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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-21 · Heft 2661 (21.7.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2661 (21.7.1926)
Date
1926-07-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 Polen: 25 rtroszy 1 Wien: Zum Abholen in der Expedition, lLTaborstr. 1*3, oder in einer Versehieiastelle Trafik) monatl. 5 Schilling Straasenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma O o I d ach m ied, l„ Wolizeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling l schecho-Slowaket Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen:Moa 6Zloty. Deutschland: Moa Om. 4, Frankreich, Belgien: Msn. Frca. 35 ^aehtthtintei1 M Freia* 'rnihaniten uirbehalien Dir. 2661 orgenzeitung Wie». Mittwoch. 21.8«» 1928 SaWWWDMWWWMWMWWWM r*\S 205 England: Moa 4 Schilling. Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei, But garten sMoalOOLew*, Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Free. 5 Redaktion, Administration; Wien, 11* Taborstr. 1 relephone: 44-0-38, 43-3-1S Ab 6 Uhr: 21-102, 25*2*85 IX., Üntversitfltsstrasse 6*8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postspai* kassen* Konto Nr. 150.69 8. Fahrgano Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. ♦ Sie Anleihe skr Palästina. Viereinhalb MlMonen Pfund für Investitionen. T. London, 19. Juli. Das dem Unterhaus dorzulegende Gesetz über die Anleihe für Palästina laßt erkennen, datz es sich um eine reine Jnvestitionsanleihe handelt. Die aufzubringenden 4,5 Millionen Pfund sollen in der Weise verwendet werden, daß mit dem Betrag von 1 Million Pfund die bestehenden Eisenbahnen Palästinas verstaatlicht werden; 1,640.000 Pfund sollen für neue Eisenbahnlinien aufgewendet werden. Für Hafenbauten sind 1,115.000 Pfund und für andere Zwecke 846.000 Pfund vorgesehen. Das Gesetz ermächtigt den Schatzstaatssekretär, die Garantie für die Anleihe der Palästinaregierung zu übernehmen. 125.000 Pfund Regiernngrsubveotlon für dar hebrstische Schulwesen iu Palöftina. Jerusalem, 20. JE. (I. T. A.) Wie die Palästinensische Telegraphenagentur erfährt, ist die Regierung entschlossen, kt diesem Jahre zur E r ha l t u n g der jüdischen S ch u l nt inPalästina eine Summe von 125.000 Pfund zur BerftMitg zu stellen. Transsordanien. K. Berlin, 20. Juli.. Wolfgang M.eisl meldet der „VossrscheN Zeitung" aus Jerusalem, daß ^verschiedene, englische Gesellschaften bereits ihre B e r t c e t e r ins O stj v r d a n l a n .d geschickt haben, - um ,. dort b i M t g e n B o li i n zu kaufen. > Die Zivilliste des" E m i r A b d ü 11 a h ist jetzt auf 10.000 Mark monatlich erhöht wordene Reformen l» Prrsten. (Eigendicnst der ^Wio.tcr Morgenzeittmg".) Teheran, 20. Juli. Schah R iza Kha n hat mit Unterstützung^ von persischen und ausländischen Sachverständigen-Pläne zur w i r t s ch.a f t l i ch e n Entwicklung Persiens ausgearbeitet. In erster Linie sollen neue, b r e i t e S t r a ß e n angelegt werden, die von den Hailptzentrett Peosiens strahlenförmig nach der Türkei, Rußland, Turkestan, Afghanistan und Indien führen. Die T i f l i s - Ta i ha z-E i s e n ba h n soll nach Teheran verlängert werden. Weitethin soll die Hauptstadt mit den /südlichen Provinzen dltrch neue Eisenbah ne n verbunden werden. Vom Kaspischeu Meer nach dem Persischen Golf ist' ein S ch i f f a h r t s k a n a l geplant. Einer ker netten Pläne erstreckt sich auch auf einen persischen Flugzeug-ie nst. für den bereits eine Konzession an die Junkers- Werke esewöhrt wurde. Amerikanisches und englisches'Kapital werden für dix Ausdehnung des Eisenbahnnetzes herangezagen werden. Ser heilige Teppich. (Eigendjenst der „Wiener Morgenzeitung".) . Kairp, 20. Juli. Ter heilige Teppich, der alljährlich zum Kong r e ß n a ch M e d i n a gebracht wird und dessen Weitertransport beim.letztenmal von den wahabitischen Fanatikern vereitelt worden war, ist jetzt arts dem Hedschas hierher zurückg^e b r a ch t'worden. Bei.der aus diesem Anlaß veranstalteten Feierlichkeit nahm der Premierminister die Vertretung des Königs Fnad wahr. RenerUche Unruhen in Kalkutta. * (Eigendicnst der „Wiener Morgenzeittmg".) Kalkutta, 20. Juli. Gestern abends ist es neuerdings zu einem Zusammelistoß zwilchen H i n d u S und Mohammedanern gekommen. Dabei wurden 12Polizistenverw u n d e t, e i n H i n d n g e t ö t e t und 7 d « r ch S ch ü s s e verwundet. ,__ * BolkrlommWr Drerschinrki gestorben. Moskau, 20. Juli. Volkskommisiär Dzerschinski, Vorsitzender des obersten Volkswirtschastsrates der Sotvjetunion und Präsidettt der politischen Polizei ist im Alter von 49 Jahren plötzlich an Herzschlag verschieden. Ser private Sollarkurs kn Pole». L. Warschau, 20. Juli. Der, Pollar notierte heute tm privaten Verkehr in Warschau 9,14. in Krakau 9.19 bis 9.21. Bisher kein Paris, 20. Juli. Zehn nichtparlamentarische Mitglieder des Botlzugsauschusses der radikalen Partei haben an den Vorsitzenden H e r r i o t ein Schreiben gerichtet, in Kein sie die Einberufung des Vollzugsausschusses fordern, vor dem Herriot Rechenschaft über die Kabinettsbildung ablegen und Austlärungen überdie Entschlüsse geben soll, die er in höherem Interesse der Partei zu fassen gedenke. Dieser Schritt brachte die Meinungsverschiedenheiten unter den Radikalen, von denen etwa die .Hälfte dem alten Kabinett freundlich gesinnt ist und auch weiterhin für Caillaux eintritt, zum Ausdruck. Man glaubt in parlamentarischen Kreisen so fest an den b e v o r st e h e n d e n S t u r z des Kabinetts, daß in den Wandelgängcn der Kammer bereits Gerüchte umlaufen, daß Herriot m o r g e n oder vielleicht gar schon heute zurück treten werde. . Das neue Kabinett setzt sich folgendermaßen zusammen: Vorsitz und Aeußeres: H e r r i o t. Justiz: C o l r a t. Inneres:- Ch au temps. Finanzen:- de Monzie..Krieg: Painleve. Marine: R e ü o u l t. Handel: Lo u ch e u r. Unterricht: D a l a d i e r. Oeffentliche Arbeiten: H e s s e. Ackerbau: Queuille. Arbeit: Pa s qm e t. Pensionen: Bonnet. Kolonien: Dariac. ■ Unterstaatssekretäre: Aeußeres; Kilhaud;' : Finanzen: Jacquier; Budget: Worel;^ Krieg:- Dumesnielz,. Befreite Gebiete: Maitrc; Technischer Unterricht: Bazil; Handelsmarine: Mallarme; Luftschiffahrt: Robaglia. . L e v a s s e u r wird das . Oberkornmissariat ' für Wohnungswesen behalten,. L a m b e r t wird Oberkommissär für Naturalisation und Einwander u n g werden. .; . Das neue Kabinett umfaßt dreizehn Minister, acht Unterstaatssekretäre und zwei Oberkommissären Es gehören ihm drei Senatoren'der Gruppe der de mo kra t i sch c n Linken und der s o z i a l ist i s ch - r a d i k al e n Partei und zwanzig Deputierte an, und zwar elf Sozialistisch-Radikale, zwei von der Radikalen Linken, drei sozialistische Republikaner, ein Mitglied der Unabhängigen Linken, zwei Linksrepublikaner und ein zu keiner Gruppe gehöriger Abgeordneter. Ministerpräsident Herriot hat zu seinem Generalsekretär im Außenministerium wieder seinen untrennbaren Freund Alexander Israel ernannt. Nach der Beratung im Palais Elysee, die um viertel 1 Uhr nachts zu Ende war, erklärte Herriot Pressevertretern gegenüber, das einzige Ziel-der Regierung der republikanischen Einigung sei die Verteidigung des Frank c n, frei von jedem Parteigeiste. Herriot verspricht dem Lande Entschlossenheit und verlangt vom Lande die zu seiner Wiederaufrichtung unerläßliche Ruhe. Sie Haltung der Parteien. In der radikalen Kammergruppe ntachen sich st a r k e M e inungsverschi e d e n h e i t e n über die Herriot gegenüber cinzunchmende Haltung bemerkbar. Die Gruppe hörte heute den nouenJnneuministerChaut c m p s über die Kabinettsbildung an. -In der anschließenden Debatte trat Franklin-Bouillon wieder.gegen jode Regierung auf, die nicht die nationale Einigung verwirkliche. Schließlich wurde trotz des Versuches mehrerer .Mitglieder, ein einstimmiges.' Votum für die --Regierung.' Herridt.'.zü ..erziele«, - d i e B e:s ch l u ß f a s s u'ng ve r’f a g ti Bei den Sozialisten ist ebenfalls ein Zwiespalt zu konstatieren. Einige Wgeordnete gaben in einer Sitzung -der Kammcrgmppe der Ansicht Ansdrrtck, daß Leon Blum sich zu sehr festgelegt habe, als er Herriot die sozialistische Unterstützung in bestimmter Fomt zusagte. Die Versammlung beschloß gleichfalls, die Reg ier u n g s e r k l ä r u n g a b z n w a r t e n. - Die Kommunisten haben, wie zuverlästig verlautet, die Absicht, gegen Herriot zu stimmen. Die Verwirklichung dieser Msicht würde den Sturz des Kabinetts bedeuten, da ein« Mehrheit ohne die Kommunisten unmöglich erscheint. Dazu kommt, daß die gestern gegründete intrrpMalmoMnrische WohlstchrtSgruppe,! Majorität. die bereits 250 Mitglieder zahlt und deren Mitgliederstand im Laufe des heutigen Abends noch auf mehr als 3 00 anlvachseu dürfte, eine ausgchprochene Tendenz gegen Her» riot zeigt. Ae erste Krise im Kabinett. Rücktrittsabsichten des Finanzminrsters. Paris, 20. Juli. Es wird bestätigt, daß im heutigen Ministerrat de M o n z i e seinen Rücktritt angeboten hat, und zwar hauptsächlich infolge einer Unterredung, die er mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich Moreau und mit Caillaux hatte. Besonders Caillaux erklärte ihm, daß - - die Staatskasse leer fei unb der Staat gezwungen sein werde, die Zahlungen ein» zustellen, wenn nicht zu einer neuen ausgiebigen Inflation geschritten werde. Darauf gestützt, forderte nun de Monzie im Ministerrate Vollmachten für die Lösung des Finanzproblems, -ähnlichwie sie Caillaux gefordert hatte, und außerdem noch die Gewährung eines Moratoriums für den Staat. Dieser soll insbesondere ermächtigt werden, die Rückzahl'.'ng der nationalen Verteidigungsbons und der Sch-atzsche'me bktz auf weiteres zu verweigern, was einem versteckten Bankrott gleuhkäine. De Monzie crÄävte im Ministyrrat, er poer-db zürücktreteti', wenn.de'r Ministerrat seine F^deruntzen. nicht in vollem Umfang vor der Kammer unterstütze. . . Herriot begab sich darauf ins- Elysee ^üm Präsidenten der Republik. Als nach seiner Rückkehr die . Minist errat, sitzüng wieder aufgenommen wurde, gelang es dem Finanzminister de Monzie, seine Kollegen von dem Ernst der Loge zu überzeugen und ' die gewünschten Vollmachten zu erhalten. Es wurde beschlossen, daß das Kabinett sich bereits morgen nachmittags der Kammer vorstellen wird, da, wie Herriot erklärte, die Regierung so schtrell als möglich^ wissen wolle, ob sie das Vertrauendes P arIaments.besitze oder nicht, - denn sonst könne der Frankenkurs, noch weiter fallen.- Eine Erklärung de Monzres. Finanzminister de Monzie veröffentlicht eine Erklärung, daß die neue Neuerung jede Inflation vermeid e n werde. Immerhin sei für bic Lösung der Finanzfrage eine g-e w i s s e F r e i h e i t beschlossen worden/ - was von verschiedenen Zeitungen, besonders dem „Journal" dahin ausgelegt wird, daß die Regierung ähnlich wie'Caillaux Bollntachten, -wenn - auch im kleineren Umfange, fordern werde. Nach dem gleichen Blatte wird die Regierung eine beträchtliche^ Erhöhung der Erbschaf tsste.u e r n und der Berinögensübertragungsgebühren Vorschlages Sie Pariser Geschstste wolle» keine Franken. Paris, 20. Juli. Denr Beispiele der Lebensmittelgr oß Händler folgend, beabsichtigen die Luxusartikelgeschäfte im Pariser Zentrum, ihre Läden zu schließen, bis wirksame Stäbiltsierungsmaßnahmen ergriffen sein werden. Brotverordnung. Levisenkontrolle. Polizeistunde und Arnsnr. Die Maßnahmen Belgiens. Brüssel, 20. Juli. Gestern sind in einem Kabinettsrat die dem König zu unterbreitenden Dekrete geprüft worden. Vorgesehen find die N e g e l n n g d e r H e r st e l l u n g n n d d e 8 V e rkaufes von Mehl, Brotund a u b erett Nahrungsmittel n,'sowie der An?- und Einfuhr von Brotwaren und Mehl und Maßnahmen zur Unterdrückung aller für den Kredit des Staates - schädlichen Nachrichten. Westers wurde erwogen, die Verschärfung der Kontrolle des D e v i-s e n m a rk t e s. E i n f Ü h r u n g e t n e r P o l i z eist n n d e für öffentliche Ga st st ä t t e n, R ege l u n g desHa n de ls mit Kon di toreiwaren. D«s Kabinett hat weiters beschlossen, eine Au Ständer st euer einzuführen. Zu diesem Zwecke werden die H o t e l r e ch n n n g e n e i n e r b e s o n d e r e n S t e u e r unterworfen. Auch die E i n k ä u f e v o n Ausländer » sollen besonders besteuert werden. Schließlich wurde eine Luxus st euer erwogen, die auch dieBelgier selbst treffe « soll.

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