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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-23 · Heft 2663 (23.7.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2663 (23.7.1926)
Date
1926-07-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wien: /.umAbholen in der I .Spedition, ll.,Taborstr. 1-3, oder in einer VerschlelsStelle Trafik) monsti. 5 Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, )„ Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling i schecho-Siowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon 6 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 tfChfAh'ttAgeit bet Frei«* t ' ti h u n ' r n verhebet*et* Wiener orgenMung Sit. 2663 Wien. Freitag. 23. 3nti 1928 llFSlaLMal England: MoMSehtühig Italien: Mona«. 2S Lire Rumänien: Mon. 170 Lei Balgarlen-Mon.lOöLewa. Schwele und das übrig» Ausland monatlich Fres. L Redaktion, Administration Wien, II. Taboriir. I Telephone: 44-0-38,43-3*1 < Ab 6 Uhr:HlÖ2, 25-2-85 1L, Universitätsstrasse W (Druckerei lg. Steinmann Oesterrelchisches Postspaikassen-Konto Nr. 150.R9 8. Satitflonr Im tcöafttortcncii Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein voraugefetztes e gekennzeichnet. Sie Anleihe für Palästina ratifiziert. Die Söovfoß* im Unterhaus. Psimare, Briand. Barthou. Frankreichs neue Regierung wird heute gebildet. (Eigendiettst der „Wiener Morgenzeiiung".) L o n d o n, 21. Juli. (I. T. A.) In der heutigen Nnteryausfitzung hat der Finanzselretär, Mr. Me. N e i l l, die Regierungsvorlage betrefsettd die Uebernahme der Garantie seitens der britischen Regierung für eine von der Paliistinaregicrmig cmfzunehmende Anleihe von 4,500.000 Pfund eingebracht. Vertreter verschiedener Fraktionen des Unterhatrsts haben sich bezüglich dieses Gcgcnslmides zu Worte gemeldet, unter ihnen auch Oberstleutnant I. M. K e n w o r t h y, brr auch über die Schwierigkeiten der Einwanderung nach Palästina, Uber die Frage der Landzuweisung an jüdische Siedler und über die Erschließung Transjordaniens sprechen Wird. Begründung durch Amery. T. London, 22. Juli. Im Unterhaus hat gestern Kowrrialminister A m e r y namens der Negierung die R a t i f U zierung der Palästinaanleihc beantragt. Er begründete in seiner Rede in präziser Form die Skotwendigkeit der Anleihe und ließ auch ein Negierungsmemorandum an die Mitglieder des Unterhauses verteilen, welches die Zustände in Paläftma vor dem Kriege mib hchte behandelt. D a s - Witt e vH a n s h a d^i e Ä n leihe r a t ifiziert. Eine Konferenz zWischen Amery und Sir Mond. T. London, . 22. Juli. Unter Vorsitz von, .Sch Alfred M ond hat heute die jährliche Tagung des Economic Board for Palcstine stattgefunden/ Unter den Anwesenden befanden sich Baron James Rothsch U d und Herr Avigdor G o l ds m i t h. Sir M ond berichtete über die Tätigkeit -es Board. Er berührte auch die Frage der Palästinaanleihe und betonte, daß Ue Anleihe die Arbeitslosigkeit in der wirksamsten Weise bekämpfen werde. Er teilte mit, daß er mit den: Kolonialminister Amery - eine längere - Besprechung über die Ae n de ru ng des Zo l lsyst e ms in Palästina gehabt habe. .. . > :< i Die Konferenz beschloß, Herrn Bernhard Baron, zur Mitarbeit im Board einzuladen. Der ^Bericht führt aus, daß die Palestine Corporation, ein Organ des Board, im letzten Jahre 3.1.00V, Pfunl-.als Anleihen an verschiedene Unternehmen gemährt hat, Diese Unternehmungen haben keine Dividenden gezahlt, aber ihre Entwicklung ist als zünftig zu bezeichnen. Kardinal von Roffnm über Anttsemiiismus ond zionismns. Rom, 18. Juli. (I. T. A.) Kardinal van Ross um, einer cer einflußreichsten Persönlichkeiten der katholischen Kirche, äußerte sich in einem Gespräch mit dem I. T. A.-Bertreter über die Haltung der Kirche zu den Problemen des jüdischen Lebens wie folgt:- . Die katholische Kirche strebt Versöhnung und Brüderlichkeit der. Völker an und verurteilt aufs Strengste und mit der ganzen Kraft.ihrer' Autorität den Ant is e m i t i 8.m u s. Jeder " Versuch, eine würdige und ruhige Existenz des jüdischen Volkes zu stören, wird von der katholischen Kirche öls gegen den Geist ihrer Lehre scharf mißbilligt. Zwischen' der katholischen und der jüdilschen Religion bestehen drei gemeinsame Hauptgrundsätze: Der Glaube an einen einzigen Gott, an die Unsterblichkeit der Seele und an die Reinwäschnng von begangenen Sunden durch Sühne.. ' . ' Mas die Entstehung eines jüdischen nationalen Heims in Palästina betrifft, schloß Kardinal van Ross um, so ist es meine Meinung, daß die Bemühungen des jüdischen Volkes, sein durch Jahrhunderte verödetes Land wieder aufzubauen, als eine Berwirkliichnng göttl, ch cr Prophezeiungen auznsehen ist. Natürlich tmissen die anderen Religionen, hauptsächlich die katholischen, die dort ihre heiligen Stätten besitzen, respektiert werden. Zum Schluß drückte Kardinal van Roffnm nochmals sein tiestes Bedauern über die ungerechten Verfolgungen aus, denen Juden in manchen Ländern ausgeisetzt sind. Ser private Sollarknrs in Polen. - L. Warschau, 23. Juli. Der Dollar notierte heute im pri- (Ki eit Verkehr inWarscha « 9.00, in Ät a l a u y.—. J Paris, 22. Juli. Die Bemühungen Poincares zur Klärung der Situation dauerten heute den ganzen Tag und werden wohl erst morgen so weit gediehen sein, daß an die Regelung der Personellfrage geschritten, werden kann. Der Widerstand gegen Poineare geht hauptsächlich von der radikalen Kammerfraktion aus, in deren Reihet: sich eine ausgesprochene Feindseligkeit gegen ihn bemerkbar macht. Die Radikalen würden ihn zwar in einem netten Ministerium annehmen, aber nicht als Ministerpräsident. Auf Grund dieser Mitteilung hat Poiucare den Vorsitzenden der radikalen Kammerfraktion,. Cazals, und einige feiner Freunde zu sich gebeten, um ihnen die Lage, in der er sich befinde, auseinanderzusetzelr. Poincare sei sich in der Tat darüber klar, daß seine Rückkehr zur Minister- Präsidentschaft als eine Persönliche Revanche gegen die Linksfraktioncn, die in den Wahlen vom 11. Mai 1924 gesiegt hatten, aufgefaßt werden könnte; aber angesichts des Ernstes der finanziellen Lage sei er der Ansicht, daß das Finanzministerium vom Ministerpräsidenten geleitet werden müsse. Infolgedessen müsse er, ikachdem der Präsident der Repilblik ihm die Bildung der Regierung anvertraut habe, ein neues Kabinett zustande bringen,, doch könne er das Ministerpräsidium nur gleichzeitig mit dem Finanzministerium übernehmen. . , ■ . Im Laufe des Tages empfing Poineare Albert Sarr a u t, C a, z a l s, Frankli n - B ö u i I l o n, P a r t h o u, B o k a n o w s k i, Louis Marin und Paul B o n c o u r. Letzterer erklärte Journalisten gegenüber, er sei n i ch t in d e r L a g e, Poincare seine Mitarbeit zu gewähren. ‘ S a t r a u t hat abgel e h n t, offenbar weil' er selbst Anwärter auf das Ministerpräsidium ist. Cazals erklärte Poincare, die sozialistischradikale Gruppe würde ihn lieber an der Spitze eines Ministeriums sehen als an der Spitze des Kabinetts. Barthou sagte die Teilnahme an dem Kabinett zu, falls ihn Poincare in seine Kombinationen einbeziehen sollte. Louis Marin teilte mit, seine Partei sei einmütig der Ansicht, daß nur Poincare imstande sei, das neue Kabinett zu bilden. I Poincare berichtete abends dem Präsidenten D o u« jmergue über das Ergebnis seiner Schritte. Beim Verlassen des Elysees erklärte er Journalisten gegenüber, er habe die Beratungen bereits abgeschlossen und werde morgen vormittags das neue Kabine" bilden. . . Peret — KammerprSfiUent. Paris, 22. Juli. Raul Peret (Radikale Linke) ist im zweiten Wahlecmg gegen den Soziati>'ten B o u t s t o n zum Präsidenten der Kammer gewählt worden. Bouisson erhielt 21 ö Stimmen. Je Monzies Anträge angenommen. Die Nachtsitzung der Kammer. Paris, 22. Juli. Die Demonstrationen vor der Kammer dauerten bis spät nach Mitternacht. Sie hatten einen saszrst i s ch e n Charakter. Man beschimpfte H e r r i o t, die Linke und das Parlament und schrie stundenlang nach Poincare. Ter Kommunist Cä ch i n, der versuchte, das Kammergebäude zu verlassen, entging mit knapper Not M ißhandlungen und mußte durch eine Hintertür aus dem Gebäude gehen. Die Polizei war machtlos. Erst der gegen 1 Uhr früh einsetzende Regen zerstreute die Manifestanten. ' Um diese Zeit trat die Kammer wieder zusammen und auch der Senat versammelte sich. Beide Häuser zogen 'den von de Monzie einge'brachten Antrag in Verhandlung. Es mußten die notwendigen Kredite beschafft werden, da nur n o ch 70 M i l li o n e n in den Staatskassen vorhanden waren. Tein demissionierenden Finanzminister fiel die peinliche Ausgabe zu, im Laufe der Nachtsitzung von Kammer und Senat die Genehmigung eines aus drei Artikeln bestehenden Gesetzes zu erlangen, durch das e i n T e i l de r Mo r ga n - A n l e i h e angegriffen und die Notenzirkulation um den Betrag des flüssiggemachten Teiles dieser Anleihe vergrößert wird. Tic Kammer nahm um 4 Uhr früh diesen Gesetzentwurf nur widerwillig mit 275 gegen 196 Stimmen an, und der Senat genehmigte ihn durch Handaufheben. Der zweite Teil des Artikels wurde im Senat mit 180 gegen 86 Stimmen angenommen. Der Finanzminister bewog die beiden Häuser zur Annahme des Entwurfes durch die einfache Argumentation, daß die Staatskassen die Scha lter schließen müssen, wenn die GesetzeAeorlage nicht angenommen würde. Nie volnische Berkassungsreform. Die Vorlagen btfm Sejm angenommen. Warschau, 22. Juli. Im Sejm lourde heute .in dritter Lesung die Gcsetzesvorlage über die Verfassungsänderung mit 250 gegen 95 Stimmen angenommen. Gegen das Gesetz stmmrtrn die Sozialisten, die Juden und die slawischen Minderheiten. Die radikalen Bauernparteien, die in zweiter Lesung gegen das Gesetz gestimmt hatten, ftünmten heute für das Gesetz und beschworen ans diese Weise die drohende Krise. Die Abstimmung im Sejm. L. Warschau, 22. Juli. Während des heutigen Tages waren zwischen der Regierung und den Part e i c n V e rhandl ungen geführt -wo.rdert, um eine möglichst starke Mehrheit für die dritte Lesung der Berfassungsgeisetze und für die Vollntachten 'der Regierung sicherzllsiellen. Es girrg bei diesen Beratungen, die. in. der intettsiiosten Weise gefiihrt wurden, in erster Reihe »tu das Rotvervrdnn n g s r e ch.t. Es kam zwischeit den P a r t e i e n d e r Recht e n ttnd den radikalen Bauernparteien „Wiswolenie" ein geheimes Abkommen zustande, wonach sich die Rechte verpflichtete, für die Dekrete mit Gesetzeskraft zu stimmen, während die Wiswolenie wieder sich bereit erklärte, der Ausschaltung der sozialen Gesetzgebung scüvie der Schul- und Sprachengesetze atls dem Bereich diese Dekrete.zlrzttstimmeu. Dirch dieses Uebereinkommen ivivd die Regierung verhindert, ihre den nationalen Minderheiten gegenüber^ eingegaiigeneu' Berpflichinngen in diesen Angelegenheiten zu erMlen. ' Aus Grund dieser Bereinbarnngen vollzogen sich dann die Abstimmungen im Plenum. Der Artikel über das Dekretierungsrecht wurde angenomnten. Der Antrag der Linken auf Ausschließung der W a h l o r d n u n g für Sejm und Senat aus den Dekreten w'arde a n g e n o m m en ultd schließlich das ganze Gesetz über die Bersassungsättderung mit 246 gegen 59 Stimmen in dritter Lesung a n g e n o m m e n. Es begannen sodann die Abstimmungen über die von der Regierung geforderten Vollmachten. Bei Artikel 2 wurde der Antrag der Rechtsparteien, welcher der Regierung das' Recht erteilt, die soziale Gesetzgebung zu erweitern und zu revidieren, angenommen. Großer S.turm links. Unter den gleichen heftigen Szenen wurde der Antrag der nationalen Mindecheiten, es habe die Ausschaltung der Fragen der Schul- und Sprachengesetzgebung zu unterbleiben, abgelehnt. Scdann wurde das ganze Gesetz in dritter Lesung e n b lo e angenommen. Die nächste Sitzung findet morgen statt. Auf der Tagesordnung steht ein Dringlichkeitsantrag der Linken auf Ausl ö s u n g d e s P a r l a m e n t s. RegelAng der Minderheitenfrage. L. Warschau, 22. Juli. Wie verlautet, will die Regierung >n der nächsten Zeit Beräturchen 'über eine Ne u r eg e lu ng der M i nd e r'h'e i t e n f rag e beginnen. Es heißt, daß bereits ein E.n t w u r s v o r b e r e i t e t ist, der eine ganze Reihe von wirtschaftlichen Fordemngen der jüdischen Minderheit berücksichtigt. Ta aber dieser Entwurf einstweilen noch als strenges Geheimnis gehütet wird, nrrtß nmn das Nähere noch abwarten. Die Aeiser-AMe vor dem polnischen Senat. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) L. Warschau, 22. JE. In der movgigen Sitzung deS Senats wird die Interpellation des j üd i s ch e n S e n a t sk l tr b s wegen des Vevhaltens des inzwischen znrnckgetretenett Lenrbevger Oberstaatsanwaltes M a l i n a ttnd der Richter N u d k a ttnd P i v t r o w s k i auf die Tagesordrtting gesetzt werden. Diese Interpellation, die umnittelbar nach dent Steiger-Prozeß eingebracht wurde, hat bisher keine Beantwortung durch die Regierung erfahren. Ser Senatsmavschall hat sich deshalb entschlossen, sie morgen zur Bevh'andlung zu stellen. Es wird sich eine schr interessante Debatte entwickeln.

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