Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2663 (23.7.1926)
- Date
- 1926-07-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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/fWiH* ' . Me«, FreiW '"*'"'■*** ' ' Wkerrer MorOmzetta«« 28. K»v IW Ne. SM Drr Drr-imd der jMschr» KtregSMchSWte», Invaliden, Wivven und Waisen in Wien, 2. Bez., Obere Donaustraße 66, fordert sämtliche nach Polen zirftändiyen Kriegsinvaliden, Witwen und Waisen auf, sich unverzüglich behufs Erlangung ihrer Rente in seinen» Bureau, 2. Dez., Lvere Dona»»straße 66, zwischen 10 bis 12 und 4 bis 6 Uhr zu Das Jüdische Volksheim ln Äle», 2. Dez., Untere Augarten ftraße 35. o e r m t e t e t für jiidtsche Feste, Veranstaltungen usiv einen großenVortragssaalundelnen schönen Garten. Auskünfte im Sekretariat. 2. Be;., Untere Augarten A»aße 85, täglich von 2 bis 4 Uhr nachmittags. Bühne mir Kunst. Aus de« Theater«. Modernes Tbeater. Als nächste Novität wirb die Q>mSdie i e A r t. f t ch » u g e b e n ..." von Felix Candera, .eut'ch von Robert Blum, vorbereitet. Programm der Jungen Bühne. Die Junge Bühne beab stchtigt in ver nächsten Salson folgende Stücke zur Aufführung zu bringen: »Arbeiter Esau" von Max M o h r, »Die Fahrt nach Orplid" von S ch m i d t b o n n, »Palette oder Der Held unsrer Zeit" von U n g e r. »DaS Land der vielen Namen" und »Der Räuber" von C a v e k, »Alle Kinder Gottes haben Flügel" von O'N e i l l, »l.e mariage d’Hamlet* von Jean S a r m e n t, »Die schweigsame Frau" (Th« silent woman) von Ben I o n s o n, .Der grüne Hut" von Michael A r l e n, »Die Schauspielprobe" von M o l t ö r, »Pankraz erwacht oder Die Hinterwäldler" von Zuckmayer, »Das Maüdat" von E r d m a n n", »SatyroS" von G o e t h e, »Spiel der Parteien" von P i r a n d e l l o, »Der Graf Brechard" von Giovacchino Forzano und »Das heimliche Leben" von Egisiv O l i v i e r i. Die ,Zannhauser"-Aufführung auf der Hohen Warte auf heute verschoben. Die für gestern anberaumtss Opernvorstellung „Tannhäuser" mutzte wegen ungünstiger Witterung vor Beginn der Vorstellung abgesagt und auf heute verschoben werden. Die für gestern gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit, jedoch müssen dieselben vor Beginn der Vorstellrmg an den Kassen gegen Origirchlbillette eingetauscht werden. Sollte heute abermals ungünstiges Wetter eintrcten, so wird die „Tannhärrser"-Vorstellung auf Dienstag den 27. d. verschoben. — Samstag den 24. d. geht „Der Zigeunerbaron" in Szene und Sonntag den 25. t>. gelangt „Carmen" znr Aufführung. Gerichtssaal. Ser Revolver im Ehedrama. Ein Pariser Gesellschaftsprozetz. Paris hatte wieder einmal seinen großen Sensationsprozeß, der'die Gemüter in Atem hielt. Die Kreise der besseren Gesellschaft, besonders die vornehme Damenwelt, drängte sich fix den Gerichtssaal, so daß Polizei vinschrÄten mutzte, um einen ungestörten Verlauf der Verhandlung zu sichern. Seit dem Fall L a nd r u haben sich derartige aufregende Szenen b?i einer Gerichtsverhandlung nicht wiederholt. Die Vorgänge rund um den Franken waren zeitweise in den Hintergrund gedrängt durch das Eifersuchtsdrama, das vor den Pariser Geschwornen aufgerollt wurde. Seit Monaten schon teilen sich die Ansichten über die Schuld oder Unschuld Albert Lancels, der seinen Nebenbuhler Marcel Marge medergeknallt hat, den er in den Armen seiner Fran ertappte. Die einen nehmen für de« slsinreichen Ledevfabrikanten der die Keine, lebenslustige, geschiedene Frau eines armen Angestellten, Estell Marie Gode froh, zur gefeierten Dame Ser Gegssellschast gemacht hat, Partei; hat doch der alternde Mann in einer Aufwallung von grenzenloser Eifersucht den Liebhaber seiner Frau, den schneidigen SportSmann und ehemaligen Offi zier Marge, getötet, als dieser den Hahnrei mit spitzen Worten verspottete. Das Motiv zündet in der leichtlMgen Seinestadt Sieden Jahre hat das Verhältnis der Fran Lancel mit ihrem Liebhaber gedauert, bis das, was bereits die ganze Stadt wußte, durch anonyme Briese zur Kenntnis des betrogenen Ehemannes kam. Um sich Gewißheit M verschaffen, organisierte Lancel einen g»rt frmktionierenden Ueberwachungsdienst, um für seine Schei düng Beweise in Händen -u haben. Ein Detektliv wurde aivfge nommen und drei weibliche Angestellte waren dem Chef bei seinen Nachforschungen behilflich. Ms sich das Deweisnetz genügend der dichtet hatte, beschloß LancÄ, als Tvumpf feine Frau in flagranti zu -überraschen. Um dabei Zeugen zu hocken, nahm er seinen ganzen Spionageapparat mit. Am 26. Jänner ereignete sich die Bluttat. Lancel schlich sich mit seinen Getreuen bis zur Tür und trat diese mit den Füßen ein, als sich niemand anschickte, ihm zu öffnen. Die Situation, in der er die Ueberraschten antraf, bestätigte seine Vermutung. Ueber das, was nun geschah, gehen die Zeugenanssagen auseinander. Lancel u»»d die Seinen behorchten, daß Marge den betrogenen Ehegatten beschimpft und ihn tätlich bedroht habe. Darüber sei Lancel derart in Wut geraten, daß er arvf seinen Widersacher, der einstmals zu seinen besten Freunden zählte, drei Schüsse abgegeben hat, denen der Verwundete noch am selben Tage erlag. Dagegen sagte der Schwerverwundete, als er vor seinem Ableben einem Verhör unterzogen wurde, aus, daß Lancel sofort, ohne den geringsten Anlaß zu haben, aus ihn geschosien habe. Dasselbe sagte die Hausbesorgerin aus, die durch den Lärm herbeigelockt wurde. Albert Lancel wurde verhaftet und erst nach einem Monat gegen Erlag einer hohen Kaution aus freien Fuß gesetzt. Die Verhandlung dauerte drei Tage und führte zu hochdramatischen Szenen. Der berühmte Verteidiger Landrus, de Moro Giafseri, vertrat die Hinterbliebenen des Ermordeten, während die Verteidigung des Angeklagten Paul B o n c o u r t übernommen hat. Während der ganzen Verhandlung zeigte Lancel große Reue und Niedergeschlagenheit. Er weinte oft vor sich hin. Frau Lancel, die das ganze Drama herausbeschworen hatte, scheut die Oeffentlichkeit des Gerichtssaales. Sie ist „krank" geworden und läßt ihre Aussage verlesen. Auch jetzt noch beteuert sie ihre Liebe zu dem Ermordeten, über dessen Leichnam sie sich in höchster Erregung mit den Worten: „Bobby, du darfst nicht sterbe n", geworfen hat. Der Generalstaatsanwalt verteidigt die Ehre des Ermordeten, der einer der besten und tapfersten Offiziere war. Nicht er hat verführt, sondern die dämonische Frau wußte ihn in ihr Netz zu locken. Der Ausgang -der Verhandlung war vorauszusehen. Ganz Paris hatte Wetten für den Freispruch Lancels abgeschlossen, der denn auch pünktlich eingetroffen ist. Mit stürmischen Hochrufen nnd Bravorufen quittierten die Zuhörer die Milde der Volksrichter. Die große Gesellschaft von Paris kann nun ungestört nach Tronville oder Nizza reisen und' sich in den Taumel der Inflation stürzen. Die Pariser Sensation ist vorüber. » Werbet MonnentenM die t ' „Wiener Morgenzeiturm" l «olkswirt Einberufung der Renten am 1. September. Wünsche und BefÜrchiongen der Börse. Obwohl die Regierung, wie im gestrige»r Communique mitgeteilt wurde, noch mit der Reparationskonmrission wegen der Rentettanfordernng verhandelt, so scheint sie in dieser Frage nicht nngerne nachgeben zu wollen, um mit einem Schlage allen Valorisationsphantasien ein Ende zu bereiten. Gestern wurde von der „Reichspost" anscheinend aus amtlicher Quelle gemeldet, daß die Renten, vor allem die Goldrente und die viereinhalbprozentigen Staatsschatzscheine, am 1. Septencher einberufen werden sollen. Das Präsidium der Börsenkammer begab sich gestern nachmittags zum Finanzminister Kollmann, um ihrn über die auf dem Rentenmarkt in den letzten Tagen geschaffene Lage zu berichten und den Wunsch der Börfenkammer vorzubringen, daß im Falle der Renteneinberusung der Handel mit den für die abgelieferten Renten ausgugebenden Zertifikaten gestattet werde. Hierzu wird offiziell berichtet: Die Vertreter der Wiener Börsenkammer, Vizepräsident Steinhübel, Börsenrat Wortmann und Generalsekretär. Dr. Z i n 8 l e r, erschienen gestern beim Finanzminister Kollmann, um ihm die Wünsche und Befürchtungen der Börse sowie der privaten Rentenbesitzer bezüglich box beabsichtigten Einberufung der österreichischen Renten vorzutragen. Der Bundesminister nahm die Darlegungen der Deputation zur Kenntnis, erklärte aber, in meritorischcr Hinsicht keine Zusicherungen machen zu können, welche über das bereits verlautbarte amtliche Communique hinausgehen. Hingegen gab er das bestimmte Versprechen, bei weiteren wichtigen Fragen der Durchführungsmaßnahmen die Dörsenkammer zu den Beratungen beizuziehen nnd ihre konkreten Vorschläge »»ach Möglichkeit zu berücksichtigen. Die neuen Me. Der vom Zollausschuß des Nationalrates eingesetzte Unterausschuß hat gestern die Beratungen über die von der Regierung vorgelegte Zolltarif Novelle sowie über die von den Mitgliedern des Ausschusses nachträglich eingebrachten Zollanträgt, denen die Regierung zugestimmt hatte, beendet. Gegenüber der Regierungsvorlage wurden folgende Aenderungen beschlossen: Bezüglich der Getrerdezöllc wurde bestimmt, daß der Ausgangspreis für Weizen und Gerste unverändert bleibt, jener für Roggen und Hafer mit 24 bis 28 Schilling für den Zentner bemessen wird. Ueberdies w»»rde in das Gesetz die Bestimmung ausgenommen, daß die Differe»»zierung des Roggenzolles vom Weizenzoll erst dann durch Verordnung mit Zustimmung de/ Hauptansschusses erlassen wird, wenn der Zoll auf Roggenmehl nicht mehr gemäß eine»n Handelsvertrag von dem jeweiligen Weizenzoll, abhängig sein wird. Naturbutter wurde von 60 Goldkronen auf 40 .herabgesetzt. Bei Margarine soll der.Zoll der Regierungsvorlage von 8 Goldkronen nur für solche in Packungen über 5 Kilogramm festgesetzt werden. Andere Margarine bleibt wie bisher zollfrei. Bei Gefrierfleisch soll der heutige Zoll von 6 Goldkronen für ein Jahreskontingent von 30.000 Meterzentner unverändert bleiben. Bei Kaolin wurde der vorgeschlagene Zoll von 1 Goldkrone auf die Hälfte herabgesetzt und dessen Aktivierung einer Verordnung Vorbehalten. 3>ett Bedürfnissen der Porzellanfabriken Der Jahrmarkt von Rohany. Novelle von Binjamin Segel. (S.Fortsetzung (Aus de»n Zyklus „Versunkene Welten".) Jetzt wurde ein lautes Peitschengsknalle vernehmbar. Von zwei prächtigen Rappen gezogen, rollte eine schöne, leicht gebaute Kutsche heran, so groß, .daß eine ganze Familie darin Platz.finden konnte. Aber es saß nur der Großgrundbesitzer allein darin. Der Lakai sprang vom Bock und fing an, die vielen Pakete aus dem Wagen herauszuholen. „Nun haben wir -den Zehnten zum Minjan", sagte der Getreidemakler. „Hersch, geh' hin und lad' ihn ein!" Harsch hatte sich beim Anblick des Wagens rasch des Tallich und dfr Thephittim entledigt. Er sagte etwas unsicher: „Ei, nein, das werde ich nicht. Auf mich wird er nicht hören, ich muß von ihm das Geld herausbekommen, welches er mir schuldet." Der Großgrundbesitzer schimpfte inzwischen draußen laut mit dem Lakaien und dem Hausknecht/ der ihm beim Abladen der Pakete behilflich war. „Vorsicht, du verdammter Lümmel! Das ist das Füßchen Butter für die gnädige Frau Bezirkshauptmann . . .! Dort ist der Käse . . .! Das sind die Blumensträuße für das gnädige Fräulein! Die schweren Sachen werden ausgegebrn, die Blumen kommen ins Coupe! Paßt doch auf,'ihr Strolche! Da sind zwei Speckseiten und Gläser mit eingemachten Früchten vom Vorjahre für die Klosterdamen. Wenn ihr mir eins kaputt macht, hau ich euch den Schädel entzwei, ihr .Halunken . . .! Und.du, Schuft," wandte er sich an den Kutscher, „warum hast du noch immer nicht die Decken hervorgcholt und die Pfede eingewickett . . .? Siehst du nicht, wie sie von Schweiß triefen? Willst du, sie sollen sich/rkälten? Hurtig, oder ich mache dich auf der Stelle zu Brei . . .!" Seine stattliche Gestalt im leichten Reisemantel stand aufrecht mitten zwischen den vielen Sachen, noch frisch trotz des ergrauten, kurz geschorenen Bartes. Das Schreien und Fluchen war nicht so schlimm gemeint, aber es gehörte zum Lebensstil des Edelmannes, den er sich seit Jahrzehnten aneignete. Damit verschaffte er sich Respekt heim gemeinen Voll und hielt es in angemessener Entfernung. ,Heda!" schrie er zun» Lakaien hinüber, „geh hinein und kauf' mir eine Fahrkarte! Ist der Schaler schon geöffnet?" I Jetzt näherte sich ihm Labik mit bedächtigen Schritten, lüftete den Kastochut, setzte ihn aber gleich wieder auf. „Guten Morgen, Herr Graf!" rief er. Der Gutsbesitzer maß ihn mit einem erstaunten und geringschätzigen Blicke. ■ ' , „Sich da, was willst du hier, du buckliges Kamel . . .? Wie oft habe ich dir verboten, mich Graf zu titulieren? Ich bin kein Graf!" - ■ „Aber sie werden es noch, Herr Baron, das versichere ich Ihnen. Wenn Sie es nicht werden, so wird es Ihr Herr Sohn ganz gewiß. Der Herr v. Brumicki ist auch erst vor kurzem zum Grasen gemacht worden, obwohl sein Vater Braunstein hieß und mit Pferden handelte. Ich Hab' ihn noch selber gekannt." „Du bist der frechste Schuft, der mir je vorgekommen ist. . .! Aber was willst du von mir? Einen Gulden? Zwei?" Er steckte die Hand in die Tasche. ' „Gott soll mich behüten, wozu brauch' ich ihr Geld? Ihre Seele will ich, Ihre jüdische Seele. Wir sind nämlich unser gerade neun Juden hier und brauchen den zehnten zum Minjan." „Hast du Jahrzeit?" fragte der Gutsbesitzer schon etwas besänftigt. Vor einer Jahrzeit hatte er einen höllischen Respekt. „Nein", antwortete der Bucklige. „Nur so, wir sind unser gerade zehn mit Ihnen zusammen und wir möchten gern mit Minjan dawenen." . Der Gutsbesitzer brach, halb ärgerlich, halb belustigt, in ein Lachen aus. „Hat man je eine solche freche Verrücktheit gehört? Mitten auf offener Straße fallen sie einen an. Minjan ist ihnen in den Kopf gegangen! Habt ihr keine anderen Sorgen? An einem gewöhnlichen Wochentage. Und sie haben nicht einmal Jahrzeit! Ich glaube, du bist von Sinnen, Mensch!" „Entschuldigen Sie, gnädiger Herr, Ivenn ich Sie, Gott behüte, einladen würde, mit mir eine Portion Schinken zu effen, könnten Sie sagen, ich sei von Sinnen. Sie erinnern sich ja noch gewiß aus dem Chedex in Tarnopol, was die heilige Gemara sagt: Der Mensch begeht nicht eher eine Sünde, als bis ein verrückter Geist in ihn fährt; aber wenn ich Sie einlade, eine solche MHvah zu tun, muß ich da erst von Sinnen sein? Zeit haben wir noch genug; der Herr Stationsvorstcher reibt sich erst den Schlaf aus den Augen. Wir können ruhig dawenen und nachher' trinken wir ein Gläschen zusammen, wie sich's für ehrliche Juden geziemt. Sie haben doch wohl einen guten Tropfen bei sich aus Ihrer eigenen Brennerei?" „Nach einem guten Tropfen steht dir immer der Gaumen. Dich kenne ich! Sag' mir mir, was wirft du aus der anderen Welt anfangen? Wo wirst du dort einen guten Tropfen hernehmen, um allemal dein Herz zu laben?" „Ich habe keine Sorge, aus der anderen Welt werden Sie ja auch brennen." „Ei, du Galgenstrick, nimm dich in acht!" schrie der Großgrundbesitzer, wütend über diese Zweideutigkeit. Gegen die Zungenfertigkeit des Buckligen lvar er immer wehrlos und dann geriet er in sinnlose Schimpferei: „Niederträchtiger Frechling, Leutequäler, Weiberjäger, Zierbcngcl, Lästermaul. ■. .!" Der Großgrundbesitzer schäumte und eine Flut lieblicher Bezeichnungen ergoß sich über den armen Labik, der ruhig dastand und nicht mit der Wimper zuckte. „Nur noch Treiphefresscr haben Sie zu mir nicht gesagt, gnädiger Herr ... Das wäre gerade, wie wenn ich Sie einen Buckel schimpfen wollte." „Der Zug hat drei Viertelstunden Verspätung!" meldete der Lakai. Der Schalter ist geöffnet, hier ist die Fahrkarte!" „Schn Sie, da haben wir noch gemächlich Zeit, anstänidig zu dawenen. Konrmen Sie nun hinein! Bloß zur Keduschah und Borchu. Das dauert ja kaum eine halbe Stunde. Ich will mir nur inzwischen eine Fahrkarte lösen." .halb widerwillig betrat der Großgrundbesitzer den Wartesaal. Die Bauern und Arbeiter lüfteten demütig die Mützen, die Juden verneigten sich bloß und die drei oder vier von ihnen, die Tallith und Thephillim anhatten, nickten leicht mit dem Kopfe. Berl, der Getreidemakler, der den Vorbeter machte, ging auf den Ankömmling zu und lud ihn ein, an die Frontseite oben beim Fenster zu treten, doch Hersch Lügner bahnte sich rasch einen Weg, schlängelte sich unter vielen Bücklingen und Krünnnnngen an Steiner heran, und nachdem er ihm einen salbungsvollen „Guten Morgen!" geboten, flüsterte er ihm etwas zu. Die.Hand des Großgrundbesitzers fuhr in die Hosentasche und Hersch Lügner nahm sofort eine Anzahl klirrender Silbermünzen ungezählt in Empfang. Dann lugte er sorgfältig zum Fenster hinaus , . . Keiner der drei Bauern ließ sich blicken . . Er war beruhigt.. . (Fortsetzung solgtp