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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-21 · Heft 2661 (21.7.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2661 (21.7.1926)
Date
1926-07-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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€y'w c o Wien, Mittwwch Wiener Morsenzrttnns A. Mi 1926 Ne. 2661 cnn der Hohen Warte znr?lusfttbrnng Zn bringen. Das Werk soll mit einein Aufwand von etwa 1500 Personen in Szene gehen. Ednard Kasparides, der bedeutende Wiener Porträt' und Gcnrenwler, ist im 69. Lebensjahre in Gleichenberg gestorben. Tie Reiche des Künstlers wird in Wien bestattet werden. Verband österreichischer Künstler und Kttnstfreunve. Das ^Aene Wiener Konservatorium", der „Malerbnnd Mördern", das Gremium der konzessionierten Musikschulen Wiens" und der Verein „Praterschütz sind dem „Verbände österreichischer Künstler und Kunstfreunde" als Mitglieder beigetreten. Das Vizepräsiduim hat Hofrat Dr. Artur 9 i e ch t e n ck e r übernommen. Kleine K^iffnachrichteu. We-dekinds „Fri'chlings Erwachen" wurde ins Chinesische übersetzt und ist unter dem Namen ..Eh'ni! Lina" in Lch-anahai erschienen. Es ist dos erste Wcrik Wedekiuds, das in den fernen Osten gelangt. — JnEnglantz ist unter dem Vorsitz von Lady Gray eine Tolstoi-Geselli ch a f l gegründet worden, welche jetzt schon Vorbereitungen '".nr 106. Geburtstage Tolstois im Jahre 1928 trifft. Es wird eine Gcianlt.russt.rbe der Werke des Dichters vorbereitet. Die bedentend- 'Vit englischen Schriftsteller schreiben die Geleitworte zu den ein- Zeiten Büchern, so John Galswort Hy zu „Anno Kciren-.n.r". H. G. Wells zu „Auferstehung", St. Graham zu ..Der Ted des Iwan Jliffch". — Das tschechoslowakische iKrtcrrichtsnün'sterium hat der germanistischen Zeitschrift „E n p h o r i o n", die jetzt in Stuttgart erscheint, eine Subvention gewährt. Vereine. DortrSgr und Versammlungen. Zionistische Organisation. B e z i r k s s e ki o n Brigittenau. Morgen, 8 Uhr abends, im SektionS renn. 20. Bez., Jäe.erstraße 80. findet ein Vortrag von Dr. I. H 'k ö r n e r statt. Thema r »Die Inden in Amerika." Eintritt frei. — Zioniitiiche Frauenorgantsation XX. Heute. '/,8 Uhr abends, findet im Heime. 20. Bez.. Jägeriraße 90. eine Frauenversammlung statt. Nefcrenlin Frau Sophie Löwenherz. $ HebZRsche Ferialkurse. Ter zionistisch-akademische Verein Var-Kocbba eröffnet hebräische Ferialkurse. Hebrän'ch in Schrift und Wort auf Grund der palästinensi ch-sephardischen Ortbophemie. Leiter Prof. M. C h a r t i n e r. Jernialem. Lehrer am jüdi'chen Realgymnasium. 2. Bez., Castellezgasse 85. Unterricht und Einschreibungen daselbst täglich von 6 bis 7 Uhr abends. Serichtssaal. Ler Kampf um die letzte Ruhe. Die umstrittene Grabstätte. Eine merkwürdige Klage brachte die Witwe Antonie H. gegen ihre Schwisgertochter beim Bezirksgericht Hernals ein. Sie verlangte, daß die Beklagte schuldig erklärt werden solle, beim Magistrat die Zustimmung der Friedhofsvevwaltung vormerken zu lassen, daß sie in dem Grabe, in dem der Sohn der Klägerin ruht, dereinst bestattet werden soll. Zur Begründung des Klagebegehrens brachte die Klägerin vor, daß bei dem im Jänner 1921 erfolgten Tode ihres Sohnes zwischen ihr und der Frail des Verstorbenen eine Vereinbarung zustande gekommen sei, wonach der letzte in dem Grabe vorhandene Platz der Mutter des Verstorfleijm und nicht seiner Frau gebührt. Diese Vereinbarung kam deshalb' zustande, weil sie, die Klägerin, den größten Teil der Kosten" für die Bestattung getragen habe. Die Beklagte bestritt das ZustandekonÄnen einer derartigen Vereinbarung und reklamierte den letzten Platz in dem Grabe für sich, -ba sie neben ihrem Gatten bestattet werden will. Das Bezirksgericht erkannte zu Recht, daß der klägerischen Schwiegermutter der letzte Platz im Grabe gebühre und verurteilte die Schwiegertochter zur Abgabe der geforderten Erklärung. Dagegen brachte die Verurteilte die Berufung ein, über die gestern vor dem Zivillandesgericht verhandelt wurde. Einigungsvorschläge des Vorsitzenden blieben erfolglos. Die Klägerin rief unausgesetzt: „Ich will in demselben Grabe liegen wie mein Sohn!" ivährend die Beklagte replizierte: „Und ich in demselben wie mein Mann!" Der Geklagtenvertretcr führte ans, dvß die Schwiegertochter der Meinung gewesen sein muffe, daß eine derartige Vereinbarung mit der Schwiegermutter nie zustande gekommen sei, denn sonst hätte sie nicht geduldet, daß in der Zwischenzeit zwei entfernte Verwandte in dem Grabe Aufnahme fanden. Der Bernfungssenat gab der Berufung keine Folge und b est ä t i g t e das erstrichterliche Urteil. — Klägerin: Alsdann, wer kommt in das Grab hinein'? — Vor s.: Sie haben ja gehört, es bleibt bei dem ersten Urteil. — Klägerin (zur Beklagten siegesbewußt): Ich komm' hinein! — Geklagte: Wern ma sehn, wer hineinkommt! — Ans dem Gange geraten die beiden Frauen noch hart einander. Ser tapfere Waldhosencr. Bekanntlich stehen die schlagenden antisemitischen Studentenvereinigungen auf dem Prinzip, Nichtariern die Genugtuung mit der Waffe zu verweigern. Ein diesbezüglicher Beschluß wurde vor geraumer Zeit in Waidhofen auf einem Stndententage gefaßt und existiert in der studentischen Tradition dieser Richtung unter diesen! Namen. Während er aber häufig in oder vor Bierlokalen znr Anwendung kommt, wurde er im vorliegenden Falle merkwürdigerweise in der Milchtrinkhalle des Währinger Parkes aufs Tapet geholt. Dort saß in Begleitung einer jungen Dame ein Herr Julius N. Da trat ein anderer Herr namens Otto B., der die Dame kannte, auf das Paar zn, ließ sich Herrn N. vorstellen, bat ihn zur Seite und machte ihm den merkwürdigen Vorschlag, er möge sich sofort ans der Gesellschaft der jungen Dame entfernen. N. fühlte sich hiezu nicht inr geringsten geneigt, drehte den! merkwürdigen Antragsteller den Rücken und ging auf seinen Platz. Dies war für den Ignorierten der Anlaß, N. antisemitische Schimpfworte wie Judenpinkcl nachznrufen. N. sandte dem Beleidiger seine Vertreter, die dieser unter Berufung auf den zitierten Waidhofener Standpunkt jedoch'adlehnte, worauf N. die gerichtliche Klage einbrnchte. Vor dom Bezirksgericht Döbling (Landesgcrichtsrat Doktor K a t t o r) weigerte sich B., irgend eine Erklärung abzugebcn. Es vereinbare sich nicht mit seiner Ehre, sich vor einem Juden öffentlich zn entschuldigen. Er finde es überhaupt komisch, daß Herr N. geklagt habe. Der Vertreter des Beleidigten erklärte: „Man hat Ihnen doch Zeit gegeben, die Sache auf andere Art zu regeln." — An ge kl.: Nach Waidhofener Beschluß schlagen wir uns nicht mit Nichtariern. Bei Aufnahme der Personalien des Angeklagten stellt sich heraus, daß B. gar nicht maturiert hat, also auch im Sinne des Waidhofener Standpunktes nicht satisfaktionssähig wäre. Der Angeklagte suchte dieses Manko mit der Feststellung wett zn machen, er sei Offiziersaspirant gewesen und als solcher satisfakiionsfäbig. Im übrigen meint er, die Beleidigung sei nicht öffentlich gefallen, wenn er sie nicht zngeben würde, könnte man ihm gar nichts Nachweisen. Auch entdeckt der Nichtmatnrant und Offiziersaspirant, daß ihm die Forderung verspätet nach Ablauf der 24stündigen Frist überreicht wurde. Klageanwalt: Ich bin auch ein alter Conleurbruder, an so etwas stößt man sich dcklh nicht! — Singe!!.: Das ist vielleicht in mo.sai scheu Kor-' p o r a t i o n e n Sitte, bei uns nicht. — Klageanwalt: Dann hat man anscheinend dort mehr Ehrgefühl als Sie. — Angekl.: Ich habe bereits 20 Partien geschlagen. — Klageanwalt: Tann hätten Sie um so mehr die einundzwanzigste Partie schlagen müssen, wo es sich doch um eine Beleidigung in Gegenwart einer Dame gehandelt hat. — B. bleibt dabei, die Oeffentlichkcit der Beleidigung zu bestreiten und lehnt die Leistung eines Sühnebetrages ab. Da verschiedene Zeugen nicht erschienen sind, muß die Verhandlung vertagt werden. Volkswirt. MttschastrlonkoMlrrmlg in Polen. Ter Handelsvertrag mit Deutschland. — Erleichterungen für Steuerzahler. — Reorganisierung der Finanzkamnieri^ — Das Zollkomttee lehnt die Zollvalorisierung ab. — Kohlen-- und Eierexport. — Die Bilanz der Bank Polski. — To« Problem der Zlotystabilisierung. — Die Börse. (Von unserem Warschauer Korrespondenten.) Warschau, 17. Juli. In einer Pressekonferenz, die hellte um 1 Uhr mittags im Gebäude des'Außenministeriums stattfand, berichtete der polnische Vertreter bei den Handelsverhandlungen mit Deutschland Prondzynski und das Mitglied der Delegatiou Senator Bartoszewicz über den jetzigen Stand der B c r h a n d l u n g e n mit Deutschland. Die bisherigen Schwierigkeiten haben sich insoweit verringert, als die Deutschen endlich erkannt haben, daß ein Zollkrieg zwischen Polen und Deutschland Polen zu keiner politischen Konzession werde zwingen können. Nach den Ausführungen des polllischcn Delegierten betrachten die Deutschen selbst den Handelszwist als verloren. Im November v. I. vereinbarte Polen mit Deutschland einen sogenannten „enge n B e r t r a g", d. h. daß der Handelsvertrag nur die wichtigsten Notwendigkeiten enthalten solle und nichts darüber. Der Handelsvertrag soll also den Warenumsatz, die Einfuhrverbote und die Frage der physischen und rechtlichen Personen behandeln. Was die ersten zwei Punkte anbelangt, tvurde hisher die Liste der Zollsätze ausgetauscht und in deren Studium eingctrcten. In der Frage der physischen und rechtlichen Personen wird der Meinungsaustausch am 19. d. M. stattfinden. Die Polen stehen hier aus dein Standpunkt der strengen Handelsnotwendigkerteil und lehnen eine breitere landwirtschaftliche A n s i e d l u n g von Deutschen ab. Es ist zn hoffen, daß cs jetzt bald zur endgültigen Abschließung des Vertrages kommen wird. Heute erhielt auch die Delegation des Verbandes der jüdischen Kauslcute vom Vizeminister Czechowicz die Antwort auf das vor einigen Tagen eingereichte Memorandum. Die U m s a tz st e u c r für das Jahr 1926 wird auf sechs Raten verteilt und die Steuerschulden werden annulliert werden. In dieser Hinsicht werden die Finänzkanrmern konform mit den kaufmännischen Verbänden und Organisationen Vorgehen. Im Falle von Exekutionen werden die Exckutorcn in genauer Einhaltung des Gesetzes von den Steuerpflichtigen Gesuche übernehmen. Für einige Kategorien der industriellen Steuerzahler wird eine Pauschalierung der Steuern bewilligt werden. Das Finanzministerium beschloß die Reorganisierung der F i n a n z k^r m m e r n, um ein einheVlicho Organisation zu schassen. Die Reorganisierung wurde dem jüdischen Präsidenten der Finanzkammer in Lemberg Herrn W e i n f e l d anvertraut, der zusammen mit >den Mitgliedern der Delegation Kemmerers alle Finanzkammern besuchen wird. Heute tagte das Zollkomiiee und beschäftigte sich mit dem Regierungsentwurf über die Z o l l Valorisierung. Die Vertreter der Metallindustrie sprachen sich für eine Valorisierung aus, und zwar für eine 100 p r oz e n t i g e Er hö h u n g. Die Erhöhung wurde auch von den Vertretern der Textil- und der chemischen Industrie, zum Teil auch von der Konfektionsbranche befürwortet. Dagegen traten der Vertreter des jüdischen Handels, der Abgeordnete W i s l i c k i, und der Vertreter des polnischen Handels, W at a l s k i, sehr scharf gegen die Vorlage auf. Auch der Ver- Der Jahrmarkt von Rohany. Novelle von Binjamin Segel. (I.Fortsetzuvg (Aus dem Zyklus „Versunkene Welten".) Ein Wagengevassel wurde hörbar. Aber es war nicht der Gutsbesitzer Steiner, sondern Jossel, der Dovffchneider, der aus einer Bauernsuhre daherkam; er wollte mit seinem kranken Sohn, einem zwölfjährigen Knaben, zur Station fahren, um den Stadtarzt in Rohany auszüsuchen. „SEettn wir nur den Zug nicht verfehlen", sagte der besorgte Vater. ,Hch muß langsam fahren, der Junge verträgt das Schütteln nicht." „Eher wird der Zug uns verfehlen", erwiderte der Glaser. „Wenn er sich auf der Station viel zu lange ausruht, so müssen wir die Beine auf die Schultern nehmen und marschieren,, wir kommen immer noch früher an als er." „Pass' nur auf, daß er dir nicht vor der Nase davcnläuft, wenn er einmal keine Zeit hat, wie mir das neulich passiert ist. Er sollte mit dem Glockenschlag dreiviertel auf acht abdampfen. Ich lause, was mich die Beine trägen und bin pünktlich eine halbe Stunde früher zur Stelle. Mein Zug steht schon auf dem Gleis und Pfaucht und Pustet, ich stürze atemlos an den Schalter, und während ich das Geld zähle und mir die Fahrkarte eingehäridigt wird — ein Pfiff, und weg ist er. Ich habe vergebens nachgeschri«n, daß er warte-n sollte. Er machte sich nichts daraus." Jetzt tauchte auf einer Anhöhe das hübsche hellbraune Stationsgebäude aus der morger.tdlichen Dämmerung auf, -dahinter schlängelte sich der weißliche Bahndamm und im Hintergrund ragte wie eine dunkelgrüne Mauer der nichtige, innabsehbare Tannenwald. In den Wipfeln tanzten rote und goldene Lichter der ausgehenden Morgenröte. Ringsunr schien olles zu schlafen. Nur vor dem geöffneten .Haustor machte sich der verschlafene Knecht eti.vas zu schaffen. Auf den herumliegen- >den Steinen waren einige schon frühttt angekommene PassajQietc eingenickt. „Hu, seid ihr aber früh ausgebrochen, Menschen! Der Zug nach Rohany geht ja erst in einer Stunde oder zwei!" begrüßte der Hausknecht die Ankömmlinge, „Der Herr Stationsioorsteher schläft wohl noch, oder schläft er schon?" fragte der Bucklige. „Hat die ganze Nacht Karten gespielt", brummte der Knecht, „ist erst vor zwei Stunden ins Bett gekrcchm." „Aber wann kommt der Zug?" schrie Labik ungeduldig. „Wie soll ich das wissen, Mensch? Nach einer oder zwei 'Stunden, vielleicht früher, vielleicht später." „Ta muß ich doch beim Herrn Stationsvorsteher Nachfragen." Mit einigen Sätzen war er im ersten Stockwerk und hämmerte mit beiiden FEusten an die Tür des Stationsvorstehers. Ein zerzeuster Kopf kam durch den Türspalt zum Vorschein und eine scl/aslrunkene Stimme rief verdrossen: „Lassen die Leute einen nicht ein Stündchen ruhig schlafen. Was willst du von mir, Labik? Es ist ja noch stockfinstere Nacht." „Nacht ist es bei Ihnen im Krpf, Herr Stationsvorsteher. Draußen ist heller Tag ... Wann kommt der Zug nach Rohany? .Hundert Passagiere warten schon unten seit zwei Stunden!" „Wann der Zug konnnt? Wie soll ich das wissen, mein Lieber? Bin ich der Herrgott? Er wirb schon kommen, verlass' dich darauf. Das wirst du von rer Ferne hören. Er wird pfeifen." ,Mber wann soll er kommen? Er sollte doch eigentlich schon da sein, das sagen alle, die dort unten warten." „Wart' ein wenig, ich will erst mal Nachsehen... Ho, ho, ho! Da nmßt ihr euch aber noch eine gute Stunde gedulden. Legt euch ein wenig schlafen. Wenn er ankommt, wird er euch schon wecken; er wird von der Reise so müde sein, daß er hier ein Stündchen wird ausruhen müssen. Tann kaust ihr euch Fahrkarten und steigt gemächlich ein. Es hat doch keine Eile, Rohany und der Jahrmarkt lausen euch ja nicht weg. Jetzt aber trage «deinen Buckel von dannen und lass' mich schlafen." Unten hatte inzwischen der Hausknecht den .einzigen Martesaal erster, zweiter und dritter Klaffe geöffnet. Eine Anzahl Slrbeiter waren angelangt, die mit der Bahn zu der großen Ziegelei einige Stationen weit reisen wollten, einige Bauernbiurjchen und -Mädchen in bunten Kopftüchern, die zum Heumachen aus eines der nahegelegenen Güter bestellt waren. Sie nsachten es sich bequem, holten ihre Schnapsstaschen und Mund» Vorräte hervor und nahinen unter Scherzen und Lachen einen. Imbiß. - , ■ ' . ' Wir können uns mittlerweile ausschlasen, hat er gesagt", verkttitLete Labik.seinen harrenden Reistgesährten. „Ich bin -nicht schläfrig, ich will ein paar Kapitel Thephillim*) sagen." ' Er holte aus seinen!. Bündel, in welchen! Thallith und Thephillim nebst etwas Reistz-chrung lagen, ein kleines Pfalnienbüchlein hervor. „Eigentlich könnten wir Minjan machen", bemerkte der Glaser. „Wieviel sind wir unser?" , „Minjan an einem Wochentag", sagte der Viehhändler, „das habe ich schon feit Jahren nicht' erlebt, außer wenn ich in »der Stadt bin." : . i „Wir sind unser inr ganzen acht. Wenn man Joffels -kleinen Sohn hinzurechnct..." „Aber 'der wird ja erst im Herbst Barmizeoah, der zählt -ja gar nicht", erwiderte der Vater. > „Zur Not dürfte man ihn schon mitzählen", sagte der Getreidcmakstr, „das ist erlaubt, er stcht ja schon im dreizchn- -ten Jahre. 'Aber da fehlt ja immer noch einer." - ,Hersch, dich könnte nran eigentlich für .zwei rechnen", sagte Labik, „du bist einer, und der andere, den du immer bei vir hast, ist der zweite." „Lass' mich in Ruh', Schelm, der du bist. Mas für ein anderer?" . „Na, deinen Lügner, meine ich, mlr müßte man zuerst entscheiden, ob niau ihn überhaupt mitzählen darf." „Mach' keine Witze, Labik. Wenn Steiner konnnt, ist das Minjan voll. Wird er »HxKich kommen, Herfch?" „Sag' nein, dann kommt er sicher." „Er sagte mir gestern, daß er heute mit Tagesanbruch nach Rogl kommt, um von hier nrit der Bahn nach Rohany zu fahren", beteuerte Hersch Lügner. „Er hat mir eine Menge kÄel'd zu bezahlen, für das Schriftstück, die Eingabe an die BelZirkLhauptmannschaft, sonst wäre ich ja gar nicht h.'rgekommen, ich habe ja kein Reisegeld", fügte er jämmerlich, fast teer zwei seit, hinzu. *) Psalmen, (Fortsetzung folgt.)

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