoben würde. Deshalb ist der Hirtenbrief ein scharfer Angriff auf die Stellung des Reichs Verwesers und die mit ihm auf Gedeih und Verderb verbundenen Kreise. In dem Hirtenbrief verwahrt sich Bischof Graf Mike s ch dagegen, daß bei nationalen Feierlichkeiten katholische Gottesdienste am gleichen Ört abgehalten werden, wo ar-,ch Gottesdienste anderer Konfessionen stattfinden. Der Bischof verbietet weiter, daß die Insignien von Priestern mehrerer Religionen gleichzeitig gesegnet werden und verfügt schließlich, daß die Nationalhymne bloß bei besonderen Feierlichkeiten und das „Ungarische Credo" memals mit Kirchenliedern zugleich gefüitgen werden darf: Dieses „Ungarische Credo" ist ein aus einigen Sätzen bestehendes Gebet, das mit den Worten „nem, nem, soha" (nein, nein, niemals!) schließt und den Friedensvertrag verflucht. Der Autor dieser in Acht erklärten Formel ist der Feldbischof Zadrawecz. \ AeMlen will in den BSlWuud. Paris, 30. Juli. Einem Genfer Telegramm des „New A)ork Herald" zufolge wird König Fna-d von Aegypten der Septembcrtagnng des Völkerbundes in Genf beiwohnen und bei dieser Gelegenheit Besprechungen mit maßgebenden Völkerbundgreisen über den Eintritts e g y P t e u s in die Liga führen. Dem Vernehmen nach soll England den ägyptischen Anspruch auf Mitgliedschaft im Völkerbund unter st it tz e n. 9er Gouverneur des Sudan. London,.29./Juli. Der Schn.des verstorbenen Emest Schuster. Oberstleutnant George Schuster, ist als Gouverneur des Sudans in Aussicht genonunen. George Schuster, von Berus Bankier, war Finanzminister des Sudans, Berater des englischen Schatzamtes in Sachen der Exportkredite und Sachverständiger des Völkerbundes für internationale Kredite. Im Aufträge der Apglo-Dannbian Association kam ec 1920 nach Wien. Er ist mit seinem Bruder Ernest Schuster Inhaber des Financhanses Schuster. Son and Co. tu London. Sein dritter Bruder Sir Artur Schuster ist Professor der Physik au der Universität Manchester. Die Familie stammt aus Frankfurt a. M. ■ - Sin Meutatsvlau gegen gbu Saud. London, 30. Juli. Wie die „Times" aus Basra melden, wurde gestern auf den WahabiteMönig Ihn Sa u d ein Attentat im letzten Augenblick verhindert. Die Verschwörer, alle nahe V e r w a n d t e des K ö u i g s, wurden sofort hinget i ch 1 e t. __ Palmarer Finanzdittalur. Paris, 30. Juli. Die Kammer hat mit 360 gegen 2 0.1 2 t i m m en einen Antrag ' angenommen, wonach alle A bä yd e.r u llgs.ä «träge 5 u de n F i na n z e n : w ü r fen für n n zu l äfft g e r k l ä r t werden. Hiedurch soll die Debatte über diese Entwürfe, die morgen vormittags beginnt, b es'ch l e u n i g i werden. Wie verlamet, beabsichtigt Ministerpräsident P 0 i n c a r c, sofort nach Amwhmv des Sanierungsentwurfes die ergänzenden Entwürfe zur Erledigung zu bringen, die zum finanziellen Wiederaufbau des Landes beitragen sollen. Beigisch-framMche Kouierenze». Neber die Finanzlag.'. .. (Eigendieust der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 30. Juli. Der belgische Außenminister Vander-' velde und Finanzminister Franquis sind heute in Paris eingetroffen. Sie begaben sich sofort nach dem Quai d'Orsay, wo sie als Gäste Briands an einem Frühstück teilnahmen, dem sich eine l a n g e B e s p r e ch u n g über die Finanzlage beider Länder und'der zur Sanierung der beiden W ä h r n n g e n geeigneten Maßnahmen anschloß. Dieser Besprechnng wohnte auch Ministerpräsident P o i n c a r e bei. Sesterreichs Seheimverböude sollen anfgehobe» werden. Paris, 30. Juli. (Tel.-Komp.) Die Botschaftevkonserenz veröffentlicht eine Note, der zufolge die am 18. b. zwischen der Botschafterkonferenz und Delegierten der österreichischen Regiemug begonnenen Verhandlungen über den Stand der österreichischen Abrüstung zu einer Einigung geführt haben, die sich aus die Zerstörung von Kriegsmaterial und Malschinen, die zur Herstellung von Kriegsmaterial dienen könnten, solvie ans die A u f h e,b n n g der G e h e i m v e rbände bezieht. Wie die Tel.-Komp. hiezu "von maßgebender Stelle erfährt, hat die Botschaftevkonserenz der österreichischen Regierung' den strikten Befehl erteilt, die Geheimbünde ehestens aufzu lösen. Die österreichische Regierung würde dafür verantwortlich gemacht werden, wenn in Zukunft geheini'e Gesellschaften und illegale Verbände bestehen sollten. Die. Konferenz fordert außerdem die Zerstörung aller Maschinen, die bw' Herstellung von Kriegsniaterial dienen könnten, und die AuAlieferung aller in Oesterreich noch vor- 'handenen ungesetzlichen Kriegsmateriaiien, die an die Länder der kleinen Entente verkauft werden sollen. Ausweisung des piipftlicheu Gesandtschgstslelters aus Mexiko. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Mexiko, 30. Juli. Die Regierung hat beschlossen, de« Leiter der päpstlichen Gesandtschaft, Monsigu-ore C r e s p i, a u s z u w e i s e n. Er wird binnen 24 Dundon das Land verlassen müssen..

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