Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2670 (30.7.1926)
- Date
- 1926-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Polctti 3S flrossvl Wien: Zuni Abholftn in der üxpeditiort, ILTabotstf. 1«^ oder in einet Verediieiiktefle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strarsenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Hrm~ r ' /,h m ie d, U Woüeeile n Mit Postversand nr Wien und Oester monatlich Schilling 1 sciiecho-Slowakeh Mou. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon. 6Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Ffts. 35 N ichtahtangeti bet Preis* Vorbehalte« mmmammammmmm Nr. 2870 W ffiietts Srevas, S«. SttU 1926 -.. fi iti rim mir.. i llril» MSI finalen d: Man, 4 Schiliino. Kalte*: Momd. SO Lire: Ritaifliea: Man. 170 Lei. Bti%*flentMoitlOOUw<. Schweiz and das adrige Ausland monatlich Frcs, 5 Redaktion, Administration: Wien,II.Tabor**r.1 reiephotte: 44*0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21*102, 25*2*82 DC, UnlversitiMsstrasse 6*8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postspa i* kessen-Konto Nr. 150.U9- 8. 3ahrgana Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesehteS E gekennzeichnet. * Juden und Araber. Die politischen Referate in der Tagung des Zionistischen Aktionskomitees.; T. 2 o n b o tt, 29. Juli. In der Sonntagssitzung deS Aktionskomitees erstattete zunächst U s s i s ch k i n den Bericht über den Jüdischen- Nationalfonds. l?s folgte bas politische Referat das Kolonel Kisch, bekanntlich des.Vertreters der Jewlsh Agency hei der Palästinaregiernng. Cr spricht über das allmähliche Abrücken der Araber von ihrer früheren bloß negativen Einstellung in der Richtung des Züsammenarbeitens mit den Inden. In dieser Richtung wirkt die kürzlich von Dr. Ruppin gegründete Gesellschaft Brith Schalom. Die Annäherung wird zuerst auf sozialem und kulturellem Gebiet geschehen und soll später auch auf das Politische Gebiet übertragen werden. Der Referent befaßt sich sodann mit der Haltung des Oberkommissärs Lord Plumer und führt aus: Plumer bestimmt seine Haltung nicht'nach politischen Rücksichten, sondern nach den Erfordernissen der öffentlichen Sicherheit mid wirtschaftlichen Entwiöslung. Politisch sucht Plupier i i n Gleichgewichts w i sch e n / I n den und Arabern herzustellen. Kisch sei aber bemüht: Plumer darzulegen, daß es in der Frage der Errichtung der nationalen Heimstätte nur eine Seite gibt, nämlich die jüdische, und daß e i u G e g e n f a tz z u m n a t i o n a l e n -.H e i m gleichzeitig einen Gegeysatz zum Mandat r..T\-•' bedeuk/e^ ^..7.? 'y.v :-,'v " Gelegentlich eines Besuches bei Lord' Plumer habe Ko« lonel Aisch' von ihm gehörtdaß tt es alsseine Aushot'e. im Lande betrachte,, n u r die P o litt k der englischen Negierung zu führen. Dieses Wort — sagt Kisch — muß uns genügen ' . Mit Bezug auf da s S ch u l w e s e n erklärt der Referent, daß in diesem Iahte eine Reglern n g ss n b ve n tt o'u von mindestens..1v»vpv Pfund gewährt werden wird. Die Subvention des nächsten JähreS werde jedoch bedeutend größer sein. Die Regierung werde wahrscheinlich auch ihre Vertreter in den Waad hachiniich lErziehungsorganisation) entsenden, um einen gewissen Einfluß aus das hebräische Schulwesen anszuüben. Was die Angelegenheit der Gendarmerie und ihre Umwandlung in . . eine Grenzschutz truppe anbelangt, sei es zwar gelungen, den prinzipiellen Auss.ch-lü ß d e r I u d e n rückgängig zu machen und Lord Plumer habe selbst seinen Mißgriff zugegeben, doch sei leider festzustellen, 'daß nur eine sehr ger inge Anzahl v a n I u d e n tatsächlich in die Truppe ausgenommen wurde. Wenig befriedigend sei auch die F rage d e r N a t u r a l i sation. Bis heute sind nur 3300 Juden in Palästina naturalisiert. Der Vertreter der Zionistischen Exeku- ' t i v e beim B ö l k e r b u n d, D r. B i k t o r I ei k o bsohn, erstattete sodann seinen Tätigkeitsbericht, in deffen Einleitung er feststellt, daß sich das Verhältnis des Völkerbundes zu den Fragen des Zionismus bedeutend gebessert habe. Er bespricht die Frage der Palästinaamleihe und sagt, daß dieses Problem großen Schwierigkeiten begegnet. Der Völkerbund könne eine solche Anleihe nicht selbst geben, sondern er könne sie nur garantieren. Die Verhandlungen müssen direkt mit den« Finanziers geführt werden. Präsident W e iz m a u n. habe die Anregung gegeben, her Völkerbund solle die Anleihe nicht für den gesamten Fragenkomplex des Ausbaues Palästinas garantieren, sondern nur für einen Teil. Diese Anregung sei mit Wohlwollen und V e r st L n d n i s ausgenommen worden. Der Referent gibt sodann die Einzelheiten der Tätigkeit des zionistischen Bureaus in Genf und verweilt insbesondere bei der Arbeit in der intellektuellen Kommission des Völkerbundes. Er bespricht als sehr erfolgverheitzend die Gründung der Gesellschaft La France P a l e st i n e und meint, daß solche Gesellschaften auch in anderen Ländern, besonders in Italien, gegründet werden sollen. Auf Antrag Dr. Landsbergers erfolgt sodann die Wahl der Organisationsrommission. Der Rnanzplm Poincares. 8m Ausschuß Paris, 29. Juli. (Havas.) Die Fittanzkommisiion hat mit IS gegen 13 bei einer Stimmenthaltung die Regierungsvorlage im ganzen angenommen. Es wurde unter anderem ein Kredit von 6,900.000 Franken eingesetzt, wodurch die A b g e o r d n e t e n d i 81 e n von 27.000 auf 45.000 Franken jährlich erhöht werden. Der Betrag, der für die Verzinsung der Vorschüsse der Bank von Fr an k r eich an den Staat von Poine a re mit 925 Millionen vorgeschlagen worden war, ist für dieses Jahr auf 50Ö Millionen Franken herabgesetzt worden. Der Bericht wird morgen in der Kammer zur Beratung kommen. ... * Die Absicht Poincares, die Natifizkernng des englischfranzösischen Schuldenäbkommens auf den Herbst zu verschieben, hat in Londoninsbesondere in Finanzkreisen, einen ungünstigen Eindruck gemacht. Man hält in London die endgültige Annahme dieses Abkomnrens als - eine wesentliche Vorbedingung für die Stabilisierung, des Franken, wozu ausländische Unterstützung notwendig sei. Große Enttänschnng hat weiters die Tatsache hervorgerufen, chaß das Programm Poincares bisher noch nicht direkt das Problem der Stabilisierung angefaßt hat. Das Steuer- Programm allein könne für ein Land mit entwerteter Valuta nicht als genügend angesehen werden. Diese ungünstige Aufnahme des Finanzplanes durch die Eity spiegelte sich gestern ans den Devisenmärkten sehr deutlich wider. Paris gegen London bewegte sich zwischen 205 und 210, gegen .Z u r i ch zwischen 12 und 12.10. -Die Grundtendenz des französischen' Franken blieb anhaltend' flau, Verzinsung Paris ist ans 10 Franken pro Pfund und -'Monat emPor gc sch tteUt. Pon dcr Flauheit des französischen Fränken micben Brüssel und - M ä i .l a n d gestern^, unberührt. Brüssel gegen, Zürich konnte sogar im Anfwertungsverkchr eine Erhölhng agf' 12.60 verzeichnen, ist jedoch znm Schluß an-f 12.45 .züruckgcgangen (gegen 12.40 tags vorher). Kräftig"gestützt durch die Bancä d'Jtalia war die Lira, so daß Mailand gegen Zürich ans 16.65 anzichen lonnte. . ' KoairoNe der Getreidehandels. Paris, 29. Juli. Im Elhfee fand heute unter dem Vorsitz Don m erg» es ein Ministerrat statt, in dem Ministerpräsident Pomeare über seine Ausführungen in der gestrigen Sitzung der Finanzkommission Bericht erstattete. Außenminister Briand legte den Stand der äußeren Angelegenheiten dar. . 1 ’ Landwirtschastsminitter Queuille legte ein.en Gesetzentwurf über die Erleichterung der Versorgung angenommen. des Landes mit Getreide vor, den er morgen in der Kammer einbringen wird. Wie verlautet, betreffen die Haupibestimmungen dieses Entwurfes eine Kontrolle der Ern te, den Handel mit Getreide und die Angabe der Lagerbeställde. Eine AnslSnderfteuer. Paris, 29. Juli. In der heutigen Sitzung der Finanzlou,Mission brachte der sozialistische Republikaner F a l e o z einen Znsatzantrag ein, wonach jeder nach Verkündigung des Gesetzes in. Frankreich ein reisen de Ausländer ohne Rücksicht auf die. Dauer seines Aufenthaltes eine Steuer im Betrage bd« 200 Franken in der Währung seines Heimatlandes entrichten soll. Der Ertrag dieser von der Zollbehörde zum letzten Kurs zu berechnenden Ausländersteuer soll der Bank von Frankreich zur Bildung einer Manövrierkasse überwiesen werden.. Faleoz wird seinen Antrag im Plenum vertreten. Ansteigen des Banknotennmlanker. Paris, 29. Juli. Nach dem Wochenausweis der Bank von Frankreich haben sich die Müen Vorschüsse an den Staat um 900 Millionen auf 37.045 Milliarden Frauken vermindert, Ivährend der Banknoten umlauf um über eine Milliarde auf 56.021,675.750 Franken gestiegen ist. Nie StabMernn» des Kranken. Paris, 29. Juli? „Libtc'Besffiqlle" befragte eine ivichtige Finanzpersöttlichkeit über den Goldfranken. Das Blatt glaubt, daß e i n e Ko n v e r t re r un g'S k a s s e geplänt sei. wahrscheinlich würden sieb en oder a chtP a pie rf ranken einen Gold franken bilden. Die Forderung Morgan«. Paris, 29/Jul!/(Tel,-jromp.) I« hiesig«« Finanzkreisen geht das Gerücht um, daß die Ban.! Morgan von Frankreich.-.als. Garantte füx die.Rückzahlung / der aufgebrachten Morgan-Anleihe eine Deckung von 500.000 Pfund in Gold oder Gegenwert gefordert habe. tzrhSdnno der Fremdenfteuer in Belgien. Brüssel, 29. Juli. Die Aufenthalts st euer, die alle Personen zu entrichten haben, die nicht den Nachweis erbringen können, daß sie in Belgien oder einem anderen Lande mit entwerteter Währung ihren dauernden Wohnsitz haben, ist von 10 auf 20 Prozent erhöht worden. Rakowski, Vorsitzender der kommunistischen Internationale. Moskau, 29. Juli. Wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, sind im Zusammenhang mit der Maßregeln n g S i n o w j e w s weitere wichtige Personalveranderungen im Rate der Volkskommissare zu erwarten. So soll schon in den. nächsten Tagen der erste Handelskommissär K äme n e w und der Vertreter des Kriegskommifsärs, L a s c ew i e z. zurücktreten. ", Zum Nachfolger Siuowjews ass Vorsitzenden deS „Komintern" ist der gegenwärtige Sowjetbotschafter in Paris, R a k o w s k i, ausersehen. Die votttisckie Leltkng der Sowletregierung. Moskau, 29. Juli. 2Äie die Telegraphenageniur der Sowjetunion meldet, setzt sich das politische Bureau des Zentralkomitees CH!#.’ folgenden Mitgliedern zusammen: Stalin, Rykow, Bncharin) Wvroschilow, Tvmski,Kalsnin^ Molotow, Rudzntak ttnd Trvtzki. Die Aomiintschis entkommen. Belgrad, 29. Juli. Das Gefecht bei Kriv«a-Palanka an der serbisch-bulgarischen Grenze zwischen einer auf jugoslawisches Gebiet eingedrungeney bulgarischen Komitatschibande und der Gendarmeriepatrouille des Ortes dauerte während der ganzen Nacht an. Beim Morgengrauen trafen aus den umliegenden Ortschaften z w ei Züge J nfanterie zur Verstärkung der Gendarmen ein. Trotzdem gelang es der zahlenmäßig weit stärkeren Komitatschibande in der Dämmerung den Kordon von Gendarmerie und Militär, zu d u r ch b r e ch e n und sich au s b u lg a r i s ch es G eb i e t zurückzuziehen, wobei sie ihr e V e r w u n d e t e n und Toten allem Anschein nach mit sich nahm. Die Gesamtverluste auf jugoslawischer Seite betragen drei Tote. In Belgrader politischen Kreisen «wartet man wegen diess Grenzüberfalles energische S ch r i t 11 der jugoslawischen Negierung in Sofia. Streik bei der Brihmer Maschinenfabrik. Brünn, 29. Juli. Die gesamte Arbeiterschaft der B r ü n n e r M a s ch i n e n. f a b r i k s A.-G. i st h e u t e i n d e n S t r e i k g e t r e t e n. Die zwischen dem Generaldirektor H ö d l und den Arbeitervertretern geführten BerhaMungen verliefen ergebnislos, da die Arbeiter erklärten, den Vorschlag auf Abbau der Löhne um 15 Prozent nicht annehmen zn können, Während Generaldirektor Hödl dies als die Grenze des Möglichen bezeichnete. Die Arbeiter, die schon vormittags in Teilstreiks getreten Waren, traten nachmittags nach Abbruch der Verhandlungen in einen.allgemein e u Aus stand, so daß ab morgen die gejamten Betriebe der Brünner Maschinenfabrik stillstehen. Es streiken insgesamt 2100 Arbeiter. Abends fand eine Berwaltungsratssitzung statt, in welcher die Derwaltungsräte den Standpunkt des Generaldirektors Hödk im Interesse der Konkurrenzfähigkeit der Gesellschaft guthießcu. Der private Dollarkvrr in Polen. k.' Marschau, 29. Juli. Der Dollar notierte heute im privaten Betkehr in W a r s ch a » 9.10, in S r a t a u 9.97 bis 9.08