Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2668 (28.7.1926)
- Date
- 1926-07-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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L tarn t Dien, MitkivoH ' SS. M Mß Nr. ÄM Sin Pogromprozeb in Ke«. Di« Kiewer jüdische Bevölkerung hat in den letzten Tagen mit großer Spannung den Prozeß gegen den berüchtigten Bau« diten und Pogromführer G o r i a t s ch k i n verfolgt. Goriatschkins Name ist mit den blutigsten Pogromen der D e n i k i n - A r m e e verknüpft. Er, ein früherer Lastkutscher, wurde im Bürgerkrieg Adjutant des berüchtigten Pogromführers Strng, der einer der Unterführer des Generals Denikin war. Goriajschkin hielt insbesondere die Judenschaft der Kiewer Vorstadt P o d o l unter einem unbarmherzigen Terrbr. Er gab Befehl, allen Juden die Bärte abzuschneiden. Bemittelte Juden brandschatzte er und eignete sich dadurch ein ungeheures Vermögen an. Regelmäßig organisierte er Ueberfälle auf jüdische Geschästsläden und Wohnungen, dabei kamen fast joden Tag mehrere Juden um. Am letzten Sukkothtag des Jahres 1919 trieb er 50 Juden, die auf dem Wege vom Bethaus in ihre Wohnungen waren, zusammen, sperrte sie in einen engen Raum, schoß mehrere Male in den Menschenknäuel hinein, so daß sieben der Eingesperrten getötet und mehrere schwer verletzt wurden. Das Gericht verurteilte Goriatschkin zum Tode durch Erschießen; in Anbetracht dessen, daß seine Schandtaten mehr als fünf Jahre zurückliegen, wurde die Todesstrafe in zehnjähriges Gefängnis umgewandelt. (I. T. A.) Iie weit reicht die Unterhaltspflicht des Ehemannes? Der Bankier Albert Meier in München brachte gegen den Bundesbeamten Dr. Heinrich L. in Wien eine Klage auf Rückzahlung eines größeren Darlehens ein, das er der Gattin des Geklagten in München gewährt habe, als sie sich dort in großer Notlage befunden habe und weder den Pensionszins noch den Facharzt, zu dessen Konsultierung wegen ihres Nervenleidens sie nach München gereist sei, bezahlen konnte. Der Angeklagte bestritt, daß die Unterhaltspflicht des Ehemannes so weit gehe, daß , er die Kosten eines Auslandsaufenthaltes und der Beiziehung eines ausländischen Arztes für seine Frau bezahlen müßte. Er sei mit der Abreise seiner Frau nach München nur mit dem Vorbehalt einverstanden gewesen, daß ihre Eltern für die gesamten K o st e n aufkommen, wie sie es versprochen haben. Das Bezirksgericht verurteilte den Geklagten zur Rückzahlung des Darlehens an den Kläger, weil der Ehegatte verpflichtet sei, den von der Gattin gemachten Aufwand zu ersetzen. Gegen dieses Urteil brachte der Geklagte die Berufung an das Zivillandesgericht ein. Der Geklagtenvertreter Dr. Ernst Groß wies darauf hin, die Bezüge eines bescheidenen Bundesbeamten in Oesterreich nicht ausreichen, um einen derartigen Aufwand für seine Gattin zu ermöglichen. Der Auslandsaufenthalt der Gattin sei als ohne Zustimmung des Gatten erfolgt anzusehen. Der Berufungssenat (Vorsitzender Hofrat Dr. Lichtblau) gab der Berufung Folge und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die krste Instanz, welche festzustellen haben wird, welchen Umfang die Unterhaltspflicht des Ehemannes habe und wie weit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Beklagten gehe. Betrügerische Krida. Wie der Kreditorenoerein von 1870 berichtet, fand auf Grund der seinerzeit erstatteten Strafanzeige gestern vor dem Straflandesgericht 2 die Hauptverhandlung gegen Gustav Röschl statt. Röschl betrieb am Schwendermarkt einen Lebensmittelgroßhandel und war bereits zweimal insolvent. Die vom Staatsanwalt Dr. Knotek vertretene Anklage legre il,m zur Last, daß er im Herbst 1925 nach Abschluß des zweiten Ausgleiches die ihm anvertrauten Konimisfionswaren veruntreut und' sich im Dezember 1926 durch Verkauf seiner Aktiven und Flucht ins Ausland der b e t r ü g e r ' s ch e n K r i c a sowie durch seine ganze Geschäftsgebarung s?:: Anfang 3924 auch der sabrlässigen Krida schuldig gemach: Hab«'. Der GerichlSt.es erkannte den Angeklagten im vollen Umfange, der Anklage schuldig und verurteilte ihn zu sechs Moneten schweren Kerkers, wobei die sechsmonatige Untersuchungshaft nur mit zwei Monaten in die Strafzeit einzurechnen ist. I Msener Mos-MzeMtW Volkswirt. Wlktschaftsbklef au« Haifa. K. 2. Wien, im Juli. Die Haüfaer Handelslage. Die wirtschaftlich« Läge in Stadt und Distrikt .Haifa in den Monaten April und M a i war schwierig, da sich auf dem Markt eine starke Knappheit an flüssigem Kapital bemerkbar machte. Die Arbeitslosigkeit nahm ständig zu. Die Bautätigkeit war viel geringer als im vergangenen Jahre und infolgedessen ließ auch der Import von Baumaterial nach. Einige .Häuser standen leer; trotzdem sanken die Mietzinse nicht. Die schlechte Geschäftslage hate auch zur Folge, daß die meisten Hotels und Pensionen leer standen; zwei Hotels haben sogar bankrottiert. Der Zerealienmarkt war noch immer unsicher; die Saison setzte mit niedrigen Preisen ein und die Kaufleute gingen bei ihren Einkäufen sehr vorsichtig vor. Die Preise hatten sinkende Tendenz. wie auch aus nachstehender Tabelle ersichtlich ist (Preise pro 100 Kilogramm): Artikel März 1926 ägyvt. Pfund April 1926 agypt. Pfund Mai 1926 äMt. Pfund Hauranweizen. . . 117-130 115-129 97—108 Lokoweizen .... 125-134 121-132 117—12t Gerste ...... 86-103 83-102 78-98 Hir'e ...... 78-89 78-81 78-84 Kersennab .... 104-119 99-114 87-98 Erbsen . .. . . . 116-141 127-136 116-133 Bohnen. 98-119 88-97 88-101 <&efatn. 278 — 303 ' 283-301 293-£03 Linsen. 98-130 97—102 82—132 Jaffaer Großhandelspreise pro Mai 1926. ' Die wichtigsten Veränderungen, die während des Berichtsmonats stattfandcn, waren folgende: Weizen fiel von 150 auf 110 türk. Piaster, konnte jedoch infolge starker in Haifa für Syrien stattgefundener Einkäufe wieder bis zu 115 tülck. Piaster anziehe». Gerste hat sich gegenüber April, wo sie 100 türk. Piaster kostete, auf 85 türk. Piaster verbilligt. Eier wurden pro 100 Stück mit 80 türk. Piaster verkauft. Tomaten sind von 250 türk. Piaster zu Ende des Vormonats bis auf 70 türk. Piaster im Laufe des Berichtsmonats zurückgegangen. Gurken notierten pro 100 Kilogramm 175 türk. Piaster. Frische Aprikosen wurden mit 175 türk. Piaster verkauft. Austrälmehl saut von 200 auf 185 türk. Piaster, während einheimisches und amerikanisches Mehl unverändert bei 200 resp. 240 türk. Piaster blieb. Die Lage der Industrie in Haifa. Die Zementfabrik Nescher hat ihre Produktion für eine Zeitlang zwecks Reinigung ihrer Maschinen eingestellt. D'.e Oel- und Seifenfabrik Schemen hat bis .zum Beginn der neuen Saison die Tätigkeit der' Oelabteilnng .eingeschränkt. In der Zwischenzeit will sie ihre Arbeit auf die alleinige Produktion von Seife beschränken, für die anscheinend aus. dem einheimischen wie auch ausländischen Markt gute Nachfrage besteht. Die Grands Mculins de Palestine sind derzeit mit dem Bau der Speicher für die ungegliederte Mazzothfabrik beschäftigt. Banderolen für Streichhölzer nnd Spielkarten. Die palästinensische „Official Gazette" vom 16. Mai veröffentlicht den Entwurf einer neuen Verordnung, die die Einführung von Banderolen für Streichhölzer, Spielkarten und andere Artikel vorsieht. Die Verordnung ist noch nicht erlassen. Die Entwicklung der GitttatfaKrik in Lel-Awiw. Ueber die Entwicklung der Silikatfabrik in Tel-Awiw in den ersten vier Jahren ihres Bestehens veröffentlicht die Zeitschrift „Mischar Wetaassiah" folgende Tabelle: Es wurden in der Sili'katfabrik hergestellt: in den Jahren 1922-23 8.200.000 Ziegel, 1923-24 4,035.000 Ziegel, 1924-25 8,475.000 Zieael und 1925-26 15,170.000 Ziegel. Ein Atkoholfyndikat in Palästina. Tie Saraf-Alkcholfabrik, die Hcharif-Spritfabrik, beide in Petach Tikwah, und die palästinensische Spritfabrik Sarona haben sich zu einem Syndikat für den Einkauf von Rohmaterial und Verkauf ihrer Moholprodiktion zusammengeschlossen. Das Hauptziel des Syndikats ist die .Herabsetzung der Produktionskosten und des Verkaufspreises, um mit dem importierten Alkohol erfolgreich konkurrieren zu können. Re Berlüngerung der Arbeitslosenversicherung. Ein« Erklärung des Hauptverbandes der Industrie. Der Hauptverband der Industrie versendet eine Erklärung, in der es heißt: Die Mehrheitsps^teien haben unter '-cm Druck der Opposition und der Strc.x>e die ursprüngliche Regierungsvorlage üb-m die Novellierung der A r h e i t sversicherung zurückgezogen und einem anderen Gesetz zugestimmt, das in der Hauptsache die außerordentlichen Fürsorgemaßnahmen bis Ende 192G verlängert und nebenbei noch eine Neuregel,mg der Lastenverteilung bringt. Das Gesetz bedeutet im großen und ganzen eine glätte Verlängerung' des bisherigen, schon lange als unhaltbar erkannten Zustandes. Die dringend verlangte und allseits als nötig anerkannte Entlastung der Wirtschaft tritt durch die Neuregelung der Lastenverteilung nicht ein. Die Arbeitslosen bleiben weiterhin Rentner der Produktion und es ist mit Recht zu befürchten, daß die Fortdauer der schweren Belastung ans der Avbeitslosenfürsorge weitere Einschränkungen und Einstellungen in der Industrie und somit eine neuerliche Vermehrung der Avbeitslosigkeit zur Folge haben wird. Die Verantwortung dafür fällt unseren gesetzgebenden Körperschaften zu, die wieder einmal wirtschaftliche Notwendigkeiten hinter politische Evwägungen zurück,gestellt und dabei, statt die Wirtschaftskrise zu mildern, ihre Verschärfung verschuldet haben. Der Hauptvevband der Industrie erachtet es als sein« Pflicht, die Forderung anfrechtzirenhalten, daß mir durch eine baldigste Einschränkung der Gesamtausgaben der Arbeitslosenfürsorge die Gefahr eines Zusammenbruches von unserer industriellen Produktion abgetvendet werden ka'"' Sin zweiter zenlralbankgeiey. Uobcr einstimmiges Verlangen des Kuratoriums de» Zentralbank hat die Negierung gestern im Nationalrat ene Ergänzung z n m Z e n t r a l b a n k g e s e tz eingebracht, die sofort vom Blldgctansschuß beschlossen wurde und noch heute im Nationalrat zur Annahme gelangt. Danach erhält das Kuratorium das Recht, in berücksichtignngswürdigen Fällen Gläubigern, die sich infolge der Stundungsvorschriften des Zcntralbankgesetzes in Notlage befinden, aus ihre Geldeinlagen Vorschüsse bis zur Höhe von je 1000 Schilling aus Mitteln der Zentralbank zu gewähren. Gewisse Bestimmungen des Zentralbankgesetzes werden ' ferner ans jene Aktiengesellschaften ausgedehnt, von denen die Zentralbank die Aktienmehrheit besitzt. Schließlich wird, unt Ersparungen zu erzielen, dem Kuratorium das Recht eingeräunrt, den Direktoren oder anderen höheren Funktionären, die nicht kollektivvertraglich entlohnt sind, e i n in o.n a.t l i ch z n k ü n d i g en und deren Ansprüche aus die eines nach dem Kollektivvertrag höchstbezahlten Beamten zu kürzen. Unter einen, kann das Kura- (Nachdruck verboten.) Tie Einweihung des Tempels. Von Binjamin Segel. (Aus dem Zyklus„Versunkene Welte n".) Der Rabbi and seine zehn Jünger bahnten sich mit Mühe einen Weg durch die wogende, festliche Menge, welche die ragenden Mauern des neuen Tempels umflutete. Es war Freitag nachmittags und eine herrliche Maisonne beschieu die starren Häuserreihen rings um den weiten Platz, enlzüridete ein schimmerndes Gefunkel hoch oben an der vergoldeten Kuppel des Tempels und spiegelte sich in den Augen der drängenden, rauschenden Menge, die ungeduldig des Augenblicks harrte, da die hohen Tore des Heiligtums sich öffnen würden, um hinei«Zuströmen und das Fest der Einweihung zu feiern. Und der Rabbi und seine Jünger bahnten sich mit Mühe einen Weg durch die bunte, festlich gekleidete Menge, die mit verwunderten und spöttischen Blicken die fremden Gäste musterte, welche aussahen, als kämen sie aus einer fernen Welt. Voran der Alte in seiner altfränkischen, stark abgenützten Zobelmütze, um die breiten, aufrechten Schultern einenschwarzen, verblichenen, lang herabwallenden 'Atlasmantel, in dem vom weißen Bart und Schläfenlocken eingerahmten Gesicht ein Paar energische, fast gebieterisch dreinblickende Augen. ,Jn seinem Gefolge einige schlanke, frische Jüngst ngsgestalten, in altfränkischen, schlecht anliegenden oder verschlissenen Kaftans steckend, fachende Gesichter unter den breitkrämpigen Samthüten und blitzende Augen, die etwas befangen dreinschauten und in die manche Großstädterin einen verstohlenen, neugierigen Blick «warf. Es waren da aber auch einige magere Aszetensiguren mit leidenschaftlichen Bewegungen und eigensinnigen Köpfen, andere wieder waren schlottrig, mit bleichen Gesichtern und gekrümmten Schulter» und schienen in den Falten der langen Pekesche Jahrhunderte von Not, Nend und Moder zu tragen. Uebex ihnen allen lag es wie ein altertümlicher Staub, wie Rost und Schimmel verschollener Zeiten, Unb sie stachen seltsam ab von den glitzernden Mauern ringsum, von den, Prunk der Auslagen, den schmucken Linien der Türmchen und Säulen des Tempels und von den eleganten Gewändern 'des versammelten Publikums. Sie hatten sich aus der weiten Entfernung ausgemacht, waren zwanzig Meisen weit von ihrem weltvergessenen Neste zu Fuß nach der .Hauptstadt gewandert, um die Einweihung des neuen Tempels zu sehen, von dem im ganzen Lande Wnndevdrnge er- Mlt wurden und der ein nen^ Zeitalter einleiten sollte, eine neue, rerjüngte Lehre sollte von ihm ausgchen und die Geister weit unten in der Provinz waren erregt und aufgestachelt. Den Rabbi und seine zehn Jünger aber litt cs nicht länger in ihrem verfallenen Städtchen, bis sie hicher kamen, um mit eigenen Augen das Wunder zu schauen. Alle warteten ungeduldig, bis die hohen Pforten sich von innen äuftaten. Zu beiden Seiten pflanzten sich zwei Polizeibeamte auf, daneben ein feierlicher Kastellan, breitschulterig, in goldbetreßter Uniform, einen zepterähnlichen Stab in der Rechten. Im Vestibül 'wurden einige funkelnde Zyliuderhüte sichtbar, Fracks und blülenweiße Vorhemden eilten hin und her. Die Menge begann Hineinzuströmen. Mitgezogen von dem Stronr stand das .Häuflein der Fremden bald vor der Schwelle des Heiligtums. Die tveißbehandschuhte .Hand des Polizisten streckte sich dem Alten entgegen. ,harten!" „Karten? Wa — was meinen Sie damit?" Er bemerkte nicht das spöttische Lächeln des goldbetreßten. Kastellans, der verachtungsvoll auf diese vorsintflutlichen Gestalten herabblickte, die ohne Karten Einlaß begehrten. ,^DHne Karten darf niemand hinein!" sagte der Polizeibeamte trocken, während vr über die Köpfe der Gruppe hinwegschaute und das kartenbesitzende Publikum hineinströmen ließ. Der Rabbi und seine zehn Jünger blickten einander in stummer Verwunderung an. Die meisten wollten einfach Kehrt machen. Aber der Alte war nicht gewöhnt, einen gefaßten Plan so leicht aufzugeben. Mit einn Handbewegung befahl er den jungen Leuten dazubleiben. Sie fingen nun ml, mit der Geduld und Langsamkeit von Kleinstädtern die prunkvolle Fassade des Gotteshauses zu betrachten und'bemühten sich, die über dem Portal in goldenen und verschnörkelten Lettern angebrachte Inschrift zu entzifsern: „Das ist die Pforte des Eivigcn, die. Gerechten kommen da herein." „Nun verstehe ich es," scherzte einer, „nur Gerechte kommen da herein. Mer von uns ist ein Zaddik?" ,^Jch nicht, ich habe keine Karte", antwortete der Alte und alle lachten. Mittlerweile fuhren zahlreiche Karossen vor, die Festgäste brachten. Tic funkelnden Zyliuderhüte und tc schneeweißen Borhemden eilten jedesmal heraus und geleiteten unter tiefen Bücklingen die Ankommenden ins Vestibül. Endlich wurde es still. Der Platz hatte sich geleert, aber die .Herren im Frack und Zylinder standen noch immer am Eingang und warfen jedesmal unruhige Blicke nach beiden Seiten der Straße, als erwarteten sie noch einen wichtigen Gast. Ein offener vierspänniger Wagen rollte nlajestätisch heran. Zwei Herren in großer Staategala, mit goldenem Degenknauf an der Seite, wurden sichtbar. „Deine Durchlaucht Fürst Lumirski!" ging ein aufgeregtes Flüstern durch das Vestibül des Tempels. „Seine Durchlaucht der Statthalter kommt!" Die funkelnden Zyliuderhüte mit den schneeweißen Vorhemden stürzten heraus und bildeten Spalier. Einer trat vor, stellte sich in Positur und stnch sich der, Schnurrbart. Er hatte offenbar eine Rede auf dem Herzen. Doch der Fürst-Statll-alter ließ zur größten Verblüffung des ganzen Spaliers eine Strecke weit vor dem Eingang halten, jprang aus dem Wagen und eilte mit sichtlicher Freude auf den abseits sichenden Alten zu. ,pSie hier, Herr Rabbiner? Welche Ucberraschung!" Sie drückten sich herzhaft die .Hände. „Seit ich Bezirfthauptmann in Ihren: kleinen Nest dort unten war, habe ich Sie nicht gesehen, schon sechs Jahre. Vergißt man so ganz seinen langjährigen Freund? Aber was machen Sie denn eigentlich hier?" „Wir sind gekommen, «um uns die Eimveihung des neuen Tempels anzusehen, aber wir haben keine Karten unb mar. läßt uns nicht hinein." (Fortsetzung folgt.) 1W