Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2656 (16.7.1926)
- Date
- 1926-07-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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j polen: 23 ttfOMV\ uzuofeuri Wien /um Abholen in dei Expedition, II., Tabotstf. 1*3, odet in einerVerschleissteile 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Göl d schmied, I.. WoIIrelle II Mn Pvsfverssnd für Wien Und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 ach e ch o-Slowakei: .Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. CO. Polen: Mon. 6 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 ^«ehMh'nAgcn bet Freit« * *• "aknn-rn vorhehallen Rk. 2650 Wiener orntntcihmg England: Moö.4 Schilling. Italien: Monatl 20 Lire: Rumänien: Mon, 170Lei BulgarlentMon.lOOLewi. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II.Taborjtr. 1 Telephone: 44-0-38,43*3*19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25*2*82 IX., Universitätsstrasse 6*8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterrelchlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.U9iffiien, gteiton, 16. 3ult 1926 8.3nf)tßons Ae SanierungsmatzmHmen in Frankreich. Sie Vollmachten der Aegiernng. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Der Papst gegen den Antisemitismus. K. Rom, 16. Illli. Der Papst hat heute Monsignore Asel dank, den Gründer der katholischen „Gesellschaft der Freunde Israels" in Audienz empfangen. Der Papst erklärte, daß er den Kampf gegen den Antisemitismus, die in den katholischen Ländern gefährlich angewachsene Bewegung, unterstütze. Er sagte wörtlich: „Es ist gegen das katholische Prinzip, die Inden zu verfolgen. Die Juden sind ein göttliches Volk, obwohl ihre höhere Intelligenz zu rationalistisch ist." Der Papst erinnerte dann, daß er seinerzeit bei dem Rabbiner P a n a Hebräisch gelernt hatte und daß er während seiner Anwesenheit in Polen mehrmals jüdische Synagogen besucht hat. Er schloß seine Rede mit den Worten: „Ich und einige Kardinale sind Judenfreunde und wir unterstützen die Gesellschaft der Freunde Israels und den Kampf gegen den Antisemitismus." Die polnische« Berfaffungsvorlagen. L. Warschau, 15. Juli. Heute sind sämtliche Klubs besSejin zusammengetreten, um ihre Haltung für die morgen stattfindende P l e n a r s i tz u n g zu bestimmen, Es ist bezeichnend für die Situation, daß kein K l u b e n.dg ü l t i g e Beschlüsse gefaßt hat. Der j ü d k s ch e K l u b hat alle seine Mitglieder aus dem Landtag und aus dem Senat für morgen einberufen. Im Verfassung sausschuß wurden die Gesetzentwürfe über das Notverordnungsrecht'' des Präsidenten in, dr i kt er Le su ng a nge n o m men, undzwar- gemäß: den - Anträgen der Rechten mit den bereits gemeldeten E i n s ch r ä nk u n g e n. Die Anträge der Minderheiten wurden als Separatvotum für das Plenum angemeldet. Die Semeindewahlordnung in Polen. L. Warschau, 15. Juli. Der Perwaltungsausschuß des Sejm setzte heute die Beratung der. Reform der Gemeindewa h l o r d nung fort. Es wurde bezüglich der kleinen Dorfgemeinden ausnahmsweise kein Proporz eingeführt. Namens der nationalen Minderheiten legte Abgeordneter Dr. I n s l e r (jüdischer Klub) den schärfsten P r o t e st ein gegen die fortgesetzte Niederstimmung der Anträge der Minderheiten und erklärte, daß diese fiir den Fall der Fortsetzung dieser Praxis mit dem Exodus aus d e m Ausschuß antworten würden. Erleichterungen ln der Erreichung der polnischen Staatsbürgerschaft. Warschau, 15. Juli. Der Minister des Innern Mlodzianowski hat ein Zirkular an alle Woiwoden erlassen, in dem die Frage der Bürgerschaft der Ansländer ge-' regelt wird. Das Zirkular stellt stft, daß im Lande viele Personen ohne eine bestimmte Staatszugehörigkeit wohnen, was unerwünschte und unnormale Zustände erzeuge. Der Minister empfiehlt daher, alle Ansuchen mit Verleihung der polnischen Staatsbürgerschaft m ö g l i ch st s ch n e l l zu erledigen, und zwar sehr liberal, mit Ausschaltung aller entbehrlichen Nachforschungen und Formalitäten, die wie absichtliche Schikanen aussehen könnten. Ausländer, die nach dem 30. Jänner 1920 im polNischen Heer gedient haben, haben Anspruch auf s o f o r t i g e B ü rg e rscha ftsv e rlc ih u ng. Personen, die in Polen geboren sind, haben allein auf Grund dieser Tatsache schon das Anrecht auf die polnische Staatsbürgerschaft. Auch Ausländer, die tatsächlich in Polen wohnen und eine positive Beziehung zur polnischen Staatlichkeit bewiesen 'haben, ist die polnische Staa-tsbürgerschaft zu verleihen. Revirement in der polnischen Diplomatie. L. Warschau, 16. Juli. Der bisherige polnische Gesandte in Belgrad. Okenski, wird demnächst'von seinem Posten abberufen und nach Rio de Janeiro versetzt-werdeir. Den polnischen Gesandtcnposten in Belgrad übernimmt der bisherige Gesandte in Riga, La dos, der ursprünglich für den Gesandtenposten in Prag ansersehen war. Der private Dollarkurs in Polen. L. Warschau, 15. Juli Ter Dollar notierte hsute im privaten Verkehr in Warschau 9.22, m Krakau 9.20 bis 9.22. Die Bank polöki zahlte für Gelb 9.13, für Schecks 9.18. Paris, 15. Juli. Nach dreieinhalbstündiger Sitzung faßte der Kabinettsrat heute nachnrittags nach dem Exposee Caillaux' über die Finanzlage folgende Beschlüsse: 1. Sämtliche Beam tettern e n nn ngc n w erde n e i n g e st e l l t. 2. Alle N e u- oder Erweiterungsbauten, selbst welin sie im lausenden Budget vorgesehen sind, werden a u fgeschoben. 3. Die Minister werden zur Verminderung ihres Personals auf den Stand des Jahres 1914 die erforderlichen Anweisungen geben. 4. Sobald der Regierung durch Gesetz die nötigen Vollmachten erteilt sind, werden Maßnahmen ergriffen werden, um den Konsum einzuschränken, der zu übermäßigen Käufen im Ausland führt. Das amtliche Communique teilt weiters mit, daß der Kabinettsrat die endgültigen Projekte für die Die Sitzung des Aktionskomitees definitiv für den 22. g«>i festgesetzt. London, 15. Juli. Wie wir bereits berichtet haben, wandte sich der Abg, G r ü n ba if m an das Präsidium desExckutivkolititees der Zionistischen Organisation mit der Bitte, die Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees vom 22. aus den 25. b. zu verschieben. Das Ansuchen wurde mit der dringenden Anwesenheit der polnischen Abgeordneten in Marschau begründet. Das. Präsidium konnte aber die Bitte des Abg. Grün bäum nicht berücksichtigen, denn die amerikanischen Delegierten haben ihre Ankunft in London schon für den 22. d. definitiv angesagt. Bialik in London. T. fioitbon, 15. Juli. Bialik und Li'pskh sind hier angekommen. Bialik bleibt für einige Tage in London und wird vielleicht Gelegenheit nehmen, dem Aktionskomitee einen Bericht über seine Tätigkeit in Amerika zu erstatten. Die dänischen Staaten und Sowietrußland. Eine Konferenz in Reval. Berlin, 15. Juli. Einem Telegramm des „Berliner Tageblattes" aus Kowno zufolge sind die Außenminister Estlands, Lettlands und Finnlands in Reval zu einer Konferenz zusammengetreteu, die sich in erster Linie mit der der S o w j e t r e g i e ru n g zu erteilenden Antwort bezüglich des von Rußland angebotenen Garantie- und Frenndschaftsvertragcs beschäftigeir wird. Umbildung des rumfinischrn Kabinetts. Bukarest, 15. Juli. (Orient-Radio.) Bei der Umbildung des Kabinetts übernahm M e i ß ne r das Ministerium für öffentliche Arbeiten, Petrovici das Unterrichtsministerium, Verlesen das Jndustrieministerium und General Rascaru das Ministerium für Beßarabien. Busnicescu wurde zum Unterstaatssekretär für Ackerbail und General I o n e s c u zum Unterstaatssekretär für die Berkehrsdelcgation ernannt. -Das Parlament hat sich heute mittags bis zum 15. Oktober vertagt. ■ . Die Afiiire Saida. Prag,15. Juli. Obwohl die Affäre Gajda noch inrmer i-m Mit^lpunkt des Interesses der Oesfentllchkeit stcht, ist von amtlicher Seite noch feine Aufklärung erfolgt. Von manchen Krebsen wind die Auffassung vertreten, daß -eine alte Sünde G a j d a s h e r v o r g e z o g e n Ivnrde, um -den wegen seiner sä s z ist i s ch e n Neigungen unbequem gewordenen General zu beseitigen. Das Blatt „Rüde Pravo" bemerkt, es liege ein g es ch i ck t e s Ma n ö v e r der „B u r g" vor, hie' Gajda nicht nur als General, sondern auch als Faszisten unmöglich machen will. - ' Kein Monarchistenverein in Polen. L. Warschau, 15. Juli. Der Minister des Innern hat den Statuten des Vereines der polnischen Monarchisten die Genehmigung versagt und seine Unterschrift verweigert. Finanzsanierung und die Währungsstabilisierung fertiggestcllt hat, die dem Parlament vorgelegt werden sollen und über die sich Caillaux morgen vor der Finanzkommission äußern wird. In eingeweihten Kreisen wird jedoch versichert, daß hierüber noch keine Einigung erzielt wurde und daß der Text endgültig erst morgen fertiggestellt werden wird. Die Vollmachten sollen bedeutend, weitergehen, als man zunächst angenommen habe; die Regierung habe sich neuerdings Rechenschaft von der ernsten Lage abgelegt und sei mehr als je von der Notwendigkeit rascher M a ß n a h in e it überzeugt. Sie werde sich in der Frage der Stabilisierungsmaßnahmen sehr fest zeigen und -keine Konzessionen machen, sondern unter Uinständen die Verantlvortung für ein Fehl sch lagen anderen überlassen und zurücktreten. Kommunistische Demonfiraiionen gegen den Sultan von Marotto in Paris. Paris, 15. Juli. Die Pariser mohammedanische M osch c e wurde heute vom Sultan von Marokko in Anwesenheit zahlreicher, mohammedanischer Würdenträger eingeweiht. Der Sultan sprach, mit dem Gesicht gegen MeAa gewendet, den Gläubigen das Gebet vor. Um 3 Uhr nachmittags fand eine zweite Einweihungsfeier statt, ' an der der Präsident Donmergu e und der französische . Generalresident S t e e g tcilnahmen. - Bei der Rückkehr Mülley Jussuffs kam es, , als sein Wagen am Kammergebäude vorbeifuhr, zu einem aufsehenerregenden Zwischenfall. Einige auf der Terrasse des Kammerrestaurants befindliche k o m m unistische Abgeordnete pfiffen den Sultan aus, wurden jedoch sofort von den städtischen Garden , mit Kolbenschlägen zurückgedrängt. Die Menge ergriff gegen die Abgeordneten Partei, beschimpfte sie und bewarf sie mit Stöcken und T o m a t e n, die einem fliegenden Händler abgenomnten worden waren. Es dauerte eine Stunde, bis die Ordnung wieder hergestellt werden konnte. Der neue Krieg in Marotto. Paris, 15. Juli. Nach Meldungen aus'Fes haben heute früh die bei Taza operierenden französischen Heereskolonnen die Fühlung miteinander ausgenommen. Damit ist das Gebiet der Beni-Varai nördlich von Taza vollständ ig besetzt. Die französischen Truppen haben heute weniger Widerstand gefunden, während sich die Eingeborenen sehr hartnäckig zur Wehr gesetzt haben. Demission der brasilianischen Regler««». Wegen der Hausse fremder Devisen. New-Aork, 15. Juli. Nach-einer Meldung aus Rio de Janeiro hat die brasilianische Regierung infolge der H a u s s e f r e m d e r Devisen demissioniert. Man hatte -der Regierung vorgeworfen, daß sie nichts gegen die durch die Hausse hervorgerufene Krise, vor allem in der Textil- und Gummiindustrie, getanhabe. Hindus und Mohammedaner. Kalkutta, 14. Illli. Im nördlichen Stadtviertel kam es heute zu Znsammenstößen zwischen Hindus imd Mohammedanern, als die Hindus mit einem Bildnis ihrer Gottheit zu einer Prozession auszogen. Die Mohammedaner bewarfen die Prozession mit Steinen. Die Polizei war, als die Unruhen größeren Umfang cmnahmen, genötigt, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen und stellten die Ordnung wieder her. Eine Person wurde getötet, 40 Personen schwer verletzt. Die Ruhe der Salze». Teheran,' 14. Juli.- (Reuter.) 86 Aufständische sind in Äser- 'beidschan h i n g e r i ch t e t worden. Die Ruhe ist wieder h-rgestellt.