Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2662 (22.7.1926)
- Date
- 1926-07-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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fPolen: 23grosayl Wien- Zuiti Abholen ln det Eapcdition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschteisst€fle ^Trafik) monati. 5 Schilling Strassenvcrkaui in Wien durch die Kolporteure der Firma G .0 l d schmied, Wolizeile 11 Mit Poslversand lüf Wien und Oesterreich monatlich s Schilling 1 scnecho-Slowakel: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 6Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich. Belgien: Mon. Frcs. 35 aeftzah trogen Bei. I* r e 1 *• - r i fl i, ir n i «• n «’orbehalie» IP'FiTä'lI'gl England! Mon.4Schitttng. Italien: Monat!. 20 Lite: Rumänien: Mon. 170Lei« Bulgarien rMöö.lOOLew«. Schwele und das übrige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44*0*38,43*3-19 Ab 6 Uhr:~%-102, 25-2*82 IX., Universitatsstrasse 6-8 (D.uckerei lg. Steinmann) Oesterrelchisches Postspa «• fassen-Konto Nr. t50.no Nr. 2682 Wie«. Louuerstag. 22. Sttii 1626 gatzrgana Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztrS E gekennzeichnet. Sie Berfafiungskeform in Polen. L. Warschau, 21. Juli. Die Debatte des heutigen Tages beschäftigte sich mit der Borlage über die Vollmachten der Negierung. Abg. Lieber mann vom sozialistischen Klub griff die Vorlage in einer scharfen Rede an, worauf der Regierungschef Bartel das Wort ergriff, um die Ausführungen des sozialistischen Redners zuriickzuweisen. Die Sitzung des Sejm dauert zur Stunde, 10. Uhr abends, noch fort. In den Couloirs verlautet, daß die R eg i e r u n g unbedingt darauf b e st e h t, daß die gestern erfolgte Ablehnung des ersten Teiles des Art. 11 über die Notverordnungen mit Gesetzeskraft reassumiert werde. Sollte der Sejm bei seinem Beschluß beharren, so würde die Regierung die Konsequenzen ziehen. . . ' Ans Senatskreisen wird mitgeteilt, daß diese Körperschaft dem Regicrungsentwnrf über die Verfassungsrevision durch eine Unzahl von Abänderungsanträgen Schwierigkeiten machen werde. Die Nachricht von dieser Absicht des Senates hat in den politischen Kreisen große Erregung hervorgerufen, weil sich die Situation zwischen der Regierung und den Vertretungskörpern, die ohnehin schon sehr gespannt ist, dadurch noch weiter komp I toteren würde. Reaktionäre Anträge zur polnischen Wahl- ■ reform. L. Warschau, 21. JulL Im Verfassungsau sf ch u ß des Sejm.gelängte...heute der Antrag der P i ast- P a r t e i zur Verhandlung, welcher ' die Wahlordnung betrifft, sowie die Anträge der Linksparteien auf Auflösung des Parlaments. Abg. Schreiber (jüdischer Klub) beantragte, die Beratung der Wahlordnung bis zur Herbstsession zu vertagen. Der Antrag wurde ab gelehnt, worauf der Abg. K o n o p c z y n s k-i ein längeres Refexgt über die Aenderung der Wahlordnung erstattete. Sein Referat gipfelt in dem Antrag, es sei die Zahl der Abgeordneten im allgemeinen zu vermindern, doch sollen den Bezirken, in welchen das Interesse für die Staatsangelegenheiten stärker ist, sowie denjenigen, die für den Staat größere Opfer bringen, eine größere Anzahl von Mandaten zngewiesen werden. Polen beharrt auf dem ständigen Sitz im BSlkerbundrat. L. Warschau, 21. Juli. Im auswärtigen Ausschuß hielt der Minister des Aeußern, Zalewski, sein Expose über die auswärtige Politik. Er betonte, daß die Politik Polens eine u n b e d i n g t f r i e d l i ch e sein müsse und daß Polen mit a l l e n K r ä f t e n d e m F r i e d e n . z u st r e b e n müsse, der für den wirtschaftlichen Auf bau des Landes unentbehrlich sei. Um die Friedenspolitik zu unterstreichen, habe der Kriegsmimster die Posten mehrere r M i l i t ä r a t t a ch e e s bei auswärtigen Vertretungen g e ft r i ch c n. Der Minister behandelte ausführlich das Verhältnis zu m B ölkerbund und erklärte, doch nur die Sicherung einer ständigen Vertretung Polens im Völkerbundrat dieser Körperschaft die Möglichkeit geben werde, ihre auf die Erhaltung des Friedens und die Sanierung Europas gerichtete Arbeit fovtzusetzen. Die Debatte über das Expose wird in der nächsten W och e beginnen. Kein zwlfcheufall Pilsudski-zakewski. I.. Warschau, 21. Juli. Von autoritativer Stelle wirb Ihrem Korrespondenten mitgeteilt, daß die in der Presse vielfach verbreitete Nachricht Von einer Verstimmung zwischen dem. Aichenmimster Zalewski und dem Kriegs-Minister Marschall Pilsudski jeder Grundlage entbehrt. Auch -er ails Gmnd dieser Verstimmung angegebene Zwischenfall bei einem Besuch des englischen Gesandten Miller sei erfunden. Ser private Sollarknrr ia Pole«. ktkL Paris, 21. Juli, 10 Uhr nachts. Die HsiHlstM ist von fieberhafter Panik ersaßt.' Im Augenblick läßt sich noch nicht absehen, wohin die Ereignisse treiben. 5000 Menschen sammelten sich abends vor der Kammer und forderten stürmisch den Rücktritt Herriots. Man machte Miene, das Gebäude zu stürmen. Die ganze republikanische Garde mußte anfgeboten werden, mn das gewaltsame Eindringen der Menge abgnlvehven. Je länger die Sitzung dauerte, desto bedrohlicher wurde die Situation vor dein Hause. Die Menge wuchs von Minute zu Minute und es Ivurden die wildesten Drohungen gegen die Minister und die Abgeord-- rrsten laut, , Als Men 9 Uhr nach düy inzwischen in -er Kammer ersvlgtsn Sturz der SMerrurg -die ^Mpimerheraümg ausgesetzt wurde, mutzten die umfassendsten Maßnahmen ergriffen werden, mn die Sicherheit Herriots, den die Menge zu lynchen drohte, pr gewährleisten. Es kam zu Schlägereien. Die Wache zog blank mw trieb die Menge zmück, wobei viele Leute verwundet wurden. Die Abgeordneten verliirtzen fluchtartig durch Seitenaprsgänge das Palais Bourbon, das jedoch auch weiter von der Menge belagert blieb. Herriot begab sich im Auw zum Präsidenten Domnergne, dem er die Demission anmeldete. Der Präsident nahm den Rücktritt zur Kenntnis und setzte sich sofort mit Poincare in Verbindung, den er für morgen, 10 Uhr vormittags, zu sich fob. Poincave erklärte nachts den Journalisten, daß er ein Ministerium bilden wolle, in dem er neben dem Präsidium auch das Fmanzressort übernehmen werde. Briand solle Außenminister, Barthou Innenminister, Albert Sarraut Kolomcklminister werdm. Für halb 12 Uhr nachts ist eine Nachtsitzung der Kammer (LMMon, in der über den Antrag de Monzies abgestimmt werden soll. Durch die Annahme dieses Antrages, der sich auf die Berweindung des Restes der Morgan-Anlethe zur Stützung des Franken bezieht, soll verhindert werden, daß morgen die Schalter der Bank von Frankreich geschlossen werden, wie dies der Finanznunifter in Aussicht stellt. Es ist jedoch sehr zlveifelhaft, ob die Abgeordneten, die durch die wilden Szenen vor der Kammer eingoschüchtert worden sind, zur Sitzung erscheinen Iverden. Die Erregung Mf dm Stmtzon dauert fort. Gegm wärtig ist die Kammer von Polizeikordons umgeben. * Herviot ist gestürzt, Poincare soll die nächste Re gierung bilden. Frankreich ist von einer wirbelnden Panik ergriffen und es ist im Augenblick völlig unklar, geworden, ob der morgige Tag auch nur die Ansätze für eine Entwirrung bringen kann. Der Führer der Demokratie, Herriot, mußte unter Polizeifchntz zum Präsidenten fahren, um ihm die Demission zu überreichen. Der Sturz seiner Regierung war ans dem gleichen Anlaß erfolgt, der dem zehnten Kabinett Briand das Leben gekostet hatte. Herriot lehnte sich gegen den Versuch zur Diktatur auf. Als aber sein Finanzminister in der Kammer erklärte, auch gegen ihre Zustimmung zu energischen Maßnahmen schreiten zu wollen, war das Ende da. t.. Aber wie in allen Staaten, die dje Währungskrise er- L. Warschau, 21. Juki. Der Dollar nottette hentt km pvk-',hat, z^gte^auch dieses Berhaltew der Kammer, dieser oalen Verkehr in W a r l ch a u 9.07, in K r q k a « 9.15. '' ~ Amm der Maffen ans das Parlament. — Lie Regierung gestürzt. — Doumergue emdküngr Poimare. — Finanzminlsier de Monzie droht mit der Schiießuug der Sitzalter der Baal von Frankreklh. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 21. Juli. Das Kabinett Herriot ist heute abends, 9 Uhr, gestürzt worden, nachdem die Kammer eine Tagesordnung der Radikalen, welche der Regierung das Vertrauen ausspricht, mit 290 gegen 23? Stimmen abgelehnt hatte. Sofort nach der Abstimmung begaben sich die Mitglieder der Regierung ins Elhsee, um dem Präsidenten der Republik ihre Demission zu überreichen. mes. Die Masten sind vom Schrecken geschüttelt. Sie fühlen' die Stöße mit unvermittelter Wucht und sie zeigen absolut' kein Verständnis für das Duell in der Kammer. Es muß sehr rasch gehandelt werden, wenn das Unglück, das doch nur den lauernden Freunden der Diktatur den Staat in die Hän>- spielt, beschworen werden soll. Die Kammersitzung. Paris, 21. Juli. Die Kammer ist um 5 U h r nachmittags z n s a mm e n ge tr e t e n. Ministerpräsident - Herriot vrrlas. eine kurze Regierungserklärung. Nach einern «. ..auciä uns die D r in glichkeit des F i n a n z P r o b l e m s und auf die unmittelbar bevorstehenden Fälligkeiten betont die Regierung in her .Erklärung, sieZ)eMsichtü^e-wicht, die Session durch Dekret zu schließ e n. Däs Regierungsprogramm baue, sich auf de'' Ueberzeugung auf, daß das Land sich selbst retten wüste. Die Regierung lehne unter allen Umständen eine E rweiterung der B a nkno t e n u ml aus g r e n z e ab. ,Jhr Ziel sei die Stabilisierung der Währung. Die Ban k v o u Fr a n kre i ch müsse ihre U n abh ä n g i gk e i t behalten. Zur Sanierung der Finanzen übergehend, kündigt Regierung die Heranziehung aller Werte außer den Rentenpapieren an. Schließlich betont die Regierung die Notwendigkeit von Einschränkungen- und spricht sich für das K r e i s w a h l s y st e m aus. Mit. der Wendung, daß das Parlament sich sofort darüber äusspreche, ob eine Mehrheit für eine andere Formel vorhanden sei, wird die Vertrauensfrage gestellt. Nach Verlesung der Regierungserklärnng, die ohne Be ifalls- oder M i ßfalle n skundgebu ng mit eisigem Schweigen angehört wurde, ergreift der Kommunist Cachin das Wort und verlangt die A u f l 5 s u n g d e r Kammer. Sodann besteigt Fmauzministex de Monzw die. Tribüne. Er erklärt, daß er die Stellung der Regierung sowie seine eigene m der Debatte mnfchveiben werde. Zur- Lösung der Krise seien drei Mittel vorhanden. Das erste, die Konsolidierung, habe die Kammer abgelehnt. Er habe daran gedacht, durch die Bank von Frankreich die Steuern des Jahves 1926, die noch eingehen würden,, di Skonti er en zu basten. Aber auch von diesem Gedanken sei er abgekommen und schlage nun vor, sich ebenfalls an die Bank von Frankreich zu wenden und Borschüste ans die im Besitz des S ch a tz a m t e s b e f i n dlichen Devisen geben zu lasten. Diese AnNndignng, die ans den Verkauf des noch vorhandenen Restes de« Morgan-Fonds hinauslänst, erregt großen LSnn. De Monzie erklärt weiter, er tue nur das, was auch sein Vorgänger Ca illaux beabsichtigt habe. (Zwischenrufe: „Dann war der Stmrz Caillanx' nicht notwendig) ' Stroit um TaktA nnd Prinzip das Bild des'luftleeren Ranin Men,^Seide. MMMN. ^phiff|T){)ni] •liouMn b.s.b. Im Warenhaus Dl Ullul Oullll lllldllll Tslapban 47-V78,48408 Ed p ED detail 9979841289