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Wiener Morgenzeitung · 1926-07-17 · Heft 2657 (17.7.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2657 (17.7.1926)
Date
1926-07-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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i-mnuii I Polen :23aroszv I Wien /.um Abholen in det iixpedition, II., Tabor str. 14, oder in einer Verschleisstelle Trafik) monatl. ö Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma öol dschmied, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich b Schilling 1 s ch e c h o- Sl owakel: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon. 6 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 '«chtafvnngen bei Prell« vnrbehalfen Sit. 2657 Wiener orgenxellung England: Moo.4 Schilling, lt allen: Monatl. 20 Lite: Rumänien: Mon, 170Lei. Bul gart en sMon.100 Lew*. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, H. Taborstr. I Telephone: 44*0*38,43*3*18 Ab 6 Uhr; 21-102, 25*2*82 IX., Universitätsstrasse 6*8 (Druckerei lg. Stelnmanm Oesterrelchisches Postspai* kassen* Konto Nr. 150.f>9 Wien. Samstag. 17. Juli 1926 ——BB 8. Aakrgana Im redaktionelle« Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Bad Gastein i Pension Kokisch 11386 streng » streng Thermalbäder fm Hansel Pension inklusive Z mmer von 20 Schilling I Bor dem Ende des englischen Bergarbetterftreilr? London, 16. Juli. Heute fand eine m e h r st ü n d i g e Besprechung des Vollzugsausschusses der Bergarbeite' mit dem Sekretär Pirk der Industrial Christian Fellowship statt. Nach ei-ner Information des „S t a r" soll der Vollzugsausschuß die V o r s ch l ä g e Pirks angenommen haben, wonach die Arbeit auf dieDauervon vier Monaten zu den Bedingungen, wie sie v o r d c m S t r e i k bestanden, wieder ausgenommen werden soll. Ferner soll die Regierung Unterstützungen von schätzungsweise 8 Millionen Pfund zahlen und schließlich, wenn während der vier Monate eine Einigung nicht z u st a n d e kommt, der Streik auf schiedsgerichtlichem Wege beigelegt werden. Pirk wird bei der Regierung und bei den Arbeitgebern Schritte wogen Wiederaufnahme der Arbeit in der nächsten Woche unternehmen. Die Berfafsungsvorlagen im Selm. L. Warschau, 16. - Juli. In der heutigen Plenarsitzung des Sejni hat die zweite Lesung des Regiernngsentwurfes über die Verfassungsrevinon begönnen: Wider Erwarten hatte die Sitzung weder bei den Abgeordneten noch beim Publikum besonderes Interesse erweckt. Der Saal und die Galerien waren fast leer. In der Debatte hörte man die gleichen Argumente pro und kontra wie bei der ersten Losung. Im Namen des j ü d i sch e n Klubs wandte sich Abg. Tr. Schreiber gegen die Aenderungen in den Staatsgrund g c s e tz e n und in der Wahlordnung. Der jüdische Klub könne das A t t e n t a t gegen die kardinalen Rechte der Demokratie nicht mitmachen. Die Debatte wird morgen fortgesetzt. In der montägigen Sitzung wird zum ersten Male der Regierungschef Prof. Bartel das Wort ergreifen, um die Stellung der Regierung, insbesondere zu der Frage des Notverordnungsrechtes, barzulegen. Die endgültige Abstimmung wird gegen Ende der nächsten Woche erwartet. LemIWn des volnischsn Außenminister«? L. Warschau, 16. Juli. In den Couloirs des Sejm wurde heute von Partcigäugern der gestürzten Regierung erzählt, daß zwischen dem Außenminister Zaleski und dem Kriegsminister P i l s u d s k i ein ich w c r e r Konflikt entstanden sei. Während einer Konferenz der beiden Minister habe der englische Gesandte Miller um eine Unterredung gebeten. Minister Zaleski ließ sich für'einige Augenblicke ' entschuldigen/ Marschall Pi lsudski ersuchte nun Zaleski, ihni zu gestatten, daß er untervicrAugen mit dem e n g l i sch e n Gesandten sprechen könne. Ter Außenminister verließ tatsächlich das Zimmer, soll aber gleich daraus seine D e m i s s i o n a n g e k ü n d i g t haben. Sie Wische Kaufmannschaft beim polnischen Finanzminister. L. Warschau, 16. Juli. Der Finanzminister K l a r n e r luird morgen eine Deputation der jüdischen Kaufmannschaft empfangen, um ihr seine Stellung zu den Forderungen be- »resiend S t e u e r e r l e i ch t e r u n g c n bekanntzugeben. Kamrnew tritt zurvü. K. Moskau, 16. Jnli. In der nächsten Zeit dürfte K a m e n e w von seinem Posten als Bolkskommissär für Inneres und Handel zurücktreten. Es wird versichert, daß diese sensationelle Demission nicht aus politischen, sondern aus persönlichen Motiven erfolgt. Kameneiv fühlt sich den Anforderungen seiner Stellung nicht mehr gewachsen. . Der private Dollartms in Polen. L. Warschau, 16. Juli. Der Dollar notierte heute im rueeaen Lerlehr in W a r j ch a u 8.30, in Krakau 9,il diL 9.23 Der Donaudamm bei Watin gesprengt. Die Ueberschwemmungrkatastrophe in Serbien. Budapest, 16. Juli. Wie aus Mo ha es gemeldet wird, ist heut« früh der Donaudamm bei Apatin (Neu-Serbien) geborsten. 30.000 Joch wurden überflutet. Das Uebcrschwemnmntzsgcbiet bietet einen beängstigenden Anblick. Tierleichen, Gebäudeteile und Möbelstücke schwimmen im chaotischen Durcheinander aus der Oberfläche des seemtigen Jnundationsterrains. Die auf die Dächer der vom Wasser umflutetm Gehöfte geflüchteten Bewohner wurden auf Pontons und Kähnen in Sicherheit gebracht. Die gesamte Ern.. der Baeska droht der Vernichtung anheimzufallen. Zwischen Belmenostor und Bellye sowie bei Neusatz ist der Schutzdamm gleichfalls gehörst Durch den Bruch des Donaudammes bei Apatin ist die Stadt Apatin in großer Gefahr; sie wurde heute vollkommen evakuiert. Die Bevölkerung verließ panikartig die Stadt und die Umgebung. Jeden Augenblick erwartet man, daß der N o t d a m m, der in den letzten Tagen errichtet wurde, einstiirzen wird. Auf Befehl des Kriegsministers ist das 25. Infanterieregiment von Groß- Beeskerek in die bedrohte Gegend abgegangen. Auch bei B o g o j e v o wurde der HanptdammderDonauanmehrerenStellen durchbrochen. Wenn nicht im letzten Augenbl ick ein Wunder eintritt, wird die Baeska von einer in der Geschichte ohnegleichen dastehenden Katastrophe betroffen sein. Die Bevölkerung ist vollkommen erschöpft und verzweifelt. Die Krise der Frankenwähmngeu. Saillaur' FlnanzplSne. Don unserem Pariser ».-Korrespondenten. Paris, 16. Juli. Finanzminister E a i l l a u x hat heute, nachmittags der Finanzkommission der Kammer das Finanzgesetz vorgelegt. Das Gesetz hat folgenden Wortsaut: .Artikel' l. ^ie R^erMg-w^^rmächkigt, : bis zum 30. November 1926 durch vom Ministerrat beschlossene Erlässe alle zur Verwirklichung der Finanzsanierung und der Stabilisierung der Währung geeigneten Maßnahmen zu ergreifen. Artikel 2. Diejenigen Erlässe, die fiskalische Maßnahmen enthalten, werden dem Parlament bei Eröffnung seiner ordentlichen Session des Jahres 1927 zur Ratifizierung vorgelegt werden, doch bleiben die bereits vorgeschriebenen Maßnahmen endgültig in Kraft. Nach Aufklärungen des FinanMinisters Eaillaux hat der Finanzausschuß der Kammer mit 15 gegen 10 S t i m m e n bei 13 Stimmenthaltungen das Eingehen in die Spezialdebatte über den Finanzentwurf beschlossen. Artikel 1, der der Regierung V o l l m a ch t e n z u r f i n a n z i e l l e n S a n i e r n n g gewährt, wurde mit 14 gegen 13 Stimmen ahgelehnt. % Die Kursbewegung des französischen Franken auf den internationalen Plätzen zeigt deutlich, daß das große Finanzkapital die von Eaillaux geplanten Maßnahmen vorläufig mit großer Skepsis, wenn nicht gar äußerst pessimistisch, beurteilt. Der gestrige Tag brachte wieder einen heftigen Kurssturz der Devise Paris. Pfunde gegen Franken verteuerten sich von 199.— auf 204.—. In Zürich schloß die Devise Paris 12.30, in Wien stellte sich die Notiz für Paris auf Basis eines Züricher Kurses von 12.20. Gleichzeitig ist der R e p o r t s a tz für Paris von 5.— auf 6.— französische Franken Aufzahlung pro ein Pfund und einen Monat emporgeschnellt, was einem Satz von 36 Prozent pro Jahr entspricht. Es werden fortgesetzt internationale Baifleengagements in französischen Franken eingegangen, und die Kontern: ine hat keine Schwierigkeiten, sich die Franken im Leihwege zu beschaffen. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, daß die Kapitalsflucht ans Frankreich anhält, und daß sich in Frankreich Mißtrauen und Widerstand gegen die Finanzpläne Caillanx' geltend machen. Eaillaux hat für die Durchführung seiner Stabilisiernngspläne sich den entsprechenden Rahmen zu schaffen geglaubt, indem er rasch ein Abkommen über die Schulden Frankreichs an Cnglaud getrvffen hat, wobei ihm England sehr entgegengekommeu ist. Die parlamentarische Opposition ist aber von dem Abkommen nicht befriedigt und-operiert gegen Eaillaux vornehmlich mit dem Argument, daß die int Schuldenabkommen mit England enthaltene Klausel, wonach das Abkommen revidiert tverden müsse, sobald die deutschen Zahlungen nach dem Dawes-Plan unter 50 Prozent sinken sollten, einerseits eine Preisgabe französischer Interessen gegenüber Deutschland, andererseits eine solche zugunsten .Englands betreffe. Kritiker des Pkmes Eaillaux', deren Haltung nicht von politischen Stimmungen, sondern lediglich durch nationalökonomische Erwägungen beeinflußt werden, verweisen aus den Motivenbericht zu den oben erwähnten Finanzgesetzen und finden den ganzen Plan darum unzulänglich, weil er nicht fr?i von inflationistischen Tendenzen ist. In dem genannten Motivenbericht handelt der erste Ab» schnitt von den fiskalischen Reformen und sieht die Erhöhung oder Erniedrigung bestehender Steuern vor. Vorläufig käme angesichts des Kurssturzes des französischen Franken natürlich nur eine Erhöhung in Betracht, die Erniedrigung stellt nur eine Verschönerung dar, um gewissermaßen das Vertrauen Eaillaux' in seine eigenen Maßnahmen nach außenhin zu dokumentieren. Die Post-, Telegraph- und Telephongebühren sowie die Preise der Monopolartikel sollen der Geldentwertung angepaßt werden, die Erhöhung der Eisenhahntarife Mehreinnahmen von 500 Millionen schaffen. Parallel damit geht eine Erhöhung - der Beamtengehälter auf 200 Prozent gegenüber 1919, so daß auch aus diesem Titel eine innere Entwertung des Frankeu, d. h. eine Verminderung seiner Jnlandskaufkraft entstehen muß. Eaillaux fordert ferner Vollmachten zur Erlassung von Einfuhrsperren und zur Anpassung der Zölle an den Großhandelsindex, was gleichfalls eine Anpassung der inneren Kaufkraft des Franken an den gesunkenen Auslandskurs bederrtet. Das alles sind Maßnahmen, wie man sie auch anderwärts in den Ländern, deren Währung früher als die französischen im Sinken begriffen tvar, versucht hatte, ohne daß sie zum Ziele geführt hätten. Die Situation des französischen Franken ist aber auch noch dadurch erschwert, daß Frankreich durch die großen Jnlandsschulden, welche durch die Bons der nationalen Verteidigung repräsentiert werden, belastet ist. Diese inneren Anleihen stellen die schwierigste Seite des Frankenproblems dar. Nach dem Plane Eaillaux' soll eine besondere Kasse geschaffen werden, die für den Zinseudienst, die Rückzahlung und die Erneuerung der Bons und der Schatzscheine zu sorgen hat. Es sind für sie bestimmte Einnahmen aus Budgetannuitäten in der Höhe der Zinsen sowie eine Amortisierungsannuität von 500 Millionen Franken vorgesehen, eventuell auch Vorschüsse aus die Einnahmen des Tabakmonopols. Es ist gär keine Frage, daß eine reguläre Deckung der für den Zinseudienst der inneren Anleihen notwendigen Beträge ohne Erhöhung der Stenern nicht durchführbar ist, aber die Finanzpläne Caillanx' lasten derzeit eine Ergänzung durch Stenererhöhungen vermissen. In allen Ländern, die durch die Inflation hindnrchgeschritten sind, ist die Sanierung der Währung nur durch eine Anpassung der Stemm an die Geldentwertung gelungen. Es ist gar kkn Zweifel, daß die zweite Etappe der Operationen Caillanx' eine Reorganisierung des Steuerwesens bilden muß. Die französische Oeffentlichkeit -und all diejenigen Kreise, die die Sanierung der Währung pechorreszieren, tun dies in dem Gefühl, daß die Bametmg ihnen große Steuerleistnngen auferlogen muß; sie suchen daher diese Frist möglichst hinauszMrebet'.

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