Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2662 (22.7.1926)
- Date
- 1926-07-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mett, DoriMsKig MEL MsrWMDttMW Nr. Sette sönlichkeit zu fein und verschiedene Aufgaben erfüllen zu müssen. Ein psychiatrisches Gutachten stellte feine krankhafte Veranlagung fest, die auf erbliche Belastung zuruckzuführen ist. Der Richter verurteilte Uhrmann zu fünf Tagen Arrest, die durch die Untersnchrmgshaft verbüßt sind. ,Dle Staatsanwaltschaft findet keinen Grund . . ." In den letzten Tagen hat eine Strafverhandlung bei einem Wiener Bezirksgericht viel Aufsehen erregt. Eine Stiefmutter hatte die Kinder ihres Mannes ans dessen erster Ehe Monate hindurch in barbarischer Weise mißhandelt. Insbesondere das vierzehnjährige Töchterchen Hilda war die Zielscheibe. Dieses beklagenswerte Kind erlitt schwer« GesnudheitsschÄZigungen. Nach fachärztkichom Ausspruch liegt eine schwere Angst- und Schreckneurose vor, noch immer zittert das Kind. Es besteht sogar noch die Gefahr des Eiirtrittes^epileptischen Schwachsinns. Einmal hatte der bedauernswerte Vater den Mut, dem Kinde zur Hilfe zu kommen. Da ging die tobende Frau auf ihn selbst los. Zuerst mit einem geschwungenen Sessel, dann warf sie ein zusammengeklapptes eisernes Bcttgestell nach ihm, zuletzt fuhr sie ihm an die Gurgel. Der Mann ist herzleidend und erlitt gleich nach dieser Szene einen Anfall. Als er die Rasende von sich abwehrte, drückte er ihr einen herausnehmbaren falschen Zahn aus der haltenden Klammer. Flugs eilte die Frau zur Polizei, wo sie die Anzeige erstattete, sie werde von ihrem Manne „auf das furchtbarste mißhandelt". Allerdings konnte arrf der Polizei nicht die mindeste Verletzung der Frau konstatiert werden, aber der staatsanwaltschaftliche Funktionär erhob prompt die Anklage. Ueberraschenderweise mcht gegen die Frau, sondern gegen.den Mann, der sein ungluckiches Kind den eisernen Fäusten der Stiefmutter entrissen hatte. Ter Verteidigung des Beschuldigten durch Regierungsrat Dr. Liszt gelang es, nach dreistündiger arrfregender Verhandlung den Freispruch des Mannes zu erzielen. Der Vertreter der Privatbeteiligten wußte jedoch zu erwirken, daß die Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch nachträglich die Berufung einbrachte. — Und nun die Stiefmutter? Gegen sie war auf Grund der genau begründeten Angaben des ärztlichen Pareres die Anzeige wegen schwerer Körperbsfchädigung der Stieftochter sowie wegen gefährlicher Bedrohung erstattet worden. Sie hatte nämlich das Kind sogar bei Nacht im Bette überfallen und mit Worten wie: „Du Bestie, du wachst nicht mehr auf!" bedroht. Aber jetzt kommt das Staunenswerte: Dieselbe Behörde, die den beklagenswerten Vater wegen Verteidigung seines unglücklichen Kindes so prompt angeklagt und nach seinem Freispruch noch die Berufung eingebracht hatte, diese selbe Staatsanwaltschaft faßte den Beschluß: „Die Staatsanwaltschaft findet keinen Grund zur Verfolgung der Angezeigten." Der .^Kanzleidirektor des kaiserlichen Hauses. Durch eine vertrauliche Mi>teiiliung erlangte die Polizei Kenntnis davon, daß in der Wohnung des monarchistischen Agitators Stephan Padajaunig, der sich „Kanzleidirettor des kaiserlichen Hauses" nennt, halbwüchsige Burschen mit Herren zusammenkommen und Unzucht treiben. Die weiteren Erhebungen ergaben die Richtigkeit dieser Anzeige. Die Burschen wurden durch eine Zeitungsankündigung angeworbeu, welche lautete: „Gelähmter Mann sucht zur Bedienung jungen Burschen. Geboten werden Wohnung, volle Verpflegung und wöchentlich 7 Schilling Taschengeld." Gegen Padajaunig und vier junge Männer wurde die Anklage wegen Unzucht wider die Natur erhoben. Gestern wurde unter Ausschluß der Oesfentlichkeit vor dem Strafrichter Oberlandesgerichtsrat Dr. Dörr die Verhandlung durchgeftihrt. Padajaunig war nicht erschienen, er ist bereits einmal wegen desselben Delikts zu zwei Monaten Arrest verurteilt worden. Der Richter verurteilte ihn heute zu vier Monaten schweren Kerkers, doch wird Padajaunig diese Strafe nicht verbüßen können, weil er infolge eines schweren Rückenmarkleidens haftunfähig sein soll. Der angebliche politische Sekretär Padajaunigs, namens Eduard Herzog, der Zutreiberdienste geleistet hat, erhielt sechs Wochen schweren Kerkers, ein 19jähriger Bursche drei Wochen strengen Arrests, bedingt mit zweijähriger Bewährungsfrist. Die anderen Angeklagten werden vom Jugendgericht abgeurteilt werden. Bottswitt. zur Frage der valSstiaeuUchen Handelrbllaor. Von Dr. Kurt Gvmwald, Tel-Awiw. In der „Wiener Morgenzeitung" vom 21. Juni behandelt Rafael B e n f« f f a n unter dem Titel „Das Land ohne Wirtschaftspolitik" das Problem der Handelsbilanz. In diesem Artikel heißt es: „Relativ lehren uns die Ziffern, daß die Krise unvermeidlich war. Wenn wir uns fragen, worin die Ursache liegt, daß trotz der passiven Handelsbilanz von 1924 man im Jahre 1925 einen Wirtschaftsaufschwung verzeichnen konnte, so ist die Antwort sehr klar: Das Geld, das die neuen Einwanderer im Jahre 1925 ins Land brachten, war die einzige Quelle, aus der man die Passivität der Handelsbilanz decken konnte." Für den Autor scheint also zuerst ein Defizit vorhanden gewesen zu sein, das immer durch die nachfolgenden Immigranten bezahlt werden muß, eine grobe Verwechslung von Ursache und Wirkung. Hätte der Autor neben die Handelsbilanz die Jmmigrationsstatistik gelegt und zusammen durchgearbeitet, so hätte er sehen können, daß sich pro Kopf eines jeden Immigranten eine Erhöhung des Imports um zirka 50 Pfund ergibt. Er hätte sich ausrechnen können, daß jede Jmmigrationswelle neue Güter verbraucht, die das Land nicht hervorbringen kann; er hätte bei Betrachtung der Bilanz sehen können, daß die Steigerung des Imports zum größten Teil «durch Einfuhr von Pwdnktivgiitern hervorgerufen wurde. Er vergißt daran, daß nicht die .Handelsbilanz das wichtige ist, sondern die Zahlungsbilanz, die durch die Fonds, den Touristenverkehr, durch die Gelder der Einwanderer (die nach vorsichtiger Schätzung der Exekutive 1925 zwei Millionen Pfund betragen haben), ausgeglichen wird. Es ist grundfalsch zu behaupten, daß die Krise unvermeidlich war, infolge des hohen Imports. Die Krise entstand durch eine unrichtige Anlage der Gelder mangels einer zielbewußten Wirtschaftsführung. Sie trat dadurch in einer katastrophalen Stärke auf, weil äußere, weltwirtschaftliche und weltpolitiische Ursachen sie auslösten. Freilich ist manches richtig an den zitierten Ausführungen, insbesonders kann man den Schlußfolgerungen im großen und ganzen zustimmen. Doch scheinen diese das „id est quod erat demonstrandum" gewesen zu sein, dessentwegen man die Unterlagen ein wenig vergewaltigen mußte. Eine derartige Logik ist lehr gefährlich. Sie greift immer mehr um sich und liefert die!änderbarsten Schlüsse. So schreibt etwa General Schönaich in einem Artikel, er habe nicht begreifen können, wie bei den hohen Futterkosten sich die Milchwirtschaft (in Kirjach Anavim?) rentiere. Erst als er gesehen habe, daß man sechzig Pfennig in Jerusalem für den Liter zahle, da sah er die Möglichkeit ein. Daß man diese Preise zahlt, weil die Prodlcktionskosten so hoch sind (was weitere Schlüffe für die Möglichkeiten der Milchwirtschaft zuläßt), scheint ihm nicht zum Bewußtsein gekommen zn sein. Allerdings hat er Palästina durch gefärbte Brillengläser betrachtete Diese Beispiele zeigen, wohin man gelangt, wenn man nicht absolut objektiv die Dinge betrachtet, sondern immer nur als Beweismaterial für seine Theorie. Fehler, die von Links und Rechts in gleicher Meise täglich bewußt oder» unbewußt gemacht werden und der Erkenntnis unserer Wirtschaft undPolitik im höchsten Maße abträglich sind. ..'7. Zuschriften an die RedaMon owte unverlangt einlangenden Manuskripten wolle man tets Rückporto bettege«, Sa sonst eine Beantwortung, beziehungsweise Rücksendung nicht erfolge» kann.!Mi . 8N. Wkk MS Amtliche Kundzebung zur Nenteofrage. Di« Mitteilungen Über eine bevorstehende Einberufung der Oesterreichffchen Goldrente und der viereinhalbprozeutigeu Staatsschatzscheine sowie über di« Ueberleitung der übrigen Renten in die Schillingwähr,rng haben an der gestrigen Börse deronteartige Erscheinungen hervorgerusen. Alle Renten wurden der Reihe nach infolge Ueberangebotes mit dem Minuszeichen aufgezogen. Die ersten Kurse zeigten große Abschläge gegenüber den Sch-lußkuosen vom Montag. In der Folge traten noch weitere Rückgänge ein, so daß zum Beispiel das Standaridpapier der Rentenkuliff«, die Oesterreichische Goldrente, bis auf 53.000 sank. An der Börse herrschte große Erregung darüber, daß die Mitteilungen über die geplanten Maßnahmen nicht im Woge des amtlichen Nachrichtendienstes verbreitet wurden und daher allen Kombinationen Tür und Tor offen gelassen worden sei. Um die Mittagsstunde trat jedoch eine Beruhigung ein, als bekannt wurde, daß eine offizielle Mitteilung des Finanzministeriums an die Zeitungen ergehen wecke. Alle Renten.erholten sich, ohne daß jedoch die Schlnßkurse vom Dienstag erreicht worden wären. Die Regierung ist offenbar zur Erkenntnis gelangt, baß derartige unbestimmt gelassene Moldttngen Mer Eingriffe in den Rentenmarkt nur geeignet seien, den Kontermineuren zu nützen. Das nun gestern in den Abendstunden ausgegebene Conrnmnique bringt im wesentlichen nur eine Bestätigung der bisherigen Zeitungsmekdungen. Das Commuuique beschäftigt sich einleitend mit den altungarischen Renten, die sich auf dem Gebiet der Republik Oesterreich befanden und im Jahre 1922 mit einem österreichischen Sichtvermerk abgestempelt worden seien; es erklärt, daß die Einberufung nicht sichergestellter VovkriegsschuDverschreibungcn unterblieben sei, weil sie mit „Oe" abgestempelt und die Talons zurückbehalten wocken seien, und führt dann weiter aus: „Mit einem Rundschreiben an die Regierungen der Sukzessrons- oder Zessionarstaaten Altösterreichs und Altungarns vom 7. Juni 1926 hat die Reparationskommiffion dieses Begehren speziell für die vierprozentige Oesterreichische Goldrente, die vierprozentige Ungarische Goldrente, die viereinhalbprozentigen Oester« reichifchen Staaisschatzscheine vom Jahre 1914, die auf mehrere Währungen lauten, die viereinhalbprozentige Ungarische Rente vom Jahre 1913 in vier Währungen, die viereinhalbprozentige amort. Ungarische Rente vom Jahre 1914 in vier Währungen wiederholt. Für die altungarischen Borkriegsschuldvevschreibungen ist das Begehren von Oesterreich schon erfüllt; Mer den Zeitpunkt der Einberufung der im Vorausgehenden bczoichneten altösterreichifchen Schuldverschreibungen wird noch mit der Reparaiionskommission korrespondiert" Im zweiten Teil, der sich mit der Ueberleitung der ver* 'chickenen altösterreichischen und altungarischen Rente» in die Schi Hing Währung befaßt, heißt es, daß darüber noch nicht entschieden sei. Es wird darin die „Entdeckung" gemacht, daß bei diesen Papieren der Halbjahrcoupon für 100 K. 2 K. beträgt und daß di« kleinen Notenabschnitte zu 1, 2, 10 und 20 K. derzeit noch geltecke Zahlungsmittel seien. Da nach § 17 des Schillingvechnungsgesetzes die Oesterreichische Nationalbank nach dem 31. Dezember 1926 auf Kronen lautende Noten nicht mehr werde ausgeben. dürfen, sei es notwendig, diese Überleitung in nicht allzu ferner Zeit durchzu führen, um o mehr als jetzt schon die Notenbank auf die Einberufung der Kronennoten drängt. Das ist alles, was di« Regierung Mer dieses Thoma zu agen für nötig befunden hat. Selbst eine -flüchtige Prüfung des oben im Wortlaut angeführten Passus des Communiques läßt osort erkennen, daß. es mit dem Drängen der Reparationskommiffion nach einer Einberufung sämtlicher Renten gar nicht so gefährlich sein könne, daß es der Reparationskommiffion eigentlich Der Jahrmarkt vau Rohany. Novelle von Biujamin Segel. (2. Fortsetzung (Aus dem Zyklus „Versunkene Welten".) ,Mevn er weiß, daß du da bfft, kommt er ganz gewiß. Aber auch dann haben wir nichts davon. Solche große Herren nehmen sich Zeit, und treffen auf der Bahn ein, wenn der Zug schon reisefertig ist. Dann heißt es gleich einsteigen." ' i Ihnen allen war jedoch die Idee, Minjan zu machen, in den Kopf gegangen. Sie winkte ihnen wie die Aussicht auf einen seltenen Genuß. Diese Dorsjuden, die unter den Bauern zerstreut wohnten, fanden sich nur am Sabbat zusammen, um einen regelrechten Gottesdienst zu halten und aus der Thora vorzulosen. Dazu hatte Bers, der Getreidemakler-, in seinem Häuschen eine besondere Stube eingerichtet, mit einer Heiligen Lecke, in der eine in feiner Familie erbliche Dhorarolle verwahrt wurde, mit einem verblichenen, goldgestickten Vorhang «davor; daneben ein Ständer mit einem Pult, in der Mitte ein TM mit einer schönen Decke darüber. Ein Kasten mit Büchern stand an der Wand,.vom Balken hing ein neunarmiger Hängeleuchter herab. Das Ganze sah aus wie eine Miniatuvsynagoge. In den schönen Sommermonaten kamen sie sogar am Freitag abends zusammen und hielten Gottesdienst. Aber in der stürmischen Winterszeit traf es sich, daß manche sogar am Srbbat morgens nicht hinkommen konnten, und da gab es eben kein Minjan. Und nun schon gar an einem gewöhnlichen Wochentage, da gehörte ein Minjan zu den größten Seltenheiten. Wenn einer Jahrzeit hatte, ließ er eine Woche zuvor die Nachbarn bitten, an diesem Tage sich bereit zu halten und bei ihm einzusinden. Jeder mußte ja seiner Beschäftigung nachgehen. Die Gelegenheit, an einem Wochentage Keduschah und Borchu zu sagen, erschien ihnen wie etwas Festliches, wie ein merkwürdiges, ausnehmliches Ereignis. Sie gruppierten sich in einer Ecke, der Glaser rückte seinen Kasten beiseite und sprach: „Ob wir Minjan haben oder nicht, auf jeden Fall -ist es gut, mit dem Dawenen*) hier fertig zu Wecken und etwas zu *) Gebet. «sich zu nehmen. Wenn , man in der Stadt ist, hat man dann einen freien Kopf und kann seinen Geschäften nachgehen." Hersch Lügner war der einzige, der Thallith und Dhephillim nicht bei sich hatte. ,Hch leihe dir die meimgen," sagte Jossel, der Schneider, du machst es ja ohnehin schnell ab." Hersch Lügner nahm das Anerbieten an, aber er war heute sehr zerstreut -und unruhig. Mährend er die Gebete murmelte, sah er unablässig zu-m Fenster hinaus. Es war nicht nur der Großgrundbesitzer Steiner, nach denk er ausschaute, keiner ahnte, daß er sich mit einem unheimlichen Plane trug, -den er heute auszuführen gedachte. Es -war ein Stück Papier, das er bei sich hatte, ein sauber geschriebener „Mt", wie er ihn als Winkelschreiber oft anzufertigen pflegte . . . Eine Denunziation . . . -Hersch Lügner hatte mancherlei fragwürdige Dinge in seinem Leben verübt, an die er nicht gern zurückdenken mochte. Doch zum Denunzianten «war er noch nie gewocken. Aber der Bezirkrha-uptmann von Rohany hatte ihn so lange gequält und ihn so lange mit allerlei Versprechungen gelockt . . . Der Bezirkshauptmann hatte einen Groll auf den Schultheiß und seine beiden Assessoren in dem Dorfe — -das rührte noch von den letzten Wahlen her —, aber er konnte gegen die drei Bauern nichts ausrichten. Da warf er ein Auge auf Hersch Lügner. ,Me>nn du mir diese drei Lümmel in die Hände lieferst, dann sollst du's gut haben, .HerWlo! Möchtest du eine Tabaktrafik auf Lebenszeit besitzen? Eine Schankkonzession? Na, wir wollen sehen .. .! Nur schwarz auf weiß mußt du mios bringen . . .! Es geht in deinem Dorfe manches vor . . . Du kannst alles herauÄekommen ... Die drei Lümmel können weder lesen noch schreiben . . . Du bist ein kluger Kopf, Hevfchlko, paß nur gut auf, du wirst alles erfahren . . .!" Im Dorfe ging nichts vor, aber Hevschko stengte feinen guten Kopf an und Paßte ans, und bald wurde chm klar, daß dev Herr Bezirkshauptmann um joden Preis etwas fchwartz auf weiß haben mußte, womit er es den drei widerspenstigen Bauernlümmeln einttänken tonnte ... Lange überlegte sich Herrsch Lügner die Sache, aber am Ende — wer nröchte nicht gern eim Ta'baktrafik auf Lebenszeit oder eine Schankkonzession^haben . . .? Die drei Bauernlümmel konnten weder lesen noch schreiben. Und der Herr Bezirkshauptmann war Mchliger Zerr, gleich Hex. näKenaij Asm Dattzgl^. Er mußte wohl wissen, wozu das alles gut tva«r . . . Endlich hatte Hersch Lügner das Papier in der Tasche. Drei Tage lang hatte erdarüber geschwitzt. . . Der Herr Bezirkshauptmann würde mit Vergnügen mit -der Zunge schnalzen, ihm zur Anerkennung einen Fußtritt versetzen und ausrufen: „Schön, du Hundeblut, berdannnetes . . .! Das hast du gut gemacht . . .!" Er konnte nun auf eine Ta'baktrafik oder eine Schankkonzession rechnen . . . Aber die ganze Zeit über verfolgte ihn der Ge- .danke, daß die drei Bauern heute ebenfalls mit demselben Zuge von Rogi nach Rohany fahren konnien. Allmählich wurde es ihm znr Gewißheit, -daß sie cs tun müßten, sie konnten jeden Augenblick ankkommen . . . „Ha, Hcrschko, guten Morgen! Bist du auch hier? Fährst nach Rohany? Schön, wir reifen zufanunsn, du erzäW -uns unterwegs ein paar Geschichten! Das wird lustig Wecken ,. . Ein Schnäpschen gefällig? Ich habe auch gebratene Eier bei mir und Schtvarzbwt. Greif zu! Das ist dir doch nicht verböten . . .!" Dann würde Hersch Lügner nicht den Dkut finden, die Dermnziation zu überreichen« . . . Unmöglich . . . Das brächte er nicht fertig. Die drei hatten ihm nie was zu Leide getan, oft etwas zu verdienen gegeben und mit Lebensmitteln ausgeholfen. Wenn er ihnen ins Gesicht blickt, dann ist es aus mrt dem ganzen Plan, die Tabaktrafik und die Schankkonzoffion sind für immer dahin ... In seine ohnehin nicht ganz reine Seele war eine große Unruhe gekommen, und jetzt erwachten auf einmal in ihm unangeneißme Erinnerungen an allerlei Dinge, die er gesagt und getan, die er längst vergessen Kl haben glaubte ... Wenn er heute zum Teuunzianten getvocken ist, daun wind er freilich für die Zukunft nicht mehr zu sorgen haben, aber .. . aber ... Wenn nur die drei Bauern nicht kämen ... Doch sie werden gewiß kommen . . . Sie müssen kommen . . . Hepsch Lügner hatte sich in den Kopf gesetzt, daß die drei Bauern jeden Moment ankommen lverdrn,. und sah ihrem Erscheinen mit Beklemmung entgegen. Er starrte fortwährend zum Fenster hinaus und zuckte zusammen, so oft die Tür au^ing . .. Wenn sie kämen, müßten sie schon längst da sein, tröstete er sich. Bauern machten sich zum Zug sehr frühzeitig auf, . . Indessen Lrmen immernme Bauern arrs der« Umgegend. Der Wartefaal Mte sich. Draußen war es schon heller Tag geworden. Im Osten ovblitzten die erstell Strahlerl Gortsetzung folgt.)