Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2668 (28.7.1926)
- Date
- 1926-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981755--27154-3015058- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Agen 1× ep/1043981
OCR text
I rolen:2Sgroszy I Wien /.um Aohoien in oei i .xpedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle Trafik, monatl. o Schilling Strnssenverkmu in W i e n durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. I, Uolirelle 11 Arft Poslversand Ith Wien und Oesterreich monatlich b Schilling i scnecho-Slowakel: Mon. I< 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 6 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, b e I g i e n: Mon. Frcs. 35 «thfth'angen bei Frei »• i » Mt n « rii «Arhehiliee Sit. 266» Wiener Wien. Minwach. 28.8uli 1926 iprei» 20gl England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. B u 1 g a 11 e n t Mon.lOOLewi. Schwele und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, 11. Taborstr« 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Unlversttätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmanni Oesterrelchlsches Postspa i* kassen* Konto Nt. 150.69- 8. flofttgonq Große Mehrheit für Poincare. Die Regierungserklärung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Im redaktionelle» Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes Z gekennzeichnet. Ser Paragravh 14 in Polen. Eine Rede des Senators Dr. Ringel. L. Warscha», 27. Juli. In der heutigen Sitzung des Verfaffungsausschuffes des Senates wurde die Debatte über den Artikel 0 des Gesetzes über die Verfassungsänderung abgcführt. Dieser Artikel verleiht dem Staatspräsidenten das Recht, < Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen, in der Zeit, in der das Parlament geschlossen ist. Als erster Redner in der Debatte ergriff Senator Dr. Ringel vont jüdischen Klub das Wort, welcher sich sehr energisch gegen den Artikel 6 wendete. Diese Verordnung, erklärte er, stamme in gerader Linie vom Paragraph 14 des österreichischen Reichsrates ab. Dieser Paragraph 14 hatte zur^ Folge, daß Oesterreich von der Bureaukratie beherrscht wurde. Die österreichischen Negierungen haben das N o tv e r or d n u n g s r e ch t zynisch mißbraucht, indem sie das Parlament nicht cinberiefen, um auf solche Weise die ihnen paffenden Gesetze zu schaffen. Aus diesem Grunde verlangte Redner die Streichung des ersten Absatzes des Artikels 6. Sollte der Antrag abgelchnt werden, so forderte Doktor Ringel eine Bestimmung, welche ~ die Kontrolle des Sejms. üher die herausgegebenen Dekrete verschärft und ausspricht, daß -das G e s e tz g e b u n g s r e ch t des S e j m s u n d des Senates die Regel ist, .während die.Dekrete eine Ausnahme darstellen. In der Abstimmung fand'jedoch der Antrag ' lebte- Mehrheik-^' * "" Senator Ringel meldete den Antrag <als Minor r t ä t s v o t ü m an. : In der Nachmittagssitzung wurde der Antrag der Rechtsparteien über B e s ch r ä n k'ü ng der Abg eo 'r d n c t e n i m m u n i t ä t für die Tätigkeit aueßvhalb des Parlaments angenommen, ebenso auch der Antrag der Rechten auf. ■ .... Erhöhung des Wahlzensirs I auf 25 Jahre für das aktive und 30, Jahre für das passive Wahlrecht. ' ' Aus der Debatte ist zu ersehen, daß die reaktionäre Mehrheit des Senates ihren ganzen Einfluß aufwendet, um die im Sejm abgelehnten Anträge der Rechtsparteien wiederherzustellen. Diese Berwäfferuugsbestrebungen haben allerdings keine Aussicht, im Plenum des Senates durchzudringen, du die qualifizierte Mehrh e i t f e h l c n wird. Verschlkfurrg des englischen GrubensonMes. London, 27. Juli. Das Unterhaus hat mit 338 gegen 152 Stimmen den T a d e l 8 a n t r a g L l o y d. Georg e a b g e I e ü n t. worin er eine Gehaltsherabsetzung von 100 Pfund Sterling für den Grub e nm i n t st e r voraeschlagen hatte ■ - Die Debatte im Unterbaute über den Grubenkonflikt bat keinerlei F o r t s ch r i t t e gezeitigte „Düliy Cbron'cle" erklärt, die Türe zu Verhandlungen sei zu g e sch l agen woidea. B a l d w t u habe keinerlei Schritte unter nomneen, die >ur^ Wied e r a u f n a h m e der Verba n d l u n g e \\ führen könnten, oblvöhl die Arbeiter in den lebten Tageir das Prinzip des Schiedsspruches angei onimen und die Möglich'ell zur Herabsetzung der Löhne offen'gelassen hätten. De G x e k u t i o e derBergarbeiter'gewerkschasti st für Freitagei «berufen worden. Der ^'rubenarbeitersekretär Cook hat in einer Rede in Wallesall oerffdrert. das; b'c A n n a b.m e e i n e r l ä n ,g e r e n A' r b e i t d z e i t. s e i v e n N it cf t r i t t nach sich ziehen würde. Außerdem te'lte Cook mit, daß die Bergatbeitergewerkschaft eine n r u e, S v e n d e von 2 0 00 0 0 Pfund Sterling atlS N u ß l a n d a n g e n o m m e n h a b e. . Dü russischen Spenden beliefen sich bis jetzt aick 620 000 Psnnd. . Verlängerung des AusnMntsznstandes. London, 27. Juli. In beiden Häusern des Parlaments wurde heute nachmittags eine königliche Botschaft verlesen, duradie der nationale Ansnahmsz »stand verlängert wird. ' Der Mate Dollarkurs in Polen. h Mnrtchnu, 27. Juli. Der Dollar notie-te heule im prtiKriMt Verkehr ur W a r I ch a u ü.16, tu K'r a k au 9.05 bis 9.10. Paris, 27. Juli. (Havas.) Die Kammer hat der Regierung mit 358 gegen 131 Stimmen das Vertrauen votiert. Die Mehrheit beträgt somit 227 Stimmen. „Für die Republik und das Bakerlaud." ,M. Paris, 27. Juli. Die Regierungserklärung, die heute nachmittags Ministerpräsident Poiucare in der K a m m e r und Justizminister B a r t y o n im Senat verlesen haben, besagt: Das Kabinett ist im Geiste u a t i litt aler Versöhnung gebildet worden,'um der Gefahr, die gleichzeitig unsere Währung, die Freiheit unseres S ch atz a m t e s und das Gleichgewicht unserer Finanzen bedroht, begegnen zu können. Jeder der Männer, die sich einmütig zusammengetan Haben, um an diesein Werke des öffentlichen Wohlesmitzuarbeiten, ist der Ansicht gewesen, daß er die Pflicht bat, in diesem Augenblick diesem Werke ‘ . alle seine Gedanken und feine Kräfte zu widmem Später werden andere Fragen auftreten, über die diese Männer verschiedenes Ansicht sein werden. Heute jedoch sin3 sie. vollkommen einer. Meinung über die dringliche Notwendigkeit der Finanzierung und über die.hiebei anzuwendenden Mittel. I . ' Nach aufmerksamer und gewsssenhiafter Prüfung der Lage haben wir die feste Ueberzeugung gewonnen, daß es möglich ist, schnell dH n S t and d e r f r a n z öfischen Finanz e n zu b es.se r n u n d d e n. Kurs des Franken zu heben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine s o f o r t i g e u n d e n t s ch los s e n e Zusammenarbeitzwifchen Regierung und Parlament unbedingt notwendig. Deshalb bringt die Negierung einen Gesetzentwurf zur Erschließung von den den Ausgaben entsprechenden. Einnahmsquellen ein* Um-jede neue Jnslationsgefahr zu vermeiden, wird die Negierung die Bewilligung dieser unerläßlichen Mehreinnahmen beantragen unter Beobachtung aller Grundsätze der Sparsamkeit. Wenn auch entsprechend den Anregungen der Sachverständigen die Negierung gezwungen ist, unverzüglich zu diesem Zwecke gewisseindirekte S t e»e r n zu erhöhen, so wird sie gleichzeitig durch direkte Besteuerung des erworbenen Vermögens für die gerechte^Verteilung der Lasten sorgen. Ein Teil des Ertrages wird jährlich zur Dotierung einer A m o r t i s a t i o n s k a s f a für die Bons der n at i o n a l e n V e r t e i d i g u n g dienen, außerdem nrüffen Maßnahmen getroffen werden, um das Vertrauen aufrechtzuerhalten und cs der Regierung zu ermöglichen,, künftig alle Verpflichtungen des Staates zu erfüllen, die. Produktion im Mttterlande und in den Kolonien zu fördern und die Lebenskraft des Landes zu steigern. Wir behaupten nicht, in einigen Wochen oder auch nur in einigest Monaten die gesamten Wirtschafts- und Finanz- Probleme lösen zu können, die eine beinahe überall in der Welt herrschende wirtschaftliche Depression vor uns hat erstehen lassen. Hauptsache ist aber zweifellos, das Dringlichste o h n e \\ m schweife . u n d o h n e Winkelzüge in Angriff zu nehmen. Ebenso wie wir selbst, haben die G l ä n b i g e r n a t i o n e n Frankreichs, Pie Frankreich fest entschlossen ist, im Rahmen seiner Möglichkeit zu bezahlen, ein Interesse daran, daß wir vor allem die Währungskrise beheben, die ans verschiedene Ursachen zurückzuführen ist, b\e jedoch sehr wohl beschwichtigt und deren gefährliche Auswirkungen verntieden werden können. Frankreich hat; ernstere und schmerzlichere Stunden als diese erlebt. Es hat sich damals durch Eiuigkeit und Energie gerettet. Auch heute hängt von diesen Bedingungen der Sieg ab.; Die Regierungserklärung schließt mit den Worten: Meine Herren,, gehen wir s o f o r t a n unsere s ch w e r e Aufgabe f ü r d i e R e p u I i f u n d das Vaterland. Der Verlauf der Sitzung. Tic Kakumer trat um 3 Uhr nachmittags zusammen. Die Tribünen waren überfüllt. Biel bemerkt und auf der Linken mit osfeukuudigen Mißfallen ausgenommen wurde die Tatsache, daß Briand, der zunächst am Regicrungstisch zwischen Poiucare und Herriot Platz genommen hatte, seiuen Platz mit diesem wechselte, so daß Herriot unmittelbar neben. Poinearc zlt sitzen kam. Der neue Kammerpräsident. Peret nahm unter allgemeinen Beifall den Präsidentenplatz ein und versicherte in einer kurzen Ansprache, daß er sich bemühen werde, jeden Tag von neuem das Vertrauen der Kanrmer zu erwerben und sein Amt mit Unparteilichkeit zu führen. Darauf bestieg, vont Beifall der Mehrheit des Hauses begrüßt, Ministerpräsident Poincare die Tribüne, um die Regierungserklärung zu verlesen. Dabei kam es zu einer lärmenden Kundgebung der Kommunisten. Cachin rief'Poincare zu: „Man sieht Sie nur in den Stunden des Unglücks." Auch ein Teil der Sozialisten beteiligte sich an dem Lärm.-Der -kommunistische Abgeordnete Uhry begrüßte Poincare mit idem Ruf: „Der Mann der Ruhr!" Die Kungebungen konnten schließlich zum Schweigen gebracht werden. Aber auch, im späteres Verlauf seiner Ausführungen wurde der Ministerpräsident immer wieder durch zahlreiche Z w i s ch e n r u s e u nt erbrochen. Am Schluffe der Regierungserklärung stimmten die Kommunisten ein Jndianergeheul an, das jedoch im Beifall der Rechten «n'b der Mitte unterging, die Linke, besonders die R a d i k a l e n, hüllte sich in e i s i g e s S ch w e i g e n. Präsident P e r e t verlas sodann die vorliegenden Interpellationen. .Nach einer Interpellation F r a n k l i n- B o u i l l o n s, der das Kabinett als Karikatur einer nationalen Einigung bözeichnete, und nach einer Erklärung C o m p e r e-M o r e l s, der die sofortige De,batte über die 'Regierungspolitik forderte, stellte Poincare die Vertrauensfrage zur V e rt agung der Int er pellati onsdebatte. Bei der Abstimmung sprach die Kanrmer der Regierung mit 3 5 8 gegen 131 Stimmen bei etwa 60 Enthaltungen ihr Vertrauen' aus. Der Ministerpräsident brachte hierauf sein Finanzprojekt ein. Poincare forderte.dabei äußerste Dringlichkeit für die Behandlung - der Finartzvorlage, wozu eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist. Die Kammer beschließt. die / Dringlichkeit mit 418 gegen 31 Stimmen. Darauf ladet Poincare die Finanzkommisston ein, den Bericht über die Finänzvorlage so rasch als möglich einzubringen, und die Kammer beschließt, die Finattzprojekte F r e i t a g n a ch in i t t a g s §u behandeln. Hierauf wird die Sitzung vom Kammerpräsidenten P e r e t aufgehoben, obwohl die T a g e s o r b n u n g n o ch nicht erschöpft ist. Die Negievrtng hatte.nämlich vormittags eine Vorlage eingebracht, wonach das Recht, Z us a tz a n t r ä g e e i n z n b r i n g e n, anläßlich der F i n a n zdebatte provisorisch ausgehoben werden soll. Perets Vorgehen bedeutet somit eine Manifestation gegen diese Vorlage. Die Regierung blieb zum Protest dagegen längere Zeit aus ihren Sitzen, als Peret bereits den Saal verlassen hatte. Die Linke klatschte B e i s a l l. Die Pariser Warenbörse. Paris, 27. Juli. An der hiesigen Warendorse sind die normalen Notierungen wieder ausgenommen worden.